Vom 7. bis 9. Mai fand in der Berliner Wuhlheide wieder die Superbooth statt. Ich war am Samstag dort. Diese Messe rund um elektronische Musik hat einen sehr speziellen Charakter. Irgendwo zwischen Festival und entspanntem Szenetreff – so wie ich es bereits in zwei Artikeln aus den Vorjahren („Die wahrscheinlich lässigste Musikmesse der Welt“ und „Superbooth 2025„) beschrieben habe.
Diese Messe findet nicht auf einem Messegelände oder einer hippen Eventlocation in der Innenstadt statt, sondern am Stadtrand im Grünen. Genauer gesagt im FEZ – dem Freizeit und Erholungszentrum in der Wuhlheide. Da nicht nur die Bühnen, sondern auch ein großer Teil der Stände draußen in kleinen Holzhütten oder sogar unter Zeltplanen stattfindet, war es sehr gut, dass das Wetter mitgespielt hat. Es war trocken, teilweise sonnig und einigermaßen warm.
Wieviele Knöpfe möchtest Du an Deinem Synthesizer haben?
Nach einem Tag Superbooth bin ich freudig erschöpft. Es ist alles sehr schön und entspannt, aber die schiere Mengen an Eindrücken, Informationen, Klängen, Gesprächen ist überwältigend. Darum hier nur ein paar völlig subjektive Dinge, die bei mir hängengeblieben sind:
Video
Mir fiel auf, dass Video, bzw. Audiovisualisierung wieder ein größeres Thema zu sein scheint. Hier sei beispielhaft ein Projekt der Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch genannt, das ich das sympathisch finde.
Studentisches Videojingle Gerät
Im Rahmen von Theaterprojekten brauchten die Studenten eine möglichst einfache und kostengünstige Vorrichtung, um parallel mehrere Videostreams in Echtzeit anzeigen und manipulieren zu können. Also bauten sie es selbst. Auf dem Stand konnte man sich den Prototypen auf Basis von Raspberry Pi und einem 3D gedruckten Gehäuses vorführen lassen. Nun soll aus dem funktionsfähigen Gerät ein kostengünstiges, vermarktbares Produkt werden. Wir waren uns im Gespräch einig, dass einer der wichtigsten Erfolgskriterien eine möglichst einfache und intuitive Bedienoberfläche gehört.
Ich drücke dem Team die Daumen!
Grooveboxen, Matrixsequencer, Tracker
Einige klangerzeugenden Geräte würden Laien gar nicht als Musikinstrumente wahrnehmen. Damit meine ich alle Arten von Grooveboxen, Matrixsequenzern und Audiotrackern.
Kein Gamepad, sondern ein Instrument – der Nanoloop
Das schrägste, was ich gesehen habe – und das will auf der Superbooth etwas heißen – ist die Software Quadtrack von der Berliner Firma Pink Parrot Studio. Eine Tracker Software, die sage und schreibe auf einem Commodore Amiga(!) vorgeführt wurde und kreischend bunt aussah. Der Stand wirkte wie eine Zeitkapsel aus dem Jahr 1987. Im Jahr 2026 braucht man aber nicht zwangsläufig einen Amiga. Man kann die Software auf Mac und Windows ausführen – die Amiga Emulation wird mitgeliefert.
Quietschbunt – Quadtracker auf einem Original Commodore Amiga aus der 80ern
Bei den Hardwaretools liegt Design, Material- und Verarbeitungsqualität generell auf hohem Niveau. Gleich zu Beginn, ließ ich mir den Plinky 12 vorführen. im Prinzip ein dünnes Aluminiumbrett ungefähr in der Größe einer LP mit einer berührungsempfindlichen Oberfläche unter der sich 16 x 16 LEDs befinden. Wie das Ding genau bedient wird, hängt von den austauschbaren Oberflächen ab. Zur Zeit gibt es drei Stück.
Plinky12 mit unterschiedlichen Benutzerinterfaces
Auch Dirtywave war wieder mit dem M8 Taschentracker vor Ort. Ein sehr eigenwilliges Mini-Studio im Hosentaschenformat, mit dem man recht gute Tracks bauen kann. Das Gerät habe ich bereits im letzten Jahr beschrieben. Auch hier: Ein solides Aluminiumgehäuse und erstklassige Tasten. Auf meine Frage, ob es mittlerweile einen deutschen Vertrieb gibt bekam ich die Antwort, dass man es weiterhin nur direkt in den USA bestellen kann. Es wird eine Charge produziert und wenn die ausverkauft sind, muss man auf die nächste Charge warten. Normalerweise hätten sie jetzt noch welche gehabt, aber seit das Gerät beim Youtube Channel „Bad Gear“ besprochen und nicht – wie dort sonst üblich – zerrissen wurde, ging das Ding weg, wie geschnitten Brot.
Dirtywave M8 (Bild aus dem letzten Jahr)
Der Moderator wäre übrigens kurz vor mir dort gewesen. Tatsächlich habe ich Florian „Audio“Pilz auch kurz darauf getroffen und ihm zu seinem Youtube Kanal gratuliert.
Im letzten Jahr hatte ich es übersehen, aber in diesem Jahr habe ich mir das Bento von 1010music genauer angesehen und erklären lassen (und jetzt schon wieder kein Foto gemacht). Im Prinzip eine Sample basierte Groovebox, die man bequem mitnehmen kann um unterwegs einen Track zu bauen. Auch hier ist die Hardware chic: Flaches, steifes Aluminiumgehäuse, solide Drehregler, scharfes Farbdisplay für unter €1000,-.
Das letzte Gerät in dieser Reihe, dass auch schon letztes Jahr gezeigt wurde, ich aber erst in diesem Jahr angefasst habe ist das Ableton Move. Ähnliches Prinzip: flaches, rucksacktaugliches Alu“brettchen“ mit ein paar Pads und Drehreglern, mit dem man unterwegs schnell mal ein paar musikalische Skizzen machen kann. Ebenfalls mit super Design und Hardwarequalität.
Ableton Move – Groovebox, bzw -brettchen als musikalisches Notizbuch
Ehrlich gesagt hätte ich das dieses Jahr wieder übersehen, wenn nicht ein Schild auf den Stand hingewiesen hätte. Denn was so aussah, wie irgendein Imbisswagen hinter den anderen Imbisswagen und Kaffeeständen, war tatsächlich eine Ausleihe. Man konnte sich dort das „Move“ für eine Stunde ausleihen und auf der Wiese damit rumspielen. Ziemlich charmante Idee.
Musikalischer Imbiss – „Bitte einmal Ableton Move“
Ich finde die Idee, jederzeit ein leichtes elektronisches Notizbuch dabei haben zu können, eigentlich sehr interessant. Nachdem ich nun also endlich einige Geräte dieser Art ausprobieren konnte, bin aber ich zu der etwas ernüchternden Erkenntnis gelangt, dass das irgendwie nicht mein Workflow ist. Genauso wenig wie Gestöpsel am Modularsynthesizer. Das finde ich zwar alles interessant, aber ich komme selbst so zu keinen befriedigenden Ergebnissen. Mein Ding scheint zu sein: Keyboard und Sequencer mit Instrumentenspuren.
Na gut, dann ist das eben so. Kommen wir also folgerichtig zu der nächsten Kategorie:
Spiel orientierte Tasteninstrumente
Die Tasteninstrumente, die ich ausprobieren konnte, teile ich für mich grob in zwei Kategorien: Sound orientiert und Spiel orientiert.
Kurzweil K2700 – sehr Spiel orientiert
Unter Spiel orientiert verstehe ich Geräte, die vergleichsweise bekannte Klangkategorien bedienen, aber sehr nuanciert zu spielen sind und dadurch „natürlicher“ klingen. Ein gutes Beispiel ist das Kurzweil K2700. Dieses Keyboard bietet zwar überwiegend konventionelle Klänge, wie Streicher oder Pianos, diese aber in hervorragender Qualität und dank einer tollen 88 Tasten Klaviatur sehr natürlich und ausdrucksstark spielbar.
Dirk am C25 von Nonlinear Labs
In eine ähnliche Richtung geht die Berliner Instrumentenmanufaktur Nonlinear Labs mit ihrem neuen C25. So wie ich es verstanden habe, ist es die Bühnenversion ihres bereits bekannten Edelinstruments C15, das für besonders ausdrucksstarkes Spiel geeignet ist.
Sound orientierte Tasteninstrumente
Unter Sound orientiert verstehe ich Geräte bei denen der Schwerpunkt in der möglich einfachen und/oder komplexen Manipulation des Klangcharakters liegt. Dafür ist die Art der der Klangsynthese (z.B. subtraktiv, additiv, granular), welche Oszillatoren, Filter und Modulationsmöglichkeiten vorhanden sind und wie intuitiv sich das während des Spiels verändern lässt, wichtig. In den letzten Jahren bin ich immer mehr zu einem Freund klassischer subtraktiver Klangsynthese geworden.
Ich konnte die viel gelobten Modelle Super 8 und den brandneuen DMNO von UDO Audio aus Bristol ausprobieren. Obwohl ich die Drehregler etwas schwergängig fand, ist die Qualität der Hardware über jeden Zweifel erhaben. Das ungewöhnliche Konzept des DMNO machte mir die Bedienung rätselhaft und der Klang des Super 8 ist zwar sehr gut, aber für meinen Geschmack etwas zu brav. Beides sind sehr gute Instrumente, auch wenn sie mich nach kurzem Anspielen nicht voll abgeholt haben. Möglicherweise wäre das mit etwas mehr Zeit und Muße anders gewesen.
Aus irgendeinem Grund, werde ich von den Instrumenten von Dave Smith und Tom Oberheim mehr angesprochen. Mittlerweile sind Sequential und Oberheim dieselbe Firma und häufig gibt es deren Instrumente in jeweils einer Sequential und einer Oberheim Variante (z.B. Oberheim TEO-5 und Sequential Take-5) die ähnlich aufgebaut sind, sich aber klanglich deutlich unterscheiden.
Ich habe den günstigen und genial klingenden Oberheim TEO-5 angespielt um herauszufinden, ob er mich noch immer so begeistert, wie beim ersten Mal (Spoiler: Ja). Der Sound ist Oberheim typisch kräftig. Die Bedienung ist logisch. Ich fand sofort alle wesentlichen Klangparameter um sie während des Spielens ändern zu können. Die Qualität der Regler und Tasten sehr gut und das Gerät ist für lediglich €1.500,- fast schon geschenkt. Wenn ich doch bloß etwas mehr Platz hätte…
Oberheim TEO-5 (Bild aus dem letztem Jahr)
Während ich darauf gewartet habe, dass der TEO-5 frei wird, hatte ich Gelegenheit, den Sequential Trigon 6 auszuprobieren, der mit €3.500,- eine Preisklasse höher angesiedelt ist. Das ist der letzte Synthesizer, an dem Dave Smith vor seinem Tod mitgearbeitet hatte. Auch hier war ich von Bedienung und Klang begeistert. Ich bevorzuge eigentlich den Klang der Oberheim Filter gegenüber denen von Sequential, aber auch diese Gerät ist eine Wucht.
Klingt super, ist klasse verarbeitet und leicht bedienbar – Sequential Trigon 6
Ich habe von den beiden Klassikern Oberheim OB-X und Sequential Prophet 5 Softwareemulationen. Für sich genommen klingen die auch toll, und sind super im Mix verwendbar. Aber jedes Mal, wenn ich ein echtes, physikalisches Instrument dieser Güte spielen kann, bin ich begeistert von der direkten Zugänglichkeit und der Qualität des Klanges – noch ein bisschen filigraner, noch ein Quäntchen mehr Druck und Oomph von unten.
