tiny little gizmos

VR – aufgewärmter Quatsch ohne Soße…

Damals in der 80ern waren nicht nur die Heimcomputer neu, sondern auch diverse Zukunftsszenarien aus damals aktuellen Science-Fiction Geschichten. Ganz heiß erschien damals die Idee vom Cyberspace, oft auch Virtual Reality (VR) genannt. Eine völlig künstliche Umgebung, die nicht den Zwängen der realen, körperlichen Welt unterlag. Eine konstruierte Welt aus Software, in der man sich scheinbar grenzenlos bewegen konnte. Unendliche Möglichkeiten schienen sich aufzutun…

Die ersten wirklichen Versuche, VR umzusetzen waren in den 90ern dagegen ziemlich ernüchternd. Und zwar so sehr, dass das Thema – bis auf Nischenanwendungen, wie Automobildesign – eigentlich seit 20 Jahren vom Tisch ist.

In den letzten 1-2 Jahren kocht das Thema aber so langsam wieder hoch. Ich muss zugeben, daß mich das ziemlich kalt lässt. Als Jugendlicher wäre ich damals vermutlich völlig drauf abgefahren, aber mir ist die Idee mittlerweile einfach zu abgedroschen.

Trotzdem kann natürlich ein kleiner Reality-Check nicht schaden. Versuchen wir mal die Einsteigerdroge: Google Cardboard.

Let’s do it!

Ich hatte mir vor drei oder vier Monaten schon mal Google Cardboard auf meinem Smartphone installiert, aber ohne VR-Brillengestell machte das keinen Sinn. Also hatte ich die App erstmal wieder gelöscht. Am Samstag bin ich bei Conrad über einen Stapel VR-Brillen von Google gestolpert. Kostet ja nicht sooo viel, also habe ich eine der Pappschachteln mitgenommen.

Google Cardboard

Google Cardboard

Fertig zum Ausetzen

Fertig zum Aufsetzen

Das Prinzip ist simpel: Eine Pappschachtel mit zwei Linsen, in die man sein Smartphone klemmt, das ganze auf die Nase setzt und mit den Halteriemchen am Kopf fixiert.

Aber vorher musste ich die App neu installieren, weil ich sie ja zwischenzeitlich gelöscht hatte und – oh Wunder – mein Telefon ist plötzlich nicht mehr kompatibel. Wieso? Vor drei Monaten ging es doch. Ich habe Android 6 auf dem Phone – von veraltet kann also keine Rede sein. Nun gut, also habe ich mit ein paar andere VR-Apps heruntergeladen und damit etwas rumgespielt.

Fazit

Die Erfahrung kann ich in einem Wort zusammenfassen:

Schrott!

Oder etwas ausführlicher:

  • Man sieht wie der letzte Mutant aus. Smombies sind ein Scheissdreck dagegen.
  • Die Kiste mit dem Smartphone auf der Nase nervt – es ist zu schwer und stört einfach nur.
  • Die Fokussierung stellt sich auch nicht gerade von selbst ein. Ich musste mich ziemlich konzentrieren.
  • Keine der Apps hat den Gyroskop im Telefon richtig benutzt. ein Kopfschwenk führte meistens zu gar nichts oder zu einer verzögerten Bewegung, die überhaupt nicht synchron zur Körperbewegung.
  • Die Bedienung ist problematisch, weil man den Touchscreen ja nicht mehr anfassen kann.
  • Dadurch, dass man mit den Augen direkt am Display ist, wirkt das Bild ist unglaublich grobkörnig. Ohne 4K-Display braucht man so etwas gar nicht anzufangen.
  • Von dem Fake-3D wird mir innerhalb von 30 Sekunden übel.
  • Es gab keine einzige App, die mich inhaltlich irgendwie interessiert hätte.

Gut, einige der Punkte davon könnte man mit richtiger Hard- und Software korrigieren. Aber eine wesentlich teurere Kombination aus High-End Samsung Phone und der dazugehörigen Brille war auch nicht viel besser.

Meiner Meinung nach ist die ganze VR-Idee – von einigen Spezialanwendungen wie Konstruktion oder Simulatoren mal abgesehen – für die breite Masse unsinnig.

 

Und überhaupt…

Daß so beharrlich versucht wird, diese eigentlich schon begrabene Idee wieder aufzuwärmen, hinterlässt bei mir einen faden Beigeschmack. Virtual Reality reiht sich für mich in eine täglich länger werdende List von technischem Zeug, dass ich explizit nicht haben will, wie z.B.:

Internetfähiger Kühlschrank. Die Idee war vor 20 Jahren Schrott, vor 10 Jahren Schrott, ist immer noch Schrott und bleibt es auch.

Chatbots. Noch so ein 20 Jahre alter aufgewärmter Quark. Was soll toll daran sein, mit begriffsstutzigen Maschinen zu reden? Das nervt ja bei Menschen schon genug.

Smarthomes und überhaupt alles, was gerade mit „Smart-“ anfängt. Damit absolut jeder Lebensbereich ausgeforscht und im nächsten Schritt ferngesteuert werden kann. Und wir entwickeln uns alle im Rekordtempo zurück zu Amöben. Einige sind ja schon recht weit auf diesem Weg…

Internet of Things. Super, dass jetzt nicht nur mein Computer und mein Handy, sondern auch Lampen, Stereoanlagen, Heizungen, Blumenvasen und Bilderrahmen tägliche Securityupdates brauchen – und trotzdem gehackt werden. Das steigert so richtig die Lebensqualität.

