tiny little gizmos

Unterhaltung zwischen Wissenschaft und Wahnsinn

Vor einiger Zeit habe ich mir ein sehr unterhaltsames Buch gekauft:
„how to – Wie man’s hinkriegt“ von Randall Munroe, dem Cartoonisten von xkcd. Genau wie in seinen Cartoons wandelt er in dem Buch gekonnt unterhaltsam zwischen Wissenschaft und Wahnsinn.

Munroe ist Mathematiker, Physiker und hat als Robotik Ingenieur für die NASA gearbeitet. Sein Humor besteht hauptsächlich darin, scheinbar banale Alltagsfragen als Ausgangspunkt für völlig abseitige wissenschaftliche Erklärungen zu nutzen. Das Ganze wird von simplen Strichmännchen Zeichnungen illustriert. Genau so funktioniert auch das Buch.

Als Beispiel sei Kapitel 7 genannt: „Wie man’s hinkriegt, einen Umzug zu stemmen.“ Das Kapitel beginnt recht harmlos mit Überlegungen zur Menge von Umzugskisten und wie sie am Besten zu transportieren sind. Von Seite zu Seite werden die Überlegungen aber immer abstruser. Schnell ist man an dem Punkt, keine Kisten zu packen, sondern gleich das ganze Haus mitzunehmen. Ein durchschnittliches (US Amerikanisches) Haus schätzt er möbliert auf ca. 70t Gesamtgewicht. LKW Transport wird schnell verworfen. Besser wäre es, das Gebäude durch die Luft zu transportieren. Hubschrauber sind zu schwach und Flugzeuge zu klein dafür. Aber man könnte die Triebwerke einer Boeing 787 direkt an das Haus montieren (Ahh-ja…).
Die Triebwerke liefern 30t Schub und wiegen 5,8t. Für den Transport eines kleinen Hauses genügt das. Nach einer kleinen Abhandlung über die Funktionsweise moderner Flugzeugtriebwerke wird noch der Frage nachgegangen, wie lange das Haus fliegen könnte. Die Zeit wird begrenzt durch den Kerosinverbrauch und die Frage, wie viel Kerosin man mitnehmen kann, ohne das maximale Startgewicht zu überschreiten. Die maximale Flugzeit des Hauses beträgt weniger als 1,5 h.

DAS wollte man doch schon immer mal für den nächsten Umzug wissen, oder? ;-)

Atombomben als Flaschenöffner

Noch etwas abseitiger ist Kapitel 2 „Wie man’s hinkriegt, eine Poolparty zu schmeißen“, in der es darum geht, wie man einen Pool im Garten bauen und mit Wasser befüllen kann. Der Gipfel des gekonnten Blödsinns ist mit dem Vorschlag erreicht, den Pool mittels Mineralwasserflaschen zu füllen. Natürlich braucht man sehr viele (ca. 150.000) und eine Methode, die Flaschen möglichst schnell zu öffnen und zu entleeren. Mit einem Schwerthieb könnte man ca. 24 Flaschen gleichzeitig öffnen (angeblich gibt es dazu Videos auf Youtube). Für mich einer der Höhepunkte des Buches ist der folgende Abschnitt, den ich einfach mal zitiere:

„Bevor wir das Thema Waffen hinter uns lassen und zu einer praktikableren Lösung übergehen, sollten wir noch für einen Moment die größte und unpraktischste Option in Erwägung ziehen – das Flaschenöffnen mithilfe von Nuklearwaffen.
Das ist ein ganz und gar lächerlicher Vorschlag, und so verwundert es nicht, dass er im Kalten Krieg von der US Regierung untersucht worden ist. Anfang 1955 kaufte eine Regierungsbehörde […] Bier, Limonade und Selterswasser in lokalen Geschäften ein und testete dann Nuklearwaffen an ihnen. […]
Mit dem Test wollte man herausfinden, wie gut die Behältnisse überlebten und ob der Inhalt kontaminiert war.“

Ihr seht, wie in etwa der Humor von Munroe funktioniert. Schön sind auch die Abschnitte, in denen er Fachleute in Bestimmten Disziplinen um Rat fragt. Wozu er die Tennisspielerin Serena Williams gefragt hat lasse ich mal als Cliffhanger offen.

Schön ist Kapitel 5 „Wie man’s hinkriegt, eine Notlandung zu meistern“, in dem er viele Fragen nach auf den ersten Blick wirklich absurden Szenarien an den Testpiloten und Astronauten Oberst Chris Hadfield stellt. Zitat:

„Eigentlich hatte ich mehr oder weniger erwartet, dass er nach der zweiten oder dritten Frage auflegen würde, doch zu meiner Überraschung beantwortete er alle Fragen, ohne dass ich irgend ein Zögern ausmachen konnte. (Im Nachhinein denke ich, dass mein Plan, einen Astronauten zu verwirren, indem man ihm mit Extremsituationen kommt, wohlmöglich unausgereift war.)“

Mehr wird nicht gespoilert. Wer bis hier vergnügt mitgelesen hat, für den ist dieses Buch eine echte Empfehlung.

36C3 – mein Fazit

Der 36C3 ist zu Ende. Ich bin wieder in Berlin. Und zwar schon etwas länger, denn ich bin zwei Tage früher abgereist. Ausschlaggebend waren dafür zwei Gründe: gesundheitliche Beeinträchtigungen und politisches Unwohlsein meinerseits.

Ich gehe nun schon seit fast 20 Jahren hin- und wieder auf Veranstaltungen des CCC und meistens war ich begeistert oder zumindest positiv angeregt. Diesmal ging mir das politische Grundrauschen ganz gehörig auf den Senkel. Ich habe bemerkt, dass ich mit dem Eindruck nicht alleine bin und ich befürchte, dass der Club damit so langsam ein echtes Problem bekommt. Und das wäre fatal, weil ich ihn für eine wichtige Institution in Deutschland halte.

Immer noch wichtig und klasse

Aber bevor ich zu meiner Kritik komme, möchte ich sagen, dass ich die Veranstaltung eigentlich immer noch wichtig und klasse finde.

Wichtig, weil immer wieder Dinge für die breite Öffentlichkeit aufgedeckt werden, die andere gerne unter den Teppich kehren würden. In diesem Jahr zum Beispiel die Probleme mit der elektronischen Patientenakte oder die letzten Verschlimmbesserungen im elektronischen Zahlungsverkehr.

Wichtig für die Leute, die schon ein bisschen was von der Technik verstehen und sich für die neuesten Erkenntnisse zu Sicherheitsproblemen in Hardware, Software und Dienstleistungen interessieren.

Wichtig auch, weil man dort ganz entspannt mit Szenegrößen in Kontakt kommen kann.

Klasse, weil die ganze Veranstaltung im Prinzip ein einziges großes, entspanntes Happening ist. Mit bunten Lichtern, tonnenweise Nerd-Humor, schrägen Basteleien und Loungemusik.

„Berliner Ecke“ mit CCC Berlin, C-Base und X-Hain

Auch die Retro-Ecke war zu meiner Freude gut bestückt. Zwei schrankgroße DEC PDP-8 Rechner aus den frühen 70ern waren zu sehen – mit TELEX– und Videoterminals. Es wurde Datenübertragung per Modem über analoge Telefonvermittlungsanlagen gezeigt. Unter anderem war ein Mailboxsystem in Betrieb.

Nicht zuletzt gab es mehrere BTX Terminals aus den 80er Jahren zu bestaunen, die im Betrieb waren. Per Reverse Engineering und mittels noch vorhandener Originaldaten konnte der Betrieb gezeigt werden, obwohl der BTX Service bereits 2007 eingestellt wurde. Es gab Originalinhalte von 1984 zu sehen, darunter den BTX-Hack mit dem der CCC vor 35 Jahren bekannt wurde.

