{"id":4178,"date":"2021-03-08T18:52:23","date_gmt":"2021-03-08T17:52:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ollmetzer.com\/?p=4178"},"modified":"2021-03-08T18:57:02","modified_gmt":"2021-03-08T17:57:02","slug":"ein-gespraech-zum-frauentag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ollmetzer.com\/?p=4178","title":{"rendered":"Ein Gespr\u00e4ch zum Frauentag"},"content":{"rendered":"\n<p>Anl\u00e4sslich des heutigen Frauentages suchte eine Bekannte von mir (die um einiges j\u00fcnger ist, als ich es bin) neulich per Facebook m\u00e4nnliche Gespr\u00e4chspartner, die sich als Feminist bezeichnen. Hintergrund war die Vorbereitung von Vortr\u00e4gen und Workshops.<\/p>\n\n\n\n<p>Da wir uns schon ein paar Jahre kennen, fragte ich sie, ob sie sich auch mit mir unterhalten w\u00fcrde, obwohl ich schon \u00e4lter bin und mich explizit <em>nicht<\/em> als Feminist bezeichnen m\u00f6chte (die Begr\u00fcndung daf\u00fcr folgt unten). Einerseits war ich neugierig, was sie zur Zeit tut und andererseits dachte ich, ein paar eher ungew\u00f6hnliche Sichtweisen beitragen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sagte zu und so hatten wir ein interessantes Gespr\u00e4ch. Gerade in einer Zeit, in der die allgemeine Diskussionskultur ziemlich Am Ar&#8230; ist und die Leute sich nur noch unfreundlich ihre Vorurteile um die Ohren hauen, finde ich es wichtig mit offenem Geist aufeinander zuzugehen und einander zuzuh\u00f6ren. <\/p>\n\n\n\n<p>Das hat bei uns sehr gut funktioniert. Wir haben \u00fcber die Ver\u00e4nderungen im Lauf der Jahrzehnte, juristische Aspekte, Sozialisation, Rollenverhalten, pers\u00f6nliche Erwartungshaltungen an andere, aber auch an sich selbst und noch etliches mehr thematisiert. Wir empfanden beide das Gespr\u00e4ch als angenehmen und interessanten Austausch jeder von uns konnte etwas daraus mitnehmen. <\/p>\n\n\n\n<p>Das hat mir Spa\u00df gemacht. Vielen Dank!<\/p>\n\n\n\n<p>Was mir in letzter Zeit sehr deutlich geworden ist: Meine Einstellungen zum Stand der Gleichberechtigung entsprechen nicht dem, was man vielleicht anhand meines Alters erwarten k\u00f6nnte. Das liegt sicherlich daran, dass ich fast ausschlie\u00dflich von Frauen erzogen wurde, die f\u00fcr ihre Zeit sehr emanzipiert und offen im Geiste waren. Alle Frauen in meiner Familie hatten ordentliche Berufe, haben ihr eigenes Geld verdient und zwei waren sogar selbstst\u00e4ndig. Kurz und flapsig gesagt: <br>Die Damen haben damals &#8222;den Laden geschmissen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Das war als Kind in den 70ern f\u00fcr mich erlebte Normalit\u00e4t. <\/p>\n\n\n\n<p>Aber normal war es nat\u00fcrlich gar nicht. Um das geschichtlich und gesellschaftlich richtig einordnen zu k\u00f6nnen: Bis 1975 stand die Berufst\u00e4tigkeit von Frauen unter dem Genehmigungsvorbehalt des Ehemannes! So etwas kann man sich heute (gottseidank) gar nicht mehr vorstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als jemand, der einen solchen famili\u00e4ren Background hat, finde ich die heutigen Diskussionen h\u00e4ufig reichlich befremdlich. Wenn ich z.B. im Jahr 2021 eine Forderung lese, dass Frauen lernen sollen, sich selbst um ihre Finanzen zu k\u00fcmmern, denke ich nur &#8222;Ja wer denn sonst? Macht doch! Wieso ist das \u00fcberhaupt ein Thema?&#8220; <\/p>\n\n\n\n<p>Und dann f\u00e4llt mir meine Gro\u00dfmutter ein, die meinem Opa Ende der 50er Jahre (!) untersagt hat, ihre Gesch\u00e4ftsb\u00fccher einzusehen mit der Begr\u00fcndung &#8222;Oskar, davon verstehst Du nichts. Du bist ja nur Angestellter&#8220;.<br>B\u00c4M!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weshalb ich mich nicht Feminist nennen m\u00f6chte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich so sozialisiert bin, weshalb m\u00f6chte ich mich dann nicht Feminist nennen? Zwei Gr\u00fcnde:<\/p>\n\n\n\n<p>Erstens weil Gleichberechtigung (zumindest f\u00fcr mich) so selbstverst\u00e4ndlich ist, dass ich mir daf\u00fcr kein extra Label aufkleben m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p>Zweitens empfinde ich den Begriff auch eher als abwertend. Ich assoziiere damit jemanden der sich einschleimt. Ein \u00f6liger &#8222;Frauenversteher&#8220;, der so lange lieb und verst\u00e4ndnisvoll ist, bis er seine Gespr\u00e4chspartnerin endlich im Bett hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Das mag der Eine oder die Andere anders sehen, aber es ist halt das, was ich dazu empfinde.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb: Nein, ich bin kein Feminist. <\/p>\n\n\n\n<p>Und ich denke, dass der Hebel zur Gleichberechtigung weder in der gruseligen angeblich &#8222;gendergerechten Sprache&#8220; oder in der Verteilung von Vorstandsposten liegt, sondern in der Teilhabe der M\u00e4nner an Kindererziehung und Haushalt. <\/p>\n\n\n\n<p>Erst wenn f\u00fcr Arbeitgeber das Risiko, dass m\u00e4nnliche Angestellte Sonderurlaub brauchen, weil das Kind krank ist genauso hoch ist, wie bei weiblichen Angestellten, entf\u00e4llt der &#8222;Risikoabschlag&#8220; f\u00fcr Frauen. <\/p>\n\n\n\n<p>Erst wenn M\u00e4nner genau h\u00e4ufig Teilzeit einfordern, um sich besser um die Familie k\u00fcmmern zu k\u00f6nnen entf\u00e4llt der Vorteil f\u00fcr die Arbeitgeber, M\u00e4nner jederzeit nach belieben hin- und herdisponieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>DAS sind die Schl\u00fcssel zur Gleichberechtigung. Davon bin ich felsenfest \u00fcberzeugt, weil das in der Firma f\u00fcr die ich arbeite bereits so gelebt wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich des heutigen Frauentages suchte eine Bekannte von mir (die um einiges j\u00fcnger ist, als ich es bin) neulich per Facebook m\u00e4nnliche Gespr\u00e4chspartner, die sich als Feminist bezeichnen. Hintergrund war die Vorbereitung von Vortr\u00e4gen und Workshops. 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