Die folgende Sendung präsentiert den brandneuen, heissen Scheiss: Computer für Zuhause, eigene Videorecorder und Laser Disc Player, Textinformationen auf dem Fernseher und Videospiele.
Die Aufnahme ist von 1980. Damals war ich 12 und an all dem Kram brennend interessiert. Insbesondere die Szene, in der die neuen Videorecorder (klobige Mechanik, die zig Kilo wog) gezeigt werden, macht einem schmerzlich bewusst, dass das alles nicht einfach nur lange her ist, sondern im letzten Jahrtausend war.
Noch spannender als der leicht amüsierte Rückblick auf alte Technik, ist aber die Frage, wie der Fortschritt der Alltagstechnik uns und unser Zusammenlaben geändert hat. Die BBC hat eine klasse Miniserie darüber produziert, indem sie eine Familie von aus dem Jahr 2009 quasi in das Jahr 1970 katapultiert hat, indem das komplette Haus auf alt getrimmt wurde. Die Eltern hatte noch Kindheitserinnerungen (die manchmal getrogen haben), aber die vier Kinder standen fassunglos in einem Haus nicht nur, ohne Handy, Computer, Video und Mikrowelle sondern mit winzigem Schwarzweissfernseher, Mono-Radio und Wählscheibentelefon,
Sehr spannend, was die Veränderungen mit der Familie machen. Warum sehe ich solche Sendungen eigentlich nie im Deutschen „Qualitäts“fernsehen?
Was ich hier aber wirklich mal herzallerliebst finde, ist das gelungene Design. Ein Pocket Operator ist ein Musikinstrument, sieht aber aus, wie ein Taschenrechner, dem man das Gehäuse geklaut hat und das Display erinnert grafisch an die lustigen LCD-Spiele aus Nintendos Game and Watch Serie der frühen 80er Jahre. Das Rhytmusgerät zeigt eine Nähmaschine, das Bassgerät ein U-Boot und der Lead-Synth eine Art Fabrik. Total sinnlos, aber lustig.
Klar, das die Dinger (Preis knapp unter €70,-) brutal elektronisch klingen. Hier hat mal jemand mit den Teilen passenderweise „Taschenrechner“ von Kraftwerk darauf gejamt.
Die Aufnahme ist Live und wurde nicht nachbearbeitet. Beteiligte Instrumente: Pocket Operator PO-16 Factory, Pocket Operator PO-14 Sub, Pocket Operator PO-12 Rhythm, Stylophone und Korg mini KAOSS PAD 2.
Ich kann Software – Hardware leider nicht. So ein bisschen Arduino oder ähnliches ist ganz nett, aber da springt bei mir der Funke nicht so recht über. Wenn jemand so richtig coole Spielzeuge bauen kann, bin ich dafür um so begeisterter. Elektronik überhaupt zum laufen zu bekommen ist ja schon mal nicht so ganz ohne, aber wenn man dann auch noch seine Projekte so detailverliebt und stylisch zu Ende bringt, werde ich doch ein ganz klein wenig neidisch.
Die drei Disziplinen Elektronik, Software und klassisches Handwerk bringt Simon Jansen ganz hervorragend zusammen. Wo sich normale Leute vielleicht für eine Smartwatch interessieren, baut er sich eine Enigma-Watch. Alleine das Thema ist schräg bis dorthinaus. In dem Video beschreibt er das Projekt mit dem Satz „It works like a normal three rotor Enigma machine“. Wer bis jetzt den Witz noch nicht verstanden hat – die Enigma war die Standard Ver- und Entschlüsselungsmaschine der Deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg.
Klar – sowas braucht man natürlich am Handgelenk, insbesondere, wenn sie handwerklich so toll gemacht ist.
Fast schon normal wirkt dagegen der Heimcomputer „Orwell“, den Jensen auf der Basis des 6502 Prozessors gebaut hat. Die Elektronik ist selbstentworfen, das Betriebssystem ist selber programmiert und das Gehäuse ist selbstverständlich ebenfalls selbst gebaut – aus Metall und Eichenholz! Genau so hätte ein ambitioniertes Projekt auch schon 1977 aussehen können. Auch hier überzeugt wieder die Qualität im Detail – bis zum geätzten Messing Typenschild.
