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Wir müssen mal über den Tod reden

Wir, die ach so aufgeklärten westlichen Gesellschaften sollten uns dringend mal mit einem unserer größten Tabus unterhalten – den Tod. Das Thema verdrängen wir alle gekonnt so weit wie es geht. Die Aussicht auf den Tod – weder auf den eigenen, noch auf den von geliebten Wesen – halten wir mental nicht aus. Und daraus folgen einige sehr merkwürdige und unangenehme Haltungen und krudes Anspruchsdenken.

Mein aktueller Aufreger – die Debatte zur Organspende

Konkret meine ich die gerade zurückliegende Debatte über Organspenden anlässlich einer Gesetzesvorlage von Herrn Spahn.

Es hat mich fassungslos gemacht, wie die öffentliche Debatte ablief. Insbesondere, da hier wieder – wie leider momentan in fast jeder Debatte – Fakten nur sehr einseitig berichtet wurden und ansonsten mit fragwürdiger Moral ein gewisser Druck aufgebaut werden sollte.

Worum ging es?

Wir haben aktuell keine Regelungslücke zum Thema Organspende in Deutschland. Organentnahme ist verboten, es sei denn, der Spender hat sich zu Lebzeiten aktiv und nachweisbar dafür ausgesprochen.
Es wird also vorausgesetzt, dass sich die Spender bewusst mit dem Thema auseinandergesetzt haben.

Der Gesetzentwurf sah jedoch vor, dass jeder der nicht ausdrücklich und offiziell widersprochen hat automatisch potentieller Organspender ist – also ggf. auch gegen seinen Willen oder gegen den Willen seiner Angehörigen am Sterbebett.

Meine Reaktion, als ich zum ersten mal davon gehört hatte:
Ich glaub es hackt!

Menschen sind doch keine Ersatzteillager!

Wir haben gerade so viele Debatten darüber, wie man die Natur, die Tiere, Menschen mit anderer Hautfarbe, Sexualität und Religion etc. endlich mit Respekt behandelt – und dann so etwas?

Als ob es eine moralische Pflicht wäre, seine Organe zur Verfügung zu stellen. Was kann denn noch übergriffiger sein, als jemandem seine Organe zu entnehmen, der dem nicht ausdrücklich zugestimmt hat?
Jedoch hat dieser inszenierte „moralische“ Druck im Bundestag nicht funktioniert. An dieser Stelle mein herzlicher Dank an die Abgeordneten.

Wo ist das Problem?

Wenn wir aktuell eine gute gesetzliche Grundlage haben – weshalb wurde der Anlauf zu Änderung unternommen? Die offizielle Begründung liest sich ungefähr so:

„In Deutschland warten zur Zeit todkranke 9.000 Menschen dringend auf ein Spenderorgan. Leider gibt es zu wenige Organspender. Daher muss die Zahl der potentiellen Spender erhöht werden.“

Da kann man doch nicht dagegen sein.

Ähm – doch. Ich stelle sogar schon mal das Ziel an sich in Frage.
Doch bevor ich das näher begründe, würde ich die gleiche Ausgangssituation mal etwas anders formulieren:

„9.000 todkranken Menschen und ihren Angehörigen wird in Deutschland durch die Apparatemedizin die Hoffnung auf Weiterleben suggeriert – wenn man nur genügend andere todkranke Menschen gleich nach ihrem Hirntod – aber noch vor dem körperlichen Tod – auseinandernehmen könnte.“

Derselbe Sachverhalt – aber etwas anders formuliert. Klingt nicht mehr so toll. Da kann man doch nicht dafür sein, oder?

An dem o.g. Gedankenspiel wird deutlich, dass die Frage keinesfalls einfach ist und eigentlich auch nicht moralisch beantwortbar. Es hat halt jeder seine eigene Moral. Hätten das alle so offen gesagt, wäre alles in Ordnung. Der Bundestag hat das auch respektiert und darum wurde in dieser Frage der Fraktionszwang aufgehoben.

Aber jetzt kommt der unseriöse Teil, der mich aufregt.

Die Kampagne

In diversen Publikationen wurde die Entscheidung des Bundestages als moralische Niederlage aufgefasst. Den Menschen, die keinen Organspendeausweis haben wurde unterstellt, dass sie nur zu faul und zu egoistisch seien und es deshalb gerechtfertigt sei, sie zu einer Entscheidung zu zwingen.

Was für eine Arrogante Überheblichkeit.

Als Beleg wurde angebracht, dass sich in Umfragen 85% positiv zu Organspenden geäußert hätten, aber „nur“ 36% der Deutschen einen Organspendeausweis hätten.

