Am Wochenende vom 7. bis 9. Februar fanden wieder die Berliner Motorrad Tage in den Hallen der Station am Gleisdreieck statt. Trotz Sturmwarnung für den späten Sonntag Nachmittag haben Sonne und 12 Grad viele Besucher dazu veranlasst hat, selber mit dem Motorrad anzureisen.
Leider fehlten auch diesmal wieder Honda, Harley Davidson, Royal Enfield und Zero. Schade. Dennoch war das Angebot an interessanten Motorrädern wieder groß. Auch diesmal gab es beim Probesitzen für mich die eine oder andere Überraschung und ich habe mich tatsächlich auch für mehrere Probefahrten angemeldet.
Von Suzuki werde ich hoffentlich am 10 Mai beim Motorradgottesdienst in Friedrichswalde die eine oder andere Maschine zur Probe fahren. Auch wenn es seit Jahren keine echten Neuheiten mehr von der Firma gibt: die Vierzylinder sind ja immer noch echte Sahnestücke.
Von Triumph finde ich die komplette Modellpalette klasse. Egal welches Modell – stilsicher bis zur letzten Schraube. Optisch spricht mich zwar die Klassik Linie am meisten an, am Ende habe ich mich aber für eine Probefahrt auf der neuen Street Triple RS angemeldet. Ich bin einfach auf diesen legendären Dreizylinder gespannt. Und auch diese Maschine glänzt mit wunderschönen Detaillösungen und einem extrem gelungenen Finish.
Klassische Schönheit: Triumph Bonneville T120Truimph Thruxton RS: Klassisches Design, Materialauswahl, Verarbeitung – zum Niederknien.Triumph Street Triple RS: Mein Kandidat für eine Probefahrt
Ich bin eigentlich kein Fan von BMW – weder bei Autos, noch bei Motorrädern: Zuviel Klimbim und Schnickschnack. Aber da BMW die meisten Motorräder in Berlin baut, gebe ich dem Stand einen Heimatbonus und schau mal drüber. Etwas unerwartet und überraschend war, dass ich die neue BMW F900XR nicht uninteressant fand. Nicht so ein überladener Riesenklumpen, wie die große GS 1250, sondern ein Tourensportler mit super Sitzposition. Probefahrt folgt.
Gold geht gar nicht! Aber die Sitzposition war super.
Wenn sich die Gelegenheit schon mal bietet, nimmt man auch gerne auf Maschinen Platz, die nicht unbedingt dem eigenen Beuteschema entsprechen (zum Beispiel Sportler). Dabei hatte ich auch die eine oder andere Überraschung:
Mit ihrer Bikini-Verkleidung liegt die APRILIA Tuono V4 Factory irgendwo zwischen Supersportler und Nakedbike. Die 175PS aus dem 1100ccm V4 Motor verheißen Wahnsinn. Dafür sitzt man verblüffend zivil auf der zierlichen Maschine. Material, Design und Verarbeitung sind über jeden Zweifel erhaben. Auch wenn das definitiv nichts für mich ist – ein wunderschönes Stück italienischen High-End Maschinenbaus für €20.000,-
Aprilia Tuono V4 Factory: Schönheit mit HalbschaleAprilia Tuono V4 Factory: Sehr schlank trotz Extrempower
Bei Ducati hatte ich letztes Jahr auf einigen Scrambler Modelle zur Probe gesessen und war etwas ernüchtert. In diesem Jahr habe ich ein Modell anvisiert, dass ich zwar optisch schön finde, das mich mit dem Namen „Supersport“ jedoch eher abgeschreckt hat.
Nun – der Name ist etwas irreführend. Die Ducati Supersport sieht mit ihrer Verkleidung zwar recht sportlich aus und ist mit dem 937ccm großen und 110PS leistenden Motor auch sicherlich kein Schwächling, aber zur echten Supersportlerin Panigale V4S mit sage und schreibe 214 PS fehlt dann doch noch so einiges. Die ausgestellte Maschine gab mit den montierten Seitenkoffern dann auch den richtigen Hinweis: Sie ist ein Sporttourer – für Singles. Die Sitzposition ist zwar schon etwas nach vorne gebeugt, aber noch sehr zivil. Fun Fact: Es gibt sie auch mit 48PS für A2 Führerscheininhaber.
Ducati Supersport – eher ein Sporttourer
Elektroantrieb kam ein wenig zu kurz. Zero fehlte und da Harley Davidson ebenfalls nicht vertreten war, gab es auch keine Livewire zu sehen. Aber Energica war mit einem Stand vertreten. Die Italiener zeigten verschiedene Modelle. Auf der Energica Eva konnte ich dann auch Platz nehmen. Sie sieht aus, wie ein normales, kräftiges Motorrad. Und das ist sie auch. 145PS, krasse 200Nm Drehmoment. Natürlich hat sie weder Kupplung, noch Schaltung, was sich zunächst etwas seltsam anfühlt. Leider hat sie noch einige der typischen Nachteile von Elektrofahrzeugen: Hoher Preis, hohes Gewicht und geringe Reichweite. Je nach Modell und Ausstattung liegen die Energica Modelle zwischen €24.000 und €30.000,-. Das Gewicht von ca. 260Kg merkt man schon, sobald man die Maschine etwas ankippt. Immerhin hat sie einen Rückwärtsgang, der beim Rangieren helfen kann. Die Reichweite ist mit „bis zu 200km“ angegeben. Laut mehreren Berichten sollen ca. 130km realistisch sein. Immerhin verfügt die Maschine über eine Typ 2 Ladebuchse und kann daher an Ladesäulen für E-Autos in ca. 20min voll geladen werden.
Energica Eva
Ich habe die Triumph Rocket III zum ersten mal live gesehen und war platt. Die Maschine ist ein Monster. Ein Dreizylindermotor mit 2,5 Liter Hubraum. 300Kg. Drehmoment wie ein kleiner Traktor. Völlig sinnbefreit, aber lustig. Würde ich nie fahren – aber aufsitzen musste ich aus Neugier doch mal. „Gelandet“ bin ich in einem englischen Clubsofa. Unfassbar bequem. Zum Ohrensessel am Kamin fehlt da nicht mehr viel.
Triumph Rocket III R
Am Stand von Yamaha habe ich auf drei Modellen Probe gesessen. (Sorry für die blöden Bildausschnitte – der Stand war sehr eng und voll.)
Zunächst habe ich auf der Yamaha MT 09 SP Platz genommen. Das Naked Bike ist mit einem kraftvollen Dreizylindermotor und Öhlins Fahrwerk für nur €10.300 fast schon ein Schnäppchen. Leider zwingt sie einen mit dem breiten Lenker in eine sehr seltsame Sitzposition, irgendwo zwischen Sportler und Enduro.
Yamaha MT 09 SP
Sehr viel angenehmer war die Sitzposition auf der Yamaha Tracer 900 GT, die denselben Dreizylindermotor hat, aber als Tourenmotorrad ausgelegt ist. Man sitzt dort höher, aufrechter und recht bequem.
