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Venedig 2019

Mein diesjähriger Hauptbeitrag zur globalen Klimaerwärmung ist ein Besuch in Venedig. Wie bereits vor zwei Jahren war der Anlass der Besuch der Biennale. Und wie 2017 teile ich meinen Reisebericht in zwei Artikel: Diesen zur Stadt und einen zur Kunst (58. Biennale in Venedig).

Anreise

Der Flug mit Easyjet ab Berlin Tegel war pünktlich, ruhig, wolkenlos und bot perfekte Sicht auf München, Innsbruck, die Alpen und die Lagune von Venedig. Auch in diesem Jahr bin ich wieder im Hotel „Antica Locanda al Gambero“ im Stadtteil San Marco abgestiegen, das auf halbem Weg zwischen Rialtobrücke und Markusplatz liegt. Es hat kleine, schnucklige Zimmer und ein gutes Frühstücksbüfet, was einen guten Start in einen anregenden und anstrengenden Tag garantiert.

Venedig im Anflug

Venedig im Anflug

Wetter

Das Wetter war wolkenlos und sehr warm. Das Thermometer zeigte zwar „nur“ 34 Grad und nicht 38 Grad wie zur gleichen Zeit in Berlin, aber die Luftfeuchtigkeit war sehr hoch. Da die Stadt im flachen Wasser steht, das bereits 29 Grad warm war, sank die Temperatur auch nachts nicht unter 27 Grad. Ich hatte das Gefühl, dass Venedig in einem großen, flachen Kochtopf steht und langsam gegart wurde. Mein Kreislauf war daher am Limit. Immerhin ist Südeuropa mit seinen schmalen, schattigen Gassen und dem großzügigen Einsatz von Klimaanlagen natürlich viel besser auf solch ein Wetter vorbereitet als Deutschland. Ich habe mich hauptsächlich von Schatten zu Schatten bewegt und wenn es zu arg wurde, habe ich irgendwelche klimatisierten Räume betreten.

Sehenswertes

Bereits bei meinem ersten Besuch 2017 habe ich recht viel von Venedig gesehen. Daher konnte ich die typischen Klischees Canal Grande, Rialtobrücke, Markusplatz, Dogenpalast usw. dieses mal kurz abhandeln. Man kommt da halt zwangsläufig vorbei. Aber auch bei meinem zweiten Besuch habe ich viele spannende Eindrücke von der Stadt gewinnen können.

Schade, dass ich auch dieses mal nicht den Markusdom von innen angesehen habe. Man muss sich gleich früh Morgens anstellen, um überhaupt eine Chance zu haben, aber bereits da war es so voll und heiß, dass ich davon Abstand genommen habe. Vielleicht kann man das im Frühling oder Herbst machen, aber nicht im Juni.

Kitschiges Klischee, aber echt

Kitschiges Klischee, aber echt

Die Tage waren überwiegend der Kunst gewidmet. Abends, wenn die Sonne nicht mehr so gebrannt hat und die Stadt langsam etwas ruhiger wurde, habe ich mir Ecken und Winkel jenseits der Hauptattraktionen angesehen um die Lagunenstadt besser verstehen zu können. Bei meinem ersten Besuch hatte ich den Eindruck, dass in den Gassen fast ausnahmslos Touristen unterwegs und nur noch am äußersten Rand einige wenige Venezianer wohnen. Dieses mal habe ich jedoch auch in zentralen Bereichen von San Marco und Dorsoduro einige verstecktere Winkel und Gassen durchstreift, in die sich zwar auch noch Touristen verirren, die aber tatsächlich von richtigen Menschen bewohnt werden. Dann sieht man auch mal an einem Handwerksbetrieb oder einen kleinen Tante-Emma-Laden. Einmal kam mir ein energisch diskutierendes junges italienisches Pärchen entgegen, und das Mädchen sagt, dass es nun wirklich nach Hause zur Mutter muss. Echtes Leben!

Original Banksy Graffitti gefunden

Original Banksy Graffitti gefunden

In meinem Venedig Artikel von 2017 schrieb ich von Gassen, die kaum 1,5m breit sind. Tatsächlich geht es aber noch enger. Den Rekord dürft eine Gasse halten, die ich in Dorsoduro auf dem Weg zwischen der Haltestelle San Toma und dem Campo San Pantalon auf der Suche nach dem Graffitti von Banksy durchschritten habe. Sie maß kaum 80 cm(!) und ich habe sie erst gesehen, als ich genau davor stand. Dazu kommen noch etliche Wege, die durch Unterführungen oder Arkaden verlaufen und häufig den Eindruck vermitteln, das es dort privat ist. Nebenbei habe ich die Gasse gefunden (Calle Malipiero), in der laut einer Gedenktafel Giacomo Casanova geboren sein soll.

Hier steht das Geburtshaus von Casanova

Hier steht das Geburtshaus von Casanova

Erholung

Da die Tage so anstrengend waren, habe ich bei meinen Streifzügen nicht nur auf Erbauung, sondern auch auf Erholung geachtet. Mal habe in einer versteckten Unterführung zu einem Anleger am Canal Grande Stühle gefunden und spontan eine 5min Pause eingelegt um den Verkehr der vorbeifahrenden Boote zu beobachten. Mal habe ich den Sonnenuntergang und den Blick zur Friedhofsinsel San Michele am Fondamente Nove genossen und einen ausklingenden Nachmittag habe ich am Strand des Lido gechillt und einfach nur eine Stunde auf die Adria geschaut. Dort lief die ganze Zeit klassischer Italo-Pop („Felicita“, „Serenata“, „Ti amo“, „Volare“, „Sarà perché ti amo“ usw.), der mit tagelang in den Gehörgängen klebte.

Nun ja, wo wäre das passender als hier?

Spontane 5 min Pause

Spontane 5 min Pause

Abendstimmung mit Friedhof

Abendstimmung mit Friedhof

Blick auf die Adria

Blick auf die Adria

Mein unerwartetes Highlight

Einige Ausstellungen die mir angesehen habe, waren über die Stadt verteilt und in großen Häusern oder Palazzi untergebracht. Zunächst war ich im Gebäude der Ugo and Olga Levi Foundation um dort die Länderbeiträge von Bulgarien und Portugal zu sehen. Das Haus war nicht nur groß, sondern auch sehr gut saniert und bot einen tollen Ausblick auf den Canal Grande und die Ponte dell’Accademia.

Blick auf die Ponte dell'Accademia

Blick auf die Ponte dell’Accademia

Auf dem Foto hinter der Brücke schon zu erahnen ist der Palazzo Contarini Polignac in dem eine Ausstellung mit Werken von Günther Förg gezeigt wurde. Nichts gegen Förg, aber gegen das absolut umwerfende Gebäude hat sein Werk m.E. überhaupt keine Chance. Der Palazzo aus dem 15. Jahrhundert ist nämlich fast im Originalzustand erhalten. Die Möbel im 1.OG stammen aus dem 16. und die im 2.OG aus dem 17. Jahrhundert. Es gibt hinter dem Haus einen für venezianische Verhältnisse sehr großzügigen Garten. Der Grundriss ist mit seiner Unterteilung in linken und rechten Flügel, sowie Mittelhalle typisch für ein venezianisches Handelshaus dieser Zeit.