Kurzer Exkurs zum Thema Umfragen:
Zum Einen gibt es einen Effekt, dass Menschen nicht ihre echte Meinung äußern, sondern das, was sie für sozial erwünscht halten. Zum anderen sehe ich in diesen Zahlen keinen Widerspruch. Man kann etwas grundsätzlich positiv bewerten und trotzdem für sich selbst etwas anderes wünschen. Ich stehe zum Beispiel der Müllabfuhr positiv gegenüber, möchte aber selber nicht als Müllmann arbeiten.

Es gibt in den Zahlen also keinen Widerspruch und 36% potentielle Organspender halte ich für eine wahnsinnig hohe Zahl. So hoch, dass ich bezweifele, ob allen bewusst ist, was das im Ernstfall bedeutet.

Moral und Würde und Tod

Ein großes Thema sind seit Jahren die zunehmende Zahl von Patientenverfügungen. Immer mehr Menschen wünschen sich, in Würde sterben zu können – ohne an Maschinen in der Intensivstation angeschlossen zu sein.

Das schließt eine Organspende schon mal aus, weil die Entnahme von Spendeorganen nur in der extrem kurzen Zeitspanne zwischen Hirntod und organischem Tod möglich ist.

Oder – man stelle sich vor, dass möglicherweise noch Angehörige beim Sterben anwesend waren und die Ärzte schon auf die Uhr schauen, wann sie endlich mit der Organentnahme beginnen können, weil die Zeit knapp ist.

Meine Moral

Da ja so viel von Moral die Rede war – ich habe auch eine.

In den vergangenen Jahre habe ich mich aus verschiedenen Gründen gedanklich sehr intensiv mit dem Tod beschäftigt. Vor fünf Jahren ist meine Mutter gestorben – mit nur 63 Jahren. Mehrere mir nahestehende Personen sind schwerkrank und bereits dem Tode geweiht, obwohl sie noch relativ jung sind. An meinem letzten Geburtstag habe ich daran gedacht, dass ich mit meinen nun 52 Jahren nun bereits älter als mein Großvater und mein Vater geworden bin. Und als ich vor zwei Jahren den Entschluss gefasst hatte, meinen Motorradführerschein zu machen, habe ich mir die Frage „Was wäre wenn…“ gestellt.

Der Tod ist immer tragisch – aber er ist ist in jedem Fall unausweichlich. Ohne den Tod kann kein Leben existieren. Die Frage ist nicht ob, sondern wie.

Als ich das nicht nur im Kopf verstanden, sondern tief im inneren gefühlt und schweren Herzens akzeptiert hatte, dass wir alle nur auf Abruf auf der Welt sind, fühlte ich mich freier. Ich habe lange gebraucht um zu diesem Punkt zu kommen. Und dann stellt sich die Frage nach Organspende einfach nicht mehr. Ich halte sie schlichtweg für falsch.

Wenn ich religiös wäre würde ich das so ungefähr so begründen: „Der Mensch soll Gottes Wille respektieren“.

Nur – ich bin nicht religiös. Aber ich habe erst vor kurzem wirklich verstanden, was mir ein guter Freund vor 25 Jahren gesagt hatte. Damals war er frisch gebackener Arzt und hat auf den Onkologie gearbeitet. Er sagte sinngemäß: „Die Patienten fragen mich immer wie lange sie noch leben. Dabei ist die wirklich wichtige Frage nicht wieviel Zeit, sondern wieviel Lebensqualität ihnen noch bleibt.“

Oder kurz gesagt: Es geht um die Würde im Tod. Und die Würde wird m.E. sowohl den Organspendern, als auch den Empfängern genommen.

Das ist meine Moral. Sie ist vielleicht nicht besser, aber ganz bestimmt auch nicht schlechter, als die von anderen.

Fazit

Es gibt keine moralische Pflicht, sich nach seinem Tod ausweiden zu lassen. Falls man dem zustimmt, ist das eine ungeheuer barmherzige Geste. Das sollte aber bewusst geschehen und sollte mit den Angehörigen abgestimmt sein.

Umgekehrt hat niemand der o.g. 9.000 wartenden ein Recht auf ein Spenderorgan. Wenn er eine passendes bekommt und die Transplantation überlebt (was ja auch nicht selbstverständlich ist) ist es eine unfassbar große Gnade.

In diesem Sinne ist es so, wie es jetzt ist genau richtig.

Politische Überreaktion

Ich habe mich selbst so lange ich politisch denke – also ungefähr seit ich 10 Jahre alt war – immer gemäßigt links eingeordnet. Der stumpfe reaktionäre Mainstream der 70er Jahre war mir unerträglich und verhasst. Dieses bigotte Auftreten der alten Leute, die die Moralkeule vor sich hertrugen war und ist mir immer noch zutiefst zuwider.

Der Mainstream hat sich seitdem ganz gewaltig nach links verschoben. Müsste mir also doch eigentlich gut gefallen. Tut es aber nicht. Ich habe mit „Links“ mittlerweile genau so ein Problem wie mit „Rechts“ (falls diese Einteilung heute überhaupt noch Sinn macht).

