Dirk Ollmetzer | Samstag, 17 Mai 2008 |
Misc
„Seems that I was busy, doin‘ something close to nothing“
Prince, Raspberry Beret
Passt heute genau auf mich. Mache nur Blödsinn. Lange (lange!) schlafen, rumtrödeln, kurz in den Supermarkt springen und dann doch die Hälfte vergessen, das Auto waschen kurz bevor es so richtig fett regnet, rumbloggen, 2 Stunden lang Followerlists auf twitter durchscannen und gucken, wen man so kennt. Sind doch immerhin so einige dabei.
Was mir bei letzterem auffiel: Die Beschränkung auf extrem kurze Texte verführt die Leute zu allerhand Wortspielchen, Manche sind platt viele lustig und einige geradezu grenzgenial.
Ich verstehe die gritzegrauen Kulturpessimisten in den alten Medien überhaupt nicht, die uns immer einreden wollen, daß „die Jugend“ der deutschen Sprache nicht mehr mächtig wäre, bloß weil sie keine langweiligen Zeitungen mehr lesen.
**kopfschüttel**
Dirk Ollmetzer | Samstag, 17 Mai 2008 |
Misc
Da ich mich heute mit der Fokussierung auf Kernfunktionalität beschäftige, passt das hier thematisch gerade ganz gut:
Wer schreibt, weiß daß man dazu sehr konzentiert sein muss. Man wird aber heute sehr leicht abgelenkt und braucht dann oft ziemlich lange, um „den Fluss“ wiederzufinden. So kann eine kurze Ablenkung von vielleicht 20 Sekunden, leicht mal 15 Minuten Arbeit kosten.
Damals(TM) war bekanntlich alles besser. ;-)
Ich meine nicht das Damals, als wir noch keine E-Mails und aufpoppende Instant Messenger und wöchentliche 150MB-Pflicht Updates hatten. Ich meine das Damals als ein Autor schrieb und wenn das geschreibene tatsächlich gedruckt werden sollte, gab man das Geschriebene einem Setzer. Der kümmerte sich dann um Layout, korrekte Satzzeichen, Zeilen- und Seitenumbrüche, „Hurenkinder“, „Schusterjungen“ und dergleichen mehr. Der eigentliche Druck wurde abschließend selbstverständlich von einem Drucker ausgeführt – also dem Menschen an der Druckmaschine.
Im Umkehrschluss bedeutet das, daß sich der Autor – anders als heute – eben nicht um die Form zu kümmern brauchte, sondern sich auf den Inhalt konzentrieren konnte. Es gab eine klare Arbeitsteilung:
schreiben, setzen, drucken.
Offensichtlich gibt es zunehmend mehr Autoren, die die ältere Arbeitsweise bevorzugen. Neulich brachte der Spiegel einen Artikel mit dem Titel „Keine Angst vor LaTeX“ (sprich „La-Tech“). LaTeX ist ein Programm, daß das macht, was früher ein Setzer machte. Man übergibt dem Programm den Text, stellt Formatierungsregeln auf und bekommt eine hochwertige, fertig gesetzte Druckdatei, die kein normales Textverarbeitungsprogramm in vergleichbarer Qualität liefert.
Mit LaTeX kann man zwar wundervoll setzen, allerdings weder drucken, noch schreiben. Man druckt, indem man die erzeugte Postscript-Druckdatei an einen Drucker (das Gerät, nicht der Mensch) schickt, der dieses Format versteht.
Jetzt fehlt noch die Eingabeseite. Ein Programm zur Texteingabe, das einen möglichst wenig ablenkt – also so ziemlich genau das Gegenteil von Word. Und genau darüber bin ich heute ausgerechnet in einem kurzen Artikel bei der Financial Times gestolpert: „Schreib mal nieder„. In dem Artikel wird DarkCopy vorgestellt: Eine extrem reduzierte Texterfassung, die im Browser läuft und einem ein 80er-Jahre Retro Feeling verpasst – vorausgesetzt, man hat damals bereits an Computern gearbeitet.
Diese Online-Anwendung ist sicherlich sehr interessant zum ausprobieren, aber für den regelmäßigen Einsatz sollte man doch besser Software auf dem eigenen Rechner installieren. Für Mac-User gibt es die interessante Software Writeroom, die einem hochmodernen Mac so aussehen lässt, wie ein 1981er IBM-PC: Ausschließlich Grün auf schwarz, Bernstein auf Schwarz oder Weiß auf Blau. Keine Fenster, keine Menüs, keine Maus – nur Du und Dein Text.
Für Windows-Nutzer gibt es das nahezu baugleiche DarkRoom. Eine weitere Variante ist jDarkRoom, die auf jedem Rechner mit mindestens Java1.4 läuft.
