tiny little gizmos

Recap 33C3

Das Jahr 2017 ist schon ein paar Tage alt und der 33. Chaos Communication Congress ist bereits seit einer Woche Geschichte. Mit etwas Abstand möchte ich meine Eindrücke zusammenfassen.

Entspanne und genieße

Im Gegensatz zu meinen letzten Besuchen bin ich dieses Mal etwas anders vorgegangen. Während des Kongresses habe ich so gut wie nichts veröffentlicht; Nicht auf meinem Blog und auch auf Facebook nur ein paar Bilder. Ich habe auch nicht so viele Veranstaltungen besucht, sondern mich eher entspannt treiben lassen. Der Kongress ist mit seinen 12.000 Besuchern derart groß und wuselig, dass man mit Gelassenheit viel weiter kommt, als wenn man ständig zwischen den Säälen hin und her rennt. Einige interessante Vorträge habe ich mir erst später in Ruhe zu Hause angesehen. So konnte ich in Ruhe das tolle, bunte, lustige, anregende Ambiente genießen.

33C3 Dekoration

33C3 Dekoration

33C3 Hackcenter

33C3 Hackcenter

33C3 - 3D Drucker en masse

33C3 – 3D Drucker en masse

33C3 Partyzone

33C3 Partyzone

Traditionsgemäß waren auch diesmal wieder die ganzen Zwischengeschosse und Aufenthaltsbereiche bunt und fantasievoll dekoriert. Mal im Stil eines englischen Salons, mal sind es Beduinenzelte, dann wiederum feinstes 70er Jahre Kunststoffblasen Ambiente á la Barbarella. Die Assemblies und das Hackcenter lagen wie immer im halbdunkel, was die ganzen Spielereien mit LEDs, Projektoren und Elektrolumineszentbändern richtig zur Geltung kommen ließ. In der großen Halle war wie in den Vorjahren wieder eine clubmäßige Partyzone. Die riesigen Installationen erinnerten diesmal an Tetris und Minecraft und es wurde bereits am frühen Abend feinster chilliger Elektrobeat gespielt.

33C3 Organisation

33C3 Organisation

Die Organisation ist mittlerweile unfassbar gut eingespielt. Es wurde an tausend Details gedacht, ein eigenes Telefonnetz installiert und das WLAN war immer gut. Das ist um so bemerkenswerter, weil die ganze Arbeit von Freiwilligen (Engeln) gemacht wird. In diesem Jahr hatten sich sage und schreibe 2.500 Leute dafür gemeldet – mehr als benötigt wurden.

Natürlich wimmelte es auch wieder von kleinen Späßchen: Am Eingang der Toiletten hingen Zettel, die den WLAN-Empfang mit 0-5 Sternen bewerteten, ich habe ein Wettrennen zwischen zwei Jungs auf einem rollenden grünen Cordsessel und einer Matekiste gesehen, eine Polonaise von 15 Leuten auf Hoverboards und noch viele andere lustige Sachen.

Vorsicht: CYBER!

Der Running-Gag der Veranstaltung war aber der Begriff Cyber. Ein Begriff, den seit Ende der 70er Jahre eigentlich keiner mehr benutzt, aber in letzter Zeit von Leuten, die überhaupt kein Fachwissen haben, für ihre politische Propaganda genutzt.
Folgerichtig wurde mit zwinkerndem Auge alles, was irgendwie „gefährlich“ war mit gelbem Cyber-Absperrband gekennzeichnet: Von fiktiven Tatorten über Laptops, bis zu den Besuchern selber, die sich die Bänder auf ihre Klamotten geklebt haben.

33C3 - Vorsicht: Cyber!

33C3 – Vorsicht: Cyber!

Auch diesmal gab es natürlich wieder sehr viele spannende Vorträge mit Themen irgendwo zwischen Politik, tollen Basteleien und Raumfahrt. Einige waren lustig (wie baue ich einen Flipper selber) und einige wiederum extrem ernst (wie tötet man Menschen aus tausenden Kilometer Entfernung mit einer Drohne, wenn man nur ihre Telefonnummer hat).

Für mich waren in diesem die folgenden Schwerpunkte wichtig:

  • Messenger
  • Vertrauenswürdige Hardware
  • Datenanalyse

Messenger

Messenger sind in den letzten Jahren ein großes Ding geworden. Ich habe so einen seltsamen Walled-Garden-Zwitter zwischen E-Mail und SMS zwar nie vermisst, aber zu meiner Verblüffung haben sich die breiten Massen auf WhatsApp und Co gestürzt und man wird mittlerweile dumm angeguckt, wenn man so etwas nicht hat. Also muss man sich wohl damit beschäftigen. Aus diversen Gründen halte ich zur Zeit keinen einzigen Messenger für gut, aber ich bin ja lernwillig. Also habe ich mir zwei Veranstaltungen angesehen.

In einem kleineren Workshop Raum fanden sich ca. 100 Zuhörer ein, um einen Vergleich der folgenden Messenger zu hören: WhatsApp, Signal, Viber, Threema, Wire, Kontalk, Facebook Messenger, Telegram, Allo und Skype. Alleine die Vielfalt zeigt schon ein Grundproblem aller Angebote: Sie sind abgeschottet. Keiner kann mit dem anderen kommunizieren, wenn der ein anderes System nutzt.

In dem Vortrag ging es nur um einen kleinen, aber wichtigen Teilaspekt: Die Sicherheit. Der Laie hört nur „WhatsApp ist ja verschlüsselt“ und damit ist alles gut. Leider ist die Realität nicht so einfach. Um es kurz zu machen:
Es gab keine Lösung, die als wirklich sicher und vertrauenswürdig einzustufen ist. Skype ist bereits in der Vorrunde mangels End-to-end Verschlüsselung ausgeschieden, Threema konnte sich als „vermutlich sicher, aber nicht völlig vertrauenwürdig“ noch relativ gut behaupten.

Threema war auch Untersuchungsgegenstand der Vortrags „A look into the Mobile Messaging Black Box“ von Rolan Schilling, der hier zu sehen ist:

Hier wurde der Threema Messenger per reverse-Engeneering untersucht: Die Verschlüsselung selber, das Schlüssel Management und das Kommunikationsprotokoll. Das Fazit ist, dass alles handwerklich sauber zu sein scheint. Das letzte bestehende Problem ist die Vertrauenswürdigkeit des Programms selber. Die Vortragenden ermutigen Threema deshalb, den Source Code des Clients als Open Source freizugeben. Dazu haben sie bereits selber Code auf Github eingestellt, den sie qualitativ als „lediglich akademisch“ eingestuft haben: https://github.com/o3ma

Vertrauenswürdige Hardware

Eine der größten momentanen Herausforderung betreffs der Sicherheit ist aktuell aber, dass es prinzipiell unmöglich ist, sicher über eine Hardware zu kommunizieren, die auf unterster Ebene von Backdoors verseucht ist. Das gilt zur Zeit für alle PC, Router, Smartphones und sonstige Geräte.

Der Vortrag „Virtual Secure Boot“ von Gerd Hoffmann zielte darauf ab, wie man einen PC sicher bootet. Das ist erstaunlicherweise mit sehr viel Aufwand verbunden und kann nur bei sehr wenigen Modellen nachgerüstet werden.