Selbstfahrende Autos. Woher kommt diese Scheiß Idee eigentlich plötzlich? Ich habe in den letzten Jahren eigentlich niemanden gehört, der der Meinung ist, das größte Problem an Autos sei, dass man sie selber fahren muss. Eher so Umwelt, Platzverbrauch, Lärm, Zersiedlung der Landschaft, Ressourcen und ähnliche Dinge.
Eigentlich kann es doch nur darum gehen, so langsam wieder von den Autos wegzukommen und die restlichen mit erneuerbaren Energien anzutreiben.

Mobile Payment. Wenn mir das Handy geklaut wird, ist also nicht nur mein Telefon weg, meine Kontaktdaten, mein Kalender, meine Fotos, meine Social Media Zugänge kompromittiert, sondern auch noch das Geld, was ich auf dem Konto habe. Im Alltag bleibt das Standardproblem jeder bargeldlosen Finanztransaktion: die völlige Nachverfolgbarkeit jeder kleinen Zahlung. Ist ja ’ne Super Idee – ich bleibe bei Bargeld.

Künstliche Intelligenz. Seien wir doch mal ehrlich: Das werden alles absolut unerträgliche digitale Klugscheißer werden, die uns das Leben auf jede erdenkliche Art zur Hölle machen. Ist ja selten genug, dass man überhaupt mal natürliche Intelligenz endeckt.

 

Ich habe das Gefühl, dass diese dämlichen und ausgelutschten Ideen alle paar Jahre wieder rausgeholt werden, um zu prüfen, ob das Volk jetzt endlich verblödet und degeneriert genug ist um vollständig entmündigt zu werden. In anderen Gegenden der Welt wird dafür Religion verwendet und bei uns läuft es halt so.

 

Sommerfest auf Schloss Wiepersdorf

Nach der glühenden Hitze der letzten Tage war es am Sonntag mit 24 Grad geradezu erfrischend. Ideale Voraussetzungen für eine schöne Landpartie. Also ab ins Auto, das Dach geöffnet und entspannt zum Schloss Wiepersdorf (ca. 80Km südlich von Berlin in der Nähe von Jüterbog) gefahren. Dort fand das jährliche Sommerfest statt.

Auf dem Sommerfest präsentieren die Stipendiaten in den Ateliers des Künstlerhauses ihre Arbeiten. Es gab Lesungen und Livemusik auf der Schlossterasse und sehr unterschiedliche Kunstwerke von koreanischen, finnischen und natürlich deutschen Künstlern in den Ateliers zu sehen.

Für das leibliche Wohl war ebenfalls gesorgt wie für interessante Gespräche mit Künstlern und Bekannten. So ging der wunderschöne Nachmittag auch schnell zu Ende. Aufgrund des EM-Fußballspiels waren die Straßen nahezu leer und daher sogar die Rückfahrt nach Berlin extrem locker.

Ein wunderschöner Tag!

Hier noch ein paar Impressionen:

Wiepersdorf

Ortseingang Wiepersdorf

Schloss Wiepersdorf

Schloss Wiepersdorf

Orangerie

Orangerie

Ausstellung Im Künstlerhaus

Ausstellung Im Künstlerhaus

Welche Shopsoftware würdest Du jetzt nehmen?

Die Frage „Welche Shopsoftware würdest Du jetzt nehmen?“ stellte mir Lars Jankowfsky bei seinem Vortrag „E-Commerce was wirklich zählt. Die Developer Edition“ auf der code.talks eCommerce Konferenz. Zuvor hatte ich bereits erzählt, dass ich 2010 für die Shops der CBR eCommerce GmbH (siehe meine Referenzen) OXID Enterprise Edition ausgewählt hatte. Die wesentlichen Gründe waren damals, dass der Quellcode einsehbar war, die Verfügbarkeit von PHP Entwicklern und die bessere out-of-the-box Performance im Gegensatz zu Magento.

Seinerzeit ist das eine richtige Entscheidung gewesen. Aber was würde ich heute wählen?

Da kam ich ins schwimmen und sagte etwas lahm „Vielleicht eher Shopware“, aber die Antwort war nicht gut. Im Gegensatz zu 2010 ist die verfügbare Technik heute deutlich breiter aufgestellt, wie ja gerade auf dieser Konferenz deutlich wurde. Ehrlicherweise hätte ich sagen sollen, dass ich das neu evaluieren müsste.

Die eCommerce Technik wird immer differenzierter

Interessanterweise schien selbst Alexander Graf, der mit Spryker einer der Hauptsponsoren des Events war, etwas überrascht gewesen zu sein, welch breiten Raum das Thema Microservices auf der Konferenz einnahm. In seinem Artikel „Microservices & Einradfahren“ stellte er zunächst etwas verblüfft fest, dass es auch in der Welt der Techies so etwas wie Modetrends gibt, denen viele einfach hinterherlaufen. Er schrieb unter anderem:

„Zu meiner großen Enttäuschung muss ich nun feststellen, dass die Leute in der IT, bzw. Developer wie sie heute genannt werden, mit den gleichen Denkmustern arbeiten wie die Business Kasper [zu denen er sich selber zählt]. Es gibt eine extrem hohe Neigung Trends hinterherzulaufen und grundlegende technische Probleme nicht ausreichend bzw. nicht ehrlich genug zu analysieren.“

