Neulich stellte ich die Frage, wieso ausgerechnet die Musikindustrie so viel Einfluss auf die Gesetzgebung hat, daß sie es schafft immer mehr bisher geltende Rechtsgrundsätze in ihrem Sinne zu beeinflussen und die öffentliche Diskussion um die veränderten Konsumgewohnheiten auf das Phänomen der sogenannten „Raubkopierer“ zu reduzieren. Wieso kann sie ihr veraltetes und nicht mehr tragfähiges Geschäftsmodell durch einen neuen Rechtsrahmen stützen lassen, der einen großen Teil ihrer Kunden kriminalisiert?
Wie schafft eine Industrie, die – verglichen mit anderen Industrien, die in Deutschland bereits verschwunden sind (Foto, Unterhaltungselektronik, …) – über geringere Umsätze und nur wenige Beschäftigte verfügt, ein derartiges politisches Gewicht in die Waagschale zu werfen?
Zum Teil könnte das mit der – nun sagen wir mal – besonderen Präsenz der Bertelsmann-Stiftung im Prozess der politischen Willensbildung haben.
In anderen Teilen der Welt dürfte die Erklärung vermutlich so ausfallen: Die Musikindustrie ist nur ein Teil der weltweit agierenden Medienkonzerne. Diese Konzerne bestimmen zum großen Teil die öffentliche Wahrnehmung und somit Wahlen. Das macht Politiker erpressbar. Dieser Einfluss sorgt dafür, daß Politiker den Wünschen der Medienkonzerne eher gewogen sind. Und Medienkonzerne mögen es nun einmal nicht, wenn ihnen plötzlich komplette Geschäftsbereiche wegbrechen. Ob das an eigener Unfähigkeit, den falschen Produkten, dem falschen Umgang mit den Kunden, sich verändernden Konsumgewohnheiten oder den tatsächlichen Urheberrechtsverletzungen liegt ist den Herren auch scheissegal.
Alles was uns stört, wird einfach verboten!
Meine Hoffnung ist, daß sich die Veränderungen der Medienlandschaft trotz dieses enormen Drucks langfristig nicht aufhalten lassen. Geschäftsmodelle, die auf der Knappheit von Zugangskanälen basieren, sind im Zeitalter nahezu kostenloser Reproduzierbarkeit immaterieller Güter nicht mehr haltbar. Viele Künstler haben das bereits begriffen und umgehen mit Hilfe der neuen Techniken bereits die obsolet gewordenen medialen Türsteher um direkt mit ihren Fans zu kommunizieren. Ich gehe davon aus, daß das in Zukunft die Regel sein wird.
Einige wissen es ja schon: Ich entwickele seit einiger Zeit eine Mobile-Community-Anwendung. Seit ein paar Tagen läuft nun der Testbetrieb (pre-beta) mit einigen ausgewählten Freunden. Es sind auch bereits so einige Bugreports hereingekommen, so daß ich nicht über Langeweile klagen kann. In den nächsten Tagen wird zzap (alle meine Mobilprojekte heißen zzap) sicherlich das eine oder andere wichtige Update erfahren. Auch wenn es sich bei dem Projekt zur Zeit um eine Baustelle handelt: Ich benötige weitere Tester!
Was ist zzap denn nun genau? Wissenschaftlich gesprochen: Ein Werkzeug zur asynchronen Gruppenkommunikation. Profan gesagt geht es um die Fragen:
- Was machst Du?
- Wo bist Du?
- Wie geht es Dir?
Man kann seinem Freundeskreis mittels einer einfachen Kurznachricht den eigenen Status mitteilen. Meinen zuletzt gemeldeten Status kann man ja bereits seit einiger Zeit an dem Badge rechts oben im Blog sehen. Meldungen sind natürlich nur die eine Seite: Die andere Seite sind die Abfragen, wie es meinen Freunden geht.
Überall, jederzeit, auf allen Kanälen
Damit man jederzeit und überall melden und abfragen kann, gibt es nicht nur eine Website, sondern das Ganze funktioniert auch per WAP auf dem Handy, mit E-Mail und RSS-Feeds. Weitere Kanäle sind geplant.