Der Vortrag „Untrusting the CPU“ von Jaseg handelte davon, wie auf einem nicht vertrauenswürdigen Computer sicher und verschlüsselt kommuniziert werden könnte. Der Vorschlag ist im Prinzip ein Gerät, das zwischen die Ein- und Ausgabe gehängt wird. Der Computer bekäme von den verschlüsselten Nachrichten gar nichts mit.

Der Ansatz ist auf technischem Level sehr interessant, aber auf einer höheren Ebene ziemlich am Thema vorbei. Denn die eigentliche Frage ist:

„Wie stelle ich sicher, dass ich einen Rechner ohne Backdoors habe?“

Das kann mit den Standardcomputern, die heutzutage erhältlich sind prinzipiell nicht erreicht werden. Wenn man schon so ein technisch aufwendiges Zwischengerät, wie Jaseg es vorschlägt, herstellen würde – wieso baut man dann nicht stattdessen einen einfachen und sicheren Computer?

Komplexität nicht durch noch komplexere Ansätze ersetzen

Mir ist in letzter Zeit ohnehin aufgefallen, dass es generell eine Neigung gibt, Dinge die aufgrund übergroßer Komplexität unsicher oder unbedienbar werden, durch das Hinzufügen weiterer Elemente zu reparieren. Leider wird das zugrunde liegende Problem dadurch nicht gelöst und die Komplexität steigt weiter.

Als sinnvoller empfinde ich es, eine Sicherheitslücke mit einfachen Mitteln anzugehen. In ihrem Vortrag „Hochsicherheits-Generalschlüssel Marke Eigenbau“ erläutern Michael Weiner und RFGuy über eine Dreiviertelstunde lang, wie sie sich für ein bestimmtes mechanisches Schließsystem einen Generalschlüssel berechnet und angefertigt haben.

Verblüffenderweise weisen sie am Schluss darauf hin, dass das System gut sei, obwohl sie es knacken konnten. Man müsse nur aufpassen, dass die Schlüssel nicht fotografiert werden können und empfehlen daher, die Schlüssel stets in einem Mäppchen zu transportieren.

 

Datenanalyse

Der Satz „Ich habe doch nichts zu verbergen“ zeugte schon immer von naiver Unwissenheit. Ich habe dann häufig geantwortet „Das kannst Du nicht beurteilen, weil Du nicht weißt wer wann was aus Deinen Daten herausliest.“

Genau hierzu gab es einen wundervollen Beitrag von David Kriesel: „SpiegelMining – Reverse Engineering von Spiegel-Online“, in dem eine Datenanalyse der Veröffentlichungen von Spiegel Online vorgestellt wird. Interessant sind hier bei die Erkenntnisse, die quasi „um die Ecke“ gewonnen wurden. Das sind Dinge, die in den Rohdaten eigentlich gar nicht drinstecken, wie Inhaltepräferenzen der Leser, Kommentartätigkeiten, verändertes gesellschaftliches Bewusstsein und eine Abschätzung, welche Redakteure miteinander ein Verhältnis haben könnten. Absolut sehenswert!

Noch beklemmender, weil es jeden von uns angeht, ist die Datenanalyse im Vortrag „Build your own NSA“ von SVeckert und Andreas Dewes auf der Basis von Webtracking. Aus einem Datensample konnten Personen de-anonymisiert werden. Als die Politikerin Valerie Wilms (MdB, Die Grünen) über die Erkenntnisse zu ihrem Tagesablauf, den Bankverbindungen, Interessen und zur Struktur ihrer Einkommensteuererklärung informiert wurde, meinte sie „Is echt alles zu sehen, ne? Scheisse!“

Fazit

Auch der 33. Chaos Communication Congress hat wieder eine Gefühlsmischung aus Neugier, Ratlosigkeit und Niedergeschlagenheit – aber auch Faszination und einer Menge Spass bei mir hinterlassen. Es war auf jeden Fall eine großartige Veranstaltung.

In diesem Jahr muss sich der CCC jedoch nach einem anderen Veranstaltungsort umsehen, da das Congress Centrum Hamburg saniert und 2019 wiedereröffnet werden soll.

Der Tickets für einen Hackerkongress würdig sein

Tickets für einen Hackerkongress kauft man nicht einfach – die muss man sich erarbeiten.

In diesem Jahr möchte ich gerne wieder den Chaos Communication Congress besuchen. Es ist der 33. Kongress, den der Chaos Computer Club seit 1984 veranstaltet. Aus einem gemütlichen Treff von eine paar Nerds ist ein Monster von zuletzt 10.000 Besuchern und Teilnehmern geworden. Weil der Andrang so groß ist, werden die Tickets in diesem Jahr in drei Tranchen verkauft. Die erste wurde am Montag, den 07.11. ab 20:00 verkauft. Weitere Termine sind Sa, 19.11. 15:00 und Fr, 25.11.2016.

Wie zu erwarten war der Andrang groß. So groß, dass die Server schon um 19:55 in die Knie gingen. Der Kauf der Karten hätte eine Sache von dreieinhalb Minuten sein können: Seite aufrufen, Karten in den Warenkorb legen, persönliche Angaben machen, bestätigen, E-Mail Bestätigung mit Referenznummer bekommen.

Das Positive vorneweg: Ich habe es geschafft.

Allerdings hat der ganze Prozess satte 42(!) Minuten gedauert. Zwischendurch habe ich geflucht, dass der Server permanent in die Knie ging und mit Fehlern um sich geworfen hat. Ich dachte: „Hacker sein wollen, aber nicht mal einen Onlineshop Spitzenlastfähig hinbekommen?“

Aber ich lag falsch.

Das ganze war offensichtlich ein Test, ob man auch einer Eintrittkarte würdig ist. Der Ticketshop als raffiniertes Auswahlverfahren. Man hat die Bestellung nämlich nur geschafft, wenn man sich ein bisschen in Webprogrammierung auskennt.

  • Zunächst darf man sich nicht von Ladezeiten im Minutenbereich abschrecken lassen
  • Vier von 5 Aufrufen endeten in verschiedenen Gateway Errors, 500 Internal Server Errors oder schlicht im Timeout.
  • Man sah auch nur das HTML Grundgerüst, weil Stylesheets und Grafiken gar nicht erst nachgeladen wurden. Davon durfte man sich nicht verwirren lassen.
  • Als ich nach 29 Minuten endlich soweit war, den Button „Place binding order“ anzuklicken, passierte… nichts!
  • Grund dafür war ein Javascript Fehler: „ReferenceError: django is not defined“. Um das zu bemerken, musste man schon mal die Entwicklerwerkzeuge des Browsers benutzen.
  • Also schnell noch das Network Profiling anwerfen und die Seite neu laden. Siehe da: Alles wird brav geladen, nur der Request zu /jsi18n/en/ bricht jedesmal mit einerm Code 504 ab.
  • Ich schaue mir daraufhin den HTML Code an und stelle fest, dass es sich freundlicherweise um ein normales Webformular handelt und nicht um ein eventgetriebenes Javascript-Ajax-was-weiss-ich-Gedöns handelt. Ich vermute, dass nur ein Event zur Eingabeprüfung auf dem Formular liegt. Javascript abzuschalten sollte reichen.
  • Stelle fest, dass man Javascript in Firefox gar nicht mehr offiziell abschalten kann. Das geht nur noch über die Spezial-URL about:config, wenn man weiss dass der gesuchte Key javascript.enabled auf false gesetzt werden muss.
  • Danach hat der Button wunderbar funktioniert.