Leider ist Hardware nicht nur teuer, sondern benötigt viel Platz und noch mehr Zeug, wie Kabel, Steckdosen, Mischpulte,…
* Seufz *
Andere Instrumente
Elektronische Musik kann man nicht nur mit Tasten spielen, programmieren oder mit Kabeln und Knöpfen zusammenstecken. Auf der Superbooth gab es auch elektronisches Schlagzeug, Blasinstrumente, oder Handschuhe(!) als Eingabemedium und diverse Tonabnehmer und Sensoren mit denen man Schwingungen von Holzklötzen, Pflanzen oder sonst was aufnehmen konnte.
Begehrt: Die elektronische Kalimba
Im Vergleich dazu fast schon wieder konventionell ist die elektronische Kalimba von Bastl Instruments. Im Vorfeld hatte ich schon einige Videos dazu gesehen und hier konnte ich dann auch tatsächlich damit spielen. Ich hatte zuvor bereits normale akustische Kalimbas gesehen, die mit Sensoren oder Tonabnehmern versehen wurden, aber diese ist anders. Man kann den Ton im Instrument selber ändern und es gibt sogar einen kleinen Arpeggiator, der automatische Tonfolgen abspielen kann.
Sehr interessant und eigen.
Bekannte Gesichter
Kurz etwas Namedropping: Die Superbooth ist mittlerweile eines der wichtigsten Branchenevents. In diesem Jahr habe erkannt: Herrn Schneider (der Veranstalter), Dieter Döpfer (Erfinder des Eurorack Formates für Modularsyntesizer) und Florian Pilz (Youtube Channel „Bad Gear“), sowie Stephan Schmitt und Tim Sund von der Berliner Synthesizermanukatur Nonlinear Labs. Aber wie man durch eine kurze Suche bei Youtube sehen kann: Eigentlich waren fast alle da.
Fazit
War wieder Klasse. Viel schönes Zeug gesehen, gehört und angefasst. Ambiente toll, Dirk erschöpft und fröhlich.
Am ersten Wochenende im Mai fand in Berlin nach 2022, 2023 und 2025 nun bereits zum vierten Mal das Elektro Motorrad Festival Reload.Land statt. Also nichts wie hin zum ehemaligen Flughafen Tempelhof, wo das Festival als Teil des Rahmenprogramms der Formel-E Grand Prix Autorennens stattfand.
Reload.Land auf dem Vorfeld des ehemaligen Flughafens Tempelhof
Ob ich das für so ’ne richtig gute Idee halte, dazu weiter unten mehr. Auf jeden Fall spielte das Wetter mit. Trocken, Sonne satt und Temperaturen bis zu 26 Grad.
Welche Hersteller waren wieder dabei?
Bei der vierten Auflage scheint sich das Anbieterfeld so langsam zu etablieren und stabilisieren. Livewire und Can-Am waren wie schon im letzten Jahr mit etlichen Vorführmaschinen dabei. Die beiden Modelle Pulse und Origin von Can-Am und die Livewire S2 DelMar konnte ich ja bereits im letzten Jahr zur Probe fahren.
Livewire mit breiter Auswahl an Testfahrzeugen
Livewire arbeitet hart daran, die Elektromotorräder günstiger zu machen. Als 2019 die heutige Livewire One (damals noch „Harley-Davidson LiveWire„) vorgestellt wurde, lag deren Preis noch bei €28.000,-. Mittlerweile startet der Preis für das Modell bei €15.000,-. Die S2 lag bei ihrer Vorstellung noch bei €19.000,- ist aber in der Zwischenzeit bereits ab €12.500,- erhältlich. Zudem wird die Modellpalette demnächst mit den S4 Modellen nach unten abgerundet. Über Daten und Preise schweigt man sich noch aus. Ich tippe auf ein A1 Modell mit ca. 4kW Akku im mittleren vierstelligen Bereich. Die Produktion soll noch 2026 starten.
Das Modell S4 Honcho war bereits zu sehen, durfte aber noch nicht gefahren werden. Auf Fotos fand ich das Design etwas fragwürdig, aber wenn man direkt davor steht, hat das knuffige kleine Maschinchen etwas von einer Honda Monkey in elektrisch.
Livewire S4 Honcho
Nach zwei Jahren Abwesenheit war Zero diesmal wieder mit am Start. Auch von diesem Hersteller konnte ich vor ein paar Jahren bereits die Supermoto FXE und die Naked SR/F fahren.
Zero mit vielen Modellen am Start. Hier die großen aus der S und D Modellreihe
Zero erweitert ebenfalls sein Programm nach unten. Neben den bekannten großen und teuren Maschinen, hatte man diesmal den neuen Roller LS1 in der A1 Klasse, sowie die beiden kleinen geländefähigen E-Moto Modelle XB (AM bis 45km/h) und XE als A1 Modell dabei.
Die XE interessierte mich seit längerem und nun konnte ich sie endlich auch zur Probe fahren. Wie bei elektrischen Fahrzeugen üblich, sagen die nakten Zahlen (15kW Maximalleistung, 85km/h Höchstgeschwindigkeit, 101kg) etwas anderes, als das Fahren selbst. Das kleine Biest geht los wie die Hölle. Wenn man den Hahn ganz aufdreht, muss man sein Gewicht ganz nach vorne verlagern, um keinen Backflip zu machen. Und selbst dann hatte ich das Vorderrad etwas angelupft und der grobstollige Hinterreifen hatte sogar schon etwas Schlupf – bei trockenem Asphalt und über 20 Grad. Ich will gar nicht wissen, wie das bei Nässe ist.
Zero XE – kleines, wildes Ding
Abgesehen von der brachialen Beschleunigung – man kann auch sehr gesittet und feinfühlig mit der Maschine fahren und das ist dann sehr lässig. Einzig der Blinkerschalter war etwas fummelig, aber vermutlich gewöhnt man sich schnell daran. Und man sollte nicht erwarten, völlig lautlos unterwegs zu sein: Die Geländereifen und das Getriebe sorgen für deutlich hörbare Geräusche. Mein Fazit: Schönes Teil! Und mit €6.600,- auch bezahlbar. Als Supermoto wäre das ist genau mein Ding für die Stadt. Leider gibt es noch das Problem mit dem Aufladen…
Bereits zum zweiten Mal dabei ist Maeving (https://maeving.com/de-de) aus England. Für Freunde klassischen Motorraddesigns sind diese Leichtkrafträder wahre Hingucker. Ihre im Hinterrad eingebauten Radnabenmotoren leiten A1 konforme 11kW.
Zwei schicke Maeving aus Coventry
Ganz im Gegensatz dazu sind die E-Mopeds von Coopop (https://coopop.bike/) eher lustige Interpretationen klassischen Designs, wie zum Beispiel von Bobbern oder Minibikes wie der Honda Gorilla.
Coopop Rugged, Bobber und SG (v.l.n.r)
Der finnische Hersteller Verge (https://www.vergemotorcycles.com/de_de/) ist bereits seit mehreren Jahren mit seinen leistungs- und drehmomentstarken, Maschinen mit dem charakteristischen Nabenlosen Hinterrad auf dem Reload.Land Festival vertreten. In diesem Jahr aber zum ersten Mal mit gleich vier Vorführern.
Verge – groß, stark, bunt und mit „Loch“ im Hinterrad
Die nächsten beiden deutschen Firmen sind bereits seit dem ersten Reload.Land Festival dabei.
Black Tea Motorbikes (https://www.blackteamotorbikes.com/) hatte seine neue Wildfire dabei, die deutlich kräftiger, bulliger und kantiger als die seit ein paar Jahren gebaute Bonfire. Das Modell, das ich gesehen habe, hatte leider wieder nur CBS Bremsen, aber man scheint sie auch mit ABS kaufen zu können. Respekt dafür, dass es diesen kleinen Hersteller, der als Uni Projekt gestartet ist, noch gibt, während andere, denen ich damals bessere Chancen eingeräumt hatte, wie Cake oder Energica die Segel streichen mussten.
Ebenfalls als Uni-Projekt hat Second Ride (https://second-ride.de/) aus Berlin begonnen. Der Gründer Carlo Schmid wollte sein Simson Moped einfach vom Zweitakter auf Elektroantrieb umrüsten und hat die Umrüstsätze für Simson S51 und Schwalbe auch an andere Interessierte verkauft. Mittlerweile ist das Umrüstset modular, passt an diverse alte Mopeds verschiedenster Hersteller (z.B. Kreidler, Zündapp, Yamaha oder Honda) und ist optisch kaum noch von den originalen Motoren zu unterscheiden, um das Design der alten Maschinen zu bewahren. Sehr cool und professionell gemacht!
Welche Hersteller waren neu dabei?
Die ersten zaghaften Versuche der großen, etablierten Motorradhersteller aus Japan im Elektrobereich konnte ich noch nicht so recht ernst nehmen. Aber in diesem Jahr stellte Honda mit der WN7 endlich eine Maschine vor, die preis- und leistungstechnisch mit Zero und co mithalten kann. Eckdaten: 50kW Maximale Leistung, 140km Reichweite für €15.000,-. Die etablierten Motorradtester waren beim Probefahrten in Malaga jedenfalls beeindruckt – ja, auch die Verbrennerliebhaber.
Honda WN7 – angucken und draufsetzen ja. Fahren leider nein
Die WN7 wurde in Berlin statisch ausgestellt. Angucken, anfassen, draufsetzen ging – fahren leider noch nicht. Optisch spricht sie mich zwar nicht so recht an, aber die haptische Qualität ist Honda-typisch hoch und sie hat ein Detail, das ich richtig klasse finde: Sie hat einen CCS Anschluss, wie jedes E-Auto! Man kann die WN7 also sowohl an langsamen 11kW AC Ladern oder an DC Schnelladern aufladen.
Wobei der eigentliche Witz nicht mal so sehr die Ladegeschwindigkeit ist, sondern, dass man bei DC Ladern kein sperriges Kabel mitnehmen muss. Geht doch! So langsam kommen wir dahin, wo wir hinwollen. Bitte mehr davon!
Auch zum ersten Mal dabei ist ein europäischer Hersteller, der seit einiger Zeit im Geländesport und bei jugendlichen Motorrad Youtubern von sich reden macht: Stark Future (https://starkfuture.com/de-DE) mit Sitz in Spanien hatte mehrere Varianten des €13.000,- teuren Modells Varg mitgebracht. Darunter auch die brandneue Supermoto.
Stark Varg Enduro mit Strassenzulassung
Ich habe letztlich von einer Probefahrt abgesehen, obwohl mich die Stark brennend interessiert. Zuvor hatte ich ja bereits die kleine Zero XE mit 15 kW ausprobiert und war damit bereits an das Maximum dessen gekommen, was man mit einigermassen guten Gewissen auf Stadtstraßen fahren kann. Die Stark ist mit ihren 80PS vier Mal so stark (Wortspiel – haha…). Jeder erfahrene Motorradfahrer, der sie bisher ausprobiert hat, war voll des Repekts. Zitat des Youtubers Blackout: „Die Maschine ist ja total geisteskrank„. Und auch mein Triumph Händler, der wirklich starke Sportmaschinen gewohnt ist hatte eine Stark im Laden und meinte „Die fahr ich nicht nochmal – das ist mir viel zu krass„.
Also vielleicht mal später in einer Umgebung, wo man eher etwas rumspielen kann.
Im Nachhinein ärgerlich, dass ich an Gr1t (https://www.gritmotorcycles.com/en) vorbeigegangen bin, weil das neue Unternehmen tatsächlich aus Berlin (und Mailand) kommt und die Maschinen mit deutlich unter €10.000 bezahlbar sein sollen. So kann ich leider nicht sinnvolles sagen, aber wenigstens habe ich ein Foto gemacht.
Gr1t aus Mailand und Berlin
Welche Hersteller fehlten?
