Zwei Jahre auf Strom – bin ich zufrieden?
Neulich hat mich ein Freund gefragt, ob ich mit meinem Elektro-Auto eigentlich noch zufrieden bin. Tja, eigentlich reicht es schon fast, das folgende Foto von heute zu zeigen.

Ich kann es auch so zusammenfassen:
Der Umstieg auf ein Elektroauto gehört zu den besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe.
Oder noch etwas ausführlicher:
Es ist fast genau zwei Jahre her, daß ich umgestigen bin. Von Benzin auf Strom. Von Mercedes zu Tesla. Zwei Sommer und vor allem zwei Winter später, nach mehreren Urlauben und Ausflügen, mit Kurz- und Langstrecke, mit Stadt, Landstrasse und Autobahn kann ich das Fazit ziehen.
Das Auto als solches
Technik beiseite – ich versuche mal das Gefühl zu erklären. In meiner Jugend hatte ich diesen einen (etwas schnöseligen) Auto-Traum:
Die Szenerie wie in einem englischen Krimi aus den 60ern.
Nach einer längeren Fahrt durch eine schöne Landschaft komme ich entspannt mit einer eleganten Reiselimousine an einem Landsitz an. Ich fahre durch die Einfahrt und dann langsam die mit alten Bäumen gesäumte kiesbedeckte Auffahrt hoch. Von dem kraftvollen Wagen hört man nichts – nur der Kies knirscht leise unter den Reifen.
Ich dachte damals an einen 12 Zylinder Jaguar oder so etwas.
So eine Szene habe ich erlebt.
Nicht in England, sondern in Nordfriesland.
Die Kiesallee war nicht 500m sondern 50m lang und anstatt im Jaguar saß ich im Tesla.
Aber das Gefühl war dasselbe!
Und damit bin ich nicht alleine. Meine Beifahrerin bemerkte:
„Ich liebe dieses Gefühl, wie in einem Raumschiff leise dahinzugleiten“.
Das Auto ist an vielen Stellen etwas eigenwillig und auch nicht perfekt, aber super geschmeidig, kraftvoll, lautlos und wirklich gut verarbeitet. Der Tesla ist ein super entspanntes Reiseauto.

Der Joker ist die Vorklimatisierung. Im Sommer nicht in ein brütend heisses Auto einsteigen zu müssen und im Winter den Wagen vorwärmen und damit Eis und Schnee nicht mehr mühsam abkratzen zu müssen ist Gold wert!
Die Kosten
Erst mal die Anschaffung. Eine geräumige, gut ausgestattete Limousine mit fast 280PS für €42.000,- ? Hätte ein vergleichbarer Verbrenner auch gekostet. Locker!

Im Gegensatz zum Verbrenner hatte ich bei Elektro absolut keine Ahnung wie die sonstigen Unterhaltskosten sind und habe daher genau Buch geführt.
- Die KFZ-Steuer ist für 10 Jahre erlassen, dafür ist die Versicherung etwas teurer.
- €0,- Wartungs- oder Werkstattkosten (Mercedes: ca. 850,- Wartungskosten pro Jahr)
- Der im Fahrzeug angezeigte Stromverbrauch (s.o.) ist nicht die ganze Wahrheit. Hinzu kommen Ladeverluste, Strom für Vorklimatisierung, Batterievorkonditionierung und Standbybetrieb, falls ein Update läuft oder der Wächtermodus aktiv ist. Daher habe ich stets die an der Ladesäule abgegebenen und bezahlten kWh notiert. Das Ergebnis kann sich trotzdem sehen lassen:
18,5 kWh pro 100km gegenüber 10 L Superbenzin beim Mercedes. - Ich habe für den Fahrstrom ca. €2.000,- weniger ausgegeben, als mich Benzin gekostet hätte.
- Nebenbei bemerkt: das sind auch 2,8 Tonnen CO2 weniger und giftiger Bremsstaub entfällt auch fast komplett, weil der Wagen über Rekuperation bremst und damit den Akku wieder auflädt.
Sonstige Kosten, die für bei beiden identisch wären (Stellplatz, Ganzjahresreifen, Parkgebühren etc.) lasse ich im Vergleich mal außen vor. Unterm Strich ungefähr €1.800,- pro Jahr weniger für ein viel besseres Fahrgefühl. Umweltschutz und weniger Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen inklusive.
Strom laden – wo und wie?
Ich wohne in einer Mietwohnung mitten in der Berliner Innenstadt. Immerhin habe ich einen Stellplatz (Yay!), aber keine Lademöglichkeit – obwohl vier Säulen im Hof stehen (Boo!). Der Vermieter versteht das Prinzip einfach nicht. Premiumpreis für Stellplatz, plus Stromvertrag, plus gar nicht mal günstiger Stromtarif macht schlichtweg keinen Sinn. Egal – abgehakt.
Zu Hause laden ist also nicht, aber In den letzten Jahren hat sich die Anzahl der Ladesäulen ordentlich vermehrt und zudem darf ich hin- und wieder bei meinem Arbeitgeber laden. Ansonsten gibt es in meinem Viertel einigermaßen bezahlbare AC (langsam) Ladesäulen von den Berliner Stadtwerken und von Qwello, aber die sind auch immer häufiger belegt. Auf Reisen lade ich tatsächlich meist bei Tesla, weil es einfach, zuverlässig und nicht allzu teuer ist, oder bei EWE.
Schön – aber muss es unbedingt Tesla sein?
Nein, nicht mehr zwingend. Ende 2023 sah das aber noch anders aus. Das Tesla Model 3 war eigentlich gar nicht mein Wunschauto, aber die Konkurrenz war damals(!) nicht überzeugend. Musk war zwar auch schon ein Armleuchter, aber hatte seinen Hitlerstunt noch nicht gemacht.
Heute gibt es ein sehr viel größeres Angebot an guten und auch bezahlbren E-Autos und dieses Jahr kommen noch sehr viele interessante Neuerscheinungen raus.
Ich sehe Tesla – wenn man mal den CEO außen vor lässt – aber immer noch im Rennen. Die Autos sind technisch nicht mehr führend, können aber immer noch mithalten. Sie sind ausgereift, robust, gut ausgestattet, sparsam und für die Größe recht preiswert. Gute Infrastruktur inklusive.
Und weil die Software immer aktuell gehalten wird, ist es durchaus möglich, dass mein fast 3 jähriges Auto in den nächsten Monaten teilautonom fahren kann, falls die europäischen Behörden FSDs freigeben. Das wäre dann doch wieder ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Mal gucken.
Fazit
Ich sehe eigentlich überhaupt keinen Grund mehr, weshalb man sich heutzutage als Neufahrzeug noch einen Verbrenner kaufen sollte. Falls man die Möglichkeit hat, zu Hause zu laden, schon mal gar nicht (Ausnahme: Motorrad. Aber dazu kommt noch was). Die Auswahl an guten und bezahlbaren Elektroautos für jeden Geschmack und in jeglicher Größe steigt rasant. Die Infrastruktur ist auch schon gut und wird immer besser.
Keine Abgase, kein Motorenöl und fast kein Feinstaub durch Bremsen. Keine Ölpest durch Tankerunfälle. Keine Raffinerien. Kein umweltschädlicher Ölsandabbau. Weniger Devisen für fragwürdige Staaten und vor allem – keine Kriege mehr um Öl.
Und trotz dieser Vernunftgründe muss man auf nichts verzeichten. Im Gegenteil:
Elektrisch fahren ist einfach geiler!
Lieber Strom vom Deich, als Öl vom Scheich!