Dirk Ollmetzer | Sonntag, 1 Juli 2012 | Misc, Unterwegs
Gestern ein intellektuelles und heute ein traditionsbewusstes, bodenständiges Programm. Nach ca. 30 Jahren habe ich mir mal wieder erlaubt, dem hannoverschen Schützenausmarsch beizuwohnen und dabei drei mir nahestehenden Personen (P., N. und I.) aus anderen Gefilden die hiesigen Rituale nahezubringen.
Fanfarenzug
Traditionelle musikalische Untermalung
Bergleute aus Barsinghausen
Fliegende Mädchen kurz vor dem Abheben
Es dauert immerhin gut vier Stunden, bis die ca. 10.000 Teilnehmer den Ausmarsch auf dem Schützenplatz beenden und zusammen mit den Publikum, das diverse -zigtausend Personen umfasst, den Bierzelten, Fahrgeschäften und Bratwurstbuden die Kassen klingeln lassen. Das Wetter war sehr freundlich. Sonnig und nicht zu heiss. Natürlich gab ich als geborener Hannoveraner meiner Begleitung auch einen kleinen Exkurs in die Kunst des Lüttje-Lage-Trinkens.
Am Samstag bin ich mit meiner Süssen nach Kassel gefahren um die Documenta anzusehen. Das Wetter war schwül bei bis zu 28 Grad und wir haben uns auf den Kernbereich beschränkt. An einem einzigen Tag ist das Programm auch kaum zu schaffen, wenn man nicht einfach nur durch die Ausstellungen durchrast. Eines vorweg: Ich werde aus Gründen des Urhebberechts kein Foto eines Kunstwerkes zeigen. Aber ein paar Bilder um die Atmosphäre zu verdeutlichen, dürfen es dann doch sein.
Been there, done that, got the Eintrittskarte
Willkommen im malerischen Kassel
Unsere Tour begann mit dem Erwerb der Eintrittskarten am Bahnhof und führte uns gleich durch die Nord- und die Südhalle. Mein Eindruck nach den ersten paar Werken war, dass die Kunst hier nur im Dunklen gezeigt wird, was sich im weiteren Verlauf jedoch nicht ganz bestätigt hat. In der Nordhalle hinterliess die Installation von William Kentridge Eindruck auf mich. In der Mitte steht eine hölzerne Maschinenskulptur, die unablässig in Bewegung ist, während auf die Wänden ringsherum Filme projeziert werden, die sich kritisch mit Wissenschaft und technischem Fortschritt auseinandersetzen, wobei die Darstellung zwischen Lehrfilm und 20er Jahre Slapstick pendelt. Das Ganze wird von einem beachtenswerten Soundtrack begleitet. Wir haben uns zwar nicht die vollen 24 Minuten gegeben, aber dennoch wesentlich mehr Zeit dort verbracht, als bei allen anderen Videoarbeiten.
Minimalismus extrem
Beim Betreten des Fridericianums lernte ich schnell, dass Minimalismus noch minimalistischer sein kann, als ich dachte. Der riesige Raum zur Linken war nämlich leer, aber dafür aussergewöhnlich zugig. Genau darin bestand letztlich auch das Werk von Ryan Gander – Indoor Wind sozusagen. Aha!
Wo sind die Grenzen der Kunst?
Derart sensibilisiert, fängt man natürlich auch an, dort Kunst zu sehen, wo überhaupt keine Kunst beabsichtigt war. Oder…? ;-)
Blick in Richtung Karlsaue
Auf dem Weg hinab in die Karlsaue vorbei an Ottoneum und Stadttheater schauten wir in die Documenta Halle. Dort sprachen mich die technischen Installationen von Thomas Bayrle an: Verschiedene aufgeschnittene Verbrennungsmotoren (u.a. 2 Zylinder Boxer aus der Ente, 4 Zylinder Boxer aus einem Porsche, und ein 9 Zylinder Sternmotor aus einem Flugzeug), die sich abwechselnd bewegten. Dazu war jeweils der originale Sound zu hören.
