tiny little gizmos

Dresden

Ende letzter Woche bin ich beruflich nach Dresden gefahren. Anlass war, dass mein komplettes Team den PHP Developer Day 2026 besucht hat, der von der PHP Usergroup Dresden organisiert wurde. Zu dieser Veranstaltung werde ich vermutlich noch einen eigenen Artikel schreiben.
Hier geht es nur darum, wie ich die Stadt wahrgenommen habe, denn ich war zuvor noch nie dort.

Semperoper am Abend

Von Berlin nach Dresden – aber wie?

Die knapp 200 km alleine mit dem Auto zu fahren und dann €50,- nur dafür zu zahlen, damit die Kiste zwei Tage in der Hoteltiefgarage steht fand ich nicht so gut.

Bahnfahren fand ich auch nicht gut.
Also im Prinzip fände ich es schon gut, weil das für die Strecke eigentlich die erste Wahl gewesen wäre. Aber die Bahn…

Mein Kollege, der die Bahn gebucht hatte, bekam das mittlerweile übliche Abenteuerpaket dazu: Der gebuchte Zug fiel kurzfristig aus und der nächste war dafür doppelt so voll und auch noch verspätet.

Leider bleibe ich dabei – Bahnfahren geht einfach GAR NICHT.

Ich hab mich letztlich für den Flixbus entschieden und das war goldrichtig. Von Berlin Alexanderplatz nach Dresden Hauptbahnhof hin- und zurück für unter €30,-. Etwas langsamer, aber pünktlich, sauber, bequem.

Erste Annäherung

Nachmittags aus Berlin raus zu kommen ist einfach nur zäh und nervig, aber auf der Autobahn ging es trotz vieler Baustellen ohne Probleme vorwärts. Die Fahrt durch Brandenburg und die Lausitz ist landschaftlich recht ereignislos: Flach, Kiefern und Felder. Das war’s.

Die Halbleiterindustrie bei Dresden wächst und gedeiht.

Erst kurz vor Dresden wird es etwas hügeliger und spannender. Am nördlichen Stadtrand fuhren wir an einer wirklich großen Baustelle vorbei. Hier baut ESMC eine neue Chipfabrik gleich neben Bosch Semiconductor. Etwas weiter hinten ist die Chipfabrik von Global Foundries und auf der anderen Seite hinter dem Wald steht die Chipfabrik von Infineon. Der ganze Industriecluster („Silicon Saxony“) rund um Dresden stellt zusammen ca. 1/3 der Mikroelektronik Bauteile in Europa her. Hier ist in den letzten 35 Jahren wirklich etwas modernes und wichtiges aufgebaut worden. Das ist so wichtig in Zeiten, wo man das Gefühl hat, dass Deutschland nur noch hinterherhinkt und seine komplette Industrie abwickelt. Respekt!

Angekommen

Der Bus hat seinen Haltepunkt genau am Hauptbahnhof von Dresden. Der Bahnhof selbst ist nicht allzu groß, aber wirklich schön saniert und gepflegt.

Dresden Hauptbahnhof – die Gleishalle

Dresden Hauptbahnhof – Bahnhofsgebäude

Das macht Lust auf das klassizistische Dresden. Wenn man auf den Bahnhofsvorplatz tritt um in Richtung Altstadt zu laufen wird man aber zunächst mit modernen Gebäuden konfrontiert. Das ist wenig verwunderlich, da von der historischen Innenstadt nach den Bombardierungen der Alliierten gegen Ende des zweiten Weltkrieges kaum etwas übrig blieb. Die Prager Straße fängt mit gläsernen Konsumtempeln aus der Nachwendezeit an. Dazwischen reinster 60er Jahre Städtebau. Nicht ganz so, wie erwartet, aber die Fußgängerzone ist belebt, gepflegt und sauber und hat fast keinen Leerstand.

Dresden Prager Straße: DDR Moderne zwischen Hauptbahnhof und Altstadt
DDR Moderne – top gepflegt

Weiter nordwärts geht es zunächst über die die breite Waisenhausstraße und dann weiter zum Altmarkt. Hier ist ein großer Teil der Bebauung im stalinistischen Zuckerbäckerstil. Das ist zwar noch nicht ganz Altstadt, aber auch recht ansprechend. Mein Hotel lag neben dem Gewandhaus an der Ringstraße.

Stalinistische Nachkriegsbauten – ebenfalls Tiptop.

Abends hat uns ein Kollege, der in der Stadt wohnt, abgeholt. Wir haben zunächst einen Irish Pub besucht um etwas zu Essen und zu trinken. Abschließend haben wir noch eine kleine Stadtführung bekommen. Auch hier wieder abwechselnd DDR Moderne (Kulturpalast), rekonstruierte Geschichte um den Neumarkt mit Frauenkirche und wirklich historische Gebäude mit Schlossplatz und Semperoper entlang der Elbe.

Dresden Neumarkt mit Frauenkirche

Den Freitag haben wir auf der Konferenz verbracht und sind Abend noch einmal zusammen Essen gegangen.
Bevor ich Samstag Mittags die Heimreise angetreten habe, konnte ich den wundervollen, sonnigen Vormittag dazu nutzen, die Innenstadt noch einmal bei Licht und auf eigene Faust zu erkunden. Vorbei an Alt- und Neumarkt, dem Kulturpalast aus dem Jahr 1969, der am Donnerstag Abend hell erleuchtet und gut besucht war.

Dresden Kulturpalast

Weiter ging es Richtung Elbe. Der Brühlsche Garten ist ein hübscher kleiner Park vor dem Albertinum, von dem aus man einen tollen Ausblick über das Elbtal hat. Nur wenige Schritte weiter kommt man zum malerischen Schlossplatz mit der Kathedrale.

Blick über die Elbe – ohne Carolabrücke

Am Schlossplatz mündet die Augustusbrücke. Zahlreiche Passanten blieben stehen und hörten einem kleinen Streichorchester zu, das ein Potpourri klassischer Musikstücke spielte. Zuerst dachte ich, dass es Musikstudenten seien, aber als ich direkt davor stand, merkte ich, dass es eher noch Kinder und Jugendliche waren. Neugierig erkundigte ich mich bei einem der Betreuer, der etwas abseits stand.

Dresden Schlossplatz mit Kathedrale

Ich war etwas erstaunt, wie gemischt die Gruppe war. Mehrere Mädchen mit Kopftuch, eine junge Dame mit dunkler Hautfarbe und zwei Asiaten waren dabei. Das ist etwas, das ich bei deutscher klassischer Musik nicht unbedingt erwartet hätte.

Der Betreuer meinte, dass sie ursprünglich einfach nur Kinder für Klassik begeistern wollten. Die Mischung habe sich dann einfach ergeben. Zumal die Unterschiede nicht nur die kulturelle Herkunft sondern auch Einkommens- und Bildungsniveau und politische Meinungen betrifft. Aber die Kinder sind interessiert und haben Freude daran, zusammen zu musizieren. Die Eltern stehen dann eben auch zusammen, wenn sie die Kinder von den Proben abholen.

Dresden – Kinder- und Jugendorchester

Das fand ich auf so vielen Ebenen gut, dass ich spontan etwas gespendet habe.

Leider musste ich dann doch so langsam in Richtung Bahnhof, um die Rückfahrt anzutreten.

Mein Eindruck

Mir hat die Dresden sehr gut gefallen. Nach Leipzig bereits die zweite Stadt in Sachsen, von der ich positiv überrascht war. Und so unterschiedlich die beiden Städte auch sind, ist mir doch aufgefallen, weshalb ich sie mag:

Dresden und Leipzig sind die positive Antithese zu Berlin.

Dresden und Leipzig sind sauber und gepflegt. Berlin ist nahezu überall dreckig und rotzig.

Dresden und Leipzig respektieren ihre Vergangenheit. Egal ob Gebäude auf August dem Starken zurückgehen, aus der Gründerzeit sind oder zur DDR Moderne gehören – alles wird instand gesetzt und gepflegt.
In Berlin wurde und wird weiterhin versucht, die DDR möglichst aus dem Stadtzentrum zu tilgen.

Und das, was das vorhandene ersetzt hat ist nahezu immer schlechter, dichter, aufdringlicher. Nirgends wir Platz gelassen, Überall wird schnell noch ein billiger 08/15 Bau dazwischen gequetscht. Die verbliebenen Flächen sind ungepflegt oder Dauerbaustelle auf der nichts passiert.

