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Ein Buch zur digitalen Frühantike und ihrer ersten Hochkultur

Vor ein paar Wochen bin ich 50 geworden und habe ein Buch geschenkt bekommen: „The friendly orange glow“ von Brian Dear mit dem Untertitel „The untold story of the PLATO System and the dawn of cyberculture“. Es thematisiert PLATO – ein Computersystem von früher. Nach Maßstäben der Computerhistorie sogar von noch früher. Quasi von der digitalen Frühantike.

The friendly orange glow

The friendly orange glow

Was hatte es mit dem PLATO System auf sich?

Dazu kurz ein Rückblick auf meine Jugend.

Für mich fing die Digitalisierung der Gesellschaft ungefähr 1980 an. Damals hatte in der Bevölkerung fast niemand etwas mit Computern zu tun gehabt und plötzlich gab es überall Homecomputer und kurze Zeit später Personal Computer zu kaufen. Ich habe mich Hals über Kopf in das Thema gestürzt, bin um 1990 das erste Mal Online gegangen und habe noch vor dem Internet in den Mailboxen (oder BBS) Foren, Chats, E-Mail und Online Spiele kennengelernt. Damit habe ich mich lange zu den Online Pionieren gezählt.

Damit lag ich allerdings ganz schön falsch!

Zunächst fand ich heraus, dass das erste BBS bereits 1978 von Ward Christensen entwickelt und in Betrieb genommen wurde. Etwas später habe ich gelernt, dass das Internet nicht etwas mit dem World Wide Web 1991 begann, sondern seine Wurzeln bis in die 1960er Jahre zurückreichen und dass der erste Computer mit grafischer Benutzeroberfläche nicht etwas die Apple Lisa von 1983 war, sondern der XEROX Alto von 1973.

Und dann bin ich über ein Bild von gestolpert, auf dem ein Terminal mit orangefarbenem Gas-Plasma Touch Display zu sehen war, auf dem eine einfache Art 3D Shooter zu sehen war. Und darunter stand „PLATO IV Terminal (ca. 1975)“.

Wie bitte? 1975?

Zu dem Zeitpunkt liefen viele Computer noch mit Lochkarten und wurden über Fernschreiber oder Textterminals bedient, und dann so etwas? Um das zu verdeutlichen: Hier ist ein Bild vom PLATO V Terminal, das sich nicht sehr vom VI unterscheidet:

PLATO V Terminal

PLATO V Terminal By Mtnman79 [1] [CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0) or GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons

PLATO war ein Computersystem, das in den 60er Jahren an der Univerity of Illinois für die Lehre konzipiert war und tatsächlich bis Ende der 80er Jahre für Onlinekurse genutzt wurde. Es lief auf den seinerzeit schnellsten Computern der Welt und ging stets an die Grenzen des damals technisch machbaren.

Über das Buch

Das Buch beschäftigt sich aber nicht so sehr mit der Technik, sondern mit den Menschen dahinter. Es stellt und beantwortet die folgenden Fragen:

Was hat sie zur Entwicklung dieses brillianten Meilensteins der Computergeschichte motiviert und wie sind sie vorgegangen?

Wieso wollte man computerunterstützte Lehre fördern, zu einer Zeit als selbst Taschenrechner noch Science Fiction waren?

Wie konnte es geschehen, dass minderjährige Hacker die millionenteure Technik nutzen konnten, um Multiuser-Onlinespiele zu programmieren und zu spielen?

Wieso hat niemand erkannt, dass auf diesem System die Zukunft der Online Zusammenarbeit mit Chats, Mails und Foren entwickelt wurde?

Was führte nach dem technischen Höhenflug zu dem unrühmlichen Niedergang ab Mitte der 80er Jahre?

Ich habe das Buch mit Vergnügen gelesen und mir dabei Zeit gelassen. Ich habe viel gelernt – insbesondere, dass es auch schon vor über 40 Jahren „Digital Natives“ gab, die sich die digitalen Werkzeuge angeeignet und abseits vom eigentlichen Einsatzzweck eigene Nutzungen und Umgangsformen entwickelt haben.

Absolut lesenswert!

Vintage Computing Festival Berlin 2017

Auch in diesem Jahr fand wieder das Vintage Computing Festival Berlin statt. Im Gegensatz zu dem vergangenen Jahren (siehe 2014, 2015 und 2016) wurde die Veranstaltung nicht mehr in der Humbuldt Universität, sondern im Deutschen Technikmuseum am Gleisdreieck abgehalten. Veranstaltugsort war nicht das Hauptgebäude, sondern die Räume am Ende der Ladestrasse auf dem Gelände des ehemaligen Anhalter Güterbahnhofs. Besucher des VCFB hatten auch freien Eintritt in der Dauerausstellung „Das Netz – Menschen, Kabel, Datenströme“. Den Wechsel halte ich für gelungen, weil die Ausstellung nunmehr räumlich luftiger und großzügiger ausfällt (1400qm statt 700qm).

Deutsches Technikmuseum – Ladestrasse

Die Veranstaltung in Zusammenarbeit von Humbold Universität, dem Berliner Hackerspace AFRA mit Unterstützung des CCC Berlin war war auch in den vergangenen Jahren bereits auf hohem Niveau. Da das Technikmuseum in diesem Jahr nicht nur die Räume stellt, sondern auch Personal – insbesondere Ordner – fühlt sich das ganze aber nun noch professioneller an.

Die Schwerpunkte der Veranstaltung waren auch diesmal wieder Vorträge, ein Games-Bereich und natürlich die oft recht besonderen Exponate der privaten Aussteller.

Besucher

Mit 2100 Besuchern ist das VCFB nochmals deutlich größer, als in den vergangenen Jahren. Zudem schien es mir so, dass die Besucher nun gezielt kommen, während in der HU manche Besucher eher „aus Versehen“ in die Ausstellung kamen, weil sie ohnehin gerade in Berlin Mitte spzieren gingen.