Wer also Interesse hat und mittesten möchte, schreibe mir bitte eine E-Mail. Er/Sie bekommt dann eine Einladung zugeschickt.
Das bisherige Modell, besseres Leben mit mehr Konsum gleichzusetzen war schon immer fragwürdig und ist im Zeichen der aufziehenden Rohstoffkrisen nur noch als Auslaufmodell zu sehen. Wenn wir einen hochwertigen Lebensstil sichern wollen, müssen wir unser Konsumverhalten sehr stark ändern. Das Motto für die Zukunft muss heissen:
Weniger, aber cleverer
Wir werden weniger unterwegs sein können, bzw. müssen, brauchen aber dennoch weiterhin Fahrzeuge (Ich warte noch auf sinnvolle Konzepte für das Auto 2.0). Ein wichtiger Schlüssel dazu ist gekonnte Stadt- und Regionalplanung. Das ist zufälligerweise mein erstes Studium gewesen. Schon seit weit über 20 Jahren wussten die Stadtplaner, daß die maßvoll verdichtete Stadt ökologisch am günstigsten ist.
Nur – auch als überzeugter Städter- träumt man im Inneren trotzdem vom eigenen Haus. Das normale Einfamilienhaus kommt mir jedoch einfältig vor. Es steht weit weg von allem, man muss viel fahren und lebt trotzdem nicht richtig im Grünen. Wer mich kennt, weiß, daß ich laufend seltsame Zeichnungen anfertige über Minimalhäuser, Gebäude aus recycelten Containern und ähnlichem. Am liebsten hätte ich auf einem möglichst naturbelassenem Grundstück ein kleines Haus, günstig in Anschaffung und Unterhalt. Es sollte ökologisch verträglich sein und nach Jahren ohne Probleme wieder vom Grundstück zu entfernen. Ideal wäre ein Mobile Home. Aber die Modelle die ich gesehen habe waren einfach extrem abstoßend: billig zusammengeklebt, häßlich, unökologisch.
Inspirierend: Minihäuser
Die Idee des Minimalwohnens haben aber offensichtlich auch andere. Sehr inspirierend fand ich den Artikel „Konservendose oder Haus der Zukunft?„. Dort werden die teilweise wirklich gelungenen Entwürfe von Jay Shafer vorgestellt. Er selbst wohnt in einem Haus mit nur 10 qm Grundfläche! Das ist zwar selbst mir etwas zu extrem, aber man kann sich hervorragend anregen lassen. Offensichtlich gibt es eine gewisse Nachfrage, denn er hat sich auf den Bau von Minimalhouses spezielisiert. Ein Blick auf die Homepage von Tumbleweed Tiny House Co. lohnt sich definitiv.
Nach dieser Lektüre hatte ich gleich den Wunsch, mich von überflüssigem Kram zu befreien. Also gleich mal den Videorecorder und die Kassettensammlung entsorgt. die Überraschung dabei: Videokassetten sind Hausmüll!!!
Naja, wenn die BSR meint…
Aus gegebenem Anlaß möchte ich die Wortschöpfungen des letzten Wochenendes bekanntgeben:
Zuchthauschampignons
Pilze, die in geschlossenen Gebäuden gezüchtet werden
Freilichthühner
Hühner, die auch mal außerhalb der ställe ein wenig Auslauf haben
Indoor Katze
eine Katze, die ausschließlich in der Wohnung gehalten wird
Unsere selbstlosen, weisen und stets dem Gemeinwohl verpflichteten Volksvertreter haben zum Schutz der Bürger zwei tolle Neuerungen parat:
Toll, oder? Endlich wird der wilde Westen die Bundesrepublik Deutschland sicher!
Leider nicht. Es handelt sich hier um zwei hervorragende Beispiele dafür, wie Gesetze genau das Gegenteil dessen bewirken werden was vorgeblich das Ziel sein soll. Wieso sehe ich Berufsparanoiker jetzt schon wieder schwarz? Schauen wir uns kurz an, worum es vermutlich wirklich geht.