Am Samstag, den 4.Oktober hat das Vintage Computing Festival Berlin im Pergamon Palais seine Tore geöffnet. Der Besucherandrang war recht beachtlich. Sehr schön zu sehen, dass nicht nur Nerds, sondern auch viele ’normale‘ Besucher und Familien kamen. So konnte dem staunenden Nachwuchs gezeigt werden, dass die Geschichte der Informationstechnik sehr viel mehr als nur Windows PC und iPads zu bieten hat. Im Laufe des Tages streiften auch mehrere Kamerateams durch die Ausstellung
Dot-Matrix Display zeigt die Veranstaltungen
Es gab nicht nur viel interessante Hardware zu sehen, sondern auch spannende Vorträge, wie auf dieser Anzeigetafel zu sehen ist. Ich selber habe mit „Über die Besonderheiten beim Sammeln historischer Grossrechner“ von Wolfgang Stief angesehen. Die paar alten Heimcomputer und PC, die ich selber besitze nehmen schon erstaunlich viel Platz weg, aber wo stellt man eine 30 Tonnen schwere Control Data Cyber 960 oder eine aus 12 19″ Racks bestehende Cray T3 hin? Aktuell stehen die Schätze des Computermuseum München in einem ausgemusterten Flugzeughangar. Die Herausforderungen solch einer Sammlung sind jedenfalls nicht gerade alltäglich, wie die Stichworte Gabelstaplerschein, Platzverbrauch, 63A Stromversorgung mit 400Hz usw. aufzeigen.
Von den ganz grossen zu den ganz kleinen Maschinen: Es wurden drei Generationen von Hewlett Packard Tischrechnern von 1969 bis 1975 gezeigt. Das geöffnete Modell HP9810A aus dem Jahr 1971 hatte ein dreizeiliges numerisches Display, konnte sage uns schreibe 111 Zahlen und 2000 Programmschritte speichern. Das genügte, um die komplexe Zeichnung zu berechnen, die der angeschlossene Plotter zu Papier brachte. Das Modell wurde ursprünglich zur Berechnung von Baustatik verwendet.
70er Jahre Tischrechner von Hewlett Packard
Das Thema Ein- und Ausgabegeräte war ohnehin interessant. Bis hinein in die 70er Jahre war der Einsatz von Fernschreibern als Ein-/Ausgabemedium nicht ungewönlich. Das an der PDP-11/34 angeschlossene Modell Teletype ASR33 war seinerzeit ein preiswertes Standardgerät. Mir fiel sofort eine Besonderheit auf, die es von normalen Fernschreibern unterschied: Anstatt die Fernschreibverkehr üblichen 17,5mm Lochstreifen mit 5 Datenlöchern verwendet der Leser/Stanzer 1 Zoll breite Lochstreifen mit 8 Datenlöchern. Er ist damit kompatibel zu den Medien, die DEC für die Speicherung von Programmen und Daten verwendet hat.
Fernschreiber als Terminal
Lochstreifen als Programmspeicher
Der Fernschreiber und die Lochstreifen gehörten zu einer mit dem Betriebssystem RT-11 betriebenen PDP-11/34 ungefähr Baujahr 1976. Es ging zu der Zeit allerdings auch schon wesentlich moderner. Die ältere PDP-8/e von 1970 war mit zwei Wechselplattenlaufwerken und einem Doppel-Magnetbandlaufwerk ausgestattet und wurde über ein VT05 Videoterminal bedient. Dieses extrem stylishe Gerät von 1970 war mein erster Berührungspunkt mit Computern. Es muss so um 1972/73 herum gewesen sein, als mich ein Kollege meiner Mutter auf solch einem Terminal hat herumtippen lassen. Wir haben aus ASCII Zeichen ein Burg gemalt…
DEC VT05 Videoterminal
DEC PDP8/e
Ein kleiner Wehmutstropfen war, dass ich die Mailbox nicht zum Laufen bekommen habe. Den Rechner und die Software hatte ich in den letzten Wochen sorgsam vorbereitet, aber am ersten Tag ging die Pufferbatterie für den CMOS Speicher kaputt. Leider war auf die Schnelle kein Ersatzteil aufztreiben. Ein ersatzweise herangeschafter PC hatte Probleme mit dem SCSI CD-ROM Controller. Kaum war das Problem gelöst, fiel vier Mal hintereinander der Strom aus, während ich gerade dabei war, den das Betriebssystem neu aufzusetzen. Mittlerweile war es 12:30 und die Telefonanlage, an die das Modem angeschlossen war, hatte sich von den Stromausfällen auch nicht mehr erholt.