Berliner Stadtplanung ist nicht nur zum Erbrechen respektlos, sondern zudem unfassbar öde und einfallslos.

Und so wird die die Stadt von vielen Einwohnern und durchreisenden auch behandelt. Gleichgültig und respektlos. Sperrmüll und Graffiti (nein, ich finde das immer noch hässlich und anmaßend – wie bereits damals in den 80er Jahren) ist in Berlin wirklich überall – ich kann mich nicht erinnern, so etwas Dresden gesehen zu haben.

Viele Berliner stört das nicht mal, aber wenn tatsächlich ein moderne Fabrik an den Stadtrand gestellt wird, gibt es jahrelang erbitterten Widerstand von Bürgerinitiativen und Anschläge auf die Stromversorgung.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in Dresden Bürgerinitiativen gibt, die mit allen Hebeln versuchen, die modernen Chipfabriken zu verhindern.

Nach der Wende ist sehr viel Geld in Dresden und Leipzig investiert worden – und es hat sich gelohnt. Die Städte sind Tip top in Schuss.
OK, das mit der Carolabrücke war natürlich nicht so toll, aber in Berlin sind auch 2/3 der Brücken am Ende.

In Berlin werden irrsinnige Massen von Geld investiert und irgendwie sinkt die Lebens- und Aufenthaltsqualität hier spätestens seit den später 2000er Jahren beständig.

…jetzt mal was schönes!

Die Politik, die Wahlen, die Medien, der gesellschaftliche Stumpfsinn in allen Lagern und der ganze S(#1@§ geht mir soo auf den Zeiger. Das macht einen nur noch B3%077! im Kopf.

Darum jetzt mal was schönes!

Ich war gestern zu einer Geburtstagsfeier eingeladen. Und diese Feier war sehr schön und hat mich emotional berührt!

Dabei fing es im Juni eigentlich sehr unschön mit einer Trauerfeier an. Ich hatte die Verstorbene zwar seit über 25 Jahren nicht mehr gesehen, aber wir haben uns beide in den 90ern im Jugendclub „Atelier 89“ in Berlin Prenzlauer Berg engagiert. Es war eine sehr intensive und für mich wichtige Zeit und ich wollte ihr die letzte Ehre erweisen.

Trotz der 40 Grad Hitze kamen damals ca, 50 Menschen auf den Pankower Friedhof. Darunter waren natürlich auch einige aus den alten Jugendclubzeiten. Traurige Gesichter, Einige Tränen. Eine Umarmung „Schön dass Du gekommen bist“. Und dann habe ich noch eine Einladung zu einer Geburtstagsfeier bekommen.

Die Geburtstagsfeier fand gestern Abend im „Mauersegler“ statt – einer Gaststätte am Mauerpark in Prenzlauer Berg. Für die Nicht-Berliner: Das ist eine Gegend, die am Samstag Abend von feierwütigem Jungvolk beinahe überrannt wird. Wir hatten aber unseren eigenen, abgetrennten Bereich für uns. Jeder hat etwas Essen mitgebracht – es waren riesige Berge. Getränke gab es an der Bar und nach einiger Zeit hat auch ein DJ aufgelegt.

Das Geburtstagskind (eigentlich waren es zwei, aber will das hier nicht zu kompliziert machen) kannte ich aus der Jugendclubzeit und einen guten Anteil der Gäste ebenfalls. Der Abend hat sich zu Beginn ein bisschen wie ein Klassentreffen angefühlt. Man sieht Leute in den 50ern, mit denen man Anfang 20 eine sehr intensive Zeit verbracht hat. Bei einigen kommt man nicht sofort auf den Namen. Es fehlen irgendwie knapp 30 Jahre, aber man kommt trotzdem gleich ins Gespräch. Man bestaunt, was man beruflich erreicht hat und wohin es einem im Leben verschlagen hat, dann im Prenzlauer Berg wohnt kaum noch jemand. Viele haben auch Berlin verlassen.
Und während dieser Gespräche erkennt man durch die Falten und teilweise grauen Haare immer noch die Person von früher. An bestimmten Gesten, an der Art des Lachens oder anderen Kleinigkeiten.

Ein Gast, der nicht zur damaligen Atelier Clique gehörte, meinte zu mir, er würde erkennen wer damals im Club dabei war. Am Tanzstil!

Da musste ich lachen, aber es ist was dran. Wenn wir damals Dienst hatten und ein Song gespielt wurde nach dem man unbedingt tanzen wollte, hat man sich (wenn es gerade ging) kurz abgemeldet, ist auf die Tanzfläche gesprintet und nach dem Song wieder zurück um den Dienst weiter zu machen. Das haben alle so gemacht, egal ob sie an dem Abend Bar, Einlass oder sonstigen Dienst hatten.
Dabei war es dann auch egal, ob die Tanzfläche gerade voll oder total leer war. Zur Not war man eben vier Minuten alleine auf der Tanzfläche und wurde vom Publikum angeguckt. Das härtet ab.
Für verschämtes Rumstehen am Rand und, „ach ich guck mal, ob jemand tanzt“ war keine Zeit.

Und so habe ich gestern den Eintänzer gemacht – zu „Kebap Träume“ von den Fehlfarben und spätestens bei „After The Sunset“ von Die Vision (einem DDR Crossover Song aus der Wendezeit) war die Tanzfläche voll. Der Abend war geprägt von Alternative, etwas Electronic, Punk und Metal. Also ungefähr wie damals – Tanztee für Generation X :-D

Gefühlsmäßig war das schon eine Zeitreise und ich habe sie sehr genossen, obwohl ich nicht zu übertriebener Sentimentalität und „damals war alles toll“-Gefasel neige.

Die 90er Jahre im Prenzlauer Berg waren eine wirre Zeit voller Umbruch und Unsicherheiten. So irre, dass man das jungen Leute kaum noch erklären kann. Die Gegend sah aus wie direkt nach dem Krieg. Niemand hatte damals normale Arbeit – wirklich niemand. Wer Karriere machen wollte ist in den Westen gegangen. Wer blieb, hatte sich in die Uni geflüchtet, manche konnten eine ABM Stelle ergattern, einige haben in Kneipen gejobbt, aber keiner hatte wirklich Geld in der Tasche.

Trotzdem – oder genau deshalb – waren wir nur am Feiern. Die Wohnungen hatten Ofen und Außenklo, aber waren spottbillig. Wir waren jung und haben das beste daraus gemacht.

Ganz lieben Dank an das Geburtstagskind für diesen Flashback.

20 jähriges Jubiläum

Ich habe gerade festgestellt, dass mein Blog mittlerweile sein 20 jähriges Jubiläum hinter sich hat.

Mein erstes Posting („Jetzt geht’s loooos…„) habe ich am 16. Juli 2006 online gestellt. Damals wollte ich eigentlich nur berichten, was mir bei beim schreiben meiner Diplomarbeit auffällt.

Es kam anders.
Die Diplomarbeit habe ich in einem Rutsch runtergeschrieben und nichts nebenbei gemacht. Stattdessen habe ich einfach immer weiter von Dingen berichtet, die mich gerade irgendwie interessieren oder bewegen.

In den 20 Jahren habe ich das Blogsystem gewechselt, den Provider gewechselt, etliche Betriebssystemupdates und zwei Hackerangriffe erlebt.

Macht immer noch Spass.

Superbooth 2026

Vom 7. bis 9. Mai fand in der Berliner Wuhlheide wieder die Superbooth statt. Ich war am Samstag dort. Diese Messe rund um elektronische Musik hat einen sehr speziellen Charakter. Irgendwo zwischen Festival und entspanntem Szenetreff – so wie ich es bereits in zwei Artikeln aus den Vorjahren („Die wahrscheinlich lässigste Musikmesse der Welt“ und „Superbooth 2025„) beschrieben habe.

Diese Messe findet nicht auf einem Messegelände oder einer hippen Eventlocation in der Innenstadt statt, sondern am Stadtrand im Grünen. Genauer gesagt im FEZ – dem Freizeit und Erholungszentrum in der Wuhlheide. Da nicht nur die Bühnen, sondern auch ein großer Teil der Stände draußen in kleinen Holzhütten oder sogar unter Zeltplanen stattfindet, war es sehr gut, dass das Wetter mitgespielt hat. Es war trocken, teilweise sonnig und einigermaßen warm.

Wieviele Knöpfe möchtest Du an Deinem Synthesizer haben?

