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Seelische und geistige Erbauung zum Muttertag

Sonntag, 12. Mai. Als ich morgens das Haus verließ, traf ich einen Nachbarn. Ich grüßte und sagte, dass ich mich passend für den Gottesdienst angezogen habe. Er musterte meine Motorradkombi, lächelte und meinte nur „oh – ist schon wieder ein Jahr um?“. Ertappt!

Dirk im schönen Friedrichswalde neben der Kirche

Manche nennen sich Christen und gehen einmal im Jahr in die Kirche – zu Weihnachten.

Ich bin getaufter Atheist und gehe auch einmal im Jahr in die Kirche – zu Muttertag. So auch in diesem Jahr. Gemeint ist natürlich der nunmehr 29. Motorradgottesdienst in Friedrichswalde (hier meine Artikel von 2023 und 2022).

Angemessene Kleidung für den Gottesdienst

In diesem Jahr bin ich mit zwei Arbeitskollegen gefahren. Natürlich sind wir nicht einfach die 70 km Autobahn hoch nach Norden gebrettert, sondern fuhren die Strecke gemütlich über kleine Landstraßen. Der Weg ist zumindest ein wichtiger Teil vom Ziel. So konnte wir die eineinhalb Stunden dauernde Fahrt in die Schorfheide genießen. Das Wetter war perfekt: Sonnig und warm, aber nicht heiß. Die Landschaft stand in voller Blüte, sah bezaubernd aus, duftete gut und mein Antiallergikum hat gewirkt.

So eine kleine Tour ist Balsam für die Seele.

Motorräder vor der Kirche

Wir kamen gegen 12 Uhr in Friedrichswalde an und konnten unsere Maschinen noch in der Nähe der Kirche abstellen. Etwas später war bereits das halbe Dorf zugeparkt. Ich gehe davon aus, dass es auch in diesem Jahr wieder an die 1.000 Motorräder waren.

Als erstes haben wir Pastor Schwieger und seine Frau begrüßt. Trotz des Trubels nahmen sie sich die Zeit für ein kurzes Gespräch. Danach machten wir uns auf ins Getümmel. Viele Menschen standen oder saßen in kleinen oder größeren Gruppen zusammenstanden schnackten miteinander. Dazu bot Dominic Mertens eine gelungenen Mischung aus Coversongs dar. Wir genossen die sehr nette, entspannte und angenehme Atmosphäre.

Ordentlich Betrieb auf der Dorfstraße

Nachdem wir uns hinreichend mit leckerem Grillgut, Getränken, Kaffee und Kuchen versorgt hatten, machten wir die obligatorische Runde durch das Dorf, um uns die Maschinen anzusehen. Auch diesmal waren wieder einige wunderschön restaurierte Oldtimer dabei. Und wie jedesmal bin ich auch diesmal verblüfft gewesen, wie etliche hunderte Motorräder zusammen stehen können und keine zwei Maschinen gleich sind.

Wunderbar restaurierte Simson

Um 14:00 begann der Gottesdienst, den ich wie auch in den vergangenen Jahren vom „Balkon“ aus verfolgt habe. Die musikalische Untermalung – kräftiger Bluesrock mit christlichen Texten – kam auch in diesem Jahr wieder von Fat Hat. Im Gegensatz zum letzten Jahr allerdings ohne Feuerbälle.

Die Predigt war eine Metapher über Freiheit und Verantwortung, die vordergründig vom Motorradfahren handelt, aber eigentlich recht universell ist. Schön fand ich die Stelle in der aufgezählt wurde, was man während des Motorradfahrens alles tut. All die Schalter und Hebel mit beiden Händen und Füßen zu bedienen, Sitzhaltung, Gleichgewicht, Blickführung, usw. Das klingt für nicht-Biker nach harter Arbeit (die es auch ist) und macht dennoch so viel Vergnügen.

Natürlich gehörte auch wieder eine Schweigeminute dazu, während der wir den Verstorbenen und Kranken gedacht haben.

Predigt in der vollbesetzten St. Michael Kirche

Nach dem Gottesdienst blieb noch etwas Zeit für ein Getränk, bevor auf der Dorfstraße für die gemeinsame Ausfahrt Aufstellung genommen wurde. Wie in den vergangenen Jahren wurde der Konvoi von der Motorradstaffel der Johanniter begleitet. Nicht so schön war allerdings, dass einige Autofahrer nicht verstanden haben, dass man nicht in einen geschlossenen Verband hereinfahren darf und versucht haben, sich einfach vorbei zu drängeln.

Da wir drei noch die 70km zurück nach Berlin vor uns hatten, haben wir die Karawane ziehen lassen. Wir stärkten uns noch mit einem letzten Stück Kuchen und machten uns dann auf den Weg. Am Werbellinsee legten wir noch einen kleinen Zwischenstopp ein, den einer meiner Kollegen für einen kurzen Sprung ins kühle Nass nutzte.

Ein kurzer Sprung ins kühle Nass

Diese Erfrischung erwies sich als als goldrichtig, weil wir bereit ein paar Kilometer später im Stau standen. Das Ende eines langen Wochenendes mit starkem Rückreisverkehr nach Berlin, eine zugestaute A11 und eine Baustelle in Eichwalde ergaben einen unerquicklich langen Stau entlang des Werbellinsees. Mit dem Auto hätten wir hier sicherlich 40-50 Minuten gestanden. Mit dem Motorrad fahre ich an so etwas vorsichtig und mit etwas schlechtem Gewissen vorbei, aber eine knappe Stunde mit Stop and Go und Geschwindigkeiten im einstelligen Km/h Bereich geht einfach nicht.

Trotz der etwas mühsamen Rückfahrt war der Motorradgottesdienst auch in diesem Jahr wieder sehr erfreulich. Den Kollegen hat es ebenfalls gefallen. Ich freue mich schon jetzt auf die 30. Ausgabe im nächsten Jahr.