Jetzt habe ich Tickets – ich bin würdig teilzunehmen!

 

 

Was ist eigentlich faul im Westen?

Der Aufstieg der politischen Rechten in vielen westlichen Ländern irritiert und erschreckt. Ich versuche mal auch etwas Positives darin zu sehen: Es wird damit begonnen, über den Status Quo in Gesellschaft und Wirtschaft nachzudenken. Ich meine wirklich nachzudenken. Ich habe jahrelang nicht so viele Analysen und hinterfragende Artikel gelesen, wie im letzten Jahr. Es keimt ein Verständnis für „die Anderen“. Dabei meine ich keinesfalls Rechtsruck oder Anbiederei, sondern wirklich ein Hinterfragen der eigenen Standpunkte, Sichtweisen und Werte. Das ist nämlich höchste Zeit. Mich selber will ich überhaupt nicht ausnehmen.

Parallelgesellschaften

Für mich selbst war der erste Schritt zum Verständnis der Unruhe das Erkennen von Parallelgesellschaften. Dabei meine ich nicht etwa Ali und Fatima, die nach südostanatolischen Riten in Kreuzberg wohnen. Sicher – die gibt es auch, aber ich meine Parallelgesellschaften, die mich selber viel unmittelbarer betreffen.

Ich hatte vor ein paar Jahren, als ich Freunde in San Francisco besuchte, drei echte Aha-Erlebnisse die ich aber damals noch nicht recht einordnen konnte:

  1. Auf einer privaten Party in Berkeley wurde ich beim Smalltalk gefragt, in welchem Bereich ich in Deutschland denn so arbeite – CleanTech oder Medien. Wow – von 1000 möglichen Berufsfeldern kamen offensichtlich nur zwei in Frage – und eins war tatsächlich ein Treffer!
  2. Als ich durch die Cafés im Mission District in San Francisco schlenderte, fiel mir etwas auf; Die Leute um mich herum waren mir angenehm, ich verstand die Dresscodes, hatte eine Idee, wie und an was sie arbeiten und wie sie ticken. Ich kam mir nicht als Tourist und Ausländer vor. Obwohl ich mir sehr klar darüber bin, dass in den USA sehr viele Dinge erheblich anders laufen, als in Deutschland, fühlte ich mich fast wie zu Hause. Ich hatte das Gefühl, mit diesen Leuten mehr Gemeinsamkeiten zu haben, als mit vielen Deutschen aus der Provinz. Gleichzeitig war mir klar, dass dieser Ort zwar geographisch in den USA lag, aber mit Werten, Normen, Zielen und Verdienstmöglichkeiten der amerikanischen Durchschnittsbevölkerung überhaupt nichts zu tun hat.
  3. Auf einer Firmenparty in Downtown San Francisco kam ich mit Softwareentwicklern aus USA, Schottland und Serbien locker ins Gespräch. Irgendwann sprachen wir über die Verständlichkeit der verschiedenen englischen Dialekte, weil die Leute dort aus allen Teilen der Welt zusammenarbeiten. Ich sagte irgendwann, dass ich eigentlich alle so einigermaßen verstehe – nur bei der Autovermietung hätte ich drei mal nachfragen müssen. Darauf wurde locker eingeworfen „ja, aber das waren sicherlich Schwarze“. Darauf meinte ich, dass die Aussage nicht gerade politisch korrekt wäre. Die Antwort saß wie die Faust im Gesicht: „Das stimmt – aber sei ehrlich: Wie viele Schwarze hast Du heute auf der Konferenz gesehen, oder in den Firmen die Du besucht hast? Da sind weiße Amerikaner aus der Mittelschicht, Europäer, Asiaten und ein paar Inder. Alle alle haben studiert. Es gibt so gut wie keine Mexikaner, keine Schwarzen, keinen White Trash“.

Ein weiteres Aha-Erlebnis hatte ich neulich in Berlin. Ich hatte eine Foto-Session, bei der ich systematisch den Bereich um die Marzahner Promenade fotografiert habe.

Marzahn – jener Stadtteil, von dem man in Prenzlauer Berg schon mal abschätzig sagt, dass er „kurz vor Polen liegt“ und das nicht nur geographisch, sondern auch wirtschaftlich meint. Man weiß ja, wie es dahinten zugeht: Platte, Ghetto, Wendeverlierer und Rechtsradikale, no-go Area. Nicht wahr – das weiß man doch.

Quatsch! Gefühltes Wissen. Eigentlich weiß man gar nichts, weil man nie dort ist und auch niemanden kennt, der dort wohnt. Was habe ich also vorgefunden?

  • Zunächst mal sehr viel Platz. Breite Straßen, ziemlich viel Grün. Sehr großzügige Fußgängerbereiche zwischen den zehngeschossigen Plattenbauten. Das ist schon mal sehr viel anders, als im Berliner Innenbereich, wo jede Baulücke geschlossen wurde, die Parks totgefeiert werden und die Verkehrs- und Agressionsdichte sehr hoch ist.
  • Ich habe viel mehr Ausländer gesehen, als ich erwartet hatte. Da hat sich in den letzten Jahren offensichtlich einiges geändert. Die Anzahl der Menschen, die offensichtlich von sehr wenig Geld leben müssen, kam mir auch sehr hoch vor.
  • Interessant, aber auch, was ich NICHT vorgefunden habe: Penner, Graffitis, Scherben auf den Fußwegen und ramponierte Grünanlagen. Man spürt die Bemühungen, den Ort in Ordnung zu halten. Die Gebäude sind saniert, die Wege sauber, die Marzahner Promenade wird neu gestaltet.
  • Marzahn ist von Prenzlauer Berg gerade mal 10 Km entfernt, und trotzdem war ich von dem Ort überrascht. Dort wohnen viele Menschen, die sich die Innenstadt nicht mehr leisten können. Weniger Geld bedeutet aber eben nicht zwangsweise Ghetto.

Stammeszugehörigkeit statt Nationalität

Ich fragte mich, wie es sein kann, dass ich mich einem 9000 Km entfernten Stadtteil einer US Großstadt emotional näher fühle, als einem 10 Km entfernten Ortsteil meiner eigenen Stadt?

In Marzahn fiel mir spontan der Begriff „Parallelgesellschaft“ ein. Und mir wurde klar, dass die Parallelgesellschaft nicht in Marzahn wohnt, sondern in Prenzlauer Berg.

Ich bin selbst die Parallelgesellschaft.

