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Freunde und Mobilität

Nach meinem Nörgelanfall von eben möchte ich an dieser Stelle meine Freunde grüßen, die sich entschlossen haben, ihr Glück anderswo zu suchen. Aus gegebenem Anlaß:

Viel Glück in Zürich, Peter. Die Stadt ist zwar teuer aber sie hat Stil. Es macht Spaß, dort zu leben!

Viel Erfolg in Australien, Lisi. Ich wünsche Euch alles Liebe und Gute down under.

Liebe Grüße gehen auch an Alexandra nach Perth. Schon wieder Australien – scheint wohl ganz nett dort zu sein ;-)

Und nicht zuletzt drücke ich auch Sandra die Daumen, daß sich San Francisco auch weiterhin so positiv zeigt, wie es bisher den Anschein hat.

Ich habe sehr gerne mit Euch studiert und bin etwas traurig, daß Ihr die Stadt verlasst. Aber ich habe großen Respekt vor Eurer Courage. So, das musste auch mal gesagt werden.

Wo lebe ich eigentlich?

Vielleicht ist es ja dem Einen oder der Anderen bereits aufgefallen, daß sich unsere Gesellschaft immer mehr teilt. Dazu gehört nicht einfach nur „oben“ und „unten“, „arm“ oder „reich“. Die gesamte Gesellschaft zerfällt in immer mehr Subgruppierungen. Es gibt immer weniger Werte und Normen, die als Grundkonsens akzeptiert werden. Die jüngsten Wahlen bestätigen diesen Trend. Einerseits scheint es in einigen Teilen Deutschlands schon wieder völlig normal zu sein, offen staatsfeindlich zu sein und auch so zu wählen. Andererseits erodiert die Basis der sogenannten „Volksparteien“. Ergebnisse um die 30% scheinen für SPD und CDU zur Normalität zu werden.

Deutschland ist ruhig, hier brennen nachts keine Autos wie in Paris, hier geht niemand auf die Strasse, bloß weil Politiker vor der Wahl bewußt gelogen haben, wie in Budapest. Davon gehen wir sowieso aus. Hier läuft der Umsturz langsam und gesittet ab. Der untere Rand der Gesellschaft wird immer breiter. Es hungern und frieren zwar noch nicht allzu viele Menschen, aber wenn man ohne mit der Wimper zu zucken hinnimmt, daß 1/3 der Gesellschaft aus Sicht der Wirtschaft wertlos sind und Staat und Parteien jetzt auch noch dazu übergehen, die Menschen selbst dafür verantwortlich zu machen und unter Druck zu setzen, darf man sich nicht wundern, wenn die sich irgendwann abwenden und den Staat ablehnen.

Die Reichen und die Konzerne haben sich schon lange aus ihrer gesellschaftlichen Verantwortung verabschiedet und die Mittelschicht wir immer dünner und muß alles bezahlen. Wenn jemand 3000 Euro Brutto verdient, verursacht er seinem Arbeitgeber ca. 3600 Euro Personalkosten. Ausgezahlt werden ihm ca. 1700 Euro. Berücksichtigt man die diversen Konsumsteuern, so verbleibt ab dem nächsten Jahr eine reale Kaufkraft von etwas über 1400 Euro. Entgegen landläufiger Meinung liegen die Abgaben auf Erwerbsarbeit somit nicht bei „ungefähr der Hälfte“, sondern bei über 60%!

Die Politik quer durch alle Parteien tut nicht nur nichts dagegen, sondern verschärt die Situation immer weiter. Das untere Drittel der Gesellschaft resigniert und wählt -wenn überhaupt noch- rechts. Das ist schlimm. Genauso schlimm, aber noch kaum beachtet ist die Abwanderung unserer Fachkräfte. Von meinem Semester geht 1/3 ins Ausland. Im letzte Jahr verließen immerhin knapp 150.000 Menschen Deutschland. Rechnet nicht damit, daß viele zurückkommen. Höre ich da „niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten“?

