{"id":2618,"date":"2016-02-21T22:03:30","date_gmt":"2016-02-21T21:03:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ollmetzer.com\/?p=2618"},"modified":"2016-02-22T21:18:31","modified_gmt":"2016-02-22T20:18:31","slug":"zuse-z3-in-aktion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ollmetzer.com\/?p=2618","title":{"rendered":"Zuse Z3 in Aktion"},"content":{"rendered":"<p>Den heutigen verregneten Sonntag habe ich f\u00fcr einen Besuch im <a href=\"http:\/\/technikmuseum-berlin.de\">Deutschen Technikmuseum<\/a> genutzt. Der Anlass war die Vorf\u00fchrung der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zuse_Z3\" target=\"_blank\">Zuse Z3<\/a>, die ich schon l\u00e4nger einmal in Funktion sehen wollte. Die Z3 wurde 1941 von Konrad Zuse in Berlin gebaut und war der weltweit erste funktionsf\u00e4hige, programmgesteuerte Digitalrechner. Das Original wurde leider bei einem Bombenangriff am 21.\u00a0Dezember 1943 zerst\u00f6rt. Ein Nachbau von 1962 befindet sich im Deutschen Museum in M\u00fcnchen.<\/p>\n<div id=\"attachment_2621\" style=\"width: 490px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/DSC_0718.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2621\" class=\"size-medium wp-image-2621\" src=\"http:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/DSC_0718-480x115.jpg\" alt=\"Meilensteine der Computergeschichte\" width=\"480\" height=\"115\" srcset=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/DSC_0718-480x115.jpg 480w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/DSC_0718-1024x246.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2621\" class=\"wp-caption-text\">Meilensteine der Computergeschichte<\/p><\/div>\n<p>Die Maschine, die ich heute in Berlin gesehen habe &#8211; die Z3r &#8211;\u00a0wird seit 2008 von Prof. Horst Zuse (Konrad Zuses \u00e4ltester Sohn) gebaut, der sie auch vorf\u00fchrte. Die Z3r arbeitet mit modernen Industrierelais. Architektur und Funktion ist im Wesentlichen mit der Original Z3 identisch. Es wurden jedoch kleinere Modifikationen in der Taktsteuerung vorgenommen, die vor allem dazu dienen, die Funktionsweise des Rechners besser demonstrieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich war bereits eine halbe Stunde vor Beginn des Vortrags dort und konnte die Z3 so in Ruhe betrachten. Die eigentlich recht n\u00fcchterne und vergleichsweise abstrakte Technik ist \u00e4sthetisch ansprechend verpackt. Der Steuerpult und die drei Schaltschr\u00e4nke sind schwarzgl\u00e4zend lackiert, was hervorragend zu den ca. 2500 blauen Relais passt, die hinter den Glast\u00fcren zu sehen sind. Die ganze Anlage hat so einen bet\u00f6renden Todesstern-Chic, den ich als Science-Fiction Fan liebe&#8230; ;-)<\/p>\n<p>Leider steht die Z3r etwas ungl\u00fccklich in einer Ecke, so dass vielleicht nicht jeder aus dem zahlreichen Publikum einen guten Blick hatte.<\/p>\n<div id=\"attachment_2623\" style=\"width: 490px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/DSC_0700.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2623\" class=\"size-medium wp-image-2623\" src=\"http:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/DSC_0700-480x286.jpg\" alt=\"Die mechanische Zuse Z1\" width=\"480\" height=\"286\" srcset=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/DSC_0700-480x286.jpg 480w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/DSC_0700-1024x611.