Such die Kunst
In der Karlsaue waren viele Werke irgendwo unter den Bäumen versteckt. Oftmals in kleinen Holzhütten. Uns zog es jedoch recht schnell wieder bergauf in die Neue Galerie. Hier beeindruckte das bestimmt 20m lange Werk von Geoffrey Farmer das aus abertausenden ausgeschnittenen Papierschnipseln aus US-Werbeanzeigen der 60er Jahre bestand, die auf Holzstöckchen geklebt wurden. Im Untergeschoss wurde in einer Doppelprojektion ein Marionettenstück über die Kreuzzüge im Mittelalter gezeigt. Nur auf den ersten, flüchtigen Blick Augsburger Puppenkiste.
Überhaupt Kunst und Politik: Politische Aussagen sind auf der Documenta durchaus vorhanden, halten sich aber insgesamt doch eher zurück.
Politische Aussagen
Mein persönliches Fazit: Das Niveau der gezeigten Arbeiten ist recht hoch. Wesentlich höher, als das Meiste, was ich neulich in Hannover bei „Made in Germany zwei“ gesehen habe. Dennoch blieben mir höchstens 4-5 Werke in Erinnerung. Vielleicht kann man aber auch nach einer solchen „Druckbetankung“ einfach nicht mehr erwarten.
Blöde Überschrift – ich weiss. Aber wie soll man mit wenigen Worte Dinge zusammenbringen, die nichts miteinander zu tun haben, ausser dem heutigen Tag?
Vor kurzem habe ich festgestellt und ausgesprochen, dass unser Büro voller IT Fuzzis einen erschreckenden Mangel an den sonst üblichen Gadgets und ironischen Anspielungen aufweist. Eigentlich ist bei uns gar nichts zu finden. Immerhin war mir selbst in der IT Abteilung einer Bank, in der ich gearbeitet hatte ein USB Raketenwerfer und ein ‚Panic‘-Button installiert.
Das nahm ein Mitarbeiter zum Anlass, sein Haustier mitzubringen – ein kleiner Dinosaurier, der durch die Flure läuft, und sich lauthals beschwert, wenn er nicht genug gestreichelt wird. Wie man an dem folgenden Foto sehen kann, übernahmen aber charmante Mitarbeiterinnen gerne diese Aufgabe ;-)
Streicheleinheiten für das Dinosaurier Baby
Dino auf Tour
Nach Feierabend war endlich auch mal das Wetter gnädig, so dass ich mich nochmal kurz auf das Fahrrad schwang um am Maschsee entlang bis zum Schützenplatz zu radeln.
Entspannung am Maschsee
In ein paar Tagen beginnt in Hannover nämlich das Schützenfest und ich wollte mich mal sehen, wie weit die Vorbereitungen gediehen sind. Wer bei „Schützenfest“ an einen Dorfrummel denkt, verschätzt sich vermutlich etwas in der Grösse. Das ist hier einer DER gesellschaflichen Events des Jahres in der gesamten Region und wird bereits seit 1529 abgehalten. Die Bierzelte haben Ausmasse wie beim Münchner Oktoberfest und der Schützenmarsch am Sonntag ist mit seinen ca. 10.000 Teilnehmern länger als der Rosenmontagsumzug in Köln. Der Aufbau ist schon gut vorangeschritten und das Fest kann kommen…
In meiner Jugend im letzten Jahrtausend war Digitaltechnik richtige heisses Zeug. Neu, aufregend, unfertig. Grafik mit 8 Farben und 192 x 256 wurde „hochauflösend“ genannt. Nervtötendes Gefiepse der schwachbrüstigen Rechner wurde mit „Synthesizersound“ schöngeredet. Trotzdem hat die minimalistische Ästhetik auch heutzutage für viele ihren Reiz. Dem versucht das folgende Video nachzugehen.
„Schönes Video, aber was zum Geier ist eine Turing Maschine?“
Der britische Mathematiker Alan Turing erfand in den 30er Jahren eine theoretische Maschine, die Symbole verarbeiten kann. Die Maschine besteht im Wesentlichen aus einem Lese- und Schreibkopf, an dem ein Band mit Codes vorbeizieht. Die Regeln, nachdem das Band bewegt wird und die Codes gelesen und geschrieben werden, sind wiederum in den auf dem Band gespeicherten Codes hinterlegt.
Der Grund, weshalb das vielleicht auch für Nicht-Mathematiker interessant sein könnte, ist, dass die heute verwendeten Computer im Kern alle Turing Maschinen sind (Schreib/Lesekopf = Prozessor, Band mit Symbolen = RAM).
