Reload.Land 2026 – Elektromororräder mitten im E-Grand Prix
Am ersten Wochenende im Mai fand in Berlin nach 2022, 2023 und 2025 nun bereits zum vierten Mal das Elektro Motorrad Festival Reload.Land statt. Also nichts wie hin zum ehemaligen Flughafen Tempelhof, wo das Festival als Teil des Rahmenprogramms der Formel-E Grand Prix Autorennens stattfand.

Ob ich das für so ’ne richtig gute Idee halte, dazu weiter unten mehr.
Auf jeden Fall spielte das Wetter mit. Trocken, Sonne satt und Temperaturen bis zu 26 Grad.
Welche Hersteller waren wieder dabei?
Bei der vierten Auflage scheint sich das Anbieterfeld so langsam zu etablieren und stabilisieren. Livewire und Can-Am waren wie schon im letzten Jahr mit etlichen Vorführmaschinen dabei. Die beiden Modelle Pulse und Origin von Can-Am und die Livewire S2 DelMar konnte ich ja bereits im letzten Jahr zur Probe fahren.

Livewire arbeitet hart daran, die Elektromotorräder günstiger zu machen. Als 2019 die heutige Livewire One (damals noch „Harley-Davidson LiveWire„) vorgestellt wurde, lag deren Preis noch bei €28.000,-. Mittlerweile startet der Preis für das Modell bei €15.000,-.
Die S2 lag bei ihrer Vorstellung noch bei €19.000,- ist aber in der Zwischenzeit bereits ab €12.500,- erhältlich. Zudem wird die Modellpalette demnächst mit den S4 Modellen nach unten abgerundet. Über Daten und Preise schweigt man sich noch aus. Ich tippe auf ein A1 Modell mit ca. 4kW Akku im mittleren vierstelligen Bereich. Die Produktion soll noch 2026 starten.
Das Modell S4 Honcho war bereits zu sehen, durfte aber noch nicht gefahren werden. Auf Fotos fand ich das Design etwas fragwürdig, aber wenn man direkt davor steht, hat das knuffige kleine Maschinchen etwas von einer Honda Monkey in elektrisch.

Nach zwei Jahren Abwesenheit war Zero diesmal wieder mit am Start. Auch von diesem Hersteller konnte ich vor ein paar Jahren bereits die Supermoto FXE und die Naked SR/F fahren.

Zero erweitert ebenfalls sein Programm nach unten. Neben den bekannten großen und teuren Maschinen, hatte man diesmal den neuen Roller LS1 in der A1 Klasse, sowie die beiden kleinen geländefähigen E-Moto Modelle XB (AM bis 45km/h) und XE als A1 Modell dabei.
Die XE interessierte mich seit längerem und nun konnte ich sie endlich auch zur Probe fahren. Wie bei elektrischen Fahrzeugen üblich, sagen die nakten Zahlen (15kW Maximalleistung, 85km/h Höchstgeschwindigkeit, 101kg) etwas anderes, als das Fahren selbst. Das kleine Biest geht los wie die Hölle. Wenn man den Hahn ganz aufdreht, muss man sein Gewicht ganz nach vorne verlagern, um keinen Backflip zu machen. Und selbst dann hatte ich das Vorderrad etwas angelupft und der grobstollige Hinterreifen hatte sogar schon etwas Schlupf – bei trockenem Asphalt und über 20 Grad. Ich will gar nicht wissen, wie das bei Nässe ist.

Abgesehen von der brachialen Beschleunigung – man kann auch sehr gesittet und feinfühlig mit der Maschine fahren und das ist dann sehr lässig. Einzig der Blinkerschalter war etwas fummelig, aber vermutlich gewöhnt man sich schnell daran. Und man sollte nicht erwarten, völlig lautlos unterwegs zu sein: Die Geländereifen und das Getriebe sorgen für deutlich hörbare Geräusche.
Mein Fazit:
Schönes Teil! Und mit €6.600,- auch bezahlbar. Als Supermoto wäre das ist genau mein Ding für die Stadt. Leider gibt es noch das Problem mit dem Aufladen…
Bereits zum zweiten Mal dabei ist Maeving (https://maeving.com/de-de) aus England. Für Freunde klassischen Motorraddesigns sind diese Leichtkrafträder wahre Hingucker. Ihre im Hinterrad eingebauten Radnabenmotoren leiten A1 konforme 11kW.

Ganz im Gegensatz dazu sind die E-Mopeds von Coopop (https://coopop.bike/) eher lustige Interpretationen klassischen Designs, wie zum Beispiel von Bobbern oder Minibikes wie der Honda Gorilla.

Der finnische Hersteller Verge (https://www.vergemotorcycles.com/de_de/) ist bereits seit mehreren Jahren mit seinen leistungs- und drehmomentstarken, Maschinen mit dem charakteristischen Nabenlosen Hinterrad auf dem Reload.Land Festival vertreten. In diesem Jahr aber zum ersten Mal mit gleich vier Vorführern.

