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Die Erschaffung der Welt und koschere Gummibärchen

Heute habe ich die Sonderausstellung „Die Erschaffung der Welt“ im jüdischen Museum Berlin genossen. Ausgestellt wurden mittelalterliche Schriftstücke, kunstvoll angefertigte Hochzeitsverträge, reich illustrierte Schriftrollen und wertvolle Drucke. Freundlicherweise war das Fotografieren gestattet.

Gesetzestext von 1400 mit zahlreichen Kommentaren

Gesetzestext von 1400 mit zahlreichen Kommentaren

Unter den Ausstellungsstücken sind zahlreiche extrem wertvollen Unikate, die teilweise über 600 Jahre alt sind. Bücher, deren Seiten aus Tierhäuten bestehen, kunstvoll verziert, mit Blattgold belegt. Es sind sowohl religiöse Schriften, wie die Tora oder Teile der Bibel, aber auch juristische Werke, wie Gesetzestexte oder Hochzeitsverträge, monumentale Bücher mit etlichen Kilo Gewicht, oder kunstvolle Miniaturen oder Schriftrollen.

Kunstvoll verzierter Hochzeitsvertrag

Kunstvoll verzierter Hochzeitsvertrag

Immer faszinierend ist die Präzision und ästhetische Qualität der Handschriften. Obwohl ich die hebräischen Schriften nicht lesen konnte, begeisterte mich die Kalligraphie und generell die unglaubliche, heute kaum noch nachvollziehbare Bedeutung des geschriebenen Wortes. Genauso spannend ist der Einblick, der diese Werke in das Leben der Menschen ermöglicht. Die penible Auflistung aller Werte, die jeder Partner in die Ehe einbringt und der Pflichten, die er eingeht, zeigt, dass die Bedeutung einer Ehe damals erheblich anders wahrgenommen wurde, als heutzutage.

Das Kunstprojekt BIOS [TORAH] von Robotlab gehörte nicht mehr zu der Ausstellung, ist aber eine gelungene thematische Überleitung zum Rest des Museums. Der Titel ist eine Parabel: Im BIOS sind die Grundfunktionen eines Computers eingebrannt, auf dem alle Funktionen des Betriebssystems und der Anwendungen aufbauen. Die Schrift, mit der religiöse und juristische Texte verfasst sind, stellt gleichsam das funktionale Fundament einer Gesellschaft dar.

BIOS - THORA

BIOS – THORA

Die Tora aus der Roboterfeder

Die Tora aus der Roboterfeder

Das Kunstwerk besteht im Wesentlichen aus einem Industrieroboter, der die Aufgabe eines Sofer (Tora-Schreibers) übernimmt. Er schreibt die Tora mit Schreibfeder und Tinte in menschlicher Geschwindigkeit auf eine 80m lange Papierrolle. Da der Roboter aber nur sein Programm ausführt und keine Auseinandersetzung des Schreibers mit dem religiösen Text stattfindet, genügt der Text nicht den Erfordernissen des jüdischen Religionsgesetzes. Er ist nicht koscher (=rituell unbedenklich).

Koscher waren hingegen die Gummibärchen aus einem Automaten in der ständigen Ausstellung, was mich zum schmunzeln brachte.

Im Jahr 2001 habe ich zum ersten Mal das jüdische Museum Berlin besichtigt – vor der offiziellen Eröffnung. Damals war der Neubau von Daniel Liebeskind noch leer. So konnte ich die extravagante und symbolträchtige Architektur unverfälscht auf mich wirken lassen. Der Museumsneubau hat zum Beispiel keinen direkten Eingang. Er ist nach aussen zerrissen und abweisend und im Inneren irritierend und ohne vertraute rechte Winkel, die Ordnung und Orientierung versprechen.

Jüdisches Museum Berlin

Jüdisches Museum Berlin

Ich habe seinerzeit in den leeren Räumen gestanden und mich gefragt, wie dort jemals eine Ausstellung aufgebaut werden kann.

