{"id":3787,"date":"2019-12-16T20:53:22","date_gmt":"2019-12-16T19:53:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ollmetzer.com\/?p=3787"},"modified":"2019-12-16T20:53:57","modified_gmt":"2019-12-16T19:53:57","slug":"politische-ueberreaktion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ollmetzer.com\/?p=3787","title":{"rendered":"Politische \u00dcberreaktion"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich habe mich selbst so lange ich politisch denke &#8211; also ungef\u00e4hr seit ich 10 Jahre alt war &#8211; immer gem\u00e4\u00dfigt links eingeordnet. Der stumpfe reaktion\u00e4re Mainstream der 70er Jahre war mir unertr\u00e4glich und verhasst. Dieses bigotte Auftreten der alten Leute, die die Moralkeule vor sich hertrugen war und ist mir immer noch zutiefst zuwider.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mainstream hat sich seitdem ganz gewaltig nach links verschoben. M\u00fcsste mir also doch eigentlich gut gefallen. Tut es aber nicht. Ich habe mit &#8222;Links&#8220; mittlerweile genau so ein Problem wie mit &#8222;Rechts&#8220; (falls diese Einteilung heute \u00fcberhaupt noch Sinn macht).<\/p>\n\n\n\n<p>Klar, man sagt ja, dass man mit zunehmendem Alter konservativer wird. Ein bisschen ist da was dran. Aber darum geht es mir gar nicht. Die gro\u00dfen Themen, die von den jungen Leuten angesprochen werden sehe ich als genauso wichtig an: Umweltschutz, Gleichberechtigung, Widerstand gegen Rechtsextremismus, usw.<br>Das sind ja alles Themen, die mir auch in meiner Jugend schon wichtig waren. Damit habe ich \u00fcberhaupt kein Problem.<\/p>\n\n\n\n<p>Womit ich aber ein ganz erhebliches Problem habe, ist die Art der (nicht-)Kommunikation. Diese h\u00e4ufige moralinsaure Besserwisserei, die ich damals von den alten S\u00e4cken kannte und die nun ausgerechnet ihre Enkel wiederaufleben lassen. Dieses bei jedem Thema meilenweit \u00fcber das Ziel hinausschie\u00dfen. Mein Problem dabei ist, dass man Leute vergr\u00e4tzt und vor den Kopf st\u00f6\u00dft, die eigentlich in die selbe Richtung denken und v\u00f6llig unn\u00f6tig Gr\u00e4ben aufrei\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Klar, wenn man ein Anliegen hat, muss man laut trommeln. Und wenn man die Br\u00e4sigkeit vieler \u00e4lterer Leute sieht, die einfach \u00fcberhaupt nichts \u00e4ndern wollen &#8211; das kann einen schon zur Wei\u00dfglut bringen. Ich m\u00f6chte trotzdem mal drei Beispiele bringen, was ich mit &#8222;meilenweit \u00fcber das Ziel&#8220; meine:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gleichberechtigung?<\/strong><br>Neulich gab es einen Artikel (Zeit, Spiegel, Tagesspiegel &#8211; ich wei\u00df nicht mehr wo) in dem Stand, dass es viele M\u00e4nner nicht ertragen, wenn ihre Frauen gleich viel oder mehr verdienen. <\/p>\n\n\n\n<p>Ja, o.k, kann sein. Gibt es bestimmt. Da m\u00f6chte ich nicht widersprechen. <\/p>\n\n\n\n<p>Was aber nicht einmal als Andeutung vorkam war die Frage, wie viele Frauen es nicht ertragen, wenn ihr Mann dauerhaft weniger verdient als sie selbst. Das ist n\u00e4mlich ebenfalls ein erhebliches Problem, wie ich aus meiner eigenen Umgebung wei\u00df. Und das trifft insbesondere auf BesserverdienerInnen zu, bei denen es eigentlich nicht so drauf ankommt. Die Richterin, die es nicht ertr\u00e4gt, dass ihr Mann &#8222;blo\u00df&#8220; Teamleiter einer IT Abteilung ist, die Chef\u00e4rztin, der es auf Dauer nicht reicht, dass ihr Kerl &#8222;nur&#8220; normaler Rechtsanwalt ist. Eigentlich war Geld kein Problem, und trotzdem hatten diese Frauen das Gef\u00fchl dass sie &#8222;einen Verlierer mit durchf\u00fcttern&#8220;. Eigentlich sind alle Frauen, die ich kenne, die sehr viel Wert auf ihre Karriere legen, letzten Endes auf eigenen Wunsch Single.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum lese ich von so etwas nicht einmal einen Halbsatz?<br><br><strong>Verkehrswende<\/strong><br>Die Verkehrswende ist absolut \u00fcberf\u00e4llig. Das sage ich als Besitzer von zwei benzingetriebenen Fahrzeugen, ehemaligem Vielflieger und jahrelangem Fernpendler. Ich habe die Hypermobilit\u00e4t in den letzten Jahren f\u00fcr mich selbst einigerma\u00dfen erfolgreich eind\u00e4mmen k\u00f6nnen. Zudem verstehe ich als ehemaliger Stadtplaner auch ein bisschen was von der Materie.