Klar, man sagt ja, dass man mit zunehmendem Alter konservativer wird. Ein bisschen ist da was dran. Aber darum geht es mir gar nicht. Die großen Themen, die von den jungen Leuten angesprochen werden sehe ich als genauso wichtig an: Umweltschutz, Gleichberechtigung, Widerstand gegen Rechtsextremismus, usw.
Das sind ja alles Themen, die mir auch in meiner Jugend schon wichtig waren. Damit habe ich überhaupt kein Problem.

Womit ich aber ein ganz erhebliches Problem habe, ist die Art der (nicht-)Kommunikation. Diese häufige moralinsaure Besserwisserei, die ich damals von den alten Säcken kannte und die nun ausgerechnet ihre Enkel wiederaufleben lassen. Dieses bei jedem Thema meilenweit über das Ziel hinausschießen. Mein Problem dabei ist, dass man Leute vergrätzt und vor den Kopf stößt, die eigentlich in die selbe Richtung denken und völlig unnötig Gräben aufreißt.

Klar, wenn man ein Anliegen hat, muss man laut trommeln. Und wenn man die Bräsigkeit vieler älterer Leute sieht, die einfach überhaupt nichts ändern wollen – das kann einen schon zur Weißglut bringen. Ich möchte trotzdem mal drei Beispiele bringen, was ich mit „meilenweit über das Ziel“ meine:

Gleichberechtigung?
Neulich gab es einen Artikel (Zeit, Spiegel, Tagesspiegel – ich weiß nicht mehr wo) in dem Stand, dass es viele Männer nicht ertragen, wenn ihre Frauen gleich viel oder mehr verdienen.

Ja, o.k, kann sein. Gibt es bestimmt. Da möchte ich nicht widersprechen.

Was aber nicht einmal als Andeutung vorkam war die Frage, wie viele Frauen es nicht ertragen, wenn ihr Mann dauerhaft weniger verdient als sie selbst. Das ist nämlich ebenfalls ein erhebliches Problem, wie ich aus meiner eigenen Umgebung weiß. Und das trifft insbesondere auf BesserverdienerInnen zu, bei denen es eigentlich nicht so drauf ankommt. Die Richterin, die es nicht erträgt, dass ihr Mann „bloß“ Teamleiter einer IT Abteilung ist, die Chefärztin, der es auf Dauer nicht reicht, dass ihr Kerl „nur“ normaler Rechtsanwalt ist. Eigentlich war Geld kein Problem, und trotzdem hatten diese Frauen das Gefühl dass sie „einen Verlierer mit durchfüttern“. Eigentlich sind alle Frauen, die ich kenne, die sehr viel Wert auf ihre Karriere legen, letzten Endes auf eigenen Wunsch Single.

Warum lese ich von so etwas nicht einmal einen Halbsatz?

Verkehrswende
Die Verkehrswende ist absolut überfällig. Das sage ich als Besitzer von zwei benzingetriebenen Fahrzeugen, ehemaligem Vielflieger und jahrelangem Fernpendler. Ich habe die Hypermobilität in den letzten Jahren für mich selbst einigermaßen erfolgreich eindämmen können. Zudem verstehe ich als ehemaliger Stadtplaner auch ein bisschen was von der Materie.

Wir Planer wussten auch schon vor 30 Jahren, was man hätte tun müssen – aber es wurde weniger als nichts getan. Es wurde sogar alles noch schlimmer gemacht: Nebenstecken abgebaut, Shoppingcenter, Möbelhäuser und Baumärkte an die Autobahn gesetzt, Wohngebiete ohne ÖPNV Anschluss gebaut, Flexibilisierung der Arbeit, Dumpingpreise für Flugreisen…

Das muss aufhören. Schnell. Das Problem ist, dass jetzt nur darüber geredet wird, die Städte für Autos zu schließen. Das geht m.E. völlig am Problem vorbei und könnte am Ende sogar kontraproduktiv sein. Es geht nicht nur um Autos, sondern um den stetig steigenden Verkehr als ganzes. Ich schreibe dazu demnächst noch einen eigenen Artikel.
Der Verkehr ist nur das Symptom für andere Sachzwänge. Nur ein Detail: Wie wäre es z.B. damit dem Jobcenter klar zu machen, dass tägliches Pendeln über 100km pro Strecke eben nicht zumutbar ist, sondern einfach nur asozial. Wie wäre es, mit einer Stadtplanung, die von vornherein lange Wege vermeidet? Wie wäre es mit aktiver Wohnungs- und Standortpolitik?

Antifaschismus
Heute habe ich das erste mal jemanden aus meiner Facebook Kontaktliste gekickt. Ein Kontakt (Bereich Musik), den ich schon länger hatte, aber nie wirklich persönlich kennengelernt habe. Was war passiert?