Nun weiss ich es. Es geht hervorragend. Die Ausstellung ist chronologisch und verwirrend und dennoch logisch. Sie zieht einen roten Faden, ist aber und mit verstörenden Elementen durchzogen, wie dem mehrgeschossigen Raum, in dem man auf  kleinen Stahlplatten herumlaufen kann, die schreiende Gesichter darstellen. Die Symbolik und der Raum und die entstehenden Geräusche wirken durchaus bedrückend.

Void mit Installation

Void mit Installation

Bei allen Hinweisen auf die problematischen oder grausamen Aspekte der deutsch-jüdischen Geschichte ist das Museum jedoch keinesfalls als Trauerstätte oder Holocaust Mahnmal zu verstehen. Dafür ist die jüdische Tradition in Deutschland zu alt und vielschichtig. Genau das wird in dem Museum hervorragend vermittelt.

 

Kunst- und Architekturwochenende

Jaja, die Fussball WM…
Gucke ich auch – aber nicht nur. Es gibt ja auch noch anderes. Kunst zum Beispiel. Dieses Wochenende lief wieder 48 Stunden Neukölln. Aber es lief ohne mich. Stattdessen habe ich mir zwei tolle Architektur Ausstellungen im Pfefferberg angesehen.

Pfefferberg: Tchoban Foundation

Pfefferberg: Tchoban Foundation

Den Anfang machte eine Ausstellung mit grandiosen Architekturzeichnungen von Lebbeus Woods in der Tchoban Foundation. Der schmale Neubau auf dem Pfefferberg Gelände ist an sich schon eine Schau. Die Fassade aus hochwertigem Beton ist mit Fragmenten aus Architekturzeichnungen verziert und im Inneren ist es nicht weniger interessant und edel.

Die Zeichnungen waren noch eher Kunst, als Architektur. Es handelte sich nämlich nicht um konkrete Entwürfe, sonden eher um Ideen, Illustrationen oder Moods. Sie erinnern teilweise an Entwürfe für Fantasy Filmsets oder Szenen aus Cyberpunk Romanen und sind technisch einfach brilliant. Die Ausstellung wird noch bis zum 03.10.2014 gezeigt und ist mit €5,- Eintritt recht wohlfeil, zumal mir freundlicherweise das Fotografieren ohne Blitz erlaubt wurden.

Pfefferberg - Aedes

Pfefferberg – Aedes

Wesentlich näher an der Realität waren die Ausstellungen, die in der Aedes Galerie ebenfalls auf dem Pfefferberg Gelände gezeigt wurden. In der Ausstellung „New Moscow – Urban Development by International Competitions 2012-2014“ wurden Wettberwerbsentwürfe für zwei große Vorhaben in Moskau gezeigt:

Direkt neben dem Kreml und dem Roten Platz an der Moskva liegt eine große Brachfläche, für den die Neuplanung des Zaryadye-Parks ausgelobt wurde. Gezeigt wurden die Entwürfe der fünf Finalisten.

Ein weiterer Wettbewerb galt der Neuplanung des Staatlichen Zentrums für Zeitgenössische Kunst (NCCA). Auch hier wurden die Entwürfe der fünf Finalisten gezeigt.

Noch konkreter war die Ausstellung zu den Besonderheiten des kommunalen Wohnungsbaus in Wien mit dem Titel „Gemeinde baut – Wiener Wohnbau 1920 bis 2020“. Neben den bekannten Großsiedlungen des soganannten „Roten Wien“ zwischen 1918 und 1934 gab es Interessantes zu den Nachkriegsvorhaben unter jeweils veränderten Zielsetzungen. Verblüffend ist der extrem hohe Anteil des Kommunalen Wohnungsbaus, der bis 1990 bei sagenhaften 38% lag, zu denen nochmals knapp 20% genossenschaftlicher Wohnungsbau kommen.

Die Ausstellungen sind alle wirklich empfehlenswert und haben einen schönen Bogen von vollkommen fiktiven Zeichnungen über interessante Entwürfe bis hin zu realen Gebäuden geschlagen.