Nach einem Tag Superbooth bin ich freudig erschöpft. Es ist alles sehr schön und entspannt, aber die schiere Mengen an Eindrücken, Informationen, Klängen, Gesprächen ist überwältigend. Darum hier nur ein paar völlig subjektive Dinge, die bei mir hängengeblieben sind:

Video

Mir fiel auf, dass Video, bzw. Audiovisualisierung wieder ein größeres Thema zu sein scheint. Hier sei beispielhaft ein Projekt der Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch genannt, das ich das sympathisch finde.

Studentisches Videojingle Gerät

Im Rahmen von Theaterprojekten brauchten die Studenten eine möglichst einfache und kostengünstige Vorrichtung, um parallel mehrere Videostreams in Echtzeit anzeigen und manipulieren zu können. Also bauten sie es selbst. Auf dem Stand konnte man sich den Prototypen auf Basis von Raspberry Pi und einem 3D gedruckten Gehäuses vorführen lassen. Nun soll aus dem funktionsfähigen Gerät ein kostengünstiges, vermarktbares Produkt werden. Wir waren uns im Gespräch einig, dass einer der wichtigsten Erfolgskriterien eine möglichst einfache und intuitive Bedienoberfläche gehört.

Ich drücke dem Team die Daumen!

Grooveboxen, Matrixsequencer, Tracker

Einige klangerzeugenden Geräte würden Laien gar nicht als Musikinstrumente wahrnehmen. Damit meine ich alle Arten von Grooveboxen, Matrixsequenzern und Audiotrackern.

Kein Gamepad, sondern ein Instrument – der Nanoloop

Das schrägste, was ich gesehen habe – und das will auf der Superbooth etwas heißen – ist die Software Quadtrack von der Berliner Firma Pink Parrot Studio. Eine Tracker Software, die sage und schreibe auf einem Commodore Amiga(!) vorgeführt wurde und kreischend bunt aussah. Der Stand wirkte wie eine Zeitkapsel aus dem Jahr 1987.
Im Jahr 2026 braucht man aber nicht zwangsläufig einen Amiga. Man kann die Software auf Mac und Windows ausführen – die Amiga Emulation wird mitgeliefert.

Quietschbunt – Quadtracker auf einem Original Commodore Amiga aus der 80ern

Bei den Hardwaretools liegt Design, Material- und Verarbeitungsqualität generell auf hohem Niveau. Gleich zu Beginn, ließ ich mir den Plinky 12 vorführen. im Prinzip ein dünnes Aluminiumbrett ungefähr in der Größe einer LP mit einer berührungsempfindlichen Oberfläche unter der sich 16 x 16 LEDs befinden. Wie das Ding genau bedient wird, hängt von den austauschbaren Oberflächen ab. Zur Zeit gibt es drei Stück.

Plinky12 mit unterschiedlichen Benutzerinterfaces

Auch Dirtywave war wieder mit dem M8 Taschentracker vor Ort. Ein sehr eigenwilliges Mini-Studio im Hosentaschenformat, mit dem man recht gute Tracks bauen kann. Das Gerät habe ich bereits im letzten Jahr beschrieben. Auch hier: Ein solides Aluminiumgehäuse und erstklassige Tasten. Auf meine Frage, ob es mittlerweile einen deutschen Vertrieb gibt bekam ich die Antwort, dass man es weiterhin nur direkt in den USA bestellen kann. Es wird eine Charge produziert und wenn die ausverkauft sind, muss man auf die nächste Charge warten. Normalerweise hätten sie jetzt noch welche gehabt, aber seit das Gerät beim Youtube Channel „Bad Gear“ besprochen und nicht – wie dort sonst üblich – zerrissen wurde, ging das Ding weg, wie geschnitten Brot.

Dirtywave M8 (Bild aus dem letzten Jahr)

Der Moderator wäre übrigens kurz vor mir dort gewesen. Tatsächlich habe ich Florian „Audio“Pilz auch kurz darauf getroffen und ihm zu seinem Youtube Kanal gratuliert.

Im letzten Jahr hatte ich es übersehen, aber in diesem Jahr habe ich mir das Bento von 1010music genauer angesehen und erklären lassen (und jetzt schon wieder kein Foto gemacht). Im Prinzip eine Sample basierte Groovebox, die man bequem mitnehmen kann um unterwegs einen Track zu bauen. Auch hier ist die Hardware chic: Flaches, steifes Aluminiumgehäuse, solide Drehregler, scharfes Farbdisplay für unter €1000,-.

Das letzte Gerät in dieser Reihe, dass auch schon letztes Jahr gezeigt wurde, ich aber erst in diesem Jahr angefasst habe ist das Ableton Move. Ähnliches Prinzip: flaches, rucksacktaugliches Alu“brettchen“ mit ein paar Pads und Drehreglern, mit dem man unterwegs schnell mal ein paar musikalische Skizzen machen kann. Ebenfalls mit super Design und Hardwarequalität.

Ableton Move – Groovebox, bzw -brettchen als musikalisches Notizbuch

Ehrlich gesagt hätte ich das dieses Jahr wieder übersehen, wenn nicht ein Schild auf den Stand hingewiesen hätte. Denn was so aussah, wie irgendein Imbisswagen hinter den anderen Imbisswagen und Kaffeeständen, war tatsächlich eine Ausleihe. Man konnte sich dort das „Move“ für eine Stunde ausleihen und auf der Wiese damit rumspielen. Ziemlich charmante Idee.

Musikalischer Imbiss – „Bitte einmal Ableton Move“

Ich finde die Idee, jederzeit ein leichtes elektronisches Notizbuch dabei haben zu können, eigentlich sehr interessant. Nachdem ich nun also endlich einige Geräte dieser Art ausprobieren konnte, bin aber ich zu der etwas ernüchternden Erkenntnis gelangt, dass das irgendwie nicht mein Workflow ist. Genauso wenig wie Gestöpsel am Modularsynthesizer. Das finde ich zwar alles interessant, aber ich komme selbst so zu keinen befriedigenden Ergebnissen. Mein Ding scheint zu sein: Keyboard und Sequencer mit Instrumentenspuren.

Na gut, dann ist das eben so. Kommen wir also folgerichtig zu der nächsten Kategorie:

Spiel orientierte Tasteninstrumente

Die Tasteninstrumente, die ich ausprobieren konnte, teile ich für mich grob in zwei Kategorien: Sound orientiert und Spiel orientiert.

Kurzweil K2700 – sehr Spiel orientiert

Unter Spiel orientiert verstehe ich Geräte, die vergleichsweise bekannte Klangkategorien bedienen, aber sehr nuanciert zu spielen sind und dadurch „natürlicher“ klingen. Ein gutes Beispiel ist das Kurzweil K2700. Dieses Keyboard bietet zwar überwiegend konventionelle Klänge, wie Streicher oder Pianos, diese aber in hervorragender Qualität und dank einer tollen 88 Tasten Klaviatur sehr natürlich und ausdrucksstark spielbar.

Dirk am C25 von Nonlinear Labs

In eine ähnliche Richtung geht die Berliner Instrumentenmanufaktur Nonlinear Labs mit ihrem neuen C25. So wie ich es verstanden habe, ist es die Bühnenversion ihres bereits bekannten Edelinstruments C15, das für besonders ausdrucksstarkes Spiel geeignet ist.

Sound orientierte Tasteninstrumente

Unter Sound orientiert verstehe ich Geräte bei denen der Schwerpunkt in der möglich einfachen und/oder komplexen Manipulation des Klangcharakters liegt. Dafür ist die Art der der Klangsynthese (z.B. subtraktiv, additiv, granular), welche Oszillatoren, Filter und Modulationsmöglichkeiten vorhanden sind und wie intuitiv sich das während des Spiels verändern lässt, wichtig. In den letzten Jahren bin ich immer mehr zu einem Freund klassischer subtraktiver Klangsynthese geworden.

Ich konnte die viel gelobten Modelle Super 8 und den brandneuen DMNO von UDO Audio aus Bristol ausprobieren. Obwohl ich die Drehregler etwas schwergängig fand, ist die Qualität der Hardware über jeden Zweifel erhaben. Das ungewöhnliche Konzept des DMNO machte mir die Bedienung rätselhaft und der Klang des Super 8 ist zwar sehr gut, aber für meinen Geschmack etwas zu brav. Beides sind sehr gute Instrumente, auch wenn sie mich nach kurzem Anspielen nicht voll abgeholt haben. Möglicherweise wäre das mit etwas mehr Zeit und Muße anders gewesen.

