{"id":42,"date":"2006-08-24T22:38:10","date_gmt":"2006-08-24T20:38:10","guid":{"rendered":"http:\/\/ollmetzer\/?p=42"},"modified":"2010-05-24T15:42:14","modified_gmt":"2010-05-24T13:42:14","slug":"mobile-%e2%80%93-einfach-unserios","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ollmetzer.com\/?p=42","title":{"rendered":"Mobile \u2013 Einfach unseri\u00f6s?"},"content":{"rendered":"<p>Ich hatte soeben einen kleinen Chat auf ICQ mit einem langj\u00e4hrigen Bekannten dar\u00fcber, was wir beide denn gerade so tun. Als ich ihm das Thema meiner Diplomarbeit nannte, meinte er recht schnell, das das alles an ihm vorbeigeht. Zugegeben, das geht vielen so.<\/p>\n<p>Schlimm daran finde ich, da\u00df das Thema &#8222;mobile&#8220; f\u00fcr ihn generell negativ besetzt ist. Dabei ist er kein dr\u00f6ger Technikverweigerer, sondern selbst Entwickler. Er schreibt momentan ein ziemlich effizientes AJAX-Framework. Der Grund f\u00fcr seine Abneigung ist die Klingeltonbranche, insbesondere die Werbung, das Gesch\u00e4ftsgebaren einiger Firmen und die Produkte an sich. Er formulierte das (freundlicher als es gemeint war) so: &#8222;kostenintensive Spielerei ohne N\u00e4hrwert&#8220;.<\/p>\n<p>Die Erfahrung habe ich schon \u00f6fter gemacht. Als ich auf der Suche nach Autoren f\u00fcr einen handybasierten Kurzgeschichtenservice war, erntete ich ziemliche Skepsis. Ich wollte Autoren einfach eine zus\u00e4tzliche, neue Publikationsplattform bieten. Die anvisierte Zielgruppe: Erwachsene mit Interesse am Lesen. Die angesprochenen Autoren waren jedoch alles andere als begeistert &#8211; sie hatten Angst um ihr Image, wenn ihre Geschichten auf dem Handy erscheinen. Einer sagte mir direkt ins Gesicht, da\u00df er &#8222;diese ganze Abzocke mit den Handies&#8220; ohnehin am liebsten verbieten w\u00fcrde. Anmerkung: Der Mann hat Kinder mit Handies&#8230;<\/p>\n<p>Das extrem negative Image der Klingeltonbranche f\u00e4rbt auf den ganzen (potentiellen) Markt ab und hemmt die Entwicklung. Weil das Image mies ist, und aus Angst, aus Versehen teure Abos zu bestellen, die man schwer wieder los wird, will niemand mobile Dienste nutzen. Aber auch die Netzbetreiber kommen bei der Beurteilung durch ihre Kunden nicht gut weg. Horst Evers brachte dies in einem Sketch auf den Punkt: Wer auf einer Party l\u00e4stigen Smalltalk effektiv beenden will, solle einfach behaupten, er w\u00e4re &#8222;Telefontarifdesigner&#8220;. Das Gegen\u00fcber wird sich so schnell es geht abwenden und ein anderes Opfer suchen.<\/p>\n<p>Weil die Abneigung gegen das Medium so stark ist, werden kaum sinnvolle und seri\u00f6se Dienste entwickelt. Ohne sinnvolle Serviceangebote wird sich die Meinung zu dem Medium kaum \u00e4ndern. Wenn das Image so schlecht ist &#8211; wie k\u00f6nnen sich seri\u00f6se mobile Anwendungen durchsetzen?<\/p>\n<p>Sie werden sich durchsetzen, aber langsam. Ein kurzer Blick zur\u00fcck:<br \/>\nVor fast 25 Jahren kaufte ich meinen ersten Computer. In den 80er Jahren besa\u00df ich klassische Ger\u00e4te wie den &#8222;ZX81&#8220;, den &#8222;ZX Spectrum&#8220; oder den &#8222;C64&#8220;. F\u00fcr Viele aus meiner Generation er\u00f6ffneten sich mit der neuen Technik neue Horizonte und wir schauen heute gerne mit verkl\u00e4rtem Blick auf &#8222;die goldene Zeit der Heimcomputer&#8220; zur\u00fcck. <\/p>\n<p>Ich kann mich jedoch auch noch sehr gut an die Vorurteile erinnern, die f\u00fcr lange, lange Zeit mit diesem Hobby verbunden waren. &#8222;Computer sind schlecht&#8220;. Sie degradieren Menschen zu Zahlen und dienen der Unterdr\u00fcckung des Individuums. Sie steuern Atomraketen und andere High-Tech Waffen. Computer zerst\u00f6ren Arbeitpl\u00e4tze. Alles schlecht, alles &#8222;b\u00e4h&#8220;. Computer waren nichts f\u00fcr normale Menschen. Wer sich dennoch freiwillig mit diesen wiederw\u00e4rtigen Kisten auseinandersetzte, konnte nicht ganz klar im Kopf sein. Programmieren war nur etwas f\u00fcr h\u00e4\u00dfliche, dicke, unsportliche und verpickelte Jungs mit sozialer Dysfunktionalit\u00e4t und sexuellen St\u00f6rungen. <\/p>\n<p>Heute nutzen \u00fcber 60 Prozent der Deutschen das Internet. Es kann also nicht alles so schlecht sein.<br \/>\nDer langsame Sinneswandel wurde durch immer neue, sinnvolle Anwendungen erzielt. Erst schreiben (Wordstar) und rechnen (Visicalc), hier und dort eine kleine Datenbank (dBase II), sp\u00e4ter einfacher Computersatz (Desk Top Publishing), Kommunikation per E-Mail und letzlich die ganze Spannbreite an Multimedia &#8211; Grafik, Musik, Video.<\/p>\n<p>Der Schl\u00fcssel: Sinnvolle Anwendungen! Eine nach der anderen. Anwendungen mit Mehrwert f\u00fcr Erwachsene.<\/p>\n<p>&#8222;Jaja Du Schlaumeier. Und was soll das sein?&#8220; h\u00f6re ich schon. Gemach, wir arbeiten dran.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hatte soeben einen kleinen Chat auf ICQ mit einem langj\u00e4hrigen Bekannten dar\u00fcber, was wir beide denn gerade so tun. Als ich ihm das Thema meiner Diplomarbeit nannte, meinte er recht schnell, das das alles an ihm vorbeigeht. Zugegeben, das geht vielen so. 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