So sehr ich mich auch persönlich für meine Freunde freue, daß sie glücklich werden, so schlecht finde ich das für unser Land. Ich bin in der Bundesrepublik geboren und aufgewachsen. Ich fand – bei aller vorhandenen Kritik – diese Land gut und schön. Ich habe immer gerne hier gelebt und will nicht auswandern. Aber ich habe zunehmend das Gefühl, daß die Vorteile verschwinden und zwar zunehmend schneller.

Mir wird mein Heimat gestohlen!

Bin ich jetzt ein typischer Deutscher Schwarzseher? Bin ich ein Nörgler und Jammerlappen, bloß weil mir die Entwicklungen hier so langsam richtig Sorgen machen?

Off topic: Generation Golf

Es ist natürlich nicht das Auto gemeint, sondern der Sport (siehe diesen Artikel). Nachdem zwei Ex-Kollegen und meine Wenigkeit uns ein wenig mit Schnupperkursen und öffentlichen Driving Ranges die Zeit vertrieben haben, wollen wir dieses Jahr unbedingt noch die Platzreife erlangen. Nachdem wir uns ein wenig umgesehen haben, fiel unsere Wahl auf den Golfplatz in Prenden, nördlich von Berlin. Der Platz ist sehr schön und gepflegt, die Lehrmethoden fortschrittlich und es wird Wert darauf gelegt, daß man auch tatsächlich etwas lernt. Der Golfschwung wird dort mit Computer-Videoanalyse geübt. Gesagt, gebucht, getan.

Golfclub Prenden - Clubhaus

Golfclub Prenden, Clubhaus

Golf Club Prenden - Training

Kollegen beim Abschlagtraining mit Videoanlage

Ich beim Golftraining

Ich beim Golftraining

Nun habe wir schon 10 Stunden hinter uns und unser positiver Eindruckt hat sich bestätigt. Unser Pro (der Lehrer) ist freundlich und kompetent. Die Videoanalyse ist Gold wert. Man versteht viel besser was man falsch macht, wenn der Pro erklärt und man sich gleichzeitig selbst in Zeitlupe sieht – synchron von vorne und von der Seite mit eingezeichneten Bewegungsebenen und so weiter. Sehr empfehlenswert!

Gestern hatten wir 3 Stunden Training und danach haben wir unsere erste 9-Loch Runde gespielt. Erwartungsgemäß noch ziemlich schlecht, aber für 8 Stablefordpunkte hat es gereicht. Das geht bestimmt noch besser. Schneller müssen wir auch noch werden: 3 Stunden haben wir benötigt, aber für die Platzreife müssen wir das in 2 Stunden schaffen. Das bekommen wir aber auch noch hin. Dann wird die 505m-Bahn eben nicht bis zu Ende durchgeprügelt (15 Schläge!), sondern als PAR5 mit 54er Vorgabe mit dem 10 Schlag abgebrochen.

Die Kommentare von Freunden und Familie fand ich auch sehr interessant. Es reichte sinngemäß von „das ist doch nur was für reiche alte Säcke“ und „Du Snob“ über „müsst Ihr IT-Fuzzis jetzt eigentlich alle golfen?“ bis hin zu „schön, daß Du jetzt auch endlich einen Sport gefunden hast, der Dir gefällt“.Dazu folgendes: Golf wird auch von jungen Leuten gespielt, es ist zwar nicht umsonst, aber verglichen mit Tauchen, Fallschirmspringen, Surfen oder Muckibude auch nicht wirklich teuer. Und ja, man muß sich durchaus auch etwas anstrengen. Spass macht es jedenfalls.

Social Location Based Bookmark Dings

Bei der Recherche nach mobile Communitydiensten bin ich von einem meiner beiden Prüfer auf den folgenden Dienst aufmerksam gemacht geworden: Qiro.

