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Zwei neue 8 Bit Rechner (fast) Serienreif

Die Grenzen des Retrocomputing verschwimmen zunehmend. Lange haben lediglich eine Handvoll Enthusiasten die alte Hard- und Software am Laufen gehalten. Seit einiger Zeit gibt es außerdem verstärkt neue Software und Perepheriegeräte für Computer aus den 80er Jahren. Nun scheint die Zeit für die dritte Stufe des Retrocomputing reif zu sein:

Neue Hardware für alte Software.

Aus den vielen interessanten Projekten, die durch die Szene schwirren, interessieren mich zwei ganz besonders: Der Spectrum Next und der Mega65. Beide Projekte werden bereits seit längerem von Entwicklungsteams vorangetrieben und haben mittlerweile funktionsfähige Platinen vorzuweisen.

Commodore 65 (Wikimedia)

Commodore 65 Prototyp
(Von Machine aus der deutschsprachigen Wikipedia, CC BY-SA 3.0, Link)

Der Mega65 basiert auf den technischen Spezifikationen des Commodore 65 – einem geplanten, aber niemals vollendeten Nachfolger des legendären Commodore 64 von dem nur eine handvoll Prototypen existieren. Das siebenköpfige Team ist dabei, den Rechner auf FPGA Basis neu- und zu Ende zu entwickeln. Der Prototyp der Serienplatine wurde auf der Revision 2017 Demo Party präsentiert. Was noch fehlt ist die Serienproduktion und das passende Gehäuse.

mega65 Prototype Platine

Mega65 Prototype Platine
(Quelle: http://c65gs.blogspot.de/)

Tatsächlich scheint die Herstellung eines Gehäuses aus Kunststoffspritzguss auch beinahe die größte Hürde darzustellen, weil die Produktion der Gussformen sehr teuer ist.

Genau diese Hürde möchte das Team des Spectrum Next jetzt nehmen – ein Gehäuse für die funktionsfähige Platine. Dazu hatten sie Mitte April eine Kampagne auf Kickstarter gestartet, mit dem Ziel 250.000 Britische Pfund für den Start der Serienproduktion einzusammeln. Das gelang in kürzester Zeit. Eine Woche nach Start hat das Projekt bereits 390.000 Pfund erreicht.

Spectrum Next Prototyp Platine

Spectrum Next Prototyp Platine
(Quelle: https://www.kickstarter.com/projects/1835143999/zx-spectrum-next)

Ein großer Teil des Erfolges beruht sicherlich auf dem sehr gelungenen Design des Rechners. Hierfür ist Rick Dickinson verantwortlich – der Designer der originalen Sinclair ZX80, ZX81, ZX Spectrum, ZX Spectrum Plus und QL. Das merkt man dem eleganten Enwurf an. Es ist offensichtlich ein neuer Rechner – aber man assoziiert selbst ohne Schriftzug sofort einen klassischen Sinclair.

Spectrum Next

Spectrum Next
(Quelle: http://www.specnext.com/)

Der fertige Spectrum Next soll im Frühjahr 2018 erhältlich sein. Ich bin bereits sehr gespannt…

 

Klassiker der (Musik-)Elektronik

An diesem Wochenende habe ich mich mal wieder an die Grundlagen der Musikelektronik erinnert. Es fing damit an, dass ich viele Songs von Kraftwerk gehört habe. Die Gruppe war seinerzeit sensationell radikal – das kann man als junger Mensch heutzutage vermutlich gar nicht nachvollziehen. Aber die sanften Melodien von Autobahn, die drängenden Akkorde von Trans-Europa-Express, oder die Metropolis-artigen Rhytmen von Die Mensch Maschine sind auf jeden Fall immer noch richtige Ohrwürmer.

Leider habe ich es im November 2014 nicht geschafft Karten für die Konzerte in der Nationalgalerie zu bekommen, die Kraftwerk im Januar 2015 gespielt haben. Dafür konnte ich jetzt Konzertkarten für einen anderen Elektronik Pionier bekommen, der ebenso beeindruckend Werke geschaffen hat. Ich freue mich jetzt auf auf Jean Michelle Jarre in der Zitadelle Spandau.

Und weil wir jetzt schon bei Klassikern der elektronischen Musik sind, habe ich meinem Verlangen nachgegeben und mir nach einiger Überlegung ein feines Stück Hardware angeschafft: Einen Analog Synthesizer von Moog.

Der Moog Mother 32 sieht neben meinem Keyboard eher niedlich aus und die Daten lesen sich zunächst überhaupt nicht beeindruckend: Ein einzelner Oszillator, der nur Sägezahn und Rechteckwellen erzeugen kann, ein LFO und eine Hüllkurve, die nicht mal vollständig ADSR bietet. Dafür scheinen die aufgerufenen €700,- zunächst etwas happig.

Mein Moog Mother 32

Mein Moog Mother 32

Aber der Eindruck täuscht. Man merkt deutlich, dass die Firma über 50 Jahre Erfahrung in Analogelektronik hat. Die Verarbeitung ist erstklassig. Das Gehäuse ist aus Metall und Holz. Nichts wackelt – alles sitzt bombenfest. Die Drehregler fühlen sich an, als ob sie in Honig gelagert sind, lassen sich sehr feinfühlig dosieren und decken einen erstaunlich breiten Regelbereich ab. Der Sound ist für einen Oszillator überraschend fett und mit dem Patchfeld lassen sich interessante Modulationen erzeugen.

Nach einigem Rumspielen stellte ich schnell fest, dass das Klangspektrum erheblich größer ist, als ich zunächst vermutet hatte. Zudem ist die Bedienung auch nicht allzu schwierig. Ich konnte auf dem eingebauten Sequenzer schnell die Eingangssequenz von Pink Floyds „on the run“ nachbauen und der Klang kam dem Original sehr nahe.