Es gibt in Berlin einen Club mit dem etwas bräsigen Namen „Beate Uwe“. Diese Person stellte den Club plötzlich unter Faschismusverdacht, weil zwei NSU Terroristen diese Vornamen haben.

Ähm, ja, wie vermutlich noch eine Millionen anderer Deutscher.

Nun ist mein Ex-FB Kontakt nicht aus Deutschland. Daher nahm ich an, dass sie das Wortspiel mit „Beate Uhse“ nicht verstanden hat. Das ist halt so ein kulturelles Ding, das man vermutlich nur versteht, wenn man hier ausgewachsen ist. Also nahm mir die Freiheit, sie freundlich(!) darauf hinzuweisen, dass man als Deutscher vermutlich eher diese Assoziation, anstatt an Terroristen zu denken. Die Reaktion darauf war sinngemäß:
„Das mit den Terroristen sei doch offensichtlich. Sie sei nicht an irgend so einem deutschen Pornostar(!!!) interessiert. Ob ich mit einbilde, für alle Deutschen zu sprechen – and by the way who do you think you are, Daddy?“

WTF???

Auf meine immer noch höfliche Nachfrage, weshalb sie so aggressiv reagiere, hat sie nicht geantwortet. Dafür haben andere Leute geschrieben, dass das ein sehr entspannter Multi-Kulti-Club ist. Sie wurde wohl auch von dem Club direkt angeschrieben. Etwas pikant ist, dass sie selber DJ ist.

Man kann ja mal etwas falsch verstehen. Passiert. Aber dann sollte man wenigstens den Arsch in der Hose haben zu sagen „Sorry, ich habe da wohl etwas überreagiert“ anstatt andere Leute aggressiv anzupampen.

Berlin besteht gefühlt zu 50% aus solchen Soziopathen. Ich habe auf solche Leute einfach keinen Bock mehr.

Himmelfahrt zu MotoMonster in Groß Dölln

Staub, Lärm, Abgase, Geruch von Öl, Gummi und Benzin. Toll!

Himmelfahrt 2019 war ich bei MotoMonster in Groß Dölln. Ein Freund aus Hannover ist mit einer Schar Gleichgesinnter zu der Veranstaltung gekommen um dort zwei Tage lang mit seinem Motorrad über die Rennstrecke fahren zu können. Ein guter Anlass für einen Motorrad Tagesausflug um ihn zu treffen und mir das ganze einmal anzusehen. Ich war vorher noch nie bei irgendeiner Art Motorsportveranstaltung. In meiner Jugend habe ich mal Formel 1 Rennen im Fernsehen gesehen, aber das ist lange her und Live dabei ist doch deutlich anders.

Die Veranstaltung

Es ist keine Rennserie, wie z.B. die IDM (Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft). Hier sind normale Motorradfahrer am Start, die gerne mal legal und mit fachkundiger Unterstützung richtig schnell fahren möchten. Es sind keine Profis dabei, niemand wird richtig gesponsort.

Die Veranstaltung geht über mehrere Tage. Meist wird „frei“ gefahren, d.h. mit Zeitmessung per Transponder am Motorrad, aber ohne Start und Zieleinlauf, wie man es von den großen Rennserien kennt. Die Fahrer werden ihren Fähigkeiten entsprechend in vier Gruppen eingeteilt. Die Anfängergruppe fährt mit Instruktoren, die die richtige Linie, Schalt- und Anbremspunkte zeigen. In der besten Gruppe sind Fahrer unterwegs, die von den Fähigkeiten schon recht nahe an den Profifahren dran sind.

Die Art der Maschinen ist nicht reglementiert. In derselben Gruppe fahren hochdrehende, kreischende Drei- und Vierzylinder mit 600-750ccm genauso wie großvolumige, bollernde V2; mit Vollverkleidung oder ohne. Jeder wie er mag.

Aber nicht nur das unterscheidet die Veranstaltung von einem normalen Motorradrennen. Normal ist, dass es einen kleine Gruppe von Aktiven gib (Fahrer, Teams, Orga) und eine größere Menge Zuschauer. Hier nicht. Jeder der dort ist, macht auch irgendwie mit.

Eine Motorsportveranstaltung ohne Zuschauer!

Der Ort

Der Ort unterschiedet sich auch deutlich von einer normalen Rennstrecke. Es gibt keine Tribüne. Die Strecke – mit Ausnahme der Start/Ziel Geraden – kann man als Zuschauer auch überhaupt nicht richtig einsehen. Abgesehen von der eigentlichen Rennstrecke findet alles auf einer riesigen Betonfläche statt. Es gibt auch keine Infrastruktur – von Toiletten, Duschen und Stromversorgung mal abgesehen. Nicht mal ein Stand mit Würstchen oder Kaffee und das Bistro auf dem Gelände hatte geschlossen.

