{"id":4644,"date":"2022-10-10T20:15:56","date_gmt":"2022-10-10T18:15:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ollmetzer.com\/?p=4644"},"modified":"2022-10-15T13:01:37","modified_gmt":"2022-10-15T11:01:37","slug":"vintage-computing-festival-berlin-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ollmetzer.com\/?p=4644","title":{"rendered":"Vintage Computing Festival Berlin 2022"},"content":{"rendered":"\n<p>Nachdem das <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/vcfb.de\/2022\/\" target=\"_blank\">Vintage Computing Festival Berlin<\/a> im letzten Jahr nach der Corona Zwangspause noch etwas verhalten ausfiel, war dieses Jahr die Beteiligung wieder zahlreicher und das Programm recht spannend. Selbst ich als &#8222;Veteran&#8220; (siehe meine Berichte von <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"\/?p=2406\" target=\"_blank\">2014,<\/a> <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"\/?p=2573\" target=\"_blank\">2015,<\/a> <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"\/?p=2682\" target=\"_blank\">2016,<\/a> <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"\/?p=3014\" target=\"_blank\">2017<\/a> und <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"\/?p=3748\" target=\"_blank\">2019<\/a> ) habe noch viel neues gelernt. Das gilt sowohl f\u00fcr die Ausstellungen, als auch f\u00fcr die Vortr\u00e4ge, die dank dem Chaos Computer Club unter <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/media.ccc.de\/c\/vcfb22\" target=\"_blank\">https:\/\/media.ccc.de\/c\/vcfb22<\/a> abrufbar sind.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Ausstellung fand ich z.B. ein Ger\u00e4t, das ich noch nie live gesehen hatte: Den BBC Micro Master. Schon der normale <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/BBC_Micro\" target=\"_blank\">Acorn BBC Microcomputer<\/a> von 1981 war seinerzeit in Deutschland kaum zu finden, aber in Gro\u00dfbritannien ist fast jeder damit in der Schule in Kontakt gekommen. Den normalen BBC Micro Model B hatte ich zwar schon ein paar mal gesehen, aber nun stand auch die gr\u00f6\u00dfere &#8222;Lehrerversion&#8220; daneben. Sie zeichnet sich durch gr\u00f6\u00dfere Tastatur, Modulports und mehr Speicher aus und sie konnte bereits damals mit den Rechnern der Sch\u00fcler vernetzt werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"358\" src=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_BBC-640x358.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4647\" srcset=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_BBC-640x358.jpg 640w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_BBC-768x429.jpg 768w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_BBC.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption>BBC Micros: Master und Model B<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein weiteres historisches Ger\u00e4t aus dem Jahr 1982 konnte ich ebenfalls live sehen: Den Grid Compass. Das war der erste Notebook, der seinerzeit sogar im Space Shuttle zum Einsatz kam. Er war zwar bereits mit einem Intel 8086 Prozessor ausgestattet, hatte aber ein eigenes propriet\u00e4res Betriebssystem und war mit seinem 320&#215;240 Pixel Elektrolumiszenz-Display und dem 340KB Magnetblasenspeicher technisch durchaus ungew\u00f6hnlich. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"480\" src=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_GRID_Compass-640x480.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4655\" srcset=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_GRID_Compass-640x480.jpg 640w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_GRID_Compass-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_GRID_Compass.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption>GRID Compass von 1982<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Eine in mehrfacher Hinsicht gr\u00f6\u00dfere L\u00fccke in meinem Computerwissen sind die Deutschen Computerhersteller der 60er bis 80er Jahre. Sicherlich &#8211; da\u00df Siemens Gro\u00dfrechner hergestellt hat und es eine sehr erfolgreiche Firma mit dem Namen Nixdorf gab, war mit bekannt &#8211; aber &#8222;Computer Technik M\u00fcller&#8220; (<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/CTM_Computer\" target=\"_blank\">CTM<\/a>)? <br><br>Das klingt wie der kleine PC Schrauber aus der n\u00e4chsten Seitenstra\u00dfe. Doch weit gefehlt. Die Firma war zeitweise nach Umsatz der zweitgr\u00f6\u00dfte Computeranbieter in Deutschland nach Nixdorf und noch deutlich vor IBM oder Digital Equipment!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"480\" src=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_CTM70-640x480.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4645\" srcset=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_CTM70-640x480.jpg 640w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_CTM70-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_CTM70.