Im obigen Video wird also eine Turing Maschine gezeigt, die wiederum auf der Basis einer Turing Maschine (Lego Mindstorms Controller) funktioniert.
Wenn man mit dem Gedanken spielt, ein eigenes Geschäft zu starten, sollte man schon einen guten Plan haben – einen Businessplan. Den braucht man für die Suche nach Investoren, vor allem erst einmal für sich selber. Ein Businessplan zu erstellen, zwingt einen dazu, sich zu allen grösseren Themenbereichen einmal strukturiert Gedanken zu machen. Ein Businessplan ist ein gutes und bewährtes Werkzeug, das aber auch Schwächen hat:
Einen Businessplan zu schreiben ist aufwändig und dauert lange.
Die getroffenen Grundannahmen schmelzen wie Eis in der Sonne, sobald man mit der Umsetzung anfängt.
Ein Businessplan setzt voraus, dass man sich mit dem zugrundeliegenden Geschäftsmodell bereits gründlich auseinandergesetzt hat.
Aus halbwegs aktuellem Anlass kann ich sagen, dass genau letzteres häufig nicht stattgefunden hat. Alleine die Frage „Sage mir in einem oder zwei Sätzen, warum mich Dein Produkt/Deine Dienstleistung interessieren soll“ bringt die meisten Gründer ins Schwimmen. Und genau für die Entwicklung der zugrundeliegenden Geschäftsidee bin ich gerade über ein interessantes und extrem einfaches Werkzeug gestolpert:
Den Business Model Canvas.
Im Prinzip ist nur ein Blatt Papier mit 9 Kästchen (Hier gibt es das Ding als PDF zum runterladen). Genau diese Beschränktheit zwingt einen, in kurzen prägnanten Stichpunkten festzuhalten, wie man eigentlich Geld zu verdienen gedenkt. Wer sich schwer damit tut, sein Geschäft in knappen prägnanten Sätzen zu erläutern, dem kann ich nur den Vortrag von Alex Osterwalder auf dem 8. Lean Startup Meeting in Berlin ans Herz legen. Eine dreiviertel Stunde, die gut investiert ist.
Dirk Ollmetzer | Donnerstag, 31 Mai 2012 | Development
Eine Webanwendung auf einem Server zu installieren ist relativ einfach. Spannend wird es, wenn man grössere Sites betreiben will oder muss.
Mark Jaquith hat zu dem Thema auf der dem WordCamp 2011 in San Francisco eine schöne Einführung gegeben. Stichworte: Versionsverwaltung, Deployment, Multi-Server Configuration und noch so einiges mehr. Zwar bezieht sich Mark auf WordPress, aber das Meiste lässt sich auch auf andere Webanwendungen, wie z.B. Online Shops übertragen.
Am Donnerstag, den 24.05 fand in Freiburg wieder die Oxid Commons statt – die Hausmesse des Herstellers der Onlineshopsoftware Oxid eSales. Es waren fast 800 Teilnehmer anwesend, um den Vorträgen zu lauschen, und sich über die Neuerungen im Oxid Ökosystem zu informieren. Auch dieses Jahr waren wieder diverse Anbieter von Paymentsystemen, Logistiklösungen, Hosting, Suchmaschinen, Mobilanwendungen und sonstigen Diensten mit eigenen Ständen vor Ort.
Oxid Commons in der Rothaus Arena
Der Ausstellerbereich
3 grosse Themen
Die Trends, die bereits im letzten Jahr identifiziert wurden – mehr Markenshops und spezialisierte Nischenanbieter (z.B. Spazierstöcke bei www.stockshop.de) – haben sich bestätigt und der Onlinehandel hat noch immer enorme Wachstumsraten.
Für dieses Jahr kristallisieren sich drei wichtige Themen heraus:
Internationalisierung
Multichannel
Performance
Die fortschreitende Professionalisierung und der Trend zu Markenshops sorgt dafür, dass es immer wichtiger wird, in vielen Ländern vertreten zu sein. Neben den offensichtlichen Herausforderungen (Sprache, Währung, Steuer, Logistik, Gesetze…) für die auch teilweise Lösungsanbieter vor Ort waren, wurde in einem Vortrag darauf hingewiesen, dass man auch die Mentalitätsunterschiede in unterschiedlichen Ländern nicht unterschätzen darf. Was in einem Land hervorragend funktioniert, kann im nächsten Land durchaus ein Flop werden.