Zumindest bei den Besuchern war der Frauenanteil erfreulich hoch. Sehr schön fand ich die vielen Kinder, die sich unvoreigenommen an die teilweise über 30 Jahre alten Systeme gesetzt haben. Computerspiele funktionieren immer – auch mit Pixelgrafik. Selbst eine Pong-Konsole aus Mitte der 70er war fast durchgehend belegt. So lernt der Nachwuchs, dass Computer mehr bedeutet, als Windows und Apple.

Für die Kinder gab es neben den Bereich klassischer Videospiele auch zwei Möglichkeiten selbst aktiv zu werden: Einen Workshop um „Zahnbürstenroboter“ zu basteln und einen Lötworkshop.

Ausstellung

Die Ausstellung bot sowohl einen großen Umfang, als auch eine sehr interessante Spannbreite.

Es gab verschiedene Exponate an denen man mechanisches Rechnen erleben konnte – von klassischen Tischrechnern, über eine Curta bis zu einem für Lehrzwecke neu entwickelten elektromechanischen Mini-Rechner.

Mechanisches Rechnen - Curta

Mechanisches Rechnen – Curta

Selbstgebaute Rechner waren ebenfalls ein Thema: In der ehemaligen DDR war das häufig die einzige Möglichkeit überhaupt an einen Rechner zu kommen. Im Westen stand eher der Erkenntnisgewinn im Vordergrund. Zwei Brüder führten ihren im Jahr 1974 selbst entwickelten Rechner vor. Er nutzt keinen Microprozessor, sondern die 12-Bit CPU ist aus TTL Bausteinen selbst gebaut – mit selbst entwickeltem Befehlssatz. Sehr beeindruckend!

Selbstbaurechner von 1974

Selbstbaurechner von 1974

Daneben stand ein Exemplar des NDR-Klein Computers. Ein Modulares System aus den 80er Jahren, das mit unterschiedlichen Microprozessoren bestückt werden konnte. Einige verschiedene 70er Jahre Single Board Computer waren ebenfalls zu sehen.

Natürlich gab es auch wieder eine schöne Auswahl an Heimcomputern zu sehen, mit einem Schwerpunkt auf Atari Rechnern, aber auch Apple war gut vertreten. Daneben gab es weitere Klassiker, wie TRS-80 Model 1, diverse Spectrum Modelle, Amstrad/Schneider, MSX.

Optisch eindrucksvoller waren die Racks mit Rechnern von Digital Equipment. Die PDP-8/e auf der linken Seite war an ein VT-05 Videoterminal angeschlossen, die lab8/e auf der rechten Seite wurde über einen Teletype Model 33 Fernschreiber bedient.

Rechner von DEC

Rechner von DEC

Zum ersten Mal konnte ich ein Frontpanel einer IBM System/360 in Verbindung mit einer Kugekopfschreibmaschine in Aktion sehen. Der Originalrechner wurde leider verschrottet, aber auf der Rückseite des Panels steckte ein kleines FPGA Board, das den Rechner originalgetreu nachbildete.

IBM System/360 Model 30

IBM System/360 Model 30

Das teilweise oder komplette Ersetzen von originaler Hardware durch moderne Rechneremulationen oder FPGA Nachbauten scheint ein Trend zu werden, wie verschiedene Exponate zeigten. Angesichts des nun bereits mehrjährigen Versuchs, die PDP-11/34 des Hackerspaces AFRA wieder in Betrieb zu nehmen ist das ein verständlicher Weg.

Ebenso gab es aus heutiger Sicht exotische Bürocomputer (8Bit Commodore, 32 Bit Risc Workstation, HP-Grafikworkstations,…) und alternative Betriebssysteme (OS/2, BeOS, GEOS, …) zu sehen.

Interessant fand ich noch die Kollektion verschiedener Handheldsysteme, die die Evolution bis zu aktuellen Smartphones zeigte. Ich konnte neben einem mir unbekannten Z-80 basierten PDA von Amstrad auch das erste Mal einen Apple Newton ausprobieren. Mein Fazit: Die Handschrifterkennung des Amstrad ist langsam und unbrauchbar, die des Newton schneller und genauso unbrauchbar. Den Palmpilot brauchte ich nicht auszuprobieren, da ich selber einmal ein Modell III besessen habe.

Handhelds

Handhelds

Vorträge

Ich habe mir in diesem Jahr lediglich zwei Vorträge angehört, weil man dank des Videoteams des Chaos Computer Clubs alles auch nachträglich im Netz ansehen kann (https://media.ccc.de/c/vcfb2017).

Wolfgang Stief erweitertete auch dieses Jahr seine Vortragsreihe über Seymour Cray und seine Rolle im Supercomputing. Nach den Vorträgen „Wie das Supercomputing auf die Welt kam“ aus dem Jahr 2015 und „Defining Supercomputing — Seymour Cray und die CDC 6600“ aus dem Jahr 2016, ging es thematisch weiter in die 70er Jahre mit dem Thema „Cray-1, Ikone des Supercomputing – Wie die Maschine zur Welt kam, und was danach passierte„.

Eine kleine Anekdote: Als ich ihn nach dem Vortrag auf die CRAY-2 hinwies, die keine 30m von dem Vortragsraum entfernt steht, zeigte sich Wolfgang Stief überrascht. Ich hatte mich schon gewundert, weshalb er in seinem Vortrag darauf hingewiesen hatte.

Cray 2 im Deutschen Technikmuseum

Cray 2 im Deutschen Technikmuseum

Den anderen Vortrag, den ich mir angehört habe, hielt Rolf-Dieter Klein, der leider kurzfristig verhindert war, aber  per Skype hinzugeschaltet wurde. Er stellte die Entwicklung des bereits genannten NDR-Klein Computers vor, der Anfang der 80er Jahre in einer 26-teiligen Fernsehserie vorgestellt wurde um dem Publikum die Grundlagen des Computing nahezubringen.

Fazit

Das vierte Vintage Computing Festival Berlin war wieder sehr interessant und anregend. Der neue Veranstaltumgsort ermöglicht es, die Spannbreite historischer Rechentechnik einem breiteren Publikum nahezubringen. Zudem ist es eine hervorragende Ergänzung zu den anderen Artefakten des Museums, die in der Regel nicht operativ betrieben werden und so den Charakter der historischer Rechentechnik nicht so gut transportieren können. Insofern hoffe ich, dass sich das Deutsche Techniskmuseum dazu entschliessen kann, seine Räume auch für das VCFB 2018 zur Verfügung zu stellen.