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir Planer wussten auch schon vor 30 Jahren, was man h\u00e4tte tun m\u00fcssen &#8211; aber es wurde weniger als nichts getan. Es wurde sogar alles noch schlimmer gemacht: Nebenstecken abgebaut, Shoppingcenter, M\u00f6belh\u00e4user und Baum\u00e4rkte an die Autobahn gesetzt, Wohngebiete ohne \u00d6PNV Anschluss gebaut, Flexibilisierung der Arbeit, Dumpingpreise f\u00fcr Flugreisen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Das muss aufh\u00f6ren. Schnell. Das Problem ist, dass jetzt nur dar\u00fcber geredet wird, die St\u00e4dte f\u00fcr Autos zu schlie\u00dfen. Das geht m.E. v\u00f6llig am Problem vorbei und k\u00f6nnte am Ende sogar kontraproduktiv sein. Es geht nicht nur um Autos, sondern um den stetig steigenden Verkehr als ganzes. Ich schreibe dazu demn\u00e4chst noch einen eigenen Artikel. <br>Der Verkehr ist nur das Symptom f\u00fcr andere Sachzw\u00e4nge. Nur ein Detail: Wie w\u00e4re es z.B. damit dem Jobcenter klar zu machen, dass t\u00e4gliches Pendeln \u00fcber 100km pro Strecke eben <em>nicht<\/em> zumutbar ist, sondern einfach nur asozial. Wie w\u00e4re es, mit einer Stadtplanung, die von vornherein lange Wege vermeidet? Wie w\u00e4re es mit aktiver Wohnungs- und Standortpolitik? <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Antifaschismus<\/strong><br>Heute habe ich das erste mal jemanden aus meiner Facebook Kontaktliste gekickt. Ein Kontakt (Bereich Musik), den ich schon l\u00e4nger hatte, aber nie wirklich pers\u00f6nlich kennengelernt habe. Was war passiert? <\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt in Berlin einen Club mit dem etwas br\u00e4sigen Namen &#8222;Beate Uwe&#8220;. Diese Person stellte den Club pl\u00f6tzlich unter Faschismusverdacht, weil zwei NSU Terroristen diese Vornamen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hm, ja, wie vermutlich noch eine Millionen anderer Deutscher. <\/p>\n\n\n\n<p>Nun ist mein Ex-FB Kontakt nicht aus Deutschland. Daher nahm ich an, dass sie das Wortspiel mit &#8222;Beate Uhse&#8220; nicht verstanden hat. Das ist halt so ein kulturelles Ding, das man vermutlich nur versteht, wenn man hier ausgewachsen ist. Also nahm mir die Freiheit, sie freundlich(!) darauf hinzuweisen, dass man als Deutscher vermutlich eher diese Assoziation, anstatt an Terroristen zu denken. Die Reaktion darauf war sinngem\u00e4\u00df:<br>&#8222;Das mit den Terroristen sei doch offensichtlich. Sie sei nicht an irgend so einem deutschen Pornostar(!!!) interessiert. Ob ich mit einbilde, f\u00fcr alle Deutschen zu sprechen &#8211; and by the way who do you think you are, Daddy?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>WTF???<\/p>\n\n\n\n<p>Auf meine immer noch h\u00f6fliche Nachfrage, weshalb sie so aggressiv reagiere, hat sie nicht geantwortet. Daf\u00fcr haben andere Leute geschrieben, dass das ein sehr entspannter Multi-Kulti-Club ist. Sie wurde wohl auch von dem Club direkt angeschrieben. Etwas pikant ist, dass sie selber DJ ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann ja mal etwas falsch verstehen. Passiert. Aber dann sollte man wenigstens den Arsch in der Hose haben zu sagen &#8222;Sorry, ich habe da wohl etwas \u00fcberreagiert&#8220; anstatt andere Leute aggressiv anzupampen.<br><br>Berlin besteht gef\u00fchlt zu 50% aus solchen Soziopathen. Ich habe auf solche Leute einfach keinen Bock mehr. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe mich selbst so lange ich politisch denke &#8211; also ungef\u00e4hr seit ich 10 Jahre alt war &#8211; immer gem\u00e4\u00dfigt links eingeordnet. Der stumpfe reaktion\u00e4re Mainstream der 70er Jahre war mir unertr\u00e4glich und verhasst. Dieses bigotte Auftreten der alten Leute, die die Moralkeule vor sich hertrugen war und ist mir immer noch zutiefst zuwider. 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