Ich hatte mich in den Tagen zuvor an die beengten Platzverhältnisse und entsprechende Proportionen in der Stadt gewöhnt und stand plötzlich in der Haupthalle im Piano Nobile (1.OG). Mindestens 6m breit, 5m hoch und satte 22m lang. Sie geht von der Fassade am Canal Grande bis zur Rückwand am Garten. Beide Seiten sind in voller Breite und Höhe mit Fensterflügeln versehen, zum Canal mit Balkon. Dazu die Möblierung aus dem 16. Jahrhundert. Extrem beeindruckend! Leider durfte man dort nirgends fotografieren, weil das Haus in Privatbesitz ist und sogar noch bewohnt wird. Daher muss leider die Beschreibung ein Foto der Fassade genügen.

Palazzo Contarini Polignac

Palazzo Contarini Polignac

Ereignisse, die nicht stattfinden

Eines Abends fühlte ich mich etwas an Thomas Manns „Der Tod in Venedig“ erinnert. Der Protagonist Gustav von Aschenbach besucht Venedig und bemerkt im Verlauf der Handlung, dass etwas in der Stadt nicht stimmt. Seine Versuche Auskunft zu erhalten, weshalb die Zisternen mit Kalk behandelt werden und immer mehr Gäste abreisen, werden nur ausweichend beantwortet, nichts steht in den Zeitungen. So erfährt er nicht, dass in der Stadt die Cholera ausgebrochen ist.

Daran musste ich denken, als ich bei einem abendlichen Spaziergang an der Promenade Riva Cà di Dio ein ziemlich großes Feuer bemerkt habe. Der Himmel färbte sich orange und nach ein paar Minuten sah man sogar die Flammen über die Dächer lodern. Aus der Perspektive war schwer auszumachen, wo das Feuer wütete. Meine Versuche herauszufinden, wo es genau gebrannt hatte blieben alle erfolglos. Der Portier im Hotel hat zwar recherchiert, aber nichts gefunden und selbst am nächsten Tag stand nichts in den italienischen Nachrichtenportalen.

Der Brand

Der Brand

Overtourism

Den Artikel habe ich mit einem selbstkritischen Satz begonnen und ich möchte ihn ähnlich beenden. Die Reise war anstrengend und schön, aber Venedig wird von Besuchermassen überrannt. Die Stadt hat noch ca. 60.000 Einwohner, aber über 30 Millionen Besucher jährlich.

So weit, so bekannt. Ich war nun so unklug, auch noch genau zur Hauptreisezeit zu buchen. Daher habe ich nicht nur die Höchsttemperatur, sondern auch noch den höchsten „Füllstand“ mit Touristen abbekommen. Als ich am Dienstag ankam, war die Stadt schon sehr voll, aber sie wurde gefühlt von Tag zu Tag voller. Und das Gefühl wurde bei meiner Abreise bestätigt. Auf dem Anflugbild ist kein Kreuzfahrschiff im Hafen zu sehen. Bei meiner Abreise lagen dort 7(!) von den unerwünschten Riesen, gegen die die Stadtbewohner protestieren. So dürften zusätzlich zu der normalen Masse nochmal ca. 10.000 Tagestouristen von den Schiffen dazukommen.

Auch wenn ich selber zu den Touristen gehöre und Venedig ohne Touristen vermutlich nicht mehr existieren würde – so geht das einfach nicht mehr weiter. Wir müssen alle einfach viel häufiger zu Hause bleiben.

58. Biennale in Venedig

Die Biennale in Venedig ist die Hochleistungsschau des internationalen Kunstbetriebes. Im Jahr 2019 ist es bereits die 58. Veranstaltung seit 1895. Dieser Event ist so groß, dass fast die ganze Stadt dem Thema Kunst gewidmet ist. An und in den Vaporetti (die Wasserbusse) sieht man keine Werbung für Zahnpasta oder Mobilfunkanbieter, sondern für die Biennale oder weitere Kunstausstellungen. Etliche Palazzi werben mit weiteren privaten Kunstevents und selbst in einigen Kirchen finden Kunstausstellungen statt. Ich habe mit die von Sean Scully in der San Giorgio Maggiore-Kirche und von Lore Bert in der Kirche San Samuele angesehen.

Man wird schier erschlagen von der Menge der Ausstellungen und Veranstaltungen, die zusätzlich zum normalen Venedig Kulturbetrieb mit Museen, Konzerten und Theateraufführungen laufen.

Die Biennale selbst besteht aus den folgenden Teilen:

  • Die überwiegend themenbezogenen Ausstellung auf einem Teil des Arsenale, dem ehemaligen Stützpunkt der Venezianischen Flotte.
  • Den traditionellen 28 Länderpavillons in den Giardini.
  • Teilnehmende Länder, die keinen eigenen Pavillon im Park oder Raum im Arsenale haben, mieten Räumlichkeiten, die über die ganze Lagunenstadt verteilt sind.

 

Giardini Eingang

Giardini Eingang

Ich war 5 Tage in der Stadt und daher kann und will ich hier nicht 1:1 wiedergeben, was ich gesehen habe, sondern was ich für besonders erwähnenswert halte. Leider kann ich aufgrund des Urheberrechts auch keine Werke direkt zeigen. Ich bitte um Verständnis.

 

Länderspezifische Themen

Viele Länderbeiträge beschäftigen sich naheliegenderweise mit den speziellen Problemen, die in dem jeweiligen Teilnehmerland wichtig sind. Beispiel Irak:

Seit den 80er Jahren befindet sich das Land ständig in bewaffneten Auseinandersetzungen: Der Iran/Irak-Krieg, der Golfkrieg 1 und 2, der Kampf gegen die Kurden im Norden und zuletzt gegen den IS. Dementsprechend ist der Krieg das Thema des Irakischen Beitrages, der im Erdgeschoss eines versteckt liegenden Palazzo.

Der Beitrag von Peru wiederum kommt mit seinen in naivem Stil bemalte Fliesen vordergründig volksnah, aber bei genauerer Betrachtung wird klar, das hier die kolonialistische Sicht auf das „exotische“ und seine Ausbeutung thematisiert wird. Besonders deutlich wird das bei einem Bild, das tanzende Indiofrauen zeigt – vor einem Bordell.

Von den einzelnen länderspezifischen Themen abgesehen, meine ich drei Schwerpunkte  erkannt zu haben, die ich etwas näher beleuchten möchte:

  • Armut / Flucht
  • Identität / Globalisierung
  • Technik und Gesellschaft

Schwerpunkt Armut und Flucht

Mein erster Tag begann, wie auch schon mein letzter Besuch 2017 in der 360m langen Seilerei von 1443. Die ersten Beiträge beschäftigen sich gleich mit dem Thema Armut und Flucht. Mein Blick fiel jedoch zunächst gar nicht auf die Werke, sondern auf die ca. 6m hohen Holzverschalungen, hinter denen die Wände und Säulen des Gebäudes verdeckt waren. Mein erster Gedanke war: „Wie kann man nur diesen genialen geschichtsträchtigen Ort so verschandeln?“ und gleich danach kam mir die Frage in den Sinn, wie viele Hütten und Häuser man mit den Holzplatten und Balken hätte bauen können. Erst danach habe ich die Kunstwerke und das Thema bemerkt und urplötzlich wurde ich sauer.