Einige Pioniere im Bereich elektrischer Zweiräder haben leider wieder aufgeben müssen. Unter anderem auch Cake aus Schweden, Energica aus Italien und Brekr aus den Niederlanden, die auf früheren Veranstaltungen dabei waren.
Ich finde es hingegen unverständlich, dass BMW schon wieder nicht auf dem Reload.Land vertreten ist, obwohl sie elektrische Zweiräder im Angebot haben und sogar eine Motorradfabrik in Berlin Spandau.
Ebenfall schade, dass der einzige Bereich, in dem elektrische Zweiräder gerade bei Jugendlichen boomen nicht vertreten war. Weshalb sind die E-Moto Pioniere Sur-ron, Talaria und E-Ride nicht anwesend? Wo ist Altis? Immerhin hatte wenigstens Zero seine E-Moto Modelle mitgebracht.
Formel E Grand Prix – coole Kombination?
Wie bereits angedeutet, was das Reload.Land in diesem Jahr Teil des Rahmenprogramms des Formel E Grand Prix. Am Samstag, als ich dort war, lief das Qualifying. Auch der seit einigen Jahren an wechselnden Orten stattfindende E-Cannonball. Zudem fand im Flughafengebäude auch noch die Kunstmesse Paper Positions statt und nicht zu vergessen ist das ganze ehemalige Flugfeld ein großer, gut besuchter Park für die umliegende Stadtteile Tempelhof, Kreuzberg und Neukölln.
Wahrscheinlich war die Idee, das Reload Land in solch einer wuseligen Gemengelange von hunderttausenden Menschen stattfinden zu lassen, dass man mehr Spontanbesucher bekommt und so bekannter wird. Ich kann nicht beurteilen, ob das Kalkül aufgegangen ist. Als Besucher fand ich das ehrlich gesagt ziemlicher Mist, weil es für mich eigentlich nur Nachteile hatte.
Ich komme ja dorthin, weil mich die E-Motorräder interessieren und man vor allem auch Probefahrten machen kann. Dafür ist ein Veranstaltungsort innerhalb des Berliner S-Bahnrings aufgrund der Verkehrssituation schon mal ziemlich untauglich.
Schlimmer war, dass die Bindung an den E-Grand Prix auch massive organisatorische Probleme zur Folge hatte.
Neben der Registrierung für das Reload.Land brauchte man auch noch eine weitere Eintrittskarte für den Fan-Bereich vom E-Grand Prix, obwohl der mich gar nicht interessiert hat.
In der gesamten Kommunikation wurde nicht deutlich, wo überhaupt der Eingang zur der Veranstaltung ist. Nicht ganz unwichtig, weil der blöde Flughafen nämlich echt gross ist. Ich bin erst mal aus Versehen beim Lieferanteneingang gelandet und wurde dann zur Presseakkreditierung geschickt, bevor sich jemand meiner erbarmt hat und mir korrekte Infos gegeben hat.
Wenn ich vor habe, Probefahrten mit Motorrädern zu machen, habe ich natürlich Schutzkleidung und Helm an. Und deshalb komme ich natürlich nicht mit der U-Bahn, sondern mit dem eigenen Motorrad. Eigentlich klar, bloss muss man das dann auch irgendwo ordentlich parken können. Das war nicht vorgesehen. Also habe ich meine Kiste ziemlich ungeil auf einem Grünstreifen abstellen müssen.
Noch besser war die Ansage am Einlass, dass man seinen Helm nicht mit reinnehmen darf. WTF??? Natürlich muss ich meinen Helm mit reinnehmen, wenn ich Motorräder ausprobieren will. Das wurde dann von mitfühlenden Orga Mitarbeitern gelöst, indem man diskret über einen Seiteneingang reingelotst wurde.
Dann musste man seinen Helm in einem Container ablegen, damit die Grand Prix Security nicht rumnervt. Immerhin hat sich dann jemand als „Helmgardobiere“ erbarmt.
Wenn man sich dann eine Probefahrt organisiert hatte, musste man das Fahrzeug bis zum Ausgang schieben, weil es verboten war, auf dem Gelände zu fahren! Bei der 100kg leichten Zero XE kein Problem, aber eine 247kg schwere Zero DSR/X?
Dann kommt man von der Probefahrt mit der geliehenen Maschine, die x-mal an dem Tag rein- und rausfährt zurück und die Security fragt ernsthaft, ob man eine Eintrittskarte hat. Meine Erwiederung „Ja natürlich. Ich bringe doch gerade die Probefahrtmaschine zurück“ wurde mit glasigem Blick und dem Spruch „Dann zeig mir doch die Eintrittskarte“ beantwortet. Diese Dumpfheit hat mich wirklich für 5 Sekunden sprachlos gemacht, bevor ich meine Handschuhe ausgezogen habe, mein Smartphone aus der Tasche gezogen habe, darauf rumgefudelt, bis der „Wachtmeister“ den Code gesehen hat, die Sachen wieder verstaut, Handschuhe wieder an, einmal um die Ecke gefahren und dann das Ganze nochmal (!!!) um dann die Maschine wieder zurückzuschieben.
Wichtig daran ist, dass diese ganze Hohlköpfigkeit und geistige Stumpfheit von der Orga und Security des E-Grand Prix ausging. Die Orga und die Mitarbeiter vom Reload.Land haben alles mögliche getan, damit die Situation nicht völlig aus den Fugen gerät. Danke dafür.
Aber so eine Kombination bitte nicht für das nächste Mal.
Neulich hat mich ein Freund gefragt, ob ich mit meinem Elektro-Auto eigentlich noch zufrieden bin. Tja, eigentlich reicht es schon fast, das folgende Foto von heute zu zeigen.
Ratet mal – Bin ich zufrieden mit meinem E-Auto? (Bild vom 22.03.2026)
Ich kann es auch so zusammenfassen:
Der Umstieg auf ein Elektroauto gehört zu den besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe.
Oder noch etwas ausführlicher:
Es ist fast genau zwei Jahre her, daß ich umgestigen bin. Von Benzin auf Strom. Von Mercedes zu Tesla. Zwei Sommer und vor allem zwei Winter später, nach mehreren Urlauben und Ausflügen, mit Kurz- und Langstrecke, mit Stadt, Landstrasse und Autobahn kann ich das Fazit ziehen.
Das Auto als solches Technik beiseite – ich versuche mal das Gefühl zu erklären. In meiner Jugend hatte ich diesen einen (etwas schnöseligen) Auto-Traum:
Die Szenerie wie in einem englischen Krimi aus den 60ern. Nach einer längeren Fahrt durch eine schöne Landschaft komme ich entspannt mit einer eleganten Reiselimousine an einem Landsitz an. Ich fahre durch die Einfahrt und dann langsam die mit alten Bäumen gesäumte kiesbedeckte Auffahrt hoch. Von dem kraftvollen Wagen hört man nichts – nur der Kies knirscht leise unter den Reifen. Ich dachte damals an einen 12 Zylinder Jaguar oder so etwas.
So eine Szene habe ich erlebt. Nicht in England, sondern in Nordfriesland. Die Kiesallee war nicht 500m sondern 50m lang und anstatt im Jaguar saß ich im Tesla.
Aber das Gefühl war dasselbe!
Und damit bin ich nicht alleine. Meine Beifahrerin bemerkte: „Ich liebe dieses Gefühl, wie in einem Raumschiff leise dahinzugleiten“.
Das Auto ist an vielen Stellen etwas eigenwillig und auch nicht perfekt, aber super geschmeidig, kraftvoll, lautlos und wirklich gut verarbeitet. Der Tesla ist ein super entspanntes Reiseauto.
Mit Tessi in Dänemark
Der Joker ist die Vorklimatisierung. Im Sommer nicht in ein brütend heisses Auto einsteigen zu müssen und im Winter den Wagen vorwärmen und damit Eis und Schnee nicht mehr mühsam abkratzen zu müssen ist Gold wert!
Die Kosten Erst mal die Anschaffung. Eine geräumige, gut ausgestattete Limousine mit fast 280PS für €42.000,- ? Hätte ein vergleichbarer Verbrenner auch gekostet. Locker!
Ein (seltener) Traumwerte beim Verbrauch – aber nicht die ganze Wahrheit
Im Gegensatz zum Verbrenner hatte ich bei Elektro absolut keine Ahnung wie die sonstigen Unterhaltskosten sind und habe daher genau Buch geführt.
Die KFZ-Steuer ist für 10 Jahre erlassen, dafür ist die Versicherung etwas teurer.
€0,- Wartungs- oder Werkstattkosten (Mercedes: ca. 850,- Wartungskosten pro Jahr)
Der im Fahrzeug angezeigte Stromverbrauch (s.o.) ist nicht die ganze Wahrheit. Hinzu kommen Ladeverluste, Strom für Vorklimatisierung, Batterievorkonditionierung und Standbybetrieb, falls ein Update läuft oder der Wächtermodus aktiv ist. Daher habe ich stets die an der Ladesäule abgegebenen und bezahlten kWh notiert. Das Ergebnis kann sich trotzdem sehen lassen: 18,5 kWh pro 100km gegenüber 10 L Superbenzin beim Mercedes.
Ich habe für den Fahrstrom ca. €2.000,- weniger ausgegeben, als mich Benzin gekostet hätte.
Nebenbei bemerkt: das sind auch 2,8 Tonnen CO2 weniger und giftiger Bremsstaub entfällt auch fast komplett, weil der Wagen über Rekuperation bremst und damit den Akku wieder auflädt.
Sonstige Kosten, die für bei beiden identisch wären (Stellplatz, Ganzjahresreifen, Parkgebühren etc.) lasse ich im Vergleich mal außen vor. Unterm Strich ungefähr €1.800,- pro Jahr weniger für ein viel besseres Fahrgefühl. Umweltschutz und weniger Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen inklusive.
Strom laden – wo und wie?
Ich wohne in einer Mietwohnung mitten in der Berliner Innenstadt. Immerhin habe ich einen Stellplatz (Yay!), aber keine Lademöglichkeit – obwohl vier Säulen im Hof stehen (Boo!). Der Vermieter versteht das Prinzip einfach nicht. Premiumpreis für Stellplatz, plus Stromvertrag, plus gar nicht mal günstiger Stromtarif macht schlichtweg keinen Sinn. Egal – abgehakt.
Zu Hause laden ist also nicht, aber In den letzten Jahren hat sich die Anzahl der Ladesäulen ordentlich vermehrt und zudem darf ich hin- und wieder bei meinem Arbeitgeber laden. Ansonsten gibt es in meinem Viertel einigermaßen bezahlbare AC (langsam) Ladesäulen von den Berliner Stadtwerken und von Qwello, aber die sind auch immer häufiger belegt. Auf Reisen lade ich tatsächlich meist bei Tesla, weil es einfach, zuverlässig und nicht allzu teuer ist, oder bei EWE.
Schön – aber muss es unbedingt Tesla sein?
Nein, nicht mehr zwingend. Ende 2023 sah das aber noch anders aus. Das Tesla Model 3 war eigentlich gar nicht mein Wunschauto, aber die Konkurrenz war damals(!) nicht überzeugend. Musk war zwar auch schon ein Armleuchter, aber hatte seinen Hitlerstunt noch nicht gemacht.
Heute gibt es ein sehr viel größeres Angebot an guten und auch bezahlbren E-Autos und dieses Jahr kommen noch sehr viele interessante Neuerscheinungen raus.
Ich sehe Tesla – wenn man mal den CEO außen vor lässt – aber immer noch im Rennen. Die Autos sind technisch nicht mehr führend, können aber immer noch mithalten. Sie sind ausgereift, robust, gut ausgestattet, sparsam und für die Größe recht preiswert. Gute Infrastruktur inklusive.