Eine schöne Übersicht über Software, die das kreative Schreiben besser unterstützt, als Word, findet sich beim Literatur-café: „Kreative Schreibprogramme für MAC und PC – Eine Auswahl„.
Interessant. Je beliebter Twitter wird, desto mehr stören sich manche Nutzer an den Beschränkungen. Ich bin gerade durch eine Nachricht von Nicole Simon auf den Dienst TwitterBudgi aufmerksam geworden. Offensichtlich vermissten die Gründer so einige Features, die sie nun selber nachbauen:
- Nachrichten mit mehr als 140 Zeichen Länge
- Kein Dateitransfer
- Keine Gruppenbildung
- Fehlende Jabber-Einbindung (m.E. hat Twitter aber eine XMPP-Schnittstelle)
- Erinnerungen
Interessant finde ich das vor allem deshalb, weil einige dieser Funktionen und noch einige mehr in meinem ersten Prototypen von zzap enthalten waren. Das war 2006 kurz bevor Twitter online ging. Der Grund dafür war die Erkenntnis, wofür mobile Kommunikation im Wesentlichen genutzt wird:
- Verabreden
- Verabredungen ändern (!!!)
- Soziales Geplauder („Ich muß Dir schnell mal was erzählen…“)
- Kurze Statusangaben („Bin in 15min. zuhause.“)
- Ortsangaben („Bin in Hamburg auf dem Kongress“)
Dementsprechend hatte ich Features vorgesehen, die sich auf schnelle, kurze Nachrichten, Gruppenbildung, Zeit- und Ortsangaben konzentrierten. Ich hatte einige Tags für die Kurznachrichten vorgesehen: ‚#‘ für Orte, ‚@‘ für Personen ‚!‘ für Zeitangaben – kommt das jemandem bekannt vor? ;-). Man konnte Bilder und Kartenausschnitte an die Nachrichten hängen, um den Kumpels zu zeigen, wo man ist und warum es da gerade so toll ist…
Theoretisch war das alles sehr toll, es gab nur ein Problem:
Das war den Testpersonen zu komplex. Sie haben es entweder nicht verstanden, oder keine Lust das alles zu erlernen.
Und dann kam Twitter und konnte – fast nichts. Und genau das war der Urknall für das Multichannel – Groupmessaging, oder Microblogging, oder wie immer man das nennen will. Und jetzt kommt ein Service, der auf Twitter aufsetzt und all diese Features nachrüsten will? Ich bin da sehr, sehr skeptisch…
Dirk Ollmetzer | Donnerstag, 15 Mai 2008 |
Misc
Einen wie ich finde recht guten Crashkurs in Marketing kann man bei iPlot finden:
„What Every Good Marketer Knows“
Interessant wird das Ganze durch scheinbare Widersprüche, wie einerseits „People are selfish, lazy, uninformed and impatient. Start with that and you’ll be pleasantly surprised by what you find.“ aber auf der anderen Seite: „You can’t fool all the people, not even most of the time. And people, once unfooled, talk about the experience.“
Einerseits sind die meisten Punkte Binsenweisheiten, andererseits werden erstaunlich viele gerade auch von großen, bekannten Firmen ständig missachtet.
Ich habe vor gut zwei Wochen angefangen, zzap völlig neu aufzusetzen. So langsam bekommt das ganze Form. Einen Releaseplan habe ich auch schon ungefähr – jedenfalls was die Features bzw. Milestones angeht. Im Gegensatz zum ursprünglichen Konzept aus dem letzten Jahr will ich aber keinen Dienst betreiben, sondern die Software vertreiben – und zwar als Open Source.
Bloß welche Lizenz kommt dafür in Frage? GPL 2, GPL 3, BSD, …???
Wer kennt sich aus, wer hat sachdienliche Hinweise?
Dirk Ollmetzer | Mittwoch, 14 Mai 2008 |
Fundstücke
„Wir sind grad alle tot und warten darauf das der Priester und wiederbelebt.„
Meine Schwester auf die Frage, wie sie gleichzeitig World of Warcraft spielen und mit mir chatten kann.
Dave Winer hatte sich ja bereits Gedanken zu einem dezentralen Twitter gemacht. Er ist absolut dafür. In seinem Artikel „Why decentralizing Twitter is hopeless“ zitiert er nun echovar. Die Aussage ist sinngemäß, daß es aussichtslos sei, twitter dezentralisieren zu wollen, weil man ja auch New York nicht einfach an einer anderen Stelle aufbauen könnte.
