…jetzt mal was schönes!
Die Politik, die Wahlen, die Medien, der gesellschaftliche Stumpfsinn in allen Lagern und der ganze S(#1@§ geht mir soo auf den Zeiger. Das macht einen nur noch B3%077! im Kopf.
Darum jetzt mal was schönes!
Ich war gestern zu einer Geburtstagsfeier eingeladen. Und diese Feier war sehr schön und hat mich emotional berührt!
Dabei fing es im Juni eigentlich sehr unschön mit einer Trauerfeier an. Ich hatte die Verstorbene zwar seit über 25 Jahren nicht mehr gesehen, aber wir haben uns beide in den 90ern im Jugendclub „Atelier 89“ in Berlin Prenzlauer Berg engagiert. Es war eine sehr intensive und für mich wichtige Zeit und ich wollte ihr die letzte Ehre erweisen.
Trotz der 40 Grad Hitze kamen damals ca, 50 Menschen auf den Pankower Friedhof. Darunter waren natürlich auch einige aus den alten Jugendclubzeiten. Traurige Gesichter, Einige Tränen. Eine Umarmung „Schön dass Du gekommen bist“. Und dann habe ich noch eine Einladung zu einer Geburtstagsfeier bekommen.
Die Geburtstagsfeier fand gestern Abend im „Mauersegler“ statt – einer Gaststätte am Mauerpark in Prenzlauer Berg. Für die Nicht-Berliner: Das ist eine Gegend, die am Samstag Abend von feierwütigem Jungvolk beinahe überrannt wird. Wir hatten aber unseren eigenen, abgetrennten Bereich für uns. Jeder hat etwas Essen mitgebracht – es waren riesige Berge. Getränke gab es an der Bar und nach einiger Zeit hat auch ein DJ aufgelegt.
Das Geburtstagskind (eigentlich waren es zwei, aber will das hier nicht zu kompliziert machen) kannte ich aus der Jugendclubzeit und einen guten Anteil der Gäste ebenfalls. Der Abend hat sich zu Beginn ein bisschen wie ein Klassentreffen angefühlt. Man sieht Leute in den 50ern, mit denen man Anfang 20 eine sehr intensive Zeit verbracht hat. Bei einigen kommt man nicht sofort auf den Namen. Es fehlen irgendwie knapp 30 Jahre, aber man kommt trotzdem gleich ins Gespräch. Man bestaunt, was man beruflich erreicht hat und wohin es einem im Leben verschlagen hat, dann im Prenzlauer Berg wohnt kaum noch jemand. Viele haben auch Berlin verlassen.
Und während dieser Gespräche erkennt man durch die Falten und teilweise grauen Haare immer noch die Person von früher. An bestimmten Gesten, an der Art des Lachens oder anderen Kleinigkeiten.
Ein Gast, der nicht zur damaligen Atelier Clique gehörte, meinte zu mir, er würde erkennen wer damals im Club dabei war. Am Tanzstil!
Da musste ich lachen, aber es ist was dran. Wenn wir damals Dienst hatten und ein Song gespielt wurde nach dem man unbedingt tanzen wollte, hat man sich (wenn es gerade ging) kurz abgemeldet, ist auf die Tanzfläche gesprintet und nach dem Song wieder zurück um den Dienst weiter zu machen. Das haben alle so gemacht, egal ob sie an dem Abend Bar, Einlass oder sonstigen Dienst hatten.
Dabei war es dann auch egal, ob die Tanzfläche gerade voll oder total leer war. Zur Not war man eben vier Minuten alleine auf der Tanzfläche und wurde vom Publikum angeguckt. Das härtet ab.
Für verschämtes Rumstehen am Rand und, „ach ich guck mal, ob jemand tanzt“ war keine Zeit.
Und so habe ich gestern den Eintänzer gemacht – zu „Kebap Träume“ von den Fehlfarben und spätestens bei „After The Sunset“ von Die Vision (einem DDR Crossover Song aus der Wendezeit) war die Tanzfläche voll. Der Abend war geprägt von Alternative, etwas Electronic, Punk und Metal. Also ungefähr wie damals – Tanztee für Generation X :-D
Gefühlsmäßig war das schon eine Zeitreise und ich habe sie sehr genossen, obwohl ich nicht zu übertriebener Sentimentalität und „damals war alles toll“-Gefasel neige.
Die 90er Jahre im Prenzlauer Berg waren eine wirre Zeit voller Umbruch und Unsicherheiten. So irre, dass man das jungen Leute kaum noch erklären kann. Die Gegend sah aus wie direkt nach dem Krieg. Niemand hatte damals normale Arbeit – wirklich niemand. Wer Karriere machen wollte ist in den Westen gegangen. Wer blieb, hatte sich in die Uni geflüchtet, manche konnten eine ABM Stelle ergattern, einige haben in Kneipen gejobbt, aber keiner hatte wirklich Geld in der Tasche.
Trotzdem – oder genau deshalb – waren wir nur am Feiern. Die Wohnungen hatten Ofen und Außenklo, aber waren spottbillig. Wir waren jung und haben das beste daraus gemacht.
Ganz lieben Dank an das Geburtstagskind für diesen Flashback.