Für mich als Entwickler ist das natürlich überhaupt nichts Neues. Sehr viele Techies sind Diven mit aufgeblähtem Ego, die das Rad lieber zum 100. Mal neu erfinden – weil Ihr Rad natürlich viel viel schöner ist…

Der Rest des Artikels befasst sich damit, dass der Microservice-Ansatz gerade so ein angesagtes Ding ist, dass nicht ausreichend hinterfragt wird. Das Gefühl hatte ich allerdings nicht unbedingt. Für die vorgestellten Projekte gab es jede Menge gute Gründe, genau auf diese Architektur zu setzen – nur treffen die Gründe eben für die meisten „normalen“ Shops bei weitem nicht zu.

Orientierung zwischen Standard-Cloud und Microservices

Doch wie findet man die passende Technik in dem scheinbaren Wirrwar aus Cloudanbietern, Self Hosting, Out-of-the-box Software, Frameworks, Microservices usw?

Das hängt natürlich vom konkreten Projekt ab. Zwei wesentliche Kriterien zur Einordnung von eCommerce Projekten wurden bei der Konferenz für mich deutlich: Das Umsatzvolumen und der Grad der Individualisierung des Geschäftes. Ich habe mal für mich selber aus diesen beiden Kriterien eine Entscheidungsmatrix mit neun Feldern aufgezogen.

Kriterium 1: Das Umsatzvolumen

Bei geringem Umsatzvolumen ist eine einfachere technische Architektur ausreichend, dafür ist hier die Preissensibilität hoch. Bei sehr großen Umsätzen kann und muss man größere Ressourcen in die technische Skalierung stecken, hat aber dafür auch einen größeren Investitionsspielraum.

Kriterium 2: Grad der Individualisierung

Wer ein überschaubares Sortiment mit (datentechnisch) einfachen Produkten anbietet, kommt bereits mit Standardtechnik sehr weit. Je mehr Besonderheiten gefordert sind, desto mehr Aufwand muss in die Anpassung gesteckt werden. Beispiele sind konfigurierbare Produkte, Regionallager und Multichannel. Besondere Geschäftsmodelle, wie z.B. Shoppingclubs, zeitlich begrenztes Angebot, Auktionen etc. lassen sich eigentlich nur noch mit Individualentwicklungen umsetzen.

Die Entscheidungsmatrix

Das Ergebnis meiner Überlegungen ist diese Matrix, deren neun Felder ich kurz erläutere.

Entscheidungsmatrix

Entscheidungsmatrix

  1. Bei wenig Umsatz und Traffic können für Standardprozesse mit einem einfachen Sortiment bereits einfache und günstige Cloudlösungen gut geeignet sein.
    Kandidaten wären hier ePages, Prestashop u.ä.
  2. Eine Anpassung an viele Besonderheiten kann bereits mit Standard Plugins für die üblichen Shopsysteme abgedeckt werden. Hier sollte aber ggf. bereits ein separates Hosting geplant werden, um in das System eingreifen zu können.
    Geeignete Kandidaten sind u.a. Shopware, Oxid, Magento.
  3. Eine weiterreichende Individualisierung lässt sich bei geringem Umsatz eigentlich nur über Standardsoftware mit individuell erstellten Plugins realisieren, wenn man den Kostenrahmen nicht sprengen will.
    Basistechnik entsprechend 2.
  4. Bei mittlerem Umsatz und Traffic sind für ein einfaches Sortiment und Standardprozesse leistungsfähige Cloudlösungen, wie Demandware gut geeignet.
  5. Bei mittlerer Komplexität und mittlerem Umsatz kann Standardsoftware (siehe 2.) mit Plugins und einem Full Page Cache eine solide Lösung sein.
  6. Bei mittlerem Umsatz und hoher Individualität ist eine Frameworkgestützte Individualentwicklung sicherlich nicht die schlechteste Wahl. Kandidaten wären hier Commercetools, Ongr. oder sogar Spryker, falls der Kostenrahmen das hergibt. Falls es zum Geschätsmodell passt sollte man auch NewStore auf die Shortlist nehmen.
  7. Standardanforderungen bei hohen Umsätzen kann man m.E. mit gut skalierbaren Systemen, wie Intershop oder Hybris in sorgfältig gebauten Systemsetups erfüllen
  8. Mittlere Komplexität bei hohen Umsätzen könnte mit leistungsfähiger Standardsoftware und einem individuellem Hochlastfrontend abbildbar sein, oder man greift gleich zu einer kompletten, frameworkgestützten Eigenentwicklung
  9. Und schließlich die Königsklasse: Hoher Umsatz, hohe Komplexität. Hier kommt man nicht mehr um eine Eigenentwicklung mit optimiertem Setup herum. Das ist genau das Feld, in sich dem Otto, Metro und Zalando tummeln (um jetzt mal nicht die rosa Elefanten Amazon und Alibaba zu nennen). Für diese Gewichtsklasse sind Microservice Architekturen sinnvoll. Für alle anderen Felder wären technische Komplexität und Kosten aber einfach zu hoch.

Mal kann jetzt natürlich zurecht fragen „was heißt denn klein, mittel und groß; Standard und komplex?“ Wo sind die Grenzen zwischen den aufgemalten Feldern? Zugegebenermaßen sind die Grenzen da fließend und man kann trefflich diskutieren. Trotzdem denke ich, dass man hier erst mal eine Idee und erste Struktur bekommt.