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption>CTM 70 von 1974<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"480\" src=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_CTM_9016-640x480.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4646\" srcset=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_CTM_9016-640x480.jpg 640w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_CTM_9016-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_CTM_9016.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption>Sieht aus wie ein PC &#8211; ist aber keiner. CTM 9016 aus den 80ern<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Es gab damals f\u00fcr 15-20 Jahre eine gar nicht mal so kleine Nische im Computerbereich, die von deutschen Computerherstellern gut bedient wurde: Die sogenannte <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mittlere_Datentechnik\" target=\"_blank\">mittlere Datentechnik<\/a> machte Datenverarbeitung auch f\u00fcr mittelst\u00e4ndische Unternehmen bezahlbar, f\u00fcr die die gro\u00dfen Computer unerschwinglich waren. Typische Aufgaben waren Lohn- und Finanzbuchhaltung und Fakturierung. Die Systeme wurden meist als Komplettl\u00f6sung verkauft. Erst in den 80er Jahren wurde diese Nische durch die standardisierten und immer g\u00fcnstigeren und leistungsf\u00e4higeren Personalcomputer besetzt, was zum Ende der Nixdorf\/CTM-\u00c4ra und in der Konsequenz zum Ende der Computerentwicklung in Deutschland f\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein kleines aber feines Projekt stellte <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.e-basteln.de\/computing\/\" target=\"_blank\">J\u00fcrgen M\u00fcller<\/a> vor. Er hat sich mit der <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Automatic_Computing_Engine\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Automatic Computing Engine<\/a> befasst, die Alan Turing in den 1940er Jahren konzipiert hat. Daraus hat er ein sowohl technisch interessantes, als auch optisch sch\u00f6nes Funktionsmodell &#8211; den Tiny ACE &#8211; gebaut, das kleinere Programme ablaufen lassen kann. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"480\" src=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_Tiny_ACE-640x480.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4651\" srcset=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_Tiny_ACE-640x480.jpg 640w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_Tiny_ACE-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_Tiny_ACE.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption>Tiny ACE &#8211; mit Ultraschallspeicher, &#8222;Lochkartenleser&#8220; und Telefonw\u00e4hlscheibe zum Debugging(!)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Aus heutiger Sicht besonders bemerkenswert ist das Konzept, den Arbeitsspeicher als Ultraschall Verz\u00f6gerungsleitungen zu bauen. Im Original waren das 1,5m lange R\u00f6hren, die mit Quecksilber gef\u00fcllt waren. Daraus ergab sich, dass bei der Programmierung nicht direkt auf Speicheradressen zugegriffen werden kann, sondern stattdessen mittels korrektem Timing darauf gewarten werden muss, bis der entsprechende &#8222;Speicherplatz&#8220; anliegt. Das macht die Programmierung sehr ungew\u00f6hnlich und kompliziert.<\/p>\n\n\n\n<p>Das wirklich verbl\u00fcffende an dem Tiny ACE ist nun, dass neben konventionellen 74xx Logikbausteinen tats\u00e4chlich drei Ultraschall-Umlaufspeicher verwendet werden. Sie basieren auf kleinen Glaspl\u00e4ttchen und wurden fr\u00fcher in Fernseher zur Erzeugung des PAL Signals verwendet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sonstige Ausstellungsst\u00fccke<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es gab so viele interessante Ausstellungsst\u00fccke, dass ich hier nur kurz eine unvollst\u00e4ndige Auflistung wiedergeben kann. Angefangen beim Game-Room in dem man historische Computer und Telespiele ausprobieren konnte, \u00fcber diverse Heimcomputer, einen halben Raum voller Apple vom Apple III \u00fcber Lisa bis zu Macs aus allen Generationen &#8211; und sogar die iPods sind mittlerweile bereits retro. Weiterhin gab es eine Original PDP-8 mitsamt Terminal und Telex zu sehen, auf der OS8 lief, zwei Rechner von Telefunken und AEG, die fr\u00fcher bei der Bundeswehr eingesetzt wurden. Ich habe mir an einem VT101 Terminal (ca. 1980) \u00fcber einen in der TU Berlin <a href=\"https:\/\/fritzler-avr.de\/spaceage2\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">selbstentwickelten Computer<\/a> eine E-Mail geschickt. Ein Projekt erm\u00f6glicht es mittels Signalumsetzer alte Modems \u00fcber das Internet kommunizieren zu lassen und somit Mailbox Systeme stilecht zu betreiben, was mangels analogem Telefonnetz ansonsten nicht mehr m\u00f6glich ist. Und es gab noch viel mehr, das ich hier nicht mehr erw\u00e4hnen kann.