{"id":2592,"date":"2015-11-29T22:36:04","date_gmt":"2015-11-29T21:36:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ollmetzer.com\/?p=2592"},"modified":"2022-05-16T15:06:20","modified_gmt":"2022-05-16T13:06:20","slug":"linux-als-audio-workstation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ollmetzer.com\/?p=2592","title":{"rendered":"Linux als Audio Workstation"},"content":{"rendered":"<p>Vor ungef\u00e4hr einem Jahr bin ich endg\u00fcltig von Apple Macintosh auf PC\/Linux umgestiegen. Da ich seit 2004 fast ausschlie\u00dflich freie Software nutze, die auf allen Betriebssystemen verf\u00fcgbar ist, war der Umstieg unproblematisch. Es blieb nur ein Sorgenkind:<\/p>\n<p>Die Musiksoftware.<\/p>\n<p>Ich nutze die Audio Workstation Reason seit der Version 3.0 &#8211; damals noch unter Windows XP &#8211; bis zur Version 8.0 auf dem Mac. F\u00fcr Linux sah es aber d\u00fcster aus. Es ist fast keine kommerzielle Musiksoftware f\u00fcr das System verf\u00fcgbar.<\/p>\n<p>Vor einger Zeit h\u00f6rte ich von einer neuen Firma, die eine Audio Workstation neu entwickelt, die nicht nur wie \u00fcblich auf Windows und Mac l\u00e4uft, sondern auch auf Linux. Da diese Firma &#8211; die \u00fcbrigens ganz bei mir in der N\u00e4he im Prenzlauer Berg sitzt &#8211; zum Teil aus ehemaligen Mitarbeitern von Ableton besteht, hatte ich schon mal ein Grundvertrauen in deren professionalit\u00e4t. Vor einem Monat habe ich mir dann Bitwig Studio in der Version 1.3 gekauft und seitdem spiele ich damit rum.<\/p>\n<div id=\"attachment_2593\" style=\"width: 490px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/bitwig_song.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2593\" class=\"size-medium wp-image-2593\" src=\"http:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/bitwig_song-480x270.png\" alt=\"Bitwig Studio 1.3\" width=\"480\" height=\"270\" srcset=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/bitwig_song-480x270.png 480w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/bitwig_song-1024x576.png 1024w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/bitwig_song.png 1921w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2593\" class=\"wp-caption-text\">Bitwig Studio 1.3<\/p><\/div>\n<p>Die Software ist schnell installiert, recht intuitiv bedienbar, l\u00e4uft stabil und klingt gut. In diesem Artikel soll es aber um eine andere Frage gehen:<\/p>\n<p><strong>Wie geht professionelle Audio Verarbeitung unter Linux?<\/strong><\/p>\n<p>Im Gegensatz zu Windows oder Mac OS gibt es Linux in 1000 unterschiedlichen Geschmacksrichtungen und auf unterschiedlichster Hardware. Darum soll hier erstmal die Basis gekl\u00e4rt werden: Bitwig ist freigegeben f\u00fcr Ubuntu Linux auf normaler PC Architektur mit X86 Prozessoren.<\/p>\n<p>Ich nutze ein Lenovo Thinkpad der T-Serie mit Intel i5 Prozessor und 8GB RAM. Als Betriebsystem kommt Linux Mint 17.2 zum Einsatz. Unter der Haube ist das im Wesentlichen Ubuntu was der breiten Hardwareunterst\u00fctzung zugute kommt, und die Benutzeroberfl\u00e4che Cinnamon ist in meinen Augen erheblich angenehmer als das bei Ubuntu eingesetzte Unity.<\/p>\n<div id=\"attachment_2595\" style=\"width: 490px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC_0523.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2595\" class=\"size-medium wp-image-2595\" src=\"http:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC_0523-480x270.jpg\" alt=\"Musik Setup\" width=\"480\" height=\"270\" srcset=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC_0523-480x270.jpg 480w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC_0523-1024x576.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2595\" class=\"wp-caption-text\">Musik Setup<\/p><\/div>\n<p><strong>Alsa, Pulseaudio, Jack &#8211; WTF?