Eines von mehreren BTX Terminals, die in Betrieb waren.
Links: Hardcopy auf Thermopapier
BTX in Aktion mit Originaldaten von 1984

Nicht so klasse

So weit so schön. Aber das Übermaß an politischer „Rotlichtbestrahlung“, wie es früher im Osten hieß ging mir gehörig auf den Zeiger. Zumal der Club hier so langsam den Fokus verliert.

Früher ging es um technische Fragen und darum welche Bedeutung die Technik für die Gesellschaft hat. Dabei war der CCC schon immer politisch links, aber staatstragend. Also Einsatz für den Erhalt von Bürgerrechten etc. Es ist kein Zufall, dass der Club bereits mehrfach vom Bundesverfassungericht als Gutachter angefragt wurde und das auch mit Bravour gemeistert hat.

Heute thematisiert man globale Menschenrechte / Feminismus / Seenotrettung, Rettung der Welt, you name it…
Wichtige Themen – Wer sich entsprechend engagieren möchte, kann und soll das ja tun, aber in meinen Augen ist der CCC absolut der falsche Rahmen dafür. Damit verliert der Club seinen Fokus, verhebt sich inhaltlich auch und zumindest die beiden Vorträge, die ich gehört habe (einen zu Feminismus, einen zur Seenotrettung) fand ich einseitig und unausgegoren.

Na gut, es muss einem ja nicht alles gefallen.
Aber als ich ein großes Transparent der Antifa in der Haupthalle gesehen habe und einige kleinere Aufrufe, Straftaten zu begehen (weil man sich moralisch im Recht fühlt) ist bei mit die Klappe gefallen. So etwas geht einfach gar nicht!

Ich habe in den frühen 90er Jahren ehrenamtlich in einem Berliner Jugendclub mitgearbeitet, der in bestimmten Kreisen als „Zeckenburg“ bezeichnet wurde. Wir hatten damals regelmäßig Angriffe von Rechtsradikalen. Als dann die Antifa ankam, um uns ihre „Hilfe“ anzubieten, haben wir dankend aber sehr bestimmt abgelehnt. Diese Haltung hat sich im Laufe der Zeit als goldrichtig herausgestellt.

Auch wenn mir nicht alles gefällt – mit „links“ kann ich umgehen. Genauso mit „konservativ“, obwohl mir dort erst recht nicht alles gefällt.
Was ich aber niemals tolerieren werde sind Radikale – weder links, noch rechts, noch religiös, noch sonst was.

Der CCC bekommt da meines Erachtens gerade ein Problem, an dem er dringend arbeiten muss, falls er nicht das in 35 Jahren hart erarbeitete Renommee, sowohl in der Öffentlichkeit, als auch in der Fachwelt verlieren will. Oder er macht konsequenterweise das, was Apple seinerzeit vorgemacht hat: Er streicht das Wort „Computer“.

Dann würde nur noch der Chaos Club übrigbleiben.

36C3 in Leipzig

Jahresende 2019: Ich bin beim 36C3, dem 36. Jahreskongress des Chaos Computer Clubs. Der letzte Congress, den ich besucht habe war der 33C3, der noch im Hamburger Congress Centrum stattfand. In diesem Jahr bin ich das erst Mal in Leipzig dabei.

Der Ort ist anders, die Stadt ist anders und das Gefühl auch. Das beginnt bereits bei der Anreise. Das CCH steht mitten in Hamburg am Dammtor. In Leipzig ist der Kongress auf dem Messegelände am Stadtrand. Die meisten Besucher kamen morgens mit der knüppeldicke vollen Strassenbahn an, die Gott sei dank im 5min Takt fährt. Die Benutzung ist für Kongressteilnehmer frei. Dennoch ist der erste Eindruck ziemlich ähnlich zu einem normalen Messebesuch. Die Logistik um die heranströmenden Massen am Eingang abzufertigen war übrigens ganz hervorragend!

Die Massen strömen zum Messegelände

Im Hamburger Congress Centrum waren die Assemblies, Kuschelecken und Special Interest Stände labyrintisch auf den vielen verschachtelten Ebenen des Gebäudes verteilt. In Leipzig werden die Messehallen genutzt und daher findet fast alles auf einer Ebene statt.
Vorteil: Es ist mehr Platz.
Nachteil: Zu viele Leute fahren mit Kickboards zwischen den Menschenmengen durch. Das nervt.

Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Die Organistation ist extrem professionell und das Programm mal wieder hochkarätig.

Gleich der erste Vortrag den ich gesehen habe, beschäftigte sich mit der unerwartet schwierigen Aufgabe, eine Hardware herzustellen, die nachweisbar ohne Backdoors ist.

Der Vortragende ist eine Koryphäe auf dem Gebite: Andrew „Bunnie“ Huang zeigte tiefe Einblicke in die Supply Chain, Hardware Produktion, und bekannte Angriffe, mit denen unerwünschte Hardware in Produkte eingeschleust und versteckt werden kann. Er zeigte auch den teilweise extrem hohen Aufwand, der betrieben werden muss, um diese Manipulationen zu finden. Jedes hergestellte Boards zu röntgen reicht jedenfalls nicht aus.

Die Vortragsfolie zeigt die verschiedenen möglichen Angriffspunkte bei der Hardwareproduktion (Wiedergabe des Slides mit mündlicher Genehmigung)

Damit der Vortrag nicht zu theoretisch ist, zeigte „Bunnie“, wie mit den vorgetstellten Prinzipien ein mobile Messenger entwickelt wurde und noch wird, der nachweislich ohne Backdoors funktioniert. Detail zu dem Projekt können sind hier zu finden: https://betrusted.io/. Das Gerät sieht in etwas wie ein 20 Jahre alter Blackberry aus – aber das hat seinen Sinn.

Für jeden Hardwareteil erklärte er, weshalb es so ist wie es ist. Es hat also einen tieferen Sinn, dass ein S/W anstelle eines Farbdisplays verwendet wird, und eine physikalische anstelle einer Soaftwaretastatur verbaut ist. Der Inhalt seines Vortrages steht auf seinem Blog im Artikel „Can We Build Trustable Hardware?“ unter https://www.bunniestudios.com/blog/?p=5706 .

Um es zusammenzufassen: Neben der Kontrolle der Komponenten, der Toolchain ist die Frage, wie jeder einzelne Schritt, jede Komponente und letztendlich jedes einzelne Gerät verifiziert werden kann. Das geht am Besten durch gezielte Reduktion der Komplexität.

Mein Fazit: Vereinfachung und Reduktion aus Sicherheitsgründen

Danach habe ich „The Ultimate Acorn Archimedes Talk“ gesehen, in dem die Entwicklung des ersten RISC Homecomputers durch die britische Firma Acorn in den 80er Jahren beschrieben wurde. Es ging technisch ans Eingamchte: Die Besonderheiten der verschiedenen Hardwareversionen, des Betriebssystems und wieso die Design-Entscheidungen so und nicht anders getroffen wurden.

Am Ende war es eine Effizienzfrage. Wie bekommt man für möglichst wenig Entwicklungsaufwand und Produktionskosten die meiste Leistung. Die Antwort liegt in klarem, möglichst einfachem Design.

Mein Fazit: Vereinfachung und Reduktion aus Performance und Budgetgründen

Was damals gemacht wurde ist für uns heute übrigens hochrelevant, weil die Prozessoren, die heutzutage unsere Smartphones antreiben auf der damals entwickelten RISC Platform basieren. Aus dem Computerhersteller Acorn wurde der Prozessorhersteller ARM.

