Dresden
Ende letzter Woche bin ich beruflich nach Dresden gefahren. Anlass war, dass mein komplette Team den PHP Developer Day 2026 besucht hat, der von der PHP Usergroup Dresden organisiert wurde. Zu dieser Veranstaltung werde ich vermutlich noch einen eigenen Artikel schreiben.
Hier geht es nur darum, wie ich die Stadt wahrgenommen habe, denn ich war zuvor noch nie dort.

Von Berlin nach Dresden – aber wie?
Die knapp 200 km alleine mit dem Auto zu fahren und dann €50,- nur dafür zu zahlen, damit die Kiste zwei Tage in der Hoteltiefgarage steht fand ich nicht so gut.
Bahnfahren fand ich auch nicht gut.
Also im Prinzip fände ich es schon gut, weil das für die Strecke eigentlich die erste Wahl gewesen wäre. Aber die Bahn…
Mein Kollege, der die Bahn gebucht hatte, bekam das mittlerweile übliche Abenteuerpaket dazu: Der gebuchte Zug fiel kurzfristig aus und der nächste war dafür doppelt so voll und auch noch verspätet.
Leider bleibe ich dabei – Bahnfahren geht einfach GAR NICHT.
Ich hab mich letztlich für den Flixbus entschieden und das war goldrichtig. Von Berlin Alexanderplatz nach Dresden Hauptbahnhof hin- und zurück für unter €30,-. Etwas langsamer, aber pünktlich, sauber, bequem.
Erste Annäherung
Nachmittags aus Berlin raus zu kommen ist einfach nur zäh und nervig, aber auf der Autobahn ging es trotz vieler Baustellen ohne Probleme vorwärts. Die Fahrt durch Brandenburg und die Lausitz ist landschaftlich recht ereignislos: Flach, Kiefern und Felder. Das war’s.

Erst kurz vor Dresden wird es etwas hügeliger und spannender. Am nördlichen Stadtrand fuhren wir an einer wirklich großen Baustelle vorbei. Hier baut ESMC eine neue Chipfabrik gleich neben Bosch Semiconductor. Etwas weiter hinten ist die Chipfabrik von Global Foundries und auf der anderen Seite hinter dem Wald steht die Chipfabrik von Infineon. Der ganze Industriecluster („Silicon Saxony“) rund um Dresden stellt zusammen ca. 1/3 der Mikroelektronik Bauteile in Europa her. Hier ist in den letzten 35 Jahren wirklich etwas modernes und wichtiges aufgebaut worden. Das ist so wichtig in Zeiten, wo man das Gefühl hat, dass Deutschland nur noch hinterherhinkt und seine komplette Industrie abwickelt. Respekt!
Angekommen
Der Bus hat seinen Haltepunkt genau am Hauptbahnhof von Dresden. Der Bahnhof selbst ist nicht allzu groß, aber wirklich schön saniert und gepflegt.

Dresden Hauptbahnhof – die Gleishalle

Das macht Lust auf das klassizistische Dresden. Wenn man auf den Bahnhofsvorplatz tritt um in Richtung Altstadt zu laufen wird man aber zunächst mit modernen Gebäuden konfrontiert. Das ist wenig verwunderlich, da von der historischen Innenstadt nach den Bombardierungen der Alliierten gegen Ende des zweiten Weltkrieges kaum etwas übrig blieb. Die Prager Straße fängt mit gläsernen Konsumtempeln aus der Nachwendezeit an. Dazwischen reinster 60er Jahre Städtebau. Nicht ganz so, wie erwartet, aber die Fußgängerzone ist belebt, gepflegt und sauber und hat fast keinen Leerstand.


Weiter nordwärts geht es zunächst über die die breite Waisenhausstraße und dann weiter zum Altmarkt. Hier ist ein großer Teil der Bebauung im stalinistischen Zuckerbäckerstil. Das ist zwar noch nicht ganz Altstadt, aber auch recht ansprechend. Mein Hotel lag neben dem Gewandhaus an der Ringstraße.

Abends hat uns ein Kollege, der in der Stadt wohnt, abgeholt. Wir haben zunächst einen Irish Pub besucht um etwas zu Essen und zu trinken. Abschließend haben wir noch eine kleine Stadtführung bekommen. Auch hier wieder abwechselnd DDR Moderne (Kulturpalast), rekonstruierte Geschichte um den Neumarkt mit Frauenkirche und wirklich historische Gebäude mit Schlossplatz und Semperoper entlang der Elbe.