Und plötzlich machen viele Dinge Sinn, über die ich mich stets etwas gewundert hatte:

Damals in San Francisco hatte ich das vage Gefühl, einem geheimen Stamm anzugehören, der sich kaum über die geographische und kulturelle Herkunft definiert, sondern sich sein Wertesystem gerade selber zusammenbastelt. Mir fiel der alte Spontispruch ein, dass die wahren Grenzen nicht zwischen den Völkern verlaufen, sondern zwischen oben und unten. Aber ich war weder oben noch unten, sondern irgendwie parallel daneben.

Ich war verblüfft, wieviele Menschen in Europa nicht nur den Euro abschaffen, sondern auch wieder Grenzkontrollen einführen wollen. Sicherlich ist vieles in der EU reformbedürftig, aber genau die Reise- und Niederlassungsfreiheit und die gemeinsame Währung habe ich immer als einen der wichtigsten Erfolge der 90er Jahre gesehen. Es war mir völlig unverständlich, wie man dagegen sein kann.

Ganz klar: Wir haben völlig unterschiedliche Perspektiven.

Ich habe selber schon mal ein paar Monate im Ausland gearbeitet, war immer mobil. Ging ja nicht anders, wenn man einen halbwegs vernünftigen Job haben wollte. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis sieht es nicht viel anders aus: Drei Personen sind in den letzten Jahren nach Australien ausgewandert, einer nach Argentinien, drei nach Kalifornien. Eine Bekannte hat drei Jahre in Saudi-Arabien gearbeitet, bevor sie in die Schweiz gezogen ist und eine Person hat bereits in Marseille und Rio de Janeiro gewohnt, bevor sie nach Deutschland zurück kam.

Das hängt natürlich auch vom Beruf ab. IT, Medien, Management, Kunst,…

Ich habe Bekannte, die in Nordfinnland wohnen. Ab und an trifft man sich mal in Berlin oder eben dort oben. Das ist für mich so normal, dass ich gar nicht mehr darüber nachgedacht habe.

Aus meiner Perspektive ist jede Grenze und alles was meine Mobilität behindert schlecht.

Kontrollverlust und fremde Werte

Die breite Masse mit normalen Jobs (Verkäufer, KFZ-Mechaniker, Friseur, Verwaltungsangestellte, …) ist bei weitem nicht so mobil. Die fliegen vielleicht einmal im Jahr für zwei Wochen nach Mallorca, falls sie es sich leisten können.

Deren Perspektive ist nicht, dass sie selber mobil sein wollen, sondern dass von überall her Leute kommen, die sie nicht eingeladen haben. Gleichzeitig sind immer mehr Arbeitsplätze ins Ausland verlagert worden. Die Menschen sind damit einfach überfordert und fühlen sich überrollt.

  • Sie protestieren dagegen, dass normale Arbeit vollkommen entwertet wurde.
  • Sie protestieren dagegen, dass ihre Werte nicht mehr respektiert werden.
  • Sie protestieren dagegen, dass ihnen auf arrogante Art ständig andere Werte aufgezwungen werden sollen: Flexibilität statt Sicherheit, Weltoffenheit statt Bodenständigkeit, veganes Essen statt leckerem Schweinebraten, Radfahren statt einem schicken Auto, Urbanität statt Häuschen im Grünen, usw.
  • Sie protestieren eigentlich nicht gegen die offenen Grenzen, sondern gegen den eigenen Kontrollverlust.

Und das kann ich sehr gut verstehen.

Und unsere Führungskräfte müssen das auch verstehen – und zwar ziemlich schnell. Wir brauchen bedachte Kurskorrekturen, bevor die Gegenbewegung eine Dynamik annimmt, die mehr kaputt macht, als wir und vorzustellen wagen. Das gilt für Deutschland genauso, wie für die USA, Großbritannien, Frankreich und eigentlich alle westlichen Länder.

Ich möchte hier noch auf einen Artikel im Tagesspiegel verweisen, der ähnlich argumentiert: „Eine andere Welt ist möglich – aber als Drohung

VR – aufgewärmter Quatsch ohne Soße…

Damals in der 80ern waren nicht nur die Heimcomputer neu, sondern auch diverse Zukunftsszenarien aus damals aktuellen Science-Fiction Geschichten. Ganz heiß erschien damals die Idee vom Cyberspace, oft auch Virtual Reality (VR) genannt. Eine völlig künstliche Umgebung, die nicht den Zwängen der realen, körperlichen Welt unterlag. Eine konstruierte Welt aus Software, in der man sich scheinbar grenzenlos bewegen konnte. Unendliche Möglichkeiten schienen sich aufzutun…

Die ersten wirklichen Versuche, VR umzusetzen waren in den 90ern dagegen ziemlich ernüchternd. Und zwar so sehr, dass das Thema – bis auf Nischenanwendungen, wie Automobildesign – eigentlich seit 20 Jahren vom Tisch ist.

In den letzten 1-2 Jahren kocht das Thema aber so langsam wieder hoch. Ich muss zugeben, daß mich das ziemlich kalt lässt. Als Jugendlicher wäre ich damals vermutlich völlig drauf abgefahren, aber mir ist die Idee mittlerweile einfach zu abgedroschen.

Trotzdem kann natürlich ein kleiner Reality-Check nicht schaden. Versuchen wir mal die Einsteigerdroge: Google Cardboard.

Let’s do it!

Ich hatte mir vor drei oder vier Monaten schon mal Google Cardboard auf meinem Smartphone installiert, aber ohne VR-Brillengestell machte das keinen Sinn. Also hatte ich die App erstmal wieder gelöscht. Am Samstag bin ich bei Conrad über einen Stapel VR-Brillen von Google gestolpert. Kostet ja nicht sooo viel, also habe ich eine der Pappschachteln mitgenommen.

Google Cardboard

Google Cardboard

Fertig zum Ausetzen

Fertig zum Aufsetzen

Das Prinzip ist simpel: Eine Pappschachtel mit zwei Linsen, in die man sein Smartphone klemmt, das ganze auf die Nase setzt und mit den Halteriemchen am Kopf fixiert.

Aber vorher musste ich die App neu installieren, weil ich sie ja zwischenzeitlich gelöscht hatte und – oh Wunder – mein Telefon ist plötzlich nicht mehr kompatibel. Wieso? Vor drei Monaten ging es doch. Ich habe Android 6 auf dem Phone – von veraltet kann also keine Rede sein. Nun gut, also habe ich mit ein paar andere VR-Apps heruntergeladen und damit etwas rumgespielt.

Fazit

Die Erfahrung kann ich in einem Wort zusammenfassen:

Schrott!

Oder etwas ausführlicher:

  • Man sieht wie der letzte Mutant aus. Smombies sind ein Scheissdreck dagegen.
  • Die Kiste mit dem Smartphone auf der Nase nervt – es ist zu schwer und stört einfach nur.
  • Die Fokussierung stellt sich auch nicht gerade von selbst ein. Ich musste mich ziemlich konzentrieren.
  • Keine der Apps hat den Gyroskop im Telefon richtig benutzt. ein Kopfschwenk führte meistens zu gar nichts oder zu einer verzögerten Bewegung, die überhaupt nicht synchron zur Körperbewegung.
  • Die Bedienung ist problematisch, weil man den Touchscreen ja nicht mehr anfassen kann.
  • Dadurch, dass man mit den Augen direkt am Display ist, wirkt das Bild ist unglaublich grobkörnig. Ohne 4K-Display braucht man so etwas gar nicht anzufangen.
  • Von dem Fake-3D wird mir innerhalb von 30 Sekunden übel.
  • Es gab keine einzige App, die mich inhaltlich irgendwie interessiert hätte.