Aus irgendeinem Grund, werde ich von den Instrumenten von Dave Smith und Tom Oberheim mehr angesprochen. Mittlerweile sind Sequential und Oberheim dieselbe Firma und häufig gibt es deren Instrumente in jeweils einer Sequential und einer Oberheim Variante (z.B. Oberheim TEO-5 und Sequential Take-5) die ähnlich aufgebaut sind, sich aber klanglich deutlich unterscheiden.

Ich habe den günstigen und genial klingenden Oberheim TEO-5 angespielt um herauszufinden, ob er mich noch immer so begeistert, wie beim ersten Mal (Spoiler: Ja). Der Sound ist Oberheim typisch kräftig. Die Bedienung ist logisch. Ich fand sofort alle wesentlichen Klangparameter um sie während des Spielens ändern zu können. Die Qualität der Regler und Tasten sehr gut und das Gerät ist für lediglich €1.500,- fast schon geschenkt. Wenn ich doch bloß etwas mehr Platz hätte…

Oberheim TEO-5 (Bild aus dem letztem Jahr)

Während ich darauf gewartet habe, dass der TEO-5 frei wird, hatte ich Gelegenheit, den Sequential Trigon 6 auszuprobieren, der mit €3.500,- eine Preisklasse höher angesiedelt ist. Das ist der letzte Synthesizer, an dem Dave Smith vor seinem Tod mitgearbeitet hatte. Auch hier war ich von Bedienung und Klang begeistert. Ich bevorzuge eigentlich den Klang der Oberheim Filter gegenüber denen von Sequential, aber auch diese Gerät ist eine Wucht.

Klingt super, ist klasse verarbeitet und leicht bedienbar – Sequential Trigon 6

Ich habe von den beiden Klassikern Oberheim OB-X und Sequential Prophet 5 Softwareemulationen. Für sich genommen klingen die auch toll, und sind super im Mix verwendbar. Aber jedes Mal, wenn ich ein echtes, physikalisches Instrument dieser Güte spielen kann, bin ich begeistert von der direkten Zugänglichkeit und der Qualität des Klanges – noch ein bisschen filigraner, noch ein Quäntchen mehr Druck und Oomph von unten.

Leider ist Hardware nicht nur teuer, sondern benötigt viel Platz und noch mehr Zeug, wie Kabel, Steckdosen, Mischpulte,…

* Seufz *

Andere Instrumente

Elektronische Musik kann man nicht nur mit Tasten spielen, programmieren oder mit Kabeln und Knöpfen zusammenstecken. Auf der Superbooth gab es auch elektronisches Schlagzeug, Blasinstrumente, oder Handschuhe(!) als Eingabemedium und diverse Tonabnehmer und Sensoren mit denen man Schwingungen von Holzklötzen, Pflanzen oder sonst was aufnehmen konnte.

Begehrt: Die elektronische Kalimba

Im Vergleich dazu fast schon wieder konventionell ist die elektronische Kalimba von Bastl Instruments. Im Vorfeld hatte ich schon einige Videos dazu gesehen und hier konnte ich dann auch tatsächlich damit spielen. Ich hatte zuvor bereits normale akustische Kalimbas gesehen, die mit Sensoren oder Tonabnehmern versehen wurden, aber diese ist anders. Man kann den Ton im Instrument selber ändern und es gibt sogar einen kleinen Arpeggiator, der automatische Tonfolgen abspielen kann.

Sehr interessant und eigen.

Bekannte Gesichter

Kurz etwas Namedropping: Die Superbooth ist mittlerweile eines der wichtigsten Branchenevents. In diesem Jahr habe erkannt: Herrn Schneider (der Veranstalter), Dieter Döpfer (Erfinder des Eurorack Formates für Modularsyntesizer) und Florian Pilz (Youtube Channel „Bad Gear“), sowie Stephan Schmitt und Tim Sund von der Berliner Synthesizermanukatur Nonlinear Labs. Aber wie man durch eine kurze Suche bei Youtube sehen kann: Eigentlich waren fast alle da.

Fazit

War wieder Klasse. Viel schönes Zeug gesehen, gehört und angefasst. Ambiente toll, Dirk erschöpft und fröhlich.

Superbooth klasse – Dirk fröhlich

Gerne nochmal!

Ein paar Tage in der alten Heimat

In den letzten Jahren (2020, 2022, 2023, 2024) bin ich Ende Oktober nach London gereist um dort den Geburtstag von einem guten Kumpel zu feiern. In diesem Jahr ist er mir etwas entgegen gekommen. Genauer gesagt hat er seine Mutter besucht und wir haben uns dort in Elze getroffen. Ich habe dort Teile meiner Teenager Zeit verbracht, bis ich zum Studium nach Berlin gezogen bin.

Elze und Schloss Marienburg

Wie ich bei einem Spaziergang bemerken konnte hat sich dort in den letzten 35 Jahren leider wenig zum Besseren gewendet. Zwar wurde der Nord/Süd Verkehr der Bundesstraße 3 auf die Ortsumgehung verlagert, aber der Ort teilt das übliche Elend der Kleinstädte: Die ganzen Läden in der Hauptstraße sind entweder geschlossen oder mit den üblichen Schrottläden belegt. In den 80ern gab es wenigstens noch viele sinnvolle kleine Geschäfte, so dass man nicht für jede Schraube nach Hildesheim oder Hannover fahren musste. Dafür gibt es nun ein weiteres großes Neubaugebiet mit Einfamilienhäusern. Ich konnte damals aus meinem Jugendzimmer noch hinunter ins Leinetal und auf die Marienburg gucken. Das ginge jetzt nicht mehr. Aber wir haben eine kurze Phase Sonnenschein dazu genutzt einmal kurz rüber zu fahren.

Schloss Marienburg bei Nordstemmen

Zu mehr als ein paar Fotos hat es aber auch nicht gereicht, weil das Schloss Marienburg – die ehemalige Sommerresidenz der Könige von Hannover – zur Zeit wegen umfangreicher Renovierungsarbeiten geschlossen ist.

Wegen Renovierung geschlossen – Schloss Marienburg

Da ich mehrere Tage in der Gegend war, sind wir ein bisschen herumgefahren. Beinahe so wie in alten Zeiten – allerdings etwas zielgerichteter. (Typischer Dialog damals: „Mir ist langweilig. Was machen wir jetzt?“ „Lass uns mal ins Auto steigen.“ „Wohin?“ „Egal – fahr los“).

Alfeld und die Fagus Werke

Damals gab es für uns nur einen Grund ins 20km südlich liegende Alfeld (an den Sieben Bergen) zu fahren: Die Discothek „Easy“. Die gibt es unter dem Namen „Sound“ tatsächlich immer noch, aber diesmal hat uns die gleich daneben liegende Fabrik wesentlich mehr interessiert: Das Fagus Werk ist in der UNESCO Welterbe Liste eingetragen, worauf man im Ort sehr Stolz ist. Der Grund dafür, ist dass die Schuhleisten Fabrik 1910 bis 1915 von Walter Gropius nach modernsten Gestaltungsgesichtspunkten entworfen wurde und richtungsweisend für sein späteres Schaffen am Bauhaus ist.
Ich war verblüfft zu erfahren, dass dort tatsächlich noch immer Schuhleisten hergestellt werden.

UNESCO Welterbe – Fagus Werk Alfeld
Fagus Werk Bahnseite

Hildesheim – echte und nachgebaute Geschichte

Mein Quartier hatte ich in einem Hotel in der Hildesheimer Innenstadt bezogen. Von dort sind alle wichtigen Orte der Stadt in 15min Fußmarsch zu erreichen. Zum Beispiel der Mariendom, der zusammen mit der Michaeliskirche ebenfalls UNESCO Welterbe Status haben. Der Dom im Stil einer Basilika, wurde ab dem 872 im romanischen und gotischen Stil gebaut. Er ist eine der ältesten Bischofskirchen in Deutschland.

Für einen katholischen Sakralbau ist der Dom sowohl in den Ausmaßen als auch in der Gestaltung bemerkenswert bescheiden und schlicht. Letzteres liegt am Wiederaufbau nach den Zerstörungen des zweiten Weltkriegs, aber ich finde, das tut der Atmosphäre gut. Meine Seele berührt die betonte Schlichtheit des Kirchenschiffs bedeutend mehr, als völlig überladene Barockkirchen.