Instructions to a 6510 for Sound

Am Nachmittag des 02.07.2017 fand in der Toskanahalle in Berlin Weissensee die Finissage der Ausstellung „Computerbögen“ statt. Daran war ich mit meiner Installation „Instructions to a 6510 for Sound“ beteiligt.

Es handelt sich um eine Installation aus 32 Blatt Tabellierpapier mit kommentiertem Assemblercode, Lautsprecher und einem Einplatinenrechner, der programmgesteuert im 5 Minuten Intervall drei Musikstücke abspielt.

Installation im Überblick

Installation im Überblick

Detail: Raspberry Pi und Erläuterung

Detail: Raspberry Pi und Erläuterung

Detail Ausdruck

Detail Ausdruck

Über das Werk:

Das Werk hat mehrere Interpretationsebenen.

Der Name der Installation weist auf die einfachsten Interpretationsebene hin. Es ist Musik zu hören, die mittels einer Software erzeugt wurde. Auf den 32 Blatt Papier sind Anweisungen für einen MOS6510 Prozessor zu sehen um diese Musik zu erzeugen.

Eine andere Interpretationsebene ist das Spiel mit Zeit. Artefakte aus den 80er Jahren, die im Jahr 2017 genutzt werden.

Die zugrunde liegende Software (Sound-Monitor von Chris Hülsbeck) stammt aus dem Jahr 1986. Sie ist für den Commodore 64 programmiert, einem Heimcomputer aus dem Jahr 1982.

Das verwendete Tabellierpapier erinnert aber an typische Computerausdrucke aus den 70er und 80er Jahren. Die Schrifttype stammt von einem Epson Nadeldrucker aus dem Jahr 1980.

Der Ausdruck zeigt eine kommentiert Interpretation des Assemblercodes von Dirk Ollmetzer aus dem Jahre 2017.

Die abgespielte Musik stammt von Dirk Ollmetzer aus dem Jahr 2014 und 2017.

Nicht zuletzt ist die Installation auch ein Spiel mit Authentizität.

Die Software, um die es in diesem Werk geht, ist in ihm selber nicht vorhanden. Der Ton kommt von einem kleinen Einplatinenrechner aus dem Jahr 2016, der drei vorgefertigte MP3 Sounddateien abspielt. Diese wurden zwar mit dem Soundmonitor erzeugt, jedoch nicht auf einem echten Commodore 64, sondern auf einer Softwareemulation des Commodore 64, die auf einem aktuellen PC lief.

Auf dem Ausdruck ist auch nicht der Maschinencode selbst zu sehen, sondern eine für den kundigen Menschen lesbare Form (6502 Assemblercode) mit Kommentaren und Sprungmarken, anhand der die Funktion der Software nachvollzogen werden kann.

Der scheinbar alte Computerausdruck wurde mittels einer Textverarbeitung und einer speziellen Schrifttype zunächst auf normales A4 Papier ausgedruckt und anschließend mit modernen Kopierern auf das Tabellierpapier vergrößert kopiert.

Nichts ist so, wie es zunächst scheint. Alles ist echt, aber nichts authentisch.

Warum nicht mal etwas Kunst machen?

Neulich bei einer Vernissage in der Toscanahalle in Berlin Weißensee wurde ich zufällig darauf aufmerksam, dass ich an einer der kommenden Kunstausstellungen teilnehmen sollte. Ich stand bereits auf der Teilnehmerliste.

Ähm – wie jetzt? Kunst? Ich?

Das letzte Mal, dass ich aktiv sowas wie Kunst gemacht habe war im letzten Jahrtausend kurz vor dem Abitur im Leistungkurs. Aber die Dame, die mich einfach so auf die Teilnehmerliste gesetzt hat (Susanne Knaack), hat sich schon etwas dabei gedacht. Für die Ausstellung mit dem Namen „COMPUTERBÖGEN“ wurde jeder der Teilnehmer mit einem Schwung Tabellierpapier ausgestattet um sich damit thematisch auseinanderzusetzen.

 

Ausstellung Computerbögen

Ausstellung Computerbögen

Nun gut. 80er Jahre, Retro, irgendwas mit Computern – das passt natürlich zu mir. Also habe ich mich des Themas angenommen und ein Werk geschaffen.

Es hat etwas mit Papier, Code, 80er Jahre Computern, Musik und Wahrheit zu tun. Einen kleinen akustischen Teaser gibt es hier:

Wer findet, dass das interessant klingt, ist herzlich eingeladen, die Ausstellung vom 17.06.2017 bis zum 02.07.2017 in der Neumagener Str. 25 in Berlin Weißensee anzusehen.

 

Zwei neue 8 Bit Rechner (fast) Serienreif

Die Grenzen des Retrocomputing verschwimmen zunehmend. Lange haben lediglich eine Handvoll Enthusiasten die alte Hard- und Software am Laufen gehalten. Seit einiger Zeit gibt es außerdem verstärkt neue Software und Perepheriegeräte für Computer aus den 80er Jahren. Nun scheint die Zeit für die dritte Stufe des Retrocomputing reif zu sein:

Neue Hardware für alte Software.

Aus den vielen interessanten Projekten, die durch die Szene schwirren, interessieren mich zwei ganz besonders: Der Spectrum Next und der Mega65. Beide Projekte werden bereits seit längerem von Entwicklungsteams vorangetrieben und haben mittlerweile funktionsfähige Platinen vorzuweisen.

