{"id":574,"date":"2009-06-13T13:06:21","date_gmt":"2009-06-13T12:06:21","guid":{"rendered":"http:\/\/ollmetzer\/?p=574"},"modified":"2009-06-13T13:06:21","modified_gmt":"2009-06-13T12:06:21","slug":"","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ollmetzer.com\/?p=574","title":{"rendered":"\u00d6konomie des Nachrichtenwesens"},"content":{"rendered":"<p>Der Erfolg des Internets stellt ja bekanntlich die gesammte Medienindustrie auf den Kopf. Der Strukturwandel hat vor ungef\u00e4hr 10 Jahren begonnen und in den letzten Jahren so richtig an Fahrt gewonnen. Verlierer sind im Prinzip alle bisher dominierenden Medienformate. Zuerst hat es die Musikindustrie erwischt und aktuell geraten die Zeitungsverlage in ernsthafte Schwierigkeiten. Danach wird es vermutlich f\u00fcr Fernsehsender und ggf sogar Buchverlage eng.<\/p>\n<p>Diesen Niedergang haben alle Versuche der Contentindustrie, ihre potentielle Kunden zu kriminalisieren nicht aufhalten k\u00f6nnen. Daf\u00fcr gibt es gute Gr\u00fcnde. Denn die Triebfeder des Wandels ist nicht die Niedertracht des Konsumenten oder genereller kultureller Niedergang, wie sich einige Kommentatoren nicht entbl\u00f6den zu behaupten. <\/p>\n<p>Die wahre Ursache sind \u00f6konomische Verschiebungen, die im Wesentlichen aus den nahezu bei Null liegenden Transaktionskosten im Internet basieren. Wenn immer weniger Menschen Tontr\u00e4ger kaufen und stattdessen die Musik lieber im Netz saugen hat das wenig bis gar nicht mit &#8222;Kommunistischer Einstellung&#8220; zu tun, sondern ist das erzkapitalistische Prinzip, Kosten f\u00fcr Einkauf zu minimieren. Brutal f\u00fcr die Betroffenen, aber wahr. Die Erkenntnis spiegelt sich zwar in der \u00f6ffentlich gef\u00fchrten Debatte kaum wieder, ist aber bei den kompetenteren Managern mittlerweile angekommen. Alleine, was tun mit der Erkenntnis? Wie l\u00e4sst sich denn nun in der Zukunft mit Nachrichten Geld verdienen?<\/p>\n<p>Interessanterweise habe ich auf Netzwertig.com gleich zwei Artikel gefunden, die sich mit der Frage besch\u00e4ftigen, und die scheinbar zu zwei genau entgegengesetzten Ergebnissen kommen. In &#8222;<a href=\"http:\/\/netzwertig.com\/2009\/06\/05\/nachrichtengeschaeft-im-internet-warum-bezahlinhalte-nicht-funktionieren\/\"  title=\"Netzwertig: Bezahlinhalte funktionieren nicht\" target=\"netzwertig\">Warum Bezahlinhalte nicht funktionieren<\/a>&#8220; erkl\u00e4rt Marcel Weiss, weshalb es geradezu Selbstmord f\u00fcr ein Nachrichtenportal w\u00e4re, wenn sie Ihre Inhalte nur f\u00fcr zahlungswillige Kunden zug\u00e4nglich machen w\u00fcrden. In der Internet\u00f6konomie, in der es vor allem darum geht m\u00f6glichst viel Aufmerksamkeit zu akkumulieren, ist es geradezu d\u00e4mlich, potentielle Interessenten auszuschlie\u00dfen. Damit beschneidet man nur die eigene Relevanz.<\/p>\n<p>Nur f\u00fcnf Tage sp\u00e4ter kommt Andreas G\u00f6ldi in seinem Artikel &#8222;<a href=\"http:\/\/netzwertig.com\/2009\/06\/10\/medienrevolution-was-werden-die-newsmedien-der-zukunft-kosten\/#more-4691\"  title=\"Netzwertig: Kosten f\u00fcr hochwertige Inhalte\" target=\"netzwertig\">Was werden die Newsmedien der Zukunft kosten?<\/a>&#8220; aber auf der Grundlage seiner Betrachtung von Kosten und Preisbildung zu dem gegenteiligen Ergebnis: <\/p>\n<blockquote><p>&#8222;<em>Die aktuelle Situation in der Medienbranche ist eine Anomalie, die nicht langfristig aufrechtzuerhalten ist. [&#8230;] Ja, die Preise f\u00fcr Informationen werden sehr viel geringer sein als in der Vergangenheit. Aber ab einem gewissen Punkt werden wir uns daran gew\u00f6hnen m\u00fcssen, f\u00fcr hochwertige News wieder zu bezahlen.<\/em>&#8222;<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich denke, da\u00df beide Artikel stimmen. Die Zeiten der Quersubventionierung von Onlineangeboten durch Druckerzeugnisse werden sicherlich bald der Vergangenheit angeh\u00f6ren. Genauso ist klar, da\u00df es auch weiterhin eine Nachfrage nach hochwertigen Nachrichten jenseits von DPA-Recycling geben wird. Nur ist f\u00fcr mich noch nicht ganz ausgemacht, wer letztlich f\u00fcr die Kosten der Nachrichtenbeschaffung aufkommen wird: der Kunde oder der Werbetreibende. <\/p>\n<p>Bei Printerzeugnissen galt ja die Fausregel, da\u00df der Verkaufspreis die Kosten f\u00fcr Druck und Vertrieb deckt. Kosten f\u00fcr Inhalt und Gewinnmarge wurden durch Werbung finanziert. Die hohen Kosten f\u00fcr Druck und Vertrieb entfallen bei Onlinemedien und werden durch die vergleichsweise vernachl\u00e4ssigbaren Hostingkosten ersetzt. Damit ist also der Verkaufspreis obsolet. Letztlich geht es also darum, die Einnahmen durch Werbung so hoch zu setzen, da\u00df sie wie bisher die Kosten f\u00fcr Inhalt und den Gewinn decken. <\/p>\n<p>Ich gehe davon aus, da\u00df das langfristig auch gelingt &#8211; aber nur einigen wenigen gro\u00dfen Verlagen. Daneben wird es (wie auch schon jetzt) sicherlich viele kleine Special Interest Publikationen geben und massenweise Hobbypublikationen, die nicht notwendigerweise schlecht sein werden. Und auch in zuk\u00fcnftigen Medien wird h\u00f6chstwahrscheinlich &#8211; wie jetzt im Zeitschriftenmarkt &#8211; das 80\/15\/5-Prinzip gelten: 80% M\u00fcll, 15% ganz okay, 5% richtig gut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Erfolg des Internets stellt ja bekanntlich die gesammte Medienindustrie auf den Kopf. Der Strukturwandel hat vor ungef\u00e4hr 10 Jahren begonnen und in den letzten Jahren so richtig an Fahrt gewonnen. Verlierer sind im Prinzip alle bisher dominierenden Medienformate. Zuerst hat es die Musikindustrie erwischt und aktuell geraten die Zeitungsverlage in ernsthafte Schwierigkeiten. Danach wird [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-574","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medienpolitikwirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ollmetzer.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/574","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ollmetzer.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ollmetzer.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ollmetzer.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ollmetzer.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=574"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.ollmetzer.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/574\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ollmetzer.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=574"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ollmetzer.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=574"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ollmetzer.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=574"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}