Horst Bartnig

Gerade komme ich aus der Galerie Parterre im Ernst Thälmann Park in Prenzlauer Berg zurück. Dort gab es heute Abend eine Vernissage zur Ausstellung „bartnig – konkret“. Der Eindruck ist noch frisch, also schreibe ich gleich mal ein paar Zeilen dazu.

Die Galerie – obwohl nicht gerade klein – war zum Bersten voll. Das Durchschnittsalter der Besucher war zwar recht hoch, das Niveau der Arbeiten erfreulicherweise allerdings auch. Die gezeigten Werke sind überwiegend sehr farbenfroh und trotz ihres geometrischen, mathematischen Aufbaus recht heiter. Leider darf man ja aufgrund des Urheberrechts keine Fotos zeigen – was sehr schade ist. Auf der Website der Galerie Parterre kann man sich aber einen kleinen Eindruck verschaffen.

Horst Bartnig kannte ich bisher eigentlich nur vom Sehen – er ist ja schon eine recht markante Erscheinung und auf den Kunstveranstaltungen kaum zu übersehen. Sein Werk war mir bisher aber nicht bekannt. So ging ich also den Abend völlig unvoreingenommen an.

Bei einigen Werken hatte ich das Gefühl, dass sie von einem alten Computerbildschirm inspiriert sein könnten. Freundlicherweise waren in einigen Vitrinen ältere Publikationen (zurück bis 1980) über Horst Bartnig und sein Werk zu sehen. Darin wurde mein erster Eindruck bestätigt. Bartnig hat sich offenbar bereits seit den 70er Jahren in der DDR mit mathematischen, generativen, computergestützten Verfahren in der Kunst auseinandergesetzt.

Interessant fand ich übrigens den Stil in dem die Kunstpublikationen der DDR verfasst waren: Sachlich, unaufgeregt und auf den Punkt. Ein wohltuender Kontrast zu dem gekünstelten, gestelzten und häufig beinahe hysterischen Geschwurbel, mit dem man heutzutage im Kunstbetrieb leider sehr häufig konfrontiert wird.

Die sehenswerte Ausstellung läuft noch bis zum 28. April.

Schöner Lärm am Freitagabend

Am Freitagabend hörte ich mir in der Akademie der Künste die Veranstaltung „Grand Opening E Studio“ an. Die Karten hatte ich schon zwei Wochen vorher besorgt, was sich als goldrichtig herausstellte, weil die Veranstaltung vollständig ausverkauft war. Ich freute mich auf experimentellen Lärm und ganz besonders auf Blixa Bargeld und Caspar Brötzmann. Beim Eintritt in den Saal wurden freundlicherweise Ohrstöpsel verteilt, was mich zunächst erwartungsfroh stimmte.

Akademie der Künste

Akademie der Künste mit Schnee

Doch der erste Teil der Veranstaltung traf meine Erwartungen dann leider in keinster Weise. Es wurden mehrere Stücke zum besten gegeben, die nach folgendem Schema abliefen: Ein Musiker spielt „gegen“ Soundfragmente, die aus dem Computer kamen. Zuerst ein Stück am Schlagzeug, dann ein Stück bei dem überhaupt niemand auf der Bühne war(!), dann ein Stück am Klavier, dann eines mit Cello, bei dem es auch noch zu einer technischen Panne kam und zum Schluss ein Textvortrag mit Soundcollage und Hintergrundvideo. **grmpf**

Ohrstöpsel

Sinnvolle Dreingabe: Ohrstöpsel in geschmackvoller Farbgebung

Der zweite Teil des Abends verlief dann jedoch genau so, wie ich es erhofft hatte: Beginnend mit einem mehrminütigen Feedback Festival aus Brötzmanns Gitarre in das später Blixa Bargeld mit einstieg und gesanglich auf die Gitarrenfeedbacks „antwortete“. Bargeld kommentierte das nach dem Stück zwar, dass das „eine Scheissidee“ war, aber er stand ohnehin recht angepisst auf der Bühne.