Noch aufrechter, aber nicht ganz so bequem ist die Yamaha Ténéré 700. Die vielgelobte Neuheit aus 2019 huldigt dem Prinzip „weniger ist mehr“ und ist weniger für den Toureneinsatz, sondern eher für Abstecher ins Gelände gedacht. Durch die langen Federwege ist sie sehr hoch. Es ist die erste Maschine auf der ich die Knie nicht anwinkeln muss, wenn ich die Füße auf den Boden stelle. Nichts für kleine Menschen!
Yamaha Ténére 700 (vorne) und Tracer 900 GT (hinten)
…und sonst so?
Ansonsten gab es wieder alles Mögliche rund um das Motorradfahren: Klamotten jeglicher Art, Schuhe und Stiefel, Helme, Handschuhe èn Masse. Polizei und Bundeswehr waren vertreten, Stände an denen Fahrsicherheitstrainings angeboten wurden und andere, mit Touristischen Angeboten für Motorradfahrer. Clubs stellten sich vor, Motorsport verschiedenster Art (Speedway, Dragster, Kindercross, usw.).
Custom Showbike bei BMW mit dem neuen 1800er Boxermotor
Ich habe herumgeschaut, ob ich Leute aus der Berliner Moto-Vlogger Szene erkenne. Die „jungen Wilden“ wie Dukein oder Kawaque habe ich nicht gesehen, aber Pepe Lila. Sie war allerdings im Gespräch und daher habe ich sie nicht angesprochen.
Viele fröhliche Farben bei Vespa
Als ich dann Nachmittags wieder aus der Station rauskam und das Wetter noch immer freundlich war, musste ich natürlich noch eine kleine Runde fahren. Nachdem ich an diesem Tag so viele interessante und hübsche Maschinen gesehen und angefasst habe – meine Suzi gefällt mir noch immer. Auch wenn ich die eine oder andere Probefahrt im Frühjahr machen werde, glaube ich nicht, dass ich sie so schnell eintauschen werde.
Dirk Ollmetzer | Samstag, 1 Februar 2020 | Misc, Umwelt
Das Umweltbundesamt bietet einen CO2 Rechner an, mit dem man ziemlich gut seine eigene CO2 Bilanz schätzen kann. Dabei werden die wesentlichen Daten zu Wohnung, Heizung, Stromverbrauch, Mobilität, Ernährung und sonstigem Konsum abgefragt.
Von diesem Angebot (https://uba.co2-rechner.de/de_DE) habe ich gleich mal Gebrauch gemacht. Der Deutsche Durchschnitt liegt momentan bei 11,61 Tonnen CO2 pro Jahr. Und siehe da – obwohl ich ein dickes Auto habe und Fleischesser bin, liege ich mit 9,22 Tonnen CO2/Jahr spürbar darunter.
Meine geschätzte CO2 Bilanz für 2019
Aber jetzt fängt der Spaß ja erst an. Das schöne an solchen Tools ist es, dass man verschiedene Szenarien vergleichen kann. Daher habe ich auch mal andere Jahre durchgerechnet, in denen ich anders gelebt habe als heute und verglichen. Dabei habe ich festgestellt, dass ich mit etwas auf- und ab in den letzten Jahren immer besser geworden – nämlich um ca. 57% seit 2000. Das klingt zunächst toll, ich kam allerdings von einem sehr hohen Niveau. Für das Jahr 2000 habe ich 21,56 Tonnen CO2 ausgerechnet. Laut Statista hat sich im selben Zeitraum die Pro Kopf Emission in Deutschland um 16,5% reduziert. Statista legt allerdings niedrigere absolute Zahlen als das Umweltbundesamt zu Grunde.
Meine geschätzte CO2 Bilanz für 2000
Erkenntnisse aus dem Vergleich 2000 und 2019
Lässt sich aus dem Vergleich meiner Werte für die unterschiedlichen Jahre irgendeine Erkenntnis gewinnen? Zunächst stellt sich die Frage, was 2000 so schlecht war. Im Wesentlichen sind es die folgenden Punkte:
Berufsbedingte Flüge. Damals bin ich als Berater fast jede Woche nach Zürich geflogen. Am Montagmorgen hin und am Donnerstagabend zurück.
Dazu kommen noch mal 15.000 Km mit dem Auto. Ich bin damals sehr gerne zum Entspannen am Wochenende nach Pommern aufs Land gefahren oder habe meine Familie. Das waren jeweils 300Km Strecke.
Ich habe in Berlin alleine gewohnt und hatte recht viel alte stromfressende Technik im Einsatz.
Im Gegensatz dazu habe ich mir 2019 nur einen Urlaubsflug nach Italien gegönnt. Mit dem Auto bin ich nur sehr wenig gefahren und kürzere Fahrten habe ich häufig mit dem verbrauchsgünstigeren Motorrad anstelle des Autos zurückgelegt oder habe die Öffentlichen genutzt.
Ein großer positiver Posten in der 2019er Bilanz ist auch, dass ich mir die Wohnung mit einer anderen Person teile und dennoch der Stromverbrauch um 42% geringer ist als 2000. Moderne Technik seit dank.
Nachtrag
Alles ist relativ. Zwar liegen mein CO2 Emissionen mit 9,2t etwas unter dem Schnitt in Deutschland und 40% unter dem Schnitt in den USA, aber immer noch doppelt so hoch wie im weltweiten Schnitt und ca. 4 mal so hoch, wie sie es maximal sein dürften, um den Klimawandel zu stoppen.
Dirk Ollmetzer | Sonntag, 26 Januar 2020 | Uncategorized
Wir, die ach so aufgeklärten westlichen Gesellschaften sollten uns dringend mal mit einem unserer größten Tabus unterhalten – den Tod. Das Thema verdrängen wir alle gekonnt so weit wie es geht. Die Aussicht auf den Tod – weder auf den eigenen, noch auf den von geliebten Wesen – halten wir mental nicht aus. Und daraus folgen einige sehr merkwürdige und unangenehme Haltungen und krudes Anspruchsdenken.
Mein aktueller Aufreger – die Debatte zur Organspende
Konkret meine ich die gerade zurückliegende Debatte über Organspenden anlässlich einer Gesetzesvorlage von Herrn Spahn.
Es hat mich fassungslos gemacht, wie die öffentliche Debatte ablief. Insbesondere, da hier wieder – wie leider momentan in fast jeder Debatte – Fakten nur sehr einseitig berichtet wurden und ansonsten mit fragwürdiger Moral ein gewisser Druck aufgebaut werden sollte.
Worum ging es?
Wir haben aktuell keine Regelungslücke zum Thema Organspende in Deutschland. Organentnahme ist verboten, es sei denn, der Spender hat sich zu Lebzeiten aktiv und nachweisbar dafür ausgesprochen. Es wird also vorausgesetzt, dass sich die Spender bewusst mit dem Thema auseinandergesetzt haben.
