{"id":3949,"date":"2020-04-30T22:27:52","date_gmt":"2020-04-30T20:27:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ollmetzer.com\/?p=3949"},"modified":"2020-04-30T22:27:52","modified_gmt":"2020-04-30T20:27:52","slug":"homeoffice-endlich-entmystifiziert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ollmetzer.com\/?p=3949","title":{"rendered":"Homeoffice endlich entmystifiziert"},"content":{"rendered":"\n<p>Was in den letzten Jahren (oder Jahrzehnten?) von vielen Angestellten dringend gew\u00fcnscht aber von den meisten Firmen ignoriert oder sogar blockiert wurde, ging pl\u00f6tzlich ganz schnell, als Corona akut wurde: Homeoffice.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer mehr B\u00fcroangestellte w\u00fcnschten sich die M\u00f6glichkeit zu Homeoffice. Aber selbst Firmen, in denen das eigentlich recht einfach umsetzbar gewesen w\u00e4re, sperrten sich h\u00e4ufig dagegen. Die Gr\u00fcnde zur ausgepr\u00e4gten Pr\u00e4senzkultur sind vor allem unflexible Organisation und Misstrauen gegen\u00fcber den Angestellten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das hat auf beiden Seiten zu einer gewissen Mystifizierung gef\u00fchrt: <br>Viele Firmen sahen in Homeoffice eher eine dunkle Bedrohung.<br>Vielen Angestellten erschien darin eine Verhei\u00dfung zu h\u00f6herer Lebensqualit\u00e4t. <\/p>\n\n\n\n<p>Beide Extreme haben bei mir nur Stirnrunzeln hervorgerufen, weil ich bereits seit 2006 Erfahrung mit Homeoffice habe. Diese Erfahrungen haben jetzt in Deutschland hunderttausende Angestellte und deren Firmen im Expresstempo nachgeholt. Gut so, dann das entmystifiziert das Thema endlich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Stufe 1 der Entmystifizierung: Homeoffice ist bedrohlich \/ befreiend<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Alle Beteiligten haben viel gelernt. Die Firmen haben gelernt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Homeoffice ist m\u00f6glich und schnell einsetzbar.<\/li><li>Die Organisation kann (und muss) durch Homeoffice effizienter werden.<\/li><li>Videokonferenzen sind besser als Telefonkonferenzen und k\u00f6nnen Pr\u00e4senzmeetings h\u00e4ufig ersetzen.<\/li><li>Angestellten erledigen die Arbeit auch dann, wenn nicht alle 10min der Chef zur T\u00fcr reinkommt.<\/li><li>Zur Zeit wird sehr viel Miete f\u00fcr ungenutzte B\u00fcrofl\u00e4che gezahlt, obwohl die Arbeit weiterhin erledigt wird.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Die Angestellten haben gelernt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>F\u00fcr Homeoffice braucht man verl\u00e4ssliches Internet und einen geeigneten Arbeitsplatz. Der Laptop auf dem K\u00fcchentisch gen\u00fcgt nicht.<\/li><li>Homeoffice und gleichzeitig  Kinder betreuen, ist sehr anstrengend.<\/li><li>Mal einige Tage zu Hause zu sein ist nett. Immer zu Hause zu arbeiten nervt aber.<\/li><li>Auf die Dauer fehlen einem die Sozialkontakte zu den Kollegen (jedenfalls, wenn man ein nettes Team hat)<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Stufe 2 der Entmystifizierung: Homeoffice ist gut f\u00fcr die Umwelt &#8211; <\/strong><em><strong>oder<\/strong><\/em><strong>?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zeit f\u00fcr Stufe 2 der Entmystifizierung: Viele Bef\u00fcrworter propagieren, dass durch Homeoffice unn\u00f6tige Pendelei entf\u00e4llt und es deshalb aus Umweltschutzgr\u00fcnden positiv ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Das stimmt nat\u00fcrlich zun\u00e4chst &#8211; zumindest in einer Phase, in der Homeoffice noch etwas neu und ungewohnt f\u00fcr die Angestellten ist. Ob das langfristig auch noch zutrifft, ist aber nicht so klar. <br>Ich m\u00f6chte meine Skepsis begr\u00fcnden. Zun\u00e4chst der Blick zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter Stadtplanern gab es bereits Ende der 80er \/ Anfang der 90er Jahre &#8211; also lange bevor das Internet f\u00fcr die Allgemeinheit zug\u00e4nglich war &#8211; eine Diskussion dar\u00fcber, wie der damals noch neue Einsatz von Computern und deren beginnende Vernetzung die Anspr\u00fcche an