Mir ist ein ziemlicher Schreck in die Glieder gefahren: „Das ist ja genau das, was ich im Rahmen meiner Diplomarbeit bauen will“. Sowas Dummes. Da bin ich schon so richtig weit, und dann das – und auch noch von der Telekom. Da kann ich ja gleich einpacken. Heute habe ich es geschafft, mir den Dienst mal genauer anzusehen und kann nun ganz entspannt weiterarbeiten. Das hat zwei Gründe:

Grund 1: Die Telekom Laboratories Innovation Development haben einen anderen Ansatz, als ich. Sie wollen high-tech demonstrieren und will ein nützliches Tool bauen, das mit möglichst jeder vorhandenen Technik klarkommt. Die Lösungen sind daher zwangsläufig anders.

Grund 2: Qiro hat mich in der Bedienung einfach noch nicht richtig überzeugt. Es hat einen wirklich guten Ansatz, aber einfach (noch?) zuviele Schwachpunkte für meinen Geschmack. Meine Eindrücke in Kürze (mit meiner gefürchteten „Spitzen Feder“ geschrieben):

Man muß sich zunächst auf der Website registrieren, bevor man den qiro-Client auf das Handy laden kann. Direkt per WAP lassen sich die Seiten nicht aufrufen. Ein unnötiger Medienbruch. Nun ja…
Leider funktioniert die Website nicht mit Safari auf dem Mac. Das ist schon mal nicht so toll, weil völlig unnötig.
Also zum PC und qiro aufgerufen. Welches Handy habe ich denn? Mein Samsung SGH-E730, das ich momentan nutze wird schon mal nicht unterstützt. Aber mein SonyEricsson K700i wird aufgelistet. Nachdem ich das Modell ausgewählt habe und meine Handynummer eingegeben hatte, wurde mir jedoch mitgeteilt, daß das Modell nicht unterstützt wird. Achso?

Gottseidank verbringe ich meine Zeit nunmehr bei einer Berliner Agentur, die sich auf den Bereich Mobile spezialisiert hat (nein, nicht Jamba, ich möchte etwas Spass bei der Arbeit haben). Also ein Nokia Series60 UMTS-Brikett aus dem Fundus geholt und weiterprobiert. Telefon erkannt, alles klar. Registriert mit Name, E-Mailadresse, Nickname, AGB anklicken, ja, ich bin auch damit einverstanden, daß meine Position über den Dienst bestimmt wird. Das ist ja gerade der Witz daran.

Ich empfange eine SMS – Ich soll bestätigen, daß ich mit der Positionsbestimmung einverstanden bin. Hmm, das habe ich eigentlich eben gerade bereits getan. Na gut, also schicke ich noch mal eine SMS mit dem angegebenen Stichwort an die Nummer X1Y2Z3. Kurze Zeit später bekomme ich zwei weitere SMS. Die Bestätigung, daß ich mit den Standortbestimmung einverstanden bin (jaaaaaaaa…) und den Downloadlink. Na endlich. Klick, 60KB, 120KB, 250KB, 350KB, 450KB, 500KB. Wow, ein halbes MB!!! Gut, daß das ein UMTS-Modell ist.

Das Programm starten und… warten. Ich dachte schon, daß das Telefon abgestützt ist, aber der Client braucht einfach etwas Zeit für die Initialisierung. Hoffentlich nur das erste mal. Danach muß ich meine Telefonnummer eingeben. Schon wieder? Warum denn? Das habe ich bereits auf der Website gemacht.

Schließlich läuft das Programm. Lokalisierung funktioniert sogar auf 200m genau. Man kann bis zu vier verschiedene Kategorien von Orten anklicken, die einen interessieren. Positiv dabei: Es sind auch sehr viele wirklich nützliches Sachen dabei, wie Apotheken, Geldautomaten und ähnliches.

Ich habe über 10 min rumprobiert, wie die Kartendarstellung funktioniert. Wenn man es erst mal raushat, geht es, aber intuitiv ist anders. Ausgegraute Icons sind nur Pixelsalat. Aber das sind Details – prinzipiell funktioniert es. Man kann die Orte einzeln auswählen und sich Name, Adresse und Telefonnummer anzeigen lassen. Die Telefonnummer kann man auch direkt aus derAnwendung heraus anrufen. Viel mehr scheint aber nicht möglich zu sein.

