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Superbooth 2026

Vom 7. bis 9. Mai fand in der Berliner Wuhlheide wieder die Superbooth statt. Ich war am Samstag dort. Diese Messe rund um elektronische Musik hat einen sehr speziellen Charakter. Irgendwo zwischen Festival und entspanntem Szenetreff – so wie ich es bereits in zwei Artikeln aus den Vorjahren („Die wahrscheinlich lässigste Musikmesse der Welt“ und „Superbooth 2025„) beschrieben habe.

Diese Messe findet nicht auf einem Messegelände oder einer hippen Eventlocation in der Innenstadt statt, sondern am Stadtrand im Grünen. Genauer gesagt im FEZ – dem Freizeit und Erholungszentrum in der Wuhlheide. Da nicht nur die Bühnen, sondern auch ein großer Teil der Stände draußen in kleinen Holzhütten oder sogar unter Zeltplanen stattfindet, war es sehr gut, dass das Wetter mitgespielt hat. Es war trocken, teilweise sonnig und einigermaßen warm.

Wieviele Knöpfe möchtest Du an Deinem Synthesizer haben?

Nach einem Tag Superbooth bin ich freudig erschöpft. Es ist alles sehr schön und entspannt, aber die schiere Mengen an Eindrücken, Informationen, Klängen, Gesprächen ist überwältigend. Darum hier nur ein paar völlig subjektive Dinge, die bei mir hängengeblieben sind:

Video

Mir fiel auf, dass Video, bzw. Audiovisualisierung wieder ein größeres Thema zu sein scheint. Hier sei beispielhaft ein Projekt der Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch genannt, das ich das sympathisch finde.

Studentisches Videojingle Gerät

Im Rahmen von Theaterprojekten brauchten die Studenten eine möglichst einfache und kostengünstige Vorrichtung, um parallel mehrere Videostreams in Echtzeit anzeigen und manipulieren zu können. Also bauten sie es selbst. Auf dem Stand konnte man sich den Prototypen auf Basis von Raspberry Pi und einem 3D gedruckten Gehäuses vorführen lassen. Nun soll aus dem funktionsfähigen Gerät ein kostengünstiges, vermarktbares Produkt werden. Wir waren uns im Gespräch einig, dass einer der wichtigsten Erfolgskriterien eine möglichst einfache und intuitive Bedienoberfläche gehört.

Ich drücke dem Team die Daumen!

Grooveboxen, Matrixsequencer, Tracker

Einige klangerzeugenden Geräte würden Laien gar nicht als Musikinstrumente wahrnehmen. Damit meine ich alle Arten von Grooveboxen, Matrixsequenzern und Audiotrackern.

Kein Gamepad, sondern ein Instrument – der Nanoloop

Das schrägste, was ich gesehen habe – und das will auf der Superbooth etwas heißen – ist die Software Quadtrack von der Berliner Firma Pink Parrot Studio. Eine Tracker Software, die sage und schreibe auf einem Commodore Amiga(!) vorgeführt wurde und kreischend bunt aussah. Der Stand wirkte wie eine Zeitkapsel aus dem Jahr 1987.
Im Jahr 2026 braucht man aber nicht zwangsläufig einen Amiga. Man kann die Software auf Mac und Windows ausführen – die Amiga Emulation wird mitgeliefert.

Quietschbunt – Quadtracker auf einem Original Commodore Amiga aus der 80ern

Bei den Hardwaretools liegt Design, Material- und Verarbeitungsqualität generell auf hohem Niveau. Gleich zu Beginn, ließ ich mir den Plinky 12 vorführen. im Prinzip ein dünnes Aluminiumbrett ungefähr in der Größe einer LP mit einer berührungsempfindlichen Oberfläche unter der sich 16 x 16 LEDs befinden. Wie das Ding genau bedient wird, hängt von den austauschbaren Oberflächen ab. Zur Zeit gibt es drei Stück.

Plinky12 mit unterschiedlichen Benutzerinterfaces

Auch Dirtywave war wieder mit dem M8 Taschentracker vor Ort. Ein sehr eigenwilliges Mini-Studio im Hosentaschenformat, mit dem man recht gute Tracks bauen kann. Das Gerät habe ich bereits im letzten Jahr beschrieben. Auch hier: Ein solides Aluminiumgehäuse und erstklassige Tasten. Auf meine Frage, ob es mittlerweile einen deutschen Vertrieb gibt bekam ich die Antwort, dass man es weiterhin nur direkt in den USA bestellen kann. Es wird eine Charge produziert und wenn die ausverkauft sind, muss man auf die nächste Charge warten. Normalerweise hätten sie jetzt noch welche gehabt, aber seit das Gerät beim Youtube Channel „Bad Gear“ besprochen und nicht – wie dort sonst üblich – zerrissen wurde, ging das Ding weg, wie geschnitten Brot.