Und weil die Software immer aktuell gehalten wird, ist es durchaus möglich, dass mein fast 3 jähriges Auto in den nächsten Monaten teilautonom fahren kann, falls die europäischen Behörden FSDs freigeben. Das wäre dann doch wieder ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Mal gucken.
Fazit
Ich sehe eigentlich überhaupt keinen Grund mehr, weshalb man sich heutzutage als Neufahrzeug noch einen Verbrenner kaufen sollte. Falls man die Möglichkeit hat, zu Hause zu laden, schon mal gar nicht (Ausnahme: Motorrad. Aber dazu kommt noch was). Die Auswahl an guten und bezahlbaren Elektroautos für jeden Geschmack und in jeglicher Größe steigt rasant. Die Infrastruktur ist auch schon gut und wird immer besser.
Keine Abgase, kein Motorenöl und fast kein Feinstaub durch Bremsen. Keine Ölpest durch Tankerunfälle. Keine Raffinerien. Kein umweltschädlicher Ölsandabbau. Weniger Devisen für fragwürdige Staaten und vor allem – keine Kriege mehr um Öl. Und trotz dieser Vernunftgründe muss man auf nichts verzeichten. Im Gegenteil:
Was bisher geschah… Im letzten Jahr hatte ich mich schweren Herzens dazu durchgerungen, meine Suzuki GSX-S 750 („Probefahrt Suzuki GSX-S 750„) zu verkaufen. Ich habe das gemacht, weil ich sehr viel weniger gefahren bin, als ich ursprünglich gedacht hatte.
Die schönen, entspannten Touren über die Landstraßen für die die Maschine klasse ist, habe ich kaum gemacht, weil es sich meist nicht so ergab. Und in der Stadt nervt das Gewicht von 215kg, die schwergängige Kupplung und dass einen der Motor an der Ampel oder im Stau von unten langsam grillt. Zudem ist der breite Vierzylinder nicht die erste Wahl um durch den Stau zu wuseln.
Die Maschine war in super Zustand, hatte noch keine 10.000km runter und es war ewig schade, dass so eine tolle Fahrmaschine unten im Hof Moos ansetzt. Umso schöner war es zu sehen, wieviel Freude die Käuferin versprühte, bevor sie mit der Maschine vom Hof fuhr und mir noch am selben Nachmittag eine SMS schickte, dass die Maschine jetzt umgemeldet sei. Die Suzi ist in guten Händen und eine nette junge Frau ist jetzt glücklich.
Schön. Aber…
Es juckt… Motorrad fahren ist eine sehr emotionale Herzenssache, die man „normalen“ Menschen gar nicht richtig erklären kann. Man muss unbequeme Schutzkleidung tragen, ist Wind, Regen und Sonne ausgesetzt, es ist körperlich 10 mal anstrengender als Auto zu fahren und zudem auch nicht gerade ungefährlich.
Aber man hat meist kein Parkplatzproblem, es macht Spaß, befreit den Kopf und ist gut für die Seele.
Nun ist ein Jahr rum, es ist fast Frühling und die Sehnsucht nach einem motorisierten Zweirad zwickt von allen Seiten. Also habe ich wieder geguckt, was es für interessante Maschinen gibt.
Muss das wirklich sein? Nein! Ist das Clever? Nein! Kann man das Geld sinnvoller ausgeben? Definitiv!
Okay, dann ist das ja geklärt. Also los…
Und da wie hier von Gefühl reden: Falls ich mir wieder ein Motorrad zulegen würde, hätte ich natürlich gerne etwas Schönes. In meinen Augen baut Triumph die schönsten Motorräder. Ich bin auch schon einige Modell zur Probe gefahren („Feinste englische Ware aus Hinckley„, „Triumph Trident 660 – erster Eindruck„) und fand alle toll und wunderschön. Aber es sind eben teure und vor allem auch große Maschinen, mit denen ich vermutlich wieder dieselben Probleme wie mit der GSX hätte.
Und dann habe ich die Scrambler 400 gesehen.
Schön, schmal, mit 179kg relativ leicht, kleiner Einzylindermotor mit gerade mal 40PS. Nichts für die große Tour, aber passend für das städtische Umfeld und zur Not auch mal einen Feldweg. Tester sprachen fast unisono von einer schicken, kleinen Maschine, die Spaß macht. Also hin zum Händler und eine Probefahrt gebucht.
Die Probefahrt
Heute hatte ich eine Stunde mit der Triumph Scrambler 400XC. Ich habe meine bewährte Testrunde mit Stadt, Landstraße, einem Stück üblem Kopfsteinpflaster und einer berüchtigten Staustrecke mit Stop and Go.
Triumph Berlin – Scrambler 400 XC abfahrbereit – perfektes Wetter
Das Wetter hätte nicht besser sein können: 15 Grad, trocken, sonnig. Die Maschine hatte ganze 9km auf dem Tacho. Ich war also der erste reguläre Fahrer. Das ist leider nicht ganz gut, weil Reifen, Bremsen und Motor noch nicht eingefahren sind und entsprechende Vorsicht angesagt ist. Im Verlauf der Probefahrt zeigte sich, dass das ohnehin besser ist, weil noch ziemlich viel Split auf den Straßen lag – und zwar bevorzugt in Kurven, Einmündungen und überall da wo man lenken und Bremsen muss. Puh!
Sitzposition und Bedienung
Motorräder der A2 Klasse (bis 48PS) sind häufig sehr kompakt oder sogar recht klein. Während das für das Schwestermodell Street 400 zutrifft, ist die Scrambler hier deutlich anders ausgelegt. Ich bin mit knapp 1,90m und 90kg weder klein, noch leicht, aber ich musste mich nicht zusammenfalten. Im Gegenteil: Die Sitzhöhe ist mit 83cm verblüffend hoch, die Sitzposition ist aufrecht und der Kniewinkel entspannt. Die Sitzbank ist genau so bequem, wie sie aussieht.
Sachlich und übersichtlich – Die Armaturen der Scrambler 400 XC
Die Armaturen sind einfach, zweckmäßig und übersichtlich. Analoger Tacho und ein einfaches LCD für Drehzahl, Gang, Kilometerzähler und Tankanzeige. Kein Mäusekino, keine verschachtelten Menüs, keine 1000 Fahrmodi. Für den Offrod Einsatz kann man das ABS ausschalten. Das war’s. Alles wichtige im Blick und mehr nicht. Sehr wohltuend. Wobei – ich habe mich in den letzten Jahre so an digitale Anzeigen gewöhnt, dass ich den Tacho anfangs ignoriert habe und stattdessen versucht habe, die Geschwindigkeit im Display abzulesen – dort wo die Ganganzeige ist. ;-)
Motor und Getriebe
Der Flüssigkeitsgekühlte Einzylindemotor hat 400ccm Hubraum und eine Maximalleistung von 40PS. Das Getriebe hat 6 Gänge, ist relativ kurz übersetzt. Die Kupplung ist leichtgängig, die Gänge schalteten sich präzise. Klar – im Gegensatz zu den 115PS der GSX 750 zieht die Maschine nicht die Wurst vom Brot, aber zum beherzten Mitschwimmen im Verkehr reichte das sogar, obwohl der Motor noch nicht eingefahren war und ich somit von höheren Drehzahlen Abstand nehmen musste. Dass die Scrambler von nur einem einzelnen Zylinder angetrieben wird, war immer zu hören und zu spüren, aber es gab keine unangenehmen Vibrationen. Der Auspuff klingt zwar kernig, ist aber absolut gesehen eher leise.
Schön anzusehen: Moderner Motor ohne hässliche Kabel oder Schläuche
Fahrwerk und Bremsen
Der Federweg ist vorne und hinten jeweils 150mm. Straff genug für gute Straßenlage und mit genug Reserven für Feldwege oder Brandenburgische Dorfstraßen mit Kopfsteinpflaster.
Die Standardversion der Scrambler fährt auf mit Alugussrädern (vorne 19×2,5″ und hinten 17×3,5″). Die von mir gefahrene XC Version ist hingegen mit identisch dimensionierten Speichenräder für Schlauchlosreifen ausgestattet. Sieht schick aus, wiegt aber 7kg mehr und bietet sonst keine Vorteile.
Das große Vorderrad und die aufrechte Sitzposition sorgen dafür, dass die kleine Triumph ordentlich geradeaus fährt. Zur Kurvenlage kann ich aufgrund der Streusplitverseuchten Brandenburger Landstraßen leider nichts sagen. Mein Eindruck war aber, dass sie eher nicht „wie von selbst in Kurven fällt“.
Zu den Bremsen kann ich noch nichts sagen, da die Maschine wie gesagt fabrikneu war. Die Kombination aus nicht eingefahrenen Reifen, nicht eingebremsten Belägen und Straßen mit ordentlichen Resten von Streusplit hat mich davon abgehalten mal ordentlich reinzulangen.
Ein wunderhübsches Maschinchen.
Fazit
Zunächst: Es hat Spaß gemacht, nach einem Jahr mal wieder eine Runde zu drehen, speziell auf dieser Maschine. Die Triumph ist – wie ich es nicht anders von der Marke erwartet habe – bildhübsch und mit sehr viel Liebe zum Detail gebaut. Ich habe gut auf ihr gesessen, sie fährt sich angenehm und fühlt sich größer und erwachsener an, als man es von einer 400ccm A2 Maschine erwarten würde. Der Einzylinder macht das Beste aus seinem kleinen Hubraum. So lange man nicht zu flott oder mit Sozius und Gepäck überdie Alpen fahren will, reichen die 40PS auch aus, aber es ist eben auch nicht mehr sehr viel Luft nach oben.
So weit, so schön
Ehrlich gesagt, war ich schon innerlich darauf eingestellt, nach der Probefahrt die Bestellung zu unterschreiben. Aber ich habe zurückgezuckt. Warum kann ich gar nicht genau sagen. Ich war zu 90% zufrieden und etwas verliebt in die schöne Maschine. Aber 90% sind eben nicht 100% und knapp €8.000,- sind zwar günstig für eine Triumph, aber nicht für einen 40PS Einzylinder. Und dann kommt der Grübeleimer: „Wie oft würde ich diese Maschine wirklich fahren?“ In der Stadt ist ein Roller mit Helmfach und Automatik wesentlich sinnvoller – aber leider überhaupt nicht Sexy. Zudem – ich hatte mir vorgenommen, kein Benzin mehr zu verbrennen. Nach einer Stunde Fahrt auf einem vibrierenden Explosionsmotor und danach in den Tesla steigen und sanft, geräusch- und vibrationslos loszurollen macht auch etwas mit einem. Ich habe ja auch schon diverse Elektrobikes gefahren und die sind schon klasse – bis auf die Frage, wo ich die aufladen kann. Für Autos ist das Thema gelöst, aber für Zweiräder leider noch nicht.
Am Pfingstwochenende fand in Berlin zum nunmehr dritten Mal das ReloadLand Festival für elektrische Motorräder statt. Dieses Mal nicht mehr im Craftwerk in Lichtenberg, sondern im Napoleon Komplex in Friedrichshain.
Bereits 2022 und 2023 hatte ich die Gelegenheit genutzt um einige interessante Probefahrten zu machen. Darunter waren sehr unterschiedliche Gefährte angefangen von Mopeds bis zu den bärenstarken Boliden von Zero und Energica. Und auch in diesem Jahr wollte ich mir die Gelegenheit, neue E-Motorräder zur Probe fahren, nicht entgehen lassen.
Alles elektrisch – fahrfertige Designstudien
Wer war da und wer hat gefehlt?
Viele Hersteller, die in den vergangenen Jahren dabei waren, fehlten diesmal leider. Der niederländische Hersteller von schicken E-Mopeds Brekr war nicht dabei. Die etablierten chinesischen Hersteller günstiger E-Offroader Sur-Ron und Talaria habe ich genauso vermisst wie Zero, die zwei interessante neue günstige Maschinchen haben.