Mr egal – die Performance stimmte. Streng genommen gab es nur drei (lange) Stücke und eine Zugabe zu hören. Aber die hatten es in sich. Ein Stück begann mit einem Subsonic Bass, der durch Mark und Bein ging und tatsächlich dafür sorgte, dass kleinere Teile von der Decke rieselten. Brötzmann schaffte es übrigens tatsächlich, erst im dritten Stück einen Riff zu spielen. Bis dahin erzeugte er den Sound nur dadurch, wie er die Gitarre hielt, an welcher Stelle er vor den Verstärkertürmen (natürlich Marshall) stand, durch klopfen und ähnliche Techniken.

Bemerkenswert und inspirierend!

François Morellet im Bundestag – Vorsicht!

Wir wollten heute die Ausstellung von François Morellet im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus ansehen. Auf der Website des Bundestages wird mit seiner „wandelbaren Wand“ geworben. Schönes Ding. Also auf nach Mitte.

Der Eingang ist von der Spreeseite und man muss – weil das Gebäude ja zum Bundestag gehört – durch eine lästige Sicherheitsschleuse. Dann steht man in einem kreisrunden Raum aus Glas und Sichtbeton mit dem Mauermahnmal. Wer es nicht kennt: Das sind ein paar Betonelemente der alten DDR Mauer, die geschwärzt sind. Auf jedem Element sind eine Jahreszahl und die Anzahl der Mauertoten des entsprechenden Jahres gemalt.

Dem Morellets wandelbare Wand gegenüberzustellen ist eine wunderbare Idee – die aber leider nicht umgesetzt wurde. Das Kunstwerk ist nämlich gar nicht vorhanden. Es steht dort nur eine billige Nachbildung in Form einer Fotowand !

Ich muss schon sagen, dass ich das für eine bodenlose Frechheit halte.

Vielleicht habe ich das Ganze auch nicht verstanden. Ist das vielleicht eine Anspielung auf die gegenwärtige Politik? Sich mit fremden Federn schmücken – es wird schon keiner genau hinschauen? Viel Brimborium um etwas veranstalten, das überhaupt nicht wirklich vorhanden ist – echte Demokratie zum Beispiel?

Aber bevor ich mich hier in wilden Spekulationen verreite hier noch der Hinweis, dass ein paar Meter weiter ein unscheinbarer Eingang unter der grossen Treppe tatsächlich eine kleine, feine Ausstellung zu sehen ist. Man muss allerdings auch hier wieder durch eine Sicherheitsschluse. Von Morellet sind dort einige schöne Neonarbeiten zu sehen. Zusätzlich kann man wunderschöne Arbeiten von Gunda Förster betrachten, die mit Licht und Glasmurmeln tolle Effekte bieten.

Das hat mich zwar durchaus erfreut, aber die Art der Präsentation finde ich ehrlich gesagt ziemlich daneben. Ich habe einfach keine Lust mich einer Sicherheitsprüfung zu unterziehen, bloss weil ich Spass an Kunst habe.

Dass die Präsentation von Kunst wesentlich besser geht, haben wir nach einem kurzen Fussmarschdurch die Winterkälte rüber zum Haus der Kulturen der Welt (A.K.A „schwangere Auster“) erfahren dürfen. Einfach reigehen. Normal also.

Im Foyer und im grossen Ausstellungsraum liefen bereits die Aufbauarbeiten für die Transmediale. Etwas versteckt neben dem Shop fanden wir die ebenfalls recht kleine Ausstellung „Labor Berlin 12: Drifting“, die heute auslief. Nicht uninteressant, teilweise sogar etwas fies.

Unter dem Strich also doch ein gelungener Sonntag-Kunstnachmittag.

Kunstwochenende

Dieses Wochenende stand mal wieder im Zeichen der Kunst. Ich besuchte zwei sehr schöne und extrem unterschiedliche Eröffnungen.

