{"id":594,"date":"2009-10-06T10:07:55","date_gmt":"2009-10-06T09:07:55","guid":{"rendered":"http:\/\/ollmetzer\/?p=594"},"modified":"2009-10-06T10:07:55","modified_gmt":"2009-10-06T09:07:55","slug":"","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ollmetzer.com\/?p=594","title":{"rendered":"Internet &#8211; Das Ende der Offenheit und Gleichheit?"},"content":{"rendered":"<p>Seit langem bef\u00fcrchte ich, da\u00df die Offenheit des Internets bald der Vergangenheit angeh\u00f6ren wird. Das liegt vor allem daran, da\u00df es heutzutage von anderen Menschen und f\u00fcr andere Zwecke genutzt wird, als es urspr\u00fcnglich gedacht war. Den gro\u00dfen Boom vor der \u00d6ffnung f\u00fcr die Allgemeinheit Mitte der 90er hat das Internet als internationales Austauschmedium f\u00fcr Wissenschaftler erlebt. <\/p>\n<p>Niemand hat bei der Entwicklung von E-Mail an das Problem Spam oder an Identit\u00e4tsdiebstahl gedacht. Jeder konnte und durfte jedem beliebigen anderen eine Mail schicken. Jeder konnte per Usenet an allen beliebigen Diskussionen teilnehmen. Die Grundidee des WWW war, da\u00df alle Beteiligten gleichberechtigt Forschungsergebnisse ver\u00f6ffentlichen konnten. Niemand hat an Copyrightprobleme oder auf den Kopf gestellte Verwertungsketten von Medienunternehmen gedacht &#8211; wozu auch? Alle Dienste basierten auf der Grundidee von Gleichheit, Offenheit und freiem Austausch.<\/p>\n<p><strong>Starke Interessengruppen gegen Offenheit und Gleichheit<\/strong><\/p>\n<p>Nun, da das Internet zum Massenmedium geworden ist, ist das zugrundeliegende Prinzip der Offenheit und Gleichheit sehr vielen einflussreichen Gruppen ein Dorn im Auge. Viele betrachten den Siegeszug des Internet sogar als gef\u00e4hrliche Fehlentwicklung &#8211; was im Grunde schon viel \u00fcber der Zustand unserer Demokratie sagt.<\/p>\n<p>Das Prinzip der Gleichheit bedroht beispielsweise Medienkonzerne in ihrer Existenz. Jeder, der m\u00f6chte, kann heutzutage ver\u00f6ffentlichen. Sicher hat Spiegel Online wesentlich mehr Leser als Herr Ollmetzer und ist wirtschaftlich auch recht erfolgreich, aber der Nimbus des Qualit\u00e4tsjournalismus ist fl\u00f6ten und es steht ein mediales Massensterben an. Die Einzigen die noch an &#8222;Qualit\u00e4tsjournalismus&#8220; und Meinungsmacht glauben, sind \u00e4ltere Herrschaften im Medienbereich, die sich selbst f\u00e4lschlicherweise noch als eine Art Elite (in welcher Beziehung auch immer) wahrnehmen. Bl\u00f6d bloss, da\u00df das breite Teile der Bev\u00f6lkerung mittlerweile anders beurteilen. Das Ergebnis ist schwindender Einfluss auf die \u00f6ffentliche Meinung und das Wegbrechen der Einnahmen in erheblichem Ausmass.<\/p>\n<p>Der Beispiele gibt es viele, man kann es aber auch kurz so zusammenfassen: Die bisherige F\u00fchrungsschicht aus Politikern, Wirtschaftsleuten und Medienunternehmen sieht ihren Einfluss und damit ihre Existenzberechtigung in Frage gestellt. Genau aus diesem Grund wird auf allen erdenklichen Ebenen versucht, die Grundprinzipien des Internet zu diskreditieren (Berichterstattung zu &#8222;Kinderporno&#8220;, Terroristen etc.) aufzuweichen (u.a. Rechtsprechung zu St\u00f6rerhaftung), zu demontieren (Netzsperren, Verletzung der Netzneutralit\u00e4t) oder schlicht zu illegalisieren (Radikalisierung des Urheberrechts).