Beim Schlendern durch die Hallen fand ich ein laufendes Prototyp Board des Commander X16 – einem neuen 8 Bit Computer, den David Murray – bekannt durch seinen Youtube Kanal „The 8-Bit Guy“ initiiert hat. Davor saß Michael Steil, der auf früheren Kongressen mit seinen Vorträgen „The ultimate C64 Talk“ und „The ultimate Gameboy Talk“ tiefe Einblicke in die Besonderheiten der beiden Hardwareplattformen vermittelt hat. Er unterstützt Murray bei der Entwicklung (https://www.pagetable.com/?p=1373) und hat mir im Laufe des Gesprächs nahegelegt, den X-16 Emulator auszuprobieren, da bereits einige Leute Software für den neuen Computer schreiben, obwohl dieser noch gar nicht zu Ende entwickelt ist.

Commander X16 – Prototypboard

Mein Fazit: Vereinfachung und Reduktion aus – hmm – Spass. Und aus Freude, etwas schönes und sinnvolles zu erschaffen.

Daneben stand übrigens auch noch ein MEGA65 – der Nachbau eines Computers, den Commodore in den 80er Jahren als Nachfolger des Commodore64 vorgesehn, aber nie zu Ende entwickelt hatte. Vom Commodore 65 existieren nur einige wenige Vorserien-Prototypen.

MEGA 65 – Nachbau des Commodore 65

Und das ist ja auch der faszinierende Spirit des Kongresses. Dass hier Leute zusammenkommen, die massenweise interessanten Kram machen und Spass haben. Der Kongress ist nicht nur Kongress, sondern auch treffen von Bastlern und nicht zuletzt auch so eine Art Festival, was besonders am Abend deutlich wird. Überall steht cooles Zeug rum, alles blinkt, manches macht Töne und es gibt wie jedes Jahr einen Club, von dem sich so manche Kommerzdisko mehr als nur eine Scheibe abschneiden kann.

Hier sind noch ein paar optische Eindrücke:

„Cloud“ Animation. Per Videobeamer auf Eierkartons
Ein trojanisches Einhorn? Jedenfalls wechselt es laufend die Farbe
Selbst die Mainhall wird nachts zum Lichtspektakel

Neues Musikalbum

Einige von Euch wissen, dass ich hin und wieder einen kleinen Track bastele. Die meisten davon bleiben als unfertige Fragmente, Soundschnipsel, Rhytmus und Akkordübungen auf der Festplatte meines Musikrechners.

Aber wenn ich so ca. 10 Stücke soweit habe, dass man sie anderen Menschen vorspielen kann, ohne damit gegen die Genfer Menschenrechtskonvention zu verstoßen, mache ich daraus MP3, bringe sie in eine sinnvolle Reihenfolge, bastele ein Cover dazu und nenne das „Album“ – so wie früher.

Jetzt ist es wieder so weit. 11 Stücke sind fertig und mein neues „Album“ heißt ’next‘. Viele Stücke haben keine klassische Songstruktur, sondern sind eher Soundtrack zu einem imaginären Film.

Verwendete Technik

Die Stücke habe ich mit Bitwig Studio 2 und 3, sowie mit Reason 10 komponiert und arrangiert. Dabei sind u.a. klassische Instrumente, wie ARP2600, Buchla Easel, DX7, Matrix12, und CMI Fairlight V als „virtuelle Nachbauten“ aus der V Collection von Arturia zum Einsatz gekommen. Von Arturia stammt auch das Masterkeyboard Keylab 88, mit dem ich die Stücke eingespielt habe. Die Wandlung zu MP3 Dateien habe ich mit Audacity vorgenommen und die MP3 Tags mit Picard von MusicBrainz bearbeitet.

Coverfoto

Das Foto habe ich im Sommer auf der Dachterrasse des ehemaligen Debis Hochhauses im Potsdamer Platz Areal aufgenommen.

Hinweis zum Urheberrecht

Wie für meine komplette Homepage gilt auch für meine Musik die Creative Commons Lizenz cc-by-nc-nd. Das bedeutet, dass die Musik privat gehört und kopiert werden darf, solange der Copyright Inhaber korrekt und vollständig genannt wird. Eine Bearbeitung und kommerzielle Nutzung ist nicht gestattet.

58. Biennale in Venedig

Die Biennale in Venedig ist die Hochleistungsschau des internationalen Kunstbetriebes. Im Jahr 2019 ist es bereits die 58. Veranstaltung seit 1895. Dieser Event ist so groß, dass fast die ganze Stadt dem Thema Kunst gewidmet ist. An und in den Vaporetti (die Wasserbusse) sieht man keine Werbung für Zahnpasta oder Mobilfunkanbieter, sondern für die Biennale oder weitere Kunstausstellungen. Etliche Palazzi werben mit weiteren privaten Kunstevents und selbst in einigen Kirchen finden Kunstausstellungen statt. Ich habe mit die von Sean Scully in der San Giorgio Maggiore-Kirche und von Lore Bert in der Kirche San Samuele angesehen.

Man wird schier erschlagen von der Menge der Ausstellungen und Veranstaltungen, die zusätzlich zum normalen Venedig Kulturbetrieb mit Museen, Konzerten und Theateraufführungen laufen.

Die Biennale selbst besteht aus den folgenden Teilen:

  • Die überwiegend themenbezogenen Ausstellung auf einem Teil des Arsenale, dem ehemaligen Stützpunkt der Venezianischen Flotte.
  • Den traditionellen 28 Länderpavillons in den Giardini.
  • Teilnehmende Länder, die keinen eigenen Pavillon im Park oder Raum im Arsenale haben, mieten Räumlichkeiten, die über die ganze Lagunenstadt verteilt sind.

 

Giardini Eingang

Giardini Eingang

Ich war 5 Tage in der Stadt und daher kann und will ich hier nicht 1:1 wiedergeben, was ich gesehen habe, sondern was ich für besonders erwähnenswert halte. Leider kann ich aufgrund des Urheberrechts auch keine Werke direkt zeigen. Ich bitte um Verständnis.

 

Länderspezifische Themen

Viele Länderbeiträge beschäftigen sich naheliegenderweise mit den speziellen Problemen, die in dem jeweiligen Teilnehmerland wichtig sind. Beispiel Irak:

Seit den 80er Jahren befindet sich das Land ständig in bewaffneten Auseinandersetzungen: Der Iran/Irak-Krieg, der Golfkrieg 1 und 2, der Kampf gegen die Kurden im Norden und zuletzt gegen den IS. Dementsprechend ist der Krieg das Thema des Irakischen Beitrages, der im Erdgeschoss eines versteckt liegenden Palazzo.

Der Beitrag von Peru wiederum kommt mit seinen in naivem Stil bemalte Fliesen vordergründig volksnah, aber bei genauerer Betrachtung wird klar, das hier die kolonialistische Sicht auf das „exotische“ und seine Ausbeutung thematisiert wird. Besonders deutlich wird das bei einem Bild, das tanzende Indiofrauen zeigt – vor einem Bordell.

Von den einzelnen länderspezifischen Themen abgesehen, meine ich drei Schwerpunkte  erkannt zu haben, die ich etwas näher beleuchten möchte:

  • Armut / Flucht
  • Identität / Globalisierung
  • Technik und Gesellschaft

Schwerpunkt Armut und Flucht

Mein erster Tag begann, wie auch schon mein letzter Besuch 2017 in der 360m langen Seilerei von 1443. Die ersten Beiträge beschäftigen sich gleich mit dem Thema Armut und Flucht. Mein Blick fiel jedoch zunächst gar nicht auf die Werke, sondern auf die ca. 6m hohen Holzverschalungen, hinter denen die Wände und Säulen des Gebäudes verdeckt waren. Mein erster Gedanke war: „Wie kann man nur diesen genialen geschichtsträchtigen Ort so verschandeln?“ und gleich danach kam mir die Frage in den Sinn, wie viele Hütten und Häuser man mit den Holzplatten und Balken hätte bauen können. Erst danach habe ich die Kunstwerke und das Thema bemerkt und urplötzlich wurde ich sauer.

