{"id":3611,"date":"2019-07-05T22:10:28","date_gmt":"2019-07-05T20:10:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ollmetzer.com\/?p=3611"},"modified":"2019-07-05T22:27:09","modified_gmt":"2019-07-05T20:27:09","slug":"58-biennale-in-venedig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ollmetzer.com\/?p=3611","title":{"rendered":"58. Biennale in Venedig"},"content":{"rendered":"<p>Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Biennale_di_Venezia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Biennale in Venedig<\/a> ist die Hochleistungsschau des internationalen Kunstbetriebes. Im Jahr 2019 ist es bereits die 58. Veranstaltung seit 1895. Dieser Event ist so gro\u00df, dass fast die ganze Stadt dem Thema Kunst gewidmet ist. An und in den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vaporetto\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vaporetti<\/a> (die Wasserbusse) sieht man keine Werbung f\u00fcr Zahnpasta oder Mobilfunkanbieter, sondern f\u00fcr die Biennale oder weitere Kunstausstellungen. Etliche Palazzi werben mit weiteren privaten Kunstevents und selbst in einigen Kirchen finden Kunstausstellungen statt. Ich habe mit die von Sean Scully in der San Giorgio Maggiore-Kirche und von Lore Bert in der Kirche San Samuele angesehen.<\/p>\n<p>Man wird schier erschlagen von der Menge der Ausstellungen und Veranstaltungen, die zus\u00e4tzlich zum normalen Venedig Kulturbetrieb\u00a0mit Museen, Konzerten und Theaterauff\u00fchrungen laufen.<\/p>\n<p>Die Biennale selbst besteht aus den folgenden Teilen:<\/p>\n<ul>\n<li>Die \u00fcberwiegend themenbezogenen Ausstellung auf einem Teil des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Arsenal_(Venedig)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Arsenale<\/a>, dem ehemaligen St\u00fctzpunkt der Venezianischen Flotte.<\/li>\n<li>Den traditionellen 28 L\u00e4nderpavillons in den <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Giardini_della_Biennale\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Giardini<\/a>.<\/li>\n<li>Teilnehmende L\u00e4nder, die keinen eigenen Pavillon im Park oder Raum im Arsenale haben, mieten R\u00e4umlichkeiten, die \u00fcber die ganze Lagunenstadt verteilt sind.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_3622\" style=\"width: 490px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3622\" class=\"size-medium wp-image-3622\" src=\"http:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_20190627_100134-480x360.jpg\" alt=\"Giardini Eingang\" width=\"480\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_20190627_100134-480x360.jpg 480w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_20190627_100134-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_20190627_100134-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_20190627_100134.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><p id=\"caption-attachment-3622\" class=\"wp-caption-text\">Giardini Eingang<\/p><\/div>\n<p>Ich war 5 Tage in der Stadt und daher kann und will ich hier nicht 1:1 wiedergeben, was ich gesehen habe, sondern was ich f\u00fcr besonders erw\u00e4hnenswert halte. Leider kann ich aufgrund des Urheberrechts auch keine Werke direkt zeigen. Ich bitte um Verst\u00e4ndnis.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>L\u00e4nderspezifische Themen<\/strong><\/p>\n<p>Viele L\u00e4nderbeitr\u00e4ge besch\u00e4ftigen sich naheliegenderweise mit den speziellen Problemen, die in dem jeweiligen Teilnehmerland wichtig sind. Beispiel Irak:<\/p>\n<p>Seit den 80er Jahren befindet sich das Land st\u00e4ndig in bewaffneten Auseinandersetzungen: Der Iran\/Irak-Krieg, der Golfkrieg 1 und 2, der Kampf gegen die Kurden im Norden und zuletzt gegen den IS. Dementsprechend ist der Krieg das Thema des Irakischen Beitrages, der im Erdgeschoss eines versteckt liegenden Palazzo.<\/p>\n<p>Der Beitrag von Peru wiederum kommt mit seinen in naivem Stil bemalte Fliesen vordergr\u00fcndig volksnah, aber bei genauerer Betrachtung wird klar, das hier die kolonialistische Sicht auf das &#8222;exotische&#8220; und seine Ausbeutung thematisiert wird. Besonders deutlich wird das bei einem Bild, das tanzende Indiofrauen zeigt &#8211; vor einem Bordell.