Part I – Casey Reas

Am Freitag kam ich – obwohl ich wohlweislich eine Stunde früher als üblich losgefahren war – nach einer 4,5 Stunden Höllenfahrt von Hannover nach Berlin eine halbe Stunde zu spät zur Eröffnung der Casey Reas Ausstellung in der DAM Galerie an. Leider war ich aufgrund der (selbst für die üblichen Verhältnisse an einem Freitag Nachmittag) extrem anstrengenden und gefährlichen Fahrt noch derart gestresst, dass ich die ausgestellten, neuen Werke nur eingeschränkt auf mich wirken lassen konnte. Schade. Immerhin fühlte ich mich von der Aesthetik sehr angesprochen.

Einwendungen, „ob das denn jetzt Kunst sei“, wie ich sie schon vor zwei Wochen anlässlich des Demoszene Events in der nur wenige hundert Meter entfernten c-base gehört habe, finde ich selber etwas müssig. Wenn jemand viel Energie darin investiert, sich auf seine eigene Art auszudrücken, ohne das dies einem konkreten und profanen Zweck dient – was soll das das anderes sein als Kunst?

Reas ist für mich gleich von zwei Seiten her sehr zugänglich – als Künstler und als Initiator der Programmiersprache Processing.

Part II – Hildegard Projekt

Am Samstag war mein Gemüt wieder etwas abgekühlt, so dass ich die Vernissage zur nur zwei Tage dauernden Ausstellung „nyyttikestit #2“ von Hildegard Projekt in der Kunsthalle m3 wesentlich entspannter geniessen konnte.

Wiederum ist es den Künstlerinnen und Künstlern gelungen eine eigene Antwort auf die konkrete Raumsituation zu finden, die sich trotz aller Kontinuität von den bisherigen Arbeiten deutlich unterschiedet. Die raumgreifende Installation nutzte das zur Verfügung stehende Volumen der Halle gut aus, wirkte dennoch luftig und stellte durch seine Asymetrie eine gewisse Spannung her.

Mit freundlicher Genehmigung von Hildergard Projekt darf ich hier einige Impressionen der Ausstellung zeigen.

Kunst

Kunst

Kunst

Kunst

Kunst

Kunst

Noch mehr Kunst

Noch mehr Kunst

Documenta 13

Am Samstag bin ich mit meiner Süssen nach Kassel gefahren um die Documenta anzusehen. Das Wetter war schwül bei bis zu 28 Grad und wir haben uns auf den Kernbereich beschränkt. An einem einzigen Tag ist das Programm auch kaum zu schaffen, wenn man nicht einfach nur durch die Ausstellungen durchrast. Eines vorweg: Ich werde aus Gründen des Urhebberechts kein Foto eines Kunstwerkes zeigen. Aber ein paar Bilder um die Atmosphäre zu verdeutlichen, dürfen es dann doch sein.

Been there, done that, got the Eintrittskarte

Been there, done that, got the Eintrittskarte

Willkommen im malerischen Kassel

Willkommen im malerischen Kassel

Unsere Tour begann mit dem Erwerb der Eintrittskarten am Bahnhof und führte uns gleich durch die Nord- und die Südhalle. Mein Eindruck nach den ersten paar Werken war, dass die Kunst hier nur im Dunklen gezeigt wird, was sich im weiteren Verlauf jedoch nicht ganz bestätigt hat. In der Nordhalle hinterliess die Installation von William Kentridge Eindruck auf mich. In der Mitte steht eine hölzerne Maschinenskulptur, die unablässig in Bewegung ist, während auf die Wänden ringsherum Filme projeziert werden, die sich kritisch mit Wissenschaft und technischem Fortschritt auseinandersetzen, wobei die Darstellung zwischen Lehrfilm und 20er Jahre Slapstick pendelt. Das Ganze wird von einem beachtenswerten Soundtrack begleitet. Wir haben uns zwar nicht die vollen 24 Minuten gegeben, aber dennoch wesentlich mehr Zeit dort verbracht, als bei allen anderen Videoarbeiten.

Minimalismus extrem

Minimalismus extrem

Beim Betreten des Fridericianums lernte ich schnell, dass Minimalismus noch minimalistischer sein kann, als ich dachte. Der riesige Raum zur Linken war nämlich leer, aber dafür aussergewöhnlich zugig. Genau darin bestand letztlich auch das Werk von Ryan Gander – Indoor Wind sozusagen. Aha!