Eine weitere grosse Herausforderung, mit denen insbesondere Markenhändler zunehmend konfrontiert werden, ist die Kombination aller Vertriebskanäle. Kunden trennen nicht nach Online, Offline, Markenshop oder Multilabelanbieter. Sie werden hier aufmerksam, informieren sich dann dort und kaufen schliesslich an einer anderen Stelle. Heraus kommt ein unberechenbarer Customer Journey, bevor es (hoffentlich) zum eigentlichen Kauf kommt. Also muss man auf allen Kanälen präsent sein, um den Kunden auf seinem Weg nicht zu verlieren. Ein Fazit der Podiumsdikussion zum Schluss war, dass auch die Anbieter in den nächsten Jahren nicht mehr in unterschiedlichen Verkaufskanälen denken werden und der Begriff eCommerce obsolet sein wird.
Diese beiden Trends, die zu immer komplexeren Geschäftsabläufen führen und die ständig steigenden Online-Umsätze führen dazu, dass die Performance aller beteiligten Systeme – insbesondere des Shops selbst – beständig an Bedeutung gewinnen. Laufende Verbesserungen sowohl im Browser des Kunden, in der Shop Software, als auch beim Hosting waren daher wichtig.
Networking
So gut die Vorträge auch waren, ist für mich das abendliche Networking wichtiger. Hier konnte ich viel wertvollen Input für das Tagesgeschäft und unsere Roadmap für das nächste Jahr gewinnen. Die musikalische Untermalung und das hervorragende Catering haben den passenden Rahmen abgegeben, in dem man gepflegte und informative (teils auch einfach nur lustige) Gespräche führen konnte.
Informatives Beieinander
Am Freitag verbrachte ich die Wartezeit bis zur Abreise damit, die gewonnenen Erkenntnisse mit meinem Kollegen zu rekapitulieren und das schöne Wetter in Freiburg zu geniessen. Hier noch einige Eindrücke von dem malerischen Städtchen.
Park mit Aussicht
Typisch: Viele Fahrräder
Rathaus
Fazit
Auch wenn An- und Abreise wie auch im letzten Jahr recht umständlich und teil wirklich ärgerlich waren (die Bahn hat mal wieder alle Vorurteile über Zuverlässigkeit und Service bestätigt), hat sich die Veranstaltung gelohnt.
In Hannover ist allgemein ja nicht so viel los. Aber wenn, dann sind auch alle da. So war es auch an Himmelfahrt. Nach langem Ausschlafen und gemütlichem Frühstück zog ich los in die Innenstadt um mich mit Kollegen zu treffen. Eine schöne Tradition ist die Veranstaltung „Swinging Hannover“, einem grossen Open Air Konzert vor dem Rathaus, das keinen Eintritt kostet. Der Trammplatz und der gesperrte Friedrichswall waren voller Menschen und auch zwischen Maritim, Markthalle und Altsatdt war ordentlich was los.
Menschen vor dem Rathaus
Die Veranstaltung wird vom Jazz Club Hannover organisiert und ist stets hochkarätig besetzt. So war es auch in diesem Jahr. Ich habe nur die zweite Hälfte gesehen, aber alleine das war schon ein Erlebnis. „The New York Voices“ waren hervorragend und der letzte Gig des Tages ebenfalls phantastisch. Es spielte die berühmte britische Jazz-Funk Band Incognito. 11 sagenhafte Musiker auf der Bühne, ein fetter Sound. Super!
Inkognito vor dem Rathaus
Kollegen beim Konzert
Die Stimmung war einfach nur Klasse, wie man an den Gesichern von meinen Kollegen und mir ablesen kann. Das Wetter war uns auch wohlgesonnen. Warm und nur leicht bewölkt. Den Nachmittag haben wir dann genussvoll auf einem Floss in der Leine vor der Altstadt verquatscht („Was haben Buddhismus und Quantenphysik gemeinsam…“) und vetrödelt. Bei mittlerweile strahlendem Sonnenschein kam dabei leicht südländisches Flair auf.
Auf der Leine
Das war wirklich ein sehr schöner, entspannter Tag.