Holzwände in der Seilerei

Holzwände in der Seilerei

So richtig sauer, weil das Thema Armut und Flucht hier schon wieder so plakativ in Szene gesetzt wurde. Ich wurde nicht etwas sauer, weil ich des Themas überdrüssig bin, sondern weil ich es an diesem Ort für vollkommen deplatziert halte. Wie ich eingangs erwähnt habe, ist die Biennale alt, international und riesengroß. Es wird ein enormer logistischer, materieller und monetärer Aufwand betrieben, um Kulturinteressierte hierher zu locken und zu ergötzen. Und die Horden des internationalen Bildungsbürgertums kommen. Zur Biennale 2017 sollen immerhin 500.000 Besucher angereist sein. Die meisten werden von irgendwo auf der Welt mit dem Flugzeug gekommen sein und jeder hat für ein paar Tage soviel Geld ausgegeben, dass man eine Familie in den ärmsten Teilen der Welt davon locker ein Jahr hätte ernähren können. Mir ist das durchaus bewusst und mir ist auch klar, dass ich zu dem Mob dazugehöre, auch wenn ich nur mit dem Billigflieger und nicht mit einer 70m Yacht samt Hubschrauberlandeplatz angereist bin, wie es einige tatsächlich tun.

70m Yacht mit Hubschrauber

70m Yacht mit Hubschrauber

Und in diesem Kontext auf das Elend zu zeigen, finde ich obszön und falsch. Weder wird sich für irgendeine der gezeigten Personen direkt etwas verbessern, noch wird einer der Gäste dadurch eine neue Erkenntnis mit nach Hause nehmen und aktiv werden. Das ist nur Gaffen, hat etwas von Menschenzoo und trägt absolut nichts zur Verbesserung der Lage bei. Der Gipfel der Geschmacklosigkeit war es, ein gesunkenes (und später geborgenes) Fischerboot auszustellen, auf dem 700 Flüchtlinge gestorben sind.

 

Schwerpunkt Identität / Globalisierung

Erheblich wichtiger finde ich, dass sich sehr viele Beiträge mit dem Thema der kulturellen Identität auseinandersetzen. Wichtiger deshalb, weil dieses Thema der globalen Elite nicht präsent zu sein scheint, obwohl es erhebliche soziale Sprengkraft hat und ganz verschiedene Kulturkreise beschäftigt. Und hier können die Besucher etwas geistige Anregung mitnehmen und überlegen, was das für die Gesellschaft in ihrem eigenen Land bedeutet. Man konnte in vielen Beiträgen das Ringen um die eigene kulturelle Identität feststellen. In sehr unterschiedlichen Ländern gibt es offensichtlich das Gefühl, dass etwas wichtiges verloren geht.

Peru thematisiert Unterdrückung und Ausverkauf der eigenen Kultur durch koloniale Unterdrückung.

Kanada zeigt die Probleme der Inuit, die Schwierigkeiten haben, ihren traditionellen Lebensstil in Zeiten globaler Erwärmung und zunehmenden Ressourcenabbaus nördlich des Polarkreises beizubehalten.

Korea zeigt, wie ein Krieg, die Teilung des Landes und der anschließende Wirtschaftsboom, die eigenen Wurzeln verblassen lässt.

Die südafrikanische Künstlerin Zanele Muholi wies mit ihren beeindruckenden Selbstportraits offensiv auf eine schwarze Kultur hin, die im saturierten Mitteleuropa eher nicht bekannt ist.

Zu viele deutsche Besucher?

Zu viele deutsche Besucher?

Schwerpunkt Technik und Gesellschaft

Aserbaidschan zeigte die Ausstellung „Virtual Reality“ in einem Palazzo in San Marco. Der Name kam mir etwas cheesy vor – so 1995 – aber die gezeigten Werke waren durchaus gut. Thematisch ging es um den Dauerstrom globaler Information, die auf das Individuum einprasseln, die Verbindung „von Kopf zu Kopf“ durch soziale Medien und die Verbindung zwischen Historie und Hightech durch algorithmische Erzeugung traditioneller Muster.

Im 20. Jahrhundert war die Frage, wie die Sichtweise der Menschen auf die Welt durch die Medien verändert wird. Die Frage des 21. Jahrhunderts wird werden, wie die Maschinen die Welt wahrnehmen.

Diesem Thema widmete sich zum Beispiel Hito Steyerl mit einer raumfüllenden Installation aus verschiedenen Videoprojektionen, Gerüsten und Stegen. Die Stehe waren eine Anspielung auf die Hochwasser, die Venedig häufig in der Winterzeit überfluten, während die Videoprojektionen zeigten, wie eine KI Bilderkennung versucht, die Besonderheiten von Venedig zu „verstehen“.

Interessant auch der Beitrag von China. Die Chinesen präsentierten 2017 noch eine seltsam pseudo-folkloristisch anmutende Ansammlung in der Halle am Ende des Arsenale, wurden in diesem Jahr aber der Erwartung, die man an eine High-Tech Nation hat gerecht. Beim Durchwandern der Halle stand man plötzlich vor einer Videoprojektion, die die Halle selber zeigte. Man sah sich und die anderen Besucher wie im Spiegel. Jedoch wurde jede Person von einem Computer als Person identifiziert, auf dem Bild markiert und automatisch kategorisiert. Wenn man sich selbst gegenübersteht, mit einem grünen, roten oder blauen Kasten markiert sieht, der sich mitbewegt und an dem Labels hängen, die versuchen, einen als Person einzuschätzen, läuft es einem doch etwas kalt den Rücken herunter. Auch und gerade wenn man selbst ein bisschen was von der verwendeten Technik versteht.

Seit Jahren ein Klassiker

Seit Jahren ein Klassiker

Das Werk ist „Can’t Help Myself“ der beiden chinesischen Künstler Sun Yuan und Peng Yu im Zentralen Pavillon empfand ich als verblüffend anrührend. Es handelt sich dabei um einen Industrieroboter in einem ca. 10x10m großen Terrarium, der ständig versucht, mittels eines großen Spachtels eine Flüssigkeit zusammenzuhalten, die den Eindruck von Blut erweckt. Dabei machte er mal kleine, langsame Bewegungen um kurz darauf groß auszuholen und sich schnell herumzudrehen, wobei das „Blut“ an die Wände und die Fensterscheiben spritzte. Ich fühlte mich an ein großes, wildes und verletztes Tier erinnert, das eingesperrt und angegafft wird. Wie Steppentiere in einem Zoogehege dazu neigen, verzeifelt und manisch wiederholte Zwangsbewegungen zu machen.

Mein Favorit der Biennale ist aber die Datenvisualisierung „data-verse 1“ von Ryoji Ikeda. Auf einer 10m breiten Leinwand lief eine ca. 10 Minuten lange, extrem hochauflösende abstrakte Videoprojektion. In verschiedenen Szenen wurden jeweils riesige Mengen unterschiedliche Daten oder Messwerte anzeigt und durchscannt. Von allen Videos, die ich auf der Biennale gesehen habe, ist dies das einzige, das ich vollständig angehen habe. Sogar zweimal, weil ich erst im zweiten Durchlauf verstanden habe, das hier eine abstrakte und extrem ästhetische Reise von der Entstehung der Galaxis, der Planeten, des Lebens, des Menschen, der Gesellschaft bis zur Entwicklung von Megastädten gezeigt wurde.