Der Gesetzentwurf sah jedoch vor, dass jeder der nicht ausdrücklich und offiziell widersprochen hat automatisch potentieller Organspender ist – also ggf. auch gegen seinen Willen oder gegen den Willen seiner Angehörigen am Sterbebett.
Meine Reaktion, als ich zum ersten mal davon gehört hatte: Ich glaub es hackt!
Menschen sind doch keine Ersatzteillager!
Wir haben gerade so viele Debatten darüber, wie man die Natur, die Tiere, Menschen mit anderer Hautfarbe, Sexualität und Religion etc. endlich mit Respekt behandelt – und dann so etwas?
Als ob es eine moralische Pflicht wäre, seine Organe zur Verfügung zu stellen. Was kann denn noch übergriffiger sein, als jemandem seine Organe zu entnehmen, der dem nicht ausdrücklich zugestimmt hat? Jedoch hat dieser inszenierte „moralische“ Druck im Bundestag nicht funktioniert. An dieser Stelle mein herzlicher Dank an die Abgeordneten.
Wo ist das Problem?
Wenn wir aktuell eine gute gesetzliche Grundlage haben – weshalb wurde der Anlauf zu Änderung unternommen? Die offizielle Begründung liest sich ungefähr so:
„In Deutschland warten zur Zeit todkranke 9.000 Menschen dringend auf ein Spenderorgan. Leider gibt es zu wenige Organspender. Daher muss die Zahl der potentiellen Spender erhöht werden.“
Da kann man doch nicht dagegen sein.
Ähm – doch. Ich stelle sogar schon mal das Ziel an sich in Frage. Doch bevor ich das näher begründe, würde ich die gleiche Ausgangssituation mal etwas anders formulieren:
„9.000 todkranken Menschen und ihren Angehörigen wird in Deutschland durch die Apparatemedizin die Hoffnung auf Weiterleben suggeriert – wenn man nur genügend andere todkranke Menschen gleich nach ihrem Hirntod – aber noch vor dem körperlichen Tod – auseinandernehmen könnte.“
Derselbe Sachverhalt – aber etwas anders formuliert. Klingt nicht mehr so toll. Da kann man doch nicht dafür sein, oder?
An dem o.g. Gedankenspiel wird deutlich, dass die Frage keinesfalls einfach ist und eigentlich auch nicht moralisch beantwortbar. Es hat halt jeder seine eigene Moral. Hätten das alle so offen gesagt, wäre alles in Ordnung. Der Bundestag hat das auch respektiert und darum wurde in dieser Frage der Fraktionszwang aufgehoben.
Aber jetzt kommt der unseriöse Teil, der mich aufregt.
Die Kampagne
In diversen Publikationen wurde die Entscheidung des Bundestages als moralische Niederlage aufgefasst. Den Menschen, die keinen Organspendeausweis haben wurde unterstellt, dass sie nur zu faul und zu egoistisch seien und es deshalb gerechtfertigt sei, sie zu einer Entscheidung zu zwingen.
Was für eine Arrogante Überheblichkeit.
Als Beleg wurde angebracht, dass sich in Umfragen 85% positiv zu Organspenden geäußert hätten, aber „nur“ 36% der Deutschen einen Organspendeausweis hätten.
Kurzer Exkurs zum Thema Umfragen: Zum Einen gibt es einen Effekt, dass Menschen nicht ihre echte Meinung äußern, sondern das, was sie für sozial erwünscht halten. Zum anderen sehe ich in diesen Zahlen keinen Widerspruch. Man kann etwas grundsätzlich positiv bewerten und trotzdem für sich selbst etwas anderes wünschen. Ich stehe zum Beispiel der Müllabfuhr positiv gegenüber, möchte aber selber nicht als Müllmann arbeiten.
Es gibt in den Zahlen also keinen Widerspruch und 36% potentielle Organspender halte ich für eine wahnsinnig hohe Zahl. So hoch, dass ich bezweifele, ob allen bewusst ist, was das im Ernstfall bedeutet.
Moral und Würde und Tod
Ein großes Thema sind seit Jahren die zunehmende Zahl von Patientenverfügungen. Immer mehr Menschen wünschen sich, in Würde sterben zu können – ohne an Maschinen in der Intensivstation angeschlossen zu sein.
Das schließt eine Organspende schon mal aus, weil die Entnahme von Spendeorganen nur in der extrem kurzen Zeitspanne zwischen Hirntod und organischem Tod möglich ist.
Oder – man stelle sich vor, dass möglicherweise noch Angehörige beim Sterben anwesend waren und die Ärzte schon auf die Uhr schauen, wann sie endlich mit der Organentnahme beginnen können, weil die Zeit knapp ist.
Meine Moral
Da ja so viel von Moral die Rede war – ich habe auch eine.
In den vergangenen Jahre habe ich mich aus verschiedenen Gründen gedanklich sehr intensiv mit dem Tod beschäftigt. Vor fünf Jahren ist meine Mutter gestorben – mit nur 63 Jahren. Mehrere mir nahestehende Personen sind schwerkrank und bereits dem Tode geweiht, obwohl sie noch relativ jung sind. An meinem letzten Geburtstag habe ich daran gedacht, dass ich mit meinen nun 52 Jahren nun bereits älter als mein Großvater und mein Vater geworden bin. Und als ich vor zwei Jahren den Entschluss gefasst hatte, meinen Motorradführerschein zu machen, habe ich mir die Frage „Was wäre wenn…“ gestellt.
Der Tod ist immer tragisch – aber er ist ist in jedem Fall unausweichlich. Ohne den Tod kann kein Leben existieren. Die Frage ist nicht ob, sondern wie.
Als ich das nicht nur im Kopf verstanden, sondern tief im inneren gefühlt und schweren Herzens akzeptiert hatte, dass wir alle nur auf Abruf auf der Welt sind, fühlte ich mich freier. Ich habe lange gebraucht um zu diesem Punkt zu kommen. Und dann stellt sich die Frage nach Organspende einfach nicht mehr. Ich halte sie schlichtweg für falsch.
Wenn ich religiös wäre würde ich das so ungefähr so begründen: „Der Mensch soll Gottes Wille respektieren“.
Nur – ich bin nicht religiös. Aber ich habe erst vor kurzem wirklich verstanden, was mir ein guter Freund vor 25 Jahren gesagt hatte. Damals war er frisch gebackener Arzt und hat auf den Onkologie gearbeitet. Er sagte sinngemäß: „Die Patienten fragen mich immer wie lange sie noch leben. Dabei ist die wirklich wichtige Frage nicht wieviel Zeit, sondern wieviel Lebensqualität ihnen noch bleibt.“
Oder kurz gesagt: Es geht um die Würde im Tod. Und die Würde wird m.E. sowohl den Organspendern, als auch den Empfängern genommen.
Das ist meine Moral. Sie ist vielleicht nicht besser, aber ganz bestimmt auch nicht schlechter, als die von anderen.