Commodore 65 (Wikimedia)

Commodore 65 Prototyp
(Von Machine aus der deutschsprachigen Wikipedia, CC BY-SA 3.0, Link)

Der Mega65 basiert auf den technischen Spezifikationen des Commodore 65 – einem geplanten, aber niemals vollendeten Nachfolger des legendären Commodore 64 von dem nur eine handvoll Prototypen existieren. Das siebenköpfige Team ist dabei, den Rechner auf FPGA Basis neu- und zu Ende zu entwickeln. Der Prototyp der Serienplatine wurde auf der Revision 2017 Demo Party präsentiert. Was noch fehlt ist die Serienproduktion und das passende Gehäuse.

mega65 Prototype Platine

Mega65 Prototype Platine
(Quelle: http://c65gs.blogspot.de/)

Tatsächlich scheint die Herstellung eines Gehäuses aus Kunststoffspritzguss auch beinahe die größte Hürde darzustellen, weil die Produktion der Gussformen sehr teuer ist.

Genau diese Hürde möchte das Team des Spectrum Next jetzt nehmen – ein Gehäuse für die funktionsfähige Platine. Dazu hatten sie Mitte April eine Kampagne auf Kickstarter gestartet, mit dem Ziel 250.000 Britische Pfund für den Start der Serienproduktion einzusammeln. Das gelang in kürzester Zeit. Eine Woche nach Start hat das Projekt bereits 390.000 Pfund erreicht.

Spectrum Next Prototyp Platine

Spectrum Next Prototyp Platine
(Quelle: https://www.kickstarter.com/projects/1835143999/zx-spectrum-next)

Ein großer Teil des Erfolges beruht sicherlich auf dem sehr gelungenen Design des Rechners. Hierfür ist Rick Dickinson verantwortlich – der Designer der originalen Sinclair ZX80, ZX81, ZX Spectrum, ZX Spectrum Plus und QL. Das merkt man dem eleganten Enwurf an. Es ist offensichtlich ein neuer Rechner – aber man assoziiert selbst ohne Schriftzug sofort einen klassischen Sinclair.

Spectrum Next

Spectrum Next
(Quelle: http://www.specnext.com/)

Der fertige Spectrum Next soll im Frühjahr 2018 erhältlich sein. Ich bin bereits sehr gespannt…

 

Klassiker der (Musik-)Elektronik

An diesem Wochenende habe ich mich mal wieder an die Grundlagen der Musikelektronik erinnert. Es fing damit an, dass ich viele Songs von Kraftwerk gehört habe. Die Gruppe war seinerzeit sensationell radikal – das kann man als junger Mensch heutzutage vermutlich gar nicht nachvollziehen. Aber die sanften Melodien von Autobahn, die drängenden Akkorde von Trans-Europa-Express, oder die Metropolis-artigen Rhytmen von Die Mensch Maschine sind auf jeden Fall immer noch richtige Ohrwürmer.

Leider habe ich es im November 2014 nicht geschafft Karten für die Konzerte in der Nationalgalerie zu bekommen, die Kraftwerk im Januar 2015 gespielt haben. Dafür konnte ich jetzt Konzertkarten für einen anderen Elektronik Pionier bekommen, der ebenso beeindruckend Werke geschaffen hat. Ich freue mich jetzt auf auf Jean Michelle Jarre in der Zitadelle Spandau.

Und weil wir jetzt schon bei Klassikern der elektronischen Musik sind, habe ich meinem Verlangen nachgegeben und mir nach einiger Überlegung ein feines Stück Hardware angeschafft: Einen Analog Synthesizer von Moog.

Der Moog Mother 32 sieht neben meinem Keyboard eher niedlich aus und die Daten lesen sich zunächst überhaupt nicht beeindruckend: Ein einzelner Oszillator, der nur Sägezahn und Rechteckwellen erzeugen kann, ein LFO und eine Hüllkurve, die nicht mal vollständig ADSR bietet. Dafür scheinen die aufgerufenen €700,- zunächst etwas happig.

Mein Moog Mother 32

Mein Moog Mother 32

Aber der Eindruck täuscht. Man merkt deutlich, dass die Firma über 50 Jahre Erfahrung in Analogelektronik hat. Die Verarbeitung ist erstklassig. Das Gehäuse ist aus Metall und Holz. Nichts wackelt – alles sitzt bombenfest. Die Drehregler fühlen sich an, als ob sie in Honig gelagert sind, lassen sich sehr feinfühlig dosieren und decken einen erstaunlich breiten Regelbereich ab. Der Sound ist für einen Oszillator überraschend fett und mit dem Patchfeld lassen sich interessante Modulationen erzeugen.

Nach einigem Rumspielen stellte ich schnell fest, dass das Klangspektrum erheblich größer ist, als ich zunächst vermutet hatte. Zudem ist die Bedienung auch nicht allzu schwierig. Ich konnte auf dem eingebauten Sequenzer schnell die Eingangssequenz von Pink Floyds „on the run“ nachbauen und der Klang kam dem Original sehr nahe.

Die Arbeit mit analoger Elektronik unterscheidet sich aber doch erheblich von der an einer Audio Workstation, bei der man überwiegend mit Noten, Patterns und Presets arbeitet und die Arrangements regelrecht festklopft. Auf dem Moog ist nichts 100% exakt reproduzierbar, der ganze Arbeitsprozess ist ein einziges Ineinanderfließen von Sounds. Sehr meditativ! Wie ich diese beiden Welten zueinander bringen kann, weiß ich noch nicht, aber spannend finde ich das auf jeden Fall.

Ein Grund, weshalb ich mich für exakt dieses Gerät entschieden habe, ist, dass es sich hervorragend als Kernstück eines größeren Modularsystems eignet. Falls ich tiefer in diesen Bereich eintauchen möchte, habe ich somit schon einen sinnvollen Grundstock an Funktionen.

In einschlägigen Foren wird übrigens mit einem deutlichen Augenzwinkern davor gewarnt, in den Bereich der analogen Modularsynthesizer einzusteigen. Man würde schnell einer schweren, ansteckenden Krankheit anheimfallen: Dem Gear Akquisition Syndrome (GAS), dessen Endstadium in dem unten stehenden Bild deutlich erkennen kann. 😉

Enstadium GAS (Symbolbild)

Enstadium GAS (Symbolbild)

Bis dahin werde ich aber vor allem viel Zeit investieren um den Geräten auch einmal solch betörenden Klänge zu entlocken, wie in diesem Werbevideo von Moog.