Gut, einige der Punkte davon könnte man mit richtiger Hard- und Software korrigieren. Aber eine wesentlich teurere Kombination aus High-End Samsung Phone und der dazugehörigen Brille war auch nicht viel besser.

Meiner Meinung nach ist die ganze VR-Idee – von einigen Spezialanwendungen wie Konstruktion oder Simulatoren mal abgesehen – für die breite Masse unsinnig.

 

Und überhaupt…

Daß so beharrlich versucht wird, diese eigentlich schon begrabene Idee wieder aufzuwärmen, hinterlässt bei mir einen faden Beigeschmack. Virtual Reality reiht sich für mich in eine täglich länger werdende List von technischem Zeug, dass ich explizit nicht haben will, wie z.B.:

Internetfähiger Kühlschrank. Die Idee war vor 20 Jahren Schrott, vor 10 Jahren Schrott, ist immer noch Schrott und bleibt es auch.

Chatbots. Noch so ein 20 Jahre alter aufgewärmter Quark. Was soll toll daran sein, mit begriffsstutzigen Maschinen zu reden? Das nervt ja bei Menschen schon genug.

Smarthomes und überhaupt alles, was gerade mit „Smart-“ anfängt. Damit absolut jeder Lebensbereich ausgeforscht und im nächsten Schritt ferngesteuert werden kann. Und wir entwickeln uns alle im Rekordtempo zurück zu Amöben. Einige sind ja schon recht weit auf diesem Weg…

Internet of Things. Super, dass jetzt nicht nur mein Computer und mein Handy, sondern auch Lampen, Stereoanlagen, Heizungen, Blumenvasen und Bilderrahmen tägliche Securityupdates brauchen – und trotzdem gehackt werden. Das steigert so richtig die Lebensqualität.

Selbstfahrende Autos. Woher kommt diese Scheiß Idee eigentlich plötzlich? Ich habe in den letzten Jahren eigentlich niemanden gehört, der der Meinung ist, das größte Problem an Autos sei, dass man sie selber fahren muss. Eher so Umwelt, Platzverbrauch, Lärm, Zersiedlung der Landschaft, Ressourcen und ähnliche Dinge.
Eigentlich kann es doch nur darum gehen, so langsam wieder von den Autos wegzukommen und die restlichen mit erneuerbaren Energien anzutreiben.

Mobile Payment. Wenn mir das Handy geklaut wird, ist also nicht nur mein Telefon weg, meine Kontaktdaten, mein Kalender, meine Fotos, meine Social Media Zugänge kompromittiert, sondern auch noch das Geld, was ich auf dem Konto habe. Im Alltag bleibt das Standardproblem jeder bargeldlosen Finanztransaktion: die völlige Nachverfolgbarkeit jeder kleinen Zahlung. Ist ja ’ne Super Idee – ich bleibe bei Bargeld.

Künstliche Intelligenz. Seien wir doch mal ehrlich: Das werden alles absolut unerträgliche digitale Klugscheißer werden, die uns das Leben auf jede erdenkliche Art zur Hölle machen. Ist ja selten genug, dass man überhaupt mal natürliche Intelligenz endeckt.

 

Ich habe das Gefühl, dass diese dämlichen und ausgelutschten Ideen alle paar Jahre wieder rausgeholt werden, um zu prüfen, ob das Volk jetzt endlich verblödet und degeneriert genug ist um vollständig entmündigt zu werden. In anderen Gegenden der Welt wird dafür Religion verwendet und bei uns läuft es halt so.

 

Google Play und MP3 Tags

Früher hat man seine Schallplatten auf Compact Cassetten aufgenommen um die Musik auch unterwegs auf dem Walkman hören zu können. Heute ist alles als MP3 auf dem Handy gespeichert. Ich finde es immer noch verblüffend, wenn die Musik, die früher mindestens ein ganzes Regal gefüllt hätte auf einer Micro SD Karte passt, die kleiner als ein Daumennagel ist.

Aber irgendwas ist ja immer. Wenn die MP3 Sammlung ein bisschen größer wird, nerven falsche Tags kolossal. Klassiker sind notorisch falsch gepflegte Erscheinungsjahre, unterschiedliche Schreibweisen von Interpreten die daher mehrfach in den Auflistungen der Player angezeigt werden und ähnliches.

In letzter Zeit habe ich einige meiner alten Vinylplatten mit Audacity digitalisiert. Beim Speichern als MP3 Datei habe ich natürlich die wichtigsten Angaben Interpret, Titel, Erscheinungsjahr, Tracknummer usw. gepflegt. Das dauert alles so seine Zeit, aber man möchte ja ordentlich sein.

Nachdem ich die Songs auf meinem Handy hatte, wollte Google Play davon aber leider nichts wissen. Alle sechs Alben wurden unter „Unbekannter Interpret“ aufgelistet. Wie lästig!

Nach etwas Recherche wurde deutlich, dass Google Play ziemlich zickig mit den MP3 Tags ist.

Was nun?

Es gibt diverse Software, mit der MP3 Tags nachbearbeitet werden können. Ich habe MusicBrainz Picard genutzt, dass eine Art Autovervollständigung hat. Nachdem ich die fraglichen Dateien entsprechend bearbeitet habe, erkannte nun auch Google Play die Interpreten.

Bei solchen Dingen muss ich immer daran erinnern – Computer machen das Leben einfacher 😀

Zuse Z3 in Aktion

Den heutigen verregneten Sonntag habe ich für einen Besuch im Deutschen Technikmuseum genutzt. Der Anlass war die Vorführung der Zuse Z3, die ich schon länger einmal in Funktion sehen wollte. Die Z3 wurde 1941 von Konrad Zuse in Berlin gebaut und war der weltweit erste funktionsfähige, programmgesteuerte Digitalrechner. Das Original wurde leider bei einem Bombenangriff am 21. Dezember 1943 zerstört. Ein Nachbau von 1962 befindet sich im Deutschen Museum in München.

Meilensteine der Computergeschichte

Meilensteine der Computergeschichte

Die Maschine, die ich heute in Berlin gesehen habe – die Z3r – wird seit 2008 von Prof. Horst Zuse (Konrad Zuses ältester Sohn) gebaut, der sie auch vorführte. Die Z3r arbeitet mit modernen Industrierelais. Architektur und Funktion ist im Wesentlichen mit der Original Z3 identisch. Es wurden jedoch kleinere Modifikationen in der Taktsteuerung vorgenommen, die vor allem dazu dienen, die Funktionsweise des Rechners besser demonstrieren zu können.

