Dirk Ollmetzer | Samstag, 30 Juni 2007 |
Misc
Ich bin in letzter Zeit über ein paar spannende Softwareprodukte gestolpert, die ich gerne demnächst ausprobieren möchte. Zugegeben: für Otto Normaluser ist das vermutlich nix…
Citadel
Citadel ist eine Groupware, die ihre Wurzeln noch in der BBS-Szene (Mailboxen!) der 80er hat, aber auf dem neuesten Stand zu sein scheint. Sie bietet E-Mail, Kalender, Adressbücher, Nachrichtenbretter, Mailing-Listserver und Instant Messaging. Die Bedienung ist per Telnet, Webbrowser oder verschiedenen Groupware-Clients, wie MS-Outlook (Windows), Kontact (Linux) oder Evolution (Linux) möglich.
Zu finden bei www.citadel.org.
Ubuntu auf VMWare
Das neue Ubuntu-Linux wollte ich schon lange mal ausprobieren. Aber zur Zeit habe ich einfach keinen Rechner frei. Einer ist mein Arbeits- und Kommunikationsgerät. An dem spiele ich nicht rum – der muss einfach funktionieren. Der andere Rechner ist meine Audio-Workstation mit Reason. Mit den ganzen Audio- und Firewire-Treibern ist der auch nicht ganz unempfindlich. Neulich hat mit Thomas davon erzählt, daß es Ubuntu als vorgefertigtes Image für den VMWare-Player gibt. Klasse Idee – ein neues Betriebssystem in einer Virtual Machine ausprobieren.
Den VMWare Player gibt es hier: VMWare.
Das Kubuntu VMWare-Image gibt es hier: jars.de.
WOS Portable
WOS Portable bedeutet „Webserver on a stick“. Auf dieses geniale Tool bin ich am meisten gespannt. Das Problem beim Entwickeln von Webapplikationen ist, daß man zunächst einen installierten Webserver benötigt. Dieser besteht aus einer nicht ganz trivialen Kombination und Konfiguration verschiedenster Softwaremodule (Apache, Apache-Module, PHP, Perl, MySQL etc). Die eigene Software „mal eben“ auf einem anderen Rechner auszuprobieren, ist somit zunächst nicht möglich. Mit WOS kann man alles zusammen auf einem USB-Stick mitnehmen und auf einem anderen Rechner starten.
Völlig genial ist die tolle Onlinekonfiguration. Man klickt an, welche Funktionen man haben möchte und lädt dann ein fertig vorkonfiguriertes Paket herunter.
Plug-and-Play Webapplikationen – da gibt es doch bestimmt massenweise interssante Anwenderszenarien, oder?
Zu finden bei CHSoftware
Dirk Ollmetzer | Samstag, 30 Juni 2007 |
Gizmos
Diese Woche war ein Freund von mir zu Besuch. Nachdem wir uns die Neuigkeiten des letzten Jahres und den neuesten Klatsch un Tratsch erzählt hatten, kam die Frage auf: „…und was machen wir jetzt?“ Das Wetter war recht bescheiden, so daß wir Outdooraktivitäten nur sehr eingeschränkt in Betracht zogen. Was macht man als Tourist in einer Stadt bei schlechtem Wetter? Richtig – Museen angucken. Das haben wir dann auch getan.
Das Museum für Kommunikation in der Leipziger Straße ist recht schön gemacht, aber nicht sehr groß. Nach 1 1/2 Stunden ist man durch. Ein Detail, das ich interssant fand: Das „Fax“ (Fernkopierer) von Siemens und Halske aus dem Jahr 1940! Das ist noch eher Maschinenbau, als Elektronik.

Siemens Fernkopierer von 1940
Die gegenwärtige Ausstellung „Die Roboter kommen“ fand ich dagegen leider recht enttäuschend. Das Thema wurde weder in der Breite, noch in der Tiefe ausreichend abgehandelt. Insgesamt war sie einfach viel zu klein.
Das Deutsche Technikmuseum ist da schon von ganz anderem Kaliber. Insbesondere die Exponate zu den Themen Eisenbahn, Schiffahrt und Luftfahrt können begeistern. Vier Stunden sind da schnell rum.
