{"id":2189,"date":"2013-11-12T19:51:10","date_gmt":"2013-11-12T18:51:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ollmetzer.com\/?p=2189"},"modified":"2015-08-26T17:02:50","modified_gmt":"2015-08-26T15:02:50","slug":"vom-abnehmenden-grenznutzen-der-fortschreitenden-digitalisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ollmetzer.com\/?p=2189","title":{"rendered":"Vom abnehmenden Grenznutzen der fortschreitenden Digitalisierung"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin wahrlich kein Technikgegner, sondern habe mich stets f\u00fcr die neuesten Dinge interessiert. Als seinerzeit die Heimcomputer auf den Markt kamen, war ich mit Feuer und Flamme dabei. Etwas sp\u00e4ter habe ich meinen PC per Modem mit Mailboxen verbunden und ein Internetanschluss musste her, sobald ich irgendwie dran kam; Mein erstes Mobiltelefon hatte ich schon 1993 und Smartphones hatte ich schon, als Apple noch gar nicht an sowas gedacht hatte.<\/p>\n<p>Nur &#8211; damals war das alles neu und spannend und hat haufenweise neue M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Heutzutage sind wir derartig viel mit elektronischem Zeug umgeben, dass sich bei mir schon seit l\u00e4ngerem Langeweile eingestellt hat. Aus Langeweile wurde Skepsis und in letzer Zeit immer mehr Abneigung. Ich habe weder Lust auf Smartwatches, noch auf Smarthomes oder sonstigen Smart-Ass-Gadgets. Ich will auch kein Auto haben, was halb- oder vollautomatisch f\u00e4hrt. Der Gedanke, in jedes erdenkliche Ding einen Internetanschluss einzubauen um alle Dinge und alle Daten miteinander zu vernetzen finde ich gelinde gesagt widerlich und abstossend und \u00fcberhaupt nicht mehr smart.<\/p>\n<p><strong>Behaltet euren Smart-Scheiss<\/strong><\/p>\n<p>Als ich diese Ver\u00e4nderung an mir bemerkte, dachte ich zun\u00e4chst nur &#8222;Klar &#8211; ich werde eben alt&#8220;. Das stimmt zwar, ist aber nicht die richtige Erkl\u00e4rung, wie mir nach einigem Nachdenken klar wurde. Ganz alleine bin ich mit dieser Haltung n\u00e4mlich nicht, wie ich pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4chen und zunehmend auch aus diversen Ver\u00f6ffentlichungen entnehme.<\/p>\n<p>Das &#8222;Internet der Dinge&#8220; steht vor der T\u00fcr &#8211; aber die Nachfrage kommt nicht recht in Schwung (<a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tr\/blog\/artikel\/Killer-App-verzweifelt-gesucht-2039962.html\" target=\"extern\">Internet der Dinge: Killer App verzweifelt gesucht<\/a>), die Reaktionen auf die neuen, sogenannten Smartphones sind ziemlich flau und Martin Weigert w\u00fcnscht sich mit gutem Grund ein Telefon, dass weniger smart ist, als die neuesten Android Modelle (<a href=\"http:\/\/netzwertig.com\/2013\/11\/07\/ueberlegenheit-von-googles-mobilem-betriebssystem-warum-ich-ein-dummes-ios-einem-smarten-android-vorziehe\/\" target=\"extern\">Warum ich ein dummes iOS einem smarten Android vorziehe<\/a>), ist f\u00fcr meinen Geschmack dabei aber noch nicht konsequent genug.<\/p>\n<p>Diese Gef\u00fchle kann man gut mit handfesten Argumenten, wie zunemender Entm\u00fcndigung, \u00dcberwachung, Verlust \u00fcberlieferter Kulturtechniken und zusammenbruch von Institutionen begr\u00fcnden und liegt damit sicherlich nicht ganz falsch.<\/p>\n<p>Aber interessanterweise kann man das auch mit zwei Wirtschaftstheorien untermauern: Der Theorie vom abnehmenden Grenznutzen und der Produktzyklentheorie.