Holzwände in der Seilerei

Holzwände in der Seilerei

So richtig sauer, weil das Thema Armut und Flucht hier schon wieder so plakativ in Szene gesetzt wurde. Ich wurde nicht etwas sauer, weil ich des Themas überdrüssig bin, sondern weil ich es an diesem Ort für vollkommen deplatziert halte. Wie ich eingangs erwähnt habe, ist die Biennale alt, international und riesengroß. Es wird ein enormer logistischer, materieller und monetärer Aufwand betrieben, um Kulturinteressierte hierher zu locken und zu ergötzen. Und die Horden des internationalen Bildungsbürgertums kommen. Zur Biennale 2017 sollen immerhin 500.000 Besucher angereist sein. Die meisten werden von irgendwo auf der Welt mit dem Flugzeug gekommen sein und jeder hat für ein paar Tage soviel Geld ausgegeben, dass man eine Familie in den ärmsten Teilen der Welt davon locker ein Jahr hätte ernähren können. Mir ist das durchaus bewusst und mir ist auch klar, dass ich zu dem Mob dazugehöre, auch wenn ich nur mit dem Billigflieger und nicht mit einer 70m Yacht samt Hubschrauberlandeplatz angereist bin, wie es einige tatsächlich tun.

70m Yacht mit Hubschrauber

70m Yacht mit Hubschrauber

Und in diesem Kontext auf das Elend zu zeigen, finde ich obszön und falsch. Weder wird sich für irgendeine der gezeigten Personen direkt etwas verbessern, noch wird einer der Gäste dadurch eine neue Erkenntnis mit nach Hause nehmen und aktiv werden. Das ist nur Gaffen, hat etwas von Menschenzoo und trägt absolut nichts zur Verbesserung der Lage bei. Der Gipfel der Geschmacklosigkeit war es, ein gesunkenes (und später geborgenes) Fischerboot auszustellen, auf dem 700 Flüchtlinge gestorben sind.

 

Schwerpunkt Identität / Globalisierung

Erheblich wichtiger finde ich, dass sich sehr viele Beiträge mit dem Thema der kulturellen Identität auseinandersetzen. Wichtiger deshalb, weil dieses Thema der globalen Elite nicht präsent zu sein scheint, obwohl es erhebliche soziale Sprengkraft hat und ganz verschiedene Kulturkreise beschäftigt. Und hier können die Besucher etwas geistige Anregung mitnehmen und überlegen, was das für die Gesellschaft in ihrem eigenen Land bedeutet. Man konnte in vielen Beiträgen das Ringen um die eigene kulturelle Identität feststellen. In sehr unterschiedlichen Ländern gibt es offensichtlich das Gefühl, dass etwas wichtiges verloren geht.

Peru thematisiert Unterdrückung und Ausverkauf der eigenen Kultur durch koloniale Unterdrückung.

Kanada zeigt die Probleme der Inuit, die Schwierigkeiten haben, ihren traditionellen Lebensstil in Zeiten globaler Erwärmung und zunehmenden Ressourcenabbaus nördlich des Polarkreises beizubehalten.

Korea zeigt, wie ein Krieg, die Teilung des Landes und der anschließende Wirtschaftsboom, die eigenen Wurzeln verblassen lässt.

Die südafrikanische Künstlerin Zanele Muholi wies mit ihren beeindruckenden Selbstportraits offensiv auf eine schwarze Kultur hin, die im saturierten Mitteleuropa eher nicht bekannt ist.

Zu viele deutsche Besucher?

Zu viele deutsche Besucher?

Schwerpunkt Technik und Gesellschaft

Aserbaidschan zeigte die Ausstellung „Virtual Reality“ in einem Palazzo in San Marco. Der Name kam mir etwas cheesy vor – so 1995 – aber die gezeigten Werke waren durchaus gut. Thematisch ging es um den Dauerstrom globaler Information, die auf das Individuum einprasseln, die Verbindung „von Kopf zu Kopf“ durch soziale Medien und die Verbindung zwischen Historie und Hightech durch algorithmische Erzeugung traditioneller Muster.

Im 20. Jahrhundert war die Frage, wie die Sichtweise der Menschen auf die Welt durch die Medien verändert wird. Die Frage des 21. Jahrhunderts wird werden, wie die Maschinen die Welt wahrnehmen.

Diesem Thema widmete sich zum Beispiel Hito Steyerl mit einer raumfüllenden Installation aus verschiedenen Videoprojektionen, Gerüsten und Stegen. Die Stehe waren eine Anspielung auf die Hochwasser, die Venedig häufig in der Winterzeit überfluten, während die Videoprojektionen zeigten, wie eine KI Bilderkennung versucht, die Besonderheiten von Venedig zu „verstehen“.

Interessant auch der Beitrag von China. Die Chinesen präsentierten 2017 noch eine seltsam pseudo-folkloristisch anmutende Ansammlung in der Halle am Ende des Arsenale, wurden in diesem Jahr aber der Erwartung, die man an eine High-Tech Nation hat gerecht. Beim Durchwandern der Halle stand man plötzlich vor einer Videoprojektion, die die Halle selber zeigte. Man sah sich und die anderen Besucher wie im Spiegel. Jedoch wurde jede Person von einem Computer als Person identifiziert, auf dem Bild markiert und automatisch kategorisiert. Wenn man sich selbst gegenübersteht, mit einem grünen, roten oder blauen Kasten markiert sieht, der sich mitbewegt und an dem Labels hängen, die versuchen, einen als Person einzuschätzen, läuft es einem doch etwas kalt den Rücken herunter. Auch und gerade wenn man selbst ein bisschen was von der verwendeten Technik versteht.

Seit Jahren ein Klassiker

Seit Jahren ein Klassiker

Das Werk ist „Can’t Help Myself“ der beiden chinesischen Künstler Sun Yuan und Peng Yu im Zentralen Pavillon empfand ich als verblüffend anrührend. Es handelt sich dabei um einen Industrieroboter in einem ca. 10x10m großen Terrarium, der ständig versucht, mittels eines großen Spachtels eine Flüssigkeit zusammenzuhalten, die den Eindruck von Blut erweckt. Dabei machte er mal kleine, langsame Bewegungen um kurz darauf groß auszuholen und sich schnell herumzudrehen, wobei das „Blut“ an die Wände und die Fensterscheiben spritzte. Ich fühlte mich an ein großes, wildes und verletztes Tier erinnert, das eingesperrt und angegafft wird. Wie Steppentiere in einem Zoogehege dazu neigen, verzeifelt und manisch wiederholte Zwangsbewegungen zu machen.

Mein Favorit der Biennale ist aber die Datenvisualisierung „data-verse 1“ von Ryoji Ikeda. Auf einer 10m breiten Leinwand lief eine ca. 10 Minuten lange, extrem hochauflösende abstrakte Videoprojektion. In verschiedenen Szenen wurden jeweils riesige Mengen unterschiedliche Daten oder Messwerte anzeigt und durchscannt. Von allen Videos, die ich auf der Biennale gesehen habe, ist dies das einzige, das ich vollständig angehen habe. Sogar zweimal, weil ich erst im zweiten Durchlauf verstanden habe, das hier eine abstrakte und extrem ästhetische Reise von der Entstehung der Galaxis, der Planeten, des Lebens, des Menschen, der Gesellschaft bis zur Entwicklung von Megastädten gezeigt wurde.

Das Ganze basiert auf riesigen Datenbeständen die u.a. von CERN, NASA und dem Human Genome Project veröffentlicht wurden.

