{"id":510,"date":"2008-12-06T18:44:00","date_gmt":"2008-12-06T17:44:00","guid":{"rendered":"http:\/\/ollmetzer\/?p=510"},"modified":"2010-06-21T19:04:20","modified_gmt":"2010-06-21T17:04:20","slug":"entwicklungsstadien-von-virtual-communities","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ollmetzer.com\/?p=510","title":{"rendered":"Entwicklungsstadien von Virtual Communities"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin kein Freund von geschlossenen Communitysystemen. StudiVZ hat mich von Anfang an abgeschreckt. Das Vorbild Facebook nervt mich aber mindestens genauso. Ich habe auch damals mit dem Cycosmos wenig anfangen k\u00f6nnen. Mich st\u00f6ren vor allem zwei Dinge:<\/p>\n<ul>\n<li>Die explizite und implizite Profilierung der Nutzer, die Grundlage des Gesch\u00e4ftsmodells ist.<\/li>\n<li>Leute, die \u00fcberwiegend innerhalb dieser Walled Gardens kommunizieren sind kaum noch zu erreichen, wenn man nicht selber Mitglied ist.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Als ich dar\u00fcbe ein wenig nachdachte, fiel mir auf, da\u00df wir mittlerweile auf der 4. Evolutionsstufe der Virtual Communities angelangt sind &#8211; und da\u00df es sicherlich eine weitere Entwicklung geben wird. Von daher habe ich Hoffnung, da\u00df doch noch alles gut wird. ;-)<br \/>\nDie Frage ist nun, wie die n\u00e4chste Evolutionsstufe aussehen kann. Im Fokus meiner Betrachtung stehen hier \u00fcbrigens &#8217;normale&#8216; private Nutzer und nicht Organisationen, die \u00fcber viele Ressourcen verf\u00fcgen. Daher ist das Internet in dieser Betrachtung auch erst ab Mitte der 90er Jahre von Interesse.<\/p>\n<p><strong>Stufe 0: Direkter Informationsaustausch<\/strong> (seit Ende der 70er Jahre)<\/p>\n<p>Besitzer der ersten Heimcomputer wollten einen schnellen und einfachen Austausch von Informationen und Daten zwischen Computern an r\u00e4umlich entfernten Orten. Sie nutzten dazu die Datenfern\u00fcbertragung per Modem \u00fcber das Telefonnetz.<br \/>\n<u>Positiv:<\/u><br \/>\nEffizienter Austausch zwischen zwei Systemen.<br \/>\n<u>Negativ:<\/u><br \/>\nDa per Telefon immer nur eine 1:1 Verbindung zustande kommen kann, wird es schwierig, wenn sich mehrere Menschen austauschen wollen. Es ist einfach nicht praktikabel, alle Kommunikationspartner nacheinander zu verbinden. <\/p>\n<p><strong>Stufe 1: Geschlossene Gruppen<\/strong> (80er Jahre)<\/p>\n<p>Um diesen Nachteil auszugleichen, entstanden geschlossene Systeme mit einem zentralen Hub. Die m\u00f6glichen Kommunikationswege werden dadurch erheblich vereinfacht. Jeder Kommunikationspartner stellt nur noch eine Verbindung zu dem Zentralsystem her, die er im Anschluss an den Datenaustausch wieder abbricht. Die Verteilung der Information unter den verschiedenen Teilnehmern \u00fcbernimmt das Zentralsystem. Es gab viele unterschiedliche Arten dieser Systeme; staatliche (BTX, Minitel, Prestel), kommerzielle (Compuserve, AOL) und enorm viele private Mailboxen.<br \/>\n<u>Positiv:<\/u><br \/>\nEine einfache Kommunikation zwischen allen Teilnehmern, die an dem Zentralsystem angemeldet sind<br \/>\n<u>Negativ:<\/u><br \/>\nEs war keine Kommunikation zwischen den Teilnehmern unterschiedlicher Systeme m\u00f6glich. Ein BTX-Nutzer konnte z.B. keine Nachricht an einen Nutzer von Compuserve oder einer privaten Mailbox schicken.<\/p>\n<p><strong>Stufe 2: Vernetzte Gruppen<\/strong> (ca. 1985-1995)<\/p>\n<p>Um den automatisch Austausch von Informationen unter den verschiedenen Mailboxen zu erm\u00f6glichen, wurden spezielle Protokolle und Vorgehensweisen entwickelt. Das gr\u00f6\u00dfte und bekannteste so entstandene Netzwerk war das sogenannte <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/FidoNet\"  title=\"wikipedia: FidoNet\">FidoNet<\/a> das in seinen besten Zeiten aus \u00fcber 35.000 Mailboxen auf der ganzen Welt bestand.