Hackerparagraph
Es soll unter Strafe gestellt werden, Hackerwerkzeuge zu programmieren, zu besitzen, sich zu beschaffen und zu verbreiten. Klingt zuerst mal toll. Endlich wird was gegen die bösen Hacker getan. Leider verursacht eine solche Regelung unter dem Strich erhebliche Rechtsunsicherheit für Computernutzer – und das sind wir letzten Endes ja fast alle. Zunächst einmal:
WAS IST EIN HACKERWERKZEUG? Programme, die zum Einbruch in fremde Computer genutzt werden können. Aha, leider hilft das nicht weiter. Fallen darunter schon einfache Werkzeuge wie ‚ping‘ oder ‚traceroute‘, die jeder Netzwerkadministrator braucht? Selbst wenn es sich um explizite Einbruchswerkzeuge handelt: Diese sind unbedingt notwendig um zu testen, ob die eigenen Systeme und Netzwerke genügend gegen Einbruchsversuche gesichert sind. damit ergibt sich für Netzwerkadministratoren folgendes Dilemma:
Es dürfen keine „Hackerwerkzeuge“ genutzt werden, gleichzeitig müssen die Systeme sicher sein, weil sonst eine Gefährdungshaftung greift, falls die eigenen Rechner gekapert werden.
Egal was man macht oder unterlässt – man ist immer der Dumme und steht mit einem Bein im Knast. Das läßt für mich nur den Schluss zu, daß der Gesetzgeber entweder schreiend inkompetent ist oder explizit die Herstellung von Rechtsunsicherheit bezweckt. Man stelle sich vor, daß man verhaftet werden kann, weil man sich im Baumarkt eine Axt gekauft hat – schließlich könnte man ja damit jemanden töten.
Nein Leute, Einbruch in fremde Computersysteme, Ausspähen von Daten und ähnliches sind bereits verboten. Es zählt nicht das Werkzeug, sondern die Tat. Es gibt keinen Grund für zusätzliche Regelungen, die unnötigen Interpretationsspielraum (= Rechtsunsicherheit) schaffen.
Grundgesetzänderung
Das Grundgesetz ist primär dafür da, die Menschen vor Eingriffen des Staates in die Menschen- und Bürgerrechte zu schützen – unbesehen von irgendwelcher momentan aktueller Technik. Die Grundrechte umfassen dabei solche edlen Werte wie Informations-, Meinungs-, Versammlungs-, die Vereinigungsfreiheit, das Postgeheimnis und die Unverletzlichkeit der Wohnung; mithin also alles Bereiche die in den verschiedenen Gesetzgebungsverfahren der letzten Jahren systematisch beschnitten worden sind. Es gibt schlichtweg keinen Grund, warum jetzt das Internet explizit erwähnt werden soll.
Grundrechte sind Grundrechte. Ob im Internet oder im ‚echten Leben‘. Alle relevanten Rechte sind bereits definiert.
Der Verdacht liegt nahe, daß hier explizit ein Recht definiert werden soll, damit man es einfacher per Gesetz einschränken kann (Stichwort: Onlinedurchsuchung).
Der Sinn liegt also nicht darin, ein Grundrecht zu gewähren, sondern ganz im Gegenteil darin, es soweit wie möglich einzuschränken!
Ehrlich gesagt habe ich langsam keine Lust mehr jeden Tag mehrere neue Artikel über politische Angriffe auf die Menschen und Bürgerrechte schreiben zu müssen. Das kostet wahsinnig viel Zeit. Aber es ist unglaublich, wieviele Vorschläge und Gesetzesinitiativen in dieser Richtung jeden Tag gemacht werden.
Das ganze nimmt mittlerweile Ausmaße eines „weichen Staatsstreiches“ an.
Ich – paranoid? Kann sein. Aber lieber einmal zuviel, als einmal zu wenig den Mund aufmachen. Irgendwann geht es vielleicht nicht mehr!