Hangar statt Tribüne

Hangar statt Tribüne

Alle Anwesenden sind mit Campingwagen, Transportern u.ä. gut vorbereitet und komplette ausgerüstet. Von Werkzeug über Benzin bis zum Proviant wurde alles mitgebracht. Das muss auch so sein, weil es im näheren und weiteren Umfeld außer Wald nichts gibt. Wirklich gar nichts! Ihr könnt ja mal die Karte ansehen und langsam raus zoomen.

Fahrerlager Überblick

Fahrerlager Überblick

Zeit, ein paar Worte über diesen recht speziellen Ort zu verlieren. Er liegt, wie auch meine letzten beiden Ausflugsziele (Stechlinsee und Friedrichswalde), ca. 70km nördlich von Berlin in Brandenburg. Die Landschaft ist dort extrem dünn besiedelt und hat riesige Waldflächen. Um zum Driving Center zu kommen, fährt man fast 20min. durch den Wald ohne an einem größeren Ort vorbei zu kommen. Wie ich im Artikel „Ostern am Stechlinsee“ beschrieben habe ist diese Abgeschiedenheit sehr schön und ruhig, aber sie wurde auch gerne genutzt, um irgendwelche unangenehmen Schweinereien in der Landschaft zu verstecken. Am Stechlinsee war das ein Atomkraftwerk, in Fürstenberg ein KZ und in Groß Dölln war es der größte sowjetische Militärflugplatz der DDR. Hier war ein mit Atomwaffen ausgestattetes Jagdbombergeschwader stationiert.

Vorfeld mit Hangars am Waldrand

Vorfeld mit Hangars am Waldrand

Die russischen Streitkräfte sind im Jahr 1994 abgezogen. Das riesige Areal wird heute zum größten Teil als Solarkraftwerk genutzt, Siemens betreibt dort eine Teststrecke für elektrische Lastwagen und „rechts oben in der Ecke“ ist das Driving Center, das hauptsächlich für Fahrtrainings genutzt wird.

Die Stimmung

Die Temperatur war sehr angenehm um 20 Grad, es war sonnig und staubtrocken (mal wieder die höchste Waldbrandwarnstufe). Da abgesehen von der eigentlichen Rennstrecke, die komplette Veranstaltung auf der riesigen Betonfläche des ehemaligen Vorfeldes stattfand, war ich über jedes bisschen Schatten froh. Die Jungs und Mädels (ja, es fuhren auch einige Frauen mit) waren super ausgerüstet und so konnte ich im Fahrerlager unter den Zeltdächern mit abhängen.

Das ist überhaupt der Charme für mich gewesen: der ständige Wechsel zwischen Entspannung, Konzentration und Adrenalin. Die Grundstimmung hat ein bisschen was von Campingplatz: Zunächst gemeinsames ruhiges rumhängen zwischen Transportern in Zelten auf Campingstühlen. Irgendwann steht jemand aus der Gruppe auf und bereitet sich und seine Maschine für den nächsten Lauf vor. Heizdecken auf den Rennslicks sorgen für den nötigen Grip, der Motor wird gestartet und grummelt vor sich hin, damit Öl und Wasser auf Betriebstemperatur kommen, die Schutzkleidung wird angelegt und dann geht es los.

Vorbereitung zum nächsten Lauf

Vorbereitung zum nächsten Lauf

Man stellt sich an die Betonmauer und schaut zu, wie die Fahrer um die Kurve auf die Zielgerade fahren und hoch beschleunigen. Bei der technischen Abnahme wird zwar auch eine Geräuschmessung vorgenommen, aber das ändert wenig daran, dass renntaugliche Motorräder bei voller Beschleunigung einfach extrem laut sind. Jetzt kommt doch etwas Rennfeeling auf – trotz des freien Fahrens.

Eingang zur Zielgeraden

Eingang zur Zielgeraden

Ein Lauf dauert zwischen 15 und 20 Minuten und danach kommen die Fahrer zurück in die Boxengasse, hieven ihre Maschinen wieder auf die Montageständer, analysieren den Lauf und lassen sich dann zur Erholung wieder in die Campingstühle sinken.

Blick in die Boxengasse

Blick in die Boxengasse

Fazit

Der Tag war interessant und spannend. Er hätte sogar ganz hervorragend sein können, wenn ihn nicht zwei Dinge getrübt hätten:

Ich hatte mich eigentlich darauf gefreut, hier meine Schwester zu treffen, die ursprünglich dabei sein wollte. Leider hatte sie ein paar Tage vorher eine Operation und war für die lange Anreise noch nicht genügend genesen. Sehr schade.