Der Hildesheimer Dom von innen

Der Domhof mit dem Kreuzgang, der Annenkapelle, dem Annenfriedhof und dem tausendjährigen Rosenstock übt auf mich überzeugten Atheisten auch eine eigene spirituelle Faszination aus. Ein sehr schöner, ruhiger und angenehmer Ort. Leider konnte ich dieses Mal keinen der dort lebenden Uhus sehen.

Domhof, tausendjähriger Rosenstock, Annenkapelle

Die „gute Stube“ von Hildesheim ist der Marktplatz mit dem berühmten Knochenhaueramtshaus, dem Bäckeramtshaus und weiteren schönen Fachwerkgebäuden. Der einzige Wehmutstropfen ist, dass fast alle dieser Gebäude aus dem 1980er Jahren stammen. Sie sind Rekonstruktionen von Gebäuden, die hier früher standen. Lediglich das Rathaus an der Ostseite ist noch der Originalbau. Ich habe mit so einem Umgang mit Geschichte so meine Probleme, aber die wenigsten Besucher wird das stören, so lange das ganze schnuckelig aussieht – und das tut es. Und im Bäckeramtshaus gibt es die beste Pizza von Hildesheim.

Hildesheimer Rathaus – fast das einzige Originalgebäude auf dem Marktplatz

Auch wenn sie wie hier gelungen sind – ich selbst mag solche Rekonstruktionen eigentlich nicht. Für mich sind die Nachbauten eigentlich Fälschungen, weil sie einen wichtigen Teil der Geschichte – hier die Zerstörung der Stadt in den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges – einfach ausradieren. Zumal die Stadt das eigentlich nicht nötig hat. Sie hat nämlich noch ein paar originale mittelalterliche Straßenzüge rund um den Kehrwiederturm aus dem Jahr 1456.

Mittelalterlicher Gebäudebestand am Kehrwiederturm

Geschichtlich wichtig – also nicht für Hildesheim, aber für mich selbst – war die Tanzschule Bodscheller am Bahnhof. Die gibt es immer noch. Das Gebäude ist ein richtiger architektonischer Missgriff der 70er, aber in den Sälen im 1.OG habe ich damals lateinamerikanische Tänze gelernt – mit Bällen und mehreren Fortgeschrittenenkursen. Eine Lektion für das Leben war, dass es nicht darauf ankommt das hübscheste Mädchen im Arm zu haben, sondern das, mit dem man am besten harmoniert.
Was wohl aus meiner Tanzpartnerin von früher geworden ist…?

Immer noch aktiv – meine alte Tanzschule am Bahnhof

Bad Salzdetfurth

Eine Freundin hat vor kurzem ihre neue Praxis in Bad Salzdetfurth eröffnet. Ein Grund dorthin zu fahren und die Räume anzusehen. Alles großzügig, schick und modern. Ich wünsche Ihr von ganzem Herzen viel Erfolg.

Nach der Besichtigung haben wir einen Rundgang durch das Städtchen gemacht. Wie Elze ist es auch hier – nun sagen wir mal ruhig. Sehr ruhig!

Bad Salzdetfurth – Historischer Ortskern an der Lamme

Aber dennoch wirkt die alte Hauptstraße nicht ganz so verlassen. Es gibt noch ein paar kleine Geschäfte und Restaurants in den schnuckeligen Fachwerkhäusern. Vermutlich hilft hier der Kurbetrieb des Moor und Solebades etwas. Im Kurpark stehen immerhin gleich zwei Gradierwerke, die auf die Geschichte der Salzgewinnung im Ortes hinweisen.

Bad Salzdetfurth – Hauptstrasse
Gradierwerk im Kurpark

Abschiede

Bevor es zurück nach Berlin ging, hieß es Abschied nehmen. Von meinen Freunden, von neuen Bekannten, von der alten Heimat – und auch von Menschen, die nicht mehr unter uns sind. Wir haben den Friedhof St. Magdalenen in Hildesheim besucht, auf dem der Vater von meinem Kumpel beigesetzt worden ist.

Und einen etwas längeren Abstecher nach Bredenback am Deister habe ich auch unternommen um im dortigen Ruheforst den Baum an dem meine Mutter beigesetzt ist, zu besuchen. Gar nicht mal so einfach, einen Baum im Wald wiederzufinden.

Ruheforst Deister
Blick vom Deister in Richtung Hannover

Damit liegen ein paar sehr schöne, teils melancholische, teils auch sehr lustige Tage hinter mir. Und natürlich musste ich mir auch wieder eine leckere Stracke mitnehmen.

Superbooth 2025

Vor drei Jahren habe ich bereits über „Die wahrscheinlich lässigste Musikmesse der Welt“ berichtet. Und auch in diesem Jahr traf sich in der Wuhlheide in Berlin vom 8. bis zu, 10. Mai das Who-is-who der elektronischen Musikszene zur Superbooth. Diese Mischung aus Messe, Festival, Szenetreff und Zeltlager im Wald ist international einzigartig. Es sind sowohl die großen, bekannten Marken (Moog, Korg, Yamaha) vertreten, aber auch viele kleinere und unabhängige Einmann-Firmen.

Seebühne am FEZ – Entspannen beim Soundset

Cooles Ambiente, coole Besucher

Das Wetter spielte auch in diesem Jahr mit: sonnig, trocken, nicht zu warm und nicht zu kalt – nicht ganz unwichtig, wenn die Hälfte der Veranstaltung draußen und in Zelten stattfindet.
Das entspannte Ambiente trägt dazu bei, dass hier alle auf Augenhöhe miteinander agieren. Man ist gemeinsam an cooler Musik und spannend klingenden Dingen interessiert. Und so kann man auch bekanntere Leute mal eben in der Schlange vor dem Espresso Stand in eine kleine Fachsimpelei verstricken.

Festivalfeeling in der Zeltstadt

Oder man lässt sich in einem Zelt irgendein obskures Gadget, wie den Taschentracker M8 (s.u.) vorführen, während direkt daneben jemand um ein gemeinsames Foto gebeten wurde. In meinem Fall war das Lisa Bella Donna, eine US Amerikanische Komponistin, die für ihre Werke an Modularsynthesizern bekannt ist. Ich sollte sie etwas später nochmals eher aus Versehen auf dem Stand von Moog sehen, als ich den neuen, kleinen Moog Messenger ausprobiert habe. Dort gab sie ein kleines aber sehr feines viertelstündiges Set zum Besten. Wunderbar!

Soundset von Lisa Bella Donna am Stand von Moog

Auch sonst sind mir viele – zumindest in der Szene – bekannte Gesichter aufgefallen. Natürlich Herr Schneider von Schneidersladen, der die Superbooth organisiert hat, Dieter Döpfer, der mit der Erfindung des Eurorack Formates die Renaissance analoger Modularsynthesizer eingeleitet hat, diverse Blogger, wie BoBeats, True Cuckoo, Nick Batt von Sonicstate und Anthony Marinelli. Der hat als Studiomusiker bereits am Thriller Album von Michael Jackson mitgearbeitet. Er saß saß locker mit einem Getränk auf einer Bierbank unter ’nem Baum und unterhielt sich mit mit zwei Kumpels – genauso wie irgendein Dude aus Kreuzberg. Witzigerweise ist das bereits der zweite Musiker, den ich aus der Nähe gesehen habe, der mit Michael Jackson gearbeitet hat. Vor Jahren saß ich in der SAE in Kreuzberg bei einem kleinen Workshop zu Modularsynthesizern und habe erst im Nachhinein erfahren, wer dieser nette, ältere Herr namens Michael Boddicker eigentlich ist. Schön zu sehen, dass das alles ganz normale, freundliche Menschen sind.

Messefeeling in der Turnhalle

Cooles Spielzeug

Genug Namedropping – was für Spielzeug fand ich denn interessant? OMG – viel zu viel, als dass ich hier alles aufzählen könnte. Ich nehme einfach mal drei je Produkte aus den beiden Kategorien Tracker und Komplettsynthesizer.

Tracker und Grooveboxen

Tracker und Grooveboxen sind kompakte Geräte, mit denen man „Tracks zusammenbauen“ kann. Also eher kleine Studios im Taschenformat, als „richtige“ Instrumente, die man in zusammen mit anderen spielt. Manche lassen sich sogar unterwegs nutzen und können so als elektronisches Notizbuch für Songideen dienen. Von den kompakten Maßen soll man sich nicht täuschen lassen: Klangmäßig haben die es mächtig drauf.