Das Ganze basiert auf riesigen Datenbeständen die u.a. von CERN, NASA und dem Human Genome Project veröffentlicht wurden.

Ich war wirklich, sehr beeindruckt!

Brütende Hitze im Arsenale

Brütende Hitze im Arsenale

Mein Fazit

Vier Tage haben nicht ausgereicht um alle Biennale Beiträge zu sehen. Man ist auch irgendwann nicht mehr aufnahmefähig. Die Spannbreite der gezeigten Arbeiten ist riesig und natürlich findet man nicht alles interessant, manches sogar regelrecht schlecht, aber es sind auch diesmal wieder viele gute und auf einige ganz herausragende Werke dabei. Venedig hat sich auch dieses Mal wieder gelohnt.

 

Ein Buch zur digitalen Frühantike und ihrer ersten Hochkultur

Vor ein paar Wochen bin ich 50 geworden und habe ein Buch geschenkt bekommen: „The friendly orange glow“ von Brian Dear mit dem Untertitel „The untold story of the PLATO System and the dawn of cyberculture“. Es thematisiert PLATO – ein Computersystem von früher. Nach Maßstäben der Computerhistorie sogar von noch früher. Quasi von der digitalen Frühantike.

The friendly orange glow

The friendly orange glow

Was hatte es mit dem PLATO System auf sich?

Dazu kurz ein Rückblick auf meine Jugend.

Für mich fing die Digitalisierung der Gesellschaft ungefähr 1980 an. Damals hatte in der Bevölkerung fast niemand etwas mit Computern zu tun gehabt und plötzlich gab es überall Homecomputer und kurze Zeit später Personal Computer zu kaufen. Ich habe mich Hals über Kopf in das Thema gestürzt, bin um 1990 das erste Mal Online gegangen und habe noch vor dem Internet in den Mailboxen (oder BBS) Foren, Chats, E-Mail und Online Spiele kennengelernt. Damit habe ich mich lange zu den Online Pionieren gezählt.

Damit lag ich allerdings ganz schön falsch!

Zunächst fand ich heraus, dass das erste BBS bereits 1978 von Ward Christensen entwickelt und in Betrieb genommen wurde. Etwas später habe ich gelernt, dass das Internet nicht etwas mit dem World Wide Web 1991 begann, sondern seine Wurzeln bis in die 1960er Jahre zurückreichen und dass der erste Computer mit grafischer Benutzeroberfläche nicht etwas die Apple Lisa von 1983 war, sondern der XEROX Alto von 1973.

Und dann bin ich über ein Bild von gestolpert, auf dem ein Terminal mit orangefarbenem Gas-Plasma Touch Display zu sehen war, auf dem eine einfache Art 3D Shooter zu sehen war. Und darunter stand „PLATO IV Terminal (ca. 1975)“.

Wie bitte? 1975?

Zu dem Zeitpunkt liefen viele Computer noch mit Lochkarten und wurden über Fernschreiber oder Textterminals bedient, und dann so etwas? Um das zu verdeutlichen: Hier ist ein Bild vom PLATO V Terminal, das sich nicht sehr vom VI unterscheidet:

PLATO V Terminal

PLATO V Terminal By Mtnman79 [1] [CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0) or GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons

PLATO war ein Computersystem, das in den 60er Jahren an der Univerity of Illinois für die Lehre konzipiert war und tatsächlich bis Ende der 80er Jahre für Onlinekurse genutzt wurde. Es lief auf den seinerzeit schnellsten Computern der Welt und ging stets an die Grenzen des damals technisch machbaren.

Über das Buch

Das Buch beschäftigt sich aber nicht so sehr mit der Technik, sondern mit den Menschen dahinter. Es stellt und beantwortet die folgenden Fragen:

Was hat sie zur Entwicklung dieses brillianten Meilensteins der Computergeschichte motiviert und wie sind sie vorgegangen?

Wieso wollte man computerunterstützte Lehre fördern, zu einer Zeit als selbst Taschenrechner noch Science Fiction waren?

Wie konnte es geschehen, dass minderjährige Hacker die millionenteure Technik nutzen konnten, um Multiuser-Onlinespiele zu programmieren und zu spielen?

Wieso hat niemand erkannt, dass auf diesem System die Zukunft der Online Zusammenarbeit mit Chats, Mails und Foren entwickelt wurde?

Was führte nach dem technischen Höhenflug zu dem unrühmlichen Niedergang ab Mitte der 80er Jahre?

Ich habe das Buch mit Vergnügen gelesen und mir dabei Zeit gelassen. Ich habe viel gelernt – insbesondere, dass es auch schon vor über 40 Jahren „Digital Natives“ gab, die sich die digitalen Werkzeuge angeeignet und abseits vom eigentlichen Einsatzzweck eigene Nutzungen und Umgangsformen entwickelt haben.

Absolut lesenswert!

Meine Musik aus 2017

Neulich haben wir in der Firma festgestellt, dass erstaunlich viele von uns musizieren. Ein Kollege spielt in einer Punkband, eine Kollegin spielt Ukulele, eine andere erzählte von ihrem Setup aus einem alten Synthesizer und eine Drummaschine. Mehrere Kollegen – einer davon ich – bauen ab und zu mal ein paar elektronische Tracks.

Immer war die Frage „…und wo kann man Deine Sachen hören?„.

Ich habe bisher einigen Freunden eine CD gebrannt oder einen USB-Stick kopiert. Nach einigen Überlegen habe ich mich nun dafür entschieden, meine Musik auf meiner eigenen Website zu veröffentlichen. Das mache ich in der traditionellen Form von „Alben“. Mein Rechner ist voll von musikalischen Fragmenten und Versatzstücken. Immer wenn eines dieser Teile die Form eines Songs annimmt, den ich auch mehrfach hintereinander hören mag, kommt der zum nächsten Album. Ich bilde mir ein, dass die Lieder von Album zu Album etwas besser werden, aber das muss jeder Hörer für sich entscheiden. Vier Alben gibt es bis jetzt:

Raw Fragments – 10 Stücke von 2009/2010. Meine ersten Gehversuche. Ich hatte nicht das Gefühl, dass es sich um „richtige Lieder“ handelt, sondern eher um kurze Soundschnipsel, daher der Name.

Furthermore – 5 Stücke von 2011/2012, die sich stilistisch an die ersten anlehnen, also immer noch eher experimentell sind.

Red Green – 11 Stücke aus dem Jahr 2016. Hier hatte ich das erste mal das Gefühl „richtige“ Lieder produziert zu haben.

Four Seventeen – 10 Stücke aus dem Jahr 2017. Hört sie Euch doch einfach mal an:

Sounds good – IMSTA FESTA Berlin 2017

Am gestrigen Samstag besuchte ich das IMSTA FESTA Berlin 2017, das in den Räumen der SAE in Berlin Kreuzberg stattfand.

Hmm, „Bahnhof“?

Es drehte sich alles um Musikproduktion.

IMSTA Festa Berlin

IMSTA Festa Berlin

Das SAE Institute ist eine private Bildungseinrichtung, die seit 40 Jahren in vielen Ländern Kurse rund um Musik- und Medienproduktion anbietet. IMSTA ist die International Music Software Trade Association. Offensichtlich sind auch einige der Berliner Musiksoftwarehersteller dort Mitglied und so fand der Event nun auch in Berlin statt. Ich wusste nicht so genau, was mich erwartet, aber da man sich zwar registrieren musste, aber der Eintritt frei war machte ich mich auf den Weg nach Kreuzberg.

