{"id":632,"date":"2010-01-29T20:19:50","date_gmt":"2010-01-29T19:19:50","guid":{"rendered":"http:\/\/ollmetzer\/?p=632"},"modified":"2010-01-29T20:19:50","modified_gmt":"2010-01-29T19:19:50","slug":"","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ollmetzer.com\/?p=632","title":{"rendered":"Apples iPad: alt, langweilig, \u00fcberfl\u00fcssig, b\u00f6se und wahrscheinlich erfolgreich"},"content":{"rendered":"<p>Diese Woche liess &#8222;His Steveness&#8220; die Katze aus dem Sack: Das iPad wurde vorgestellt. Die Medien \u00fcberschlugen sich vor Begeisterung und die Technikj\u00fcnger waren entt\u00e4uscht. Ich z\u00e4hle mich dann doch eher zur letzteren Fraktion. Nachdem sich der Trubel ein wenig gesetzt hat, verfestigt sich bei mir die Meinung, da\u00df das iPad, alt, langweilig, \u00fcberfl\u00fcssig und b\u00f6se ist, aber wahrscheinlich richtig erfolgreich wird. Nachdem ich die Gr\u00fcnde im Einzelnen erl\u00e4utert habe, werde ich aber auch noch kurz die Gegenposition anreissen:<\/p>\n<p>Die Idee ist <strong>alt<\/strong><br \/>\nTablet-PCs gibt es schon seit Jahren. Vor ungef\u00e4hr 10 Jahren hatten wir bei der Agentur, f\u00fcr die ich damals t\u00e4tig war bereits einen Tablet-Prototypen, den ein Energiekonzern vermarkten wollte. Die Idee war dieselbe: Internet f\u00fcr Couch-Potatoes. Seitdem hat es gef\u00fchlte 1000 weitere erfolglose Versuche gegeben, diese Ger\u00e4tegattung zu etablieren.<\/p>\n<p>Das iPad ist <strong>langweilig<\/strong><br \/>\nEs bietet keine \u00dcberraschungen, keine innovative Displaytechnik und generell eigentlich nichts, was Technikfans irgendwie hinter dem Ofen vorlocken k\u00f6nnte. Ich kann damit nichts tun, was ich mit einem Netbook oder schlankem Notebook nicht auch tun k\u00f6nnte. Im Gegenteil &#8211; es kann viel weniger, als die Technik, die wir schon haben.<\/p>\n<p>Das iPad ist <strong>\u00fcberfl\u00fcssig<\/strong><br \/>\nIch habe einen Desktoprechner, einen gro\u00dfen Laptop, ein Netbook, ein Smartphone f\u00fcr das Internet unterwegs und ein richtiges Handy zum Telefonieren. Mit so &#8217;nem kastrierten Couch-M\u00f6chtegern-PC kann ich nix anfangen. \u00dcber richtig guten &#8217;nen E-Bookreader w\u00fcrde ich ggf. noch nachdenken, aber das iPad taugt genau daf\u00fcr nicht. Es ist zu schwer, hat ein aktives Display, das auch noch spiegelt und ist mit 700g einfach zu schwer.<\/p>\n<p>Das iPad ist <strong>b\u00f6se<\/strong><br \/>\nDie Begeisterung der Medienindustrie ist verst\u00e4ndlich. Die Konzerne wollen unbedingt, da\u00df das iPad ein Erfolg wird, weil es ein verschlossenes System ist. Der eigentliche Sinn des Ger\u00e4tes ist es n\u00e4mlich, die Menschen, die die Vorz\u00fcge des freien Informationsaustauschs kennengelernt haben, wieder zu reinen Konsumenten zur\u00fcckzuentwickeln. Die ganze Contentindustrie h\u00e4lt Computer, Internet und \u00fcberhaupt die Idee des freien Informationsflusses f\u00fcr einen schlimmen Betriebsunfall, den man schnellstm\u00f6glich r\u00fcckg\u00e4ngig machen muss, weil ihnen dadurch sowohl Einnahmen in gigantischem Ausma\u00df als auch Einfluss auf die \u00f6ffentliche Meinung verlorengegangen ist. Apple ist mit