Ich war wirklich, sehr beeindruckt!

Brütende Hitze im Arsenale

Brütende Hitze im Arsenale

Mein Fazit

Vier Tage haben nicht ausgereicht um alle Biennale Beiträge zu sehen. Man ist auch irgendwann nicht mehr aufnahmefähig. Die Spannbreite der gezeigten Arbeiten ist riesig und natürlich findet man nicht alles interessant, manches sogar regelrecht schlecht, aber es sind auch diesmal wieder viele gute und auf einige ganz herausragende Werke dabei. Venedig hat sich auch dieses Mal wieder gelohnt.

 

Himmelfahrt zu MotoMonster in Groß Dölln

Staub, Lärm, Abgase, Geruch von Öl, Gummi und Benzin. Toll!

Himmelfahrt 2019 war ich bei MotoMonster in Groß Dölln. Ein Freund aus Hannover ist mit einer Schar Gleichgesinnter zu der Veranstaltung gekommen um dort zwei Tage lang mit seinem Motorrad über die Rennstrecke fahren zu können. Ein guter Anlass für einen Motorrad Tagesausflug um ihn zu treffen und mir das ganze einmal anzusehen. Ich war vorher noch nie bei irgendeiner Art Motorsportveranstaltung. In meiner Jugend habe ich mal Formel 1 Rennen im Fernsehen gesehen, aber das ist lange her und Live dabei ist doch deutlich anders.

Die Veranstaltung

Es ist keine Rennserie, wie z.B. die IDM (Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft). Hier sind normale Motorradfahrer am Start, die gerne mal legal und mit fachkundiger Unterstützung richtig schnell fahren möchten. Es sind keine Profis dabei, niemand wird richtig gesponsort.

Die Veranstaltung geht über mehrere Tage. Meist wird „frei“ gefahren, d.h. mit Zeitmessung per Transponder am Motorrad, aber ohne Start und Zieleinlauf, wie man es von den großen Rennserien kennt. Die Fahrer werden ihren Fähigkeiten entsprechend in vier Gruppen eingeteilt. Die Anfängergruppe fährt mit Instruktoren, die die richtige Linie, Schalt- und Anbremspunkte zeigen. In der besten Gruppe sind Fahrer unterwegs, die von den Fähigkeiten schon recht nahe an den Profifahren dran sind.

Die Art der Maschinen ist nicht reglementiert. In derselben Gruppe fahren hochdrehende, kreischende Drei- und Vierzylinder mit 600-750ccm genauso wie großvolumige, bollernde V2; mit Vollverkleidung oder ohne. Jeder wie er mag.

Aber nicht nur das unterscheidet die Veranstaltung von einem normalen Motorradrennen. Normal ist, dass es einen kleine Gruppe von Aktiven gib (Fahrer, Teams, Orga) und eine größere Menge Zuschauer. Hier nicht. Jeder der dort ist, macht auch irgendwie mit.

Eine Motorsportveranstaltung ohne Zuschauer!

Der Ort

Der Ort unterschiedet sich auch deutlich von einer normalen Rennstrecke. Es gibt keine Tribüne. Die Strecke – mit Ausnahme der Start/Ziel Geraden – kann man als Zuschauer auch überhaupt nicht richtig einsehen. Abgesehen von der eigentlichen Rennstrecke findet alles auf einer riesigen Betonfläche statt. Es gibt auch keine Infrastruktur – von Toiletten, Duschen und Stromversorgung mal abgesehen. Nicht mal ein Stand mit Würstchen oder Kaffee und das Bistro auf dem Gelände hatte geschlossen.

Hangar statt Tribüne

Hangar statt Tribüne

Alle Anwesenden sind mit Campingwagen, Transportern u.ä. gut vorbereitet und komplette ausgerüstet. Von Werkzeug über Benzin bis zum Proviant wurde alles mitgebracht. Das muss auch so sein, weil es im näheren und weiteren Umfeld außer Wald nichts gibt. Wirklich gar nichts! Ihr könnt ja mal die Karte ansehen und langsam raus zoomen.

Fahrerlager Überblick

Fahrerlager Überblick

Zeit, ein paar Worte über diesen recht speziellen Ort zu verlieren. Er liegt, wie auch meine letzten beiden Ausflugsziele (Stechlinsee und Friedrichswalde), ca. 70km nördlich von Berlin in Brandenburg. Die Landschaft ist dort extrem dünn besiedelt und hat riesige Waldflächen. Um zum Driving Center zu kommen, fährt man fast 20min. durch den Wald ohne an einem größeren Ort vorbei zu kommen. Wie ich im Artikel „Ostern am Stechlinsee“ beschrieben habe ist diese Abgeschiedenheit sehr schön und ruhig, aber sie wurde auch gerne genutzt, um irgendwelche unangenehmen Schweinereien in der Landschaft zu verstecken. Am Stechlinsee war das ein Atomkraftwerk, in Fürstenberg ein KZ und in Groß Dölln war es der größte sowjetische Militärflugplatz der DDR. Hier war ein mit Atomwaffen ausgestattetes Jagdbombergeschwader stationiert.

Vorfeld mit Hangars am Waldrand

Vorfeld mit Hangars am Waldrand

Die russischen Streitkräfte sind im Jahr 1994 abgezogen. Das riesige Areal wird heute zum größten Teil als Solarkraftwerk genutzt, Siemens betreibt dort eine Teststrecke für elektrische Lastwagen und „rechts oben in der Ecke“ ist das Driving Center, das hauptsächlich für Fahrtrainings genutzt wird.

Die Stimmung

Die Temperatur war sehr angenehm um 20 Grad, es war sonnig und staubtrocken (mal wieder die höchste Waldbrandwarnstufe). Da abgesehen von der eigentlichen Rennstrecke, die komplette Veranstaltung auf der riesigen Betonfläche des ehemaligen Vorfeldes stattfand, war ich über jedes bisschen Schatten froh. Die Jungs und Mädels (ja, es fuhren auch einige Frauen mit) waren super ausgerüstet und so konnte ich im Fahrerlager unter den Zeltdächern mit abhängen.

Das ist überhaupt der Charme für mich gewesen: der ständige Wechsel zwischen Entspannung, Konzentration und Adrenalin. Die Grundstimmung hat ein bisschen was von Campingplatz: Zunächst gemeinsames ruhiges rumhängen zwischen Transportern in Zelten auf Campingstühlen. Irgendwann steht jemand aus der Gruppe auf und bereitet sich und seine Maschine für den nächsten Lauf vor. Heizdecken auf den Rennslicks sorgen für den nötigen Grip, der Motor wird gestartet und grummelt vor sich hin, damit Öl und Wasser auf Betriebstemperatur kommen, die Schutzkleidung wird angelegt und dann geht es los.

Vorbereitung zum nächsten Lauf

Vorbereitung zum nächsten Lauf

Man stellt sich an die Betonmauer und schaut zu, wie die Fahrer um die Kurve auf die Zielgerade fahren und hoch beschleunigen. Bei der technischen Abnahme wird zwar auch eine Geräuschmessung vorgenommen, aber das ändert wenig daran, dass renntaugliche Motorräder bei voller Beschleunigung einfach extrem laut sind. Jetzt kommt doch etwas Rennfeeling auf – trotz des freien Fahrens.