Fazit
Es gibt keine moralische Pflicht, sich nach seinem Tod ausweiden zu lassen. Falls man dem zustimmt, ist das eine ungeheuer barmherzige Geste. Das sollte aber bewusst geschehen und sollte mit den Angehörigen abgestimmt sein.
Umgekehrt hat niemand der o.g. 9.000 wartenden ein Recht auf ein Spenderorgan. Wenn er eine passendes bekommt und die Transplantation überlebt (was ja auch nicht selbstverständlich ist) ist es eine unfassbar große Gnade.
In diesem Sinne ist es so, wie es jetzt ist genau richtig.
Von jemandem, der sich Journalist nennt, erwarte ich ein paar Dinge. Am wichtigsten sind mir, dass er/sie zwischen Bericht und Kommentar unterscheiden kann. Ein Bericht hat möglichst neutral die Situation zu beschreiben und die Einordnung und Wertung kommt dann bitte in den Kommentar. So hat man das ja auch schon in der Schule gelernt (hoffe ich). Zudem erwarte ich zumindest etwas Gespür für Sprache.
Stattdessen bekommt immer häufiger nur noch platte Meinungen, schlecht recherchierte Inhalte, sprachliche Schlampereien und irreführende Überschriften. Am „liebsten“ sind mit die Belehrungen darüber, was man nicht mehr sagen und schreiben darf. Eine Zeitlang war auf Zeit alle paar Tage ein neuer Artikel zu lesen, dessen Titel mit „Hort endlich auf …“ begann. In der Regel konnte man das Geschreibsel unter „mimimi…“ zusammenfassen.
Es hängt mir so zum Hals raus.
Das Problem dabei ist, dass dieser minderwertige Mist nicht mehr nur im lokalen Käseblatt steht, sondern in Publikationen, die ich früher mal als seriös angesehen habe (Spiegel, Zeit,…). Ich werde mich jetzt mal in lockerer Folge über solche Machwerke berichten.
Aktueller „Qualitätsjournalismus“ vom Tagesspiegel:
Dort schreibt Stefan Jacobs, wie seiner Meinung nach Polizeimeldungen Autounfälle verharmlosen. Dabei stört er sich an gebräuchlichen Standardformulierungen wie „… konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen“.
Für Jacobs ist diese Formulierung verharmlosend. In den genannten Beispielen wurden Fußgänger angefahren. Das ist zweifellos tragisch, aber was bitte ist an der Formulierung falsch?
Der Fahrer konnte nicht mehr bremsen. Ist doch logisch. Hätte er es noch gekonnt, wäre kein Unfall passiert. Neutraler kann man den Sachverhalt doch nicht darstellen. Wohlgemerkt – es geht hier um Polizeiberichte!
Weiter stört er sich daran, dass bei einem anderen Unfall der Fahrer bei der Ausfahrt einen Fußgänger angefahren hat, dass der Fußgänger „übersehen“ wurde.
Wieder die Frage: Was ist falsch an dem Wort? Ich möchte doch schwer hoffen, dass der Fußgänger nicht angefahren wurde, obwohl er wahrgenommen wurde.
Jacobs versteigt sich hier zu der Formulierung „Übersehen“ meint eigentlich „missachten“.
Spätestens hier zeigt er, dass er entweder kein Sprachgefühl, mangelhaftes Verständnis für Inhalte oder schlicht eine Agenda hat. Darauf komme ich gleich zurück.
Was er schreibt ist inhaltlich natürlich Quatsch. Zwischen Übersehen und missachten liegen Welten. Wenn man etwas übersieht, hat man es nicht gesehen oder wahrgenommen (dazwischen liegt auch nochmal eine deutliche Unterscheidung). Wenn man hingegen etwas missachtet, hat man es gesehen und wahrgenommen, aber z.B. die Situation falsch verstanden (Klassisch: Vorfahrtsschild nicht gesehen.
Offensichtlich hat er dazu den Polizeisprecher Cablitz gesprochen, der ihm die Formulierungen erklärt hat. Sie müssen so neutral wie möglich beschreiben, was passiert ist und dürfen auf keinen Fall bereits die mögliche Schuldfrage behandeln. Wer schon mal in einen Unfall verwickelt war, weiß auch weshalb: Die Schuldfrage wird im Anschluss juristisch geklärt.
Die Polizei macht das also genau richtig!
Das hat Jacobs entweder nicht verstanden, oder er will es nicht gelten lassen. Etwas herablassend gibt er zu, dass die „Darstellung der Polizei kein böser Wille“ sei, „sondern die gedankenlose Dokumentation der Perspektive, die Polizeibeamten mit Berufserfahrung aus dem Streifenwagen die vertrauteste ist.“
Harter Tobak. Das muss man erst mal setzen lassen.
Daraus, dass die Beamten völlig korrekt um eine größtmögliche Neutralität bemüht sind genau das Gegenteil zu machen, ist schon ein ziemlicher Stunt und in meinen Augen mindestens unseriös.
Das führt mich zurück zu der Frage, was für diesen Artikel ursächlich ist.
Mangelndes Sprachgefühl, inhaltliches Nichtverstehen oder fehlende Einsicht in die juristischen Gründe für die Formulierungen können spätestens nach dem Gespräch mit der Polizei nicht der Grund sein, weshalb dieser Artikel geschrieben wurde.
Nein, der Herr hat eine Agenda.
Er schreibt ständig zu den tödlichen Unfällen in Berlin. Ja, es sind zu viele. Ja, es müsste mehr gemacht werden. Aber ich erwarte Sachlichkeit und keine Stimmungsmache. Stattdessen lese ich Überschriften wie: „Über 80 Prozent kommen ungestraft davon – Warum Fahrerflucht in Berlin nur selten angeklagt wird „, “ Tod einer Radfahrerin in Berlin – Willkür und Symbolik statt echter Konsequenzen „, “ Abbiegender Lkw überfährt Radfahrerin – Wut und Trauer bei Mahnwache in Kreuzberg “ und “ Weihnachten ohne Constantin – Eine Mutter trauert um ihren Sohn, der vom Lkw überrollt wurde“.
Und die Artikel sind genauso, wie es die Überschriften nahelegen – emotional und parteiisch. Es wird eine „Autos und LKW raus aus der Stadt“ gefordert.
Ich finde es ehrlich gesagt widerlich, wie Tod und Leiden hier für eine politische Agenda missbraucht werden. Propaganda ist hier fehl am Platz. Niemand möchte einen anderen Menschen totfahren. Dass es hier dennoch ständig passiert hat Gründe. Die muss man nüchtern untersuchen und dann abstellen.
Kleiner Denkhinweis: Fast alle in letzter Zeit gestorbenen Radfahrer sind durch Rechtsabbieger überfahren worden. Wenn man sich die neuralgischen Kreuzungen ansieht versteht man auch schnell wie es dazu kommt: Rechtsabbiegende Kraftfahrzeuge fahren links von geradeausfahrenden Radfahrern. Das ist immer eine gefährliche Situation. Es gibt zwei Lösungsmöglichkeiten, die je nach örtlicher Gegebenheit helfen können: Verschwenken der Fahrbahnen, damit die Rechtsabbieger rechts vom geradeaus fahrenden Verkehr zum Stehen kommen oder zeitlich getrennte Grünphasen für Abbieger.