Zunächst wuselte ich wie die anderen Besucher durch die Räume der SAE und schaute mal hier und mal dort rein. Die Räumlichkeiten in dem ehemaligen Speicher in der Cuvrystr. auf zwei Geschossen sind noch neu. Alles ist modern. Interessant fand ich den Grundriss im Musikbereich im oberen Stockwerk. Dort gab es keine rechten Winkel und keine parallel laufenden Wände um Schallreflexionen zu minimieren. Es gab kleine und mittlere Übungsräume, in denen Workshops und Vorführungen stattfanden und natürlich auch ein vollwertiges Tonstudio.

Danach habe ich die Showrooms der Hersteller abgeklappert.

Hard- und Software

Akai hatte seine aktuelle MPC Hardware am Start. Mit dieser Art Instrument werde ich aber irgendwie nicht warm. Mir liegt die Bedienung und Arbeitsweise nicht.

Arturia hatte auch etwas Hardware aufgebaut. Das kompakte Keylab49 Masterkeyboard hat ein schönes Design, ist recht leicht und ziemlich preiswert. Da ich aber stolzer und zufiedener Besitzer eines Keylab88 mit gewichteter „Klavier“ Tastatur bin, habe ich dafür keinen Bedarf. Nachdem ich etwas an dem winzigen Analogsynthesizer MicroBrute und etwas länger an dem ebenfalls analogen Drumcomputer DrumBrute herumgeschraubt hatte, vertiefte ich mich für längere Zeit in den Soundsphären des großen Analogsynthesizers MatrixBrute. Im Gegensatz zu den anderen Instrumenten hing der an Lautsprechern. Da mich in der Zeit fünf Leute angesprochen haben und mich für einen Arturia Mitarbeiter hielten, kann mein Geklimper nicht so schlecht gewesen sein. Ein sehr schönes Instrument. Klingt gut, fühlt sich gut an und macht Spaß.

Neben Hardware gab es natürlich auch viel Software zu sehen. Die Berliner Szene war mit Native Instruments (die sitzen ungefähr drei Häuser weiter), U-HE und Bitwig gut vertreten. Ableton konnte ich hingegen nicht entdecken, obwohl sie auch IMSTA Mitglied sind. Steinberg aus Hamburg waren auch dabei, wie Hersteller aus anderen Ländern, wie z.B. Image Line mit FL Studio (A.K.A Fruity Loops).

Mein Interesse galt aber vornehmlich Bitwig. Diese Software nutze ich selber gerne und ich finde das Team nett. Am Stand wurde ich sogar wiedererkannt („Du warst doch auch auf der Party damals in Neukölln, oder?“). Nice! Leider hat mir das letzte Update auf 2.2 mein Audio Setup zerschossen und dazu hatte ich einen kleinen Schnack. Mal sehen, ob wir die Ursache finden.

Workshops

Den ganzen Nachmittag hindurch gab es Song Reviews und diverse Workshops. Die drei, die ich besucht habe, waren interessant.

Bitwig gab einen einstündigen Überblick in das User Interface ihrer Software. Obwohl ich das System seit zwei Jahren nutze, habe ich einige neue Dinge erfahren.

Im Mischraum des Tonstudios gab der Produzent Sonus030 einen Einblick in FL Studio. Ich habe ihm offen gesagt, dass das HipHop Genre nicht so meins ist, und ich Bitwig als Audio Workstation verwende, aber gerne mal sehen würde, wie er daran geht, einen Track zu bauen. Und so gab er mir Einblick in seine Arbeitsweise anhand eines Songs, den er mit anderen Musikern Tags zuvor aufgenommen hatte. Interessanterweise unterscheidet sich das gar nicht so sehr davon, wie ich arbeite, abgesehen davon, dass er mehr Audiomaterial verwendet und ich mehr über die Keys einspiele. Netter Kerl und der fertige Song hat mir dann übrigens sogar gut gefallen.

Im Studio

Im Studio

So richtig überrascht war ich dann von dem Vortrag über Modular Sythesizer. Ich bin völlig ahnungslos in den Raum, in dem Wohnzimmeratmosphäre herrschte. Ein Teil des Publikums saß auf Stühlen, der Rest fläzte entspannt auf 70er Jahre Sitzsäcken. Ich sitze in Reihe zwei. Vorne stand ein modulares Synthesizerrack von Doepfer und ein Keyboard und davor saß ein netter Herr aus den USA in seinen 60ern mit Karohemd und Ecco Schuhen, die Haare zum Zopf zusammengebunden. Er fing mit seinen Erklärungen ganz vorne an: Was ist ein Oszillator, wie klingt ein Sinus, wie sind die Obertöne einer Dreieckswelle usw.

Modular Synthesizer 101

Modular Synthesizer 101

Parallel zur Erklärung hat er immer alles sofort gezeigt, am Gerät zusammengesteckt und eingestellt. Als er dann zum Thema Rauschen und Filtertypen kam, musste er ein wenig am Rack suchen und einmal kam der Kommentar, dass etwas anders, als bei seinem Moog funktionieren würde. Er hat sich artig bei Döpfer bedankt, dass sie ihm das Rack zur Verfügung gestellt haben und gemeint, dass er noch nie vorher an einem Eurorack System gearbeitet hat. 10 Sekunden später hat er dann aber die Einstellung so geändert, dass es weitergehen konnte. Zweifellos ein Profi.

Und was für ein Profi er tatsächlich ist, dämmerte mir im zweiten Teil des Vortrags. Irgendwann fing er dann an so typische 80er Jahre Songs anzuspielen, unser geneigtes Ohr auf einen bestimmten Klang zu lenken und dann zu erzählen, wie der produziert wurde. Hier ein Oberheim OB-8, hier zwei gestackte Prophet 5, hier ein Moog Modular etc…

Okay – der kennt sich aus, dachte ich mir.

Dann spielte er den Anfang von Michael Jacksons „Bad“ und sagte, wir sollen auf diesen hohen Sound im 16tel Takt hören („tschackatschackatschackatschacka“). Dann erklärte er, wie er diesen Sound hinbekommen hat.

Ähm wie jetzt ???

Gleich danach dasselbe Spiel mit Linonel Ritchies „Hello“ und nochmal mit einem Song aus Flashdance. Und so ging das ’ne ganze Weile weiter.

Was zum… Wer ist dieser Kerl?

„Der Kerl“ war Michael Boddicker. Eine Sythesizer-Koryphäe aus der Musikszene von L.A., der nicht nur Filmmusik komponiert und produziert, sondern so ungefähr schon mit allen Stars zusammegearbeitet hat: Quincy Jones, Whitney Houston, Diana Ross, Neil Diamond,…

 

Und ich bin so ungefähr aus Versehen in den Vortrag gegangen. Wahnsinn!

Das sind dann so die Augenblicke, in denen ich total glücklich bin, in Berlin zu leben, obwohl mir die Stadt manchmal unfassbar auf die Senkel geht.

Instructions to a 6510 for Sound

Am Nachmittag des 02.07.2017 fand in der Toskanahalle in Berlin Weissensee die Finissage der Ausstellung „Computerbögen“ statt. Daran war ich mit meiner Installation „Instructions to a 6510 for Sound“ beteiligt.

Es handelt sich um eine Installation aus 32 Blatt Tabellierpapier mit kommentiertem Assemblercode, Lautsprecher und einem Einplatinenrechner, der programmgesteuert im 5 Minuten Intervall drei Musikstücke abspielt.

Installation im Überblick

Installation im Überblick

Detail: Raspberry Pi und Erläuterung

Detail: Raspberry Pi und Erläuterung

Detail Ausdruck

Detail Ausdruck

Über das Werk:

Das Werk hat mehrere Interpretationsebenen.

