{"id":387,"date":"2008-06-14T10:38:13","date_gmt":"2008-06-14T08:38:13","guid":{"rendered":"http:\/\/ollmetzer\/?p=387"},"modified":"2010-05-30T21:51:37","modified_gmt":"2010-05-30T19:51:37","slug":"sowas-kommt-von-sowas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ollmetzer.com\/?p=387","title":{"rendered":"Sowas kommt von sowas"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt isses passiert: Die Iren haben &#8222;nein&#8220; zum sogenannten EU-Reformvertrag gesagt.<\/p>\n<p>Die Politiker sind emp\u00f6rt: Was erdreisten sich die paar Leute (5 Mio von 400 Mio) diesen <em>historischen Prozess<\/em> einfach auszubremsen? Unsachliche und irref\u00fchrende Kampagnen zweifelhafter EU-Gegener und undankbare Iren; jahrzehntelang hat die EU deren Wirtschaft hochgepeppelt und jetzt sowas. Ungeachtet dessen muss der Prozess weitergehen, &#8230;<\/p>\n<p><strong>Au Mann!<\/strong><\/p>\n<p>Das alles geht doch am Kern der Frage vorbei &#8211; n\u00e4mlich &#8222;was soll das eigentlich alles?&#8220;<\/p>\n<p>Die Tatsache, da\u00df sich Irland durch die EU-Unterst\u00fctzung von einem verarmten Agrarland zu einer wohlhabenden Dienstleistungsgesellschaft entwickeln konnte, hat doch nichts mit dieser Abstimmung zu tun. Schlie\u00dflich ist das Volk nicht einfach gekauft worden. Aber mit so einer Sichtweise haben viele Politiker offensichtlich Probleme.<\/p>\n<p>Richtig ist, da\u00df die Argumente der Vertragsgegener z.T. unsachlich oder sogar bewu\u00dft irref\u00fchrend waren. Gleiches kann man allerdings auch \u00fcber die Pro-Argumente sagen.<\/p>\n<p>Und wenn wir mal ganz ehrlich sind, wurde dieses Vertragswerk nur dort problemlos angenommen, wo der Politikkl\u00fcngel unter sich geblieben ist. \u00dcberall wo das Volk entschieden ha, ist der Vertrag abgelehnt worden. So zu tun, als h\u00e4tten lediglich 5 Mio Iren die EU ausgebremst ist einfach unredlich. Ich gehe davon aus, da\u00df fast die gesamte EU \u00e4hnlich abgestimmt h\u00e4tte &#8211; wenn sie \u00fcberhaupt gefragt worden w\u00e4re. Genauso unredlich ist die Unterstellung, die Neinsager w\u00e4ren gegen Europa.<\/p>\n<p>Ich glaube da\u00df die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit der Europ\u00e4er f\u00fcr Europa ist. Die Frage ist nur: Was f\u00fcr eins?<\/p>\n<p>Ein Europa, welches B\u00fcrokraten und Konzernvertreter in Br\u00fcssel unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit zusammenzimmern entspricht einfach nicht den Interessen des Volkes (bzw. der europ\u00e4ischen V\u00f6lker) und wird daher schon aus Prinzip abgelehnt werden. Ein st\u00e4ndiges &#8222;Weiter so&#8220; ist einfach nicht m\u00f6glich. Genau solche Prozesse sind es doch, die die Bev\u00f6lkerung gegen die EU (nicht zu verwechseln mit Europa) aufbringen: Das Volk entweder nicht fragen oder ignorieren, wenn einem die Entscheidungen nicht passen.<\/p>\n<p>Wenn der europ\u00e4ische Einigungsprozess wirklich fortgesetzt werden soll, w\u00e4re es sinnvoll zun\u00e4chst innezuhalten und mal eine offene Diskussion mit der Bev\u00f6lkerung gef\u00fchrt werden w\u00fcrde, wie sie sich denn die zuk\u00fcnftige Europ\u00e4ische Union vorstellen und w\u00fcnschen. Dabei wird es dann auch mal ungem\u00fctlich Fragen geben, wie z.B. &#8222;Wo h\u00f6rt Europa eigentlich auf?&#8220;. Die st\u00e4ndige Expansion der EU kann ja nicht unbegrenzt fortgesetzt werden. <\/p>\n<p>Nach dem 2. Weltkrieg hatten die V\u00f6lker einfach einen unglaublichen Friedenswillen und wollten sicherstellen, da\u00df solch ein Massenmorden in Europa nicht nochmal passiert. Das war das gro\u00dfe Leitmotiv, da\u00df auch vom Volk getragen wurde, wenn es in Detailfragen haarig wurde. Solch eine Leitidee fehlt heutzutage leider. Aber gerade deshalb muss der Prozess der Willensbildung im Volk wieder die Grundlage f\u00fcr die Entwicklung der EU werden, so wie es zu Beginn war. Und auf dieser Grundlage muss dann die neue Struktur der EU hergestellt werden. Dann wird sich sicherlich auch eine gr\u00f6\u00dfere Akzeptanz der Bev\u00f6lkerung erreichen lassen, auch wenn sich nicht alle W\u00fcnsche 1:1 umsetzen lassen.<\/p>\n<p>Ich bin absolut f\u00fcr ein geeintes Europa. Aber ich bin gegen Gleichmacherei. Es ist doch gerade der Reiz dieses Kontinents, da\u00df es hier vergleichsweise bunt und unterschiedlich zugeht. Ich will nicht \u00fcberall genau dieselben Sachen, Lebensmittel, L\u00e4den und Lebensweisen vorfinden. Wenn ich zum Beispiel die EU und USA vergleiche ist nicht wiklich die Frage, wo ich mich wohler f\u00fchle (sorry Marco ;-) ).<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte, da\u00df es hier friedlich und bunt zugeht. Ein Europa in dem jeder nach seiner Fasson selig werden kann. Ein Europa das zusammenh\u00e4lt und gemeinsam weise Entscheidungen der Daseinsvorsorge trifft (z.B. Sicherung der Ressourcen ohne Kriegseins\u00e4tze), ein Europa, da\u00df gute Beziehungen zu allen wichtigen Weltregionen unterh\u00e4lt.<\/p>\n<p>An einem Europa dessen einziger Sinn ein gro\u00dfer, gleichf\u00f6rmiger Binnenmarkt ist, in dem Grundsatzentscheidungen hinter verschlossenen T\u00fcren ausgekl\u00fcngelt werden und demokratische Prozesse nur als Behinderung gesehen werden, habe ich einfach kein Interesse.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt isses passiert: Die Iren haben &#8222;nein&#8220; zum sogenannten EU-Reformvertrag gesagt. 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