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"480\" src=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_Bund-640x480.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4662\" srcset=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_Bund-640x480.jpg 640w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_Bund-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_Bund.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption>Computer der Bundeswehr<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"480\" src=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_OSMOCOM-640x480.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4660\" srcset=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_OSMOCOM-640x480.jpg 640w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_OSMOCOM-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_OSMOCOM.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption>Analoge Telefone und DF\u00dc \u00fcber Internet<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Kurztagung Hard Bit Rock \u2013 Computer und Musik<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Neben den Ausstellungen und Vortr\u00e4gen gab es auch in diesem Jahr wieder eine Kurztagung. Dieses Mal ging es um das weite Feld &#8222;Computer und Musik&#8220;. Diese Kombination ist heutzutage nat\u00fcrlich alles andere als ungew\u00f6hnlich. Die meisten Musikproduktionen werden heute zumindest im Computer abgemischt und gemastert und volldigitale Produktionen sind im Zeitalter von Digital Audio Workstations und Plugins normal. Solch ein digitales Studio habe ich auch zu Hause. Dennoch waren die Vortr\u00e4ge und Darbeitungen interessant und zum Teil auch verbl\u00fcffend. <\/p>\n\n\n\n<p>Zu Beginn gab Rainer Siebert einen umfassenden \u00dcberblick \u00fcber die Entwicklung der digitalen Klagsynthese und \u00fcberraschte mich mit vielen Details, wie damit, dass PCM (Pulse Code Modulation) bereits 1921 als optomechnisches Verfahren erfunden wurde und das erste 5 Bit Sampling schon 1937 durchgef\u00fchrt wurde, noch bevor es \u00fcberhaupt einsatzf\u00e4hige Digitalrechner gab. Die thematische Tour de force endete mit dem Durchbruch der Digitalsysthesizer der Gro\u00dfserienhersteller Yamaha, Casio und Roland in den 80er Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vorf\u00fchrungen Computer und Musik &#8211; verbl\u00fcffend analog<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zwei der praktischen Vorf\u00fchrungen fand ich aufgrund der extrem originellen Setups bemerkenswert. Beide Male kamen Computer bei der Klagerezugung zum Einsatz &#8211; aber v\u00f6llig anders als bei heute \u00fcblichen digitalisierten Studios.<br><br>Am ersten Tag f\u00fchrte <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.hainbachmusik.com\/\" target=\"_blank\">Hainbach<\/a> im Medientheater vor, wie man mit einem Sinusgenerator, einer analogen Bandmaschine, einem Casiotone und einem <a href=\"https:\/\/www.hpmuseum.net\/display_item.php?hw=36\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">HP87 Computer<\/a> aus dem Jahr 1982 interessante Soundloops erzeugen kann. Was das Setup wirklich speziell macht: Bis auf den kleinen Casiotone war keines dieser Ger\u00e4te f\u00fcr musikalische Anwendungen vorgesehen. Es handelt sich vielmehr um alte, fr\u00fcher s\u00fcndhaft teure analoge messtechnische Ger\u00e4te. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Bandmaschine wurde f\u00fcr die analogen Messdatenaufzeichnung z.B. von Schwingungsversuchen im Flugzeugbau verwendet. Daher hat sie im Gegesatz zu normalen Tonbandmaschinen einige Besonderheiten: Einen extrem starken Antriebsmotor um pr\u00e4zise Bandgeschwindigkeit sicherzustellen, keinen L\u00f6schkopf, damit wichtige Daten nicht versehentlich gel\u00f6scht werden, und die M\u00f6glichkeit in verschiedenen Geschwindigkeiten vor- und r\u00fcckw\u00e4rts zu laufen. Und sie hat ein Interface \u00fcber das Steuersignale \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p> <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"480\" src=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_Hainbach-640x480.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4656\" srcset=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_Hainbach-640x480.jpg 640w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_Hainbach-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_Hainbach.