Alles in allem ist auffällig, welcher ungeheure materielle Aufwand früher getrieben wurde. Der schrankgroße Fernkopierer ist nur ein Beispiel. Ein anderes ist ein 3m hoher Einzylinder Dieselmotor mit sagenhaften 22PS, bei dem alleine das Schwungrad satte 5 Tonnen wog.
Man kommt da ein wenig ins sinnieren, zum Beispiel über die Geschwindigkeit des Fortschritts. Wenn man Flugzeuge aus den 30er Jahren sieht und sich vorstellt, wie extrem sich das Leben der Menschen zwischen 1900 und 1939 verändert hat – vom Krieg mal abgesehen. Verglichen damit leben wir heute in langweiligen Zeiten. Was hat sich schon in den letzten 39 Jahren grundlegend geändert? Personalcomputer und Handy, aber sonst fast nichts. Wir haben von allem ein bischen mehr, aber Autos, Flugzeuge, Computer, Fernsehen – das alles gab es auch 1968 schon. Ich bin mir absolut sicher, daß die nächsten 39 Jahre sehr viel turbulenter sein werden und sich das Leben im Jahr 2046 ganz erheblich von unserem unterscheiden wird.
Unter politischen Kampfbegriffen verstehe ich Formulierungen, die Stimmung für oder gegen etwas machen sollen und die bei näherer Betrachtung schlicht falsch sind. Um die Diskussion ein wenig zu versachlichen, sollte man sich wenigstens darüber im Klaren sein, wenn man einen solchen Kampfbegriff nutzt oder mit ihm konfrontiert wird. Mein heutiger Kandidat:
Der Raubkopierer
Angeblich sind wir ja fast alle Raubkopierer, wie uns beim Gang ins Kino oder beim Einlegen einer DVD erzählt wird. Tatsächlich habe ich zwar bereits viele Leute kennengelernt, denen man hin und wieder Urheberrechtsverstöße nachsagen könnte, aber einen Raubkopierer habe ich noch nie gesehen.
Wie kann das sein?
Der Begriff „Raub“ ist im §249 des Strafgesetzbuches definiert. Demzufolge handelt es sich beim Raub um eine Kombination von zwei Handlungen: Es muß unter Androhung oder Ausübung von Gewalt eine fremde bewegliche Sache weggenommen werden.
Die Androhung oder Ausübung von Gewalt spielt bei diesem Delikt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit niemals eine Rolle – von einem hahnebüchenen Plot wie in dem Film Operation Swordfish mal abgesehen. Der Begriff „Raub“ kommt also nicht in Frage. Wie wäre es denn mit „Diebkopierer„?
Auch hier hilft ein Blick in das Strafgesetzbuch. Der Diebstahl ist in §242 StGB definiert. Hier heißt es:
„Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“
Die Frage, ob es sich bei Software, Musik oder Filmen um „bewegliche Sachen“ handelt, bejahen wir hier der Einfachheit halber mal. Die Absicht, sich oder Dritten etwas rechtswidrig zuzueigenen dürfte gegeben sein. Jedoch wird beim Kopieren niemand etwas weggenommen, da das Original ja unverändert erhalten bleibt. Somit entfällt auch der Begriff Diebstahl.
Was verbleibt, ist eine unerlaubte Vervielfältigung, somit also ein Urheberrechtsverstoß. Allerdings klingt „Urheberrechtsverletzer“ natürlich weniger dramatisch und bedrohlich als „Raubkopierer“.
Auch in den letzten Tagen ging die Arbeit an zzap weiter.