Und es werden auch immer mehr Kreuzungen entsprechend umgebaut. Ja, das könnte gerne noch schneller gehen, aber es mitnichten so, dass hier nichts passieren würde. Ich würde übrigens gerne mal einen Artikel darüber lesen, an welchen Stellen die Umbauten bereits Erfolge gebracht haben.
Ehrlich gesagt verstehe ich diese blöde Diskussion um Tempolimits auf Autobahnen nicht. Macht die Richtgeschwindigkeit von 130 Km/h zur Höchstgeschwindigkeit und gut ist.
Mit 130 kommt man auf einen guten Schnitt, das Auto verbraucht nicht soviel und der Verkehr fließt viel entspannter. Und es ist trotzdem nicht so schnarchlahm wie damals die unsäglichen 100 durch die DDR, wo man ständig gegen das Einschlafen kämpfen musste.
Ich habe zur Zeit ein ziemlich schnelles Auto. Einer der Gründe für den Kauf war, dass ich den Stress leid war, den man mit weniger stark motorisierten Fahrzeugen auf der Autobahn hat: Zu schnell für die rechte Spur und zu langsam für die Linke. Wenn 130 eingeführt wird, kann man endlich wieder abrüsten und entspannt vernünftige Autos fahren, wie z.B. den Toyota Hybrid oder ein Elektroauto. Das senkt dann den Verbrauch auch abseits der Autobahn.
Das ist kein modisches Gequatsche. Diese Meinung hatte ich schon lange bevor irgendjemand etwas von Tesla gehört hat und die deutschen Automanager noch schwafelten, dass sie auch in 35 Jahren noch Autos mit Benzin- und Dieselmotoren verkaufen würden. In einem Artikel vom 12 März 2007 schrieb ich in diesem Blog:
„Ich würde gerne auch in 25 Jahren noch Auto fahren können. Das wird aber vermutlich nur gehen, wenn die Autos bis dahin anders geworden sind. Ich meine WIRKLICH ANDERS! Es geht hier nicht um 20% weniger Benzinverbrauch und Euro 9 Abgasnorm. Das ist alles Kokolores. Ich rede von Autos, die (in welcher Form auch immer) völlig mit regenerativen Energien angetrieben werden.“
Ich hab damals auch schon Probleme vorhergesagt, in die die deutsche Automobilindustrie durch ihre tranige Selbstzufriedenheit jetzt hinein schlittert.
„Wo sind die umweltschonenden Antriebe für das Jahr 2010/2011? […] Die Zeit wird knapp. Sowas schüttelt man sich nicht aus dem Ärmel und der Markt ändert sich rasch. […] Ich könnte mir z.B. gut vorstellen, 2011 einen Elektro-Roadster von Samsung zu fahren…“
Gut, ich habe mich um 10 Jahre vertan und Samsung baut keine Autos, sondern „nur“ die Akkuzellen dafür, aber dass so ein Umbruch kommen würde war absolut absehbar.
P.S.: Tempolimit ja bitte. Aber nicht so einen Schmarrn einführen, wie „intelligente situationsabhängige Tempolimits“. Die Dinger sind die Pest, weil man die Anzeigen nie nachvollziehen kann.
Ich hatte auf der A2 schon mehrfach Beinahe-Auffahrunfälle, weil jemand kurz vor einem Blitzer eine völlig unnötige Vollbremsung aus 140 Km/h gemacht hat. Man konnte förmlich die Denkblase über dem Auto sehen: „Ähhh, was stand da vorne auf dem letzten Schild???“
130 überall und jederzeit – dann weiß man stets Bescheid.
Der 36C3 ist zu Ende. Ich bin wieder in Berlin. Und zwar schon etwas länger, denn ich bin zwei Tage früher abgereist. Ausschlaggebend waren dafür zwei Gründe: gesundheitliche Beeinträchtigungen und politisches Unwohlsein meinerseits.
Ich gehe nun schon seit fast 20 Jahren hin- und wieder auf Veranstaltungen des CCC und meistens war ich begeistert oder zumindest positiv angeregt. Diesmal ging mir das politische Grundrauschen ganz gehörig auf den Senkel. Ich habe bemerkt, dass ich mit dem Eindruck nicht alleine bin und ich befürchte, dass der Club damit so langsam ein echtes Problem bekommt. Und das wäre fatal, weil ich ihn für eine wichtige Institution in Deutschland halte.
Immer noch wichtig und klasse
Aber bevor ich zu meiner Kritik komme, möchte ich sagen, dass ich die Veranstaltung eigentlich immer noch wichtig und klasse finde.
Wichtig, weil immer wieder Dinge für die breite Öffentlichkeit aufgedeckt werden, die andere gerne unter den Teppich kehren würden. In diesem Jahr zum Beispiel die Probleme mit der elektronischen Patientenakte oder die letzten Verschlimmbesserungen im elektronischen Zahlungsverkehr.
Wichtig für die Leute, die schon ein bisschen was von der Technik verstehen und sich für die neuesten Erkenntnisse zu Sicherheitsproblemen in Hardware, Software und Dienstleistungen interessieren.
Wichtig auch, weil man dort ganz entspannt mit Szenegrößen in Kontakt kommen kann.
Klasse, weil die ganze Veranstaltung im Prinzip ein einziges großes, entspanntes Happening ist. Mit bunten Lichtern, tonnenweise Nerd-Humor, schrägen Basteleien und Loungemusik.
„Berliner Ecke“ mit CCC Berlin, C-Base und X-Hain
Auch die Retro-Ecke war zu meiner Freude gut bestückt. Zwei schrankgroße DEC PDP-8 Rechner aus den frühen 70ern waren zu sehen – mit TELEX– und Videoterminals. Es wurde Datenübertragung per Modem über analoge Telefonvermittlungsanlagen gezeigt. Unter anderem war ein Mailboxsystem in Betrieb.
Nicht zuletzt gab es mehrere BTX Terminals aus den 80er Jahren zu bestaunen, die im Betrieb waren. Per Reverse Engineering und mittels noch vorhandener Originaldaten konnte der Betrieb gezeigt werden, obwohl der BTX Service bereits 2007 eingestellt wurde. Es gab Originalinhalte von 1984 zu sehen, darunter den BTX-Hack mit dem der CCC vor 35 Jahren bekannt wurde.
Eines von mehreren BTX Terminals, die in Betrieb waren. Links: Hardcopy auf ThermopapierBTX in Aktion mit Originaldaten von 1984
Nicht so klasse
So weit so schön. Aber das Übermaß an politischer „Rotlichtbestrahlung“, wie es früher im Osten hieß ging mir gehörig auf den Zeiger. Zumal der Club hier so langsam den Fokus verliert.