Eingang zur Zielgeraden

Eingang zur Zielgeraden

Ein Lauf dauert zwischen 15 und 20 Minuten und danach kommen die Fahrer zurück in die Boxengasse, hieven ihre Maschinen wieder auf die Montageständer, analysieren den Lauf und lassen sich dann zur Erholung wieder in die Campingstühle sinken.

Blick in die Boxengasse

Blick in die Boxengasse

Fazit

Der Tag war interessant und spannend. Er hätte sogar ganz hervorragend sein können, wenn ihn nicht zwei Dinge getrübt hätten:

Ich hatte mich eigentlich darauf gefreut, hier meine Schwester zu treffen, die ursprünglich dabei sein wollte. Leider hatte sie ein paar Tage vorher eine Operation und war für die lange Anreise noch nicht genügend genesen. Sehr schade.

Rettungshubschrauber hebt ab

Rettungshubschrauber hebt ab

Den zweiten richtigen Dämpfer gab es gegen Mittag, als einer aus der Truppe auf der Strecke gestürzt ist und mit mehreren Knochenbrüchen per Helikopter in das Unfallkrankenhaus nach Eberswalde (Immerhin 27km Luftlinie) geflogen werden musste. Trotz guter Vorbereitung und Material (sehr viele fahren mit Airbag-Weste) bleibt Rennsport natürlich eine nicht ungefährlich Sache. Die Risiken sind den Teilnehmern voll bewusst. Mein Freund hat seinen nächsten Lauf daraufhin abgesagt, weil er „mental nicht ganz bei der Sache“ gewesen wäre.

Motorradgottesdienst Friedrichswalde 2019

Am 12. Mai 2019 fand der 24. Motorradgottesdienst in Friedrichswalde statt und ich war dort. Das mag verblüffen, weil ich alter Heide ja nicht an Gott glaube und vor ziemlich genau 30 Jahren aus der Kirche ausgetreten bin. Aber man hat mich mit Schokolade der Aussicht auf eine Probefahrt mit der neuen Suzuki Katana dorthin gelockt.

Und das Fazit schon mal vorneweg – es war eine tolle Veranstaltung.

Zum ersten Mal habe ich genau ein Jahr zuvor davon gehört, als ich mich bei einem Ausflug in Joachimsthal über hunderte von Motorrädern gewundert habe, die durch den Ort fuhren. Da wurde mir gesagt, dass das jedes Jahr so sei, weil im Nachbarort ein Motorradgottesdienst abgehalten wird. Der Pfarrer sei da sehr engagiert.

Vor der Dorfkirche

Vor der Dorfkirche

Die Gegend

Für die Nicht-Berliner: Friedrichswalde und Joachimsthal liegen ca. 70Km nördlich von Berlin im Biospärenreservat Schorfheide / Chorin. Das ist eine schöne, recht dünn besiedelte Landschaft mit viel Wald und einigen Seen. Berlin ist für Motorradfahrer nicht so spannend, weil die Stadt groß, der Verkehr dicht ist und die Straßen schnurgerade sind. Hier oben gibt es eine schöne Landschaft mit viel Wald, einigen Seen und ein paar Straßen, die sogar Kurven haben. Die Gegend wird also am Wochenende gerne von Berlinern auf zwei Rädern besucht – mit und ohne Motor.

Das Rahmenprogramm

Bereits an den beiden Tagen vor dem Motorradgottesdienst gibt es Gesangs- und Tanzveranstaltungen. Der Höhepunkt ist dann der Sonntag, an dem mindestens tausend Biker in die 750 Seelen-Gemeinde „einfallen“. Es gibt ein Rahmenprogramm mit Livemusik, Motorradtestfahrten von Suzuki (wozu ich eingeladen worden bin) und nach dem Gottesdienst eine gemeinsame Ausfahrt von hunderten Bikern.

Sammeln zur Ausfahrt

Sammeln zur Ausfahrt

Bei einer derartigen Menge von Maschinen ist fast alles vertreten: Cruiser, Tourer, Brot-und-Butter Maschinen, Dukes, Sportler. Ein- bis Sechszylinder, Zwei- und Viertakter und auch so manches historische Schätzchen. Auf dem Weg ins Dorf fuhr ich hinter einem Pärchen auf einer top restaurierten Jawa.

Hintereinander: EMW, BMW und DKW

Hintereinander: EMW, BMW und DKW

Die Suzuki Katana

Bevor ich zum eigentlichen Punkt komme, möchte ich noch kurz von meiner Probefahrt berichten.

Als Jugendlicher hatte ich mich bereits für Motorräder interessiert und war 1981 total begeistert von dem extremen Design der Suzuki Katana. Andere Hersteller bauten Motorräder, die alle einigermaßen praktisch und ähnlich waren, aber dieses Gefährt schien direkt aus dem Weltall zu kommen (Star Wars?). Das polarisierte. Man konnte die Maschine nur extrem hässlich oder extrem genial finden. Ich gehörte zu den letzteren.

Die Gerüchte über eine neue Katana habe ich in den letzten Jahren interessiert verfolgt. Es gab sehr viel Möglichkeiten, stilistisch etwas falsch zu machen. Das normale Motorraddesign hat sich in den letzten 40 Jahren so radikalisiert – wie sollte da das Erbe glaubwürdig in die Gegenwart gerettet werden ohne beliebig zu wirken?

In meinen Augen hat es Suzuki geschafft, die Essenz des Originals bei dem neuen Motorrad zu treffen. Nun war ich gespannt, wie es sich fährt. Ich hatte zunächst Bedenken, weil die Maschine doppelt so viel Zylinder und doppelt so viel Leistung, wie meine SV650 hat. Der 1000ccm Vierzylinder leistet ziemlich heftige 150PS.

Katana Black - das Motorrad von Darth Vader?

Katana Black – das Motorrad von Darth Vader?

Die geführte, halbstündige Tour kann selbstverständlich nur einen ersten Eindruck vermitteln. Man sitzt ziemlich aufrecht – gar nicht mal so viel anders, als auf der SV, aber es ist deutlich zu spüren, dass man es hier mit einem ganz anderen Kaliber zu tun hat. Der Vierzylinder ist breiter und der nicht allzu laute, aber etwas heisere Klang im Leerlauf lässt einen schon das Inferno erahnen, dass einen erwartet, wenn man mal richtig aufdreht. Aber von aufdrehen konnte keine Rede sein. Ich fuhr das Modell in klassischem Silber mit jungfräulichen 300km auf dem Tacho. Die Drehzahl blieb also meist unter 4000 U/min. Der Motor ist ein Sahneschnittchen. zieht sanft, aber kräftig von unten heraus und hat dabei einen wirklich schönen Klang ohne laut zu werden. Ich kann mir gar nicht vorstellen, was für ein Feuerwerk abgeht, wenn man den hochdreht. Das Fahrwerk strahlt ruhe aus. Die Katana lässt sich nicht ganz so leicht einlenken, wie die SV, aber die Tour ging zum Teil recht flott um die Ecken und die Maschine liegt ruhig und stabil in der Kurve.

Wirklich nett!