Mein vorläufiges Fazit: Nette Technologiedemo, aber zu einem richtigen Produkt fehlt noch so einiges. Debugging, bessere Usability, höhere Geschwindigkeit, viel viel mehr unterstützte Geräte und ein paar fetzige Zusatzfunktionen. Dennoch: Muß man im Auge behalten!

Was rauchen eigentlich Telefontarifdesigner?

Ich besuchte vorhin mal wieder die Homepage meines Mobilfunkproviders und musste spontan an einen alten Witz denken.

Frage: „Was ist das? 20 Marketingexperten zusammengekettet und mit den Füßen in einem Betonblock auf dem Grund der Nordsee?“
Antwort: „Schon mal ein guter Anfang…“

Ich bin gegenwärtig bei E-Plus und habe dort die Kombination aus „Time-and-more 60“ (60 Minuten pro Monat in ALLE Netze, mit Übertrag ungenutzer Zeit) und „Online S“ (2,5 MB Datenvolumen). Damit war ich auch stets zufrieden. Die Überlegung, das Handy auch für E-Mail und gelegentlich als Modem für das Notebook zu nutzen, brachte mich dazu, nach den aktuellen Datentarifen zu sehen. Ich wäre bereit, zwischen 5 und 10 Euro dafür auszugeben. Bis vor zwei Monaten waren die Tarife „Online M“ und „Online L“ vorhanden. Das würde toll passen. Klar- die Tarife gibt es jetzt natürlich nicht mehr. Aber was ist der Ersatz?

  • Für 5 Euro kann man eine WAP-Flatrate bekommen. Klingt gut, aber leider bleibt man da mit anderem Datenvolumen, wie z.B. bei E-Mails oder dem Einsatz des Notebook aussen vor. Noch viel schlimmer: Das betrifft nur Inhalte, die über das E-plus WAP Potal errichbar sind! Also – unbrauchbarer Schrott!
  • 39 Euro für eine Datenflatrate ist toll, aber viel zu teuer, wenn man das nicht ständig nutzt.
  • 20 Euro für 150MB ist preislich auch in Ordnung, aber auch soviel brauche ich nicht.

Wo sind die „kleinen“ Tarife? Gibt es nicht mehr! Das bedeutet, daß es unterhalb von 20 Euro keinen Datentarif mehr gibt. Na Toll!
Mobile Dienste einfach mal ausprobieren wird so natürlich ziemlich unattraktiv.

WAS SOLL SOWAS?

Das ist in meinen Augen genau so ein Rückschritt, wie von Time-and-more zu Base. Bei Time-and-more muß ich mir keine Gedanken machen, in welches Netz ich anrufe, oder wann. Kostet alles gleich. Das ist wichtig, zumal man heutzutage an der Telefonnummer nicht mehr erkennen kann, wer der Anbieter ist. Der neue Telefontarif „Clever One“ ist genau so ein Unsinn. Fast genauso teuer wie Time-and-more aber man muß wieder aufpassen, wen man anruft. Warum nicht einfach Time-and-more ein bischen billiger machen und fertig?

E-Plus war mal auf dem richtigen Weg: Einfache, günstige Tarife ohne 1000 Fußnoten. Warum jetzt dieser Schwenk zum Schlechteren? Habt Ihr im letzten Jahr zuviele neue Kunden gewonnen? Kommt jetzt bloß nicht noch auf die blöde Idee, die Telefone mit Branding zu verpesten wie Vodacom und Telefone, oder wie die heissen…

Werbung in mobilen Diensten

Marco fragt in seinem Weblog „Are you ready for mobile ads?“ und bezieht sich auf diesen Artikel. Ich bin am zweifeln, ob die Frage aus Konsumentensicht relevant ist. Mich hatte damals in den 90ern auch niemand gefragt „Are you ready for web-ads?“ oder in der 80ern „Are you ready for TV-ads?“. Die Werbung wurde einfach eingeführt und ist die Pest!
Andererseits müsste man sonst für jeden kleinen Kram bezahlen. Was man aber vermutlich nicht täte. Deshalb würde es viele durchaus sinnvolle Anwendungen nicht geben.