<\/p>\n<p>Von den einzelnen l\u00e4nderspezifischen Themen abgesehen, meine ich drei Schwerpunkte\u00a0 erkannt zu haben, die ich etwas n\u00e4her beleuchten m\u00f6chte:<\/p>\n<ul>\n<li>Armut \/ Flucht<\/li>\n<li>Identit\u00e4t \/ Globalisierung<\/li>\n<li>Technik und Gesellschaft<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Schwerpunkt Armut und Flucht<\/strong><\/p>\n<p>Mein erster Tag begann, wie auch schon mein letzter Besuch 2017 in der 360m langen Seilerei von 1443. Die ersten Beitr\u00e4ge besch\u00e4ftigen sich gleich mit dem Thema Armut und Flucht. Mein Blick fiel jedoch zun\u00e4chst gar nicht auf die Werke, sondern auf die ca. 6m hohen Holzverschalungen, hinter denen die W\u00e4nde und S\u00e4ulen des Geb\u00e4udes verdeckt waren. Mein erster Gedanke war: &#8222;Wie kann man nur diesen genialen geschichtstr\u00e4chtigen Ort so verschandeln?&#8220; und gleich danach kam mir die Frage in den Sinn, wie viele H\u00fctten und H\u00e4user man mit den Holzplatten und Balken h\u00e4tte bauen k\u00f6nnen. Erst danach habe ich die Kunstwerke und das Thema bemerkt und urpl\u00f6tzlich wurde ich sauer.<\/p>\n<div id=\"attachment_3621\" style=\"width: 490px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3621\" class=\"size-medium wp-image-3621\" src=\"http:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_20190626_101706-480x360.jpg\" alt=\"Holzw\u00e4nde in der Seilerei\" width=\"480\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_20190626_101706-480x360.jpg 480w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_20190626_101706-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_20190626_101706-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_20190626_101706.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><p id=\"caption-attachment-3621\" class=\"wp-caption-text\">Holzw\u00e4nde in der Seilerei<\/p><\/div>\n<p>So richtig sauer, weil das Thema Armut und Flucht hier schon wieder so plakativ in Szene gesetzt wurde. Ich wurde nicht etwas sauer, weil ich des Themas \u00fcberdr\u00fcssig bin, sondern weil ich es an diesem Ort f\u00fcr vollkommen deplatziert halte. Wie ich eingangs erw\u00e4hnt habe, ist die Biennale alt, international und riesengro\u00df. Es wird ein enormer logistischer, materieller und monet\u00e4rer Aufwand betrieben, um Kulturinteressierte hierher zu locken und zu erg\u00f6tzen. Und die Horden des internationalen Bildungsb\u00fcrgertums kommen. Zur Biennale 2017 sollen immerhin 500.000 Besucher angereist sein. Die meisten werden von irgendwo auf der Welt mit dem Flugzeug gekommen sein und jeder hat f\u00fcr ein paar Tage soviel Geld ausgegeben, dass man eine Familie in den \u00e4rmsten Teilen der Welt davon locker ein Jahr h\u00e4tte ern\u00e4hren k\u00f6nnen. Mir ist das durchaus bewusst und mir ist auch klar, dass ich zu dem Mob dazugeh\u00f6re, auch wenn ich nur mit dem Billigflieger und nicht mit einer 70m Yacht samt Hubschrauberlandeplatz angereist bin, wie es einige tats\u00e4chlich tun.<\/p>\n<div id=\"attachment_3620\" style=\"width: 490px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3620\" class=\"size-medium wp-image-3620\" src=\"http:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_20190628_165817-480x360.jpg\" alt=\"70m Yacht mit Hubschrauber\" width=\"480\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_20190628_165817-480x360.jpg 480w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_20190628_165817-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_20190628_165817-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_20190628_165817.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><p id=\"caption-attachment-3620\" class=\"wp-caption-text\">70m Yacht mit Hubschrauber<\/p><\/div>\n<p>Und in diesem Kontext auf das Elend zu zeigen, finde ich obsz\u00f6n und falsch. Weder wird sich f\u00fcr irgendeine der gezeigten Personen direkt etwas verbessern, noch wird einer der G\u00e4ste dadurch eine neue Erkenntnis mit nach Hause nehmen und aktiv werden. Das ist nur Gaffen, hat etwas von Menschenzoo und tr\u00e4gt absolut nichts zur Verbesserung der Lage bei. Der Gipfel der Geschmacklosigkeit war es, ein gesunkenes (und sp\u00e4ter geborgenes) Fischerboot auszustellen, auf dem 700 Fl\u00fcchtlinge gestorben sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Schwerpunkt Identit\u00e4t \/ Globalisierung<\/strong><\/p>\n<p>Erheblich wichtiger finde ich, dass sich sehr viele Beitr\u00e4ge mit dem Thema der kulturellen Identit\u00e4t auseinandersetzen. Wichtiger deshalb, weil dieses Thema der globalen Elite nicht pr\u00e4sent zu sein scheint, obwohl es erhebliche soziale Sprengkraft hat und ganz verschiedene Kulturkreise besch\u00e4ftigt. Und hier k\u00f6nnen die Besucher etwas geistige Anregung mitnehmen und \u00fcberlegen, was das f\u00fcr die Gesellschaft in ihrem eigenen Land bedeutet. Man konnte in vielen Beitr\u00e4gen das Ringen um die eigene kulturelle Identit\u00e4t feststellen. In sehr unterschiedlichen L\u00e4ndern gibt es offensichtlich das Gef\u00fchl, dass etwas wichtiges verloren geht.<\/p>\n<p>Peru thematisiert Unterdr\u00fcckung und Ausverkauf der eigenen Kultur durch koloniale Unterdr\u00fcckung.<\/p>\n<p>Kanada zeigt die Probleme der Inuit, die Schwierigkeiten haben, ihren traditionellen Lebensstil in Zeiten globaler Erw\u00e4rmung und zunehmenden Ressourcenabbaus n\u00f6rdlich des Polarkreises beizubehalten.<\/p>\n<p>Korea zeigt, wie ein Krieg, die Teilung des Landes und der anschlie\u00dfende Wirtschaftsboom, die eigenen Wurzeln verblassen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Die s\u00fcdafrikanische K\u00fcnstlerin Zanele Muholi wies mit ihren beeindruckenden Selbstportraits offensiv auf eine schwarze Kultur hin, die im saturierten Mitteleuropa eher nicht bekannt ist.<\/p>\n<div id=\"attachment_3623\" style=\"width: 490px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3623\" class=\"size-medium wp-image-3623\" src=\"http:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_20190627_114451-480x360.jpg\" alt=\"Zu viele deutsche Besucher?\" width=\"480\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_20190627_114451-480x360.jpg 480w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_20190627_114451-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_20190627_114451-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_20190627_114451.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><p id=\"caption-attachment-3623\" class=\"wp-caption-text\">Zu viele deutsche Besucher?<\/p><\/div>\n<p><strong>Schwerpunkt Technik und Gesellschaft<\/strong><\/p>\n<p>Aserbaidschan zeigte die Ausstellung &#8222;<em>Virtual Reality<\/em>&#8220; in einem Palazzo in San Marco. Der Name kam mir etwas <em>cheesy<\/em> vor &#8211; <em>so 1995<\/em> &#8211; aber die gezeigten Werke waren durchaus gut. Thematisch ging es um den Dauerstrom globaler Information, die auf das Individuum einprasseln, die Verbindung &#8222;von Kopf zu Kopf&#8220; durch soziale Medien und die Verbindung zwischen Historie und Hightech durch algorithmische Erzeugung traditioneller Muster.<\/p>\n<p>Im 20. Jahrhundert war die Frage, wie die Sichtweise der Menschen auf die Welt durch die Medien ver\u00e4ndert wird. Die Frage des 21. Jahrhunderts wird werden, wie die Maschinen die Welt wahrnehmen.<\/p>\n<p>Diesem Thema widmete sich zum Beispiel\u00a0Hito Steyerl mit einer raumf\u00fcllenden Installation aus verschiedenen Videoprojektionen, Ger\u00fcsten und Stegen. Die Stehe waren eine Anspielung auf die Hochwasser, die Venedig h\u00e4ufig in der Winterzeit \u00fcberfluten, w\u00e4hrend die Videoprojektionen zeigten, wie eine KI Bilderkennung versucht, die Besonderheiten von Venedig zu &#8222;verstehen&#8220;.<\/p>\n<p>Interessant auch der Beitrag von China. Die Chinesen pr\u00e4sentierten 2017 noch eine seltsam pseudo-folkloristisch anmutende Ansammlung in der Halle am Ende des Arsenale, wurden in diesem Jahr aber der Erwartung, die man an eine High-Tech Nation hat gerecht. Beim Durchwandern der Halle stand man pl\u00f6tzlich vor einer Videoprojektion, die die Halle selber zeigte. Man sah sich und die anderen Besucher wie im Spiegel. Jedoch wurde jede Person von einem Computer als Person identifiziert, auf dem Bild markiert und automatisch kategorisiert. Wenn man sich selbst gegen\u00fcbersteht, mit einem gr\u00fcnen, roten oder blauen Kasten markiert sieht, der sich mitbewegt und an dem Labels h\u00e4ngen, die versuchen, einen als Person einzusch\u00e4tzen, l\u00e4uft es einem doch etwas kalt den R\u00fccken herunter. Auch und gerade wenn man selbst ein bisschen was von der verwendeten Technik versteht.