Der Gottesdienst

Wie erwartet, passten bei weitem nicht alle angereisten in die kleine Dorfkirche. Ich habe noch einen Stehplatz auf dem Balkon (oder Empore oder wie sagt man dazu?) in der dritten Reihe erwischt. Der Gottesdienst selbst war erfrischend originell und kurzweilig. Anstelle von Orgelmusik gab es eine Rockband, die Soundtechnisch etwas in Richtung AC/DC ging – aber natürlich mit religiösen Texten und einen Chor, der u.a. Gospel sang („Down to the river to pray“). Pfarrer Schwieger stand in Ledekutte vor der Gemeinde. Seine Ansprache handelte natürlich von Themen, die Motorradfahrer interessieren, aber die Botschaft war, wie sich jeder um Ausgleich und Toleranz bemühen kann und soll. Die eigenen Schwächen ließ er dabei nicht unter den Tisch fallen („Es kann sein, dass meine Auspuffanlage auch etwas zu laut ist, aber fahre ich eben ruhig durch die Orte“).

Gottesdienst mit Rockmusik

Gottesdienst mit Rockmusik

An diesem Tag wurde mir wieder deutlich, dass es bei der ganzen Kirchen-Geschichte nicht ausschließlich um den Glauben an Gott geht (damit kann ich nichts anfangen), sondern auch um das kulturelle und soziale Miteinander. Und genau bei diesen beiden Punkten hat die Gesellschaft zunehmend arge Probleme. Ich komme da schon ins Grübeln. Und genau das ist es ja, was so eine Ansprache bezweckt.

 

Mein Fazit

Es war ein schöner Ausflug, eine tolle Veranstaltung und ein interessanter Gottesdienst. In einer Zeit, in der sich Leute über jeden Kram aufregen, Streckensperrungen für Motorräder und sogar komplette Innenstadtsperrungen in der Diskussion sind, fand ich es sehr erfrischend, wie die Bewohner von Friedrichswalde und den umliegenden Orten mit der Veranstaltung umgehen.

Immerhin führt die enorme Menge an Motorrädern nicht nur zu kurzfristigen Sperrungen für den Durchgangsverkehr, sondern auch zu einem gewissen Lärmpegel. Da aber die absolute Mehrheit der Biker (also eigentlich alle) ruhig und zivilisiert fuhren und niemand durch lautes, hochtouriges Fahren, Wheelies oder ähnliches Rumgeprolle gestört hat, nahmen es die Bewohner als willkommene Abwechselung in der sonst extrem ruhigen Gegend.

Die Jugendlichen mischten sich in das Getümmel, im Dorf haben es sich viele vor ihren Häusern mit Gartenstühlen, Grill oder Kaffeegedeck gemütlich gemacht um dem Treiben zuzusehen. Auf dem Rückweg standen in den nächsten Orten Familien am Wegesrand und die Kinder haben den Motorradfahrern zugewunken.

Ich hoffe, dass diese sympathische Haltung nicht an den nächsten Wochenenden durch lautstarke Möchtegern-Valentino-Rossis gestört wird.

 

Wohin mit der Zahnbürste?

Motorradfahren macht Spaß, aber manchmal ist es etwas unpraktisch. Zum Beispiel, wenn man etwas mitnehmen möchte das größer als ein Päckchen Taschentücher ist. Im Alltag fahre ich nur kurze Strecken durch Berlin. Da habe ich kein Gepäck oder ich nehme zur Not mal einen kleinen Rucksack. Aber für etwas mehr Dinge oder längere Strecken ist das nichts. Wohin also mit Zahnbürste und Unterhose, wenn man mal schnell für ein- oder zwei Tage wegfahren möchte?

Der Möglichkeiten gibt es viele – Tankrucksäcke, Satteltaschen, Seitenkoffer, Topcase, Gepäckrollen, und so einiges mehr. Wie findet man jetzt die passende Lösung?

Erst mal nachdenken, worauf ich Wert lege.

Da die Gepäckbeförderung sicherlich die Ausnahme bleiben wird, wollte ich mir aber nicht mit irgendwelchen hässlichen Anbauteilen, meine schöne SV650 verhunzen. Andererseits sollte die Befestigung sicher, aber mit überschaubarer Fummelei von statten gehen. So kam eigentlich nur ein Tankrucksack, oder eine Hecktasche in Frage.

Passt - Hecktasche auf der SV650

Passt – Hecktasche auf der SV650

Nach einiger Recherche und Ausprobiererei habe ich mich für eine Hecktasche von SW-Motech entschieden. Sie wird einfach auf den Sitz gestellt und sehr einfach mit vier Riemen festgeschnallt. Das geht fix und sitzt richtig fest. Zum Lieferumfang gehören Riemen, Tragegurte, ein Drybag, Schutzfolie für den Lack und ein Staubschutzsack für die Lagerung. Material und Verarbeitung machen einen sehr guten Eindruck, was bei dem doch recht stolzen Preis von €180,- auch sein sollte.

Herausforderung Wochenendgepäck

Herausforderung Wochenendgepäck

Zu Hause angekommen habe ich gleich den Stresstest mit minimalem Wochenendgepäck gemacht: drei Garnituren Unterwäsche, Schuhe, Jeans, Hoodie und Regenjacke passen hinein und lassen auch noch Platz für Waschbeutel und Handyladegerät.

Schuhe und Unterwäsche zuerst...

Schuhe und Unterwäsche zuerst…

Fertig - Alles verstaut und es wäre sogar noch etwas Luft

Fertig – Alles verstaut und es wäre sogar noch etwas Luft

Vorbereitet bin ich – mal sehen, wann ich zur „Testfahrt“ aufbreche…

Ostern am Stechlinsee

Okay, okay, ich gebe es zu. Ich habe den Roman „Der Stechlin“ von Theodor Fontane nicht gelesen. Aber in Brandenburg kommt man um Fontane einfach nicht herum. Der war ja scheinbar überall. Wir haben schon mal gescherzt, dass man der Einfachheit halber Gedenktafeln in den Orten anbringen sollte, die Fontane nicht besucht hat.

Man kann natürlich davon unbeeindruckt einfach die Landschaft genießen. Und das fällt im nördlichen Brandenburg sehr leicht, weil es dort einfach schön ist. Die Gegend südöstlich der Müritz besteht überwiegend aus Wald und Seen. Es gibt mehr Seen als Orte. Die Mischwälder aus Buchen und Kiefern sind nur extensiv bewirtschaftet und werden teils sogar völlig als Naturwald belassen. Die Gegend ist für deutsche Verhältnisse mit ca. 25 Einwohnern je km2 sehr dünn besiedelt. Sehr erholsam, wenn man gerade aus dem überfüllten und hysterischen Berlin kommt.

Ostern habe ich also in Neuglobsow am Großen Stechlinsee verbracht. Der See ist dafür bekannt einer der saubersten und tiefsten Seen in Brandenburg zu sein. Und das will bei der „Konkurrenz“ etwas heißen! Die Sauberkeit liegt daran, dass der See tief in den Wäldern liegt und keine Verschmutzung und Düngung durch die Landwirtschaft erleiden muss. Dennoch liegt ein Schatten über der Naturschönheit, aber dazu mehr weiter unten im Artikel.

Stechlinsee: glasklar, eiskalt und von Bäumen umgeben

Stechlinsee: glasklar, eiskalt und von Bäumen umgeben

Zunächst habe ich die Ruhe und die saubere Luft und den tollen See und den Wald und die gute Pension genossen, sowie den leckersten Orangenkuchen, den ich je probieren durfte. Um mich nicht völlig im Müßiggang zu verlieren, habe ich das geniale Wetter zudem für Abstecher nach Fürstenberg und zum Ziegeleipark Mildenberg genutzt.