Rettungshubschrauber hebt ab

Rettungshubschrauber hebt ab

Den zweiten richtigen Dämpfer gab es gegen Mittag, als einer aus der Truppe auf der Strecke gestürzt ist und mit mehreren Knochenbrüchen per Helikopter in das Unfallkrankenhaus nach Eberswalde (Immerhin 27km Luftlinie) geflogen werden musste. Trotz guter Vorbereitung und Material (sehr viele fahren mit Airbag-Weste) bleibt Rennsport natürlich eine nicht ungefährlich Sache. Die Risiken sind den Teilnehmern voll bewusst. Mein Freund hat seinen nächsten Lauf daraufhin abgesagt, weil er „mental nicht ganz bei der Sache“ gewesen wäre.

31c3 – Mein Fazit

Auch in diesem Jahr war der Chaos Communication Congress wieder eine Reise wert. Man konnte in einer interessanten, bunten und lustigen Umgebung interessante Vorträge hören, mit netten Leuten reden und spannende Basteleien bewundern.

Neben einer überwiegend guten Netzwerkanbindung gab es ein internes Telefonnetz, in das man sich sowohl mit einem normalen DECT Schnurlostelefon, als auch mit einem GSM Mobilfunktelefon einbuchen konnte. Das Netz wird primär zur internen Organisation genutzt, man konnte darüber aber auch Simultanübersetzungen der englischen Voträge ins Deutsche lauschen oder irgendwelche Spielereien damit machen.

Das fünfte GSM Netz in Hamburg - 31c3

Das fünfte GSM Netz in Hamburg - 31c3

Obwohl die Veranstaltung wie üblich vier Tage dauerte, konnte man nur einen Bruchteil erfassen, denn sie ist mit mittlerweile über 10.000 Besuchern und vier parallelen Tracks und unzähligen Workshops einfach riesengross geworden. Die Vorträge kann man sich aber auch später ansehen, weil sie bald ordentlich geschnitten auf Youtube CCC Kanal zu finden sein. Es ist ohnehin unglaublich, wie professionell eine derart große Veranstaltung von den ehrenamtlichen Helfern organisiert ist. RESPEKT!

31c3 Übersichtskarte

31c3 Übersichtskarte

Die Übersichtskarte (Link zur Originaldatei) kann einen groben Eindruck von der Größe der Veranstaltung geben. Das Gewusel und die tausend liebevollen Details kann man dagegen leider kaum vermitteln, auch weil in den optisch besonders spannenden Bereichen nicht fotografiert werden darf.

In mehreren Hallen und Räumen sowie auf den Zwischengeschossen (zusammen etliche tausend Quadratmeter) stehen im Halbdunkel Tisch an Tisch an denen dicht gedrängt Leute irgendwelches spannende Zeug machen: Programmieren, schreiben, diskutieren, 3D Modelle erstellen und ausdrucken. Es sind Vinycutter, Industrienähmaschinen, Strickmaschinen, Lasercutter im Einsatz. Es werden Lichspielereien mit LEDs gezeigt, Anzeigetafeln und mechanische Displays zur Anzeige von irgendwas genutzt. Erwachsene Menschen tummeln sich im Bällchenbad und über allem kreisen hin- und wieder Quattrocopter. Liebevoll gestaltete Banner und Schilder zeigen, welche Gruppen an den Tischen sitzen.

Zwei Freunde, die zum ersten mal den Kongress besuchten, waren von der Kreativität der Besucher begeistert. Ständig umlagert war zum Beispiel der riesige Drumcomputer, der sich optisch an der klassischen Roland TR-808 von 1980 orientiert, jedoch mit echten Instrumenten ausgestattet ist. Die Besucher konnten an zwei Tabletcomputern live die Rhytmen ändern, die die Maschine spielte.

Drummachine á la TR-808

Drummachine á la TR-808

Leider noch keine Morgendämmerung

Soweit war alles unterhaltsam, schön und lustig. Ein Wehmutstropfen bleibt allerdings: Den Optimismus, den das diesjährige Motto „a new dawn“ verbreiten sollte, konnte ich leider nicht ganz teilen. Der Snowden Schock sitzt tief, auf politischer Ebene lässt sich kein Wille zur Korrektur der Fehlentwicklungen der letzten Jahre ausmachen und die Technik ist noch immer auf allen Ebenen angreifbar. Es werden zwar kryptographische Methoden genauer, als früher analysiert, die Frage gestellt, wie Verschlüsselung für normale Menschen verständlich gemacht werden kann und es gab auch Ansätze, die Struktur der gegenwärtigen IT Systeme grundlegend zu entrümpeln, aber ehe diese Massnahmen greifen, werden noch mehrere Jahre ins Land gehen, während schon die nächsten Alpträume, wie Smarthomes und „Industrie 4.0“ und „Smart-Cars“ vor der Tür stehen.