<\/p>\n<p><strong>Neu &#8211; Nutzer weniger an Offenheit und Gleichheit interessiert<\/strong><\/p>\n<p>Diese Tendenzen sind sch\u00e4dlich, demokratiefeindlich und nicht neu, obwohl die Sch\u00e4rfe der Angriffe immer mehr zunimmt. Neu ist in meinen Augen aber, da\u00df sich auch immer mehr Nutzer freiwillig von den Vorz\u00fcgen des offenen Netzes verabschieden. Und das gibt mir wirklich zu denken. Immer mehr Nutzer lassen sich freiwillig von den neuen gro\u00dfen Medienkonzernen einwickeln und geben freiwillig immer mehr Rechte ab. Die Gr\u00fcnde sind nach meiner Beobachtung Gedankenlosigkeit, Geiz und Bequemlichkeit.<\/p>\n<p>Google Mail ist z.B. ein Dienst, der von vielen sehr gerne genutzt wird. Er ist kostenlos und sehr bequem zu nutzen. Leider beh\u00e4lt sich Google das Recht vor, alle Briefe mitzulesen. In meine Augen ein K.O.-Kriterium &#8211; eon absolutes No-Go. Aber Millionen Menschen scheint das v\u00f6llig schnuppe zu sein. Meine Mails auf meinem eigenen Server kann Google zumindest nicht mitlesen (die Telcos und Ermittlungsbeh\u00f6rden k\u00f6nnen es &#8211; aber das ist eine andere Baustelle).<br \/>\nAber viele junge Leute nutzen Mails ohnehin nicht mehr. Entweder Chatten sie, oder sie schreiben sich Nachrichten nur noch innerhalb geschlossener Communities, wie Facebook.<\/p>\n<p>Gleichzeitig kommen Entwicklungen, die dem engegenwirken sollen (offene Chatsysteme, wie Jabber, Mashups, OpenId, \u00fcbertragbare Nutzerprofile, etc.) in der breiten Masse \u00fcberhaupt nicht an, weil hier scheinbar gar kein Bed\u00fcrfnis versp\u00fcrt wird. Was man hier erlebt, ist ein Rollback &#8211; von geschlossenen Systemen, wie BTX und Compuserve \u00fcber offenes Internet wieder zur\u00fcck zu geschlossenen System, die die Kommunikation einfangen und kontrollieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Noch neuer &#8211; selbst ich denke \u00fcber geschlossene Systeme nach<\/strong><\/p>\n<p>Aber selbst mir wird das mit der Offenheit mittlerweile zu viel. Obwohl ich ja scheinbar ein gewisses Sendungsbed\u00fcrfnis habe (sonst w\u00fcrde ich nicht bloggen), m\u00f6chte ich nicht, da\u00df jeder alles von mir mitbekommt oder mich einfach ungefragt jeder kontaktieren kann. <\/p>\n<p>Problemfall E-Mail: Ich hatte vor einiger Zeit eine kleine Statistik erstellt. 97,5% aller E-Mails die ich bekomme sind Spam. Selbst mit Filtern kommt noch so viel M\u00fcll durch, da\u00df ich pro Tag mindestens 10-20 Minuten Mails ausmisten muss. Das offene System E-Mail ist daher in meinen Augen zunehmend unbrauchbar. Allein &#8211; ich habe noch keine echte Alternative dazu.<\/p>\n<p>Problemfall Twitter: Twitter fand ich eine Zeit lang recht lustig &#8211; solange man unter normalen Menschen war. Findet man jemanden interessant, h\u00f6rt man dessen Gezwitscher zu, ansonsten eben nicht.