Neben Rheinsberg ist Fürstenberg die nächstgelegene Stadt für Neuglobsow. Wobei man das Wort Stadt beinahe in Anführungszeichen setzen muss bei einer Einwohnerzahl von ca. 3.800. Aber dort ist die Verwaltung, der Bahnhof, der immerhin stündlich nach Berlin und nach Stralsund angefahren wird, und alles was man so zum Leben benötigt, z.B. Aldi und einen Baumarkt.

Für mich war interessant, dass es dort ein Schloss, eine schöne Kirche und natürlich die unvermeidlichen Seen gibt, durch die teilweise die Havel fließt. Die Altstadt mit den Kanälen und Schleusen und der kleine Hafen sind manierlich heraus geputzt, das Schloss wird gerade restauriert und alles in allem ist dort zwar etwas Leben auf der Straße, aber der Ort macht trotzdem einen recht verschlafenen Eindruck. Für einen extrem entspannten Vormittag hat es dennoch gereicht. Aber auch diese ruhige Schönheit hat eine dunkle Seite, auf die ich weiter unten eingehe.

Fürstenberg: Schloss und Schlosspark

Fürstenberg: Schloss und Schlosspark

Den Ziegeleipark Mildenberg hatte ich bereits vor fünf Jahren besucht. Damals allerdings im Rahmen des Chaos Communication Camp 2015. Nun wollte ich mir das Gelände ohne Zelte, Stromgeneratoren, Dekoration und vor allem ohne 5000 Nerds ansehen. Die Fläche wirkte dementsprechend etwas kahl, aber es waren nicht wenige Besucher angereist um sich über die Industriegeschichte zu informieren und mit der Lorenbahn zwischen Hafenbecken, Ringöfen und Tonaufbereitungsanlage umher kutschieren zu lassen. Auch auf dem Campinggelände standen diverse Wohnmobile und das Restaurant am alten Hafen war sehr gut besucht.

Ziegeleipark Mildenberg

Ziegeleipark Mildenberg

Das Osterwochenende habe ich also erholsam in schöner und ruhiger Umgebung verbracht und genossen.

Die Seele baumeln lassen

Die Seele baumeln lassen

Die dunkle Seite der schönen Gegend

Wie oben bereits angedeutet: obwohl man leicht den Eindruck haben kann, dass im nördlichen Brandenburg alles idyllisch und naturbelassen ist, gibt es doch ein paar dunkle Flecken. Die sehr dünne Besiedlung und relative Abgeschiedenheit der Gegend trotz der Nähe zu Berlin hat leider auch dazu geführt, dass man unschöne Dinge dort etwas „verstecken“ konnte.

Im verträumten Fürstenberg zeigt sich die dunkle Seite der Geschichte, wenn man etwas genauer hinsieht. Wenn man vom Schlosspark den Blick vorbei an den Hafenanlagen über den Schwedtsee schweifen lässt, hat man einen idyllischen Blick – bis einem klar wird, dass die Gebäude, die man am gegenüberliegenden Ufer sehen kann, Reste des ehemaligen Konzentrationslagers Ravensbrück sind.

Fürstenberg - Blick über den Schwedtsee zum ehem. KZ Ravensbrück

Fürstenberg – Blick über den Schwedtsee zum ehem. KZ Ravensbrück

Ein anderes Problem aus späterer Zeit zeigt sich am Stechlinsee. Von der Badestelle von Neuglobsow aus kann man am gegenüberliegen Ufer einen einzigen Schornstein in den Wäldern sehen. Dieser ist ca. 2km Luftline von Neuglobsow entfernt und hat es in sich. Das Wasser des Stechlinsees ist nicht nur sehr sauber, sondern aufgrund der großen Tiefe auch sehr kalt. Das hat man sich zu nutze gemacht, um das erste Kernkraftwerk der DDR zu kühlen. „Das Kühlwasser wurde aus dem Nehmitzsee entnommen und durch den Auslaufkanal des Kernkraftwerks in den Großen Stechlinsee eingeleitet. Beide Seen sind durch den Polzowkanal verbunden, so dass ein Kreislauf bestand.“ (Zitat Wikipedia „Kernkraftwerk Rheinsberg„)

Stechlinsee - Kühlwasserrücklauf

Stechlinsee – Kühlwasserrücklauf

Das Kernkraftwerk war zwischen 1966 und 1990 in Betrieb und wird seitdem zurückgebaut. Der Abriss der Gebäude ist für das Jahr 2069(!!!) vorgesehen.

Eine weitere dunkle Seite der schönen Naturlandschaft zeigt sich erst auf Satelitenfotos. Wenn man sich auf Google das Gebiet zwischen Müritz Nationalpark im Norden, Wittstock / Dosse im Westen und Schorfheide / Chorin im Südosten genau ansieht, fallen immer wieder seltsame Strukturen in den Wäldern auf. Diese zeigen eine militärische Nutzung: Flugplätze, Kasernen, Manöverflächen, Schießanlagen, Munitionsdepots und sonstiges. Zwar ist nach dem Abzug der russischen Truppen und den jahrzehntelangen Kürzungen im Deutschen Wehretat hier Ruhe eingekehrt, aber die Gegend dürfte erhebliche Verunreinigungen und Schädigungen erfahren haben.

Sonne und Motorrad Saisonbeginn

Zusammenfassung des letzten Wochenendes: Sonne, 20 Grad, Motorräder und gute Laune. 😉

Den Samstag habe ich zu einer Tournee zu einigen Motorradhändlern in Berlin genutzt, die den Saisonbeginn gefeiert haben. Nicht dass ich mit meiner hübschen Suzi unzufrieden bin – ganz im Gegenteil. Aber da ich ja noch der totale Newbie bin, fehlt mit der Vergleich und ich wollte ich mir mal einen Überblick verschaffen.

Auf den Berliner Motorradtagen hatte ich Honda vermisst. Daher habe ich die Runde bei Honda Cintula in Tempelhof begonnen. Wie bei den meisten anderen Händlern gab es dort neben der Möglichkeit zu Probefahrten Bratwurst, Getränke und Livemusik. Halb elf morgens war mir noch zu früh für Bratwurst und Probefahrten habe ich auch nicht gemacht. Tatsächlich habe ich an dem Tag nirgendwo Probefahrten gemacht. Teils waren die Modelle gerade nicht da, die mich interessiert haben und später wurde es von der Zeit ein wenig eng. Daher habe ich mich mit gucken, fragen und aufsitzen begnügt.

Klassische Schönheit aus den 70ern: Honda CBX

Klassische Schönheit aus den 70ern: Honda CBX

Bei Honda hat mich verblüfft, wie dicht die Modell der Neo-Sports Reihe optisch beisammen liegen. Die CB125R (13PS) wirkt extrem erwachsen und die daneben stehende CB1000 (145PS) wiederum sehr kompakt, so dass man schon zweimal hinschauen musste um beide auseinanderzuhalten.
Toll für die 16 Jährigen. In meiner Jugend lagen zwischen einer MB-8 und einer CB 900 nicht nur technisch, sondern auch optisch Welten.