Die Arbeit mit analoger Elektronik unterscheidet sich aber doch erheblich von der an einer Audio Workstation, bei der man überwiegend mit Noten, Patterns und Presets arbeitet und die Arrangements regelrecht festklopft. Auf dem Moog ist nichts 100% exakt reproduzierbar, der ganze Arbeitsprozess ist ein einziges Ineinanderfließen von Sounds. Sehr meditativ! Wie ich diese beiden Welten zueinander bringen kann, weiß ich noch nicht, aber spannend finde ich das auf jeden Fall.

Ein Grund, weshalb ich mich für exakt dieses Gerät entschieden habe, ist, dass es sich hervorragend als Kernstück eines größeren Modularsystems eignet. Falls ich tiefer in diesen Bereich eintauchen möchte, habe ich somit schon einen sinnvollen Grundstock an Funktionen.

In einschlägigen Foren wird übrigens mit einem deutlichen Augenzwinkern davor gewarnt, in den Bereich der analogen Modularsynthesizer einzusteigen. Man würde schnell einer schweren, ansteckenden Krankheit anheimfallen: Dem Gear Akquisition Syndrome (GAS), dessen Endstadium in dem unten stehenden Bild deutlich erkennen kann. 😉

Enstadium GAS (Symbolbild)

Enstadium GAS (Symbolbild)

Bis dahin werde ich aber vor allem viel Zeit investieren um den Geräten auch einmal solch betörenden Klänge zu entlocken, wie in diesem Werbevideo von Moog.

 

 

4032

Auf dem letzten Vintage Computing Festival hat mir Mario von einem Commodore 4032 erzählt, von dem er sich trennen wollte. Er wollte ihn nicht einfach an den meistbietenden auf Ebay verkaufen, sondern sicher sein, dass er in gute Hände kommt. Ich hatte zwar starkes Interesse, aber leider keinen Platz. Ein alter Freund von mir hatte hingegen noch Platz neben seinem gepflegten Vectrex (=gute Hände). Wir haben abgemacht, dass der Rechner bei ihm stehen wird und ich mich um die Programmierung kümmern soll. So sind wir schließlich zu dritt Handelseinig geworden.

Es kam dann noch reichlich Alltag dazwischen, weil das gute Stück nicht gerade um die Ecke, sondern im Berliner Umland stand. Heute war es dann endlich soweit und ich konnte das historische Maschinchen aus dem Jahr 1980 abholen.

Commodore 4032 als Beifahrer

Commodore 4032 als Beifahrer

Bei dem Rechner handelt es sich um die amerikanische Version, was am Namen „PET 4032“ erkennbar ist. In Deutschland wurde aus markenrechlichen Gründen der Name „CBM 4032“ verwendet. Abgesehen vom Namen und der unterschiedlichen Betriebsspannung gibt es keine Unterschiede, denn die Rechner gab es nur mit amerikanischer Tastatur.

PET 4032 aufgestellt

PET 4032 aufgestellt

Der Grünmonitor hat stattliche 12″ Diagonale. Es gab das Modell auch mit einer kompakteren 9″ Bildröhre. Das Bild ist auch nach 37 Jahren noch immer scharf und stabil. Das Metallgehäuse weist keinen Rost auf, die Platine war etwas staubig aber in bester Verfassung. Lediglich einige Tasten möchten mit etwas Nachdruck gedrückt werden.

Dem Rechner in den Speicher geschaut

Dem Rechner in den Speicher geschaut

Nach dem Einschalten ist der Rechner nach 2 Sekunden betriebsbereit und wartet auf Basic Befehle. Mit dem Aufruf von SYS40960 kann man das nachgerüstete Monitorprogramm aufrufen und sich direkt im Speicher tummeln. Jetzt fehlt nur noch ein geeignetes Speichermedium und der Spaß kann beginnen…

Semi-Retro-Nerd-Zeugs: Die PiDP-8 mit OS/8

Wenn man sich wie ich schon in den frühen 80er Jahren mit Heimcomputern beschäftigt hat, gehört man bereits zu den Veteranen des Digitalzeitalters. Dennoch ist mir in den letzten Jahren immer stärker klar geworden, dass ich kaum Ahnung von den Rechnern habe, die vor dieser Zeit im Einsatz waren. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass es nicht allzuviele Geräte aus der Computerfrühzeit gibt. Die Stückzahlen waren damals noch sehr gering und es haben auch nicht viele Maschinen überlebt, weil es extrem aufwändig ist, solch alte Geräte lauffähig zu halten.

Als ich auf dem Vintage Computing Festival 2014 endlich zwei der legendären Computer der Firma Digital Equipment in Natura im Betrieb sehen konnte, war ich daher schwer fasziniert. Es wurden damals eine sehr stylische 12-Bit PDP-8/e aus dem Jahr 1970 mit VT-05 Videoterminal und die 16-Bit PDP-11/34 aus dem Jahr 1976 mit Teletype 33 ASR Terminal vorgeführt.

Damals war auch schon Oscar Vermeulen dabei, der einen Bausatz für eine Mini-Replika der PDP-8/i entwickelt hatte. Das Gerät sieht fast genauso aus, wie das Original, ist allerdings erheblich kleiner und hat einen sehr hohen Niedlichkeitsfaktor. Die Bedienung ist tatsächlich genauso, wie beim Original und man kann natürlich die alte Software aus den 60er und 70er Jahren laufen lassen. Beim diesjährigen VCFB habe ich mich dann endlich dazu durchgerungen, Oscar einen dieser mittlerweile weiterentwickelten Bausätze abzukaufen – für den Nerd-Preis von 2 hoch 7 Euro (€128).

Vier Wochen später ist es soweit: Meine PiDP-8 läuft und ich habe die ersten Stolperschritte im Betriebssystem OS/8 gemacht. Die Ein- und Ausgabe auf einem Laptop erfolgt stilecht über Cool-Retro-Term im Look eines VT-05 Terminals.

PiPD-8 mit Terminal

PiPD-8 mit Terminal

Weshalb der Name PiDP-8 anstatt PDP-8? Der Bausatz ist eigentlich gar kein Computer, sondern nur „Blinkenlights“ – also das Frontpanel mit LEDs und Eingabetastern. Dazu wird noch ein Raspberry Pi benötigt, auf dem die Software SimH läuft, die die eigentliche Rechneremulation ausführt. Trotzdem bleibt noch genügend Bastelei übrig.