Teenage Engineering OP-XY

Die schwedische Firma Teenage Engineering war im Außenbereich mit einem Campingbus und einem Partyzelt vertreten, unter dem auf einem Klapptisch diverse Geräte zum Ausprobieren lagen. Darunter war auch der OP-XY, der ein bischen an den Casio VL-1 Taschenrechner erinnert, den 1981 Trio bei ihrem Hit „Da da da“ verwendet haben. Nur dass der OP-XY super klingt, extrem solide gebaut und mit ca. €2.300,- schweineteuer ist.

Polyend Tracker +

Deutlich günstiger (ca. €800,-), aber größer und ohne eingebauten Akku nicht mehr wirklich portabel nutzbar ist der Polyend Tracker +. Er hat ein weniger „musikalisches“ Bedienkonzept, als der OP-XY: Es ist ein Tracker – ein Konzept, mit dem auf den frühen Heimcomputern wie C64 oder Amiga mit sehr begrenztem Speicher lange Musikstücke komponiert wurden. Diese sind eine Kette von Pattern mit Abspielinformationen (Spur, Tonhöhe- und Länge, verwendeter Klang usw.). Die Benutzeroberfläche ist quasi ein direkter Blick in die Speicherzellen des Gerätes. Das klingt zunächst weder intuitiv, noch sehr musikalisch, ist aber sehr mächtig, wenn man den Dreh erst mal raus hat.

Dirtywave M8

Das selbe Prinzip nutzt auch der M8 von Dirtywave (ca. €600,-). Hier aber mit extrem reduzierter Benutzeroberfläche, und eingebautem Akku. Das Produkt, das über mehrere Jahre aus einem DIY Bastelprojekt weiterentwickelt wurde, besticht durch sehr solide Hardware. Das perfekte musikalische „Notizbuch“, wenn man unterwegs ist. Die Lernkurve ist aber recht steil.

Weitere ähnliche Geräte, die ich leider nicht ausprobiert habe sind Ableton Move (ca. €450,-) und der BENTO von 1010music (ca. €1.100,-) . Diese Geräte sind mir leider erst im Nachgang aufgefallen.

Komplettsynthesizer
Kommen wir nun zu „richtigen“ Instrumenten – den Komplettsynthesizern. Damit meine ich Instrumente, die nicht erst zusammengesteckt werden müssen und mit Klaviatur spielbar sind.

Als neues, günstiges Einsteigermodell besticht der monophone Moog Messenger mit dem fetten Sound, für den die Firma seit Jahrzehnten bekannt ist. Die Verarbeitungsqualität mit dem Metallgehäuse und den Moog typischen Reglern ist gut. Bei einem Preis von gerade mal €850,- kann man nicht ganz, die seidenweiche Bedienung der größeren Moog erwarten, aber In dieser Preisklasse spielt der Messenger ganz vorne mit.

Moog Messenger

Eine andere, legendäre Synthesizerschmiede ist Oberheim. Der TEO-5 wurde zwar bereits letztes Jahr vorgestellt, aber ich habe ihn erst jetzt in die Finger bekommen. Das kompakte und leichte Gerät ist mit €1.600,- für einen Oberheim sehr günstig. Dafür bekommt man ein kompaktes und leichtes Gerät mit 3 1/2 Oktaven Klaviatur, jede Menge Knöpfe und Drehregler. Man muss auf solche Dinge, wie Holzpaneele und extrem hochwertige Regler verzichten, aber das bedeutet nicht, dass das hier eine billige Kiste wäre. Sieht gut aus, fühlt sich gut an und der Klang ist absolute Sahne – sowohl qualitativ, als auch vielseitig. Und das allerwichtigste: Ich finde ihn sehr zugänglich. Ich hatte einfach mal ein paar Presets genommen und dann daran ein bisschen rumgeschraubt. Irgendjemand nahm einfach mal den zweiten Kopfhörer und hat mir bei meinen Klangimprovisationen zugehört. Wir waren beide sehr angetan.

Oberheim TEO-5

In einer deutlich höheren Preisklasse (€3.700,-) spielt der Arturia Polybrute 12. Wie der Moog und der Oberheim nutzt auch der Arturia Analogschaltkreise zur Klangerzeugung. Das Metallgehäuse mit Holzpaneelen ist absolut top verarbeitet. Ein echter Brocken – sowohl was Gewicht (23kg), als auch die Klänge angeht. Auch hier sind Klänge von kristallklar bis ultra fett möglich. Das Besondere sind hier die ausgefeilten Möglichkeiten, die Klänge während des Spielens zu beeinflussen. Die 5 Oktaven Tastatur hat polyphonen Aftertouch. Zu den üblichen Pitch-Bend und Modulationsrädern kommen ein Sensorfeld auf der Holzleiste über den Tasten und die X/Y/Z Sensorfläche links von den Tasten dazu. Über das Matrixfeld kann man einstellen, welche Spielhilfe welchen Klangparameter steuern soll.
Somit ist ein unheimlich nuanciertes Spiel mit Soundmorphing möglich.

Arturia Polybrute 12

Diese Geräte zeigen eine unglaubliche Spannbreite. Man kann nicht einfach sagen „Je teurer, desto besser“, sondern je nach Vorlieben und Einsatzzweck kann auch das günstigste Gerät das beste sein. Gut klingen tun alle. Ich habe mich im Nachgang gefragt, welches Instrumente ich am liebsten mitgenommen hätte. Bei den Gadgets wäre es der M8 Tracker und bei den Instrumenten der Oberheim TEO-5.

Tatsächlich habe ich aber nichts gekauft, weil ich mit meinem kleinen digitalen „Studio“ gerade sehr zufrieden bin. Dennoch war der Besuch der Superbooth mal wieder ein Fest.

Musikinstrumentenmuseum Berlin

Am letzten Sonntag gab mir der Internationale Museumstag den Anlass nach interessanten Museen in Berlin zu schauen. Ich stieß auf das Musikintrumentenmuseum, das an diesem Tag für 12:00 eine Einführung in Modularsynthesizer angekündigt hatte. Zwar kenne ich das Prinzip der analogen Klangsynthese und habe auch selber ein kleines Modularsystem, aber die Vorführung sollte von einem Mitarbeiter von Schneidersladen durchgeführt werden. Die organisieren auch die jährliche Musikmesse „Superbooth„, auf der ich mich die Woche zuvor bereits gut unterhalten habe (Bericht folgt noch).

Die Sammlung des Musikinstrumentenmuseums Berlin

Das Museum befindet sich neben der Philharmonie in Tiergarten und ist im Wesentlichen ein einziger, sehr großer Raum im Staatlichen Instituts für Musikforschung. Die Sammlung umfasst Instrumente vom 16. bis zum 21. Jahrhundert und ist breit gefächert, obwohl es sich überwiegend um europäische Instrumente handelt. Es gibt diverse Holz- und Blechblasinstrumente, Saiteninstrumente zum Zupfen und Streichen, Tasteninstrumente vom Nähkastenklavier über Cembalo, Spinett, Piano und Konzertflügel, sowie Orgeln in allen möglichen Größen und Einsatzzwecken. Das Museum hat ebenfalls einige sehr interessante elektronische Musikinstrumente.

Ich empfand es als eine kleine Herausforderung, dem Drang zu widerstehen, zumindest die Tasteninstrumente kurz auszuprobieren. Wann steht man schon mal vor einem erstklassig erhaltenen und spielbereiten Cembalo, das Königin Sophie-Charlotte von Preußen gehört hat?

Nachdem ich mir einen ersten Überblick über die historischen Instrumente verschafft hatte, fing die Demonstration des Modularsynthesizers an. Nachdem die Grundlagen der additiven Klangsynthese (Oszillator, Filter, Hüllkurven,…) demonstriert waren, wurde deutlich, dass ein Modularsynthesizer weit über die üblichen Vorstellungen darüber, was ein Musikinstrument ist hinausgeht. Man kann Tasten zum Spielen verwenden, aber es gibt auch ganz andere Eingabemöglichkeiten – Kontaktflächen, Gitarren, ja sogar Hirnströme oder elektrische Impulse beim Pflanzenwachstum. Oder das Instrument spielt sich selbst, in der Vorführung z.B mit einem Stepsequenzer. Ich empfand die knappe Stunde als kurzweiligen Crashkurs.