Off Topic:

Lobend möchte ich die Hamburger Bäckereikette von Allwörden erwähnen, bei denen ich morgens zu frühstücken pflegte. Dort gibt es richtig gute belegte Brötchen in einer Qualität, wie ich sie zuletzt vor 30 Jahren bekommen habe: Knusprig gebacken, die richtige Größe, weder zu luftig, noch zäh und geschmiert mit echter Butter und nicht diesem besc… Remoulade-Zeug, wie man es bei den ganzen ekligen Billig-Backshop Ketten vorgesetzt bekommt. Teurer ist es zudem auch nicht.

Vorfreude auf „a new dawn“

Huch, der dritte Adventssonntag ist auch schon wieder fast rum. Bald ist Weihnachten und dann ist wie in jedem Jahr… DER KONGRESS!!!

Die Ankündigungen der Vorträge, Sessions und Assemblies des 31. Chaos Communication Congress lesen sich auch in diesem Jahr wieder vielversprechend. Sicherlich – der grosse mediale „Knall“ wird nach den spektakulären Enthüllungen des letzten Jahres vermutlich ausbleiben. Der Umfang der Snowden Enthüllungen hatte ja selbst die hartgesottensten Pessimisten sprachlos hinterlassen, weshalb der 30. Kongress auch kein Motto hatte. Meine Prognose lautete im letzten Jahr, dass es mindestens ein Jahr dauern würde, ehe man sich über die gesellschaftliche, technische und wirtschaftliche Tragweite wirklich bewusst werden würde. Die Spontanreaktion „wir müssen jetzt alle unsere E-Mails verschlüsseln“ habe ich jedenfalls eher als hilflosen pawlowschen Reflex empfunden.

Daher bin ich gespannt, ob es schon Dankansätze zur Überwindung der gesellschaftlichen und technischen Fehlentwicklungen der letzten Jahre geben wird. Das diesjährige Motto „a new dawn“ verheisst jedenfalls Hoffnung und das Logo sieht toll aus!

Tolles Logo und hoffnungsfrohes Motto zum 31C3

Abgesehen von den schweren Themen freue ich mich auf jeden Fall auf eine bunte, spannende, inspirierende, vier Tage lange Party technikbegeisterter Menschen.

 

Sonne, Handwerk, Golf und Dinosaurier

Ein tolles Wochenende liegt hinter mir. Der Freitag Abend begann in der Z-Bar mit zwei wunderbar schrägen Folgen der Schmusetiersoap „Humana – Leben in Berlin„. Sehr lustig!

Da der Samstag Morgen bereits mit richtig schönem Wetter begann, beschloss ich, gleich nach dem üblichen Einkauf endlich mal dem Auto die Sommerschuhe anziehen. Unter der Woche komme ich einfach nicht zur Werkstatt, deshalb habe ich seit Jahren das erste Mal selber wieder zum Werkzeug gegriffen. Obwohl ich es ja nicht so mit Hardware habe – ging problemlos. Stolz!

Endlich Sommerräder

Endlich Sommerräder

Der Sonntag war dann „Fun-packed“. Erst mal ausschlafen, lecker Frühstücken und dann zum Golfplatz. Noch etwas frischer Wind, aber sonnig. Feinstes Cabriowetter. In Pankow angekommen, stellte ich fest, dass der Rasen auf dem Platz mittlerweile ganz vernünftig aussieht. Dementsprechend war zwar ordentlich Betrieb auf der Driving Range, aber da sich die meisten dort nur für eine Runde warmspielten, war es kein Problem, einen Platz zu bekommen. Meine Abschläge werden mittlerweile auch etwas besser. Ich könnte so langsam mal wieder richtig auf den Platz.

Betrieb auf dem Golfplatz

Betrieb auf dem Golfplatz

Danach ging es in den Plänterwald um Bärlauch zu holen. Das war auf den letzten Drücker, weil er schon kurz vor der Blüte stand.

Bärlauch

Bärlauch

Auf dem Rückweg stellte ich zu meinem Erstaunen fest, dass der ehemalige Spreepark im Plänterwald (ein bisschen) geöffnet war. Man durfte in den vorderen Teil und mit der Parkbahn eine Runde drehen. Das restliche Gelände darf man jedoch – wie bisher – nur mit einer Führung betreten.

Spreepark Dinosaurier

Spreepark Dinosaurier

Spreepark Wildwasserbahn

Spreepark Wildwasserbahn

Retroflash III: Duinomite im Selbstversuch

In meinem letzten Artikel hatte ich ja bereits mit einigen extrem simplen Computerchen geliebäugelt. Da ich momentan endlich mal ein wenig Zeit für mich selbst habe, habe ich spontan zugeschlagen und mir den vermutlich billigsten, zur Zeit erhältlichen Computer bestellt: Den auf Geoff Grahams Maximite basierenden Duinomite, der von Olimex hergestellt wird. In der einfachsten Version ist er für knapp über €20,- erhältlich. Ich habe mit die grössere und etwas teurere „Mega“-Version bestellt, die einige zusätzliche Schnittstellen hat – der kleine hätte es allerdings eigentlich auch getan.