Zunächst sollte mal den Raspberry Pi und die Software vorbereiten. Dazu benötigt man den Raspberry Pi, eine Micro SD Karte, einen SD-Karten Adapter, einen USB Speicherstick, einen Computer mit SD-Karten Steckplatz, ein USB Ladegerät, eine Tastatur, eine Maus und einen Bildschirm. Ich habe den Raspberry Pi einfach per HDMI an den Fernseher angeschlossen. Wenn alles läuft, braucht man Tastatur, Maus und Bildschirm nicht mehr.

Raspberry Pi vorbereiten

Raspberry Pi vorbereiten

Auf der PiPD-8 Homepage werden zwei Varianten beschrieben, wie man die Software zum Laufen bekommt. Variante 1 ist das Image einer fertigen PDP-8 Distribution und in Variante 2 wird die Software auf einer normalen Raspbian Dsitribution installiert.

Empfehlen kann ich nur Variante 2. So benötigt der Rechner zwar 30 Sekunden anstatt 10 Sekunden zum Starten, lässt sich aber wie gewohnt einrichten und anpassen. Bei der Fertigdistribution hatte ich Probleme mit Tastatur, Netzwerk und Systemaktualisierung.

Nachdem die PDP-8 Emulation läuft, kann man sich an das Basteln der Hardware machen. Dazu benötigt man neben dem Bausatz vor allem Lötkolben, Lötzinn, Seitenschneider und für das Gehäuse Bohrmaschine, Laubsäge, Feile und feine Kreuzschlitzschraubendreher.

Fertig zum Löten

Fertig zum Löten

Wichtig ist, die Anweisung genau zu lesen. Es gibt einige typische Stolperfallen, in die man sonst leicht tappen kann:
Vorder- und Rückseite des Boards verwechseln, Dioden und LED mit falscher Polung oder Sockelleisten falsch einlöten, Schaltertypen verwechseln usw..
Davon abgesehen ist der Bausatz einfach, und auch für einen Hardwarelegastheniker wie mich machbar.

Tip: Achtet auf richtiges Werkzeug. Ich habe mir extra einen neuen Lötkolben mit feiner Spitze besorgt. Der auf dem Foto gezeigte war wenig geeignet.

Tag 1: Dioden, Widerstände und erste LEDs sitzen

Tag 1: Dioden, Widerstände und erste LEDs sitzen

Wenn man vernünftiges Wekzeug hat, jedes Teil dorthin setzt, wo es hin muss, man auf die kleinen Stolperfallen achtet und Lötbrücken und kalte Lötstellen vermeidet, kann eigentlich nichts schief gehen. Der Rest ist Fleißarbeit: für 26 Dioden, 15 Widerstände, 89 LEDS, einen IC Sockel, eine Stiftleiste und 26 Schalter braucht man schon ein wenig Zeit. Ich habe das Board an drei Tagen zusammengelötet.

Tip: Zwischendurch immer mal prüfen, ob die LED und die Schalter gerade sitzen, indem man das Board hinter das Frontpanel hält

Tag 3: Das PiDP8 Board ist fertig

Tag 3: Das PiDP8 Board ist fertig

Nachdem ich das Board fertiggebaut und den Raspberry Pi auf der Rückseite montiert hatte, lief zu meiner großen Freude alles ohne Probleme. Damit hatte ich eigentlich gar nicht gerechnet.

Ich hatte allerdings auch nicht damit gerechnet, dass die größten Schwierigkeiten beim Einbau des Rechners in die Bambusholzkiste auftreten würden. Als ich das Loch an der linken Gehäuseseite für Ethernet und USB heraussägte, splitterte der Bambus, die große Holzleiste hinter den Schaltern ließ sich nicht mit den 9,5mm Schrauben befestigen, weil diese nicht in das Montageloch unter den Schaltern eingeführt werden konnte und fast alle Micro-USB Kabel, die man für die Stromversorgung braucht, waren zu lang und unflexibel um in die Kiste eingebaut werden zu können. Ein Kabel, das oben aus der Kiste herausragt, wollte ich aber nicht haben.

Aber wenn man schon mal so weit ist, lässt man sich von solchen Kleinigkeiten nicht aufhalten. Der Rechner sitzt jetzt im Gehäuse und sieht aus, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Jetzt kann ich mich durch fast 50 Jahre alte Dokumentation bei Bitsavers durchwühlen, um den Umgang mit der Maschine zu lernen. Und nächstes Jahr baue ich dann die PiDP-11/70… 😀

PiDP-8: fertig und läuft

PiDP-8: fertig und läuft

Digital ist besser – aber nicht immer

Während manche Leute riesengroße Touchscreens in Autos wie dem Tesla Model S für tollen modernen Kram halten, sind andere Branchen schon wieder ein paar Jährchen weiter. In Bereichen, die bereits seit Jahren oder Jahrzehnten digitalisiert sind und wo es für die Nutzer auf schnelle und intuitive Bedienung ankommt, sind digitale Benutzeroberflächen schon längst wieder auf dem Rückzug, weil sie zu sperrig in der Bedienung sind.

Ein Beispiel sind Musikinstrumente. Der Siegeszug der digitalen Klangerzeugung bei Synthesizern in den 80er und 90er Jahren führte zu Benutzeroberflächen mit Displays und wenigen Knöpfen. Aktuelle Modelle dagegen strotzen wieder vor Drehknöpfen und Schiebereglern, die den Musikern eine virtuose, „blinde“ Bedienung überhaupt erst ermöglichen.

Digitale Technik ist toll, digitale Bedienung aber nicht

Ein anderes Beispiel sind Fotoapparate. Auch hier gibt es einen Trend zurück, den manche als Retrowelle missverstehen. Ich hatte mir vor fünf Jahren eine spiegellose Systemkamera im Micro-Four-Thirds Standard gekauft: Eine Panasonic Lumix DMC-GF2. Ausschlaggebend waren gute technische Werte, hohe Bildqualität, gute Verarbeitung und ein Standard, der von mehr als einem Hersteller unterstützt wird zu einem attraktiven Preis.