Der Name der Installation weist auf die einfachsten Interpretationsebene hin. Es ist Musik zu hören, die mittels einer Software erzeugt wurde. Auf den 32 Blatt Papier sind Anweisungen für einen MOS6510 Prozessor zu sehen um diese Musik zu erzeugen.

Eine andere Interpretationsebene ist das Spiel mit Zeit. Artefakte aus den 80er Jahren, die im Jahr 2017 genutzt werden.

Die zugrunde liegende Software (Sound-Monitor von Chris Hülsbeck) stammt aus dem Jahr 1986. Sie ist für den Commodore 64 programmiert, einem Heimcomputer aus dem Jahr 1982.

Das verwendete Tabellierpapier erinnert aber an typische Computerausdrucke aus den 70er und 80er Jahren. Die Schrifttype stammt von einem Epson Nadeldrucker aus dem Jahr 1980.

Der Ausdruck zeigt eine kommentiert Interpretation des Assemblercodes von Dirk Ollmetzer aus dem Jahre 2017.

Die abgespielte Musik stammt von Dirk Ollmetzer aus dem Jahr 2014 und 2017.

Nicht zuletzt ist die Installation auch ein Spiel mit Authentizität.

Die Software, um die es in diesem Werk geht, ist in ihm selber nicht vorhanden. Der Ton kommt von einem kleinen Einplatinenrechner aus dem Jahr 2016, der drei vorgefertigte MP3 Sounddateien abspielt. Diese wurden zwar mit dem Soundmonitor erzeugt, jedoch nicht auf einem echten Commodore 64, sondern auf einer Softwareemulation des Commodore 64, die auf einem aktuellen PC lief.

Auf dem Ausdruck ist auch nicht der Maschinencode selbst zu sehen, sondern eine für den kundigen Menschen lesbare Form (6502 Assemblercode) mit Kommentaren und Sprungmarken, anhand der die Funktion der Software nachvollzogen werden kann.

Der scheinbar alte Computerausdruck wurde mittels einer Textverarbeitung und einer speziellen Schrifttype zunächst auf normales A4 Papier ausgedruckt und anschließend mit modernen Kopierern auf das Tabellierpapier vergrößert kopiert.

Nichts ist so, wie es zunächst scheint. Alles ist echt, aber nichts authentisch.

Venedig

Ich hatte Sehnsucht nach Sonne und Kultur – da liegt eine Reise nach Italien auf der Hand. Meine Wahl fiel auf Venedig. Irgendwie scheint jeder außer mir schon einmal dort gewesen zu sein und das wollte ich ändern. Ich war neugierig auf die Geschichte, Kultur, Architektur und den Städtebau. Andererseits hatte ich Bedenken wegen der Touristenmassen, Angst vor Nepp und stinkenden Kanälen. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Wenn ich Folgenden von Venedig rede, meine ich den für Touristen interessanten historischen Teil in der Lagune (Stadtteile San Marco, San Polo, Cannaregio, Dorsoduro, Castello und Giudecca) und nicht die Industriestadt auf dem Festland mit der Petrochemie.

Ich hatte Glück und der kaum eineinhalb Stunden dauernde Flug verlief ruhig und wolkenfrei. Das ermöglichte mir tolle Blicke auf München, Innsbruck und die Alpen, sowie auf die Lagune und Venedig im Landeanflug. Auf dem Flughafen habe ich sofort ein 72 Stunden Ticket von ACTV mit Flughafentransfer gekauft (€ 46,-) und los ging es mit der Buslinie 5 über die 3,6 Km lange Brücke zum Piazzale Roma in der Lagune. Und dann steht man im Gewusel am Canal Grande und versucht herauszubekommen, wo denn nun Vaporetto (Quasi der Wasserbus) Line 1 anlegt.

Erster Eindruck: Blick vom Piazzale Roma auf den Canal Grande

Erster Eindruck: Blick vom Piazzale Roma auf den Canal Grande

Nur wenige Minuten später kommt das Boot und es geht los…

…ungefähr 200m weit. Dann gibt es die nächste Haltestelle auf der anderen Kanalseite. Und so geht es im Zickzack ungefähr 20 Minuten weiter, bis wir unter der Rialtobrücke durchfahren und ich am nächsten Anleger aussteige. Dann noch etwa 200m durch eine schmale Gasse zum Hotel und eingecheckt. Bis dahin wurde ich bereits mit den verschiedensten Eindrücken überflutet:

  • Mein Gott, das sieht ja wirklich alles genauso aus, wie im Film!
  • Die Kanäle riechen überhaupt nicht unangenehm.
  • 28 Grad Lufttemperatur, stechende Sonne und überall Wasser – das macht das Klima etwas anstrengend.
  • Herrjeh, ist das ein Gewusel auf dem Wasser!
  • Au weia! Ist das ein Gedränge in den Gassen!

Canal Grande von Dorsoduro aus gesehen

Canal Grande von Dorsoduro aus gesehen

Später fiel mir noch auf

  • Das Hotel ist gut, sehr sauber und es gibt zu meiner freudigen Überraschung ein anständiges Frühstück.
  • Die Zikaden in den Bäumen sind ganz schön laut.
  • Die Gondeln sind zwar unfassbar kitschig (und teuer). Aber es ist schon elegant, wie sie lautlos durch das Wasser gleiten.

Gondoliere in grandi quantità

Gondoliere in grandi quantità

Vom Gepäck befreit führt mich mein erster Weg direkt zum Markusplatz. Das sind nur 200m halbwegs geradeaus und das Hauptziel der meisten Besucher. Der Weg ist aber nicht nur kurz, sondern auch extrem schmal. An der breitesten Stelle vielleicht 2,5m und an der schmalsten kaum 1,5m. Trotzdem ist es einer der beiden Hauptwege zwischen Rialtobrücke und Markusplatz. Dementsprechend drängen die Menschen hier durch.

Wahnsinn!

Markusplatz am Abend

Markusplatz am Abend

Den Markusplatz hat vermutlich jeder schon einmal auf Bildern gesehen: Die langen Arkaden, Der große Campanile, die Basilika mit ihren unglaublichen Marmorverzierungen und natürlich der Dogenpalast. Obwohl der Platz mit 180m x 80m ziemlich groß (für venezianische Verhältnisse geradezu riesig) ist, erdrückt einen doch die schiere Masse an Touristen. Also schnell die üblichen Beweisbilder gemacht und weiter geht es (Ich bin abends noch einmal wiedergekommen – immer noch viele Menschen, aber man hat endlich etwas mehr Platz).

Ich lasse mich durch Gassen über Brücken und Plätze in Richtung Accademia treiben. Schnell merke ich: Man kann die Kamera in eine beliebige Richtung halten und abdrücken – das Fotomotiv ist immer malerisch bis zum geht nicht mehr. Das werde ich in den nächsten vier Tagen auch extrem häufig machen. Tatsächlich habe ich 860 Aufnahmen gemacht und nur ganz wenige sind Ausschuss.

Campo San Moisè

Campo San Moisè

Calle Dose da Ponte

Calle Dose da Ponte

Canal Grande von der Ponte dell' Accademia

Canal Grande von der Ponte dell‘ Accademia

Das frühe Aufstehen, die Anreise, das unglaubliche Gewusel in den Gassen und nicht zuletzt der Temperatursprung um 10 Grad fordern schnell ihren Tribut. Meine Kondition lässt zu wünschen übrig und ich beschließe, dass ich ich Venedig nicht gleich am ersten Tag komplett erkunden muss. Am Anleger Accademia nehme ich ohne großen Vorsatz das nächste Vaporetto. Es ist wieder die Nummer 1. Da ich gerade ganz bequem sitze, fahre ich bis zur Endhaltestelle Lido mit. Der Lido ist eine 12Km lange, schmale Insel, die die Lagune von der Adria trennt. Hier ist die Bebauung völlig anders. Der Hauptort hat sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu einem mondänen Badeort entwickelt. Hier geht es luftiger und ruhiger zu und ich bleibe bis zum frühen Abend am Strand sitzen, um auf die Adria zu gucken und mich auszuruhen.