Früher ging es um technische Fragen und darum welche Bedeutung die Technik für die Gesellschaft hat. Dabei war der CCC schon immer politisch links, aber staatstragend. Also Einsatz für den Erhalt von Bürgerrechten etc. Es ist kein Zufall, dass der Club bereits mehrfach vom Bundesverfassungericht als Gutachter angefragt wurde und das auch mit Bravour gemeistert hat.
Heute thematisiert man globale Menschenrechte / Feminismus / Seenotrettung, Rettung der Welt, you name it… Wichtige Themen – Wer sich entsprechend engagieren möchte, kann und soll das ja tun, aber in meinen Augen ist der CCC absolut der falsche Rahmen dafür. Damit verliert der Club seinen Fokus, verhebt sich inhaltlich auch und zumindest die beiden Vorträge, die ich gehört habe (einen zu Feminismus, einen zur Seenotrettung) fand ich einseitig und unausgegoren.
Na gut, es muss einem ja nicht alles gefallen. Aber als ich ein großes Transparent der Antifa in der Haupthalle gesehen habe und einige kleinere Aufrufe, Straftaten zu begehen (weil man sich moralisch im Recht fühlt) ist bei mit die Klappe gefallen. So etwas geht einfach gar nicht!
Ich habe in den frühen 90er Jahren ehrenamtlich in einem Berliner Jugendclub mitgearbeitet, der in bestimmten Kreisen als „Zeckenburg“ bezeichnet wurde. Wir hatten damals regelmäßig Angriffe von Rechtsradikalen. Als dann die Antifa ankam, um uns ihre „Hilfe“ anzubieten, haben wir dankend aber sehr bestimmt abgelehnt. Diese Haltung hat sich im Laufe der Zeit als goldrichtig herausgestellt.
Auch wenn mir nicht alles gefällt – mit „links“ kann ich umgehen. Genauso mit „konservativ“, obwohl mir dort erst recht nicht alles gefällt. Was ich aber niemals tolerieren werde sind Radikale – weder links, noch rechts, noch religiös, noch sonst was.
Der CCC bekommt da meines Erachtens gerade ein Problem, an dem er dringend arbeiten muss, falls er nicht das in 35 Jahren hart erarbeitete Renommee, sowohl in der Öffentlichkeit, als auch in der Fachwelt verlieren will. Oder er macht konsequenterweise das, was Apple seinerzeit vorgemacht hat: Er streicht das Wort „Computer“.
Jahresende 2019: Ich bin beim 36C3, dem 36. Jahreskongress des Chaos Computer Clubs. Der letzte Congress, den ich besucht habe war der 33C3, der noch im Hamburger Congress Centrum stattfand. In diesem Jahr bin ich das erst Mal in Leipzig dabei.
Der Ort ist anders, die Stadt ist anders und das Gefühl auch. Das beginnt bereits bei der Anreise. Das CCH steht mitten in Hamburg am Dammtor. In Leipzig ist der Kongress auf dem Messegelände am Stadtrand. Die meisten Besucher kamen morgens mit der knüppeldicke vollen Strassenbahn an, die Gott sei dank im 5min Takt fährt. Die Benutzung ist für Kongressteilnehmer frei. Dennoch ist der erste Eindruck ziemlich ähnlich zu einem normalen Messebesuch. Die Logistik um die heranströmenden Massen am Eingang abzufertigen war übrigens ganz hervorragend!
Die Massen strömen zum Messegelände
Im Hamburger Congress Centrum waren die Assemblies, Kuschelecken und Special Interest Stände labyrintisch auf den vielen verschachtelten Ebenen des Gebäudes verteilt. In Leipzig werden die Messehallen genutzt und daher findet fast alles auf einer Ebene statt. Vorteil: Es ist mehr Platz. Nachteil: Zu viele Leute fahren mit Kickboards zwischen den Menschenmengen durch. Das nervt.
Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Die Organistation ist extrem professionell und das Programm mal wieder hochkarätig.
Gleich der erste Vortrag den ich gesehen habe, beschäftigte sich mit der unerwartet schwierigen Aufgabe, eine Hardware herzustellen, die nachweisbar ohne Backdoors ist.
Der Vortragende ist eine Koryphäe auf dem Gebite: Andrew „Bunnie“ Huang zeigte tiefe Einblicke in die Supply Chain, Hardware Produktion, und bekannte Angriffe, mit denen unerwünschte Hardware in Produkte eingeschleust und versteckt werden kann. Er zeigte auch den teilweise extrem hohen Aufwand, der betrieben werden muss, um diese Manipulationen zu finden. Jedes hergestellte Boards zu röntgen reicht jedenfalls nicht aus.
Die Vortragsfolie zeigt die verschiedenen möglichen Angriffspunkte bei der Hardwareproduktion (Wiedergabe des Slides mit mündlicher Genehmigung)
Damit der Vortrag nicht zu theoretisch ist, zeigte „Bunnie“, wie mit den vorgetstellten Prinzipien ein mobile Messenger entwickelt wurde und noch wird, der nachweislich ohne Backdoors funktioniert. Detail zu dem Projekt können sind hier zu finden: https://betrusted.io/. Das Gerät sieht in etwas wie ein 20 Jahre alter Blackberry aus – aber das hat seinen Sinn.
Für jeden Hardwareteil erklärte er, weshalb es so ist wie es ist. Es hat also einen tieferen Sinn, dass ein S/W anstelle eines Farbdisplays verwendet wird, und eine physikalische anstelle einer Soaftwaretastatur verbaut ist. Der Inhalt seines Vortrages steht auf seinem Blog im Artikel „Can We Build Trustable Hardware?“ unter https://www.bunniestudios.com/blog/?p=5706 .
Um es zusammenzufassen: Neben der Kontrolle der Komponenten, der Toolchain ist die Frage, wie jeder einzelne Schritt, jede Komponente und letztendlich jedes einzelne Gerät verifiziert werden kann. Das geht am Besten durch gezielte Reduktion der Komplexität.
Mein Fazit: Vereinfachung und Reduktion aus Sicherheitsgründen
Danach habe ich „The Ultimate Acorn Archimedes Talk“ gesehen, in dem die Entwicklung des ersten RISC Homecomputers durch die britische Firma Acorn in den 80er Jahren beschrieben wurde. Es ging technisch ans Eingamchte: Die Besonderheiten der verschiedenen Hardwareversionen, des Betriebssystems und wieso die Design-Entscheidungen so und nicht anders getroffen wurden.
Am Ende war es eine Effizienzfrage. Wie bekommt man für möglichst wenig Entwicklungsaufwand und Produktionskosten die meiste Leistung. Die Antwort liegt in klarem, möglichst einfachem Design.
Mein Fazit: Vereinfachung und Reduktion aus Performance und Budgetgründen
Was damals gemacht wurde ist für uns heute übrigens hochrelevant, weil die Prozessoren, die heutzutage unsere Smartphones antreiben auf der damals entwickelten RISC Platform basieren. Aus dem Computerhersteller Acorn wurde der Prozessorhersteller ARM.