Neue Features
- Integrierter Flickr-Badge bei Orten (per Tags) und bei Profilen (per Benutzername)
- Die Handynummer wird jetzt in eigenem Profil angezeigt, bleibt aber für die anderen unsichtbar
- Newsteaser auf der Startseite
- Eigene Videoseite
- Das Profil Foto wird nach dem Hochladen automatisch skaliert
- Anzeige, welche Freunde sich benachrichtigen lassen
- Benachrichtigung bei einer Kontaktanfrage funktioniert jetzt
Korrekturen und behobene Fehler
- Beschränkung des Eingabefeldes auf 160 Zeichen
- Leere Eingaben werden nicht mehr akzeptiert
- „Freunde Deiner Freunde“: Nutzer wird nicht mehr angezeigt, wenn bereits eine Kontaktanfrage vorliegt
- Benachrichtigungsmails kommen jetzt vom eigenen Account -> Besser für Spamfilter
Der hochgeschätzte Mario Sixtus schreibt in seinem Blog in dem Artikel „Multiple Bewegungen an der Bewegtbildfront“ eine Einschätzung zum Thema Fernsehen, der ich nur aus vollem Herzen zustimmen kann. Bereits die Einleitung läßt mein Herz höher schlagen: Er schreibt von einem Medienforum, auf dem sich die alten Männer wieder gegenseitig auf die Schulter klopfen und bestätigen, wie wichtig und wie gut und wie zukunftsfähig das Fernsehen doch ist.
Wer häufig moderne Medien nutzt, weiß natürlich, daß das kompletter Blödsinn ist. Moderne Medienkonsumenten fühlen sich vom Fernsehen (egal ob privat oder öffentlich-rechtlich) nur noch eingeengt und verarscht als Kunde nicht ernst genommen. Unabhängig von der Qualität einzelner Beiträge wirkt das ganze Medium mit seinen starren Programmshemata, einer Einteilung in Sendekanäle, die keinerlei logischen thematische oder zeitliche Ordnung bringen doch nur noch verstaubt und veraltet. Es wird demnächst ebenso auf dem Schrottplatz der Technikgeschichte verrotten, wie Dampfmaschinen.
Fernsehen ist was für alte Leute. Das Medium ist auf dem absteigenden Ast – es ist einfach vorbei.
Das Gefühl hatte ich zwar schon lange, aber mittlerweile ist das ist nicht mehr nur graue Theorie. Fakten schaffen Klarheit. Junge Leute schauen zwar noch TV, nehmen das Medium aber nicht mehr ernst, wie an einer Grafik in dem Artikel deutlich wird. Je jünger die Befragten waren, desto wichtiger waren Computer und Mobiletelefon – und andersrum. Erst bei einem Durchschnittsalter von über 40 wird das Fernsehen als wichtiges Medium genannt.
Frage (rhetorisch): Sind Internetfähige Computer „neuartige Rundfunkempfangsgeräte“?
Antwort: HAHAHAHA…
Dirk Ollmetzer | Montag, 18 Juni 2007 |
Gizmos,
Misc
Gestern bei Wired gefunden. So ein tolles Büro will ich für meine Firma auch haben.
Die in San Francisco ansässige Firma Three Rings produziert übrigens webbasierte Computerspiele mit hohem Niedlichkeitsfaktor.
Das waren noch Zeiten, als man 8-Bit Heimcomputer in Maschinensprache programmieren musste, damit man überhaupt irgendwas sinnvolles mit dem Gerät anstellen kann. Das habe ich damals auch gemacht. Mit dem Commodore 64 in 6502 Assembler.
Heutzutage läuft das ganz entspannt im Webbrowser per Javascript. Wahnsinn!
Holla, das hätte ich gar nicht mehr zu hoffen gewagt. Ein kritischer Artikel bei Spiegel Online reflektiert noch einmal den G8-Gipfel: „Big Brother im Tiefflug„. Interessant findere ich insbesondere die abschließende Forderung nach einer „… Datei von Beamten und Politikern, die eine politische Protestbewegung – über deren Forderungen man trefflich streiten kann – in die Terrorecke drängen wollen.“
Dem kann ich mich nur anschließen. Die ständige Rechtsbeugung und Übertretung von Vorschriften und Gesetzen durch Staatsbedienstete muss endlich zu spürbaren Sanktionen führen. Ansonsten ist der Rechtsstaat das Papier nicht wert, auf dem seine mehr als 6000 Gesetze und Vorschriften stehen.