Die nächsten beiden deutschen Firmen sind bereits seit dem ersten Reload.Land Festival dabei.
Black Tea Motorbikes (https://www.blackteamotorbikes.com/) hatte seine neue Wildfire dabei, die deutlich kräftiger, bulliger und kantiger als die seit ein paar Jahren gebaute Bonfire. Das Modell, das ich gesehen habe, hatte leider wieder nur CBS Bremsen, aber man scheint sie auch mit ABS kaufen zu können.
Respekt dafür, dass es diesen kleinen Hersteller, der als Uni Projekt gestartet ist, noch gibt, während andere, denen ich damals bessere Chancen eingeräumt hatte, wie Cake oder Energica die Segel streichen mussten.
Ebenfalls als Uni-Projekt hat Second Ride (https://second-ride.de/) aus Berlin begonnen. Der Gründer Carlo Schmid wollte sein Simson Moped einfach vom Zweitakter auf Elektroantrieb umrüsten und hat die Umrüstsätze für Simson S51 und Schwalbe auch an andere Interessierte verkauft.
Mittlerweile ist das Umrüstset modular, passt an diverse alte Mopeds verschiedenster Hersteller (z.B. Kreidler, Zündapp, Yamaha oder Honda) und ist optisch kaum noch von den originalen Motoren zu unterscheiden, um das Design der alten Maschinen zu bewahren.
Sehr cool und professionell gemacht!

Welche Hersteller waren neu dabei?
Die ersten zaghaften Versuche der großen, etablierten Motorradhersteller aus Japan im Elektrobereich konnte ich noch nicht so recht ernst nehmen. Aber in diesem Jahr stellte Honda mit der WN7 endlich eine Maschine vor, die preis- und leistungstechnisch mit Zero und co mithalten kann. Eckdaten: 50kW Maximale Leistung, 140km Reichweite für €15.000,-. Die etablierten Motorradtester waren beim Probefahrten in Malaga jedenfalls beeindruckt – ja, auch die Verbrennerliebhaber.

Die WN7 wurde in Berlin statisch ausgestellt. Angucken, anfassen, draufsetzen ging – fahren leider noch nicht. Optisch spricht sie mich zwar nicht so recht an, aber die haptische Qualität ist Honda-typisch hoch und sie hat ein Detail, das ich richtig klasse finde: Sie hat einen CCS Anschluss, wie jedes E-Auto!
Man kann die WN7 also sowohl an langsamen 11kW AC Ladern oder an DC Schnelladern aufladen.
Wobei der eigentliche Witz nicht mal so sehr die Ladegeschwindigkeit ist, sondern, dass man bei DC Ladern kein sperriges Kabel mitnehmen muss.
Geht doch! So langsam kommen wir dahin, wo wir hinwollen. Bitte mehr davon!
Auch zum ersten Mal dabei ist ein europäischer Hersteller, der seit einiger Zeit im Geländesport und bei jugendlichen Motorrad Youtubern von sich reden macht: Stark Future (https://starkfuture.com/de-DE) mit Sitz in Spanien hatte mehrere Varianten des €13.000,- teuren Modells Varg mitgebracht. Darunter auch die brandneue Supermoto.

Ich habe letztlich von einer Probefahrt abgesehen, obwohl mich die Stark brennend interessiert. Zuvor hatte ich ja bereits die kleine Zero XE mit 15 kW ausprobiert und war damit bereits an das Maximum dessen gekommen, was man mit einigermassen guten Gewissen auf Stadtstraßen fahren kann. Die Stark ist mit ihren 80PS vier Mal so stark (Wortspiel – haha…). Jeder erfahrene Motorradfahrer, der sie bisher ausprobiert hat, war voll des Repekts. Zitat des Youtubers Blackout: „Die Maschine ist ja total geisteskrank„. Und auch mein Triumph Händler, der wirklich starke Sportmaschinen gewohnt ist hatte eine Stark im Laden und meinte „Die fahr ich nicht nochmal – das ist mir viel zu krass„.
Also vielleicht mal später in einer Umgebung, wo man eher etwas rumspielen kann.
Im Nachhinein ärgerlich, dass ich an Gr1t (https://www.gritmotorcycles.com/en) vorbeigegangen bin, weil das neue Unternehmen tatsächlich aus Berlin (und Mailand) kommt und die Maschinen mit deutlich unter €10.000 bezahlbar sein sollen. So kann ich leider nicht sinnvolles sagen, aber wenigstens habe ich ein Foto gemacht.