„Wenn Schäuble eine andere Republik will, dann soll er gehen“
Burkhard Hirsch, ehem. Innenminister in Nordrhein Westfalen, gegenüber in der Süddeutschen Zeitung Online.
Passend dazu wird im Jahresbericht von Amnesty International beklagt, daß die um sich greifende Politik der Angst weltweit dazu genutzt wird, Bürger und Menschenrechte zu missachten und abzuschaffen. Das gilt insbesondere auch in den westlichen Staaten.
Mich beschäftigt bereits seit einiger Zeit die Frage, weshalb sich die westlichen Demokratien zwar ausgesprochen wehrhaft gegenüber tatsächlichen oder vermeintlichen Bedrohungen von außen zeigen, den internen Zersetzungprozessen aber nichts entgegensetzen; Sie nicht einmal richtig zur Kenntnis nehmen.
Ein kleiner Bereich dieser Problematik ist das planmäßige Zurückdrängen der Bürgerrechte durch die Regierungen, auf das große Teile der Bevölkerung desinteressiert oder sogar mit Zustimmung reagieren. Diese Tendenzen sind nicht nur in Deutschland, sondern in allen westlichen Demokratien festzustellen.
Wenn ich solche Entwicklungen bemerke komme ich mir manchmal vor wie ein außenstehender Beobachter, der sich fragt „Wieso wehren sich die Leute nicht? Ein Staat, der sich von demokratischen Grundsätzen verabschiedet, ist keine Demokratie mehr. Ein Volk, daß sich das gefallen lässt, hat auch keine Demokratie verdient.“
Ui ui – böse Gedanken? Vielleicht.
Demokratie besteht nun einmal nicht darin, alle 4 Jahre einmal ein kleines Kreuz malen zu dürfen, sondern setzt Interesse und aktive Auseinandersetzung mit Strukturen und Mechanismen voraus. Das ist anstrengend. Dazu benötigt man auch ein gewisses Maß an Bildung, über das eben viele leider nicht verfügen.
Ein weiteres Problem sind sicherlich der Verfall der gemeinsamen Werte einer Gesellschaft. Mitglieder einzelner Subkulturen haben global mehr miteinander gemeinsam, als mit ihren unmittelbaren Nachbarn. Das Gefühl hatte ich neulich in San Francisco, als wir durch die „Szene“ im mission district gingen. Es ist dort sehr bunt, man gibt sich tolerant und etwas esoterisch. Es gibt Bioläden, gute Restaurants und wirklich sehr guten Kaffee und viele Leute hängen hinter ihren Laptops um irgendeiner Tätigkeit nachzugehen.
Ich habe mich dort wohl gefühlt, aber das Ganze hat mich eher an Prenzlauer Berg erinnert. Das war eben nicht USA – es war eine kleine Enklave eines bestimmten Lebensstils, den man genausogut in Berlin, Barcelona, London oder sonstwo auf der Welt auch finden kann. Es ist eine „Niederlassung“ eines globalen Stamms von Mittelklassebürgern, Milchkaffeschlürfern und Medienarbeitern. Das ist der Stamm, dem ich mich zugehörig fühle.
Es gibt natürlich auch andere Beispiele: Der „Schlips und Kragen Stamm“ zum Beispiel, dem Manager, Finanzjongleure, Unternehmensberater angehören. Die sind weltweit unterwegs, wollen Wirtschaft global vernetzen akzeptieren keinerlei Grenzen mehr – für sich selbst. Sie finden überall auf der Welt Gleichgesinnte, bewegen sich aber eigentlich nur innerhalb der selbstgewählten Ghettos und haben nirgends etwas mit dem „normalen Volk“ zu tun.
Die Krise der Bürgerschaft (citizenship ist etwas schwierig zu übersetzen) thematisiert auch John Horvath in dem Artikel „The Thirty-Third Victim„. Er fragt sich, worin die wirklichen Ursachen für die zunehmende Anzahl von Amokläufen zu finden sind und kommt auf den Verlust des „Common Sense“. Alle Amokläufer fühlten sich als nicht dazu gehörig, als Verlierer, als Ausgestoßene.