<\/strong><\/p>\n<p>Die Standardinstallation von Ubuntu\/Mint nutzt als Audiosystem ALSA und Pulseaudio und alles funktioniert out-of-the-box. Nachdem ich Bitwig Studio installiert und ALSA als Audiosystem eingestellt hatte, konnte ich auch sofort damit loslegen. Zum Ausprobieren und f\u00fcr die ersten Schritte ist das auch absolut in Ordnung, wenn man aber richtig loslegen will reicht das leider nicht. Es gibt zwei Probleme: Hohe Latenz (Also Zeitversatz zwischen dem Einspielen einer Note und dem Klang selber) und Aussetzer, wenn die Musik komplexer wird.<\/p>\n<p>Professionelle Audiosysteme unterst\u00fctzen mehrere Soundkarten mit jeweils mehrere Ein- und Ausg\u00e4ngen, wie man sie ben\u00f6tigt, wenn man auch mal ein Mikrofon, eine Gitarre oder sonstige Instrumente anschlie\u00dfen m\u00f6chte. Sie bieten internes Audiorouting, geringe und zudem einstellbare Latenzzeit und gehen auch bei komplexen Arrangements nicht in die Knie.<\/p>\n<p>Beim Mac ist sowas fest im Betriebssystem eingebaut, bei Windows muss man es nachr\u00fcsten (ASIO) und f\u00fcr Linux ist ebenfalls ein solches System verf\u00fcgbar. Es nennt sich Jack (wie Stecker).<\/p>\n<p><strong>Welches Audiointerface?<\/strong><\/p>\n<p>Professionelle Audiointerfaces gibt es wie Sand am Meer. Von RME, Roland, Tascam, Focusrite, M-Audio und etlichen anderen Anbietern. Mit Firewire, USB oder Lightning Anschluss. Mit wenigen oder vielen Audioanschl\u00fcssen, von g\u00fcnstig bis sehr teuer.<\/p>\n<p>Allerdings nicht f\u00fcr Linux &#8211; zumindest nicht offiziell unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Nachdem ich mich lange in den entsprechenden Foren herumgetrieben habe, fiel meine Wahl auf das Focusrite Scarlett 2i2. Ein kleines USB Audio Interface mit Ausg\u00e4ngen f\u00fcr Monitore und Kopfh\u00f6rer sowie zwei Eing\u00e4ngen, die wahlweise als Line\/Instrumen oder Microfoneingang mit Phantomspeisung geschaltet werden k\u00f6nnen. Es kostet ca. 140,- und funktioniert tats\u00e4chlich ohne weitere Treiberinstallation mit Jack.<\/p>\n<div id=\"attachment_2596\" style=\"width: 490px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/focusrite_2i2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2596\" class=\"size-medium wp-image-2596\" src=\"http:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/focusrite_2i2-480x295.jpg\" alt=\"focusrite Scarlett 2i2\" width=\"480\" height=\"295\" srcset=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/focusrite_2i2-480x295.jpg 480w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/focusrite_2i2-1024x630.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2596\" class=\"wp-caption-text\">focusrite Scarlett 2i2<\/p><\/div>\n<p><strong>Get Jack<\/strong><\/p>\n<p>Jack l\u00e4sst sich einfach per Synaptic oder apt-get nachinstallieren. Herauszufinden welche Pakete das sind, hat mich allerdings einen kompletten Abend und meine gute Laune gekostet. Man ben\u00f6tigt eigentlich nur:<\/p>\n<p>jackd2 &#8211; Jack Audio Verbindungs-Kit<br \/>\nlibjack-jackd2-0 &#8211; Die Libraries<br \/>\nqjackctl &#8211; Benutzerschnittstelle zur Kontrolle des Jack Soundservers<\/p>\n<p>Damit nun ein richtig knackiges Timing der Audiosignale hinbekommt, muss man dem Betriebssystem mitteilen, dass Jack bitte auch entsprechend Rechenzeit und eine hohe Priorit\u00e4t beim Multitasking bekommt. Fr\u00fcher brauchte man daf\u00fcr einen speziell kompilierten Kernel, aber jetzt gen\u00fcgt ein richtige Konfiguration. Dazu bearbeitet man mit Rootrechten die Datei \/etc\/security\/limits.conf. Dazu gibt man im Terminal ein:<\/p>\n<pre>sudo gedit \/etc\/security\/limits.conf<\/pre>\n<p>Am Ende der Datei, aber noch vor der Zeile # End of file gibt man folgende Zeilen ein:<\/p>\n<pre># Settings for real time