Daher ist für mich die Antwort klar: Werbung in mobilen Diensten wird Standard werden. Sie ermöglicht es erst, diese Dienste zu finanzieren. Viele schöne, sinnvolle Dienste und Anwendungen werden so möglich. Wenn es genügend viele Anwendungen mit Mehrwert für die Nutzer gibt, werden sich diese auch verstärkt dem Medium „mobile“ zuwenden (siehe „Mobile – Einfach unseriös?„). Insofern lautet meine Antwort:

Ja, gebt mir Werbung in mobilen Diensten. Ich will Affiliate-Programme, ich will Google Ad-Sense und den ganzen Kram. Ich will es hier und jetzt und gleich!

Ich finde weniger die Frage interessant, ob es Werbung in mobilen Diensten geben wird, sondern eher welche Art von Werbung es sein wird und wo die Akzeptanzschwelle (oder besser Penetranzschwelle) liegt.

Mobile – Einfach unseriös?

Ich hatte soeben einen kleinen Chat auf ICQ mit einem langjährigen Bekannten darüber, was wir beide denn gerade so tun. Als ich ihm das Thema meiner Diplomarbeit nannte, meinte er recht schnell, das das alles an ihm vorbeigeht. Zugegeben, das geht vielen so.

Schlimm daran finde ich, daß das Thema „mobile“ für ihn generell negativ besetzt ist. Dabei ist er kein dröger Technikverweigerer, sondern selbst Entwickler. Er schreibt momentan ein ziemlich effizientes AJAX-Framework. Der Grund für seine Abneigung ist die Klingeltonbranche, insbesondere die Werbung, das Geschäftsgebaren einiger Firmen und die Produkte an sich. Er formulierte das (freundlicher als es gemeint war) so: „kostenintensive Spielerei ohne Nährwert“.

Die Erfahrung habe ich schon öfter gemacht. Als ich auf der Suche nach Autoren für einen handybasierten Kurzgeschichtenservice war, erntete ich ziemliche Skepsis. Ich wollte Autoren einfach eine zusätzliche, neue Publikationsplattform bieten. Die anvisierte Zielgruppe: Erwachsene mit Interesse am Lesen. Die angesprochenen Autoren waren jedoch alles andere als begeistert – sie hatten Angst um ihr Image, wenn ihre Geschichten auf dem Handy erscheinen. Einer sagte mir direkt ins Gesicht, daß er „diese ganze Abzocke mit den Handies“ ohnehin am liebsten verbieten würde. Anmerkung: Der Mann hat Kinder mit Handies…

Das extrem negative Image der Klingeltonbranche färbt auf den ganzen (potentiellen) Markt ab und hemmt die Entwicklung. Weil das Image mies ist, und aus Angst, aus Versehen teure Abos zu bestellen, die man schwer wieder los wird, will niemand mobile Dienste nutzen. Aber auch die Netzbetreiber kommen bei der Beurteilung durch ihre Kunden nicht gut weg. Horst Evers brachte dies in einem Sketch auf den Punkt: Wer auf einer Party lästigen Smalltalk effektiv beenden will, solle einfach behaupten, er wäre „Telefontarifdesigner“. Das Gegenüber wird sich so schnell es geht abwenden und ein anderes Opfer suchen.

Weil die Abneigung gegen das Medium so stark ist, werden kaum sinnvolle und seriöse Dienste entwickelt. Ohne sinnvolle Serviceangebote wird sich die Meinung zu dem Medium kaum ändern. Wenn das Image so schlecht ist – wie können sich seriöse mobile Anwendungen durchsetzen?