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption>Hainbach in Aktion mit Sinusgenerator, Messwertrekorder und Laborcomputer<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Computer ist wiederum kein PC, sondern ein Spezialrechner zur Steuerung von Laborger\u00e4ten &#8211; in diesem Fall der Bandmaschine. In der Vorf\u00fchrung sorgte ein kleines Basicprogramm daf\u00fcr, dass das Band mit verschiedenen Geschwindigkeiten zun\u00e4chst vorw\u00e4rts, dann r\u00fcckw\u00e4rts zum Ausgangspunkt l\u00e4uft und das ganze stetig wiederholt. W\u00e4hrenddessen wird mit dem Sinusgenerator ein Signal erzeugt und dieses manuell in der Frequenz ge\u00e4ndert. Durch die \u00dcberlagerung der verschiedenen Frequenzen und der Rhythmik der st\u00e4ndig ver\u00e4nderten Bandlaufs entstanden interessante Klangschleifen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als im zweiten Durchlauf anstelle des Sinusgenerators der kleine Casio als Signalquelle verwendet wurde, steigerte das f\u00fcr mich die inhaltliche Qualit\u00e4t nochmals deutlich. Die Veranstaltung ist auf Hainbachs Youtube Kanal zu sehen &#8211; inklusive erkl\u00e4render Zwischenszenen: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=9XCYEejQfy8\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Endgame Tape Music Techniques: HP&#8217;s Computer Controlled Reel-To-Reel<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Am zweiten Tag setzte <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/andreataeggi.com\/\" target=\"_blank\">Andrea Taeggi<\/a> weitere Akzente, indem er f\u00fcr seine Vorf\u00fchrung keinen Digitalcomputer, sondern einen <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Analogrechner\" target=\"_blank\">Analogcomputer<\/a> von <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Telefunken\" target=\"_blank\">Telefunken<\/a> aus den 60er Jahren zur Signalerzeugung nutzte. Auch hier basierten die Kl\u00e4nge auf Sinuswellen, die sich gegenseitig beeinflussten und damit sowohl den Klang, als auch die Rythmik st\u00e4ndig \u00e4nderten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist nicht v\u00f6llig ungef\u00e4hrlich, weil der Analogrechner auch mit Frequenzen jenseits des H\u00f6rspektrums arbeiten kann. Bei einigen Kl\u00e4ngen bebte das Signallabor und ich machte mir Sorgen, ob die Lautsprecher diese Belastung \u00fcberleben. Spannend fand ich hier, dass auch jenseits der zu erwartenden Sinusb\u00e4sse recht interessante Klangfarben entstanden, wie z.B. ein Anblasger\u00e4usch. Da ganze Krachen, Stampfen, Klingeln lies mich an einen Tanztheater denken.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"487\" src=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_Andrea_Taeggi-640x487.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4657\" srcset=\"https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_Andrea_Taeggi-640x487.jpg 640w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_Andrea_Taeggi-768x585.jpg 768w, https:\/\/www.ollmetzer.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/VCFB_Andrea_Taeggi.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption>Andrea Taeggi performt am Telefunken Analogcomputer<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Nach der Livevorf\u00fchrung spielte Taeggi noch einige komplexere Aufnahmen ab, die er mit Hitachi Analogcomputern in den <a href=\"https:\/\/www.willem-twee.nl\/agenda\/studios\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Willem Twee Studios<\/a> von Hans Kulk aufgenommen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vorf\u00fchrungen von Hainbach und Andrea Taeggi fand ich sowohl klanglich spannend, als auch dahingehend, den Ansatz &#8222;Computer und Musik&#8220; v\u00f6llig anders zu denken. <\/p>\n\n\n\n<p>Hainbach nutzte den Digitalcomputer nicht zur eigentlichen Erzeugung oder Berechnung des Audiosignals, sondern um indirekt \u00fcber analog-\/machnischen Umweg die Frequenzen des Signals zu beeinflussen.<\/p>\n\n\n\n<p>Taeggi liess das Audiosignal zwar von einem Computer &#8222;berechnen&#8220;, aber eben nicht von einem heutzutage \u00fcblichen Digitalcomputer, sondern von einem alten Analogcomputer, mit dem in den 60er Jahren Diffentialgleichungen gel\u00f6st wurden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00f6n, dass auch in diesem Jahr wieder das Vintage Computing Festival durchgef\u00fchrt werden konnte. Obwohl die Vorzeichen nicht so gut waren (R\u00fcckkehr aus dem Deutschen Technikmuseum in die Humboldt Universit\u00e4t, Corona Nachwehen, zwei wichtige Menschen aus der Organisation sind nicht mehr in Berlin, &#8230;) waren sowohl die Exponate, als auch die Vortr\u00e4ge und Vorf\u00fchrungen sehr interessant. Zudem habe ich Bekannte wiedergetroffen und nett gefachsimpelt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem das Vintage Computing Festival Berlin im letzten Jahr nach der Corona Zwangspause noch etwas verhalten ausfiel, war dieses Jahr die Beteiligung wieder zahlreicher und das Programm recht spannend. Selbst ich als &#8222;Veteran&#8220; (siehe meine Berichte von 2014, 2015, 2016, 2017 und 2019 ) habe noch viel neues gelernt. 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