Einführung in Modularsynthesizer

Eigentlich wollte ich nun gehen, aber es begann eine Führung durch die Ausstellung, der ich mich anschloss. Dabei wurden einige typische Instrumente geschichtlich und funktional erläutert und auch kurz demonstriert. Darunter waren Trompete, Klarinette, Regal (eine Art Hausorgel), Geige (je eine normale und eine Taschengeige), Cembalo, Klavier und Hammondorgel. Den krönenden Abschluss boten Vorführungen der Kirchenorgel, die drei Geschosse hoch ist und ganz zum Schluss mehrere Filmmusikstücke auf der „Mighty Wurlitzer“ – einer Theater- und Kinoorgel aus dem Jahr 1929. Die letzten beiden Instrumente wetteiferten dabei um den Titel des lautesten Instrumentes – ich würde sagen unentschieden.

Kirchenorgel im MIM

Die Wurlitzer ist insofern besonders, dass bereits der Spieltisch mit vier Manualen bombastisch aussieht, aber das eigentliche Instrument in den drei darüber liegenden, mit Schallklappen versehenen Räumen(!) untergebracht ist. In die Räume kann man von hinten auch durch Fenster hineinsehen. Darin sind nicht nur Orgelpfeifen, sondern auch Röhrenglocken, Marimba, Schlaginstrumente und Einrichtungen für diverse Klangeffekte untergebracht. Sehr interessant!

Spieltisch der „Mighty Wurlitzer“
Gesamtansicht der „Mighty Wurlitzer“. Drei Räume hinter braunen Schallklappen

Und selbst in der Abteilung für elektronische Instrumente sind einige charakteristische Exponate vorhanden, darunter ein Mellotron, ein EMS Synthesizer, ein Emulator II und das seinerzeit irrsinnig teure Synclavier II (ca. $250.000 in 1984). Vom Melotron gab es eine elektronische Emulation, die man ausprobieren konnte, ebenso wie ein Theremin. Das Highlight für mich, war aber das Mixturtrautonium, auf dem Oskar Sala die Geräusche für Alfred Hitchcocks „Die Vögel“ eingespielt hat. Auch dieses Instrument wurde kurz vorgeführt.

Mixturtrautonium von Oskar Sala
NED Synclavier II

Der Besuch war sehr interessant und unterhaltsam. Ich dachte, dass mein Besuch eineinhalb oder zwei Stunden dauern würde. Stattdessen war ich über vier Stunden dort. Für Musikinteressierte ist das Museum sehr empfehlenswert – insbesondere, wenn man einer Führung oder Vorführung beiwohnen kann.

Konzert Viagra Boys

Am Abend des achten Mai spielten die Viagra Boys in der Columbiahalle in Berlin. Es war das einzige Konzert auf ihrer „infinite anxiety tour“ in Deutschland und es war restlos ausverkauft.

In freudiger Erwartung vor der Columbiahalle

Ich hatte schon seit längerem darauf gehofft, die Band aus Stockholm mal live zu sehen. Dieser heftige Genremix aus Punk, Metal mit Spuren von Jazz, gepaart mit krassen Texten und der selbstironische Performance ließ mich auf ein sehr unterhaltsames Konzert hoffen. Und das war es auch.

Kurz zusammengefasst

Mit der Entscheidung, lieber meine Doc Martens zu tragen, lag ich goldrichtig. Der Laden war packevoll, die Band gab Vollgas. Alle tanzten Pogo und ständig wurden Leute beim Crowdsurfing über die Zuschauermenge getragen. Ich roch links nach Bier, weil eine Bierdusche nach der anderen kam und rechts roch ich nach der Hautcreme einer fremden Frau, was passieren kann, wenn man ein halbes Konzert lang unfreiwillig aneinander klebt…
Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass es echt voll und eng war? Zwischendurch musste ich meine Freundin aus der Menge rausziehen, weil sie völlig eingeklemmt war.

Okay, klingt irgendwie nach einem gelungenen Punkkonzert.

Erfreulicherweise überhaupt nicht Punk war die Pünktlichkeit der Veranstaltung. Um genau 20:00 fing die Vorgruppe an, spielte genau eine halbe Stunde. Nach weiteren 30 Minuten startete der Hauptact und dauerte eineinhalb Stunden.

Columbiahalle – vor dem Konzert noch leer, ordentlich und sauber

Volldampf ab Acht!

Die Stimmung war vom ersten Song an exzellent. Und damit meine ich die Vorband, deren Namen ich leider nicht mitbekommen habe, nur dass sie ebenfalls aus Stockholm kamen. Sie haben kräftig eingeheizt, der schwarze Sänger tobte bald mit freiem Oberkörper über die Bühne und bot einen erfreulichen Anblick für die Damen und vermutlich auch für einige Herren. Das Publikum tobte mit. Bereits nach zwei Songs bildete sich eine Pogo-Area vor der Bühne. Super Auftakt!

Und so ging es nach der erfreulich kurzen Umbaupause weiter. Die Viagra Boys starteten mit „Man made of meat“ und das Publikum sang sofort mit und es ging schnell so richtig zur Sache. Überall Pogo und Crowdsurfing, Bierbecher flogen herum. Einer traf Sänger Sebastian Murphy am Kopf. Der machte seinem Ruf alle Ehre, indem er sich höflich dafür bedankte „I really appreciate that“.

Viagra Boys – ordentlich was auf die Ohren

Überhaupt – Haltung. Das unterhaltsame an der Band ist ja die völlige Abwesenheit jeglichen Schamgefühls bei gleichzeitig doppelbödiger Themensetzung der Texte. Schon rein optisch sind die Jungs Hingucker – wenn auch in zweifelhafter Art und Weise. Sowohl Sänger Sebastian Murphy (wie immer mit Porno-Sonnenbrille), als auch Bassist Henrik Höckert zeigten mit nacktem Oberkörper, wie viel Tattoos sich auf einem durch ordentlichen Biergenuss gezeichneten Körper unterbringen lassen. Als Kontrast dazu trug der schlanke Saxofonist extrem knappe 70er Jahre Turnhosen im Hot-Pants Stil.

Das vollkommen proletenhaftes Auftreten, kontrastiert aber mit Texten die gesellschaftskritische Reflexion zeigt. Die Musik selbst zeigt sich ähnlich widersprüchlich. Einerseits Punk und Partysound mit heftig pumpenden Bässen und verzerrten Gitarren, aber auch interessante Akzente mit Synthesizer, Saxofon, Querflöte und Congas.

Murphy zeigte, dass er sich über Ort und Zeit des Auftritts Gedanken gemacht hat, indem er zwischendurch sagte, dass der Tag ein sehr besonderer für Deutschland und ganz Europa sei – der 80. Jahrestag der Kapitulation des 3. Reichs.

Stilvoller Abgang nach akustischem Drogentrip

Und dann wieder dieses Augenzwinkern, indem man nach einem Song mit dem (etwas irreführenden) Titel „Sports“ das Konzert mit „Research Chemicals“ – einem viertelstündigen akustischen Drogentrip – beendet um sich dann in bester Theaterbühnenmanier vor dem Publikum zu verbeugen und unter den Klängen von Joe Cockers „up where we belong“ von der Bühne zu gehen.

Ja, war gut. :-D

(Wieder) fotografieren lernen

Das Jahr 2025 ist erst ein paar Tage alt, aber ich habe mich gleich daran gemacht, meinen Vorsatz für das neue Jahr umzusetzen. Ja, tatsächlich den einen Vorsatz:

Wieder fotografieren zu lernen.

Das kam so:
Zwischen den Festen war es sonnig und frostig und ich wollte ein paar schöne Bilder in den ehemaligen Rieselfeldern in der Nähe von Buch aufnehmen. Ich sah schon Bilder von Galloways, Wisenten und Koniks in der Sonne vor Raureif vor mir. Also habe ich mir meine gute Kamera (siehe unten) geschnappt und los ging es.

Das Wetter machte mir gleich den ersten Strich durch die Rechnung. Als ich ankam, war die Sonne verschwunden, der Himmel dunkelgrau und der Rauhreif taute gerade weg. Mit den Tieren hatte ich mehr Glück. Ich habe eine kleine Herde flauschiger Koniks gesehen und kam auch recht nah heran. Zwei dieser niedlichen Pferdchen haben auch schön Modell gestanden und mich lieb angeguckt. Und bei den Wisenten gab es sogar Nachwuchs, der im Stroh neben der Krippe lag. Was für ein Glück!