Sehr sehr ärgerlich.
Immerhin hatte zum Thema „Onlinedienste“ ein recht interessantes Gespräch mit Eva Kudraß, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Deutschen Technikmuseum für die Computerabteilung zuständig ist. Das Bewahren alter Rechner und Software ist schon aufwändig genug, aber die Onlinedienste (BTX, Mintel, Plato, BBS, …) sind spurlos verschwunden, sobald sie abgeschaltet wurden. Wie dieses Problem gelöst werden kann, ist noch völlig unklar.
Mir fiel die fast durchgehen enorm hohe mechanische Verarbeitungsqualität der alten Hardware auf. Fast alle Ausstellungsstücke – abgesehen von einigen extrem günstigen Heimcomputern – hatten massive Metallrahmen, solide Tasten, waren in sauberen Modulen aufgebaut und generell sehr servicefreundlich. Heute haben wir schnelle, billige Wegwerfcomputer, die eher an Tupperwaredosen erinnern. Schade.
Dirk Ollmetzer | Sonntag, 31 August 2014 | Gizmos, Retro
Vom 03.10 bis 05.10 wird das Vintage Computing Festival Berlin stattfinden. Das Programm hat ein ungewöhnlicheres Spektrum, als nur die üblichen Heimcomputer der 80er Jahre zu bieten, wie ein Blick in die Liste der angemeldeten Ausstellern zeigt:
Eine PDP-11 in zwei 19″-Racks, bestückt mit Wechselplatten, Bandlaufwerk, Lochstreifenleser und -stanzer, und einem Fernschreiber als Terminal.
Betriebsdatenerfassung mit Robotronrechnern
RPN-Taschenrechner von Hewlett-Packard bis Elektronika
Portable Computer der 8-Bit-Ära
Ein selbstgebauter Relaisrechner aus dem Jahre 1965
Modems aus der Sammlung des Deutschen Technikmuseums
Apple Lisa und Next-Computer
Dazu kommt ein interessantes Programm mit vielen Vorträgen und Workshops und eine Abendveranstaltung mit passender musikalischer Performance. Das Vintage Computing Festival verspricht spannend zu werden.
Irgendwie bin ich in die Fänge der Organisatoren gekommen (na gut – das war freiwillig). Ich warf ein, dass die Demonstration einer Mailbox doch ganz spannend sei, um zu zeigen, wie man vor dem Internet Datenfernübertragung durchgeführt hat. Die Reaktion war sinngemäß: „Ja, das ist toll – mach mal…“.
Das hat man nun davon, dass man sich für alten Technikkrempel interessiert: Arbeit ;-)
Den Rechner stellt das Signallabor der Humboldt Universität zur Verfügung. Ich habe ihn auch schon etwas vorbereitet, aber zum Einrichten einer Mailbox gehört mehr, als nur das Installieren von Software – nämlich Content. Den muss man suchen, auswählen, sortieren, kommetieren, integrieren,…
Darum habe ich mich an diesem Wochenende gekümmert: Eine Menüstruktur für die Mailbox, einen Dateibereich und einen Nachrichtenbereich aufzubauen – zunächst in einem DOS Emulator. Ich hoffe, mit der ganzen Dateistruktur auf den richtigen Rechner umziehen zu können. Bis das Ganze „rund“ und bunt wird, wird aber noch reichlich Detailarbeit nötig sein. Trotzdem kann ich Euch hier schon mal ein paar Eindrücke:
Dirk Ollmetzer | Montag, 18 August 2014 | Gizmos, Retro
Das kennt vermutlich jeder: Man will an seinem Computer irgendwas anschliessen und das passendes Kabel fehlt. Man hat mindestens drei dicke Kisten voller Kabel, die fast genauso sind, wie das, was man braucht – aber eben nur fast. Heute haben wir in der Uni den vorläufigen Beweis erbracht, dass es sich hierbei um eine Naturkonstante handeln muss.
Selbst wenn man ein komplettes Labor voller Technik hat – das eine Kabel fehlt trotzdem.