Ich war bereits eine halbe Stunde vor Beginn des Vortrags dort und konnte die Z3 so in Ruhe betrachten. Die eigentlich recht nüchterne und vergleichsweise abstrakte Technik ist ästhetisch ansprechend verpackt. Der Steuerpult und die drei Schaltschränke sind schwarzgläzend lackiert, was hervorragend zu den ca. 2500 blauen Relais passt, die hinter den Glastüren zu sehen sind. Die ganze Anlage hat so einen betörenden Todesstern-Chic, den ich als Science-Fiction Fan liebe… 😉

Leider steht die Z3r etwas unglücklich in einer Ecke, so dass vielleicht nicht jeder aus dem zahlreichen Publikum einen guten Blick hatte.

Die mechanische Zuse Z1

Die mechanische Zuse Z1

Horst Zuse gab dem Publikum zunächst einen Einblick in das Leben seines Vaters und die Entwicklung der Z1 – dem mechanischen Vorläufer aus dem Jahr 1937, von dem ebenfalls ein funktionsfähiger Nachbau in dem Museum steht. Es folgte eine Einführung in das binäre Zahlensystem, ohne dessen Verständnis die Vorgänge in dem Rechenwerk nicht vollständig nachvollziehbar werden. Mit etwas Grundwissen in Rechnerarchitektur kann man aber die Funktion der meisten Teile erkennen.

Zuse Z3r

Zuse Z3r im Überblick

  • I/O: Das Bedienpult im Vordergrund besitzt Knöpfe zur Eingabe und Lampen zur Ausgabe, analog zu Tastatur und Bildschirm eines heutigen Computers.
  • RAM: Der linke und der rechte Schrank ist Arbeitsspeicher (jeweils 32 Worte zu 22 Bit). Gut zu erkennen sind die beiden Adressmultiplexer in den oberen 5 Reihen.
  • CPU: Der Schrank in der Mitte ist das Rechenwerk mit den Arbeitsregistern. Hier wird außerdem die Umwandlung zwischen Dezimal und Binärzahlen bei der Ein- und Ausgabe vorgenommen.

Aufgrund der umfangreichen Einführung blieb die eigentliche Vorführung auf die Eingabe einiger Zahlen und Grundrechnungen beschränkt. Das genügte aber, um die grundlegende Funktion nachvollziehen zu können. Obwohl die Vorgänge elektromechanisch sind, arbeitet die Z3r erstaunlich leise.

Leider konnte kein Programm gestartet werden, weil das Lesegerät für den Programmspeicher (35mm Film mit 8-Bit Lochung) nicht an die Maschine angeschlossen war.

An diesem Detail hatte ich eher versehentlich eine nicht ganz uninteressante Diskussion angestoßen, die wir nach der eigentlichen Vorführung führten: Ich sagte, dass die Z3 ist im Gegensatz zu den heute üblichen Computern keine „Von-Neumann-Maschine“ sei.

Falls ich Prof. Zuse richtig verstanden habe, meinte er sinngemäß: „Heutige Rechner sind das auch nicht mehr“, was mich zunächst etwas verblüffte..

Dem liegt die Frage zugrunde, wie man die „Von-Neumann-Architektur“ interpretiert. Wenn das Kriterium ist „Daten und Programm liegen physikalisch im Speicher“ – also im RAM, entsprechen fast alle heutigen Rechner der Definition.

Prof. Zuse interpretiert den zugrundeliegenden Aufsatz von John von Neumann etwas anders. Er weist darauf hin, dass die Absicht der Definition darin lag, dass sich Programme selbst modifizieren können und dies in modernen Computern aus Sicherheitsgründen von Betriebssystem und MMU verhindert wird. Wenn also das entscheidende Kriterium der Von-Neumann-Architektur ist, dass das Programm nicht nur auf die Daten, sondern auch auf sich selbst zugreifen kann, weil es im gleichen Speicherbereich liegt, entsprechen die meisten aktuellen Computer dieser Definition nicht.

Diese etwas akademische, aber nicht untinteressante Diskussion bildete den heutigen Schlusspunkt zum Thema Zuse Z3. Weitere Informationen zum Verhältnis Zuse und von Neumann kann man auf der Homepage von Prof. Horst Zuse nachlesen.

Weitere Highlights

Das Deutsche Technikmuseum hat aber natürlich viel mehr zu bieten. Ich blieb heute dem Thema Computer/Kommunikation treu und schaute mir die Ausstellung „Das Netz“ an, die ich noch nicht kannte.

Ein Highlight war die für Besucher zugängliche Memex (ungefähr „Gedächtnis Erweiterung“), die ich auch gleich ausprobiert habe. Memex ist ein Konzept zur Dokumentverknüpfung, das 1945 von Vannevar Bush im Artikel As We May Think im Atlantic Monthly beschrieben, aber niemals realisert wurde. Auf dieser Idee, Dokumente untereinander zu Verknüpfen basiert Hypertext und damit das World-Wide-Web.

Das Deutsche Technikmuseum hat mit viel Liebe zum Detail eine Memex gebaut, die jedoch im Gegensatz zum Originalentwurf nicht auf analoger Technik, sondern auf Digitaltechnik basiert. Einen Vortrag dazu gabe es auf dem Vintage Computing Festival 2015 in der Humboldt Universität (Siehe „Historische Elektronik en Masse„). Leider geht das Exponat optisch etwas unter und wird daher vermutlich häufig übersehen oder nicht angemessen gewürdigt. Schade!

 

Cray 2

Cray 2

Etwas unerwartet war für mich eine Cray2 zu sehen – einem ehemaligen Supercomputer der 80er Jahre. Ich wusste nicht, dass das Museum solch ein Ausstellungsstück hat. Zudem ist der Rechner wesentlich kleiner, als ich ihn mir vorgestellt habe. Das liegt am externen Kühlsystem. Das Vorgängermodell Cray X-MP hatte noch ein integriertes Kühlsystem, das dem Gerät die Optik eines Designersofas gab.

Fazit

Es war ein interessanter, anregender Tag in einem tollen Museum, obwohl ich nur einen Bruchteil der Ausstellungen gesehen habe. Es waren extrem viele Familien mit Kindern dort und die lieben kleinen schienen überwiegend sehr interessiert und neugierig zu sein. Sehr schön!

Star Wars

In den letzten Tagen hat ja jeder ungefragt etwas über den neuen Star Wars geschrieben. Seit gestern Abend kann ich mitreden, da will ich mal nicht zurückbleben. Aber ich mache es kurz.

Positiv:

  • Optisch ist der Film gelungen. Kein Vergleich mit den unerträglich zuckersüßen Quitschfarben der zweiten Triologie.
  • Die Idee, die alten Recken aus der ersten Triologie als „Rentnercrew“ einzubauen fand ich sympatisch.
  • Der Film ist auch in der Gesamtheit wieder düster, allerdings ohne dabei an „Das Imperium schlägt zurück“ heranzukommen.
  • Wider Erwarten ist BB-8 ein gelungener Nachfolger von R2-D2 und nervt nicht. Aber das ist auch schon die Überleitung zum einzigen, aber leider riesengroßen Minuspunkt…

Negativ

  • Der Film ist leider fast ein 1:1 Remake von Episode IV (also dem ersten Teil von 1977). Jede Schlüsselrolle von damals existiert auch im neuen Teil und wurde lediglich anders besetzt. Die Story ist fast identisch – selbst die Aufgabe, die die Rebellen zu erledigen haben. Das geht so weit, dass in Schlüsselszenen sogar dasselbe gesagt wird. Ehrlich – was das nötig?