Cake, der schwedische Hersteller von leichten Designer E-Motorrädern ist mittlerweile leider ebenso Geschichte wie Energica aus Italien, die mit ihren Hochleistungsboliden in meinen Augen den Maßstab für das machbare gesetzt hatten.
BMW glänzte durch Abwesenheit, obwohl sie in Berlin Spandau Motorräder produzieren und mit der CE02 und der CE04 zwei spannende, futuristische Elektroroller im Angebot haben.
BMW CE02 – leider nur im Glaskasten
Immerhin waren auch in diesem Jahr wieder zwei kleine Hersteller vor Ort, denen ich eher wenig finanzielles Durchhaltevermögen unterstellt hätte: Black Tea Motorcycles aus München mit ihren hübschen A1 Maschinen im 70er Jahre Design und Verge aus Finnland, die ihre futuristische, brachial starke TS mit dem charakteristischen Felgenmotor im Hinterrad mitgebracht haben.
Verge TS mit charakterischen „Loch“ im Hinterrad.
Erfreulicherweise waren zwei große Hersteller anwesend: Livewire und can-am. Deren Maschinen konnte ich auch fahren. Danach wurde leider das Wetter ziemlich unausstehlich und ich habe auf weitere Tests verzichtet.
Probefahrt Livewire S2
Livewire (Harley Davidson) hat sich in den letzten Jahren sehr mit Vorführmaschinen zurückgehalten. Angucken ja – ausprobieren nein. In diesem Jahr hatten die Amerikaner dafür aber gleich eine ganze Armada ihrer S2 mitgebracht. Die Livewire S2 war in drei unterschiedlichen Versionen vor Ort, die sich vor allem durch die Sitzposition und die Bereifung unterscheiden.
Ich fuhr die Variante „Alpinista“ mit normaler 17 Zoll Bereifung. Der Motor leistet 84PS und hat 263Nm Drehmoment. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 155km/h. Von 0 auf 100 geht es in rasanten 3 Sekunden. Die Maschine ist kompakt und schmal gebaut. Die niedrige Sitzhöhe und der niedrige Schwerpunkt machen das Handling der 197kg leichten Maschine einfach. Ich saß bequem und auch wenn man die brachiale Beschleunigung nutzt, muss man sich nicht verkrampft festhalten. Das Fahrwerk hat mir auf den Berliner Hauptstraßen gut gefallen. Material- und Verarbeitungsqualität sind auf sehr hohem Niveau. Die Maschine wirkt durch den gerippten Akku auf den ersten Blick wie ein normales Motorrad. Bei der Probefahrt schauten Passanten daher manchmal etwas ungläubig, als sie sechs „Harleys“ an der Ampel stehen sahen – und nichts hörten.
Livewire S2 Alpinista
Der Akku hat eine Kapazität von 10,5 kW/h und lässt sich über einen Typ2 Anschluss aufladen. Die lästige Kettenpflege entfällt, denn die S2 hat Zahnriemenantrieb. Der Spaß kostet €19.000. Heftig – aber immerhin €10.000,- weniger, als die S1 bei ihrer Einführung gekostet hat.
Probefahrt can-am
Bei can-am musste ich kurz überlegen, woher ich den Namen kannte. Die Kanadische Firma ist Teil des Bombardier Konzerns (Züge und Flugzeuge) und baut recht ungewöhnliche Fahrzeuge: Sportliche Trikes, Quads für Ralleys oder für die Forstwirtschaft, Schneemobile und so weiter. Jetzt also auch Elektromotorräder. Und eines ist klar: Wenn die etwas machen, machen sie es richtig. Das zeigte bereits der riesige Pavillion, den sie aufgestellt hatten. Also meldete ich mich auch hier zur Probefahrt an.
Can-am hatte zwei Typen dabei: Erstens die Origin – ein hochbeiniges Adventurebike auf Speichenrädern mit grobstolliger Bereifung. Zweitens die Pulse – ein Naked Bike mit Leichtmetallrädern und Straßenbereifung. Beide Maschinen waren jeweils offen mit 34kW für A2 Führerscheininhaber und mit 11kW für A1 Führerscheininhaber vorhanden. Wir sind in Gruppe gefahren und haben unterwegs durchgetauscht. Der große Unterschied ergibt sich aus der unterschiedlichen Sitzposition und Bereifung von Adventurebike und Naked. Hingegen war zumindest in der Stadt kein nennenswerter Unterschied zwischen 11kW und 34kW Version zu spüren.
can-am Origin Adventurebikecan-am Pulse Naked Bike
Im Gegensatz zur Livewire mögen manche die can-am als „Plastikbomber“ einordnen, aber die Verarbeitungsqualität ist sehr gut. Zudem finde ich es gar nicht mal so schlecht, wenn alles verkleidet und gekapselt ist. Umso einfacher ist die Fahrzeugpflege. Den Vogel schießt can-am mit der gekapselten Einarmschwinge hinten ab, die sie von ihren Schneemobilen übernommen haben. Die Kette läuft im Ölbad und ist selbst nachstellend. Der Akku hat 9,5 kW/h Kapazität und lässt sich per Typ2 Anschluss in 50 Minuten wieder aufladen. Dabei hilft das flüssigkeitsbasierte Thermomanagement. Ziemlich gute Technik also, die aber auch bezahlt werden will: Die Preise beginnen bei €16.000,-
Sonstiges
Es gab noch weitere interessante oder auch kuriose Fahrzeuge, die ich aber aufgrund des einsetzenden Regens nicht mehr Probe gefahren bin. Ein Top-Anwärter wäre die Maeving aus England gewesen – ein hübsches A1 Bike im Cafe Racer Stil. Die Maschinen sind technisch mit Radnabenmotor und herausnehmbare Akkus recht schlicht, aber dafür mit Preisen zwischen €6.300,- und €9.000,- bezahlbar.
Maeving aus England
Der Anbieter Coopop hatte lustige Fahrzeuge der AM Klasse (bis 45 km/h) dabei. Die kleine, eher an ein Kindermoped erinnernde GS Rugged reisst mit ihrem 1,2 kW Motor zwar keine Bäume aus, aber wiegt auch nur 40kg und ist mit €2.500,- ein Stück bezahlbare City-Mobilität.
Coopop GS Rugged, niedlich, lustig, leicht und günstig.
Das zweite Fahrzeug war etwas größer und ein Zwischending aus einem Roller und einem Bobber. Dazu habe ich leider keine Daten.
Bobber von Coopop
Bereits zum dritten Mal dabei: Second Ride. Das Startup bietet Umrüstsätze an, um die Klassiker von Simson auf Elektroantrieb umzurüsten. Das ganze ist so clever gemacht, dass man erst auf den 2. Blick erkennt, dass kein stinkender und lärmender Zweitakter in dem historischen Fahrzeug steckt. Und da der alte Rahmen weiterverwendet wird, gilt auch weiterhin trotz Versicherungskennzeichen die Ausnahmeregelung für legale 60 km/h.
Schicke Simson Klassiker auf Strom
Auf der Reload Land war auch die Europaprämiere des indischen Herstellers Ultraviolet. Dieses sportliche A1 Bike soll knapp unter €10.000,- kosten. Obwohl das ein neuer, unbekannter Hersteller ist, nehme ich ihn Ernst. Indien ist der weltgrößte Markt für Motorräder und hat einige Hersteller, die deshalb in enormen Stückzahlen produzieren. Zudem können wir in nächster Zeit vermutlich einige interessante indische Elektrozweiräder erwarten. Dort tritt bald ein Verkaufsverbot für kleinere Motorräder mit Verbrennungsmotor in Kraft. Ich freue mich schon auf die angekündigte Flying Flea von Royal Enfield…
Ultraviolet aus Indien
Wann starten Elektromotorräder denn nun endlich durch?
Erst mal zu den schönen Seiten: Das Fahren an sich. Kein dröhnender Auspuff, kein rappeliger, heißer Motor zwischen den Beinen. Stop-and-go ist geschmeidig ohne lästiges Kuppeln und schalten. Wenn die Bahn frei ist, extrem zügiges Beschleunigen. So macht sogar Stadtverkehr wieder Spaß. Von daher ist doch alles super!
Ja, aber…
Drei wirklich lästige „Kleinigkeiten“ stehen dem Erfolg noch (???) entgegen:
Preis
Reichweite
Lademöglichkeiten
Elektrische Zweiräder sind häufig noch 2-3 mal so teuer, wie Verbrenner. Meine drei Testmaschinen lagen zwischen €16.000,- und €19.000,-. Die Zero SR/F, die ich vor zwei Jahren fuhr lag bei €25.000,- und die Energica sogar bei €28.000,-. Vergleichbare Verbrenner liegen zwischen €7.000,- und €15.000,- Das muss man schon wirklich wollen.
Elektrische Motorräder kommen häufig nur auf 80 – 180km Reichweite. Noch schlimmer ist aber, dass man danach nicht schnell nachladen kann. Der Grund für beides ist das Gewicht. Beim Auto kommt es nicht so drauf an, ob da 250kg zusätzlich herum gefahren werden. Beim Motorrad zählt aber jedes Kilo.
Man kann nicht mal eben einen 50kW/h Akku einbauen. Ladegeräte wiegen, Ladekabel wiegen und ein vernünftiges Thermomanagement für das Schnellladen wiegt auch.
Und dann ist da noch das Thema Laden. Kein Problem, wenn man eine Garage mit Steckdose hat. Ohne wird es schwierig. Realistischerweise bleiben da zwei Optionen:
Man fährt ein Moped oder 45er Roller mit herausnehmbarem Akku. Dieser wiegt dann so ungefähr 12 kg und man kann ihn zum Aufladen mit in die Wohnung nehmen. Das ist o.k., wenn man nicht gerade 4. OG Altbau wohnt. Allerdings darf man dann eben nur 45km/h fahren, was auch auf städtischen Hauptstraßen gefährlich langsam ist und man kommt auch nicht weit. Mehr als 60km ist mit so wenig Strom (ca. 1,8kW/h) nicht drin.
Oder man nimmt eine der „großen“ Maschinen mit Typ2 Anschluss. Die kann man dann an jeder AC Ladesäule für Autos aufladen. Nachteile: Man braucht ein schweres, sperriges Ladekabel, weil die AC Säulen in der Regel kein eigenes Ladekabel haben. Das Laden dauert immer noch deutlich länger, als mit einem Auto am DC Lader und der Strom ist unverschämt teuer. Und die entsprechenden Motorräder sind alle deutlich im 5 Stelligen Preisbereich. Richtige Touren kann man so nicht fahren.
So richtig sinnvoll sind im Moment eigentlich nur die kleinen A1 Maschinen als Pendlerfahrzeuge. Damit kommt man zügig durch die Stadt und auch mal über die Schnellstraße. Der Akku ist groß genug für die typischen Entfernungen. Aber die 15-20 kg schweren Brocken nimmt man nicht mal eben Abends zum Laden mit in die Wohnung. Man braucht einen trockenen Stellplatz mit Steckdose.
Aussicht
Das klingt erst mal alles nicht so positiv. Dennoch glaube ich, dass auch die Zweiräder bald elektrisch fahren. Es werden sich Lösungen finden. Infrastruktur ist kostengünstig machbar, wenn man will. Und man wird wollen. Die größten Zweiradmärkte der Welt (China und Indien) erlauben aufgrund der Luftverschmutzung nur noch elektrische Antriebe. Afrikanische Länder ebenfalls – weil sie keine wertvollen Devisen für Öl und Benzin verschwenden wollen. Und wenn es nur noch so geht, wird das auch in Europa so sein.