Aber um auf die Eingangsfrage von Lars zurückzukommen:

Heutzutage würde ich für das Projekt von 2010 vermutlich den Ansatz einer Standardsoftware mit vorgeschaltetem individuellem Hochlastfrontend wählen. So kann man schnell starten, das Geschäft gut hochskalieren und gleichzeitig individuelle Features umsetzen.

 

Die IT im eCommerce

Neulich bei der Diskussion über eCommerce Technologie. Hin- und hergerissen zwischem dem Ehrgeiz der Entwickler stets die coole neue Technik einzusetzen und dem Wunsch des Kunden, bewährte, solide und günstige Technik einzusetzen.

Dabei kam mir das folgende Gleichnis in den Sinn:

„Die IT für eCommerce sitzt im Elfenbeinturm – allerdings unten im Maschinenraum.“

code.talks eCommerce Berlin 2016

Am 19. und 20. April fand in der Kulturbrauerei in Berlin Prenzlauer Berg die Konferenz code.talks commerce special statt. Die Veranstaltung richtete sich hauptsächlich an Entwickler im Bereich Online-Shops. Die zwei Tage voller interessanter Vorträge und Unterhaltungen fasse ich für mich mal so zusammen:

Zwischen Techno-Konservativismus und Zerschlagung von Monolithen

Die Eröffnungrede wurde von Alexander Graf (Spryker) und Lars Jankowfsky (Gründer von Oxid und .NFQ) gehalten und sollte einleitend die Frage klären, weshalb eine separate Entwicklerkonferenz überhaupt nötig sei.

Kulturbrauerei Prenzlauer Berg

Kulturbrauerei Prenzlauer Berg

Interessantes Kinoprogramm

Interessantes Kinoprogramm

Lars Jankowfsky provozierte mit Aussagen, wie „E-Commerce is basically incredible boring“ und „You still could build the most online shops with the systems of 2003“.

Alexander Graf konterte mit Beispielen der letzten 10 Jahre abseits des Mainstreams, wie Shopping Clubs und One Article per Day Stores und sagte dass er in den letzten 10 Jahren noch nie die Aussage gehört hat „Das mit der Technik lief ja so klasse – lass uns das gleich nochmal bei dem nächsten Projekt verwenden“.

Diese Positionen wurden von den beiden in späteren Vorträgen weiter vertieft. Alexander Graf erläuterte unter dem Titel „E-Commerce Companies = Tech Companies. Why is that?“ erneut seine Sicht auf die Entwicklung verschiedener eCommerce Segemente und die Notwendigkeit technisch flexibel auf rasch veränderte Marktanforderungen reagieren können. Hierfür sei das Spryker Framework wesentlich besser geeignet, als monolitische Shopsysteme.

Zuvor hatte Lars Jankowfsky bereits mit seinem Vortrag „E-Commerce was wirklich zählt. Die Developer Edition“ den Entwicklern den Kopf gewaschen. Er zählte verschiedene Shopsysteme auf und ergänzte stets mit entsprechender Attitude „laaangweilig!“.

Entwickler seien schnell gelangweilt und tendieren dazu, neue, vermeintlich „coole“ Technik einsetzen zu wollen. Technik sei aber nun mal kein Selbstzweck, sondern dazu da die Anforderungen des Kunden bestmöglich zu unterstützen. Es folgte eine Liste mit Themen und Techniken, die Developer in den letzten 10 Jahren lernen mussten und die teilweise schon wieder überholt seien.

Welche Ressourcenverschwendung. Insofern sieht er den Einsatz von Programmiersprachen jenseits der beiden marktbeherrschenden Schwergewichte Java und PHP skeptisch, weil das Staffing von Teams so nur noch schwieriger wird, als es ohnehin bereits ist.

Er widersprach auch der weitverbreiteten Ansicht, die besten Entwickler seien diejenigen, die stets mit den neuesten Tools am Start sind. Eine Einschätzung, die von mehreren Zuhörern bestätigt wurde.

Letztlich sind Jankowfskys Plädoyer für Techno-Konservativismus und Grafs Baukastenansatz aber kein Widerspruch, weil beide vom Endkunden her gedacht sind.

Am Ende des Tages ist entscheidend, welcher Umsatz mit wieviel finanziellen Ressourcen erzielt werden kann.

Auch wenn Jankowsky mit der Aussage, Onlineshops seien im Prinzip noch immer wie vor 15 Jahren (Landing Page, Kategorieseite, Produktseite, Basket und Checkout) in gewisser Weise recht hat, so haben sich doch Anforderungen und Komplexität der kompletten Systemlandschaft erheblich erhöht und diese Entwicklung hält an. Wie u.a. das ONGR Frontend Framework zeigt, ist ihm das auch seit langem bewusst.

Es gab mehrere hockarätig besetzte Panel Diskussionen. Zum Beispiel nahmen an der Diskussion über Shopsysteme neben Lars Jankowfsky Yoav Kutner (Oro Inc., zuvor Magento Inc.), Ulrike Müller (NewStore, zuvor Demandware und Intershop), Fabian Wesner (Spryker Systems GmbH), Moritz Zimmermann (hybris/SAP CEC) und Ben Marks (Magento Inc.) teil.

