{"id":221,"date":"2007-11-22T21:53:32","date_gmt":"2007-11-22T20:53:32","guid":{"rendered":"http:\/\/ollmetzer\/?p=221"},"modified":"2010-05-30T13:14:02","modified_gmt":"2010-05-30T11:14:02","slug":"ich-habe-nichts-zu-verbergen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ollmetzer.com\/?p=221","title":{"rendered":"Ich habe nichts zu verbergen"},"content":{"rendered":"<p>Wenn man versucht, normale Menschen auf das Probleme der extem zunehmenden \u00dcberwachung hinzuweisen kommt meistens ein Schulterzucken und der Spruch &#8222;Mir doch egal, ich habe sowieso nichts zu verbergen&#8220;. Dieser Spruch zeugt nur von v\u00f6lligem Unwissen. Ich antworte dann gerne: &#8222;Du wirst als allerletzter erfahren, ob Du etwas zu verbergen hattest.&#8220; Ich versuche mal, meine Gedanken etwas zu sortieren:<\/p>\n<p><strong>Was will der Staat?<\/strong><\/p>\n<p>Hier ist mal ein winziger Ausschnitt von Ma\u00dfnahmen, die bereits eingef\u00fchrt wurden, bzw. demn\u00e4chst eingef\u00fchrt werden:<\/p>\n<p>&#8211; Entfall des Bankgeheimnisses<br \/>\n&#8211; Infolge dessen ein enormes Anwachsen von Kontoabfragen zu allen m\u00f6glichen Zwecken<br \/>\n&#8211; De-facto Entfall des Fernmeldegeheimnisses<br \/>\n&#8211; Ausufernde Telefon\u00fcberwachung<br \/>\n&#8211; Vollst\u00e4ndiger Zugriff auf alle Verbindungsdaten in der Telekommunikation<br \/>\n&#8211; Automatische Kennzeichen\u00fcberwachung undter dem Vorwand der LKW-Maut.<br \/>\n&#8211; Flugastdaten\u00fcberwachung<br \/>\n&#8211; Vorratsdatenspeicherung<\/p>\n<p>Man kann also mal eben zusammenfassen, da\u00df der Staat wissen will, mit wem wir wie h\u00e4ufig in Kontakt treten, wann wir wo sind, mit welchem Verkehrsmittel wir wann wohin fahren, wieviel Geld wir haben, bekommen und ausgeben und vor allem wodurch und wof\u00fcr. Es fehlt eigentlich nur noch das Verbot, die Wohnungst\u00fcr abzuschlie\u00dfen, damit die Beamten &#8222;mal eben nach dem Rechten sehen&#8220; k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Also auf gut Deutsch: Der Staat will absolut alles \u00fcber uns wissen. Und zwar von jedem und nicht nur von den b\u00f6sen Jungs. Das ist schon mal schlimm genug, weil es ihn gelinde gesagt einen Scheissdreck angeht, au\u00dfer bei der Verfolgung von Straft\u00e4tern. Da aber die wenigsten B\u00fcrger Straft\u00e4ter sind, liegt kein akzeptabler Grund f\u00fcr die Total\u00fcberwachung vor.<\/p>\n<p><strong>Warum will der Staat das eigentlich alles wissen?<\/strong><\/p>\n<p>Gute Frage. Eigentlich <em>die zentrale Frage<\/em>. Aber ich \u00fcberspringe die jetzt einfach mal, damit dieses Pamphlet nicht zu lang wird.<\/p>\n<p><strong>Worin liegt die Gefahr?<\/strong><\/p>\n<p>Mit all diesen Ma\u00dfnahmen und noch unz\u00e4hligen weiteren, liegen nun Unmengen an Daten \u00fcber die B\u00fcrger vor. Damit w\u00e4chst die Gef\u00e4hrdung der B\u00fcrger durch Missbrauch dieser Daten extrem an. Am allerschlimmsten ist, da\u00df man von diesen Missbrauch zun\u00e4chst nichts mitbekommt und sich anschlie\u00dfend so gut wie nicht wehren kann. <\/p>\n<p>Man kann auch seine Daten nicht mehr zur\u00fcckziehen oder sperren lassen. Eine der zentralen Lehren des digitalen Zeitalters ist, da\u00df man keine Kontrolle mehr \u00fcber Daten hat, wenn sie erst einmal &#8222;in freier Wildbahn&#8220; sind.<\/p>\n<p>Und da\u00df die Daten nicht sicher sind, davon kann man mal getrost ausgehen. Daf\u00fcr sorgen Beh\u00f6rdenpannen, Spionage, Kriminelle Hacker auf jeden Fall aber der rege und v\u00f6llig unkontrollierte Datenaustausch mit anderen Staaten, wie z.B. bei der Weitergabe von Fluggastdaten oder Finanzdaten bei SWIFT. Und wenn ich schon den eigenen Beh\u00f6rden nicht vorbehaltlos traue &#8211; Drittstaaten traue ich ganz bestimmt nicht.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re spanend zu wissen, welche vermeintlichen Erkenntnisse z.B. amerikanische Sicherheitsbeh\u00f6rden \u00fcber mich haben. Ganz sicher haben sie meine Bankverbindung, meine Fingerabdr\u00fccke und ein Foto von mir, sie wissen wann ich in den letzten Jahren von wo nach wo geflogen bin. Sie wissen wahrscheinlich, wo ich \u00fcbernachtet und was ich gegessen habe, kennen die Daten \u00fcber mein Mobiltelefon und \u00fcber meine Vorlieben im Internet (wenigstens w\u00e4hrend der zwei Wochen im April 2007). Sie werden wissen k\u00f6nnen, wen ich wann und wo in Kalifornien getroffen habe und da\u00df ich mich auf einer Konferenz aufgehalten habe und vermutlich ein bischen Ahnung von Technik habe.<\/p>\n<p>Das sind ganz normale Daten, die w\u00e4hrend meiner Reise angefallen sind. Gut, ich gehe sogar einen Schritt weiter und sage, das sind Informationen, die man w\u00e4hrend meiner Reise gewinnen konnte (Daten sind nicht gleich Informationen). Jetzt mische man das ganze mit meiner Abneigung gegen die amerikanische Au\u00dfenpolitik und bekommt&#8230;<\/p>\n<p>Ja was bekommt man dann? Welche Erkenntnis bringt das? Bin ich gef\u00e4hrlich? Bin ich ein Nachr\u00fccker in der Terroristendatei? Da sind immerhin schon 1 Mio. Eintr\u00e4ge drin. Ich selber betrachte mich eher als harmloses Schaf, da\u00df unentwegt meckert, aber letztlich ja doch nichts tut. Aber sehen das Geheimdienste ebenso? Vielleicht bin ich ja ein Schl\u00e4fer? Aber daf\u00fcr bin ich wiederum nicht unauff\u00e4llig genug, weil ich die Klappe nicht halten kann. Bin ich weniger verd\u00e4chtig, weil ich ein wei\u00dfer Mann in mittleren Jahren bin und Golf spiele? (naja&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p><em>Wie ist denn nun mein Terrorscoring?<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Es wird mir niemand sagen. Und falls doch, h\u00e4tte ich ein wirklich ernsthaftes Problem.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man versucht, normale Menschen auf das Probleme der extem zunehmenden \u00dcberwachung hinzuweisen kommt meistens ein Schulterzucken und der Spruch &#8222;Mir doch egal, ich habe sowieso nichts zu verbergen&#8220;. Dieser Spruch zeugt nur von v\u00f6lligem Unwissen. 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