Grenzen der Kunst

Wo sind die Grenzen der Kunst?

Derart sensibilisiert, fängt man natürlich auch an, dort Kunst zu sehen, wo überhaupt keine Kunst beabsichtigt war. Oder…? ;-)

Blick in Richtung Karlsaue

Blick in Richtung Karlsaue

Auf dem Weg hinab in die Karlsaue vorbei an Ottoneum und Stadttheater schauten wir in die Documenta Halle. Dort sprachen mich die technischen Installationen von Thomas Bayrle an: Verschiedene aufgeschnittene Verbrennungsmotoren (u.a. 2 Zylinder Boxer aus der Ente, 4 Zylinder Boxer aus einem Porsche, und ein 9 Zylinder Sternmotor aus einem Flugzeug), die sich abwechselnd bewegten. Dazu war jeweils der originale Sound zu hören.

Such die Kunst

Such die Kunst

In der Karlsaue waren viele Werke irgendwo unter den Bäumen versteckt. Oftmals in kleinen Holzhütten. Uns zog es jedoch recht schnell wieder bergauf in die Neue Galerie. Hier beeindruckte das bestimmt 20m lange Werk von Geoffrey Farmer das aus abertausenden ausgeschnittenen Papierschnipseln aus US-Werbeanzeigen der 60er Jahre bestand, die auf Holzstöckchen geklebt wurden. Im Untergeschoss wurde in einer Doppelprojektion ein Marionettenstück über die Kreuzzüge im Mittelalter gezeigt. Nur auf den ersten, flüchtigen Blick Augsburger Puppenkiste.

Überhaupt Kunst und Politik: Politische Aussagen sind auf der Documenta durchaus vorhanden, halten sich aber insgesamt doch eher zurück.

Politische Aussagen

Politische Aussagen

Mein persönliches Fazit: Das Niveau der gezeigten Arbeiten ist recht hoch. Wesentlich höher, als das Meiste, was ich neulich in Hannover bei „Made in Germany zwei“ gesehen habe. Dennoch blieben mir höchstens 4-5 Werke in Erinnerung. Vielleicht kann man aber auch nach einer solchen „Druckbetankung“ einfach nicht mehr erwarten.

Hildegard Projekt bei IG Bildende Kunst in Wien

Der Anlass zu meiner Wienreise war die Vernissage vom Hildegard Projekt bei IG Bildende Kunst. Hier haben die 8 deutschen und finnischen Künstler des Hildegard Projekts zusammen mit 30 örtlich ansässigen Künstlern eine Woche lang in einem – wie mir berichtet wurde – sehr anstrengenden, ergebnisoffenen Gruppenprozess eine gemeinsame Ausstellung auf die Beine gestellt. Genau dieser Prozess ist auch ein Teil des Kunstwerkes, der noch in einigen Artefakten sichtbar war, um den Besucher darauf aufmerksam zu machen: Ein Video zeigte Aufnahmen, die während der Entstehung der Ausstellung aufgenommen wurde, Auf dem Boden und zum Teil an den Wänden wurden Klebemarkierungen angebracht, die zeigen, wo einmal etwas gestanden hat oder hing. Eine Künstlerin war so radikal, ihr Werk wieder mitzunehmen. Für sie war es wichtig, an dem Prozess selbst teilgenommen zu haben und flüchtige Spuren zu hinterlassen. Vor diesem Hintergrund wird dann auch die etwas eigenwillige Hängung verständlicher.

Zur Eröffnung war der Raum in der Gumpendorfer Strasse mit Nebel geflutet, der sich im Laufe des Abends so langsam verflüchtigte. Das Interesse war recht gross, wie man auf den Fotos sehen kann und jeder, mit dem ich an dem Abend gesprochen habe, war mit dem Ergebnis sehr zufrieden gewesen.