Allerdings sind wir nie so richtig miteinander warm geworden. Die Kamera hat zwar 1000 Möglichkeiten, die sind aber alle irgendwo in -zig Untermenüs verteilt. Wenn man etwas verstellen will, muss man auf das Display gucken. In der Zeit ist dann das Motiv weg. Das hat dazu geführt, dass ich eigentlich nur im Automatikmodus fotografiert habe. So eine Kamera holt man sich aber eigentlich nicht nur zum „knipsen“.

Bei meinem Besuch auf der Festung Suomenlinna bei Helsinki ist mir 2013 eine komplette Fotoserie durch einen verstellten Weißabgleich unrettbar verlorengegangen. Irgendwie war ich aus Versehen in das Menü gekommen und hatte die falsche Grundeinstellung nicht mehr bemerkt. Danach war ich so verstimmt, dass ich die Kamera nicht mehr angefasst habe.

Die analogste Digitalkamera, die ich je angefasst habe

Vor ungefähr einem halben Jahr bin ich ziellos durch ein Geschäft geschlendert und habe dabei die Olympus OM-D E-M 10 Mark II entdeckt. Ich habe sie spontan in die Hand genommen, weil sie so niedlich und Retro aussah. Ungefähr wie eine Olympus OM aus den 70ern und 80ern – bloß viel kleiner. Interessanterweise ist das ebenfalls eine Micro-Four-Thirds Kamera und somit systemkompatibel zur Panasonic mit vergleichbaren technischen Eckwertern.

 

Olympus OM-D E-M 10 Mark II

Olympus OM-D E-M 10 Mark II


Mein Interesse war geweckt, ich habe Tests gelesen, Beispielfotos angesehen und das Teil noch ein paar mal in die Hand genommen. Nach langem hin- und her habe ich sie nun in einem Berliner Fachgeschäft gekauft.

Nicht weil sie niedlich ist, sondern weil sie sich unheimlich gut bedienen lässt.

Bei der Olympus lässt sich alles Wichtige mit den drei Rändelrädern extrem schnell und vor allem blind einstellen. Zudem hat sie zusätzlich zum normalen Display auf der Rückseite einen sehr guten elektronischen Sucher. Die Raterei, was man eigentlich aufnimmt, während von hinten die Sonne auf das Display fällt, ist mit diesem Gerät jedenfalls kein Problem. Das Spiel mit Schärfentiefe, Belichtungsspielereien, wie Bewegungsunschärfe usw. klappten nach wenigen Minuten, ohne das Handbuch bemühen zu müssen. Das ist insofern praktisch, als auch gar kein richtiges Handbuch in der Packung lag, sondern nur ein Schnelleinstieg in ca. 725 Sprachen.

Keine Besserwisserei des Geräts

Ein weiterer Vorteil gegenüber der Panasonic ist, dass die Olympus nichts automatisch und ungefragt wegkorrigiert. Zwei Beispiele:

  • Wenn man mit der Panasonic versucht hat ein Portrait aufzunehmen, war es nahezu unmöglich die Tiefenunschärfe einzustellen um den Hintergrund unscharf zu bekommen, weil auf dem Display einfach das komplette Bild scharfgerechnet angezeigt wurde. Die Olympus zeigt die Tiefenunschärfe im Display richtig an.
  • Das Aufnehmen von tollen Farben von Himmel und Wolken bei Sonnenuntergang hat mit der Panasonic regelmässig nicht geklappt, weil eine automatische Helligkeitskorrektur alles auf 60% Standardbelichtung „korrigiert“ hat. Mit der Olympus hat das hingegen bereits im Automatikmodus gut funktioniert. Und eine Belichtungsreihe mit Blendenautomatik war in 10 Sekunden im Kasten.

Fazit: Nix mit Retro – digitale Technik und analoge Bedienung ist die ideale Kombination

Bei beiden Kameras sind die technischen Eckdaten aufgrund des gemeinsamen Micro-Four-Thirds Standards vergleichbar: Gleiche Sensorfläche, 16MP Bildqualität usw. Aber in der Bedienung liegen Welten zwischen den beiden Kameras:

Auf der einen Seite die Panasonic GF2: Ein Touchscreen Computer mit angebautem Objektiv, der die kreative Arbeit am Bild nicht nur nicht unterstützt, sondern sogar behindert oder gar besser als der Nutzer wissen will, wie das Bild auszusehen hat. Im Prinzip ist das eine Automatikknipse. Dafür ist der Spass aber viel zu kompliziert und teuer, weil man diese Art Bilder mittlerweile auch mit einem guten Smartphone hinbekommt.

Auf der anderen Seite die Olympus: Mein erster, spontaner Eindruck war falsch. Das ist kein Retromodell, sondern ein echter Fotoapparat, der einem schnelle und unkomplizierte Bildgestaltung ermöglicht, sofern man sich mit den Grundlagen der Fotografie ein wenig auskennt. So muss es sein.

 

Hier sind ein paar Probefotos:

Modellboot auf dem Weissensee

Modellboot auf dem Weissensee

Harte Licht/Schatten-Kontraste, Vordergrund, Mittelgrund, Hintergrund, Fokus auf dem Modellboot. Blätter im Vordergrund nicht zu dunkel, MIlchhäuschen überstrahlt nicht.
Brennweite 42mm (84mm KB), Blende f/10,0, Belichtungszeit 1/320s, Empfindlichkeit ISO 200.

Baumstumpf

Baumstumpf

Graues Motiv vor grauem Hintergrund im Schatten.
Brennweite 19mm (38mm KB), Blende f/5,6, Belichtungszeit 1/125 Sek., Empfindlichkeit ISO 200.