Welche Hersteller fehlten?
Einige Pioniere im Bereich elektrischer Zweiräder haben leider wieder aufgeben müssen. Unter anderem auch Cake aus Schweden, Energica aus Italien und Brekr aus den Niederlanden, die auf früheren Veranstaltungen dabei waren.
Ich finde es hingegen unverständlich, dass BMW schon wieder nicht auf dem Reload.Land vertreten ist, obwohl sie elektrische Zweiräder im Angebot haben und sogar eine Motorradfabrik in Berlin Spandau.
Ebenfall schade, dass der einzige Bereich, in dem elektrische Zweiräder gerade bei Jugendlichen boomen nicht vertreten war. Weshalb sind die E-Moto Pioniere Sur-ron, Talaria und E-Ride nicht anwesend? Wo ist Altis? Immerhin hatte wenigstens Zero seine E-Moto Modelle mitgebracht.
Formel E Grand Prix – coole Kombination?
Wie bereits angedeutet, was das Reload.Land in diesem Jahr Teil des Rahmenprogramms des Formel E Grand Prix. Am Samstag, als ich dort war, lief das Qualifying. Auch der seit einigen Jahren an wechselnden Orten stattfindende E-Cannonball. Zudem fand im Flughafengebäude auch noch die Kunstmesse Paper Positions statt und nicht zu vergessen ist das ganze ehemalige Flugfeld ein großer, gut besuchter Park für die umliegende Stadtteile Tempelhof, Kreuzberg und Neukölln.
Wahrscheinlich war die Idee, das Reload Land in solch einer wuseligen Gemengelange von hunderttausenden Menschen stattfinden zu lassen, dass man mehr Spontanbesucher bekommt und so bekannter wird. Ich kann nicht beurteilen, ob das Kalkül aufgegangen ist. Als Besucher fand ich das ehrlich gesagt ziemlicher Mist, weil es für mich eigentlich nur Nachteile hatte.
Ich komme ja dorthin, weil mich die E-Motorräder interessieren und man vor allem auch Probefahrten machen kann. Dafür ist ein Veranstaltungsort innerhalb des Berliner S-Bahnrings aufgrund der Verkehrssituation schon mal ziemlich untauglich.
Schlimmer war, dass die Bindung an den E-Grand Prix auch massive organisatorische Probleme zur Folge hatte.
- Neben der Registrierung für das Reload.Land brauchte man auch noch eine weitere Eintrittskarte für den Fan-Bereich vom E-Grand Prix, obwohl der mich gar nicht interessiert hat.
- In der gesamten Kommunikation wurde nicht deutlich, wo überhaupt der Eingang zur der Veranstaltung ist. Nicht ganz unwichtig, weil der blöde Flughafen nämlich echt gross ist. Ich bin erst mal aus Versehen beim Lieferanteneingang gelandet und wurde dann zur Presseakkreditierung geschickt, bevor sich jemand meiner erbarmt hat und mir korrekte Infos gegeben hat.
- Wenn ich vor habe, Probefahrten mit Motorrädern zu machen, habe ich natürlich Schutzkleidung und Helm an. Und deshalb komme ich natürlich nicht mit der U-Bahn, sondern mit dem eigenen Motorrad. Eigentlich klar, bloss muss man das dann auch irgendwo ordentlich parken können. Das war nicht vorgesehen. Also habe ich meine Kiste ziemlich ungeil auf einem Grünstreifen abstellen müssen.
- Noch besser war die Ansage am Einlass, dass man seinen Helm nicht mit reinnehmen darf.
WTF??? Natürlich muss ich meinen Helm mit reinnehmen, wenn ich Motorräder ausprobieren will. Das wurde dann von mitfühlenden Orga Mitarbeitern gelöst, indem man diskret über einen Seiteneingang reingelotst wurde. - Dann musste man seinen Helm in einem Container ablegen, damit die Grand Prix Security nicht rumnervt. Immerhin hat sich dann jemand als „Helmgardobiere“ erbarmt.
- Wenn man sich dann eine Probefahrt organisiert hatte, musste man das Fahrzeug bis zum Ausgang schieben, weil es verboten war, auf dem Gelände zu fahren! Bei der 100kg leichten Zero XE kein Problem, aber eine 247kg schwere Zero DSR/X?
- Dann kommt man von der Probefahrt mit der geliehenen Maschine, die x-mal an dem Tag rein- und rausfährt zurück und die Security fragt ernsthaft, ob man eine Eintrittskarte hat. Meine Erwiederung „Ja natürlich. Ich bringe doch gerade die Probefahrtmaschine zurück“ wurde mit glasigem Blick und dem Spruch „Dann zeig mir doch die Eintrittskarte“ beantwortet.
Diese Dumpfheit hat mich wirklich für 5 Sekunden sprachlos gemacht, bevor ich meine Handschuhe ausgezogen habe, mein Smartphone aus der Tasche gezogen habe, darauf rumgefudelt, bis der „Wachtmeister“ den Code gesehen hat, die Sachen wieder verstaut, Handschuhe wieder an, einmal um die Ecke gefahren und dann das Ganze nochmal (!!!) um dann die Maschine wieder zurückzuschieben.
Wichtig daran ist, dass diese ganze Hohlköpfigkeit und geistige Stumpfheit von der Orga und Security des E-Grand Prix ausging. Die Orga und die Mitarbeiter vom Reload.Land haben alles mögliche getan, damit die Situation nicht völlig aus den Fugen gerät. Danke dafür.
Aber so eine Kombination bitte nicht für das nächste Mal.