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2623\" class=\"wp-caption-text\">Die mechanische Zuse Z1<\/p><\/div>\n<p>Horst Zuse gab dem Publikum zun\u00e4chst einen Einblick in das Leben seines Vaters und die Entwicklung der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Z1_%28Rechner%29\" target=\"_blank\">Z1<\/a> &#8211; dem mechanischen Vorl\u00e4ufer aus dem Jahr 1937, von dem ebenfalls ein funktionsf\u00e4higer Nachbau in dem Museum steht. Es folgte eine Einf\u00fchrung in das bin\u00e4re Zahlensystem, ohne dessen Verst\u00e4ndnis die Vorg\u00e4nge in dem Rechenwerk nicht vollst\u00e4ndig nachvollziehbar werden. Mit etwas Grundwissen in Rechnerarchitektur kann man aber die Funktion der meisten Teile erkennen.<\/p>\n<div id=\"attachment_2619\" style=\"width: 490px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/DSC_0686.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2619\" class=\"size-medium wp-image-2619\" src=\"http:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/DSC_0686-480x270.jpg\" alt=\"Zuse Z3r\" width=\"480\" height=\"270\" srcset=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/DSC_0686-480x270.jpg 480w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/DSC_0686-1024x576.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2619\" class=\"wp-caption-text\">Zuse Z3r im \u00dcberblick<\/p><\/div>\n<ul>\n<li>I\/O: Das Bedienpult im Vordergrund besitzt Kn\u00f6pfe zur Eingabe und Lampen zur Ausgabe, analog zu Tastatur und Bildschirm eines heutigen Computers.<\/li>\n<li>RAM: Der linke und der rechte Schrank ist Arbeitsspeicher (jeweils 32 Worte zu 22 Bit). Gut zu erkennen sind die beiden Adressmultiplexer in den oberen 5 Reihen.<\/li>\n<li>CPU: Der Schrank in der Mitte ist das Rechenwerk mit den Arbeitsregistern. Hier wird au\u00dferdem die Umwandlung zwischen Dezimal und Bin\u00e4rzahlen bei der Ein- und Ausgabe vorgenommen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Aufgrund der umfangreichen Einf\u00fchrung blieb die eigentliche Vorf\u00fchrung auf die Eingabe einiger Zahlen und Grundrechnungen beschr\u00e4nkt. Das gen\u00fcgte aber, um die grundlegende Funktion nachvollziehen zu k\u00f6nnen. Obwohl die Vorg\u00e4nge elektromechanisch sind, arbeitet die Z3r erstaunlich leise.<\/p>\n<p>Leider konnte kein Programm gestartet werden, weil das Leseger\u00e4t f\u00fcr den Programmspeicher (35mm Film mit 8-Bit Lochung) nicht an die Maschine angeschlossen war.<\/p>\n<p>An diesem Detail hatte ich eher versehentlich eine nicht ganz uninteressante Diskussion angesto\u00dfen, die wir nach der eigentlichen Vorf\u00fchrung f\u00fchrten: Ich sagte, dass die Z3 ist im Gegensatz zu den heute \u00fcblichen Computern keine &#8222;Von-Neumann-Maschine&#8220; sei.<\/p>\n<p>Falls ich Prof. Zuse richtig verstanden habe, meinte er sinngem\u00e4\u00df: &#8222;Heutige Rechner sind das auch nicht mehr&#8220;, was mich zun\u00e4chst etwas verbl\u00fcffte..<\/p>\n<p>Dem liegt die Frage zugrunde, wie man die &#8222;Von-Neumann-Architektur&#8220; interpretiert. Wenn das Kriterium ist &#8222;Daten und Programm liegen physikalisch im Speicher&#8220; &#8211; also im RAM, entsprechen fast alle heutigen Rechner der Definition.<\/p>\n<p>Prof. Zuse interpretiert den zugrundeliegenden Aufsatz von John von Neumann etwas anders. Er weist darauf hin, dass die Absicht der Definition darin lag, dass sich Programme selbst modifizieren k\u00f6nnen und dies in modernen Computern aus Sicherheitsgr\u00fcnden von Betriebssystem und MMU verhindert wird. Wenn also das entscheidende Kriterium der Von-Neumann-Architektur ist, dass das Programm nicht nur auf die Daten, sondern auch auf sich selbst zugreifen kann, weil es im gleichen Speicherbereich liegt, entsprechen die meisten aktuellen Computer dieser Definition nicht.