Ich brachte einen Stapel CD-ROMs voller Treiber, Software, E-Zines aus den spätern 80er und 90er Jahren mit. Ein fitter alter PC (ein 486er von Siemens) mit MS-DOS 6.22 war vorhanden. Leider ohne CD-ROM Laufwerk. Die Software musste also zunächst auf einem anderen PC auf 3 1/2″ Diskette umkopiert werden. Die geringe Kapazität von 1,4MB hat genügt, weil es sich ausschliesslich um alte DOS Programme gehandelt hat. Komfort ist aber anders…
RemoteAccess Mailbox auf altem PC
Der PC war trotzdem schnell in einen guten Grundzustand versetzt. Er bootet ohne Fehlermeldung und mit deutscher Tastatur. PKUNZIP und andere sinnvolle Tools waren schnell installiert. Das Startscript war geschrieben, BNU als Fossil Treiber installiert und RemoteAccess als Mailboxsoftware startet.
Leider hatten wir kein Modem zur Hand, um die Software richtig einzurichten. Es gab zwar immerhin einen Akustikkoppler (das legendäre Dataphon s21), aber leider kein serielles Kabel von 9 poligen auf 25 poligen Anschluss. Wir versuchten, mittels 9 Pol auf 9 Pol Nullmodemkabel eine Verbindung zum Tandy TRS80 Modell 100 herzustellen, was aber leider nicht gelang. Ich hatte vorsorglich noch mein Amstrad NC100 mitgenommen, aber auch hier war leider keine Verbindung herzustellen.
Tandy TRS80 Modell 100
Das „Schreckliche“ am Signallabor ist, dass man dort ständig durch spannende historische Artefakte abgelenkt wird – wie zum Beispiel von dem tollen Modell 100 von Tandy. Das war 1983 einer der ersten brauchbaren transportablen Computer. Aufgrund des vergleichsweise grossen Displays, der guten Tastatur, dem eingebauten Modem und der integrierten Textverarbeitung war das Modell bei Reportern sehr beliebt. Ich hätte damals sooo gerne einen besessen – es wurden immerhin fast 6 Mio. Stück verkauft.
Zilog S8000
Weitaus seltener ist der Minirechner Zilog Modell S8000. Auch gibt es ein kleines Problemchen – kein Terminal. Der Versuch, einen alten Atari ST mit VT100 Terminalemulation anzuschliessen, fruchtete leider nicht. Auch hier fehlte das passende Kabel. Was nützt der schönste Computer, wenn er nur Geräusch von sich gibt und man ansonsten nichts mit ihm machen kann? Immerhin klingt die Maschine spannend – ein bisschen wie ein startender Jet.
In den nächsten Wochen werde ich mich aber vor allem auf den Aufbau der Mailbox kümmern.
Dirk Ollmetzer | Donnerstag, 17 Juli 2014 | Gizmos
Mit über 20 Jahren Verspätung habe ich es gestern geschafft, meiner Uni mal so richtig auf das Dach zu steigen. Genauer gesagt auf das Dach des Hauptgebäudes der Technischen Universität Berlin. Anlass war eine Einladung der Amateurfunkgruppe der TU Berlin (AfuTUB mit Rufzeichen DK0TU) zur Besichtigung der dort betriebenen Funkanlagen.
Diese liegen zum Teil weit ausserhalb der Möglichkeiten normalsterblicher Amateurfunker. So haben wir nach der Begehung des Daches in der beginnenden Dämmerung mit 200W auf dem 80m Band ein schönes QSO mit Bratislava hinbekommen – mit einem Sender, der früher bei der NVA im Einsatz war. Die Technik an sich bekommt man zwar wohl schon für kleines Geld – aber alleine die Stromkosten für Sender, Empfänger, Filter (jeweils einzelne grosse Kisten) und vor allem für den schrankgroßen 1KW Verstärker möchte ich nicht bezahlen. Das Antennenkabel hatte locker 3cm Durchmesser. Kann man machen – muss man aber auch nicht. Die Gegenstelle hatte ein hochwertiges, modernes Zivilgerät, funkte mit 100W und war gut zu verstehen.
Ein (!) großes Funkgerät
Aber auch kleinere, normale Funkgeräte werden im Shack der AfuTUB verwendet, wie auf dem nächstenBild zu sehen ist.