Frisch ausgepackt: Duinomite

Frisch ausgepackt: Duinomite

Nach zwei Tagen hielt ich dann die kleine Platine in den Händen. Der eigentliche Computer ist der winzige Chip (1cm x 1cm) in der Mitte; Ein PIC32 Microcontroller auf dem neben dem eigentlichen Prozessorkern auch gleich noch der Arbeitsspeicher, der Basicinterpreter und die Grafikerzeugung untergebracht sind. Den meisten Platz nehmen die verschiedenen Anschlüsse ein. Aber genug der Vorrede und frisch ans Werk.

Ausser dem Rechner wird benötigt:

  • Die Stromzufuhr: ein normales Steckernetzteil mit 9V Ausgang und einem 2,1mm Stecker, bei dem der Pluspol in der Mitte liegt.
  • Eine Tastatur: Eine normale PC Tastatur mit PS2 Anschluss – vorzugsweise mit englischer Beschriftung, weil man sonst laufend auf der Suche nach den verschiedenen Sonderzeichen ist und z und y vertauscht.
  • Ein Bildschirm: Standard ist der Anschluss an einen irgendeinen normalen VGA Monitor.
  • Wer mag, kann auch noch Lautsprecher per 3,5mm Klinkenstecker anschliessen.
  • Daten werden übrigens auf micro-SD-Cards gespeichert.

Alles ist Ratz-Fatz verkabelt und sieht dann so aus:

Duinomite Setup

Duinomite Setup

Nach dem Einschalten sieht man einen schwarzen Bildschirm auf dem in den oberen zwei Zeilen Angaben zum eingebauten Basic Interpreter stehen:

DMBasic Build Date: Jul 23 2012 Time:13:59:28
www.olimex.com, Based On MMBasic By Geoff Graham

Darunter blinkt ein Cursor und wartet auf Eingaben. Genau wie in den alten Zeiten gibt es kein eigentliches Betriebssystem, sondern man kann (muss) quasi sofort mit Basic anfangen. Ich hatte mir im Vorfeld bereits zwei kleine Spiele von Github heruntergeladen und auf die microSD Karte gespeichert. Der Befehl FILES listet den Inhalt der Speicherkarte auf, mittels CHDIR „maxman“ kommt man in das Unterverzeichnis mit dem Spiel und startes es mit RUN „maxman.bas“. Daraufhin erstmal eine kleine Runde gezockt…

MaxMan auf Duinomite

MaxMan auf Duinomite

Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass der Rechner nur Schwarzweisss Darstellung beherrscht? Dem Full-HD Monitor kommt die Auflösung von 480 x 432 Pixel auch ein wenig seltsam vor und er versucht mich davon zu überzeugen, den „PC“ auf eine normale Auflösung einzustellen… ;-)

Heute habe ich mich dann selber daran probiert, das Computerchen zu programmieren und ein mini-Spielchen geschrieben. Der Basic Interpreter ist sehr stark an das alte Microsoft Basic angelehnt – also alles supereinfach. Man kommt in Nullkommanix rein.

Allerdings ist man heutzutage durch Integrierte Entwicklungsumgebungen, objektorientierte Programmierung und riesige Bildschirmauflösungen natürlich ganz schön verwöhnt. Da sind ein einfacher Zeileneditor, nummerierte Programmzeilen ohne Einrückungen u.ä. natürlich am Anfang etwas herb.

Macht trotzdem Spass. Der Duinomite ist eigentlich kein Computer, sondern eine Zeitmaschine, die mich mal eben in meine Jugend zurückkatapultiert hat. ;-)

Aber im Ernst: Man könnte ihn tatsächlich auch für nützliche Basteleien einsetzen. Er ist einfach zu programmieren, verhältnismässig flink und hat einige interessante Schnittstellen, wie RS232C, UEXT, CAN an Bord und Steckerleiten, die Arduino-kompatibel sind.

Info War 2010

Ich bin von der ganzen Wikileaks Sache enttäuscht. Die Reaktionen der Mächtigen enttäuschen mich genauso wie das Einknicken der Dienstleister oder die darauf folgenden DOS Attacken der „guten Hacker“. Sie enttäuschen mich, weil Sie vorhersehbar waren.

Am allermeisten bin ich aber von den Enthüllungen selbst enttäuscht, weil sie nicht das kleinste bisschen Information enthielten, die man sich nicht schon vorher zusammenreimen konnte.

Bisher hatte ich immer noch gehofft, an zu pessimistischer Weltsicht zu leiden. Dem ist wohl leider nicht so.