Den Freitag haben wir auf der Konferenz verbracht und sind Abend noch einmal zusammen Essen gegangen.
Bevor ich Samstag Mittags die Heimreise angetreten habe, konnte ich den wundervollen, sonnigen Vormittag dazu nutzen, die Innenstadt noch einmal bei Licht und auf eigene Faust zu erkunden. Vorbei an Alt- und Neumarkt, dem Kulturpalast aus dem Jahr 1969, der am Donnerstag Abend hell erleuchtet und gut besucht war.

Weiter ging es Richtung Elbe. Der Brühlsche Garten ist ein hübscher kleiner Park vor dem Albertinum, von dem aus man einen tollen Ausblick über das Elbtal hat. Nur wenige Schritte weiter kommt man zum malerischen Schlossplatz mit der Kathedrale.

Am Schlossplatz mündet die Augustusbrücke. Zahlreiche Passanten blieben stehen und hörten einem kleinen Streichorchester zu, das ein Potpourri klassischer Musikstücke spielte. Zuerst dachte ich, dass es Musikstudenten seien, aber als ich direkt davor stand, merkte ich, dass es eher noch Kinder und Jugendliche waren. Neugierig erkundigte ich mich bei einem der Betreuer, der etwas abseits stand.

Ich war etwas erstaunt, wie gemischt die Gruppe war. Mehrere Mädchen mit Kopftuch, eine junge Dame mit dunkler Hautfarbe und zwei Asiaten waren dabei. Das ist etwas, das ich bei deutscher klassischer Musik nicht unbedingt erwartet hätte.
Der Betreuer meinte, dass sie ursprünglich einfach nur Kinder für Klassik begeistern wollten. Die Mischung habe sich dann einfach ergeben. Zumal die Unterschiede nicht nur die kulturelle Herkunft sondern auch Einkommens- und Bildungsniveau und politische Meinungen betrifft. Aber die Kinder sind interessiert und haben Freude daran, zusammen zu musizieren. Die Eltern stehen dann eben auch zusammen, wenn sie die Kinder von den Proben abholen.

Das fand ich auf so vielen Ebenen gut, dass ich spontan etwas gespendet habe.
Leider musste ich dann doch so langsam in Richtung Bahnhof, um die Rückfahrt anzutreten.
Mein Eindruck
Mir hat die Dresden sehr gut gefallen. Nach Leipzig bereits die zweite Stadt in Sachsen, von der ich positiv überrascht war. Und so unterschiedlich die beiden Städte auch sind, ist mir doch aufgefallen, weshalb ich sie mag:
Dresden und Leipzig sind die positive Antithese zu Berlin.
Dresden und Leipzig sind sauber und gepflegt. Berlin ist nahezu überall dreckig und rotzig.
Dresden und Leipzig respektieren ihre Vergangenheit. Egal ob Gebäude auf August dem Starken zurückgehen, aus der Gründerzeit sind oder zur DDR Moderne gehören – alles wird instand gesetzt und gepflegt.
In Berlin wurde und wird weiterhin versucht, die DDR möglichst aus dem Stadtzentrum zu tilgen.
Und das, was das vorhandene ersetzt hat ist nahezu immer schlechter, dichter, aufdringlicher. Nirgends wir Platz gelassen, Überall wird schnell noch ein billiger 08/15 Bau dazwischen gequetscht. Die verbliebenen Flächen sind ungepflegt oder Dauerbaustelle auf der nichts passiert.
Berliner Stadtplanung ist nicht nur zum Erbrechen respektlos, sondern zudem unfassbar öde und einfallslos.
Und so wird die die Stadt von vielen Einwohnern und durchreisenden auch behandelt. Gleichgültig und respektlos. Sperrmüll und Graffiti (nein, ich finde das immer noch hässlich und anmaßend – wie bereits damals in den 80er Jahren) ist in Berlin wirklich überall – ich kann mich nicht erinnern, so etwas Dresden gesehen zu haben.
Viele Berliner stört das nicht mal, aber wenn tatsächlich ein moderne Fabrik an den Stadtrand gestellt wird, gibt es jahrelang erbitterten Widerstand von Bürgerinitiativen und Anschläge auf die Stromversorgung.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in Dresden Bürgerinitiativen gibt, die mit allen Hebeln versuchen, die modernen Chipfabriken zu verhindern.
Nach der Wende ist sehr viel Geld in Dresden und Leipzig investiert worden – und es hat sich gelohnt. Die Städte sind Tip top in Schuss.
OK, das mit der Carolabrücke war natürlich nicht so toll, aber in Berlin sind auch 2/3 der Brücken am Ende.
In Berlin werden irrsinnige Massen von Geld investiert und irgendwie sinkt die Lebens- und Aufenthaltsqualität hier spätestens seit den später 2000er Jahren beständig.