Sie werden sich durchsetzen, aber langsam. Ein kurzer Blick zurück:
Vor fast 25 Jahren kaufte ich meinen ersten Computer. In den 80er Jahren besaß ich klassische Geräte wie den „ZX81“, den „ZX Spectrum“ oder den „C64“. Für Viele aus meiner Generation eröffneten sich mit der neuen Technik neue Horizonte und wir schauen heute gerne mit verklärtem Blick auf „die goldene Zeit der Heimcomputer“ zurück.

Ich kann mich jedoch auch noch sehr gut an die Vorurteile erinnern, die für lange, lange Zeit mit diesem Hobby verbunden waren. „Computer sind schlecht“. Sie degradieren Menschen zu Zahlen und dienen der Unterdrückung des Individuums. Sie steuern Atomraketen und andere High-Tech Waffen. Computer zerstören Arbeitplätze. Alles schlecht, alles „bäh“. Computer waren nichts für normale Menschen. Wer sich dennoch freiwillig mit diesen wiederwärtigen Kisten auseinandersetzte, konnte nicht ganz klar im Kopf sein. Programmieren war nur etwas für häßliche, dicke, unsportliche und verpickelte Jungs mit sozialer Dysfunktionalität und sexuellen Störungen.

Heute nutzen über 60 Prozent der Deutschen das Internet. Es kann also nicht alles so schlecht sein.
Der langsame Sinneswandel wurde durch immer neue, sinnvolle Anwendungen erzielt. Erst schreiben (Wordstar) und rechnen (Visicalc), hier und dort eine kleine Datenbank (dBase II), später einfacher Computersatz (Desk Top Publishing), Kommunikation per E-Mail und letzlich die ganze Spannbreite an Multimedia – Grafik, Musik, Video.

Der Schlüssel: Sinnvolle Anwendungen! Eine nach der anderen. Anwendungen mit Mehrwert für Erwachsene.

„Jaja Du Schlaumeier. Und was soll das sein?“ höre ich schon. Gemach, wir arbeiten dran.

UMTS für Schafe

Die Norddeutschen haben ja den Ruf, ruhig und humorlos zu sein. Ich glaube, auf so was kommen nur Kölner Jecken (von denen ja viele glauben, sie hätten den Humor gepachtet). Ich bin gerade wieder bei Petra in Ostfriesland. Alle Leute, die ich hier kennenlerne sind ziemlich kommunikativ. Ausserdem sitzt ihnen gehörig der Schalk im Nacken. Es kann sein, daß das manche nicht so recht mitbekommen, weil der Humor hier so knochentrocken rüberkommt. Das mag am feuchten Wetter liegen, wer weiß?

Wie man aus diesen Zeilen herauslesen kann, ist mir der Menschenschlag hier oben sehr sympathisch. Trotzdem verstehe ich auch nicht jeden Witz. Zum Beispiel diesen hier:

UMTS-Abdeckung nördlich von Wilhelmshaven. Klar, UMTS ist noch längst nicht so verbreitet wie GSM. Also schaut man mal eben bei seinem Provider (in diesem Fall E-Plus) auf die Karte „Netzabdeckung“. Nördlich von Wilhelmshaven an der Küste entlang alles grün, nur landeinwärts Richtung Aurich nicht. Unser Zielgebiet liegt satt im grünen Bereich. Kein Problem zu erwarten. Die Realität vor Ort sieht so aus:

Im Ort, also in der Wohnung und im Atelier gibt es nur GSM. Sobald man das Dorf verläßt oder auf dem Deich steht, hat man UMTS-Empfang. An Funkschatten kann es nicht liegen. Hier ist alles platt. Jetzt grübele ich, warum die vielen Sommergäste UMTS nicht nutzen können, aber die Schafe kommunikationstechnisch up-to-date sind. Soll ich mich jetzt mit dem Notebook zu den Schafen am Deich gesellen?

Wofür ist das ganze Zeug eigentlich gut?

Meine Diplomarbeit bekommt so langsam Struktur. Das Thema wird die Konzeption eines Services auf Mobiltelefonen sein. Da kann man ziemlich viel machen und die Techies begeistern. Blöderweise wird sich vermutlich niemand sonst dafür begeistern, wenn kein Bedürfnis danach besteht. Und wonach bestehen Bedürfnisse?