Die Evolution im Bereich der Mobile Communities geht weiter. Neben dem selbstverständlichen Entfernen von Fehlern gibt es im Wesentlichen ein neues Feature – aber das bringt echten Mehrwert:
Automatische Benachrichtigungen
Man kann jetzt für jeden Kontakt einstellen, ob man benachrichtigt werden möchte, wenn die Person eine neue Meldung geschrieben hat. Dazu gibt es oben in der Navigationszeile den Link „Benachrichtigungen“. Man kann einstellen, ob man per E-Mail oder per SMS benachrichtigt werden möchte. Um die SMS-Benachrichtigung nutzen zu können, muss man ein Guthaben auf seinem Konto haben und natürlich seine Handynummer im Profil angeben. Die Nummer bleibt für andere unsichtbar!
Konto? Was soll das?
Jede verschickte SMS kostet mich Geld. Damit Ihr mich nicht in einem Tag „armspielt“, gibt es ein Guthaben. Zur Zeit ist noch keine Möglichkeit eingebaut, das Guthaben aufzuladen – das kommt erst in der offiziellen Version. Ich werde aber Guthaben als kleines Dankeschön für das Testen einrichten.
Viel Spass beim Ausprobieren!
Die wichtigsten behobenen Fehler sind:
- Die Fehlermeldung „Illegal Action“ wurde angezeigt, wenn nach dem ersten Seitenaufruf sofort das Login aufrief.
- Neue Orte wurden manchmal nicht gleich verlinkt.
- URL-Probleme bei Usern mit mehrteiligen Usernamen.
- „Freunde deiner Freunde“ wird jetzt nur noch auf der eigenen Freundesliste angezeigt
Man weiß es bereits seit mehreren Wahlen in den USA und auch aus Wahlen in den Niederlanden: Wahlcomputer sind unsicher. Ihre Funktion ist intransparent und die Ergebnisse sind nicht überprüfbar. Das ist ein prinzipielles Problem, das nicht von bestimmerter Hard- oder Software abhängt.
Wie schlecht die bisher zum Einsatz kommenden Geräte aber tatsächlich sind, erstaunt sogar mich Berufpessimisten. Nachzulesen ist dies ausfühlich in dem Gutachten, das der Chaos Computer Club für das Bundesverfassungsgericht angefertigt hat. Ich zitiere mal die Zusammenfassung aus Kapitel 11. Fazit:
Die Untersuchung hat gezeigt, daß:
- die Software der Wahlcomputer problemlos manipulierbar ist,
- Manipulationen an der Hardware einfach möglich sind,
- die Programmier- und Auswertesoftware in einfacher Weise angreifbar ist,
- die Zulassungs- und Prüfverfahren ungeeignet sind, Manipulationen aufzudecken,
- die Annahmen des BMI und der PTB über mögliche Wahlfälscher unrealistisch sind,
- die aus diesen Annahmen resultierenden Anforderungen und Maßnahmen (‚geschützte Umgebungen“) unwirksam sind,
- Versiegelungen und Plomben keinen wirksamen Schutz bieten,
- dem Wähler eine effektive Kontrolle und Verifikation der Wahl nicht mehr möglich ist,
- neue Risiken und Angriffsmethoden fortlaufend entstehen,
- im internationalen Vergleich eher die Abschaffung als die Einführung von Wahlcomputern als sinnvoll erachtet wird und
- eine Manipulation der Wahlcomputer zur Bundestagswahl 2005 nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann.
Die Vorwürfe sind mittlerweile nicht mehr theoretischer Natur, sondern faktisch belegt. Bei Personen, die noch immer für den Einsatz von Wahlcomputern plädieren, liegt m.E. der Verdacht nahe, daß sie
- sachlich vollkommen unqualifiziert sind (was noch die die freundlichste Annahme ist), oder
- einen persönlichen finanziellen Vorteil aus dem Einsatz von Wahlcomputern ziehen wollen, oder
- tatsächlich eine nicht überprüfbare Wahlmanipulation bezwecken.
Wie auch immer – diese Geräte gehören verboten. Ihr Einsatz ist potentiell staatsgefährdend.
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