Tag zwei fängt mit einem guten Frühstück an (holla!) und danach geht es gleich zum Arsenale um die Biennale anzusehen (davon berichte ich getrennt im Artikel „Venedig – Kunstbiennale 2017„). Nachdem ich Nachmittags das Ausstellungsgelände verlassen habe bin ich wiederum ziemlich geschafft und kann eine etwas längere Bootsfahrt gebrauchen. Ich beschließe, den Anleger an der kleinen Insel St. Pietro di Castello zu nehmen und lande in einer verschlafenen Ecke von Venedig. Keine Sehenswürdigkeiten, keine Touristen, dafür einige Einheimische. Schau an – das gibt es auch noch. Wie beruhigend!

Einfache Wohnhäuser in Castello

Einfache Wohnhäuser in Castello

Die Fahrt ging an der Nordseite Venedigs entlang. So konnte ich einen Blick auf die Friedhofsinsel San Michele werfen, mich davon überzeugen, dass es in dieser historischen Stadt ein sehr modernes Krankenhaus mit Hubschrauberlandeplatz und Notaufnahme (natürlich per Boot) gibt. Der Blick auf die Häuser des Stadtteils Cannaregio zeigt, dass auch dort „richtige Menschen“ leben. Gut zu wissen, dass es sich trotz der Touristenmassen doch noch um eine richtige Stadt handelt.

Fondamenta Cannaregio

Fondamenta Cannaregio

Am Anleger Tre Archi steige ich aus und laufe in glühender Sonne den Fondamenta Cannaregio hinunter. Mein Ziel ist das jüdische Viertel. Hätte ich nicht vor einiger Zeit einen längeren Bericht über die Historie des Ghetto gesehen, wäre ich vermutlich achtlos vorbeigegangen. Beim ersten Laden an dessen Türrahmen mir ein kleiner, zylinderförmiger, schief angebrachter Behälter auffiel, bog ich in den nächsten torartigen Durchgang links ab.

Und schon war ich mittendrin im Calle Ghetto Vecchio zwischen koscheren Lebensmittelläden und Synagogen, die man nur erkennt, wenn man weiß wo sie sind.

Campo del Ghetto Nuovo

Campo del Ghetto Nuovo

Zudem befindet sich hier einer der schönsten Plätze Venedigs: Der Campo del Ghetto Nuovo. Er ist groß und lebendig. Kaum Touristen, dafür viele einheimische und spielende Kinder. Leider scheint es auch nötig zu sein, hier ein Häuschen hinzustellen, in dem mehrere bewaffnete Polizisten die friedliche Szene bewachen. Das ist bei uns in Berlin an Stellen, die für das jüdische Leben wichtig sind ja auch nicht anders. Aber irgendwie empfinde ich es als Schande, dass so etwas heutzutage in Europa nötig ist.

Abends bin ich dann noch etwas am Rialto und in San Marco umher gelaufen und habe bei einem leckeren Eis die Szenerie genossen.

Canal Grande von der Rialto Brücke aus gesehen

Canal Grande von der Rialto Brücke aus gesehen

Nächtlicher Blick auf San Giorgio Maggiore

Nächtlicher Blick auf San Giorgio Maggiore

Am nächsten Tag habe ich mich wiederum zur Biennale begeben (diesmal in den Giardini) und am Nachmittag den Stadtteil St. Elena angesehen. Keine expliziten Sehenswürdigkeiten, dafür wieder normale Einwohner, breitere Strassen und sogar ein Park. Dort hinten kann man es aushalten.

Wohnstrasse für richtige Menschen

Wohnstrasse für richtige Menschen

Am letzten Tag bin im Stadtteil Dorsoduro, südlich der Accademia gewesen. Noch recht touristisch – unter anderem ist dort die Peggy Guggenheim Collection und diverse andere Palazzi mit Kunst, aber es ist nicht ganz so überlaufen wie San Marco. Hier bin ich den (das, die?) Fondamente Zattere al Ponto Lungo entlagflaniert. Der Blick schweifte über das Wasser in Richtung des Stadtteils Guidecca. Dort hinüber kommt man wirklich nur noch mit dem Boot, weil es keine Brücke über die breite Fahrrinne zum Hafen von Venedig gibt.

Zurück zum Flughafen ging es dann direkt mit dem Boot über die Lagune. Sobald das Boot von Alilaguna aus den Kanälen der Stadt heraus und in der offenen Lagune war, hieß es Vollgas. Ein bisschen Wellen muss man da schon vertragen. Aber ehrlich – wie geil ist des denn, mit dem Boot direkt in den Flughafen zu fahren?

Bootsanleger am Flughafen

Bootsanleger am Flughafen

Leider war mein Besuch damit bereits wieder beendet. Der Rückflug war ordentlich verspätet und ich bekam auf Facebook den Rat, ein Boot mitzubringen, weil in Berlin gerade die Strassen wegen Dauerregen überschwemmt sind.

Ich sehe es lieber so: Einige Dinge, die mich interessieren, habe ich noch nicht gesehen und somit einen Grund noch einmal wiederzukommen. Zum Abschluss noch ein paar Gedanken, die ich während des Besuchs hatte:

 

Größe und Entfernungen

Größe, Entfernung und Zeit nimmt man in Venedig einfach komplett anders wahr, als in normalen Städten. Die Lagunenstadt misst ca. 4,5 Km in Ost/West und 2,7 Km in Nord/Süd Richtung. Aber die Gassen sind selbst für südeuropäische Verhältnisse unfassbar eng und verwinkelt. Gassen von kaum 1,5m Breite sind nicht ungewöhnlich. Zudem sind zwar überall Kanäle aber längst nicht überall Brücken, wo man sie braucht. Das führt zu Situationen, in denen man für eine Entfernung von ein paar Hundert Metern Luftline lieber in das Vaporetto steigt, anstatt sich durch das enge und mit Touristen überfüllte Labyrinth zu drücken.

Tourismus – Fluch und Segen

Tatsächlich wird die Stadt von der Menge der Touristen schier erdrückt: Es sollen ca. 30 Millionen pro Jahr sein. In einer Stadt, die nur ca. 60.000 Einwohner hat. Im Gegensatz zu Rom, das ebenfalls von etlichen Millionen Besuchern jährlich heimgesucht wird, hat Venedig (in der Lagune) kaum noch andere wirtschaftliche Funktion, außer dem Tourismus.

Andererseits wäre diese historisch bedeutende Stadt ohne die Besucher vermutlich schon weitgehend zerfallen und verlassen. Das Leben dort ist erheblich anstrengender und teurer als auf dem Festland. Das fängt mit der Ver- und Entsorgung an und endet beim aufwändigen Erhalt der historischen Bausubstanz noch lange nicht. Es gibt nur sehr wenige Läden für den normalen Einkauf. Jede Lieferung muss zunächst auf ein Boot umgeladen werden, dann eventuell noch mal auf den Handkarren und durch die Gassen und über die Brücken mit ihren Stufen geschoben werden. Egal ob es das Päckchen von Amazon ist, die Lieferung für den Supermarkt oder die Müllabfuhr. Das dauert, und ist aufwändige und schwere Handarbeit.

Lieferboot von DHL

Lieferboot von DHL

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