tiny little gizmos

Extreme Fokussierung

Da ich mich heute mit der Fokussierung auf Kernfunktionalität beschäftige, passt das hier thematisch gerade ganz gut:

Wer schreibt, weiß daß man dazu sehr konzentiert sein muss. Man wird aber heute sehr leicht abgelenkt und braucht dann oft ziemlich lange, um „den Fluss“ wiederzufinden. So kann eine kurze Ablenkung von vielleicht 20 Sekunden, leicht mal 15 Minuten Arbeit kosten.

Damals(TM) war bekanntlich alles besser. 😉

Ich meine nicht das Damals, als wir noch keine E-Mails und aufpoppende Instant Messenger und wöchentliche 150MB-Pflicht Updates hatten. Ich meine das Damals als ein Autor schrieb und wenn das geschreibene tatsächlich gedruckt werden sollte, gab man das Geschriebene einem Setzer. Der kümmerte sich dann um Layout, korrekte Satzzeichen, Zeilen- und Seitenumbrüche, „Hurenkinder“, „Schusterjungen“ und dergleichen mehr. Der eigentliche Druck wurde abschließend selbstverständlich von einem Drucker ausgeführt – also dem Menschen an der Druckmaschine.

Im Umkehrschluss bedeutet das, daß sich der Autor – anders als heute – eben nicht um die Form zu kümmern brauchte, sondern sich auf den Inhalt konzentrieren konnte. Es gab eine klare Arbeitsteilung:

schreiben, setzen, drucken.

Offensichtlich gibt es zunehmend mehr Autoren, die die ältere Arbeitsweise bevorzugen. Neulich brachte der Spiegel einen Artikel mit dem Titel „Keine Angst vor LaTeX“ (sprich „La-Tech“). LaTeX ist ein Programm, daß das macht, was früher ein Setzer machte. Man übergibt dem Programm den Text, stellt Formatierungsregeln auf und bekommt eine hochwertige, fertig gesetzte Druckdatei, die kein normales Textverarbeitungsprogramm in vergleichbarer Qualität liefert.

Mit LaTeX kann man zwar wundervoll setzen, allerdings weder drucken, noch schreiben. Man druckt, indem man die erzeugte Postscript-Druckdatei an einen Drucker (das Gerät, nicht der Mensch) schickt, der dieses Format versteht.

Jetzt fehlt noch die Eingabeseite. Ein Programm zur Texteingabe, das einen möglichst wenig ablenkt – also so ziemlich genau das Gegenteil von Word. Und genau darüber bin ich heute ausgerechnet in einem kurzen Artikel bei der Financial Times gestolpert: „Schreib mal nieder„. In dem Artikel wird DarkCopy vorgestellt: Eine extrem reduzierte Texterfassung, die im Browser läuft und einem ein 80er-Jahre Retro Feeling verpasst – vorausgesetzt, man hat damals bereits an Computern gearbeitet.

Diese Online-Anwendung ist sicherlich sehr interessant zum ausprobieren, aber für den regelmäßigen Einsatz sollte man doch besser Software auf dem eigenen Rechner installieren. Für Mac-User gibt es die interessante Software Writeroom, die einem hochmodernen Mac so aussehen lässt, wie ein 1981er IBM-PC: Ausschließlich Grün auf schwarz, Bernstein auf Schwarz oder Weiß auf Blau. Keine Fenster, keine Menüs, keine Maus – nur Du und Dein Text.

Für Windows-Nutzer gibt es das nahezu baugleiche DarkRoom. Eine weitere Variante ist jDarkRoom, die auf jedem Rechner mit mindestens Java1.4 läuft.

Eine schöne Übersicht über Software, die das kreative Schreiben besser unterstützt, als Word, findet sich beim Literatur-café: „Kreative Schreibprogramme für MAC und PC – Eine Auswahl„.