Dirtywave M8 (Bild aus dem letzten Jahr)

Der Moderator wäre übrigens kurz vor mir dort gewesen. Tatsächlich habe ich Florian „Audio“Pilz auch kurz darauf getroffen und ihm zu seinem Youtube Kanal gratuliert.

Im letzten Jahr hatte ich es übersehen, aber in diesem Jahr habe ich mir das Bento von 1010music genauer angesehen und erklären lassen (und jetzt schon wieder kein Foto gemacht). Im Prinzip eine Sample basierte Groovebox, die man bequem mitnehmen kann um unterwegs einen Track zu bauen. Auch hier ist die Hardware chic: Flaches, steifes Aluminiumgehäuse, solide Drehregler, scharfes Farbdisplay für unter €1000,-.

Das letzte Gerät in dieser Reihe, dass auch schon letztes Jahr gezeigt wurde, ich aber erst in diesem Jahr angefasst habe ist das Ableton Move. Ähnliches Prinzip: flaches, rucksacktaugliches Alu“brettchen“ mit ein paar Pads und Drehreglern, mit dem man unterwegs schnell mal ein paar musikalische Skizzen machen kann. Ebenfalls mit super Design und Hardwarequalität.

Ableton Move – Groovebox, bzw -brettchen als musikalisches Notizbuch

Ehrlich gesagt hätte ich das dieses Jahr wieder übersehen, wenn nicht ein Schild auf den Stand hingewiesen hätte. Denn was so aussah, wie irgendein Imbisswagen hinter den anderen Imbisswagen und Kaffeeständen, war tatsächlich eine Ausleihe. Man konnte sich dort das „Move“ für eine Stunde ausleihen und auf der Wiese damit rumspielen. Ziemlich charmante Idee.

Musikalischer Imbiss – „Bitte einmal Ableton Move“

Ich finde die Idee, jederzeit ein leichtes elektronisches Notizbuch dabei haben zu können, eigentlich sehr interessant. Nachdem ich nun also endlich einige Geräte dieser Art ausprobieren konnte, bin aber ich zu der etwas ernüchternden Erkenntnis gelangt, dass das irgendwie nicht mein Workflow ist. Genauso wenig wie Gestöpsel am Moularsynthesizer. Das finde ich zwar alles interessant, aber ich komme selbst so zu keinen befriedigenden Ergebnissen. Mein Ding scheint zu sein: Keyboard und Sequencer mit Instrumentenspuren.

Na gut, dann ist das eben so. Kommen wir also folgerichtig zu der nächsten Kategorie:

Spiel orientierte Tasteninstrumente

Die Tasteninstrumente, die ich ausprobieren konnte, teile ich für mich grob in zwei Kategorien: Sound orientiert und Spiel orientiert.

Kurzweil K2700 – sehr Spiel orientiert

Unter Spiel orientiert verstehe ich Geräte, die vergleichsweise bekannte Klangkategorien bedienen, aber sehr nuanciert zu spielen sind und dadurch „natürlicher“ klingen. Ein gutes Beispiel ist das Kurzweil K2700. Dieses Keyboard bietet zwar überwiegend konventionelle Klänge, wie Streicher oder Pianos, diese aber in hervorragender Qualität und dank einer tollen 88 Tasten Klaviatur sehr natürlich und ausdrucksstark spielbar.

Dirk am C25 von Nonlinear Labs

In eine ähnliche Richtung geht die Berliner Instrumentenmanufaktur Nonlinear Labs mit ihrem neuen C25. So wie ich es verstanden habe, ist es die Bühnenversion ihres bereits bekannten Edelinstruments C15, das für besonders ausdrucksstarkes Spiel geeignet ist.

Sound orientierte Tasteninstrumente

Unter Sound orientiert verstehe ich Geräte bei denen der Schwerpunkt in der möglich einfachen und/oder komplexen Manipulation des Klangcharakters liegt. Dafür ist die Art der der Klangsynthese (z.B. subtraktiv, additiv, granular), welche Oszillatoren, Filter und Modulationsmöglichkeiten vorhanden sind und wie intuitiv sich das während des Spiels verändern lässt, wichtig. In den letzten Jahren bin ich immer mehr zu einem Freund klassischer subtraktiver Klangsynthese geworden.