Was zum…
Wer redet denn hier von physischen Städten? Twitter ist keine Stadt und ehrlich gesagt nicht mal eine Community, sondern ein Kommunikationskanal. Und natürlich ist es überhaupt kein großes Problem, so etwas wie Twitter zu dezentralisieren. Das funktioniert mit Websites, Newsservern, E-Mail und so weiter ja schließlich auch ganz hervorragend. Man benötigt dazu vor allem ein vernünftiges Protokoll und dann kann es losgehen.
Ich würde sogar weiter gehen: Es ist nicht nur möglich, sondern sogar unabdingbar Twitter zu denzentralisieren. Stellt Euch vor, wir wären alle bei einem einzige Mailprovider. E-Mail hätte sich nie auf so breiter Front durchgesetzt.
So was…
Dirk Ollmetzer | Dienstag, 6 Mai 2008 |
Fundstücke
„Piraterie ist eine Steuer auf Ruhm. Wenn es keine Raubkopien von Deinen Werken gibt, bist Du nicht berühmt.„
William Gibson in De:Bug Nr. 122, S. 60.
Dirk Ollmetzer | Dienstag, 6 Mai 2008 |
Fundstücke
Heute aus der imaginären Reihe „Prägnante Filmsätze“:
„Ich fragte mich, wo es niemandem auffallen würde, wenn sich alle wie Roboter benehmen? Natürlich – Connecticut!„
Glenn Close in „Die Frauen von Stepford“
In der letzten Woche sind drei McKinsey Studien veröffentlicht worden, die Besorgnis erregen:
- Rechenzentren müssen den Stromverbrauch senken
- Deutschlands Mittelschicht verschwindet
- Autoindustrie ist nicht mehr Jobmotor Nummer eins
Interessant daran ist, daß jede einzelne dieser Erkenntnisse unzweifelhaft stimmt – und informierten Menschen seit Jahren bekannt ist. Interessant ist auch, was McKinsey aus diesen Beobachtungen für Erkenntnisse zieht.
Zu 1.) Die Rechenzentren sollten ihre Ressourcen besser nutzen. Ach was? Warum wurden denn bereits seit Jahren Systeme wie Blade-Server und Grid-Architekturen entwickelt? An typische Problematiken wie Ausfallsicherheit durch gezielte Redundanz und abfangen von Peaks ist in der Studie keine Rede. Dementsprechend bissig sind die Kommentare auf Heise Online ausgefallen
Zu 2.) Das spürt ja nun seit Jahren jeder selber. Wenn seit fast 20 Jahren der jährlich Lohnzuwachs unterhalb der Inflation bleibt, werden die Leute nunmal ärmer. Wenn „die da oben“ im Gegenzug jeden noch so kleinen Wertzuwachs zu 100% in die eigene Tasche stecken, bleibt für die, die Werte erarbeiten nichts übrig. Wenn sich Reiche Leute zunehmend aus der sozialen Verantwortung drücken und von Jahr zu Jahr unverschämtere Forderungen an den Staat stellen, aber nicht mehr bereit sind, dafür auch Steuern zu zahlen, gefährdet das nunmal den Staatshaushalt. Zwar haben sie recht, wenn sie schreiben, daß in Deutschland zu wenig in Zukunftsbereiche investiert wird, aber die Ursache für den Rückgang der Mittelschicht ist nun mal die zunehmende Verteilungsschieflage. Das Denken, das McKinsey selber verbreitet hat ist eine der wichtigsten Ursachen für das Verschwinden der Mittelschicht.
Zu 3.) Die Autoindustrie ist schon seit den 90er Jahren nicht mehr Deutschlands wichtigste Industriebranche. Nach mehreren Rationalisierungsrunden schon mal gar nicht mehr. Noch viel schlimmer ist allerdings die Zukunftsaussicht. Falls sich nicht ganz schnell ein neues Denken in der Branche durchsetzt (bezahlbar, ressourcenschonend), prophezeie ich für das Jahr 2015 mindesten 30-40% weniger Umsatz. Der Trend geht langsam aber stetig weg vom Auto.
Ja, es ist wahr: Diese drei Studien sind besorgniserregend – insbesondere für die Mitarbeiter von McKinsey. Mir ist schleierhaft, wie man sich hinstellen kann und seinen Kunden deutlich macht, daß man
- deutlich spürbare Trends erst nach Jahren bemerkt,
- nicht begriffen hat, was die Ursachen dafür sind,
- daher zwangsläufig untaugliche Rezepte für die Lösung anbietet
Ich stelle mir einen Stand auf dem Wochenmarkt vor, wo jemand lauthals drei Wochen altes Gemüse anbietet, dafür aber den 5 fachen Preis haben will.
Würdet Ihr da einkaufen?
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