Beim Schlendern durch die Hallen fand ich ein laufendes Prototyp Board des Commander X16 – einem neuen 8 Bit Computer, den David Murray – bekannt durch seinen Youtube Kanal „The 8-Bit Guy“ initiiert hat. Davor saß Michael Steil, der auf früheren Kongressen mit seinen Vorträgen „The ultimate C64 Talk“ und „The ultimate Gameboy Talk“ tiefe Einblicke in die Besonderheiten der beiden Hardwareplattformen vermittelt hat. Er unterstützt Murray bei der Entwicklung (https://www.pagetable.com/?p=1373) und hat mir im Laufe des Gesprächs nahegelegt, den X-16 Emulator auszuprobieren, da bereits einige Leute Software für den neuen Computer schreiben, obwohl dieser noch gar nicht zu Ende entwickelt ist.
Commander X16 – Prototypboard
Mein Fazit: Vereinfachung und Reduktion aus – hmm – Spass. Und aus Freude, etwas schönes und sinnvolles zu erschaffen.
Daneben stand übrigens auch noch ein MEGA65 – der Nachbau eines Computers, den Commodore in den 80er Jahren als Nachfolger des Commodore64 vorgesehn, aber nie zu Ende entwickelt hatte. Vom Commodore 65 existieren nur einige wenige Vorserien-Prototypen.
MEGA 65 – Nachbau des Commodore 65
Und das ist ja auch der faszinierende Spirit des Kongresses. Dass hier Leute zusammenkommen, die massenweise interessanten Kram machen und Spass haben. Der Kongress ist nicht nur Kongress, sondern auch treffen von Bastlern und nicht zuletzt auch so eine Art Festival, was besonders am Abend deutlich wird. Überall steht cooles Zeug rum, alles blinkt, manches macht Töne und es gibt wie jedes Jahr einen Club, von dem sich so manche Kommerzdisko mehr als nur eine Scheibe abschneiden kann.
Hier sind noch ein paar optische Eindrücke:
„Cloud“ Animation. Per Videobeamer auf EierkartonsEin trojanisches Einhorn? Jedenfalls wechselt es laufend die FarbeSelbst die Mainhall wird nachts zum Lichtspektakel
Dirk Ollmetzer | Freitag, 20 Dezember 2019 | Gizmos, Retro
Auf meiner Wunschliste interessanter Computer, an denen ich gerne mal arbeiten würde steht seit ewigen Zeiten die PDP-11 von Digital Equipment.
Bei der PDP-11 Baureihe handelt es sich um eine Famile von 16 Bit Minicomputern (D.h. damals Kleiderschrankgröße), der in den 70er Jahren extrem erfolgreich war. Auch heute noch sind viele in Betrieb und mit Kontroll- und Steuerungaufgaben betreut, u.a. in der Kontrolle von Atomkraftwerken.
Diese Modellreihe ist aber nicht nur wegen ihrer großen Verbreitung und offenen Architektur historisch interessant, sondern u.a. auch deshalb, weil auf ihr das Betriebssystem Unix von Ken Thompson und Dennis Ritchie bei Bell Labs entwickelt wurde. Auf Unix basieren fast alle heutzutage gebräuchlichen Betriebssystem (Android, iOS, OS-X, Linux) außer Windows.
Und abgesehen davon sehen die Maschinen aus den frühen 70ern mit ihren blinken Lichtern und Pink-Violetten Kippschaltern einfach rattenscharf aus! :-D
Ich hatte bereits vor drei Jahren den genialen Nachbau der PDP-8/I von Oscar Vermeulenerstanden und zusammengebaut. Damals hatte er angekündigt, auch ein Modell einer PDP-11/70 zu entwickeln, das optisch noch näher am Original ist. Ich hatte den Bausatz 2018 auf dem Vintage Computing Festival Berlin erstanden, aber erst jetzt zusammengebaut. Läuft super und sieht so toll aus! Wie das Original, nur in klein.
PDP-11/70 Modell
Am Sonntag hatte den Rechner fertig gebaut und am Donnerstag zu meinem Geburtstag auch noch das passende Buch dazu geschenkt bekommen: Unix – A History and a Memoir.
Brian Kernighan; Unix – A History and a Memoir
Der Autor Brian Kernighan hat seinerzeit viele Tools für Unix entwickelt und gilt als Mitautor der Programmiersprache C, in der UNIX programmiert ist.
Leider werde ich über die Feiertage keine Zeit haben, mich mit der PDP-11 zu beschäftigen, aber in ein paar ruhigen Minuten in dem Buch zu stöbern wird bestimmt klappen.
Hier noch ein paar Bilder vom Zusammenbau.
Bausatz und WerkzeugeDer Anfang ist gemacht: Alle Dioden sind eingelötet.Zusammenbau von Board und Gehäuse
Ich habe mich selbst so lange ich politisch denke – also ungefähr seit ich 10 Jahre alt war – immer gemäßigt links eingeordnet. Der stumpfe reaktionäre Mainstream der 70er Jahre war mir unerträglich und verhasst. Dieses bigotte Auftreten der alten Leute, die die Moralkeule vor sich hertrugen war und ist mir immer noch zutiefst zuwider.
Der Mainstream hat sich seitdem ganz gewaltig nach links verschoben. Müsste mir also doch eigentlich gut gefallen. Tut es aber nicht. Ich habe mit „Links“ mittlerweile genau so ein Problem wie mit „Rechts“ (falls diese Einteilung heute überhaupt noch Sinn macht).
Klar, man sagt ja, dass man mit zunehmendem Alter konservativer wird. Ein bisschen ist da was dran. Aber darum geht es mir gar nicht. Die großen Themen, die von den jungen Leuten angesprochen werden sehe ich als genauso wichtig an: Umweltschutz, Gleichberechtigung, Widerstand gegen Rechtsextremismus, usw. Das sind ja alles Themen, die mir auch in meiner Jugend schon wichtig waren. Damit habe ich überhaupt kein Problem.
Womit ich aber ein ganz erhebliches Problem habe, ist die Art der (nicht-)Kommunikation. Diese häufige moralinsaure Besserwisserei, die ich damals von den alten Säcken kannte und die nun ausgerechnet ihre Enkel wiederaufleben lassen. Dieses bei jedem Thema meilenweit über das Ziel hinausschießen. Mein Problem dabei ist, dass man Leute vergrätzt und vor den Kopf stößt, die eigentlich in die selbe Richtung denken und völlig unnötig Gräben aufreißt.
Klar, wenn man ein Anliegen hat, muss man laut trommeln. Und wenn man die Bräsigkeit vieler älterer Leute sieht, die einfach überhaupt nichts ändern wollen – das kann einen schon zur Weißglut bringen. Ich möchte trotzdem mal drei Beispiele bringen, was ich mit „meilenweit über das Ziel“ meine:
Gleichberechtigung? Neulich gab es einen Artikel (Zeit, Spiegel, Tagesspiegel – ich weiß nicht mehr wo) in dem Stand, dass es viele Männer nicht ertragen, wenn ihre Frauen gleich viel oder mehr verdienen.
