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Berliner Motorradtage

An diesem Wochenende fanden in die Berliner Motorradtage statt. Ich habe diese Veranstaltung noch nie besucht, aber da ich seit dem 31. Oktober letzten Jahres nun offiziell auch zu den „Bikern“ gehöre, dachte ich mir „schau doch mal rein“. Es herrschten In Berlin für Februar zwar hohe Temperaturen, aber es schüttete wie aus Kübeln. Meinen ursprünglichen Plan, mit dem Motorrad dorthin zu fahren habe ich also verworfen. Man möchte ja nicht tropfend durch die Hallen der Station Berlin wandern.

Die Berliner Motorrad Tage sind natürlich hauptsächlich eine Verkaufsveranstaltung. Bekleidung, Helme, Handschuhe, Kleinteile und Zubehör zum sofort mitnehmen. Zweirad Stadler hatte zum Beispiel eine ganze Wand voll auffallend günstiger Dainese Lederkombis (nein, ich habe keine gekauft). Diverse Händler hatten ganze Wände voller Vintage Lederjacken und passende Helme in Vintage Anmutung gab es ebenfalls en masse.

Natürlich gab es auch reichlich Gelegenheit sich einen guten Überblick über die aktuellen Maschinen der verschiedenen Hersteller zu verschaffen. Von den großen Herstellern fehlten unverständlicherweise Honda und Harley Davidson. Dafür war der Nischenhersteller Horex mit einem vergleichsweise großen Stand anwesend und für amerikanisches Flair sorgte Indian.

Heavy Metal aus USA: Indian statt Harley

Heavy Metal aus USA: Indian statt Harley

 

Heavy Metal aus Norddeutschland: Waldfee Nr. 1 von Andi Feldmann. Selbstbau mit Automotor

Heavy Metal aus Norddeutschland: Waldfee Nr. 1 von Andi Feldmann. Selbstbau mit Automotor

Ich habe den Sonntag für meinen Besuch gewählt. Tausende andere Besucher ebenfalls. Es war wirklich viel Publikum anwesend und das Vorankommen durch die Hallen war teilweise etwas zäh. Es waren erfreulich viele Paare und auch viele Familien mit Kindern dort. Deshalb war die wohl unvermeidliche „Zwei vollbusige und leicht bekleidete Frauen tun auf der Bühne so. als ob sie ein Motorrad waschen wollen, machen sich dabei aber vor allem selber nass“-Performance etwas deplaziert.

hdrKurios: Kleinstserienhersteller Horex zeigt seine VR6

Kurios: Kleinstserienhersteller Horex zeigt seine VR6

So etwas ist nicht hilfreich, wenn man mehr Frauen zum Motorradfahren bringen möchte. Zumal die Chancen dazu gar nicht so schlecht stehen. Von den vielen anwesenden Frauen und Mädchen haben sehr viele interessiert auf den ausgestellten Maschinen Platz genommen. Ich denke nicht nur, weil sie Menne zur BMT begleitet haben. 😉

Heimspiel: BMW zitiert sich selbst

Heimspiel: BMW zitiert sich selbst

Ebenfalls schön zu sehen, dass auch viele Jugendliche dort waren und sich für die vielen wirklich attraktiven 125er interessiert haben. Bei einer Yamaha MT 125 muss man schon zweimal hinsehen um sie von einer deutlich größeren Maschine zu unterscheiden. Wenn ich diese Motorrädern mit den schmalen 50ern und 80ern aus meiner Jugend vergleiche – wow!

Die Möglichkeit, sich die Exponate mal im Detail anzusehen und auch aufzusitzen habe ich natürlich gerne wahrgenommen. Da ich als Newbie noch keine Erfahrung mit unterschiedlichen Motorrädern habe konnte ich mich bisher nur an meinem Bauchgefühl orientieren. Um meine Vorurteile zu überprüfen, habe ich mich daher nicht nur auf Motorräder gesetzt, die ich für interessant halte („fühlt die wirklich so nett an, wie sie in den Tests aussieht?“), sondern auch auf Maschinen, von denen ich glaube, dass sie nichts für mich sind („Ist das vielleicht nur mein Vorurteil?“).

Natürlich kann es sich dabei nur um einen ersten Eindruck handeln, so lange man nicht wirklich Probe fährt, aber Sitzposition und Anmutung sind ja auch schon recht gute Indikatoren.

Designer Wetzhobel: Husquarna Svartpilen 701

Designer Wetzhobel: Husquarna Svartpilen 701

Meist lag ich mit meinen Vermutungen richtig: Supersportler nerven mich mit der stark nach vorne gebeugten Haltung genauso wie das genaue Gegenteil – Chopper, Cruiser und Bobber mit ihrer übertrieben entspannten Sofa-Attitüde. Mit Geländemaschinen und Super Motos werde ich wohl auch nicht warm und Tourer sind zwar unheimlich bequem, aber derart vollgestopft mit Technik und so schwere Brocken, dass das irgendwie meiner Idee von Motorradfahren völlig zuwider läuft.

Unerwartet war, dass mir die Ducati Scrambler-Reihe zwar optisch gefällt, aber die Sitzposition nicht. Andersherum ist die Husqurana Svartpilen 401 schon wieder so schmal und kompakt, dass man das Gefühlt hat, auf einem etwas zu schweren Fahrrad zu sitzen. Die BMW R nine-T war nicht so unbequem wie befürchtet, aber der Boxer-Motor ist ein Brocken von Maschine. Hingegen machten die bildschönen Moto Guzzi V7 und V9 einen unerwartet leichten Eindruck.

Klassische Schönheit: Moto Guzzi V7 III

Klassische Schönheit: Moto Guzzi V7 III

Die Modelle von Triumph hätte ich am liebsten alle mitgenommen. So unfassbar schön und stilecht bis in die letzte Schraube. Meine beiden Favoriten sind dabei die Thruxton und die Speed Twin mit ihren 12000er Reihenzweizylinden.

Aber von diesen Träumchen abgesehen, habe ich doch das Gefühl, mit der Suzuki SV650 zunächst das richtige Motorrad gekauft zu haben: Entspannte Sitzposition, etwas Retro, aber nicht zuviel, guter Zweizylinder Motor und das zu vergleichsweise kleinem Geld. Alles was mir mehr zusagt kostet auch mindestens das Doppelte. Und wie Christian sagte, als er mit leicht verträumten Blick auf einer 1200er Triumph Bonneville saß: „Ein Traum! Aber kannst Du Dir vorstellen, dieses Bike etwas länger an einer Straßenecke in Kreuzberg stehen zu lassen?“

Klassiker: Honda CB 750 Four Baujahr 1971

Klassiker: Honda CB 750 Four Baujahr 1971

Da hat er recht. Daher ist jetzt erst mal etwas träumen angesagt – und bis dahin Spass mit der SV. Möge die Saison beginnen…