Ich glaube, daß sich mittlerweile komplette Teile der Bevölkerung als „nicht dazu gehörig“ fühlen. Als Verlierer, als Menschen, denen es nicht einfach nur schlechter geht, sondern die auch noch für ihr eigenes vermeintliche Versagen verantwortlich gemacht werden. Warum sollte man sich für eine Gesellschaft einsetzen, die einen nur noch mit Füßen tritt und anspuckt?
Die Politik gießt leider seit Jahren nur noch Öl ins Feuer, anstatt zu versuchen integrativ zu wirken und auch Menschen, denen es schlechter geht darin zu unterstützen, einen Sinn in ihrem Dasein zu finden. DAS ist meines Erachtens das zentrale Problem des westlichen Staaten:
Der Mangel an Sinn, an Würde und an gegenseitigem Respekt.
Und aus diesem Grunde wirkt der westliche Lebensstil auf viele Menschen nicht mehr erstrebenswert. Deshalb wenden sich Menschen wieder den Religionen zu und fangen an, die wirklichen Errungenschaften der Demokratie zu verachten.
Dirk Ollmetzer | Dienstag, 22 Mai 2007 |
Golf
Nach den ganzen schweren politischen Artikeln der letzten Tage muss mal wieder etwas leichtes und bekömmliches her. Ich habe z.B. schon lange nichts mehr über Golf geschrieben. Was ist denn aus meiner Sicht in den letzten Monaten passiert?
Ich war diverse Male auf dem Platz – soweit nicht überraschend. Die Mitgliedschaft muss sich ja bezahlt machen.
Mein erstes Turnier liegt hinter mir. Das erste Mal 18 Loch am Stück. War erstaunt, wie lange das gedauert hat. 5 1/2 Stunden, wovon aber ungefähr eine Stunde aus warten auf die Flights vor uns bestand. Meine Clubvorgabe blieb bei 51.
Der Nico hat seit einigen Wochen auch die PE und ist schon fleissig dabei. Er ist sogar so begeistert, daß er (der alte Web2.0-Verweigerer) sogar einen Blog angefangen hat. Es dreht sich natürlich um Golf.
Marco und Claudia wollen nun auch mit Golf anfangen. Sie hatten mich ein bischen ausgefragt, als ich drüben war. Konnte sie in der Idee nur bestärken. Es wäre doch jammerschade, in Kalifornien zu wohnen, wo es so traumhafte Plätze gibt und den Sport nicht wenigstens mal auszuprobieren. Bei meinem nächsten Besuch spielen wir dann die eine oder andere Runde, nicht wahr?
Der Versuch, Computer, UMTS-Handies und ähnliches neumodische Zeug als „neuartige Fernsehempfangsgeräte“ zu deklarieren und daraus eine erweiterte Rundfunkgebührenpflicht abzuleiten ist einfach nur als dreist zu bezeichnen. Mit Fernsehern konnte man anfangs nur Fernsehen und später auch noch gekaufte Videos angucken. Damit war die Sache klar: Wer einen Fernseher hat, will fernsehen und muss dafür bezahlen.
Computer und die mobilen Derivate sind hingegen Multifunktionsgeräte, die zum Kommunizieren, Arbeiten, für Texte, Transaktionen und tausend tolle Sachen zu gebrauchen sind. Unter anderem kann man auch Videos auf ihnen sehen. Genau genommen wird andersherum ein Schuh daraus:
Das Fernsehen ist nur noch ein beliebiger Multimediadienst unter hunderten anderer.