 

 

4032

Auf dem letzten Vintage Computing Festival hat mir Mario von einem Commodore 4032 erzählt, von dem er sich trennen wollte. Er wollte ihn nicht einfach an den meistbietenden auf Ebay verkaufen, sondern sicher sein, dass er in gute Hände kommt. Ich hatte zwar starkes Interesse, aber leider keinen Platz. Ein alter Freund von mir hatte hingegen noch Platz neben seinem gepflegten Vectrex (=gute Hände). Wir haben abgemacht, dass der Rechner bei ihm stehen wird und ich mich um die Programmierung kümmern soll. So sind wir schließlich zu dritt Handelseinig geworden.

Es kam dann noch reichlich Alltag dazwischen, weil das gute Stück nicht gerade um die Ecke, sondern im Berliner Umland stand. Heute war es dann endlich soweit und ich konnte das historische Maschinchen aus dem Jahr 1980 abholen.

Commodore 4032 als Beifahrer

Commodore 4032 als Beifahrer

Bei dem Rechner handelt es sich um die amerikanische Version, was am Namen „PET 4032“ erkennbar ist. In Deutschland wurde aus markenrechlichen Gründen der Name „CBM 4032“ verwendet. Abgesehen vom Namen und der unterschiedlichen Betriebsspannung gibt es keine Unterschiede, denn die Rechner gab es nur mit amerikanischer Tastatur.

PET 4032 aufgestellt

PET 4032 aufgestellt

Der Grünmonitor hat stattliche 12″ Diagonale. Es gab das Modell auch mit einer kompakteren 9″ Bildröhre. Das Bild ist auch nach 37 Jahren noch immer scharf und stabil. Das Metallgehäuse weist keinen Rost auf, die Platine war etwas staubig aber in bester Verfassung. Lediglich einige Tasten möchten mit etwas Nachdruck gedrückt werden.

Dem Rechner in den Speicher geschaut

Dem Rechner in den Speicher geschaut

Nach dem Einschalten ist der Rechner nach 2 Sekunden betriebsbereit und wartet auf Basic Befehle. Mit dem Aufruf von SYS40960 kann man das nachgerüstete Monitorprogramm aufrufen und sich direkt im Speicher tummeln. Jetzt fehlt nur noch ein geeignetes Speichermedium und der Spaß kann beginnen…

Semi-Retro-Nerd-Zeugs: Die PiDP-8 mit OS/8

Wenn man sich wie ich schon in den frühen 80er Jahren mit Heimcomputern beschäftigt hat, gehört man bereits zu den Veteranen des Digitalzeitalters. Dennoch ist mir in den letzten Jahren immer stärker klar geworden, dass ich kaum Ahnung von den Rechnern habe, die vor dieser Zeit im Einsatz waren. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass es nicht allzuviele Geräte aus der Computerfrühzeit gibt. Die Stückzahlen waren damals noch sehr gering und es haben auch nicht viele Maschinen überlebt, weil es extrem aufwändig ist, solch alte Geräte lauffähig zu halten.

Als ich auf dem Vintage Computing Festival 2014 endlich zwei der legendären Computer der Firma Digital Equipment in Natura im Betrieb sehen konnte, war ich daher schwer fasziniert. Es wurden damals eine sehr stylische 12-Bit PDP-8/e aus dem Jahr 1970 mit VT-05 Videoterminal und die 16-Bit PDP-11/34 aus dem Jahr 1976 mit Teletype 33 ASR Terminal vorgeführt.

Damals war auch schon Oscar Vermeulen dabei, der einen Bausatz für eine Mini-Replika der PDP-8/i entwickelt hatte. Das Gerät sieht fast genauso aus, wie das Original, ist allerdings erheblich kleiner und hat einen sehr hohen Niedlichkeitsfaktor. Die Bedienung ist tatsächlich genauso, wie beim Original und man kann natürlich die alte Software aus den 60er und 70er Jahren laufen lassen. Beim diesjährigen VCFB habe ich mich dann endlich dazu durchgerungen, Oscar einen dieser mittlerweile weiterentwickelten Bausätze abzukaufen – für den Nerd-Preis von 2 hoch 7 Euro (€128).

Vier Wochen später ist es soweit: Meine PiDP-8 läuft und ich habe die ersten Stolperschritte im Betriebssystem OS/8 gemacht. Die Ein- und Ausgabe auf einem Laptop erfolgt stilecht über Cool-Retro-Term im Look eines VT-05 Terminals.

PiPD-8 mit Terminal

PiPD-8 mit Terminal

Weshalb der Name PiDP-8 anstatt PDP-8? Der Bausatz ist eigentlich gar kein Computer, sondern nur „Blinkenlights“ – also das Frontpanel mit LEDs und Eingabetastern. Dazu wird noch ein Raspberry Pi benötigt, auf dem die Software SimH läuft, die die eigentliche Rechneremulation ausführt. Trotzdem bleibt noch genügend Bastelei übrig.

Zunächst sollte mal den Raspberry Pi und die Software vorbereiten. Dazu benötigt man den Raspberry Pi, eine Micro SD Karte, einen SD-Karten Adapter, einen USB Speicherstick, einen Computer mit SD-Karten Steckplatz, ein USB Ladegerät, eine Tastatur, eine Maus und einen Bildschirm. Ich habe den Raspberry Pi einfach per HDMI an den Fernseher angeschlossen. Wenn alles läuft, braucht man Tastatur, Maus und Bildschirm nicht mehr.

Raspberry Pi vorbereiten

Raspberry Pi vorbereiten

Auf der PiPD-8 Homepage werden zwei Varianten beschrieben, wie man die Software zum Laufen bekommt. Variante 1 ist das Image einer fertigen PDP-8 Distribution und in Variante 2 wird die Software auf einer normalen Raspbian Dsitribution installiert.

Empfehlen kann ich nur Variante 2. So benötigt der Rechner zwar 30 Sekunden anstatt 10 Sekunden zum Starten, lässt sich aber wie gewohnt einrichten und anpassen. Bei der Fertigdistribution hatte ich Probleme mit Tastatur, Netzwerk und Systemaktualisierung.