Vor drei Jahren habe ich bereits über „Die wahrscheinlich lässigste Musikmesse der Welt“ berichtet. Und auch in diesem Jahr traf sich in der Wuhlheide in Berlin vom 8. bis zu, 10. Mai das Who-is-who der elektronischen Musikszene zur Superbooth. Diese Mischung aus Messe, Festival, Szenetreff und Zeltlager im Wald ist international einzigartig. Es sind sowohl die großen, bekannten Marken (Moog, Korg, Yamaha) vertreten, aber auch viele kleinere und unabhängige Einmann-Firmen.
Seebühne am FEZ – Entspannen beim Soundset
Cooles Ambiente, coole Besucher
Das Wetter spielte auch in diesem Jahr mit: sonnig, trocken, nicht zu warm und nicht zu kalt – nicht ganz unwichtig, wenn die Hälfte der Veranstaltung draußen und in Zelten stattfindet. Das entspannte Ambiente trägt dazu bei, dass hier alle auf Augenhöhe miteinander agieren. Man ist gemeinsam an cooler Musik und spannend klingenden Dingen interessiert. Und so kann man auch bekanntere Leute mal eben in der Schlange vor dem Espresso Stand in eine kleine Fachsimpelei verstricken.
Festivalfeeling in der Zeltstadt
Oder man lässt sich in einem Zelt irgendein obskures Gadget, wie den Taschentracker M8 (s.u.) vorführen, während direkt daneben jemand um ein gemeinsames Foto gebeten wurde. In meinem Fall war das Lisa Bella Donna, eine US Amerikanische Komponistin, die für ihre Werke an Modularsynthesizern bekannt ist. Ich sollte sie etwas später nochmals eher aus Versehen auf dem Stand von Moog sehen, als ich den neuen, kleinen Moog Messenger ausprobiert habe. Dort gab sie ein kleines aber sehr feines viertelstündiges Set zum Besten. Wunderbar!
Soundset von Lisa Bella Donna am Stand von Moog
Auch sonst sind mir viele – zumindest in der Szene – bekannte Gesichter aufgefallen. Natürlich Herr Schneider von Schneidersladen, der die Superbooth organisiert hat, Dieter Döpfer, der mit der Erfindung des Eurorack Formates die Renaissance analoger Modularsynthesizer eingeleitet hat, diverse Blogger, wie BoBeats, True Cuckoo, Nick Batt von Sonicstate und Anthony Marinelli. Der hat als Studiomusiker bereits am Thriller Album von Michael Jackson mitgearbeitet. Er saß saß locker mit einem Getränk auf einer Bierbank unter ’nem Baum und unterhielt sich mit mit zwei Kumpels – genauso wie irgendein Dude aus Kreuzberg. Witzigerweise ist das bereits der zweite Musiker, den ich aus der Nähe gesehen habe, der mit Michael Jackson gearbeitet hat. Vor Jahren saß ich in der SAE in Kreuzberg bei einem kleinen Workshop zu Modularsynthesizern und habe erst im Nachhinein erfahren, wer dieser nette, ältere Herr namens Michael Boddicker eigentlich ist. Schön zu sehen, dass das alles ganz normale, freundliche Menschen sind.
Messefeeling in der Turnhalle
Cooles Spielzeug
Genug Namedropping – was für Spielzeug fand ich denn interessant? OMG – viel zu viel, als dass ich hier alles aufzählen könnte. Ich nehme einfach mal drei je Produkte aus den beiden Kategorien Tracker und Komplettsynthesizer.
Tracker und Grooveboxen
Tracker und Grooveboxen sind kompakte Geräte, mit denen man „Tracks zusammenbauen“ kann. Also eher kleine Studios im Taschenformat, als „richtige“ Instrumente, die man in zusammen mit anderen spielt. Manche lassen sich sogar unterwegs nutzen und können so als elektronisches Notizbuch für Songideen dienen. Von den kompakten Maßen soll man sich nicht täuschen lassen: Klangmäßig haben die es mächtig drauf.
Teenage Engineering OP-XY
Die schwedische Firma Teenage Engineering war im Außenbereich mit einem Campingbus und einem Partyzelt vertreten, unter dem auf einem Klapptisch diverse Geräte zum Ausprobieren lagen. Darunter war auch der OP-XY, der ein bischen an den Casio VL-1 Taschenrechner erinnert, den 1981 Trio bei ihrem Hit „Da da da“ verwendet haben. Nur dass der OP-XY super klingt, extrem solide gebaut und mit ca. €2.300,- schweineteuer ist.
Polyend Tracker +
Deutlich günstiger (ca. €800,-), aber größer und ohne eingebauten Akku nicht mehr wirklich portabel nutzbar ist der Polyend Tracker +. Er hat ein weniger „musikalisches“ Bedienkonzept, als der OP-XY: Es ist ein Tracker – ein Konzept, mit dem auf den frühen Heimcomputern wie C64 oder Amiga mit sehr begrenztem Speicher lange Musikstücke komponiert wurden. Diese sind eine Kette von Pattern mit Abspielinformationen (Spur, Tonhöhe- und Länge, verwendeter Klang usw.). Die Benutzeroberfläche ist quasi ein direkter Blick in die Speicherzellen des Gerätes. Das klingt zunächst weder intuitiv, noch sehr musikalisch, ist aber sehr mächtig, wenn man den Dreh erst mal raus hat.
Dirtywave M8
Das selbe Prinzip nutzt auch der M8 von Dirtywave (ca. €600,-). Hier aber mit extrem reduzierter Benutzeroberfläche, und eingebautem Akku. Das Produkt, das über mehrere Jahre aus einem DIY Bastelprojekt weiterentwickelt wurde, besticht durch sehr solide Hardware. Das perfekte musikalische „Notizbuch“, wenn man unterwegs ist. Die Lernkurve ist aber recht steil.
Weitere ähnliche Geräte, die ich leider nicht ausprobiert habe sind Ableton Move (ca. €450,-) und der BENTO von 1010music (ca. €1.100,-) . Diese Geräte sind mir leider erst im Nachgang aufgefallen.
Komplettsynthesizer Kommen wir nun zu „richtigen“ Instrumenten – den Komplettsynthesizern. Damit meine ich Instrumente, die nicht erst zusammengesteckt werden müssen und mit Klaviatur spielbar sind.
Als neues, günstiges Einsteigermodell besticht der monophone Moog Messenger mit dem fetten Sound, für den die Firma seit Jahrzehnten bekannt ist. Die Verarbeitungsqualität mit dem Metallgehäuse und den Moog typischen Reglern ist gut. Bei einem Preis von gerade mal €850,- kann man nicht ganz, die seidenweiche Bedienung der größeren Moog erwarten, aber In dieser Preisklasse spielt der Messenger ganz vorne mit.
Moog Messenger
Eine andere, legendäre Synthesizerschmiede ist Oberheim. Der TEO-5 wurde zwar bereits letztes Jahr vorgestellt, aber ich habe ihn erst jetzt in die Finger bekommen. Das kompakte und leichte Gerät ist mit €1.600,- für einen Oberheim sehr günstig. Dafür bekommt man ein kompaktes und leichtes Gerät mit 3 1/2 Oktaven Klaviatur, jede Menge Knöpfe und Drehregler. Man muss auf solche Dinge, wie Holzpaneele und extrem hochwertige Regler verzichten, aber das bedeutet nicht, dass das hier eine billige Kiste wäre. Sieht gut aus, fühlt sich gut an und der Klang ist absolute Sahne – sowohl qualitativ, als auch vielseitig. Und das allerwichtigste: Ich finde ihn sehr zugänglich. Ich hatte einfach mal ein paar Presets genommen und dann daran ein bisschen rumgeschraubt. Irgendjemand nahm einfach mal den zweiten Kopfhörer und hat mir bei meinen Klangimprovisationen zugehört. Wir waren beide sehr angetan.
Oberheim TEO-5
In einer deutlich höheren Preisklasse (€3.700,-) spielt der Arturia Polybrute 12. Wie der Moog und der Oberheim nutzt auch der Arturia Analogschaltkreise zur Klangerzeugung. Das Metallgehäuse mit Holzpaneelen ist absolut top verarbeitet. Ein echter Brocken – sowohl was Gewicht (23kg), als auch die Klänge angeht. Auch hier sind Klänge von kristallklar bis ultra fett möglich. Das Besondere sind hier die ausgefeilten Möglichkeiten, die Klänge während des Spielens zu beeinflussen. Die 5 Oktaven Tastatur hat polyphonen Aftertouch. Zu den üblichen Pitch-Bend und Modulationsrädern kommen ein Sensorfeld auf der Holzleiste über den Tasten und die X/Y/Z Sensorfläche links von den Tasten dazu. Über das Matrixfeld kann man einstellen, welche Spielhilfe welchen Klangparameter steuern soll. Somit ist ein unheimlich nuanciertes Spiel mit Soundmorphing möglich.
Arturia Polybrute 12
Diese Geräte zeigen eine unglaubliche Spannbreite. Man kann nicht einfach sagen „Je teurer, desto besser“, sondern je nach Vorlieben und Einsatzzweck kann auch das günstigste Gerät das beste sein. Gut klingen tun alle. Ich habe mich im Nachgang gefragt, welches Instrumente ich am liebsten mitgenommen hätte. Bei den Gadgets wäre es der M8 Tracker und bei den Instrumenten der Oberheim TEO-5.
Tatsächlich habe ich aber nichts gekauft, weil ich mit meinem kleinen digitalen „Studio“ gerade sehr zufrieden bin. Dennoch war der Besuch der Superbooth mal wieder ein Fest.
Am letzten Sonntag gab mir der Internationale Museumstag den Anlass nach interessanten Museen in Berlin zu schauen. Ich stieß auf das Musikintrumentenmuseum, das an diesem Tag für 12:00 eine Einführung in Modularsynthesizer angekündigt hatte. Zwar kenne ich das Prinzip der analogen Klangsynthese und habe auch selber ein kleines Modularsystem, aber die Vorführung sollte von einem Mitarbeiter von Schneidersladen durchgeführt werden. Die organisieren auch die jährliche Musikmesse „Superbooth„, auf der ich mich die Woche zuvor bereits gut unterhalten habe (Bericht folgt noch).
Die Sammlung des Musikinstrumentenmuseums Berlin
Das Museum befindet sich neben der Philharmonie in Tiergarten und ist im Wesentlichen ein einziger, sehr großer Raum im Staatlichen Instituts für Musikforschung. Die Sammlung umfasst Instrumente vom 16. bis zum 21. Jahrhundert und ist breit gefächert, obwohl es sich überwiegend um europäische Instrumente handelt. Es gibt diverse Holz- und Blechblasinstrumente, Saiteninstrumente zum Zupfen und Streichen, Tasteninstrumente vom Nähkastenklavier über Cembalo, Spinett, Piano und Konzertflügel, sowie Orgeln in allen möglichen Größen und Einsatzzwecken. Das Museum hat ebenfalls einige sehr interessante elektronische Musikinstrumente.
Ich empfand es als eine kleine Herausforderung, dem Drang zu widerstehen, zumindest die Tasteninstrumente kurz auszuprobieren. Wann steht man schon mal vor einem erstklassig erhaltenen und spielbereiten Cembalo, das Königin Sophie-Charlotte von Preußen gehört hat?
Nachdem ich mir einen ersten Überblick über die historischen Instrumente verschafft hatte, fing die Demonstration des Modularsynthesizers an. Nachdem die Grundlagen der additiven Klangsynthese (Oszillator, Filter, Hüllkurven,…) demonstriert waren, wurde deutlich, dass ein Modularsynthesizer weit über die üblichen Vorstellungen darüber, was ein Musikinstrument ist hinausgeht. Man kann Tasten zum Spielen verwenden, aber es gibt auch ganz andere Eingabemöglichkeiten – Kontaktflächen, Gitarren, ja sogar Hirnströme oder elektrische Impulse beim Pflanzenwachstum. Oder das Instrument spielt sich selbst, in der Vorführung z.B mit einem Stepsequenzer. Ich empfand die knappe Stunde als kurzweiligen Crashkurs.