Zwei normale Funkgeräte
Leider ist die Funkbude sehr klein und liegt zwischen obersten Geschoss und dem Flachdach. Sich dort an einem warmen sonnigen Tag mit 8 Leuten und viel Abwärme produzierender Technik aufzuhalten war nicht die rechte Freude. Erfrischender war die Besichtigung der Antennenanlagen auf dem Dach.
Es waren auch nicht alle Antennen montiert. Ein Mast wurde gerade neu errichtet, eine riesengroße Yagi Antenne lag ebenso herum, wie ein 2m Parabolspiegel für Erde-Mond-Erde Verbindungen.
2m Parabolspiegel für EME
Neben der Technik faszinierte aber auch der grandiose Rundblick über Berlin im Sonnenuntergang. Ich konnte mich kaum satt sehen.
Blick über den Tiergarten zur City Ost
Blick über Campus und Zoo zur City West
Der Erkenntnisgewinn des Abends hielt sich zwar in Grenzen, aber „ordentlich dicke Technik“ in Aktion zu sehen, war durchaus spannend.
Hier ist ein weiterer interessanter Film aus der vergangenen Wunderwelt der Mechanik: Der Lehrfilm „The Construction of a Light Aircraft“ aus dem Jahr 1943 zeigt, wie man aus ein paar Rohren und ein paar Quadratmetern Stoff ein echtes Flugzeug bauen kann. Eine Piper Cub.
Dirk Ollmetzer | Donnerstag, 5 Juni 2014 | Gizmos, Misc
Gestern habe ich zum ersten Mal gefunkt. Genauer: Gestern habe ich zum ersten mal am Amateurfunk teilgenommen. Mit dem Ausbildungsrufzeichen DN3CCC (Delta November Drei Charly Charly Charly) haben wir den Ablauf einer typischen Sprechfunkverbindung mit unserem Ausbilder DC4LW (Delta Charly Vier Lima Whiskey) geübt und natürlich auch entsprechend Protokoll geführt.
Ich nehme also an einem Kurs zur Vorbereitung der Amateurfunkprüfung teil. Seit meiner Führerscheinausbildung vor 28 Jahren hat mir nicht mehr so der Kopf geraucht. Die Menge an Gesetzen und Vorschriften, technischen Dingen, Formeln und Abkürzungen scheint einem am Anfang schier zu erschlagen. Dass die Frequenzen, Abkürzungen und Länderkennzeichen keiner erkennbaren Logik folgen, macht die Sache nicht einfacher.
Und dann kommen mir auch noch Erinnerungsfetzen aus meiner Kindheit dazwischen.
Die falsche Buchstabiertafel
Um Missverständnisse bei schlechter Übertragungsqualität zu vermeiden, werden Buchstaben im Funkverkehr als ganze Worte durchgegeben. Für den Buchstaben N wird gemäß NATO-Alphabet das Wort „November“ verwendet. Anstatt „November“ fällt mir allerdings häufig zuerst „Nordpol“ ein und anstatt „Romeo“ kommt mir „Richard“ in den Sinn.
Nachdem ich mich ein paar mal darüber gewundert habe, weshalb diese Synapsen bei mir im Hirn schon verkabelt sind, fiel mir ein woher ich dieses Alphabet (es ist übrigens DIN 5009) habe.
Nie gelernt – trotzdem im Kopf
Als ich ungefähr 5 Jahre alt war, haben sich meine Oma und meine Mutter abwechselnd um mich gekümmert, weil sie beide im Schichtdienst bei der Polizei in der Nachrichtenübermittlung arbeiteten. Daher war ich manchmal zur „Übergabe“ für ein paar Minuten mit in der Dienststelle.
Manchmal konnte man dort im Hintergrund den Polizeifunk hören. Wenn z.B. ein Autokennzeichen überprüft werden sollte, fing das meist mit „Heinrich“ an – ich komme eben aus Hannover.
Als Kind hat mich das alles nicht sonderlich interessiert und bewusst zugehört habe ich damals bestimmt nicht, aber dennoch blieb mir die halbe DIN Buchstabiertafel im Kopf.
Verblüffend!
Jetzt muss ich das nach 41 Jahren wieder loswerden und dafür die NATO Tafel im Kopf behalten.