<br \/>\nIn letzter Zeit nutzen aber immer mehr Firmen twitter. Die Ungeschickteren versuchen Zuh\u00f6rer f\u00fcr ihre Werbebotschaften zu finden. Das kann man leicht ignorieren. Die Geschickteren haben aber erkannt, da\u00df man bei Twitter vor allem zuh\u00f6ren muss &#8211; und das tun sie. Kaum habe ich eine Nachricht geschrieben, schon habe ich neue Follower, weil sie auf ein bestimmtes Schl\u00fcsselwort reagieren. Das Paradebeispiel von heute: Ich schreibe (f\u00fcr meine handvoll echter Follower), da\u00df ich beim Augenarzt war, schon habe ich einen Kontaktlinsenversand als Follower. Andere Beispiel daf\u00fcr sind: Otto, Kaufland, Discount24, Welt Online, und etliche zwielichtige Accounts. Klar kann ich die Blocken, aber ich will das einfach nicht mehr. Es nervt!<br \/>\nTwitter steht daher bei mir schon wieder auf der Abschussliste.<\/p>\n<p><strong>Gesucht: Kontrollierte Offenheit bzw. Microcommunities<\/strong><\/p>\n<p>Was ich vermisse sind Dienste, die vor allem mir und meinen Freunden (Gesch\u00e4ftspartnern, Vereinsmitgliedern, oder sonstigen Kontakten) offen stehen &#8211; Microcommunities sozusagen. Leider hat sich gezeigt, da\u00df diese i.d.R. nicht lange \u00fcberlebensf\u00e4hig, weil die Masse eben zu klein ist und der Austausch irgendwann stagniert. Zudem ergibt sich ein Problem mit der Abgrenzung. Nehmen wir an, man ist in mehereren Communities Mitglied (z.B. Ehemalige Absolventen, der Ruderverein, eine Elterncommunity und zwei- oder drei Berufs- und fachspezifische Dienste). Dann m\u00fcsste man sich regelm\u00e4\u00dfig in 5 oder 6 verschiedene Syteme einloggen und nach Neuigkeiten suchen. Zudem w\u00e4re kein direkter Austausch zwischen Mitgliedern verschiedener Communities m\u00f6glich. <\/p>\n<p>Diese beiden Nachteile von Microcommunities sind die Vorteile f\u00fcr Facebook und co. Es ist ja ohnehin schon fast jeder dort &#8211; also meldet man sich auch schnell an, sucht seine Kontakte zusammen und gut ists. Blo\u00df f\u00fcttert man damit leider wieder den Datenkraken.<\/p>\n<p><strong>M\u00f6gliche L\u00f6sungsans\u00e4tze<\/strong><\/p>\n<p>Seit einiger Zeit spukt mir die Idee von vernetzten Microcommunities im Kopf herum. Jede kleine Interessengruppe sollte selbst ein solches System aufsetzen k\u00f6nnen. Das muss so leicht gehen, wie einen Blog einzurichten. Also entweder eine Websoftware \u00c3\u00a1 la WordPress auf einen Standardaccount aufsetzen oder bei einem Dienstleister \u00c3\u00a1 la blogger.com oder wordpress.com anmelden.<br \/>\nDer entscheidende Erfolgsfaktor w\u00e4re dann, da\u00df man mit demselben Account auch andere entsprechende Microcommunities nutzen kann. Das Ganze ist also prim\u00e4r eine Frage der Schnittstellen und einer schmucken, einfachen Webanwendung.<\/p>\n<p>Feedback dazu ist nat\u00fcrlich ausdr\u00fccklich erw\u00fcnscht ;-)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit langem bef\u00fcrchte ich, da\u00df die Offenheit des Internets bald der Vergangenheit angeh\u00f6ren wird. Das liegt vor allem daran, da\u00df es heutzutage von anderen Menschen und f\u00fcr andere Zwecke genutzt wird, als es urspr\u00fcnglich gedacht war. 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