Leider stellte ich zu Hause fest, dass ich die meisten Bilder komplett verhunzt hatte. Motiv und Blickwinkel waren meist noch gut, aber die Belichtung so mies, dass ich auch mit digitaler Nachbearbeitung nichts mehr retten konnte. Gerade um die Bilder mit den kleinen Wisenten war es wirklich schade.

Ich habe keine ernsthaften Ambitionen als Amateurfotograf, aber immerhin war ich damals in der Schule in der Foto AG und hatte meine S/W Fotos selbst in der Dunkelkammer belichtet. Mein Opa hatte mir sogar eine Praktika TL1000 Spiegelreflexkamera mit ein paar Objektiven geschenkt. In den folgenden Jahrzehnten hatte ich mir auch hin- und wieder mal ein aktuelles Modell zugelegt. Darunter waren Canon EOS 1000F (analog Spiegelreflex) , Nikon F90 (analog Spiegelreflex) oder Nikon D40 (digitale Spiegelreflex) und seit ein paar Jahren eine Olympus OM-D E-M10II (digitale MFT Systemkamera). Alles nicht ganz High-End, aber wenn man damit schlechte Bilder macht, ist das Problem hinter dem Sucher.

Also – wie konnte das passieren?

Ich habe in den letzten Jahren einfach nur noch mit dem Smartphone fotografiert geknipst. Ist ja auch praktischer, als eine sperrige Fotoausrüstung. Das Ding hat man halt immer dabei und es ist schnell. Einfach Bildausschnitt wählen, draufhalten abdrücken und fertig.

War da sonst noch was?
Brennweite? Ist fix. ISO, Blende, Belichtungszeit? Egal! Das Foto wird sowieso automatisch schöngerechnet.

Und so hatte ich den ganzen Kram über die Jahre vergessen. Ärgerlich!
Also habe ich mir vorgenommen, die Theorie wieder aufs Neue zu lernen und auch gleich mal angefangen. Zum Beispiel mit Objekten (hier ein kleines Kunstobjekt von Petra Tödter).

ISO 200, 42mm, f/5,6, 1/10 Sekunde
ISO 200, 42mm, f/10,0, 1/3 Sekunde

ISO 200, 42mm, f/20,0, 1 Sekunde

Was habe ich hierbei (wieder) gelernt:

  • Der Fokus auf das nahe Objekt (ca. 1/3 Abstand zum Objekt und 2/3 zum Hintergrund)
  • Offene Blende und kurze Belichtung zum Freistellen mit unscharfem Hintergrund
  • Geschlossene Blende und lange Belichtung für Tiefenschärfe.

Auf dem Spaziergang durch den Park fiel mir auf, dass die Haselnussbäume bereits Samen bilden. Nach mehreren Versuchen gelang mir dieses Bild:

ISO 400, 42mm, f/5,6, 1/100 Sekunde

Das Freistellen mit Brennweite und Blende gelang gut. Die Belichtungsmessung habe ich auf mittenbetonte Integralmessung verstellt und da der Autofokus konsequent die Baumrinde spannender fand, habe ich ihn ausgeschaltet und manuell scharfgestellt.

Auch nicht ganz ohne – Nachtaufnahmen. Die ersten beiden Bilder habe ich mit einem Zoomobjektiv (Panasonic Lumix 14-42mm 1:3,5-5,6) geschossen und das letzte mit einer lichtstärkeren Festbrennweite (Panasonic Lumix 14mm 1:2,5).

ISO 200, 16mm (Zoom), f/4,5, 10 Sekunden
ISO 800, 14mm (Zoom), f/4,5, 3 Sekunden
ISO 800, 14mm (Festbrennweite), f/2,8, 1 Sekunde

Interessant an der Bildserie, wie schnell sich der Mond bewegt. Die Aufnahmen habe ich innerhalb weniger Minuten gemacht. Beim ersten Bild bewegen sich die Wolken so schnell, dass sie unscharf sind. Beim letzten Bild habe ich mir leider Reflexionen (zwei rote Punkte links vom Mond) eingefangen.

Was habe ich hier gelernt:

  • Bei Nachtaufnahmen scheint ein möglichst kurze Belichtungszeit positiv zur Bildschärfe und Farbechtheit einzuzahlen.
  • Eine höhere Empfindlichkeit ist daher von Vorteil. Andererseits nimmt bei richtig hohen Empfindlichkeiten das Bildrauschen zu. Viel hilft also nicht viel, aber ISO 800 ist ein guter Kompromiss.
  • Wenn der Fokus auf unendlich geht, ist auch eine offene Blende besser, weil sie die Belichtungszeit weiter verkürzt.

Schon die ersten Übungen haben die grundlegenden Zusammenhänge wieder in mein Gedächtnis zurückgeholt. Genauso wichtig ist aber auch, die eigene Ausrüstung besser kennenzulernen. Bis jetzt habe ich nur mit Blendenautomatik gearbeitet, musste mir aber schon zusammensuchen, wo man die Belichtungsempfindlichkeit einstellt, die Art der Belichtungsmessung und den Autofokus-Modus. Und die Verstellmöglichkeiten an einem Stativ sind auch nicht völlig selbsterklärend. Aber mit der Zeit und etwas Übung kommt das wieder zurück.

Also werde ich weiterhin üben und die Kamera auch wieder häufiger auf Ausflüge mitnehmen.

Kunst im Breisgau

Am letzten Wochenende im November verschlug es mich in den südwestlichsten Zipfel Deutschlands – ins Breisgau. Anlass war die Eröffnung der Ausstellung zum 7. internationalen André-Evard Preises für konkret-konstruktive Kunst.

Einladung und Ausstellungskatalog

Die Ausstellung, die noch bis zum 23.02.2025 in den Räumen der Kunsthalle Messmer in Riegel am Kaiserstuhl zu sehen ist, zeigt Werke von 101 internationalen Künstlern. Ich habe nun bereits zum dritten Mal als Gast an der Eröffnung teilnehmen dürfen und fand die gezeigten Arbeiten auch in diesem Jahr wieder sehr ansprechend und hochwertig. Das betrifft sowohl Material, Farbe und handwerkliche Ausführung, als auch künstlerische Komposition.

Es kommt auch bei guten Ausstellungen nicht sehr häufig vor, dass ich jedes gezeigte Werk gut finde. Hier ist das der Fall. Jede Arbeit hätte in meinen Augen den Preis verdient. Keine leichte Aufgabe für die Jury.

Kunsthalle Messmer

Von der Eröffnung kann ich leider keine Fotos zeigen, da ich alle Personen und Künstler um die Erlaubnis zur Veröffentlichung hätte fragen müssen. Immerhin kann ich stellvertretend die Werke einiger Künstler zeigen, von denen mir eine Erlaubnis vorliegt:

Mary Kim
Petra Tödter
Fumiari Ogawa
Viktória Körösi
Robert Dufter

Wenn ich schon mal in der Gegend bin um Kunst anzusehen, darf auch ein Abstecher in die Paul Ege Art Collection nicht fehlen. Auch hier konnte ich jedes Mal großartige Arbeiten bewundern. In diesem Jahr erfreute mich die Ausstellung Look Loop von Elodie Seguin. Leider habe ich keine Rechte, die raumfüllenden Arbeiten hier zu zeigen. Erwähnen wollte ich es aber auf jeden Fall.

Untergekommen war ich bei Freunden, die vor einigen Jahren aus Berlin nach Emmendingen gezogen sind. Wir haben viel geklönt und diskutiert. Es war alles: bequem, lecker, nachdenklich, anregend und vor allem sehr, sehr nett. Vielen Dank für Eure Gastfreundschaft!

Gute Kunst, gutes Essen, liebe Freunde – das versöhnt auch mit dem einzigen kleinen Wermutstropfen: Dem Wetter. Es war bemerkenswerte drei Tage durchgehend sehr nebelig bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Die Sonne kam lediglich für 15 Minuten zum Vorschein, als ich kurz den Markt am Freiburger Münster besucht habe, um eine Bratwurst zu essen und einen von den in der Gegend weltberühmten Käsekuchen zu kaufen.

Ehemalige Brauerei Riegel an der Elz im Nebel

Die An- und Abreise war ungefähr so, wie ich es erwartet hatte: Egal auf welcher Strecke – die 800km ziehen sich und die Fahrt ist laaaaaang!
Premiere war für mich, die Langstrecke elektrisch zurückzulegen – aber dazu schreibe ich noch mal einen eigenen Artikel.

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