tiny little gizmos

Motorradgottesdienst Friedrichswalde 2026

Am 10. Mai war Muttertag. Wie meistens in den letzten Jahren habe ich den Tag genutzt um mich auf mein Motorrad zu schwingen und Berlin in Richtung Norden zu verlassen. Die Tour führte mich wieder in Richtung Schorfheide und noch ein Stück weiter nach Friedrichswalde.

Das Wetter war perfekt für die entspannte Ausfahrt durch die schöne, frühlingsfrische Landschaft: Trocken und weder zu kalt, noch zu warm. Ich fuhr über Alleen, vorbei an Feldern, durch kleine Orte und Wälder, entlang am Werbellinsee um schließlich vor der Kirche in dem 700 Seelen Dorf Friedrichswalde anzukommen.

Angekommen – meine hübsche Triumph und ich

Im Gegensatz zu den letzten beiden Malen fuhr ich in diesem Jahr wieder alleine. Das war nicht weiter schlimm, denn rund um die Dorfkirche Sankt Michael traf ich auf hunderte gleichgesinnte Motorradfahrer jeglichen Alters und Geschlechts. Schnell kommt man bei einer Bratwurst oder beim Betrachten einer wunderschön restaurierten alten Jawa ins Gespräch über dies, das oder jenes.

Motorräder, so weit das Auge blickt

Dazu gab es wieder Livemusik auf dem Dorfplatz. Mit Kaffee, Kuchen und Grillgut.

Ein hübsches Dorffest mit guter Laune

In einem kurzen Gespräch mit Pfarrer Ralf Schwieger haben wir zunächst über mein neues Motorrad und die Möglichkeit, doch mal ein Auge auf elektrische Antriebe zu werfen, gesprochen. Dann kamen wir natürlich auch noch zum Thema „Glaube“. Das ist etwas, mit dem ich durchaus hadere.

Ich bin getauft, habe aber damals den Konfirmationsunterricht abgebrochen und bin auch aus der Kirche ausgetreten. Ich wollte wissen und nicht glauben. In jungen Jahren war ich der Überzeugung, dass Religion in der modernen Welt keinen Platz mehr hat. Wie falsch kann man mit seinen Ansichten liegen?

Nun bin ich ein paar Jahrzehnte Älter geworden und die Tatsache, dass ich nun doch hin und wieder einen Gottesdienst besuche (einmal im Jahr hier) zeigt, dass ich manche Dinge mittlerweile ein wenig anders sehe. Zwar kann ich für mich selber immer noch nicht so viel mir Religion anfangen, aber das Leben formt einen.

Ich erkenne häufiger in Dingen, die ich früher einfach als selbstverständlich hingenommen habe, plötzlich Kraft und Schönheit. Zum Beispiel die ersten Krokusse nach dem Winter, eine entspannte Fahrt durch die frische Frühlingslandschaft, an einem ruhigen See zu sitzen und auf das Wasser zu schauen oder mit Freunden ein paar gemeinsamen Stunden verbringen zu können.

Diese Schönheit wird immer wertvoller, weil ich merke, wie die Zeit verrinnt und der Tod nicht nur ein abstraktes Konzept ist. Es hört ja nicht auf, nachdem die Großeltern und Eltern gestorben sind. Man kann dann kurz Luft holen und es geht weiter. Der Tod hat sich in den letzten Wochen gleich mehrere Menschen geholt, mit denen ich noch vor wenigen Jahren viel Zeit verbracht habe. Daher hatte die Schweigeminute im Gottesdienst in diesem Jahr leider noch mehr Bedeutung als ohnehin.

Kurz vor dem Gottesdienst

Man gewöhnt sich nicht daran, Weggefährten zu verlieren, während der eigene Körper die ersten (oder zweiten) Probleme macht. Man beginnt sich bei jedem Wiedersehen insgeheim zu fragen, wie oft man noch die Gelegenheit haben wird, miteinander zu feiern und Freude zu haben. Und dieses Gefühl der Unvermeidbarkeit des Todes und der Schönheit neuen Lebens ist groß und will irgendwo hin. Daher habe ich mittlerweile durchaus Verständnis für den Wunsch nach Glauben und Religion. Zumal das eben auch das soziale Miteinander stärkt, das in unserer Zeit an allen Ecken und Enden erodiert.

Und deshalb hat es mich bewegt, als Renate Schwieger von einem Einsatz zu dem sie als Notfallseelsorgerin gerufen wurde, erzählt hat.

Bewegende Worte im Gottesdienst

Und deshalb habe ich auch der Taufe vor dem Gottesdienst beigewohnt. Das war zwar bei weitem nicht die erste Taufe, bei der ich anwesend war, aber die erste, bei der ein erwachsener Mensch getauft wurde.

Und daher ist es mir eben doch wichtig, an dem Motorradgottesdienst teilzunehmen. Auch wegen der Ausfahrt und den Motorrädern – aber eben nicht nur deshalb.

Es war ein bewegender und schöner Tag für mich, und ich hoffe auch für all die anderen Teilnehmer.