In den Panel Diskussionen „shop systems“ und „SaaS vs. Paas vs. Self-hosted“ wurde – nicht ganz überraschend – deutlich, dass es keine One-Size-Fits-All eCommerce Lösung geben kann. Die Tendenz mit zunehmender Umsatzgröße und Individualität neigen Firmen dazu, größere Teile der technischen Basis selber zu betreuen. Gleichzeitig lösen sie sich zunehmend von monolithischen Systemen.

Paneldiskussion Shopsysteme

Paneldiskussion Shopsysteme

Weg von Monolithen

Die Auflösung monolithische Shopsysteme scheint sich als Trend bei größeren Shops durchzusetzen. Vor zwei Jahren wurde noch viel darüber geredet, im letzten Jahr wurden einige Projekte in dieser Richtung gestartet und nun liegen auch die ersten Erfahrungsberichte vor. Gleich zwei parallel stattfindende Vorträge am ersten Tag und zwei weitere am zweiten Tag hatten Microservices zum Thema.

Ich entschied mich für „Von Monolithen und Microservices“ den  Guido Steinacker von Otto hielt. Zu Beginn erläuterte er weshalb vor zwei Jahren die Entscheidung für eine völlig neue Systemarchitektur fiel. Einerseits war das bestehende System mit 200 Servern nicht weiter skalierbar und die komplexität der Applikation war so hoch, dass sowohl Releases, als auch Datenupdates zu langsam wurden.

Durch die Einführung von Microservices hat sich zunächst die Entwicklung selbst geändert. Anstatt einem Entwicklerteam mit 50 Mitarbeitern gibt es nun 10 Teams mit 5 Mitarbeitern. Die Features können nun schneller entwickelt und deployt werden. Die Responsibibility der Teams für „ihren“ Service ist spürbar gestiegen und neue Mitarbeiter sind wesentlich schneller produktiv.

Eine Herausforderung war es, die Stellen zu identifizieren, an denen der Monolith aufgeteilt wurde. Die Veränderung der Systemarchitektur ist laut Steinacker ein laufender Prozess, bei dem gefundene Lösungen bei Bedarf re-evaluiert und neu zugeschnitten werden. Die Microservices sollten nicht zu groß werden, fachlich separiert und logisch abgeschlossene Einheiten nach dem shared-nothing-Prinzip sein.

Der Vortrag war wirklich sehr gut und so detailliert, dass man alleine hierzu einen längeren Artikel schreiben sollte. Da Josef Willkommer von Techdivision das bereits getan haben, verweise ich einfach mal auf seinen Blogbeitrag „Zusammenfassung der Code.Talks commerce special 2016 – Tag 1„.
Nachtrag: Ich bin eben über den Beitrag „Why Microservices?“ von Guido Steinacker auf dem Development Blog von Otto gestossen. Dort kann man nicht nur das „Warum“, sondern auch das „Wie“ nachlesen. Absolut empfehlenswerte Lektüre.

In einer Gespräch am Abend habe ich die Meinung gehört, dass die Auflösung der monolitischen System ja bereits vor Jahren begonnen habe. Kaum ein Shop hat nicht mindestens Payment, Suche, Recommendations und Tracking an externe Systeme oder gar externe Dienstleister ausgelagert. Von daher sei die weitere Dekonstruktion der Shopsysteme nur logisch und konsequent.

Der Markt bleibt also weiterhin in Bewegung. Die momentanen Newcomer heben sich von den etablierten Anbietern zur Zeit vor allem durch den Framework Ansatz ab. Ein vielversprechendes System, dass ich mir in nächster Zeit näher ansehen werde, ist Sylius, das Paweł Jędrzejewski an Tag 2 vorstellte.

Sylius Vortrag - mit wirklich großem Beamer

Sylius Vortrag – mit wirklich großem Beamer

Die zweitägige Konferenz kann ich nur als gelungen bezeichnen. Gute Vorträge (ich habe noch etliche weitere gehört, aber der Artikel wird sonst einfach zu lang) und anregende Diskussionen. Ich bin inspiriert nach Hause gegangen. Und das ist wörtlich zu nehmen, da ich nicht weit entfernt wohne. Noch ein Vorteil… 🙂

Rügen – kurz und knapp

Bevor es zur Konferenz code.talks commerce geht, habe ich noch ein verlängertes Wochenende auf Rügen genossen. Diesmal nicht wie sonst in Sassnitz, sondern in Göhren. Ein echter Tipp, falls man das klassische Ostseebad-Ambiente mit Seebrücke, Strandpromenade und Kurmuschel mag, Binz aber zu überlaufen findet. Hier ist alles etwas kleiner, ruhiger, naturbelassener.

Blick auf Göhren in der Abenddämmerung

Blick auf Göhren in der Abenddämmerung

Wer nicht gut zu Fuß ist sei allerdings gewarnt, dass der Ort ca. 30m über dem Strand liegt. Daher auch der Name Göhren von Gora (slawisch für Berg). Man muss also rauf und runter. Dafür ist es der Endpunkt des Rasenden Roland – einer Schmalspurbahn, die regelmässig mit Dampflok und historischen Wagons zwischen Göhren und Putbus verkehrt.