dem iPad ein wichtiger Meilenstein zur R\u00fcckeroberung der Kontrolle durch die Industrie. Wir sollen wieder sch\u00f6n schlucken, was uns von Konzernen vorgesetzt wird und dazu noch den ganzen Sch&#8230; bezahlen. F\u00fcr Leute, denen Freiheit, Selbstbestimmung und Demokratie hohe G\u00fcter sind, die Vermarktungsstrategien und Kontrollmechanismen kennen, und die das Aufkommen des Internets als eine Befreiung von vielerlei Zw\u00e4ngen und Erweiterung der eigenen M\u00f6glichkeiten empfanden, ist dieses Ger\u00e4t einfach nur eine Bedrohung und zu 100% der falsche Weg. <\/p>\n<p>Weshalb das iPad wahrscheinlich trotzdem <strong>erfolgreich<\/strong> werden wird, bringt Andreas G\u00f6ldi in seinem Artikel &#8222;<a href=\"http:\/\/netzwertig.com\/2010\/01\/28\/high-tech-marketing-warum-apple-in-einer-anderen-liga-spielt\/\"  title=\"Apples\" target=\"netzwertig\">Warum Apple in einer anderen Liga spielt<\/a>&#8220; auf den Punkt; Das Ding ist einfach nicht f\u00fcr UNS, sondern f\u00fcr den REST gemacht. Das war \u00fcbrigens auch schon die Werbeaussage von Apple, als der Mac vor \u00fcber 25 Jahren eingef\u00fchrt wurde. Es gibt so einen sch\u00f6nen doppeldeutigen amerikanischen Ausdruck daf\u00fcr: &#8222;It&#8217;s a no-brainer&#8220; &#8211; Ein Kinderspiel. Eben etwas f\u00fcr Leute, die ihr Gehirn nicht benutzen. <\/p>\n<p><strong>Das gro\u00dfe Aber. Abseits meiner elit\u00e4ren Sichtweise<\/strong><br \/>\nDas oben geschriebene ist nat\u00fcrlich die elit\u00e4re Sichtweise eines Typen, der sich seit \u00fcber 25 Jahren aktiv mit Computern auseinandersetzt, keine ernsthaften Probleme mit der Konfiguration seines DSL-Routers hat. Jemand der Internetsoftware entwickelt und ausserdem auch noch Grundwissen in Marketing, Jura, Betriebswirtschaft und Statistik hat. Aus dieser Warte heraus ist das obige Argumentation nat\u00fcrlich schl\u00fcssig.<\/p>\n<p>Bloss &#8211; so ist der Durchschnittsb\u00fcrger nicht. Er hat andere Bed\u00fcrfnisse und Sichtweisen. Im Prinzip m\u00f6chte niemand Computer benutzen. Man macht es, weil die Dinger irgendwie recht n\u00fctzlich sind, aber eigentlich sind alle total von den Kisten genervt, die teuer und kompliziert sind und um die man sich laufend k\u00fcmmern muss. Jemand der Nachrichten im Fernsehen f\u00fcr echte Information h\u00e4lt, wird sich der Einschr\u00e4nkungen und Zw\u00e4nge dieser neuen &#8218;Walled Garden&#8216; Ger\u00e4te wahrscheinlich gar nicht bewusst. Er wird sich stattdessen dar\u00fcber freuen, da\u00df er sich nicht mehr mit so \u00fcberfl\u00fcssigen Sachen wie Systemaktualisierung, neuen Treibern, Antivirensoftware und \u00e4hnlichem Mist rumschlagen muss. Wer auch bisher nur ein bischen Webmail, Google und Ebay benutzt hat, f\u00fcr den sind diese Teile tats\u00e4chlich eine willkommene Vereinfachung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Woche liess &#8222;His Steveness&#8220; die Katze aus dem Sack: Das iPad wurde vorgestellt. Die Medien \u00fcberschlugen sich vor Begeisterung und die Technikj\u00fcnger waren entt\u00e4uscht. Ich z\u00e4hle mich dann doch eher zur letzteren Fraktion. 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