Baumstumpf Detail

Baumstumpf Detail

Abendlicht

Abendlicht

Abendstimmung, verschiedene Lichtquellen (Himmel, Strassenlaternen, Autoscheinwerfer). Die Farben sind stimmig bei leichtem Überstrahlen des Himmels.
Brennweite 14mm (28mm KB), Blende f/2,5, Belichtungszeit 1/15 sek., Empfindlichkeit 1600 ISO

VR – aufgewärmter Quatsch ohne Soße…

Damals in der 80ern waren nicht nur die Heimcomputer neu, sondern auch diverse Zukunftsszenarien aus damals aktuellen Science-Fiction Geschichten. Ganz heiß erschien damals die Idee vom Cyberspace, oft auch Virtual Reality (VR) genannt. Eine völlig künstliche Umgebung, die nicht den Zwängen der realen, körperlichen Welt unterlag. Eine konstruierte Welt aus Software, in der man sich scheinbar grenzenlos bewegen konnte. Unendliche Möglichkeiten schienen sich aufzutun…

Die ersten wirklichen Versuche, VR umzusetzen waren in den 90ern dagegen ziemlich ernüchternd. Und zwar so sehr, dass das Thema – bis auf Nischenanwendungen, wie Automobildesign – eigentlich seit 20 Jahren vom Tisch ist.

In den letzten 1-2 Jahren kocht das Thema aber so langsam wieder hoch. Ich muss zugeben, daß mich das ziemlich kalt lässt. Als Jugendlicher wäre ich damals vermutlich völlig drauf abgefahren, aber mir ist die Idee mittlerweile einfach zu abgedroschen.

Trotzdem kann natürlich ein kleiner Reality-Check nicht schaden. Versuchen wir mal die Einsteigerdroge: Google Cardboard.

Let’s do it!

Ich hatte mir vor drei oder vier Monaten schon mal Google Cardboard auf meinem Smartphone installiert, aber ohne VR-Brillengestell machte das keinen Sinn. Also hatte ich die App erstmal wieder gelöscht. Am Samstag bin ich bei Conrad über einen Stapel VR-Brillen von Google gestolpert. Kostet ja nicht sooo viel, also habe ich eine der Pappschachteln mitgenommen.

Google Cardboard

Google Cardboard

Fertig zum Ausetzen

Fertig zum Aufsetzen

Das Prinzip ist simpel: Eine Pappschachtel mit zwei Linsen, in die man sein Smartphone klemmt, das ganze auf die Nase setzt und mit den Halteriemchen am Kopf fixiert.

Aber vorher musste ich die App neu installieren, weil ich sie ja zwischenzeitlich gelöscht hatte und – oh Wunder – mein Telefon ist plötzlich nicht mehr kompatibel. Wieso? Vor drei Monaten ging es doch. Ich habe Android 6 auf dem Phone – von veraltet kann also keine Rede sein. Nun gut, also habe ich mit ein paar andere VR-Apps heruntergeladen und damit etwas rumgespielt.

Fazit

Die Erfahrung kann ich in einem Wort zusammenfassen:

Schrott!

Oder etwas ausführlicher:

  • Man sieht wie der letzte Mutant aus. Smombies sind ein Scheissdreck dagegen.
  • Die Kiste mit dem Smartphone auf der Nase nervt – es ist zu schwer und stört einfach nur.
  • Die Fokussierung stellt sich auch nicht gerade von selbst ein. Ich musste mich ziemlich konzentrieren.
  • Keine der Apps hat den Gyroskop im Telefon richtig benutzt. ein Kopfschwenk führte meistens zu gar nichts oder zu einer verzögerten Bewegung, die überhaupt nicht synchron zur Körperbewegung.
  • Die Bedienung ist problematisch, weil man den Touchscreen ja nicht mehr anfassen kann.
  • Dadurch, dass man mit den Augen direkt am Display ist, wirkt das Bild ist unglaublich grobkörnig. Ohne 4K-Display braucht man so etwas gar nicht anzufangen.
  • Von dem Fake-3D wird mir innerhalb von 30 Sekunden übel.
  • Es gab keine einzige App, die mich inhaltlich irgendwie interessiert hätte.

Gut, einige der Punkte davon könnte man mit richtiger Hard- und Software korrigieren. Aber eine wesentlich teurere Kombination aus High-End Samsung Phone und der dazugehörigen Brille war auch nicht viel besser.

Meiner Meinung nach ist die ganze VR-Idee – von einigen Spezialanwendungen wie Konstruktion oder Simulatoren mal abgesehen – für die breite Masse unsinnig.

 

Und überhaupt…

Daß so beharrlich versucht wird, diese eigentlich schon begrabene Idee wieder aufzuwärmen, hinterlässt bei mir einen faden Beigeschmack. Virtual Reality reiht sich für mich in eine täglich länger werdende List von technischem Zeug, dass ich explizit nicht haben will, wie z.B.:

Internetfähiger Kühlschrank. Die Idee war vor 20 Jahren Schrott, vor 10 Jahren Schrott, ist immer noch Schrott und bleibt es auch.

Chatbots. Noch so ein 20 Jahre alter aufgewärmter Quark. Was soll toll daran sein, mit begriffsstutzigen Maschinen zu reden? Das nervt ja bei Menschen schon genug.

Smarthomes und überhaupt alles, was gerade mit „Smart-“ anfängt. Damit absolut jeder Lebensbereich ausgeforscht und im nächsten Schritt ferngesteuert werden kann. Und wir entwickeln uns alle im Rekordtempo zurück zu Amöben. Einige sind ja schon recht weit auf diesem Weg…

Internet of Things. Super, dass jetzt nicht nur mein Computer und mein Handy, sondern auch Lampen, Stereoanlagen, Heizungen, Blumenvasen und Bilderrahmen tägliche Securityupdates brauchen – und trotzdem gehackt werden. Das steigert so richtig die Lebensqualität.

Selbstfahrende Autos. Woher kommt diese Scheiß Idee eigentlich plötzlich? Ich habe in den letzten Jahren eigentlich niemanden gehört, der der Meinung ist, das größte Problem an Autos sei, dass man sie selber fahren muss. Eher so Umwelt, Platzverbrauch, Lärm, Zersiedlung der Landschaft, Ressourcen und ähnliche Dinge.
Eigentlich kann es doch nur darum gehen, so langsam wieder von den Autos wegzukommen und die restlichen mit erneuerbaren Energien anzutreiben.