Der Rasende Roland im Bahnhof Göhren

Der Rasende Roland im Bahnhof Göhren

Ein gemütlicher Spaziergang vom Nordstrand mit Kurpromenade zum Kap Nordperd – das anders als es der Name vermuten lässt der östlichste Zipfel von Rügen ist – und weiter zum naturbelassenen Südstrand sorgt für malerische Ausblicke, auch wenn es nicht die berühmten Kreidefelsen sind.

Der Weg zum Nordperd

Der Weg zum Nordperd

Blick von der Klippe nach Norden

Blick von der Klippe nach Norden

In Putbus habe ich mir die charmante und eigenwillige Ausstellung von Gunilla Jähnichen in der Galerie Susanne Burmester angeschaut, ein sehr leckeres Stück Torte im Cafe am Rosengarten verspeist, während ich auf das Ende des heftigen Regens wartete und anschliessend einen kurzen Spaziergang durch die Parkanlagen gemacht.

Parkanlage in Putbus

Parkanlage in Putbus

Putbus - Markt

Putbus – Markt

Weniger Kultur, dafür umso mehr Natur bot ein weiterer Ausflug nach Klein-Zicker, dem südlichsten Zipfel Rügens, von wo aus man in jede Richtung eine interessante Abfolge von Land und Meer sehen kann. Während es dort sehr windig zuging und die Kitesurfer ihre Freude hatten, lag der tolle Strand von Thiessow im Windschatten. So konnte ich trotz lediglich 12 Grad Lufttemperatur ein Stunde im T-Shirt in der Sonne brutzeln.

Riesenstrand (fast) nur für mich

Riesenstrand (fast) nur für mich

Insgesamt ein frisches, windiges, schönes, erholsames Wochenende auf einer der schönsten Inseln, die ich kenne. Auf dem Rückweg habe ich mich dann noch ordentlich mit Sanddornlikör und leckerem Bier aus der Inselbrauerei eingedeckt. Zum Abschied hier noch ein schönes Sonnenuntergangsbild.

Sonnenuntergang auf Rügen

Sonnenuntergang auf Rügen

Die eCommerce Gespräche in Berlin

„Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin…“ Oh Moment – ich wohne da ja ohnehin.

Macht ja nichts. Ich freue mich auf eine eCommerce Konferenz, die sehr interessante Vorträge verspricht und die ich locker zu Fuß erreichen kann. Die Rede ist von der code.talks commerce Berlin, die am 19. und 20. April stattfindet.

Die Liste der Redner ist lang und hochkarätig besetzt. Neben vielen Menschen, die ich aus dem Oxid Umfeld kenne (Ina El-KadhiLars JankowfskyMarc KorthausJan Peschke, Joscha Krug, Manuel Diekmann, …) freue ich mich vor allem auch auf Vertreter neuerer Technologien, wie Spryker und New Store, die sicherlich erheblich andere Sichtweisen in die technischen Diskussionen einbringen können.

Das Programm scheint zu bestätigen, was ich bereits auf dem familiären eCommerce Camp Jena im letzten gespürt hatte: Ein großer Teil der eCommerce Szene will weg von den etablierten monolithischen Shopsystemen. Sei es aus technischen Gründen oder weil sich neue Geschäftsmodelle etablieren.

Ich bin gespannt und freue mich.

Ein arbeitsreiches Wochenende

Das Wochenende ist ja eigentlich zur Erholung von der Müh‘ des Alltags gedacht. Dieses Wochenende war jedoch arbeitsreich: Neue Haushaltsgeräte, Einkauf, PHP Profiling verstehen, Radwechsel und Wiederherstellung einer Gitarre standen auf dem Programm.

Haushaltstechnik

In der vorigen Woche ging meine Waschmaschine kaputt. Die „gute“ Bauknecht war ja auch schon fast 6 Jahre alt (Vorsicht: bissige Ironie), da kann sich schon mal die Laugenpumpe verabschieden. Der Geruchsentwicklung nach zu urteilen,war der Motor durchgebrannt. Man hätte bei der Konstruktion vielleicht doch nicht das Flusensieb einsparen sollen, aber was verstehe ich schon von Mechanik…

Zwei neue Küchengeräte

Die beiden Neuen sind angekommen

Am Samstag Morgen wurde jedenfalls die neue geliefert, und weil ich keine halben Sachen machen wollte, gleich noch der neue Geschirrspüler dazu.

Ich hoffe, die nächsten 10 Jahre ist jetzt Ruhe im Küchenblock. Auch wenn die Schlepperei zwei junge, kernige Burschen übernahmen, blieb noch genug Arbeit übrig: Die alten Maschinen vorziehen, deinstallieren, Wasser ablassen, unter dem Küchenblock sauber machen, den Flur für den Transport freiräumen, die neuen Maschinen zurecht schieben, Transportsicherungen entfernen, anschließen und durchspülen, Flur und Küche wieder herrichten.

Anschlüsse unter der Spüle

Gordischer Schlauchknoten. Alles dicht?

Eigentlich alles recht einfache Tätigkeiten, aber wenn es unter der Spüle eng wie in einem Schuhkarton ist und das Ergebnis wie eine Darmverschlingung aussieht, ist zu erahnen, dass hier von „einfach anschließen“ keine Rede sein kann. Zusammen mit dem zwischenzeitlichen Wocheneinkauf, ging der komplette Samstag drauf.