<\/p>\n<p>Diese etwas akademische, aber nicht untinteressante Diskussion bildete den heutigen Schlusspunkt zum Thema Zuse Z3. Weitere Informationen zum Verh\u00e4ltnis Zuse und von Neumann kann man auf der <a href=\"http:\/\/www.horst-zuse.homepage.t-online.de\/john-von-neumann.html\" target=\"_blank\">Homepage von Prof. Horst Zuse<\/a> nachlesen.<\/p>\n<p><strong>Weitere Highlights<\/strong><\/p>\n<p>Das Deutsche Technikmuseum hat aber nat\u00fcrlich viel mehr zu bieten. Ich blieb heute dem Thema Computer\/Kommunikation treu und schaute mir die Ausstellung &#8222;Das Netz&#8220; an, die ich noch nicht kannte.<\/p>\n<p>Ein Highlight war die f\u00fcr Besucher zug\u00e4ngliche <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Memex\" target=\"_blank\">Memex<\/a> (ungef\u00e4hr &#8222;Ged\u00e4chtnis Erweiterung&#8220;), die ich auch gleich ausprobiert habe. Memex ist ein Konzept zur Dokumentverkn\u00fcpfung, das 1945 von <a title=\"Vannevar Bush\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vannevar_Bush\">Vannevar Bush<\/a> im Artikel <i>As We May Think<\/i> im Atlantic Monthly beschrieben, aber niemals realisert wurde. Auf dieser Idee, Dokumente untereinander zu Verkn\u00fcpfen basiert <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hypertext\">Hypertext<\/a> und damit das World-Wide-Web.<\/p>\n<p>Das Deutsche Technikmuseum hat mit viel Liebe zum Detail eine Memex gebaut, die jedoch im Gegensatz zum Originalentwurf nicht auf analoger Technik, sondern auf Digitaltechnik basiert. Einen Vortrag dazu gabe es auf dem Vintage Computing Festival 2015 in der Humboldt Universit\u00e4t (Siehe &#8222;<a href=\"http:\/\/www.ollmetzer.com\/?p=2573\">Historische Elektronik en Masse<\/a>&#8222;). Leider geht das Exponat optisch etwas unter und wird daher vermutlich h\u00e4ufig \u00fcbersehen oder nicht angemessen gew\u00fcrdigt. Schade!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_2622\" style=\"width: 490px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/DSC_0730.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2622\" class=\"size-medium wp-image-2622\" src=\"http:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/DSC_0730-480x342.jpg\" alt=\"Cray 2\" width=\"480\" height=\"342\" srcset=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/DSC_0730-480x342.jpg 480w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/DSC_0730-1024x730.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2622\" class=\"wp-caption-text\">Cray 2<\/p><\/div>\n<p>Etwas unerwartet war f\u00fcr mich eine <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Cray-2\" target=\"_blank\">Cray2<\/a> zu sehen &#8211; einem ehemaligen Supercomputer der 80er Jahre. Ich wusste nicht, dass das Museum solch ein Ausstellungsst\u00fcck hat. Zudem ist der Rechner wesentlich kleiner, als ich ihn mir vorgestellt habe. Das liegt am externen K\u00fchlsystem. Das Vorg\u00e4ngermodell <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Cray_X-MP\" target=\"_blank\">Cray X-MP<\/a> hatte noch ein integriertes K\u00fchlsystem, das dem Ger\u00e4t die Optik eines Designersofas gab.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Es war ein interessanter, anregender Tag in einem tollen Museum, obwohl ich nur einen Bruchteil der Ausstellungen gesehen habe. Es waren extrem viele Familien mit Kindern dort und die lieben kleinen schienen \u00fcberwiegend sehr interessiert und neugierig zu sein. Sehr sch\u00f6n!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den heutigen verregneten Sonntag habe ich f\u00fcr einen Besuch im Deutschen Technikmuseum genutzt. Der Anlass war die Vorf\u00fchrung der Zuse Z3, die ich schon l\u00e4nger einmal in Funktion sehen wollte. 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