audio\ndirk&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; -&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; rtprio&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 99\ndirk&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; -&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; memlock&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; unlimited\ndirk&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; -&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; nice&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; -10<\/pre>\n<p>Mein Unix Benutzername ist &#8211; wenig originell &#8211; dirk. Hier muss nat\u00fcrlich jeder seinen eigenen Account verwenden und dabei auf Gro\u00df\/Kleinschreibung achten. Man kann die Rechte auch Gruppen zuweisen (z.B. mit @audio).<\/p>\n<p>Jetzt den Rechner neu starten und es kann losgehen. Man startet das Kontrollinterface von Jack und w\u00e4hlt in den Einstellungen die neue Soundkarte f\u00fcr Ein- und Ausgabe. Bevor man nun auf Start klickt, sollte man zumindest beim erstan Mal das Fenster f\u00fcr die Meldungen \u00f6ffnen. Falls Jack nicht startet ist meist die Ursache, dass versucht wird, die Soundkarte zu verwenden, die bereit von ALSA belegt ist.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/jack_settings.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-2594\" src=\"http:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/jack_settings-480x326.png\" alt=\"jack_settings\" width=\"480\" height=\"326\" srcset=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/jack_settings-480x326.png 480w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/jack_settings-1024x696.png 1024w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/jack_settings.png 1118w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wenn bis hierher alles gut gegangen ist, kann man Bitwig Studio auf Jack umschalten und sich \u00fcber ein professionelles Setup freuen. Toll ist, dass die herk\u00f6mmliche Soundausgabe f\u00fcr Systemsounds oder den MP3 Player Banshee weiter auf der eingebauten Soundkarte l\u00e4uft.<\/p>\n<p><strong>&#8230;irgendwas ist ja immer<\/strong><\/p>\n<p>Ein Wehmutstropfen bleibt jedoch: Youtube Videos und alles, was normalerweise sonst noch aus dem Browser heraus t\u00f6nt, bleibt stumm. Irgendwie verhaken sich dabei ALSA, Jack und Pulseaudio. Der Versuch, dem Rechner das nun auch noch beizubringen hat mich den gesammten Sonntag gekostet. Ich habe 10 verschiedene Tutorials durchgearbeitet, die angeblich das Problem l\u00f6sen, dabei die Benutzeroberfl\u00e4che zerschossen, so dass ich den Cinnamon Desktop neu installieren musste und letztlich habe ich aufgegeben.<\/p>\n<p>Das Problem habe ich nicht gel\u00f6st, aber einen Workaround gefunden: Ich schaue Youtube Videos jetzt einfach \u00fcber den VLC Player. Der funktioniert n\u00e4mlich weiterhin einwandfrei&#8230; ;-)<\/p>\n<p><strong>Nachtrag [24.12.2015]<\/strong><\/p>\n<p>Das Youtube Problem l\u00e4sst sich ganz einfach l\u00f6sen: Durch das Deinstallieren des Flash-Plugins.<br \/>\nWenn der Browser kein Flash unterst\u00fctzt, liefert Youtube die Videos n\u00e4mlich im MP4 Format aus, was von allen modernen Browsern direkt abgespielt werden kann.<\/p>\n<p>Wer Flash nicht gleich v\u00f6llig deinstallieren will, kann auch erst einmal zum Zweibrowser greifen (bei mir war das Chromium) und Flash dort deaktivieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor ungef\u00e4hr einem Jahr bin ich endg\u00fcltig von Apple Macintosh auf PC\/Linux umgestiegen. Da ich seit 2004 fast ausschlie\u00dflich freie Software nutze, die auf allen Betriebssystemen verf\u00fcgbar ist, war der Umstieg unproblematisch. Es blieb nur ein Sorgenkind: Die Musiksoftware. 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