Zudem einer, den moderne Medienkonsumenten zunehmend als inadäquat empfinden, weil ihnen Programmschemata aufgezwungen werden, die technisch nicht mehr begründbar sind. Mark Pesce drückt das Dilemma der Fernsehsender so aus: „Das Publikum sagt: Ich will es, und ich will es jetzt. Die Sender sagen: Nein, es gehört dir nicht, es gehört mir, du bekommst es, wann und wie ich es will.“
Wenn das Fernsehen, aber sein Alleinstellungsmerkmal verliert, der absolut dominante Multimediadienst für Privathaushalte zu sein, stellt sich natürlich die Frage nach der Legitimation des Fernsehens als Medium und der Sonderstellung des öffentlich rechtlichen Rundfunks. Wie Mario Sixtus in seinem Artikel „Das nächste Opfer“ beschreibt, basierte das ökonomische Modell des Fernsehens bisher auf dem Mangel an Sendefrequenzen. Dies erlaubt den Privatsendern, die Aufmerksamkeit der Zuschauer den Werbekunden zu verkaufen. Derselbe Mangel war auch die Begründung für die Einführung des öffentlich rechtlichen Rundfunks. Es sollte vermieden werden, daß sich die Meinungsmacht in den Händen weniger privater Sender befindet, aber auch ein Staatsfernsehen war nach den Erfahrungen des Dritten Reichs unerwünscht.
Die Daseinsberechtigung des öffentlich rechtlichen Rundfunks basiert letztlich auf einer technischen Unzulänglichkeit: Dem Mangel an Übertragungsfrequenzen.
Das erklärt auch, warum zum Beispiel niemals öffentlich rechtliche Zeitungen zur Debatte standen: Jeder kann eine Zeitung gründen, drucken lassen und verteilen. Jeder Bürger kann sich aussuchen, welche der tausende Publikationen er lesen möchte. Dasselbe gilt nun auch für Multimediadienste – jeder kann einfach etwas machen und jeder kann aus dem unendlichen Angebot aussuchen, was er möchte. Das Internet ist dem Sender-Empfänger-Modell nach also viel eher „eine neuartige Zeitschrift“, als ein „neuartiges Fernsehempfangsgerät“, wenn schon unsinnige Vergleiche bemüht werden müssen.
Eine Meinungsdominanz ist im Internet auf absehbare Zeit nicht zu befürchten, daher kann es auch keinen Auftrag zur Grundversorgung im Internet geben. Und ohne Grundversorgungsauftrag keine Rechtfertigung für Zwangsgebühren.
Die verbalen und juristischen Amokläufe der Musikindustrie in den letzten Jahren werden sich meines Erachtens sich letzten Endes als ein vergeblicher Versuch erweisen, Entwicklungen aufzuhalten, die sich nicht aufhalten lassen. Die schon fast militanten Initiativen „zum Schutz geistigen Eigentums“ sind vermutlich lediglich Rückzugsgefechte. Ein Kommentar bei Heise Online bringt die Situation m.E. schon ziemlich gut auf den Punkt: „Das Ende des Urheberrechts ist nahe„.
Während einer verglichsweise kurzen Epoche von ca. 100 Jahren gab es ein historisch einmaliges Geschäftsmodell, durch den Vertrieb von konservierter Musik Geld zu verdienen. Dieses Geschäftsmodell wurde durch die verfügbaren technischen Mittel ermöglicht. Neuere technische Mittel sorgen nun aber dafür, daß die Grundlage dieses Geschäftmodells wieder obsolet wird. Kein Grund zur Trauer. Auch früher wurde Musik geschrieben, gespielt und gehört. Musiker konnten von ihren Darbeitungen leben – oder nicht. Genau wie heute und genau wie morgen.
Das Problem ist selbstverständlich wesentlich umfassender. Letztlich ist nicht nur die Musikindustrie betroffen, sondern die komplette parasitäre Rechteverwertungsindustrie. Das völlig aus dem Ruder gelaufene amerikanische Patentwesen zeigt bereits, daß die Überbewertung von sogenanntem „geistigen Eigentum“ (für mich der Unbegriff des Jahrzehnts) auf Kosten der geistigen Almende führt: Im Extremfall bis zur geistigen und wirtschaftlichen Selbstblockade. Dazu schreibe ich aber nochmal einen anderen Artikel.
Nachtrag:
Okay, auch wenn das Copyright stirbt, sollte man doch den Leuten den Credit geben, die ihn verdienen: Der Originalbeitrag stand in Neon.
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