Ja, o.k, kann sein. Gibt es bestimmt. Da möchte ich nicht widersprechen.
Was aber nicht einmal als Andeutung vorkam war die Frage, wie viele Frauen es nicht ertragen, wenn ihr Mann dauerhaft weniger verdient als sie selbst. Das ist nämlich ebenfalls ein erhebliches Problem, wie ich aus meiner eigenen Umgebung weiß. Und das trifft insbesondere auf BesserverdienerInnen zu, bei denen es eigentlich nicht so drauf ankommt. Die Richterin, die es nicht erträgt, dass ihr Mann „bloß“ Teamleiter einer IT Abteilung ist, die Chefärztin, der es auf Dauer nicht reicht, dass ihr Kerl „nur“ normaler Rechtsanwalt ist. Eigentlich war Geld kein Problem, und trotzdem hatten diese Frauen das Gefühl dass sie „einen Verlierer mit durchfüttern“. Eigentlich sind alle Frauen, die ich kenne, die sehr viel Wert auf ihre Karriere legen, letzten Endes auf eigenen Wunsch Single.
Warum lese ich von so etwas nicht einmal einen Halbsatz?
Verkehrswende Die Verkehrswende ist absolut überfällig. Das sage ich als Besitzer von zwei benzingetriebenen Fahrzeugen, ehemaligem Vielflieger und jahrelangem Fernpendler. Ich habe die Hypermobilität in den letzten Jahren für mich selbst einigermaßen erfolgreich eindämmen können. Zudem verstehe ich als ehemaliger Stadtplaner auch ein bisschen was von der Materie.
Wir Planer wussten auch schon vor 30 Jahren, was man hätte tun müssen – aber es wurde weniger als nichts getan. Es wurde sogar alles noch schlimmer gemacht: Nebenstecken abgebaut, Shoppingcenter, Möbelhäuser und Baumärkte an die Autobahn gesetzt, Wohngebiete ohne ÖPNV Anschluss gebaut, Flexibilisierung der Arbeit, Dumpingpreise für Flugreisen…
Das muss aufhören. Schnell. Das Problem ist, dass jetzt nur darüber geredet wird, die Städte für Autos zu schließen. Das geht m.E. völlig am Problem vorbei und könnte am Ende sogar kontraproduktiv sein. Es geht nicht nur um Autos, sondern um den stetig steigenden Verkehr als ganzes. Ich schreibe dazu demnächst noch einen eigenen Artikel. Der Verkehr ist nur das Symptom für andere Sachzwänge. Nur ein Detail: Wie wäre es z.B. damit dem Jobcenter klar zu machen, dass tägliches Pendeln über 100km pro Strecke eben nicht zumutbar ist, sondern einfach nur asozial. Wie wäre es, mit einer Stadtplanung, die von vornherein lange Wege vermeidet? Wie wäre es mit aktiver Wohnungs- und Standortpolitik?
Antifaschismus Heute habe ich das erste mal jemanden aus meiner Facebook Kontaktliste gekickt. Ein Kontakt (Bereich Musik), den ich schon länger hatte, aber nie wirklich persönlich kennengelernt habe. Was war passiert?
Es gibt in Berlin einen Club mit dem etwas bräsigen Namen „Beate Uwe“. Diese Person stellte den Club plötzlich unter Faschismusverdacht, weil zwei NSU Terroristen diese Vornamen haben.
Ähm, ja, wie vermutlich noch eine Millionen anderer Deutscher.
Nun ist mein Ex-FB Kontakt nicht aus Deutschland. Daher nahm ich an, dass sie das Wortspiel mit „Beate Uhse“ nicht verstanden hat. Das ist halt so ein kulturelles Ding, das man vermutlich nur versteht, wenn man hier ausgewachsen ist. Also nahm mir die Freiheit, sie freundlich(!) darauf hinzuweisen, dass man als Deutscher vermutlich eher diese Assoziation, anstatt an Terroristen zu denken. Die Reaktion darauf war sinngemäß: „Das mit den Terroristen sei doch offensichtlich. Sie sei nicht an irgend so einem deutschen Pornostar(!!!) interessiert. Ob ich mit einbilde, für alle Deutschen zu sprechen – and by the way who do you think you are, Daddy?“
WTF???
Auf meine immer noch höfliche Nachfrage, weshalb sie so aggressiv reagiere, hat sie nicht geantwortet. Dafür haben andere Leute geschrieben, dass das ein sehr entspannter Multi-Kulti-Club ist. Sie wurde wohl auch von dem Club direkt angeschrieben. Etwas pikant ist, dass sie selber DJ ist.
Man kann ja mal etwas falsch verstehen. Passiert. Aber dann sollte man wenigstens den Arsch in der Hose haben zu sagen „Sorry, ich habe da wohl etwas überreagiert“ anstatt andere Leute aggressiv anzupampen.
Berlin besteht gefühlt zu 50% aus solchen Soziopathen. Ich habe auf solche Leute einfach keinen Bock mehr.
Einige von Euch wissen, dass ich hin und wieder einen kleinen Track bastele. Die meisten davon bleiben als unfertige Fragmente, Soundschnipsel, Rhytmus und Akkordübungen auf der Festplatte meines Musikrechners.
Aber wenn ich so ca. 10 Stücke soweit habe, dass man sie anderen Menschen vorspielen kann, ohne damit gegen die Genfer Menschenrechtskonvention zu verstoßen, mache ich daraus MP3, bringe sie in eine sinnvolle Reihenfolge, bastele ein Cover dazu und nenne das „Album“ – so wie früher.
Jetzt ist es wieder so weit. 11 Stücke sind fertig und mein neues „Album“ heißt ’next‘. Viele Stücke haben keine klassische Songstruktur, sondern sind eher Soundtrack zu einem imaginären Film.
Verwendete Technik
Die Stücke habe ich mit Bitwig Studio 2 und 3, sowie mit Reason 10 komponiert und arrangiert. Dabei sind u.a. klassische Instrumente, wie ARP2600, Buchla Easel, DX7, Matrix12, und CMI Fairlight V als „virtuelle Nachbauten“ aus der V Collection von Arturia zum Einsatz gekommen. Von Arturia stammt auch das Masterkeyboard Keylab 88, mit dem ich die Stücke eingespielt habe. Die Wandlung zu MP3 Dateien habe ich mit Audacity vorgenommen und die MP3 Tags mit Picard von MusicBrainz bearbeitet.
Coverfoto
Das Foto habe ich im Sommer auf der Dachterrasse des ehemaligen Debis Hochhauses im Potsdamer Platz Areal aufgenommen.
Hinweis zum Urheberrecht
Wie für meine komplette Homepage gilt auch für meine Musik die Creative Commons Lizenz cc-by-nc-nd.
Das bedeutet, dass die Musik privat gehört und kopiert werden darf,
solange der Copyright Inhaber korrekt und vollständig genannt wird. Eine
Bearbeitung und kommerzielle Nutzung ist nicht gestattet.