Mobile Payment. Wenn mir das Handy geklaut wird, ist also nicht nur mein Telefon weg, meine Kontaktdaten, mein Kalender, meine Fotos, meine Social Media Zugänge kompromittiert, sondern auch noch das Geld, was ich auf dem Konto habe. Im Alltag bleibt das Standardproblem jeder bargeldlosen Finanztransaktion: die völlige Nachverfolgbarkeit jeder kleinen Zahlung. Ist ja ’ne Super Idee – ich bleibe bei Bargeld.

Künstliche Intelligenz. Seien wir doch mal ehrlich: Das werden alles absolut unerträgliche digitale Klugscheißer werden, die uns das Leben auf jede erdenkliche Art zur Hölle machen. Ist ja selten genug, dass man überhaupt mal natürliche Intelligenz endeckt.

 

Ich habe das Gefühl, dass diese dämlichen und ausgelutschten Ideen alle paar Jahre wieder rausgeholt werden, um zu prüfen, ob das Volk jetzt endlich verblödet und degeneriert genug ist um vollständig entmündigt zu werden. In anderen Gegenden der Welt wird dafür Religion verwendet und bei uns läuft es halt so.

 

Zuse Z3 in Aktion

Den heutigen verregneten Sonntag habe ich für einen Besuch im Deutschen Technikmuseum genutzt. Der Anlass war die Vorführung der Zuse Z3, die ich schon länger einmal in Funktion sehen wollte. Die Z3 wurde 1941 von Konrad Zuse in Berlin gebaut und war der weltweit erste funktionsfähige, programmgesteuerte Digitalrechner. Das Original wurde leider bei einem Bombenangriff am 21. Dezember 1943 zerstört. Ein Nachbau von 1962 befindet sich im Deutschen Museum in München.

Meilensteine der Computergeschichte

Meilensteine der Computergeschichte

Die Maschine, die ich heute in Berlin gesehen habe – die Z3r – wird seit 2008 von Prof. Horst Zuse (Konrad Zuses ältester Sohn) gebaut, der sie auch vorführte. Die Z3r arbeitet mit modernen Industrierelais. Architektur und Funktion ist im Wesentlichen mit der Original Z3 identisch. Es wurden jedoch kleinere Modifikationen in der Taktsteuerung vorgenommen, die vor allem dazu dienen, die Funktionsweise des Rechners besser demonstrieren zu können.

Ich war bereits eine halbe Stunde vor Beginn des Vortrags dort und konnte die Z3 so in Ruhe betrachten. Die eigentlich recht nüchterne und vergleichsweise abstrakte Technik ist ästhetisch ansprechend verpackt. Der Steuerpult und die drei Schaltschränke sind schwarzgläzend lackiert, was hervorragend zu den ca. 2500 blauen Relais passt, die hinter den Glastüren zu sehen sind. Die ganze Anlage hat so einen betörenden Todesstern-Chic, den ich als Science-Fiction Fan liebe… 😉

Leider steht die Z3r etwas unglücklich in einer Ecke, so dass vielleicht nicht jeder aus dem zahlreichen Publikum einen guten Blick hatte.

Die mechanische Zuse Z1

Die mechanische Zuse Z1

Horst Zuse gab dem Publikum zunächst einen Einblick in das Leben seines Vaters und die Entwicklung der Z1 – dem mechanischen Vorläufer aus dem Jahr 1937, von dem ebenfalls ein funktionsfähiger Nachbau in dem Museum steht. Es folgte eine Einführung in das binäre Zahlensystem, ohne dessen Verständnis die Vorgänge in dem Rechenwerk nicht vollständig nachvollziehbar werden. Mit etwas Grundwissen in Rechnerarchitektur kann man aber die Funktion der meisten Teile erkennen.

Zuse Z3r

Zuse Z3r im Überblick

  • I/O: Das Bedienpult im Vordergrund besitzt Knöpfe zur Eingabe und Lampen zur Ausgabe, analog zu Tastatur und Bildschirm eines heutigen Computers.
  • RAM: Der linke und der rechte Schrank ist Arbeitsspeicher (jeweils 32 Worte zu 22 Bit). Gut zu erkennen sind die beiden Adressmultiplexer in den oberen 5 Reihen.
  • CPU: Der Schrank in der Mitte ist das Rechenwerk mit den Arbeitsregistern. Hier wird außerdem die Umwandlung zwischen Dezimal und Binärzahlen bei der Ein- und Ausgabe vorgenommen.

Aufgrund der umfangreichen Einführung blieb die eigentliche Vorführung auf die Eingabe einiger Zahlen und Grundrechnungen beschränkt. Das genügte aber, um die grundlegende Funktion nachvollziehen zu können. Obwohl die Vorgänge elektromechanisch sind, arbeitet die Z3r erstaunlich leise.

Leider konnte kein Programm gestartet werden, weil das Lesegerät für den Programmspeicher (35mm Film mit 8-Bit Lochung) nicht an die Maschine angeschlossen war.

An diesem Detail hatte ich eher versehentlich eine nicht ganz uninteressante Diskussion angestoßen, die wir nach der eigentlichen Vorführung führten: Ich sagte, dass die Z3 ist im Gegensatz zu den heute üblichen Computern keine „Von-Neumann-Maschine“ sei.

Falls ich Prof. Zuse richtig verstanden habe, meinte er sinngemäß: „Heutige Rechner sind das auch nicht mehr“, was mich zunächst etwas verblüffte..

Dem liegt die Frage zugrunde, wie man die „Von-Neumann-Architektur“ interpretiert. Wenn das Kriterium ist „Daten und Programm liegen physikalisch im Speicher“ – also im RAM, entsprechen fast alle heutigen Rechner der Definition.