Webentwicklung

Abends habe ich mich aus gegebenem Anlass noch mit Performance Profiling von PHP Anwendungen beschäftigt und mit XHProf rumgespielt. Was sich anfangs kompliziert anhört ist am Ende aber doch recht einfach und man bekommt so wunderbar komplexe Grafiken, mit denen man sich in Meetings wichtig machen kann… 😉

Callgraph für zzapapp

Callgraph für zzapapp

Hier ein Graph, der die Methodenaufrufe für ein Login in meinem Framework zeigt. Trotz fettem Rot: 0,511 Millisekunden finde ich ausreichend schnell.

Automobilpflege

Den Sonntagvormittag habe ich – nach einem ordentlichen Frühstück – mit der Autopflege verbracht. Mein Schätzchen sollte endlich die ollen Winterreifen ablegen. Der Wechsel ging dann auch recht zügig von der Hand.

Sommerreifen am Cabrio

Schickes Schuhwerk für meine flotte Französin

Musikinstrumentenhilfe

Nachmittags ging ich noch einem Freund zur Hand. Seine Ibanez Gitarre brauchte neue Saiten, aber das Floyd-Rose Tremolo sorgte für Verdruss. Dank Youtube war jedoch recht bald klar, was zu tun ist. Nun hat hat das gute Stück sechs neue Saiten und ist wieder bester Stimmung

Floyd-Rose Tremolo

Verstelltes Floyd-Rose Tremolo vor dem Arbeitseinsatz

 

Google Play und MP3 Tags

Früher hat man seine Schallplatten auf Compact Cassetten aufgenommen um die Musik auch unterwegs auf dem Walkman hören zu können. Heute ist alles als MP3 auf dem Handy gespeichert. Ich finde es immer noch verblüffend, wenn die Musik, die früher mindestens ein ganzes Regal gefüllt hätte auf einer Micro SD Karte passt, die kleiner als ein Daumennagel ist.

Aber irgendwas ist ja immer. Wenn die MP3 Sammlung ein bisschen größer wird, nerven falsche Tags kolossal. Klassiker sind notorisch falsch gepflegte Erscheinungsjahre, unterschiedliche Schreibweisen von Interpreten die daher mehrfach in den Auflistungen der Player angezeigt werden und ähnliches.

In letzter Zeit habe ich einige meiner alten Vinylplatten mit Audacity digitalisiert. Beim Speichern als MP3 Datei habe ich natürlich die wichtigsten Angaben Interpret, Titel, Erscheinungsjahr, Tracknummer usw. gepflegt. Das dauert alles so seine Zeit, aber man möchte ja ordentlich sein.

Nachdem ich die Songs auf meinem Handy hatte, wollte Google Play davon aber leider nichts wissen. Alle sechs Alben wurden unter „Unbekannter Interpret“ aufgelistet. Wie lästig!

Nach etwas Recherche wurde deutlich, dass Google Play ziemlich zickig mit den MP3 Tags ist.

Was nun?

Es gibt diverse Software, mit der MP3 Tags nachbearbeitet werden können. Ich habe MusicBrainz Picard genutzt, dass eine Art Autovervollständigung hat. Nachdem ich die fraglichen Dateien entsprechend bearbeitet habe, erkannte nun auch Google Play die Interpreten.

Bei solchen Dingen muss ich immer daran erinnern – Computer machen das Leben einfacher 😀

Zuse Z3 in Aktion

Den heutigen verregneten Sonntag habe ich für einen Besuch im Deutschen Technikmuseum genutzt. Der Anlass war die Vorführung der Zuse Z3, die ich schon länger einmal in Funktion sehen wollte. Die Z3 wurde 1941 von Konrad Zuse in Berlin gebaut und war der weltweit erste funktionsfähige, programmgesteuerte Digitalrechner. Das Original wurde leider bei einem Bombenangriff am 21. Dezember 1943 zerstört. Ein Nachbau von 1962 befindet sich im Deutschen Museum in München.

Meilensteine der Computergeschichte

Meilensteine der Computergeschichte

Die Maschine, die ich heute in Berlin gesehen habe – die Z3r – wird seit 2008 von Prof. Horst Zuse (Konrad Zuses ältester Sohn) gebaut, der sie auch vorführte. Die Z3r arbeitet mit modernen Industrierelais. Architektur und Funktion ist im Wesentlichen mit der Original Z3 identisch. Es wurden jedoch kleinere Modifikationen in der Taktsteuerung vorgenommen, die vor allem dazu dienen, die Funktionsweise des Rechners besser demonstrieren zu können.

Ich war bereits eine halbe Stunde vor Beginn des Vortrags dort und konnte die Z3 so in Ruhe betrachten. Die eigentlich recht nüchterne und vergleichsweise abstrakte Technik ist ästhetisch ansprechend verpackt. Der Steuerpult und die drei Schaltschränke sind schwarzgläzend lackiert, was hervorragend zu den ca. 2500 blauen Relais passt, die hinter den Glastüren zu sehen sind. Die ganze Anlage hat so einen betörenden Todesstern-Chic, den ich als Science-Fiction Fan liebe… 😉

Leider steht die Z3r etwas unglücklich in einer Ecke, so dass vielleicht nicht jeder aus dem zahlreichen Publikum einen guten Blick hatte.