Es gäbe in der Grundkostellation sogar einige Elemente, aus denen man einen spannenden neuen Plot hätte basteln können. Das flache „gut gegen böse“ hätte in der Dreieckskonstellation „Republik“, „Erste Ordnung“ und „Widerstand“ endlich mal interessant werden können. Leider hat man sich diese Option in der ersten Filmhälfte gleich verbaut.

Das Publikum von 2015 ist doch ganz andere Erzählweisen gewohnt, als das von 1977. Warum hat man nicht ein paar gute Storyschreiber von den ganzen hervorragenden Fernsehserien der letzten Jahre angeworben?

Schade…

 

Ruhe bewahren – es ist eine Falle!

NEIN!

Ich weigere mich Panik zu bekommen. Wenn ich aus Furcht oder Hass mein Verhalten ändere, dann haben SIE gewonnen. Ich werde auf Weihnachtsmärkte gehen und Rockkonzerte besuchen, wenn ich Lust dazu habe. Ich werde mich in Strassencafes setzen, die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen und so viel am öffentlichen Leben teilnehmen, wie es geht. Und zwar in vollem Bewusstsein, dass der nächste Anschlag bei mir um die Ecke in Berlin sein könnte.

Jetzt erst recht!

Ich habe gestern beim Frühstück die Nachrichten überflogen und mir ist der Bissen im Hals steckengeblieben. Ich war zunächst fassungslos, als ich die Berichte gelesen habe, dann habe ich tatsächlich geweint. Das ist mir seit 2001 nicht mehr passiert.

Und dann habe ich Angst bekommen. Nicht Angst vor dem nächsten Terroranschlag, sondern vor den Reaktionen bei uns und davor, dass sich der Westen weiterhin so dumm verhält, wie seit den Anschlägen in New York.

Es ist eine Falle!

Die Terroristen haben uns 2001 in New York eine riesige Falle gestellt und wir sind mit Elan und Schwung in diese Falle reinmarschiert. In den letzten 14 Jahren hat der Westen in der Terrorbekämpfung so ungefähr alles falsch gemacht, was möglich ist. Wir haben alles getan, was die Terroristen wollten und provoziert haben:

Unnötige und dumme Kriege geführt, zugesehen wie ein Land nach dem anderen kollabiert, Märtyrer geschaffen, unsere Grundwerte verraten, Unruhe und Besorgnis in der eigenen Bevölkerung bestärkt, Freiheitsrechte eingeschränkt und die Totalüberwachung eingeführt.

Es hat nichts gebracht. Gar nichts! Im Gegenteil. Die Lage wird immer beschissener.

Und jetzt dieser Anschlag in Paris. Schon wieder Paris.

Ein Anschlag, der willkürlich vollkommen harmlose Menschen getroffen hat, die nur einen netten Abend verbringen wollten. Ein Anschlag, bei dem nicht mal mehr so getan wird, als ob es einen Grund gäbe, wie noch im Januar bei Charlie Hebdo. Die Attentäter liefern nicht mal mehr eine Rechtfertigung – egal wie dünn, dümmlich und ideologisch verdreht sie sein würde.

Dieser Anschlag hat nur ein Ziel: Unsicherheit, Panik und Angst und Hass zu schüren.

Ja, Hollande hat Recht – wir sind im Krieg. Und dieser Krieg findet in den Köpfen statt. Die radikalen Islamisten brauchen Zulauf. Sie brauchen frustrierte junge Männer, die sich ausgestossen und gedemütigt fühlen und nach einem Sinn im Leben suchen.

Der Pariser Anschlag ist wieder eine riesige Falle, wie schon der Anschlag in New York. Es ist kein Zufall, dass das gerade jetzt passiert, da Europa mit einer riesigen Welle von Flüchtlingen aus den Kriegsregionen konfrontiert wird.

Wir sollen dazu verleitet werden, jeden Moslem als potentiellen Terroristen zu fürchten und ihn entsprechend zu behandeln. Wir sollen tiefer in die Kriege im nahen Osten verstrickt werden. Wir sollen weiterhin aus Dummheit versuchen, den Brand im arabischen Raum mit Benzin zu löschen, so wie in den letzten 14 Jahren, damit der Nachschub an frustrierten jungen Männern nicht ausbleibt, die sich einen Sinn im Leben erhoffen, den sie anders offensichtlich nicht finden.

Diesen Gefallen dürfen wir den Terroristen einfach nicht mehr tun.

Der Freitag Abend ist die Bankrotterklärung der bisherigen „Sicherheitspolitik“. Wir brauchen keine „Hardliner“ mehr. Sie haben krachend versagt.

Wir brauchen jetzt smarte Menschen, die erfolgreich um „die suchenden Seelen“ werben, auch wenn das ein langer und schwieriger Prozess ist. Und wir müssen ruhig und besonnen bleiben, weiterhin Freiheit, Demokratie und Lebensfreude bewahren, auch wenn zu befürchten ist, dass es weitere Anschläge geben wird.

Ansonsten haben SIE gewonnen und wir alles verloren.

Chaos Communication Camp 2015

Das Chaos Communication Camp findet seit 1999 alle vier Jahre im Berliner Umland statt. Bei den letzten beiden (2007 und 2011) war ich jeweils beruflich verhindert. Dieses mal sollte es jedoch klappen und die Freude war groß, als ich das Ticket hatte und mein Urlaub genehmigt war.

Das Eintrittsbändchen zum Camp

Das Eintrittsbändchen zum Camp

Um das Fazit vorwegzunehmen – die Erfahrung war beides gleichzeitig: super und mist.

Ich hatte mich seit Wochen vorbereitet, den kompletten Mittwoch Zeug zusammengepackt und bin am Donnerstag Morgen losgefahren. Die Fahrt von Prenzlauer Berg zum ca. 80Km nördlich von Berlin gelegenen Ziegeleipark Mildenberg dauert etwas über eine Stunde. Die Brandenburger Landschaft ist nur recht spärlich besiedelt, aber mit viel Wald und Wasser sehr schön (siehe Video weiter unten). Die Strecke zum Ziegeleipark war gut ausgeschildert und der letzte Hinweis ist wirklich gelungen… 😀

Hier geht's zum Internet

Eindeutig: Hier geht’s zum Internet

Nach der Anreise machte ich auf dem Gelände das BER-Village ausfindig, in dem sich einige Berliner Vereine zusammengetan hatten um zusammen zu zelten und eigene kleinere Vorträge stattfinden zu lassen.

Der "Eingang" zum BER Village

Der „Eingang“ zum BER Village

Eine handvoll Leute davon kenne ich, also stellte ich mein Zelt in das Village und verlegte Strom- und Ethernet Kabel. Nachdem mein Zelt endlich voll ausgestattet war, machte ich mich erst mal auf den Weg über das Gelände.