Prof. Zuse interpretiert den zugrundeliegenden Aufsatz von John von Neumann etwas anders. Er weist darauf hin, dass die Absicht der Definition darin lag, dass sich Programme selbst modifizieren können und dies in modernen Computern aus Sicherheitsgründen von Betriebssystem und MMU verhindert wird. Wenn also das entscheidende Kriterium der Von-Neumann-Architektur ist, dass das Programm nicht nur auf die Daten, sondern auch auf sich selbst zugreifen kann, weil es im gleichen Speicherbereich liegt, entsprechen die meisten aktuellen Computer dieser Definition nicht.

Diese etwas akademische, aber nicht untinteressante Diskussion bildete den heutigen Schlusspunkt zum Thema Zuse Z3. Weitere Informationen zum Verhältnis Zuse und von Neumann kann man auf der Homepage von Prof. Horst Zuse nachlesen.

Weitere Highlights

Das Deutsche Technikmuseum hat aber natürlich viel mehr zu bieten. Ich blieb heute dem Thema Computer/Kommunikation treu und schaute mir die Ausstellung „Das Netz“ an, die ich noch nicht kannte.

Ein Highlight war die für Besucher zugängliche Memex (ungefähr „Gedächtnis Erweiterung“), die ich auch gleich ausprobiert habe. Memex ist ein Konzept zur Dokumentverknüpfung, das 1945 von Vannevar Bush im Artikel As We May Think im Atlantic Monthly beschrieben, aber niemals realisert wurde. Auf dieser Idee, Dokumente untereinander zu Verknüpfen basiert Hypertext und damit das World-Wide-Web.

Das Deutsche Technikmuseum hat mit viel Liebe zum Detail eine Memex gebaut, die jedoch im Gegensatz zum Originalentwurf nicht auf analoger Technik, sondern auf Digitaltechnik basiert. Einen Vortrag dazu gabe es auf dem Vintage Computing Festival 2015 in der Humboldt Universität (Siehe „Historische Elektronik en Masse„). Leider geht das Exponat optisch etwas unter und wird daher vermutlich häufig übersehen oder nicht angemessen gewürdigt. Schade!

 

Cray 2

Cray 2

Etwas unerwartet war für mich eine Cray2 zu sehen – einem ehemaligen Supercomputer der 80er Jahre. Ich wusste nicht, dass das Museum solch ein Ausstellungsstück hat. Zudem ist der Rechner wesentlich kleiner, als ich ihn mir vorgestellt habe. Das liegt am externen Kühlsystem. Das Vorgängermodell Cray X-MP hatte noch ein integriertes Kühlsystem, das dem Gerät die Optik eines Designersofas gab.

Fazit

Es war ein interessanter, anregender Tag in einem tollen Museum, obwohl ich nur einen Bruchteil der Ausstellungen gesehen habe. Es waren extrem viele Familien mit Kindern dort und die lieben kleinen schienen überwiegend sehr interessiert und neugierig zu sein. Sehr schön!

Erkältungszeit – Retrocomputing Zeit

Am Dienstag hat mich die Erkältung doch noch erwischt. Also brav im Bett mit Wärmflasche schwitzen und ordentlich ausschlafen. Den Rest des Tages muss man aber auch irgendwie rumbringen. Neben ständigem Nase putzen, Musik hören und etwas lesen bleibt noch mein liebstes Hobby – Retrocomputing.

Beim herumstöbern durch das Zwischennetz bin ich auf einen Blog aufmerksam geworden, den ich noch nicht kannte; „Jungsis Corner – Ein Blog über Retro-Computer. Und Retrokram. Und Anderes.“ . Thematisch geht es einmal quer durch den Retro-Gemüsgarten, aber Gerhard Jungsberger scheint einen gewissen Schwerpunkt auf Tests von neuen(!) Spielen für den Sinclair ZX Spectrum zu legen. Mir war gar nicht klar wie viele neue Spiele für den Speccy erscheinen und wie hoch das technische Niveau heutzutage liegt. Im Gegensatz zu früher sind das heute ja Hobbyprojekte und fast alles wird kostenlos angeboten. Daher musste ich gleich einmal einige vielversprechende Titel ausprobieren.

Wirklich umgehauen hat mich „Wanderers – Chained in the Dark“ für den ZX Spectrum 128K. Ein RPG (Role Playing Game) im Stil von Legend of Zelda. Wäre das Spiel vor 30 Jahren erschienen, hätte es definitiv zu den Top10 Spectrum Titeln gehört und wäre heute Legende.

Wanderers - Dialog

Wanderers – Dialog

Wanderers - Im Untergrund

Wanderers – Im Untergrund

Das Programm hat lediglich 69(!)KB und spielt sich wirklich flüssig. Wie schwierig es ist, so viel Story in so wenig Speicher zu packen, habe ich selber lernen müssen, als ich 2003 mein Spiel Kings Castle für Nokia Serie 40 Telefone entwickelte und dort ebenfalls nur 64KB Speicher zur Verfügung hatte.

Das Prinzip „Grosser Spielspass in winzigem Speicher“ kann man aber noch weiter auf die Spitze treiben. Das Spiel „Demons of Dex“ für den Commodore VC-20 ist ein Hack’n Slay Spiel, wie das berühmte und beliebte Diablo. Es gehört somit zur Reihe der „Roguelikes“ bei denen der Verzicht auf Grafik nichts ungewöhnliches ist. Dass ein komplettes Rollenspiel in winzige 3,5 KB (genauer: 3.585 Bytes) Speicher passt, ist trotzdem bemerkenswert.

demonsofdex

Falls jemand wissen will, wie das geht: Petri Häkkinen hat die Entwicklung offen diskutiert (http://sleepingelephant.com/ipw-web/bulletin/bb/viewtopic.php?f=10&t=7618) und den Code bei Github unter https://github.com/petrihakkinen/demons hinterlegt.

Ich habe zwar eine kleine Heimcomputer Sammlung, aber ich hole natürlich nicht jedesmal die Original Hardware raus, wenn ich mal eben ein Programm ausprobieren möchte. Einen VC-20 besitze ich nicht einmal mehr im Original. Die Spiele probiere ich in einem Softwareemulator aus. Erstens ist das praktischer und zweitens werden einige meiner guten Stücke so langsam etwas zerbrechlich. Trotzdem ist es natürlich nicht das richtige Feeling, wenn man ein Spiel für den ZX Spectrum (256×192 Pixel in 16 Farben) in einem Fenster auf einem HD Monitor spielt. „Richtige Hardware“ ist da schon cooler.