Einführung in Modularsynthesizer
Eigentlich wollte ich nun gehen, aber es begann eine Führung durch die Ausstellung, der ich mich anschloss. Dabei wurden einige typische Instrumente geschichtlich und funktional erläutert und auch kurz demonstriert. Darunter waren Trompete, Klarinette, Regal (eine Art Hausorgel), Geige (je eine normale und eine Taschengeige), Cembalo, Klavier und Hammondorgel. Den krönenden Abschluss boten Vorführungen der Kirchenorgel, die drei Geschosse hoch ist und ganz zum Schluss mehrere Filmmusikstücke auf der „Mighty Wurlitzer“ – einer Theater- und Kinoorgel aus dem Jahr 1929. Die letzten beiden Instrumente wetteiferten dabei um den Titel des lautesten Instrumentes – ich würde sagen unentschieden.
Kirchenorgel im MIM
Die Wurlitzer ist insofern besonders, dass bereits der Spieltisch mit vier Manualen bombastisch aussieht, aber das eigentliche Instrument in den drei darüber liegenden, mit Schallklappen versehenen Räumen(!) untergebracht ist. In die Räume kann man von hinten auch durch Fenster hineinsehen. Darin sind nicht nur Orgelpfeifen, sondern auch Röhrenglocken, Marimba, Schlaginstrumente und Einrichtungen für diverse Klangeffekte untergebracht. Sehr interessant!
Spieltisch der „Mighty Wurlitzer“Gesamtansicht der „Mighty Wurlitzer“. Drei Räume hinter braunen Schallklappen
Und selbst in der Abteilung für elektronische Instrumente sind einige charakteristische Exponate vorhanden, darunter ein Mellotron, ein EMS Synthesizer, ein Emulator II und das seinerzeit irrsinnig teure Synclavier II (ca. $250.000 in 1984). Vom Melotron gab es eine elektronische Emulation, die man ausprobieren konnte, ebenso wie ein Theremin. Das Highlight für mich, war aber das Mixturtrautonium, auf dem Oskar Sala die Geräusche für Alfred Hitchcocks „Die Vögel“ eingespielt hat. Auch dieses Instrument wurde kurz vorgeführt.
Mixturtrautonium von Oskar SalaNED Synclavier II
Der Besuch war sehr interessant und unterhaltsam. Ich dachte, dass mein Besuch eineinhalb oder zwei Stunden dauern würde. Stattdessen war ich über vier Stunden dort. Für Musikinteressierte ist das Museum sehr empfehlenswert – insbesondere, wenn man einer Führung oder Vorführung beiwohnen kann.
Das Jahr 2025 ist erst ein paar Tage alt, aber ich habe mich gleich daran gemacht, meinen Vorsatz für das neue Jahr umzusetzen. Ja, tatsächlich den einen Vorsatz:
Wieder fotografieren zu lernen.
Das kam so: Zwischen den Festen war es sonnig und frostig und ich wollte ein paar schöne Bilder in den ehemaligen Rieselfeldern in der Nähe von Buch aufnehmen. Ich sah schon Bilder von Galloways, Wisenten und Koniks in der Sonne vor Raureif vor mir. Also habe ich mir meine gute Kamera (siehe unten) geschnappt und los ging es.
Das Wetter machte mir gleich den ersten Strich durch die Rechnung. Als ich ankam, war die Sonne verschwunden, der Himmel dunkelgrau und der Rauhreif taute gerade weg. Mit den Tieren hatte ich mehr Glück. Ich habe eine kleine Herde flauschiger Koniks gesehen und kam auch recht nah heran. Zwei dieser niedlichen Pferdchen haben auch schön Modell gestanden und mich lieb angeguckt. Und bei den Wisenten gab es sogar Nachwuchs, der im Stroh neben der Krippe lag. Was für ein Glück!
Leider stellte ich zu Hause fest, dass ich die meisten Bilder komplett verhunzt hatte. Motiv und Blickwinkel waren meist noch gut, aber die Belichtung so mies, dass ich auch mit digitaler Nachbearbeitung nichts mehr retten konnte. Gerade um die Bilder mit den kleinen Wisenten war es wirklich schade.
Ich habe keine ernsthaften Ambitionen als Amateurfotograf, aber immerhin war ich damals in der Schule in der Foto AG und hatte meine S/W Fotos selbst in der Dunkelkammer belichtet. Mein Opa hatte mir sogar eine Praktika TL1000 Spiegelreflexkamera mit ein paar Objektiven geschenkt. In den folgenden Jahrzehnten hatte ich mir auch hin- und wieder mal ein aktuelles Modell zugelegt. Darunter waren Canon EOS 1000F (analog Spiegelreflex) , Nikon F90 (analog Spiegelreflex) oder Nikon D40 (digitale Spiegelreflex) und seit ein paar Jahren eine Olympus OM-D E-M10II (digitale MFT Systemkamera). Alles nicht ganz High-End, aber wenn man damit schlechte Bilder macht, ist das Problem hinter dem Sucher.
Also – wie konnte das passieren?
Ich habe in den letzten Jahren einfach nur noch mit dem Smartphone fotografiert geknipst. Ist ja auch praktischer, als eine sperrige Fotoausrüstung. Das Ding hat man halt immer dabei und es ist schnell. Einfach Bildausschnitt wählen, draufhalten abdrücken und fertig.
War da sonst noch was? Brennweite? Ist fix. ISO, Blende, Belichtungszeit? Egal! Das Foto wird sowieso automatisch schöngerechnet.
Und so hatte ich den ganzen Kram über die Jahre vergessen. Ärgerlich! Also habe ich mir vorgenommen, die Theorie wieder aufs Neue zu lernen und auch gleich mal angefangen. Zum Beispiel mit Objekten (hier ein kleines Kunstobjekt von Petra Tödter).
Der Fokus auf das nahe Objekt (ca. 1/3 Abstand zum Objekt und 2/3 zum Hintergrund)
Offene Blende und kurze Belichtung zum Freistellen mit unscharfem Hintergrund
Geschlossene Blende und lange Belichtung für Tiefenschärfe.
Auf dem Spaziergang durch den Park fiel mir auf, dass die Haselnussbäume bereits Samen bilden. Nach mehreren Versuchen gelang mir dieses Bild:
ISO 400, 42mm, f/5,6, 1/100 Sekunde
Das Freistellen mit Brennweite und Blende gelang gut. Die Belichtungsmessung habe ich auf mittenbetonte Integralmessung verstellt und da der Autofokus konsequent die Baumrinde spannender fand, habe ich ihn ausgeschaltet und manuell scharfgestellt.
Auch nicht ganz ohne – Nachtaufnahmen. Die ersten beiden Bilder habe ich mit einem Zoomobjektiv (Panasonic Lumix 14-42mm 1:3,5-5,6) geschossen und das letzte mit einer lichtstärkeren Festbrennweite (Panasonic Lumix 14mm 1:2,5).
Interessant an der Bildserie, wie schnell sich der Mond bewegt. Die Aufnahmen habe ich innerhalb weniger Minuten gemacht. Beim ersten Bild bewegen sich die Wolken so schnell, dass sie unscharf sind. Beim letzten Bild habe ich mir leider Reflexionen (zwei rote Punkte links vom Mond) eingefangen.
Was habe ich hier gelernt:
Bei Nachtaufnahmen scheint ein möglichst kurze Belichtungszeit positiv zur Bildschärfe und Farbechtheit einzuzahlen.
Eine höhere Empfindlichkeit ist daher von Vorteil. Andererseits nimmt bei richtig hohen Empfindlichkeiten das Bildrauschen zu. Viel hilft also nicht viel, aber ISO 800 ist ein guter Kompromiss.
Wenn der Fokus auf unendlich geht, ist auch eine offene Blende besser, weil sie die Belichtungszeit weiter verkürzt.
Schon die ersten Übungen haben die grundlegenden Zusammenhänge wieder in mein Gedächtnis zurückgeholt. Genauso wichtig ist aber auch, die eigene Ausrüstung besser kennenzulernen. Bis jetzt habe ich nur mit Blendenautomatik gearbeitet, musste mir aber schon zusammensuchen, wo man die Belichtungsempfindlichkeit einstellt, die Art der Belichtungsmessung und den Autofokus-Modus. Und die Verstellmöglichkeiten an einem Stativ sind auch nicht völlig selbsterklärend. Aber mit der Zeit und etwas Übung kommt das wieder zurück.
Also werde ich weiterhin üben und die Kamera auch wieder häufiger auf Ausflüge mitnehmen.
Seit einiger Zeit ist künstliche Intelligenz ein allgegenwärtiges Thema. Ich bin da selber stets skeptisch gewesen. Jahrzenhnte lang was das Thema eher ein fahler Witz. Zudem – wie soll ich an künstliche Intelligenz glauben, wenn ich schon kaum an natürliche Intelligenz glaube? (siehe: Zustand der Welt)
Zynismus beiseite – letztlich ist KI nur „Statistik auf Speed“. Die Grundlagen sind mathematisch verblüffend banal. Das sollte jeder verstehen können, der sich durch das Abitur geboxt hat. Von neuronalen Netzen war auch bereits zu meiner Schulzeit in den 80ern die Rede. Der Grund, weshalb das Thema jetzt so abhebt, ist die Verfügbarkeit von früher unvorstellbarer Rechenpower und digitalen Datenbergen.
Man muss zugeben, dass das Feld gerade explodiert. Texte, Bilder und Videos werden nach allen Regeln der Kunst und Manipulation zurechtgelogen und -gebogen. Selbstfahrende Autos haben (in den USA) bereits Fähigkeiten, die sie durch normale Programmierung in den nächsten 50 Jahren nicht erreicht hätten. KI wird uns in den nächsten Jahren überrollen, wie es die Computer in den 80er und 90er Jahren gemacht haben. Millionen von Arbeitnehmern werden ihre Jobs verlieren – und zwar diesmal die hochqualifizierten Angestellten. Höchste Zeit also, sich das Ganze etwas näher anzusehen.
Erste Schritte zwischen „Wow“ und „Was zum Geier…“???
Bisher habe ich nur hier und da etwas Theorie gelesen, aber selbst noch nichts aktiv genutzt. Aus gegebenem Anlass beschäftige ich mich jetzt selber mit diesem Thema. Mein Ziel war es, eine Serie von Bildern inhaltlich analysieren zu lassen, und die Erkenntnisse zu verschlagworten. Dabei sollten nicht nur Objekte in den Bildern erkannt werden, sondern auch bestimmte Situationen, damit daraus Handlungsempfehlungen abgeleitet werden können.
Noch vor fünf Jahren hätte ich abgewunken und „unmöglich“ gesagt. Nun stehen mir etliche Werkzeuge aus der Microsoft Azure Cloud und GPT4 zur Verfügung. Die Anwendung ist nicht schwer zu programmieren, weil die eigentlich anspruchsvolle Arbeit ja von den Cloudservern erledigt wird.
Ich musste nur dafür sorgen, dass die Bilder nacheinander zur KI hochgeladen werden, die Antwort entgegennehmen und verarbeiten. Ach ja, und der „Prompt“ muss natürlich sinnvoll sein. Damit sagt man der KI, was sie machen soll – und zwar in natürlicher Sprache.