<\/p>\n<p><strong>Der abnehmende Grenznutzen<\/strong><\/p>\n<p>Die <a title=\"Wikipedia: Grenznutzen\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Grenznutzen\" target=\"wikipedia\">Theorie vom abnehmenden Grenznutzen<\/a> besagt, dass der Nutzenzuwachs durch eine zus\u00e4tzliche Einheit eines Gutes geringer wird, je mehr von diesem Gut bereits vorhanden ist. Dies kann sogar soweit gehen, dass noch mehr von diesem Gut sch\u00e4dlich ist. Ein einfaches Beispiel verdeutlicht das:<\/p>\n<p>Eine Bratwurst hilft gegen Hungergef\u00fchl und schmeckt gut. Die zweite macht noch satt und sp\u00e4testens nach der f\u00fcnften wird einem schlecht. Und wir haben schon ziemlich viele digitale Bratw\u00fcrste&#8230;<\/p>\n<p><strong>Der Produktlebenszyklus<\/strong><\/p>\n<p>Das grundlegende <a title=\"Wikipedia: Produktlebenszyklus\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Produktlebenszyklus\" target=\"wikipedia\">Modell des Produktlebenszylus<\/a> beschreibt Wachstums- und S\u00e4ttigungsprozesse eines Produktes und bricht die Nachfrage in verschiedene Phasen auf:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Einf\u00fchrungsphase<\/strong><br \/>\nErste Anwender interessieren sich f\u00fcr das neue Produkt und sorgen f\u00fcr steigende Bekanntheit und Nachfrage<\/li>\n<li><strong>Wachstumsphase<\/strong><br \/>\nDie breite Masse entdeckt die Vorz\u00fcge des Produktes und m\u00f6chte es nun auch einsetzen<\/li>\n<li><strong>Reifephase<\/strong><br \/>\nDer Erfolg sorgt f\u00fcr Nachahmer. Das Marktvolumen steigt, der Deckungsbeitrag sinkt<\/li>\n<li><strong>S\u00e4ttigungsphase<\/strong><br \/>\nDer Markt ist ges\u00e4ttigt. Die Hersteller versuchen, die Nachfrage durch zunehmende Produktvielfalt am Laufen zu halten.<\/li>\n<li><strong>Degenerationsphase<\/strong><br \/>\nDie Nachfrage schrumpft, Preise, Umsatz und Gewinn sinken. Konkurrierende Anbieter verschwinden vom Markt.<\/li>\n<li><strong>Nachlaufphase<\/strong><br \/>\nMit dem Produkt kann kein Gewinn mehr erwirtschaftet werden. Die Folgen sind Auslagerung, Vertrieb mit Verbundprodukten Einstellung des Vertriebs.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Interessanterweise l\u00e4sst sich diese Theorie nicht nur auf ein einzelnes Produkt, sondern auch auf Produktgruppen und sogar ganze M\u00e4rkte anwenden. W\u00e4hrend meines Studiums der Stadt- und Regionalplanung habe ich an einem Verkehrswesenseminar bei <a title=\"TU-Berlin: Prof. Dr. Heinze\" href=\"http:\/\/www.vsp.tu-berlin.de\/menue\/ueber_uns\/team\/prof_dr_gw_heinze\/\" target=\"_blank\">Prof. Dr. Heinze<\/a> teilgenommen.  Dieser hat den Produktlebenszyklus auf Verkehrssysteme angewendet und  seinerzeit den nahenden R\u00fcckgang der Bedeutung des Autoverkehrs  prognostiziert. W\u00e4hrend des Autobooms Anfang der 90er Jahre erschien das sehr gewagt, heute jedoch f\u00e4ngt der Trend an,  sp\u00fcrbar zu werden.<\/p>\n<p>Der Computermarkt ist meiner Meinung nach zur Zeit in der S\u00e4ttigungsphase. St\u00fcckzahlen und Ums\u00e4tze schrumpfen. Die anstehende Marktbereinigung soll durch immer fragw\u00fcrdigere Ausdifferenzierungen verz\u00f6gert werden, wie z.B. Smartphones in der Gr\u00f6\u00dfe von Fr\u00fchst\u00fccksbrettern, Smartwatches, Smart-TV und \u00e4hnliches belegen.<\/p>\n<p>Es bleibt die Erkenntnis, dass jeder bereits massenhaft Technik in seinem Haushalt hat und sich durch neue  Modelle kaum noch Zusatznutzen f\u00fcr die Konsumenten ergibt. Der Boom ist vorbei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin wahrlich kein Technikgegner, sondern habe mich stets f\u00fcr die neuesten Dinge interessiert. Als seinerzeit die Heimcomputer auf den Markt kamen, war ich mit Feuer und Flamme dabei. 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