Das Zelt steht (zum ersten Mal) und ist komplett connected

Das Zelt steht (zum ersten Mal) und ist komplett connected

Der Rundgang war toll – überall interessante Leute aus aller Herren Länder, spleenige Basteleien (Ein Roboter, der Crepes herstellt, ein elektrisches Fahrzeug aus zwei Getränkekisten, …) und nerdiger Humor. Leider ist fast überall Fotografieren unerwünscht, deshalb hier nur ein kleiner Rundblick.

Panorama. Ca. 1/6 des Camp Geländes

Panorama. Ca. 1/6 des Camp Geländes

Foodcourt

Foodcourt

Schlafzelte stehen fast überall

Schlafzelte stehen fast überall

Auf dem Gelände stehen natürlich die Artefakte der alten Ziegelei; Ringöfen, Bagger und alle möglichen Spezialgebäude. Zudem ist das ganze Areal mit einem Gleisnetz der Ziegeleibahn durchzogen. Ein Rundkurs wurde sogar regelmäßig mit einer Museumsbahn befahren. Insbesondere nachts mußte man ziemlich aufpassen, wo man hintrat. Gleise, Kabel (Ethernet oder Strom) oder provisorische Wasser und Abwasserleitungen. Die komplette Infrastruktur für die 4500 Besucher mußte extra für das Camp aufgebaut werden.

Ringofen mit Bahnschienen

Ringofen mit Bahnschienen

Das kleine Vortragszelt

Das kleine Vortragszelt

400KVA - zwei von etlichen Dieselgeneratoren

400KVA – zwei von etlichen Dieselgeneratoren mit insgesamt 2,5MW Leistung

Nach Sonnenuntergang verwandelte in einen fast magischen Ort: Alles wurde bunt beleuchtet und die Stimmung war super. Auch hier merkt man, dass irrsinnig viel Arbeit mit Liebe zum Detail investiert wurde.

Foodcourt und Dancefloor

Foodcourt und Dancefloor

Grosses Vortragszelt und Umgebung

Großes Vortragszelt und Umgebung

In dem Eintrittspreis war auch ein elektronisches Spielzeug enthalten, dass ich mir natürlich nicht entgehen lassen konnte. Nach einer etwas verwirrenden Schnitzeljagd über das halbe Gelände und langem Anstehen hatte ich nach knapp zwei Stunden um 23:00 auch mein Rad1o-Badge bekommen. Jetzt wollte ich mich in mein Zelt zurückziehen, noch etwas rumbasteln und dann schlafen.

Denkste!

Bei den Vorbereitungstreffen hieß es, dass die Ecke des BER Village aufgrund der Nähe von Anwohnern leise sein würde und die Party auf der anderen Seite des Geländes stattfindet. Tatsächlich feierten im BER 50-100 Leute zu lauter und, basslastiger Musik. Mein Zelt stand gefühlt mitten auf der Tanzfläche. An Schlaf war – egal ob mit oder ohne Ohrenstöpsel – nicht zu denken. Um 2:00 Morgens war immer noch kein Ende in Sicht und wir bekamen die Auskunft „Das geht mindestens noch bis 5 Uhr. Und das bleibt die nächsten Tage auch so“.


Übersicht über das Gelände und die Umgebung

 

Eigentlich hätte ich an der Stelle bereits nach Hause fahren können. Sich mitten in der Nacht, todmüde, ohne richtiges Licht einen neuen Platz für das Zelt zu suchen – nachdem alle einigermaßen brauchbaren Flecken bereits belegt waren, macht so richtig Spaß. Nämlich gar keinen. Die ganze Aktion hat eine Stunde gedauert. Am Ende stand mein Zelt fast genau am Haupteingang, ohne Strom, ohne Netzwerk und alle Klamotten wild durcheinandergeworfen.

Um halb vier bin ich dann stinksauer eingeschlafen und um kurz nach acht wieder aufgewacht, weil das Zelt in der Sonne bereits brütend heiss wurde. Den Tag habe ich unausgeschlafen, mit Kopfschmerzen und angesäuert verbracht. Bei 35 Grad habe ich den ganzen Tag geschwitzt ohne Ende, was durch den Sandstaub, der über das Gelände wehte auch nicht besser wurde. Zudem merke ich, dass mich diese provisorischen Sanitäreinrichtungen kolossal stören und dass beim Programmieren im Hackcenter Zelt Staub und Legionen von Ameisen in den Laptop eindringen wollen, finde ich auch nicht so richtig prall.

Ich habe dann abends beschlossen, nach Hause zu fahren, bevor ich fünf Tage schlechte Laune habe. Dass ich auch in Berlin nicht zur Ruhe gekommen bin, weil ich mein Telefon verloren habe steht noch mal auf einem anderen Blatt.

Am Sonntag bin ich dann wieder auf das Camp zurückgekehrt und noch ein bisschen Nerdkultur zu inhalieren und den einen oder anderen zu treffen, aber irgendwie hatte ich mir das im Vorfeld anders vorgestellt.

Versteht mich nicht falsch: Die Orga hat einen Super Job gemacht. Ein Gelände mitten in der Pampa mit Mobilfunk, leistungsfähigem Internet, richtig viel Strom, Wasser und einer Abwasserlösung für über 4000 Menschen zu versorgen ist eine echte Herausforderung und sie wurde mit Bravour gemeistert. Ein interessantes Programm zusammenzustellen (die Vorträge kann man hier ansehen: http://media.ccc.de/browse/conferences/camp2015/index.html), den Foodcourt, die Feuerwehr und den Behördenkram zu organisieren…

Alles war wirklich klasse gemacht – aber Camping nervt mich einfach total. Das hatte ich im Vorfeld leider vollkommen unterschätzt.

Gestern war die Zukunft von Vorgestern

Die folgende Sendung präsentiert den brandneuen, heissen Scheiss: Computer für Zuhause, eigene Videorecorder und Laser Disc Player, Textinformationen auf dem Fernseher und Videospiele.

Die Aufnahme ist von 1980. Damals war ich 12 und an all dem Kram brennend interessiert. Insbesondere die Szene, in der die neuen Videorecorder (klobige Mechanik, die zig Kilo wog) gezeigt werden, macht einem schmerzlich bewusst, dass das alles nicht einfach nur lange her ist, sondern im letzten Jahrtausend war.

Noch spannender als der leicht amüsierte Rückblick auf alte Technik, ist aber die Frage, wie der Fortschritt der Alltagstechnik uns und unser Zusammenlaben geändert hat. Die BBC hat eine klasse Miniserie darüber produziert, indem sie eine Familie von aus dem Jahr 2009 quasi in das Jahr 1970 katapultiert hat, indem das komplette Haus auf alt getrimmt wurde. Die Eltern hatte noch Kindheitserinnerungen (die manchmal getrogen haben), aber die vier Kinder standen fassunglos in einem Haus nicht nur, ohne Handy, Computer, Video und Mikrowelle sondern mit winzigem Schwarzweissfernseher, Mono-Radio und Wählscheibentelefon,

Sehr spannend, was die Veränderungen mit der Familie machen. Warum sehe ich solche Sendungen eigentlich nie im Deutschen „Qualitäts“fernsehen?

Anyway – enjoy!

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