MIST Computer

MIST Computer

Vor einiger Zeit bin ich in der C’t auf einen Computer mit dem etwas ungüstigen Namen MIST aufmerksam geworden. Es handelt sich um einen FPGA-Rechner in kleinem, eher unscheinbaren Blechgehäuse, der es aber ganz schön in sich hat. Aufgrund seiner umprogrammierbaren Hardware kann er eine ganze Reihe historischer Heimcomputer und Videospiele emulieren. Zur Zeit sind das Atari ST, Commodore Amiga, Sinclair ZX 81 und ZX Spectrum, MSX, Apple ][, Colecovision, Sega Genesis und weitere Geräte kommen dazu. Commodore 64, Atari 8 Bit und Schneider CPC sind bereits in Beta Qualität vorhanden. Das ganze finde ich sehr spannend und die Erfahrungsberichte klingen durchwegs positiv. Also habe ich heute spontan solch ein Gerät beim Hersteller Lotharek bestellt. Ich bin gespannt und werde berichten. Bis dahin gibt Euch dieses Video einen ersten Eindruck.

Historische Elektronik en Masse

Am letzten Wochenende fand das zweite Vintage Computing Festival Berlin im Pergamon Palais der Humboldt Universität Berlin statt. Auch in diesem Jahr gab es wieder einen Game-Room, eine Löt- und Reparierecke und diverse Heimcomputer aus den späten 70er und frühen 80er Jahren zu sehen.

Im Gegensatz zu der Ausstellung im letztem Jahr gab es zwar keinen Apple Room, aber dafür eine Sonderausstellung mit Analogcomputern. Analogcomputer, wurden vorwiegend zwischen den 50er und 80er Jahren genutzt. Im Gegensatz zu ihren digitalen Brüdern und Schwestern sind sie keine Universalmaschinen sondern auf die Lösung von Differentialgleichungen spezialisiert. In diesem eng umrissenen Spezialgebiet haben sie für bestimmte Aufgaben der Meß- und Regeltechnik oder zur Lösung finanzmathematischer Probleme durchaus Vorteile gegenüber Digitalrechnern, wie Prof Dr. Bernd Ulmann in einem Vortrag und einem Workshop verdeutlichte.

Zwei Analogrechner mit Plottern

Zwei Analogrechner mit Plottern

Der erste von diversen guten Vorträgen handelte davon, wie für die neue Dauerausstellung „Das Netz“ des Deutschen Technikmuseums eine Interpretation der MEMEX gebaut wurde. Die MEMEX ist eine niemals realisierte teschnische Vision von einem Gerät zum Speichern, Verwalten, Verknüpfen und Austauschen von Informationen auf Basis von Mikrofilmen und analoger Technik, die der amerikanische Wissenschaftler Vannevar Bush im Jahr 1945 veröffentlichte.

MEMEX Schema

MEMEX Schema

Interessant war der Vortrag „Die Geschichte von UNIX 1969 bis OpenSolaris“ von Jörg Schilling, der einen Überblick über die technische, wirtschaftliche und juristische Achterbahnfahrt bei der Entwicklung des erfolgreichsten Betriebssystems der letzten 40 Jahre bot.

Wolfgang Stiefs Vortrag „Wie das Supercomputing auf die Welt kam“, handelte vom den Ideen und Konzepten, die Seymour Cray bei der Konstruktion der schnellsten Großrechnern der 50er und 60er Jahre einführte.

Am unteren Ende der Leistungsskala ist der 65C02 basierte Einplatinencomputer MOUSE angesiedelt, von dessen Entwicklung Mario Keller berichtete.

Die Vorträge wurden aufgezeichnet und können unter http://media.ccc.de/browse/conferences/vcfb/2015/index.html angesehen werden.

Die Besucher honorierten das Selberbauen, so dass der Publikumspreis an Oscar Vermeulen und seine PDP-8 Replika ging, auf der das erste Videospiel der Welt lief: Spacewar! von 1961.

PDP-8 Replika mit Space War

PDP-8 Replika mit Spacewar!

Original PDP-8 zum Vergleich

Original PDP-8 zum Vergleich

Die von immerhin 1000 Gästen besuchte Veranstaltung war auch in diesem Jahr wieder sehr interessant. Ein Vintage Computing Festival 2016 ist daher sehr wahrscheinlich.

Hier sind noch einige Fotos weiterer Spezialitäten zu sehen:

SOL 20 und Osborne 1

SOL 20 und Osborne 1

Meilensteine: Commodore PET 2001, Apple ][, IBM XT

Meilensteine: Commodore PET 2001, Apple ][, IBM XT

DEC VT100 und Bedienpanels

DEC VT100 und Bedienpanels

Zauberwürfel

Ich war zwölf und das Ding trieb mich in den Wahnsinn – wie wahrscheinlich fast jeden damals. 1980 machte der Zauberwürfel des ungarischen Erfinders/ Bildhauers/ Architekten/ Designers Ernő Rubik die Leute kirre. Fast jeder hatte einen und ging durch zwei Phasen der Verblüffung:

  1. Wieso dreht sich alles ohne dass der Würfel auseinander fällt?
  2. Wie bekomme ich die Farben wieder richtig sortiert?

Die erste Frage ließ sich mit Gewalt lösen – indem man so ein Ding einfach mal auseinander nahm. Die zweite Frage war schon kniffeliger. Ehrlich gesagt habe ich es erst geschafft, nachdem mir ein (nicht ganz trivialer) Algorithmus in die Hände fiel. Den habe ich auswendig gelernt und konnte dann den Würfel in weniger als einer Minute lösen.

Alles was der Mensch mit Regeln machen kann, kann eine Maschine auch – und zwar meist besser. Roboter, die den Zauberwürfel lösen gibt es mittlerweile in Hülle und Fülle. Dieser hier ist aber besonders schön gemacht.

 

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