Nachdem die PDP-8 Emulation läuft, kann man sich an das Basteln der Hardware machen. Dazu benötigt man neben dem Bausatz vor allem Lötkolben, Lötzinn, Seitenschneider und für das Gehäuse Bohrmaschine, Laubsäge, Feile und feine Kreuzschlitzschraubendreher.

Fertig zum Löten

Fertig zum Löten

Wichtig ist, die Anweisung genau zu lesen. Es gibt einige typische Stolperfallen, in die man sonst leicht tappen kann:
Vorder- und Rückseite des Boards verwechseln, Dioden und LED mit falscher Polung oder Sockelleisten falsch einlöten, Schaltertypen verwechseln usw..
Davon abgesehen ist der Bausatz einfach, und auch für einen Hardwarelegastheniker wie mich machbar.

Tip: Achtet auf richtiges Werkzeug. Ich habe mir extra einen neuen Lötkolben mit feiner Spitze besorgt. Der auf dem Foto gezeigte war wenig geeignet.

Tag 1: Dioden, Widerstände und erste LEDs sitzen

Tag 1: Dioden, Widerstände und erste LEDs sitzen

Wenn man vernünftiges Wekzeug hat, jedes Teil dorthin setzt, wo es hin muss, man auf die kleinen Stolperfallen achtet und Lötbrücken und kalte Lötstellen vermeidet, kann eigentlich nichts schief gehen. Der Rest ist Fleißarbeit: für 26 Dioden, 15 Widerstände, 89 LEDS, einen IC Sockel, eine Stiftleiste und 26 Schalter braucht man schon ein wenig Zeit. Ich habe das Board an drei Tagen zusammengelötet.

Tip: Zwischendurch immer mal prüfen, ob die LED und die Schalter gerade sitzen, indem man das Board hinter das Frontpanel hält

Tag 3: Das PiDP8 Board ist fertig

Tag 3: Das PiDP8 Board ist fertig

Nachdem ich das Board fertiggebaut und den Raspberry Pi auf der Rückseite montiert hatte, lief zu meiner großen Freude alles ohne Probleme. Damit hatte ich eigentlich gar nicht gerechnet.

Ich hatte allerdings auch nicht damit gerechnet, dass die größten Schwierigkeiten beim Einbau des Rechners in die Bambusholzkiste auftreten würden. Als ich das Loch an der linken Gehäuseseite für Ethernet und USB heraussägte, splitterte der Bambus, die große Holzleiste hinter den Schaltern ließ sich nicht mit den 9,5mm Schrauben befestigen, weil diese nicht in das Montageloch unter den Schaltern eingeführt werden konnte und fast alle Micro-USB Kabel, die man für die Stromversorgung braucht, waren zu lang und unflexibel um in die Kiste eingebaut werden zu können. Ein Kabel, das oben aus der Kiste herausragt, wollte ich aber nicht haben.

Aber wenn man schon mal so weit ist, lässt man sich von solchen Kleinigkeiten nicht aufhalten. Der Rechner sitzt jetzt im Gehäuse und sieht aus, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Jetzt kann ich mich durch fast 50 Jahre alte Dokumentation bei Bitsavers durchwühlen, um den Umgang mit der Maschine zu lernen. Und nächstes Jahr baue ich dann die PiDP-11/70… 😀

PiDP-8: fertig und läuft

PiDP-8: fertig und läuft

Digital ist besser – aber nicht immer

Während manche Leute riesengroße Touchscreens in Autos wie dem Tesla Model S für tollen modernen Kram halten, sind andere Branchen schon wieder ein paar Jährchen weiter. In Bereichen, die bereits seit Jahren oder Jahrzehnten digitalisiert sind und wo es für die Nutzer auf schnelle und intuitive Bedienung ankommt, sind digitale Benutzeroberflächen schon längst wieder auf dem Rückzug, weil sie zu sperrig in der Bedienung sind.

Ein Beispiel sind Musikinstrumente. Der Siegeszug der digitalen Klangerzeugung bei Synthesizern in den 80er und 90er Jahren führte zu Benutzeroberflächen mit Displays und wenigen Knöpfen. Aktuelle Modelle dagegen strotzen wieder vor Drehknöpfen und Schiebereglern, die den Musikern eine virtuose, „blinde“ Bedienung überhaupt erst ermöglichen.

Digitale Technik ist toll, digitale Bedienung aber nicht

Ein anderes Beispiel sind Fotoapparate. Auch hier gibt es einen Trend zurück, den manche als Retrowelle missverstehen. Ich hatte mir vor fünf Jahren eine spiegellose Systemkamera im Micro-Four-Thirds Standard gekauft: Eine Panasonic Lumix DMC-GF2. Ausschlaggebend waren gute technische Werte, hohe Bildqualität, gute Verarbeitung und ein Standard, der von mehr als einem Hersteller unterstützt wird zu einem attraktiven Preis.

Allerdings sind wir nie so richtig miteinander warm geworden. Die Kamera hat zwar 1000 Möglichkeiten, die sind aber alle irgendwo in -zig Untermenüs verteilt. Wenn man etwas verstellen will, muss man auf das Display gucken. In der Zeit ist dann das Motiv weg. Das hat dazu geführt, dass ich eigentlich nur im Automatikmodus fotografiert habe. So eine Kamera holt man sich aber eigentlich nicht nur zum „knipsen“.

Bei meinem Besuch auf der Festung Suomenlinna bei Helsinki ist mir 2013 eine komplette Fotoserie durch einen verstellten Weißabgleich unrettbar verlorengegangen. Irgendwie war ich aus Versehen in das Menü gekommen und hatte die falsche Grundeinstellung nicht mehr bemerkt. Danach war ich so verstimmt, dass ich die Kamera nicht mehr angefasst habe.