Ich konnte die viel gelobten Modelle Super 8 und den brandneuen DMNO von UDO Audio aus Bristol ausprobieren. Obwohl ich die Drehregler etwas schwergängig fand, ist die Qualität der Hardware über jeden Zweifel erhaben. Das ungewöhnliche Konzept des DMNO machte mir die Bedienung rätselhaft und der Klang des Super 8 ist zwar sehr gut, aber für meinen Geschmack etwas zu brav. Beides sind sehr gute Instrumente, auch wenn sie mich nach kurzem Anspielen nicht voll abgeholt haben. Möglicherweise wäre das mit etwas mehr Zeit und Muße anders gewesen.

Aus irgendeinem Grund, werde ich von den Instrumenten von Dave Smith und Tom Oberheim mehr angesprochen. Mittlerweile sind Sequential und Oberheim dieselbe Firma und häufig gibt es deren Instrumente in jeweils einer Sequential und einer Oberheim Variante (z.B. Oberheim TEO-5 und Sequential Take-5) die ähnlich aufgebaut sind, sich aber klanglich deutlich unterscheiden.

Ich habe den günstigen und genial klingenden Oberheim TEO-5 angespielt um herauszufinden, ob er mich noch immer so begeistert, wie beim ersten Mal (Spoiler: Ja). Der Sound ist Oberheim typisch kräftig. Die Bedienung ist logisch. Ich fand sofort alle wesentlichen Klangparameter um sie während des Spielens ändern zu können. Die Qualität der Regler und Tasten sehr gut und das Gerät ist für lediglich €1.500,- fast schon geschenkt. Wenn ich doch bloß etwas mehr Platz hätte…

Oberheim TEO-5 (Bild aus dem letztem Jahr)

Während ich darauf gewartet habe, dass der TEO-5 frei wird, hatte ich Gelegenheit, den Sequential Trigon 6 auszuprobieren, der mit €3.500,- eine Preisklasse höher angesiedelt ist. Das ist der letzte Synthesizer, an dem Dave Smith vor seinem Tod mitgearbeitet hatte. Auch hier war ich von Bedienung und Klang begeistert. Ich bevorzuge eigentlich den Klang der Oberheim Filter gegenüber denen von Sequential, aber auch diese Gerät ist eine Wucht.

Klingt super, ist klasse verarbeitet und leicht bedienbar – Sequential Trigon 6

Ich habe von den beiden Klassikern Oberheim OB-X und Sequential Prophet 5 Softwareemulationen. Für sich genommen klingen die auch toll, und sind super im Mix verwendbar. Aber jedes Mal, wenn ich ein echtes, physikalisches Instrument dieser Güte spielen kann, bin ich begeistert von der direkten Zugänglichkeit und der Qualität des Klanges – noch ein bisschen filigraner, noch ein Quäntchen mehr Druck und Oomph von unten.

Leider ist Hardware nicht nur teuer, sondern benötigt viel Platz und noch mehr Zeug, wie Kabel, Steckdosen, Mischpulte,…

* Seufz *

Andere Instrumente

Elektronische Musik kann man nicht nur mit Tasten spielen, programmieren oder mit Kabeln und Knöpfen zusammenstecken. Auf der Superbooth gab es auch elektronisches Schlagzeug, Blasinstrumente, oder Handschuhe(!) als Eingabemedium und diverse Tonabnehmer und Sensoren mit denen man Schwingungen von Holzklötzen, Pflanzen oder sonst was aufnehmen konnte.

Begehrt: Die elektronische Kalimba

Im Vergleich dazu fast schon wieder konventionell ist die elektronische Kalimba von Bastl Instruments. Im Vorfeld hatte ich schon einige Videos dazu gesehen und hier konnte ich dann auch tatsächlich damit spielen. Ich hatte zuvor bereits normale akustische Kalimbas gesehen, die mit Sensoren oder Tonabnehmern versehen wurden, aber diese ist anders. Man kann den Ton im Instrument selber ändern und es gibt sogar einen kleinen Arpeggiator, der automatische Tonfolgen abspielen kann.

Sehr interessant und eigen.

Bekannte Gesichter

Kurz etwas Namedropping: Die Superbooth ist mittlerweile eines der wichtigsten Branchenevents. In diesem Jahr habe erkannt: Herrn Schneider (der Veranstalter), Dieter Döpfer (Erfinder des Eurorack Formates für Modularsyntesizer) und Florian Pilz (Youtube Channel „Bad Gear“), sowie Stephan Schmitt und Tim Sund von der Berliner Synthesizermanukatur Nonlinear Labs. Aber wie man durch eine kurze Suche bei Youtube sehen kann: Eigentlich waren fast alle da.

Fazit

War wieder Klasse. Viel schönes Zeug gesehen, gehört und angefasst. Ambiente toll, Dirk erschöpft und fröhlich.

Superbooth klasse – Dirk fröhlich

Gerne nochmal!