{"id":1264,"date":"2011-01-15T14:51:55","date_gmt":"2011-01-15T14:51:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ollmetzer.com\/?p=1264"},"modified":"2011-01-15T14:51:55","modified_gmt":"2011-01-15T14:51:55","slug":"herausforderungen-des-post-materialismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ollmetzer.com\/?p=1264","title":{"rendered":"Herausforderungen des Post-Materialismus"},"content":{"rendered":"<p>Hinter mir liegt eine hyperhektische Woche. Jetzt sitze ich zuhause, denke &#8222;Ich sollte mal rausgehen&#8220;, w\u00e4hrend in der K\u00fcche die Waschmaschine orgelt.<\/p>\n<p>Ich warte also noch solange, bis die W\u00e4sche fertig ist. Bin sowieso m\u00fcde. Die Gedanken wandern mal hier- und mal dahin. Ich scanne ein paar Blogs und bleibe bei dem Artikel &#8222;<a title=\"Spreeblick: Unsichtbare Kultur\" href=\"http:\/\/www.spreeblick.com\/2011\/01\/13\/bytes-statt-billy-wenn-kultur-unsichtbar-wird\/\" target=\"_blank\">Bytes statt Billy: Wenn Kultur unsichtbar wird<\/a>&#8220; auf Spreeblick h\u00e4ngen, in dem sich Johnny dar\u00fcber Gedanken macht, wie er seine Kinder an ein breites Spektrum von Kultur, Meinungen und Sichtweisen heranf\u00fchren kann, wenn heutzutage alles nur noch gezielt im Internet abgerufen wird.<\/p>\n<p>So einen Gedanken finde ich spannend.<\/p>\n<p>Unter anderem auch deshalb, weil ich das F\u00fcr- und Wider elektronischer Medien gerade in einem anderen Zusammenhang abw\u00e4ge: Wohnen, Energiebilanz und Unabh\u00e4ngigkeit.<\/p>\n<p>Ich bin ja, wie ich schon hin- und wieder schrieb, von der &#8222;Tiny-House&#8220; Bewegung in den USA fasziniert. Diese enstand in den letzten Jahren als Reaktion auf den dort grassierenden Mega-Haus-Wahnsinn der 90er und 00er Jahren, in der &#8222;Einfamilienh\u00e4user&#8220; von 400qm als normal galten. Amerikaner neigen ja h\u00e4ufig zu Extremen und so stellten sich einige Enthusiasten die Frage: &#8222;Mit wie wenig Zeug komme ich tats\u00e4chlich aus?&#8220; und bauten H\u00e4user mit ca. 10qm(!) Fl\u00e4che. Den <a title=\"Tumbleweed Tiny Houses\" href=\"http:\/\/www.tumbleweedhouses.com\/\" target=\"_blank\">Klassiker von Jay Shafer<\/a> habe ich mir ja im letzten Jahr in Sebastopol in Kalifornien selbst angesehen und den Artikel &#8222;<a title=\"Tiny Houses in Kalifornien\" href=\"\/?p=648\" target=\"_blank\">Rundreise \u2013 Kleine H\u00e4user in grosser Landschaft<\/a>&#8220; dar\u00fcber geschrieben.<\/p>\n<p>Die dahinter stehende Idee ist es, mit so wenig Ressourcenverbrauch wie m\u00f6glich zu leben. Die H\u00e4user sind winzig, aber so gut isoliert, so dass man im Winter selbst in Oregon nicht viel heizen muss. Das Ziel ist es, komplett &#8222;Off-Grid&#8220; zu sein, also keine Ver- und Ensorgungsinfrastruktur zu ben\u00f6tigen, und einige schaffen das auch.