IG Bildende Kunst

IG Bildende Kunst

Entree mit Resten von Nebel

Entree mit Resten von Nebel

Kunst über den Köpfen

Kunst über den Köpfen

 

Skowasch / Kangasmaa / Tödter

Am Freitagabend fand die Vernissage der Ausstellung „Der Raum geht weiter“ in der Galerie im Körnerpark in Berlin Neukölln statt. Es ist eine Gemeinschaftsausstellung der drei Künstlerinnen Hildegard Skowasch, Minna Kangasmaa und Petra Tödter, die sich vor einigen Jahren in Schloss Wiepersdorf kennen- und schätzen gelernt haben.

Petra Tödter, Minna Kangasmaa, Hildegard Skowasch

V.l.n.r.: Petra Tödter, Minna Kangasmaa, Hildegard Skowasch

Vernissage Publikum

Vernissage Publikum

Der Titel „Der Raum geht weiter“ bezieht sich dabei sowohl darauf, dass alle drei Künstlerinnen seit Jahren räumlich arbeiten, als auch auf den konkreten Ausstellungsort, der ein einziger schmaler, langer, Raum ist, der durch die Rundbögen und extrem hohe Fenster wie eine Orangerie wirkt. Die Künstlerinnen meisterten die schöne aber nicht ganz einfache räumliche Situation mit Bravour. Der Raum wird in drei Zonen mit sehr unterschiedlicher Stimmung unterteilt.

Beim Betreten der Ausstellung wird man von den in Gruppen angeordneten Wandobjekten von Petra Tödter empfangen. Der Eindruck geometrischer Strenge wird durch die extrem farbenfrohe Gestaltung konterkarriert.

Wandobjekte von Petra Tödter

Wandobjekte von Petra Tödter

Den Mittelteil der Ausstellung bilden ruhigere, mitten im Raum plazierte Objekte von Minna Kangasmaa, die sich mit dem Thema Mensch und Natur auseinandersetzen. Innerhalb des grossen, schlichten Holzhauses lädt die Tapete und ein im Wiepersdorfer Wald aufgenommenes Video zur Auseinandersetzung mit dem Wald als Aussen- und Aufenthaltsraum ein.

Objekte von Minna Kangasmaa

Objekte von Minna Kangasmaa

Wenn man das Holzhaus, das eine natürliche Sichtbarriere bildet passiert, öffnet sich der Blick auf die eigenwilligen und verstörenden Figuren von Hildegard Skowasch und auf ihr beeindruckendes 100-teiliges Wandbild.

Figuren von Hildegard Skowasch

Figuren von Hildegard Skowasch

100 teiliges Bild von Hildegard Skowasch

100 teiliges Bild von Hildegard Skowasch

Die Homepages der Künstlerinnen:

Hildegard Skowasch

Minna Kangasmaa

Petra Tödter

Die Künstlerinnen arbeiten sowohl einzeln, sind aber auch zusammen mit weiteren Künstlern in der Gruppe Hildgard Projekt engagiert, die kürzlich auch am Labyrinth Festival der neuen Kunst Slubice / Frankfurt a. d. Oder teilnahm.

Hildegard Projekt

Labyrinth Festival für moderne Kunst

Kunstmarathon – Preview Berlin

Diese Woche erschlägt einen Berlin mal wieder mit Kunst. Nicht weniger als 5 Kunstmessen werden in der Stadt abgehalten. Wir waren gestern auf zweien: Preview und Berliner Liste.

Angefangen haben wir auf der Preview, die in Hangar 2 des Fluhafens Tempelhof stattfindet. Notiz am Rande: An diesem Abend startete übrigens der letzte Linienflug ab Tempelhof. Hier sind einige Eindrücke von der Preview:

Preview - Flughafen Tempelhof

Tempelhof Hangars

Preview - Überblick

Kunst in übersichtlichen Schachteln

Preview - Deko

Deko – Kunst ?

Preview - Besucher

Besucher

Preview - Kabel

Kunst am/im Bau

Preview - Boxen

Gigantische Tore, Besucher und Kunst (v.l.n.r.)

Die Bilder habe ich zu Beginn aufgenommen. Als wir nach nach knapp zwei Stunden zur Berliner Liste aufbrachen, war es spürbar voller.

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