Raumnutzung, Verkehr und Energie ver\u00e4ndern w\u00fcrde. Dabei wurden die heute sichtbaren Hauptfelder bereits richtig erkannt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Onlinebanking ersetzt Bankfilialen<\/li><li>E-Commerce ersetzt L\u00e4den<\/li><li>Stark ver\u00e4ndertes Kommunikationsverhalten durch neue Dienste wie Email und Videokonferenzen<\/li><li>Akten, Schriftverkehr und Transaktionen werden elektronisch verarbeitet und gespeichert. Ohne Papier sind sie nicht mehr ortsgebunden<\/li><li>Dadurch auch immer mehr Telearbeit<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Aus damaliger Sicht erschien es logisch, dass die bevorstehende Welle der Entmaterialisierung die r\u00e4umlichen Strukturen aufl\u00f6sen w\u00fcrde. Die \u00fcberf\u00fcllten und teuren Innenst\u00e4dte werden \u00fcberfl\u00fcssig und die Menschen ziehen sich in kleinere, \u00fcberschaubare und naturnahe Orte zur\u00fcck, zahlen weniger f\u00fcr das Wohnen. St\u00e4dte werden aufgrund der abnehmenden Attraktivit\u00e4t und Funktion tendenziell leerer und gibt weniger Grund f\u00fcr Verkehr.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Menschen und der Rebound-Effekt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>30 Jahre sp\u00e4ter wissen wir, dass genau das Gegenteil geschehen ist. Der Run auf die Metropolen hat erst recht eingesetzt. Die Zentralisierung und Verdichtung hat st\u00e4ndig zugenommen. Weite Landstriche haben so viel Abwanderung, dass dort die Grundversorgung nicht mehr aufrecht erhalten werden kann. Der Verkehr ist explodiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die damals vollkommen logisch erscheinenden Prognosen erwiesen sich  also als v\u00f6llig falsch. Daher meine Skepsis. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Meine Prognose<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nun, da die Angst bei vielen Firmen vor dieser &#8222;neuen&#8220; (Neu wie Neuland) Arbeitsweise schwindet und die Einsparpotentiale sichtbar werden, wird die Telearbeit vermutlich stark zunehmen &#8211; evtl. auch gegen den Willen der Mitarbeiter.<\/p>\n\n\n\n<p>In meinem Bekanntenkreis habe ich nun folgende Erfahrung gemacht: Diejenigen, die bereits seit l\u00e4ngerem st\u00e4ndig remote arbeiten, haben erkannt, dass das nicht unbedingt zu Hause in Berlin oder Bielefeld sein muss. Wenn man schon woanders sein kann, warum dann nicht auf Gran Canaria, am Schwarzen Meer oder in Thailand?<\/p>\n\n\n\n<p>Das klingt zwar verlockend, f\u00fchrt aber zu einem CO2 intensiven Reiseverhalten. Und das gilt nicht nur f\u00fcr Solo Freelancer.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe 2010 das erste Mal eine Firma besucht, die in ihrem Office in San Francisco fast keine Angestellten mehr hatte: Automattic &#8211; die Firma hinter WordPress. Die Mitarbeiter, Entwickler, Grafiker und sonstige Angestellen lebten rund um den Globus verstreut. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Matthew_Mullenweg\">Matt Mullenweg<\/a> erkl\u00e4rte, dass er die besten Leute bekommen will und die m\u00f6chten nun mal nicht alle im Silicon Valley leben. Um den Mitarbeitern dennoch ein Gemeinschaftsgef\u00fchl zu erm\u00f6glichen, gibt es regelm\u00e4\u00dfig Events in allen Erdteilen, auf denen sie sich treffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar sparen sich die Mitarbeiter so den normalen Arbeitsweg, ben\u00f6tigen zun\u00e4chst weniger Energie und erzeugen weniger Emissionen. Durch die Teilnahme an den Events werden diese Effekte jedoch \u00fcberkompensiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein langfristig positiver Umwelteffekt tritt also m\u00f6glicherweise auch nicht auf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was in den letzten Jahren (oder Jahrzehnten?) von vielen Angestellten dringend gew\u00fcnscht aber von den meisten Firmen ignoriert oder sogar blockiert wurde, ging pl\u00f6tzlich ganz schnell, als Corona akut wurde: Homeoffice. Immer mehr B\u00fcroangestellte w\u00fcnschten sich die M\u00f6glichkeit zu Homeoffice. 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