<\/p>\n<p>Nun sind mir 10qm doch deutlich zu wenig. Aber auf der gestrigen Heimfahrt fielen mir mal wieder die <a title=\"Blockh\u00e4user\" href=\"http:\/\/www.havelhaus.de\/produkte\/ferienhaeuser\/wiesenburg.html\" target=\"_blank\">niedlichen kleinen Holzh\u00e4uschen<\/a> neben der A2 in der N\u00e4he von Namitz auf. In so etwas \u00e4hnlichem zu wohnen, kann ich mir sehr gut vorstellen. Im Sommer hatte ich ja auch ein <a title=\"Holzh\u00fctte in Oulu\" href=\"\/?p=1174\" target=\"_blank\">kleines Holzh\u00e4uschen in Finnland<\/a> gemietet &#8211; Mit satten 25qm Grundfl\u00e4che! Um in so etwas zu leben, m\u00fcsste ich allerdings meinen Haushalt etwas entr\u00fcmpeln. 1\/3 des Volumens nehmen alte B\u00fccher, Zeitschriften, Schallplatten (ja &#8211; habe ich noch) und CDs ein. <em>Im Prinzip<\/em> brauche ich das alles nicht mehr. Mir geht es da wie Johnny &#8211; bis auf B\u00fccher ist alles durch das Meta-Medium Computer ersetzt worden. Einerseits jedenfalls.<\/p>\n<p>Andererseits h\u00e4ngen viele Erinnerungen an den alten Medien (&#8222;sentimentaler alter Sack&#8220;) und ich finde ich es einfach schade, wenn das wirklich alles verschwinden w\u00fcrde. Ausserdem st\u00f6ren mich an digitalen Medien einige Dinge wirklich kollossal:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Die Haltbarkeit<\/strong>. Digitale Formate \u00e4ndern sich st\u00e4ndig. Was weiss ich, ob ich in 10 Jahren noch meine e-Books lesen kann. Mit einem normalen Buch geht das auch nach zig Jahren noch.<\/li>\n<li><strong>Die Abh\u00e4ngigkeit.<\/strong> Alles funktioniert nur mit den richtigen Ger\u00e4ten und mit Strom. Sollte es wirklich mal zu einer richtigen Energiekrise kommen, sind wir von unserem Wissen komplett abgeschnitten.<\/li>\n<li><strong>Know-how Verlust.<\/strong> Viel altes Wissen und handwerliche F\u00e4higkeiten gehen verloren. Computer haben vieles schneller, effizienter und genauer gemacht. Aber ich bin geschockt, da\u00df es heutzutage schon schwierig wird, gute Werkzeuge zum technischen Zeichnen zu bekommen.<\/li>\n<li><strong>Kontrollverlust.<\/strong> Da wir offensichtlich gerade mit H\u00f6chstgeschwindigkeit in die Total\u00fcberwachung rauschen, gef\u00e4llt mir auch der Gedanke \u00fcberhaupt nicht, dass jeder Penner (und damit meine ich Medienunternehmen, den Staat, Cyberkriminelle,&#8230;) relativ leicht herausfinden kann, was ich lese, h\u00f6re und sehe. Nicht, dass ich irgendwas illegales mache, aber einen letzten Rest Privatsph\u00e4re zu behalten, f\u00e4nde ich schon angebracht. Apple weiss vermutlich nicht nur WELCHE Musik ich h\u00f6re, sondern auch wie h\u00e4ufig, WANN, in welcher REIHENFOLGE und WO.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Zeit, zu der ich wirklich bereit bin, auf physische Datentr\u00e4ger zu verzichten ist jedenfalls noch nicht gekommen. M\u00f6glicherweise wird sie das auch nie. Aber solche Gedanken hat ja schon Neil Stephenson in Diamond Age auf die Spitze getrieben. In einer vollkommen auf elektronische Informations\u00fcbertragung ausgerichteten Welt, legten die Bewohner einer priviligierten Kleinstadt Wert auf eine t\u00e4glich erscheinende Zeitung &#8211; auf echtem Papier! ;-)<\/p>\n<p>So, ich gehe jetzt mal die W\u00e4sche aufh\u00e4ngen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hinter mir liegt eine hyperhektische Woche. 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