Mein erstes Mobiltelefon war damals der legendäre „Knochen“. Das Motorola 3200. Ungefähr 600g schwer und einen gefühlten halben Meter lang. Aber das war vor 13 Jahren. Es hat sich ja so einiges getan seit damals. Viele Menschen nutzen bereits diese neuen coolen Handies mit Kamera und Farbdisplay. Möglicherweise auch der geneigte Leser.

Aber wozu eigentlich?

Klar, zum Telefonieren und SMS schreiben. Bei vielen ist es auch andersrum: zum SMS schreiben und Telefonieren. Ging damals auch schon. Und sonst? Kleine Schnappschüsse hier und da. Was passiert dann mit den Fotos? Bleiben die im Handy oder werden sie auf den Computer überspielt?

Ich bin wahrscheinlich ein recht ungewöhnlicher Handynutzer. SMS schreibe ich eigenlich fast nie, dafür sind mir solche Sachen wie eine funktionierende Synchronisation von Kontaktdaten und Terminen mit dem Computer wichtig. Das scheint kaum jemand anderen zu interessieren, ist für mich aber eine der wichtigsten Funktionen überhaupt. Unterwegs nutze ich ab und zu mal WAP um die Nachrichten auf wap.netzeitung.de zu checken. Die Fahrplanabfrage der BVG finde ich auch recht nützlich. Dafür kann ich gut auf eine Kamera verzichten. Die Bilder sind sowieso meistens recht bescheiden. 1-3 Megapixel nützen nix, wenn das Objektiv zu Farbrändern führt, die geringste Abweichung von der idealen Belichtung zu matschigen Pixeln oder völlig überstrahlter Darstellung führt. Das bringt mir nix.

Warum wird MMS nicht genutzt? Weil es zu teuer ist? Warum werden die Bilder dann nicht per E-Mail verschickt?
Warum wird WAP nicht genutzt? Weil es zuwenig sinnvolle Angebote gibt? Welche Angebote wären denn sinnvoll?

Sicherlich muss der Dienst schnell und einfach sein. Eine Info abrufen darf höchstens 1min dauern – idealerweise weniger. Möglichst keine Texteingabe, weil das umständlich und langsam ist. Das kleine Display erzwingt einfache Navigation und kann nur wenige, gezielte Information darstellen.

Aber was kann und soll das der mobile Service leisten? Was habt Ihr für Wünsche?

Wofür ist das ganze moderne Zeug eigentlich gut, wenn wir es nicht nutzen?

Off Topic: AUA!

Menschmenschmensch,
was hat uns da bloß geritten? Vor zwei Wochen haben wir (3 Ex-Kollegen und ich) einen Golf Schnupperkurs belegt. Und wozu hat das geführt? Daß ich meinen Ruf als Snob in meiner Familie festige und daß mir mein Körper wehtut.

Heute war ich zum 5. mal auf der Driving Range. Habe 100 Bälle gespielt, wovon immerhin 25 so einigermaßen geradeaus flogen. Allerdings noch nicht weit genug. 70-80m mit ’nem 7er Eisen kann noch nicht das letzte Wort sein. Die Flugbahn war deutlich zu hoch. Aber ich will mich nicht beklagen. Als ich das erste mal den Schläger in der Hand hatte, dachte ich, daß ich diesen fiesen kleinen Ball nie im Leben treffen werde und die erste Stunde gab mir recht.

Daß ich heute immerhin 25 mal einigermaßen getroffen habe ist toll. Probleme machen mir aber aber die 75 anderen Schläge – und zwar im Kreuz und im Handgelenk. Aufsetzer zwiebeln doch ziemlich. Genauso „schön“ ist es, wenn man zu weit außen trifft, sich das Handgelenk halb verdreht und der Ball eine spektakulär enge Rechtskurve fliegt. Sport ist Mord.

Was hat das alles mit mobilem Leben zu tun? Gar nix!

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