<\/p>\n<div id=\"attachment_3627\" style=\"width: 370px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3627\" class=\"size-medium wp-image-3627\" src=\"http:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_20190627_151547-360x480.jpg\" alt=\"Seit Jahren ein Klassiker\" width=\"360\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_20190627_151547-360x480.jpg 360w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_20190627_151547-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><p id=\"caption-attachment-3627\" class=\"wp-caption-text\">Seit Jahren ein Klassiker<\/p><\/div>\n<p>Das Werk ist \u201eCan&#8217;t Help Myself\u201c der beiden chinesischen K\u00fcnstler Sun Yuan und Peng Yu im Zentralen Pavillon empfand ich als verbl\u00fcffend anr\u00fchrend. Es handelt sich dabei um einen Industrieroboter in einem ca. 10x10m gro\u00dfen Terrarium, der st\u00e4ndig versucht, mittels eines gro\u00dfen Spachtels eine Fl\u00fcssigkeit zusammenzuhalten, die den Eindruck von Blut erweckt. Dabei machte er mal kleine, langsame Bewegungen um kurz darauf gro\u00df auszuholen und sich schnell herumzudrehen, wobei das &#8222;Blut&#8220; an die W\u00e4nde und die Fensterscheiben spritzte. Ich f\u00fchlte mich an ein gro\u00dfes, wildes und verletztes Tier erinnert, das eingesperrt und angegafft wird. Wie Steppentiere in einem Zoogehege dazu neigen, verzeifelt und manisch wiederholte Zwangsbewegungen zu machen.<\/p>\n<p>Mein Favorit der Biennale ist aber die Datenvisualisierung &#8222;data-verse 1&#8220; von Ryoji Ikeda. Auf einer 10m breiten Leinwand lief eine ca. 10 Minuten lange, extrem hochaufl\u00f6sende abstrakte Videoprojektion. In verschiedenen Szenen wurden jeweils riesige Mengen unterschiedliche Daten oder Messwerte anzeigt und durchscannt. Von allen Videos, die ich auf der Biennale gesehen habe, ist dies das einzige, das ich vollst\u00e4ndig angehen habe. Sogar zweimal, weil ich erst im zweiten Durchlauf verstanden habe, das hier eine abstrakte und extrem \u00e4sthetische Reise von der Entstehung der Galaxis, der Planeten, des Lebens, des Menschen, der Gesellschaft bis zur Entwicklung von Megast\u00e4dten gezeigt wurde.<\/p>\n<p>Das Ganze basiert auf riesigen Datenbest\u00e4nden die u.a. von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/CERN\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">CERN<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/NASA\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">NASA<\/a> und dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Humangenomprojekt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Human Genome Project<\/a> ver\u00f6ffentlicht wurden.<\/p>\n<p>Ich war wirklich, sehr beeindruckt!<\/p>\n<div id=\"attachment_3624\" style=\"width: 490px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3624\" class=\"size-medium wp-image-3624\" src=\"http:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_20190626_121034-480x360.jpg\" alt=\"Br\u00fctende Hitze im Arsenale\" width=\"480\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_20190626_121034-480x360.jpg 480w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_20190626_121034-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_20190626_121034-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_20190626_121034.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><p id=\"caption-attachment-3624\" class=\"wp-caption-text\">Br\u00fctende Hitze im Arsenale<\/p><\/div>\n<p><strong>Mein Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Vier Tage haben nicht ausgereicht um alle Biennale Beitr\u00e4ge zu sehen. Man ist auch irgendwann nicht mehr aufnahmef\u00e4hig. Die Spannbreite der gezeigten Arbeiten ist riesig und nat\u00fcrlich findet man nicht alles interessant, manches sogar regelrecht schlecht, aber es sind auch diesmal wieder viele gute und auf einige ganz herausragende Werke dabei. Venedig hat sich auch dieses Mal wieder gelohnt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Biennale in Venedig ist die Hochleistungsschau des internationalen Kunstbetriebes. Im Jahr 2019 ist es bereits die 58. Veranstaltung seit 1895. Dieser Event ist so gro\u00df, dass fast die ganze Stadt dem Thema Kunst gewidmet ist. 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