<br \/>\n<u>Positiv:<\/u><br \/>\nKommunikation \u00fcber L\u00e4nder- und Systemgrenzen hinweg war nunmehr relativ einfach m\u00f6glich.<br \/>\n<u>Negativ:<\/u><br \/>\nEs gab nur eine beschr\u00e4nkte Anzahl von Diensten, man arbeitete im Prinzip noch immer die meiste Zeit offline und die komplette Kommunikation verlief ausschlie\u00dflich textbasiert. <\/p>\n<p><strong>Stufe 3: Internet &#8211; die v\u00f6llige Offenheit<\/strong> (seit ca. 1995)<\/p>\n<p>Mit der prinzipiellen Verf\u00fcgbarkeit des Internet verlor das Fidonet schnell an Bedeutung. An die Stelle der \u00fcberschaubaren Mailbox trat nun ein recht anonymer Zugangsprovider. Im Internet hat jeder Zugriff auf alle frei verf\u00fcgbaren Ressourcen.<br \/>\n<u>Positiv:<\/u><br \/>\nSofortiger Zugriff auf alle verf\u00fcgbaren Dienste. Grafische Benutzeroberfl\u00e4chen, wie das WWW, Multimediainhalte usw.<br \/>\n<u>Negativ:<\/u><br \/>\nKein Stallgeruch mehr. Viele Mailboxuser f\u00fchlten sich im fast grenzenlosen Cyberspace etwas verloren. Es kann auch von Nachteil sein, f\u00fcr jeden erreichbar zu sein (Spam).<\/p>\n<p><strong>Stufe 4: Geschlossene Communities im offenen Internet<\/strong> (seit ca. 2002)<\/p>\n<p>Geschlossene Communities gab es zwar schon seit Mitte der 90er Jahre, aber einen richtigen Boom gab es erst nach 2002 mit Myspace und Facebook und Businesscommunities wie Xing und LinkedIn.<br \/>\n<u>Positiv:<\/u><br \/>\nMan findet schneller gleichgesinnte oder interessante Leute.<br \/>\n<u>Negativ:<\/u><br \/>\nEs sind wieder geschlossene Systeme, die keinen echten Austausch mit Usern in anderen Communities erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p><strong>Der n\u00e4chste Schritt: Offene Communities<\/strong> (ab 2009?)<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste logische Schritt besteht m.E. eigentlich in einer Vernetzung kleiner und mittlerer Communities.  Das wird den Investoren von Myspace, Facebook, StudiVZ und anderen zwar nicht schmecken, aber ich gehe davon aus, da\u00df diese Entwicklung kommt &#8211; mit oder ohne sie. Die ersten Anzeichen, wie OpenID und OAuth existieren ja bereits. Im Gegensatz zum v\u00f6llig offenen Internet wird hier allerdings die Frage der Zugriffsrechte zentral werden. Welchen Teil meiner Daten zeige ich nur meinen Freunden, welchen Teil speziellen Gruppen und was ist \u00f6ffentlich? Die Kontrolle dar\u00fcber mu\u00df auf jeden Fall in den H\u00e4nden der Nutzer liegen.<br \/>\n<u>Positiv:<\/u><br \/>\nMan bleibt so im Regelfall &#8222;unter sich&#8220;, ist aber trotzdem global erreichbar. Man beh\u00e4lt die Kontrolle \u00fcber die eigene Erreichbarkeit.<br \/>\n<u>Negativ:<\/u><br \/>\nTja?<\/p>\n<p><strong>Fragen&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Sollte dazu m\u00f6glicherweise die Idee der Mailbox als &#8222;Heimatsystem&#8220; eine Renaissance erleben? Die eigene &#8222;Kuschelecke&#8220; im kalten Netz? Sollte man dazu Standardsoftware schaffen, damit jeder einfach ein solches System f\u00fcr seine kleine Interessengruppe gr\u00fcnden kann? So eine Art &#8222;WordPress&#8220; f\u00fcr Communities?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin kein Freund von geschlossenen Communitysystemen. StudiVZ hat mich von Anfang an abgeschreckt. Das Vorbild Facebook nervt mich aber mindestens genauso. Ich habe auch damals mit dem Cycosmos wenig anfangen k\u00f6nnen. Mich st\u00f6ren vor allem zwei Dinge: Die explizite und implizite Profilierung der Nutzer, die Grundlage des Gesch\u00e4ftsmodells ist. 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