Die analogste Digitalkamera, die ich je angefasst habe

Vor ungefähr einem halben Jahr bin ich ziellos durch ein Geschäft geschlendert und habe dabei die Olympus OM-D E-M 10 Mark II entdeckt. Ich habe sie spontan in die Hand genommen, weil sie so niedlich und Retro aussah. Ungefähr wie eine Olympus OM aus den 70ern und 80ern – bloß viel kleiner. Interessanterweise ist das ebenfalls eine Micro-Four-Thirds Kamera und somit systemkompatibel zur Panasonic mit vergleichbaren technischen Eckwertern.

 

Olympus OM-D E-M 10 Mark II

Olympus OM-D E-M 10 Mark II


Mein Interesse war geweckt, ich habe Tests gelesen, Beispielfotos angesehen und das Teil noch ein paar mal in die Hand genommen. Nach langem hin- und her habe ich sie nun in einem Berliner Fachgeschäft gekauft.

Nicht weil sie niedlich ist, sondern weil sie sich unheimlich gut bedienen lässt.

Bei der Olympus lässt sich alles Wichtige mit den drei Rändelrädern extrem schnell und vor allem blind einstellen. Zudem hat sie zusätzlich zum normalen Display auf der Rückseite einen sehr guten elektronischen Sucher. Die Raterei, was man eigentlich aufnimmt, während von hinten die Sonne auf das Display fällt, ist mit diesem Gerät jedenfalls kein Problem. Das Spiel mit Schärfentiefe, Belichtungsspielereien, wie Bewegungsunschärfe usw. klappten nach wenigen Minuten, ohne das Handbuch bemühen zu müssen. Das ist insofern praktisch, als auch gar kein richtiges Handbuch in der Packung lag, sondern nur ein Schnelleinstieg in ca. 725 Sprachen.

Keine Besserwisserei des Geräts

Ein weiterer Vorteil gegenüber der Panasonic ist, dass die Olympus nichts automatisch und ungefragt wegkorrigiert. Zwei Beispiele:

  • Wenn man mit der Panasonic versucht hat ein Portrait aufzunehmen, war es nahezu unmöglich die Tiefenunschärfe einzustellen um den Hintergrund unscharf zu bekommen, weil auf dem Display einfach das komplette Bild scharfgerechnet angezeigt wurde. Die Olympus zeigt die Tiefenunschärfe im Display richtig an.
  • Das Aufnehmen von tollen Farben von Himmel und Wolken bei Sonnenuntergang hat mit der Panasonic regelmässig nicht geklappt, weil eine automatische Helligkeitskorrektur alles auf 60% Standardbelichtung „korrigiert“ hat. Mit der Olympus hat das hingegen bereits im Automatikmodus gut funktioniert. Und eine Belichtungsreihe mit Blendenautomatik war in 10 Sekunden im Kasten.

Fazit: Nix mit Retro – digitale Technik und analoge Bedienung ist die ideale Kombination

Bei beiden Kameras sind die technischen Eckdaten aufgrund des gemeinsamen Micro-Four-Thirds Standards vergleichbar: Gleiche Sensorfläche, 16MP Bildqualität usw. Aber in der Bedienung liegen Welten zwischen den beiden Kameras:

Auf der einen Seite die Panasonic GF2: Ein Touchscreen Computer mit angebautem Objektiv, der die kreative Arbeit am Bild nicht nur nicht unterstützt, sondern sogar behindert oder gar besser als der Nutzer wissen will, wie das Bild auszusehen hat. Im Prinzip ist das eine Automatikknipse. Dafür ist der Spass aber viel zu kompliziert und teuer, weil man diese Art Bilder mittlerweile auch mit einem guten Smartphone hinbekommt.

Auf der anderen Seite die Olympus: Mein erster, spontaner Eindruck war falsch. Das ist kein Retromodell, sondern ein echter Fotoapparat, der einem schnelle und unkomplizierte Bildgestaltung ermöglicht, sofern man sich mit den Grundlagen der Fotografie ein wenig auskennt. So muss es sein.

 

Hier sind ein paar Probefotos:

Modellboot auf dem Weissensee

Modellboot auf dem Weissensee

Harte Licht/Schatten-Kontraste, Vordergrund, Mittelgrund, Hintergrund, Fokus auf dem Modellboot. Blätter im Vordergrund nicht zu dunkel, MIlchhäuschen überstrahlt nicht.
Brennweite 42mm (84mm KB), Blende f/10,0, Belichtungszeit 1/320s, Empfindlichkeit ISO 200.

Baumstumpf

Baumstumpf

Graues Motiv vor grauem Hintergrund im Schatten.
Brennweite 19mm (38mm KB), Blende f/5,6, Belichtungszeit 1/125 Sek., Empfindlichkeit ISO 200.

Baumstumpf Detail

Baumstumpf Detail

Abendlicht

Abendlicht

Abendstimmung, verschiedene Lichtquellen (Himmel, Strassenlaternen, Autoscheinwerfer). Die Farben sind stimmig bei leichtem Überstrahlen des Himmels.
Brennweite 14mm (28mm KB), Blende f/2,5, Belichtungszeit 1/15 sek., Empfindlichkeit 1600 ISO

VR – aufgewärmter Quatsch ohne Soße…

Damals in der 80ern waren nicht nur die Heimcomputer neu, sondern auch diverse Zukunftsszenarien aus damals aktuellen Science-Fiction Geschichten. Ganz heiß erschien damals die Idee vom Cyberspace, oft auch Virtual Reality (VR) genannt. Eine völlig künstliche Umgebung, die nicht den Zwängen der realen, körperlichen Welt unterlag. Eine konstruierte Welt aus Software, in der man sich scheinbar grenzenlos bewegen konnte. Unendliche Möglichkeiten schienen sich aufzutun…

Die ersten wirklichen Versuche, VR umzusetzen waren in den 90ern dagegen ziemlich ernüchternd. Und zwar so sehr, dass das Thema – bis auf Nischenanwendungen, wie Automobildesign – eigentlich seit 20 Jahren vom Tisch ist.

In den letzten 1-2 Jahren kocht das Thema aber so langsam wieder hoch. Ich muss zugeben, daß mich das ziemlich kalt lässt. Als Jugendlicher wäre ich damals vermutlich völlig drauf abgefahren, aber mir ist die Idee mittlerweile einfach zu abgedroschen.