Erster Eindruck: Die Objekterkennung ist ziemlich gut. Man bekommt eine Liste von Dingen, die die KI auf dem Foto erkannt zu haben glaubt, zusammen mit einem „Confidence“ Wert. Ein Eintrag wie „Hardhat (confidence: 0.93)“ bedeutet sinngemäß: „Ich bin mir zu 93% sicher, dass dort ein Bauarbeiterhelm ist“. In diesem Fall war es zwar ein roter Ball unter einem Schreibtisch – aber da der Kontext „Baustelle“ war, ist das völlig in Ordnung. Da muss man halt später noch mal mit einer Plausibilitätsprüfung drüber. Die anderen Dinge wurden verblüffend korrekt erkannt.
Aus den Objekten alleine kann man aber noch nicht viel ableiten. Die Beziehung untereinander und der Kontext ergibt eine Einschätzung der Situation. Und auch die ist verblüffend gut gewesen.
So wurde gelobt, dass das Baugerüst ordentlich aufgestellt war und bemängelt, dass die Bauarbeiter keine ausreichende Schutzkleidung trugen. Selbst potentiell gefährlich Situationen wurden erkannt „Bauarbeiter unter schwebender Kranlast“. Sehr sehr beeindruckend.
Nun habe ich versucht die Analyseergebnisse selber weiter zu verarbeiten. Dazu müssen sie in einen standardisiertes Format gebracht werden. Das ist an und für sich kein großes Thema: Man analysiert den Rückgabetext und erzeugt daraus Schlagworte die mit dem Bild verbunden werden.
Dabei ist mir aber schnell einen Manko aufgefallen: Wenn ich der KI das identische Bild wieder und wieder vorlege, bekomme ich jedes mal andere Antworten. Das reicht von unterschiedlicher Wortwahl über unterschiedliche Reihenfolge und Gewichtung und tatsächlich sind auch die erkannten Sachverhalte nicht völlig identisch. Das ist ein Verhalten wie es Menschen in einer Diskussion zeigen würden. Leider ist es damit aber völlig ungeeignet um damit verlässliche Schlagwortlisten aufzubauen. Insbesondere wenn es um wirklich wichtige Themen wie Sicherheit geht und nicht nur um Smalltalk.
So bin ich gerade etwas hin- und hergerissen. Einerseits ist die Bildanalyse wirklich beeindruckend. Andererseits macht die mangelhafte Reproduzierbarkeit das vernünftige Arbeiten nahezu unmöglich.
Taugt das was? Ich weiß noch nicht so recht…
Neulich habe ich einmal irgendwo gelesen, KI sei nur ein stochastischer Papagei, der Intelligenz vorgaukelt. Man könnte natürlich etwas bösartig sagen, dass das auch für 85% der Menschen zutrifft.
Von solchen philosophischen Betrachtungen abgesehen, habe ich wahrscheinlich nur noch nicht die richtigen Schalter und Parameter gefunden. Ich bleibe erst mal am Thema dran…
Wenn man einem bekannten deutschen Nachrichtensender glauben möchte, ist es ein wahres Abenteuer, elektrisch von Stuttgart nach Colmar (222km!) und dann in den Schwarzwald in den Urlaub zu fahren. Die Story verlinke ich jetzt mal absichtlich nicht. Zudem halte ich halte diese Tour eher für einen etwas längeren Tagesausflug, als einen Urlaub.
Ich fahre meist zweimal pro Jahr für ein paar Tage in den Norden an die dänische Grenze (450km) um Freunde und Verwandte zu besuchen. Anfang August war es mal wieder so weit. Zum ersten Mal mit dem E-Auto und es gab noch eine Premiere:
Ich bin nach 22 Jahren endlich mal auf die andere Seite nach Dänemark rüber gefahren und habe mich dort etwas umgesehen.
Wie habe ich mich auf mein Wagnis vorbereitet?
Ich habe die Karte in meiner Maingau App angesehen und danach noch die Karte von Tesla. Tatsächlich sind Schnelllader im Norden etwas dünner gesät, aber entgegen landläufiger Meinung muss man ja nicht jede Stunde an die Steckdose.
Ein schöner An- und Ausblick: Model 3 vor Yachthafen an der Förde
Ich bin mit knapp 100% Ladung in Berlin losgefahren, genauso wie ich früher vor der Abfahrt vollgetankt habe. Dann habe ich dem Auto gesagt „Navigiere mich nach Flensburg“. Die angezeigte Strecke entspricht genau der, die ich seit Jahren fahre. Es wurde ein Ladestopp ungefähr auf der Hälfte der Strecke angezeigt – in Wittenburg, wo ich ebenfalls seit Jahren meinen Zwischenstopp mache. Als ich noch meinen kleinen Peugeot hatte, musste ich dort auf dem Autohof auch immer noch Zwischentanken. Der hatte die Strecke nämlich auch nicht in einem Rutsch geschafft.
Invasion der Wikinger an der Skipiste in Mecklenburg-Vorpommern?
Bis hierhin also überhaupt nichts Neues. Lediglich, dass ich nicht auf den Autohof gefahren bin, sondern 500m weiter zu den Superchargern an der Skihalle. Die 8 Ladesäulen waren auch gut besucht. Ich war der einzige mit deutschem Kennzeichen – der Rest Norweger, Schweden und Dänen.
Die „Wikingerinvasion“ mit Tesla statt mit Drachenboot.
Das Auto zeigte mir irgendwann an, dass die Ladung genügt, um das Ziel zu erreichen. Zur Vorsicht habe ich noch 5% drauf gelegt und dann ging es weiter.
Da ich aufgrund des etwas dünneren Ladenetzes (und vor allem der unverschämten Roaming-Preise für Ladestrom) gerne mit genügend Kapazität im Akku am Urlaubsort ankommen wollte, habe ich das Auto noch einmal in der Nähe von Schleswig auf 95% geladen. Das sollte für die kleineren Touren in den nächsten Tage genügen.
Die ersten drei Tage habe ich mich auch nur im Umfeld von Glücksburg aufgehalten. Die Sonne schien und es war Strandwetter. Das ist hier selbst im Sommer nicht selbstverständlich und wurde daher ausgenutzt.
Strand von Holnis: Auf dem Foto leer, tatsächlich sehr gut besucht.
Was geht denn so in Dänemark?
In diesem Jahr hatte ich mir fest vorgenommen, endlich auch mal die Nordseite der Flensburger Förde zu besuchen. Morgens ging es zunächst zum Strand nach Dreiby. Die Landschaft ist genauso grün, hügelig und mit Wasserflächen durchzogen, wie auf der deutschen Seite. Trotzdem ist die Atmosphäre anders. Die Gegend ist dünner besiedelt, die Häuser ducken sich flacher hinter die Büsche und Bäume und der Strand war naturbelassen und sehr viel leerer, als in Holnis.
Strand von Dreiby in Dänemark
Mittags fuhr ich in die Altstadt von Sønderborg um dort einen ein leckeres Sandwich und köstlichen Kaffee zu mit zu nehmen. Sønderborg wird manchmal „die kleine Schwester von Flensburg“ genannt und das trifft es auch recht gut.
Altstadt von SønderborgHafen von Sønderborg
Westlich von Sønderborg befindet sich die Dybbøl Banke (Düppeler Schanze). Hier verlor Dänemark im zweiten Deutsch-Dänischen Krieg1864 die Herzogtümer Schleswig und Holstein and Preußen und das alliierte Österreich. Die Anhöhen werden von Dänemark als historische Orte erhalten. Man kann die teilweise geschleiften Befestigungen noch sehen und es gibt ein Museum.
Mühle und Kanonen auf der Düppeler Schanze
Danach bin ich in die Kleinstadt Broager gefahren. Die beiden charakteristischen weißen Kirchtürme habe ich jahrelang von Holnis aus gesehen. Nun habe ich mir den Ort und den ganzen Kirchberg endlich einmal aus der Nähe betrachtet. Sonst ist in dem verschlafenen 3.300 Seelen Ort nicht viel los und es zog mich wieder zurück nach Deutschland.
Kirchtürme von Broager
…und was ist jetzt mit aufladen?
Stimmt. Jetzt bin ich schon drei Tage durch die Gegend gefahren und der Akku ist immer noch nicht leer. Auf dem Weg habe ich einige 11KW Ladesäulen gesehen, aber in Klipev stehen Supercharger und dort kostet mich der Strom trotz Nachmittagszuschlag nur DKK 2,50 (€0,33) pr kWh. Der Ladepark liegt an der Autobahn E-45 (in Deutschland A7) und hat sagenhafte 48 Ladesäulen von Tesla und noch weitere von anderen Anbietern. Also mal eben wieder auf 90% und in der Zeit bei Mecces einen Kaffee ziehen.
Sagenhafte 48 Supercharger – plus weitere Anbieter (nicht mit im Bild)
Als ich an meiner Pension in Bockholm angekommen bin, war ich von dem unfassbar niedrigen Stromverbrauch fasziniert. Für die knapp 40km über Autobahn, Schnell- und Landstraßen habe ich nur etwas über 4kW benötigt. Zugegeben – ich bin gemütlich gerollt, aber nicht einmal €1,50 für die Strecke finde ich sensationell!
Noch billiger ist nur Fahrrad
Ich habe ein paar Minuten nur gelacht, weil mir zum Vergleich einfiel, was ich im Jahr zuvor ausgerechnet hatte. Da war ich von derselben Pension aus abends noch mal kurz zur Tankstelle gefahren. Die liegt 5km entfernt in Glücksburg, also hin und zurück 10km. Der Mercedes benötigte auf Kurzstrecke gerne mal 12 Liter/100km oder mehr. Rechnen wir der Einfachheit halber mit 10. Für die Fahrt zur Tankstelle und zurück habe ich also einen Liter verbraucht – für damals €1,80.
Kein weiterer Kommentar mehr zu den Betriebskosten.
Obwohl doch – einen hab ich noch. Zwei Tage und etliche gefahrene Kilometer später fahre ich bei der Verwandschaft in Nordfriesland auf den Hof. Die haben schon vor Jahren ihr Scheunendach mit Photovoltaik voll und auch eine Wallbox in der Garage, obwohl noch kein E-Auto auf dem Hof steht (O-Ton: „…die hat damals zusammen mit der Anlage nur €150,- gekostet. Dann habe ich das gleich mitinstallieren lassen“). Ich frage, ob ich mal anstöpseln darf. Durfte ich. Wir waren alle interessiert, ob die Anlage richtig funktioniert. Das Auto meckert etwas, weil nur auf zwei von drei Phasen geladen wird, aber es geht. Mit gemütlichen 7kW. Aber der Nachmittag ist lang und sonnig und am Abend ist der Akku trotzdem voll.
Die nächsten 200km bin ich also völlig klimaneutral mit Solarstrom gefahren. Einfach klasse!
Nach 6 Tagen zurück nach Berlin
Leider war der Urlaub nur sehr kurz und ich musste am Sonntag zurück nach Berlin. Die Fahrt war eher zäh. Die Autobahnen waren sehr voll. Mehr als 120km/h selten möglich. Zwischenladen wieder in Wittenburg. Zwei längere Staus vor Berlin. Schlecht für die Durchschnittsgeschwindigkeit, gut für den Verbrauch. In Berlin mit 40% im Akku angekommen.
Und wo war jetzt das Drama?
Es gab keines. Und das, obwohl ich nur das Modell mit dem kleinen Akku habe (60kWh statt 80kWh). Ich hatte allerdings auch keine echten Probleme erwartet.
Ich bin insgesamt 1.350 km gefahren, habe 194kWh verbraucht (inkl. Ladeverluste etc.) und weniger als €75,- bezahlt.
Zugegeben – die gute Infrastruktur von Tesla hilft, aber ich hätte auch stets woanders laden können. Allerdings zu höheren Kosten mit weiteren Stromverträgen. Und das ist meines Erachtens das eigentliche Problem der E-Mobilität: Die völlige Intransparenz an den Ladesäulen. Da muss die Politik dringend ran.