Die mechanische Zuse Z1

Die mechanische Zuse Z1

Horst Zuse gab dem Publikum zunächst einen Einblick in das Leben seines Vaters und die Entwicklung der Z1 – dem mechanischen Vorläufer aus dem Jahr 1937, von dem ebenfalls ein funktionsfähiger Nachbau in dem Museum steht. Es folgte eine Einführung in das binäre Zahlensystem, ohne dessen Verständnis die Vorgänge in dem Rechenwerk nicht vollständig nachvollziehbar werden. Mit etwas Grundwissen in Rechnerarchitektur kann man aber die Funktion der meisten Teile erkennen.

Zuse Z3r

Zuse Z3r im Überblick

  • I/O: Das Bedienpult im Vordergrund besitzt Knöpfe zur Eingabe und Lampen zur Ausgabe, analog zu Tastatur und Bildschirm eines heutigen Computers.
  • RAM: Der linke und der rechte Schrank ist Arbeitsspeicher (jeweils 32 Worte zu 22 Bit). Gut zu erkennen sind die beiden Adressmultiplexer in den oberen 5 Reihen.
  • CPU: Der Schrank in der Mitte ist das Rechenwerk mit den Arbeitsregistern. Hier wird außerdem die Umwandlung zwischen Dezimal und Binärzahlen bei der Ein- und Ausgabe vorgenommen.

Aufgrund der umfangreichen Einführung blieb die eigentliche Vorführung auf die Eingabe einiger Zahlen und Grundrechnungen beschränkt. Das genügte aber, um die grundlegende Funktion nachvollziehen zu können. Obwohl die Vorgänge elektromechanisch sind, arbeitet die Z3r erstaunlich leise.

Leider konnte kein Programm gestartet werden, weil das Lesegerät für den Programmspeicher (35mm Film mit 8-Bit Lochung) nicht an die Maschine angeschlossen war.

An diesem Detail hatte ich eher versehentlich eine nicht ganz uninteressante Diskussion angestoßen, die wir nach der eigentlichen Vorführung führten: Ich sagte, dass die Z3 ist im Gegensatz zu den heute üblichen Computern keine „Von-Neumann-Maschine“ sei.

Falls ich Prof. Zuse richtig verstanden habe, meinte er sinngemäß: „Heutige Rechner sind das auch nicht mehr“, was mich zunächst etwas verblüffte..

Dem liegt die Frage zugrunde, wie man die „Von-Neumann-Architektur“ interpretiert. Wenn das Kriterium ist „Daten und Programm liegen physikalisch im Speicher“ – also im RAM, entsprechen fast alle heutigen Rechner der Definition.

Prof. Zuse interpretiert den zugrundeliegenden Aufsatz von John von Neumann etwas anders. Er weist darauf hin, dass die Absicht der Definition darin lag, dass sich Programme selbst modifizieren können und dies in modernen Computern aus Sicherheitsgründen von Betriebssystem und MMU verhindert wird. Wenn also das entscheidende Kriterium der Von-Neumann-Architektur ist, dass das Programm nicht nur auf die Daten, sondern auch auf sich selbst zugreifen kann, weil es im gleichen Speicherbereich liegt, entsprechen die meisten aktuellen Computer dieser Definition nicht.

Diese etwas akademische, aber nicht untinteressante Diskussion bildete den heutigen Schlusspunkt zum Thema Zuse Z3. Weitere Informationen zum Verhältnis Zuse und von Neumann kann man auf der Homepage von Prof. Horst Zuse nachlesen.

Weitere Highlights

Das Deutsche Technikmuseum hat aber natürlich viel mehr zu bieten. Ich blieb heute dem Thema Computer/Kommunikation treu und schaute mir die Ausstellung „Das Netz“ an, die ich noch nicht kannte.

Ein Highlight war die für Besucher zugängliche Memex (ungefähr „Gedächtnis Erweiterung“), die ich auch gleich ausprobiert habe. Memex ist ein Konzept zur Dokumentverknüpfung, das 1945 von Vannevar Bush im Artikel As We May Think im Atlantic Monthly beschrieben, aber niemals realisert wurde. Auf dieser Idee, Dokumente untereinander zu Verknüpfen basiert Hypertext und damit das World-Wide-Web.

Das Deutsche Technikmuseum hat mit viel Liebe zum Detail eine Memex gebaut, die jedoch im Gegensatz zum Originalentwurf nicht auf analoger Technik, sondern auf Digitaltechnik basiert. Einen Vortrag dazu gabe es auf dem Vintage Computing Festival 2015 in der Humboldt Universität (Siehe „Historische Elektronik en Masse„). Leider geht das Exponat optisch etwas unter und wird daher vermutlich häufig übersehen oder nicht angemessen gewürdigt. Schade!

 

Cray 2

Cray 2

Etwas unerwartet war für mich eine Cray2 zu sehen – einem ehemaligen Supercomputer der 80er Jahre. Ich wusste nicht, dass das Museum solch ein Ausstellungsstück hat. Zudem ist der Rechner wesentlich kleiner, als ich ihn mir vorgestellt habe. Das liegt am externen Kühlsystem. Das Vorgängermodell Cray X-MP hatte noch ein integriertes Kühlsystem, das dem Gerät die Optik eines Designersofas gab.

Fazit

Es war ein interessanter, anregender Tag in einem tollen Museum, obwohl ich nur einen Bruchteil der Ausstellungen gesehen habe. Es waren extrem viele Familien mit Kindern dort und die lieben kleinen schienen überwiegend sehr interessiert und neugierig zu sein. Sehr schön!

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