Trotzdem kann natürlich ein kleiner Reality-Check nicht schaden. Versuchen wir mal die Einsteigerdroge: Google Cardboard.

Let’s do it!

Ich hatte mir vor drei oder vier Monaten schon mal Google Cardboard auf meinem Smartphone installiert, aber ohne VR-Brillengestell machte das keinen Sinn. Also hatte ich die App erstmal wieder gelöscht. Am Samstag bin ich bei Conrad über einen Stapel VR-Brillen von Google gestolpert. Kostet ja nicht sooo viel, also habe ich eine der Pappschachteln mitgenommen.

Google Cardboard

Google Cardboard

Fertig zum Ausetzen

Fertig zum Aufsetzen

Das Prinzip ist simpel: Eine Pappschachtel mit zwei Linsen, in die man sein Smartphone klemmt, das ganze auf die Nase setzt und mit den Halteriemchen am Kopf fixiert.

Aber vorher musste ich die App neu installieren, weil ich sie ja zwischenzeitlich gelöscht hatte und – oh Wunder – mein Telefon ist plötzlich nicht mehr kompatibel. Wieso? Vor drei Monaten ging es doch. Ich habe Android 6 auf dem Phone – von veraltet kann also keine Rede sein. Nun gut, also habe ich mit ein paar andere VR-Apps heruntergeladen und damit etwas rumgespielt.

Fazit

Die Erfahrung kann ich in einem Wort zusammenfassen:

Schrott!

Oder etwas ausführlicher:

  • Man sieht wie der letzte Mutant aus. Smombies sind ein Scheissdreck dagegen.
  • Die Kiste mit dem Smartphone auf der Nase nervt – es ist zu schwer und stört einfach nur.
  • Die Fokussierung stellt sich auch nicht gerade von selbst ein. Ich musste mich ziemlich konzentrieren.
  • Keine der Apps hat den Gyroskop im Telefon richtig benutzt. ein Kopfschwenk führte meistens zu gar nichts oder zu einer verzögerten Bewegung, die überhaupt nicht synchron zur Körperbewegung.
  • Die Bedienung ist problematisch, weil man den Touchscreen ja nicht mehr anfassen kann.
  • Dadurch, dass man mit den Augen direkt am Display ist, wirkt das Bild ist unglaublich grobkörnig. Ohne 4K-Display braucht man so etwas gar nicht anzufangen.
  • Von dem Fake-3D wird mir innerhalb von 30 Sekunden übel.
  • Es gab keine einzige App, die mich inhaltlich irgendwie interessiert hätte.

Gut, einige der Punkte davon könnte man mit richtiger Hard- und Software korrigieren. Aber eine wesentlich teurere Kombination aus High-End Samsung Phone und der dazugehörigen Brille war auch nicht viel besser.

Meiner Meinung nach ist die ganze VR-Idee – von einigen Spezialanwendungen wie Konstruktion oder Simulatoren mal abgesehen – für die breite Masse unsinnig.

 

Und überhaupt…

Daß so beharrlich versucht wird, diese eigentlich schon begrabene Idee wieder aufzuwärmen, hinterlässt bei mir einen faden Beigeschmack. Virtual Reality reiht sich für mich in eine täglich länger werdende List von technischem Zeug, dass ich explizit nicht haben will, wie z.B.:

Internetfähiger Kühlschrank. Die Idee war vor 20 Jahren Schrott, vor 10 Jahren Schrott, ist immer noch Schrott und bleibt es auch.

Chatbots. Noch so ein 20 Jahre alter aufgewärmter Quark. Was soll toll daran sein, mit begriffsstutzigen Maschinen zu reden? Das nervt ja bei Menschen schon genug.

Smarthomes und überhaupt alles, was gerade mit „Smart-“ anfängt. Damit absolut jeder Lebensbereich ausgeforscht und im nächsten Schritt ferngesteuert werden kann. Und wir entwickeln uns alle im Rekordtempo zurück zu Amöben. Einige sind ja schon recht weit auf diesem Weg…

Internet of Things. Super, dass jetzt nicht nur mein Computer und mein Handy, sondern auch Lampen, Stereoanlagen, Heizungen, Blumenvasen und Bilderrahmen tägliche Securityupdates brauchen – und trotzdem gehackt werden. Das steigert so richtig die Lebensqualität.

Selbstfahrende Autos. Woher kommt diese Scheiß Idee eigentlich plötzlich? Ich habe in den letzten Jahren eigentlich niemanden gehört, der der Meinung ist, das größte Problem an Autos sei, dass man sie selber fahren muss. Eher so Umwelt, Platzverbrauch, Lärm, Zersiedlung der Landschaft, Ressourcen und ähnliche Dinge.
Eigentlich kann es doch nur darum gehen, so langsam wieder von den Autos wegzukommen und die restlichen mit erneuerbaren Energien anzutreiben.

Mobile Payment. Wenn mir das Handy geklaut wird, ist also nicht nur mein Telefon weg, meine Kontaktdaten, mein Kalender, meine Fotos, meine Social Media Zugänge kompromittiert, sondern auch noch das Geld, was ich auf dem Konto habe. Im Alltag bleibt das Standardproblem jeder bargeldlosen Finanztransaktion: die völlige Nachverfolgbarkeit jeder kleinen Zahlung. Ist ja ’ne Super Idee – ich bleibe bei Bargeld.

Künstliche Intelligenz. Seien wir doch mal ehrlich: Das werden alles absolut unerträgliche digitale Klugscheißer werden, die uns das Leben auf jede erdenkliche Art zur Hölle machen. Ist ja selten genug, dass man überhaupt mal natürliche Intelligenz endeckt.

 

Ich habe das Gefühl, dass diese dämlichen und ausgelutschten Ideen alle paar Jahre wieder rausgeholt werden, um zu prüfen, ob das Volk jetzt endlich verblödet und degeneriert genug ist um vollständig entmündigt zu werden. In anderen Gegenden der Welt wird dafür Religion verwendet und bei uns läuft es halt so.

 

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