Die neue CB650R, die mich interessiert hätte, war leider permanent auf Probefahrt. Dafür konnte ich mich an der neuen Monkey kaum satt sehen. So niedlich und mit extrem viel Liebe zum Detail gestaltet, dass man sogar über den recht hohen Preis für eine 125er mit knapp 10PS hinwegsehen kann.

Aktuelle Honda Monkey (rot) neben älterer Honda Gorilla

Aktuelle Honda Monkey (rot) neben älterer Honda Gorilla

Derselbe Händler führt auch die Elektromotorräder von Zero. Als ich ankam, sind zwei zur Probefahrt aufgebrochen. Es klang, als ob sich zwei Straßenbahnen ein Wettrennen liefern würden. Ich halte die Idee von Elektro Motorrädern ja generell für sehr interessant. Immerhin hat mich mein E-Moped auf den Geschmack gebracht, einen A-Führerschein zu machen.

Zero

Zero – enttäuschende Haptik

Daher habe ich darauf gefreut, die Zeros endlich mal im Original zu sehen. Die Maschinen kannte ich bisher nur von Bildern und Videos. Dort sahen sie relativ langweilig aus. Als ich direkt davor stand war es leider noch schlimmer. Extrem schlicht und lieblos im Detail, in der Größe eine 125er. Es mag ja sein, dass die ganz gut fahren, aber mit der Optik und Haptik bringt mich niemand dazu €15.000,- auf den Tisch zu legen. Da müssen wir wohl noch ein oder zwei Modellgenerationen abwarten müssen. Die angekündigte Zero SR/F scheint da ein anderes Kaliber zu sein, aber leider auch nochmals teurer.

Gut besucht: Fuhrmann

Gut besucht: Fuhrmann

Die nächste Station war Fuhrmann – ein Händler für Yamaha und Suzuki in Neukölln. Als ich dort auf den Hof fuhr brach gerade ein Inferno der Kategorie „die Trompeten von Jericho“ los. Horex war auch dort vertreten und es starteten gerade zwei VR6 Modelle zu einer Probefahrt. Akustisch irgendwas zwischen Erdbeben und Formel Eins Rennen. Es ist mir völlig unverständlich, wie solche Maschinen noch eine Zulassung bekommen. Das sollte eigentlich in Zeiten von Euro 4 nicht mehr möglich sein. Ich empfinde das sowohl akustisch, als auch optisch als absolute Prolo-Karre. So gesehen passt es natürlich wunderbar nach Neukölln.

Passend dazu gab es auch die Möglichkeit, eine Geräuschmessung am eigenen Motorrad durchführen zu lassen, was ich wiederum gut fand. Von dem Service wurde auch rege Gebrauch gemacht, was nur möglich war, weil der Hof in einem Gewerbegebiet liegt und im weiteren Umfeld kein Wohngebäude steht.

Bei Fuhrmann habe ich auch zum ersten Mal die seltsame Yamaha Niken mit den zwei Vorderrädern gesehen. Technisch interessant, optisch gewöhnungsbedürftig, aber wozu man das zusätzliche Gewicht mit sich rumschleppen soll, erschließt sich mir nicht. Ich muss zugeben, dass ich den Witz an der Maschine nicht ganz verstehe. Anderen ging es wohl ähnlich: Die Maschine wurde stets angesehen aber nicht gefahren.

Yamaha Niken

Yamaha Niken

Ich nehme zudem als Erkenntnis mit, dass sich die Yamaha MT-09 als 900ccm Dreizylinder mit 115PS sogar etwas leichter anfühlt, als meine 76PS Zweizylinder SV650. Die Ursache dafür ist, dass sie tatsächlich etwas leichter ist – wer hätte das gedacht? Vielleicht fahre ich sie ja irgendwann zur Probe.

Kawasaki Z900RS

Kawasaki Z900RS

Meine dritte Station war Röwer in Lichtenberg. Neben Kawasaki und BMW führen sie seit neuestem auch Ducati. Man sollte meinen, dass hier die Dichte potentieller Traummotorräder am höchsten ist. Tatsächlich hat mich vor allem die Kawasaki Z900RS im klassischen Z1 Outfit angesprochen. Und obwohl mich BMW im Allgemeinen völlig kalt lässt, finde ich das Modell Nine-T interessant. Etwas Lokalpatriotismus sei gestattet – das Modell wird in Berlin gebaut. Ich könnte mir bei beiden mal eine Probefahrt vorstellen.

BMW R Nine-T

BMW R Nine-T

Den Abschluss meiner kleinen Rundreise machte ich bei Suzuki Lukas in Prenzlauer Berg. Der mit Abstand kleinste Händler meine Rundreise, der nur ein kleines Ladengeschäft an der Danziger Str. hat. Klein aber fein – der Inhaber ist wirklich sehr nett und hilfsbereit und immer für ein Schwätzchen zu haben. Meine Suzi habe ich hier gekauft.

Auch auf meiner letzten Station habe ich keine Maschine zur Probe gefahren, aber ich habe abgemacht, dass ich die neue Katana ausprobieren werde, wenn sie verfügbar ist. Ich fand damals das Originalmodell von 1981 umwerfend und die Neuauflage ist zumindest Optisch extrem gelungen. Ich durfte ja auf der BMT bereits einmal Probesitzen.

 

Commodore64 – Tastatur Instandsetzung

Vor ungefähr drei Wochen habe ich meinen „neuen“ Commodore 64 zusammengebaut (siehe „Mein neuer Commodore 64“). Meine Freude wurde jedoch durch eine farblich unpassende Tastatur getrübt.

Ich hatte meine neue Ultimate 64 Platine in ein altes, original braunes „Brotkasten“ Gehäuse eingebaut. Leider funktionierte die dazugehörige braune Tastatur nicht mehr einwandfrei. Einige Tasten regierten nur widerwillig oder gar nicht. Daher und ich habe sie durch eine fleckige (mehr oder weniger) weiße Tastatur ersetzt. Die funktionierte zwar wie gewünscht aber optisch war diese Kombination unbefriedigend.

Also habe ich mich in einschlägigen Foren und auf Youtube informiert, wie man eine C64 Tastatur instandsetzt.

Bereits am letzten Wochenende habe ich vorsichtig mit einem Löffel die Tastenkappen abgehebelt und in lauwarmen Wasser mit einigen Spritzern Geschirrspülmittel gereinigt. Schärfere Mittel sollte man nicht verwenden, weil diese die Beschriftung ablösen könnten. Jeder, der schon einmal versucht hat, Legosteine zu waschen, kennt wahrscheinlich den Effekt, dass die Steine hinterher zwar sauber sind, aber stinken. Um das bei den Tasten zu vermeiden, habe ich mit Druckluft die Wasserreste aus der Unterseite der Kappen heraus geblasen. Die Teile habe ich dann sorgfältig verpackt und an diesem Wochenende wieder hervorgeholt.

C64 Keyboard vorbereitet

C64 Keyboard vorbereitet

Zunächst habe ich Staub und Fettreste von der Oberseite des Tastaturgehäuses mit Alkohol entfernt. An der Unterseite muss zunächst die Shift-Lock Taste entlötet werden, bevor die Tastaturplatine abgeschraubt werden kann.

C64 Tastaturplatine

C64 Tastaturplatine

Die Platine befand sich in erfreulich gutem Zustand. Wie auf dem Bild zu sehen ist, hat jede Taste zwei Kontaktstellen. Diese habe ich zunächst vorsichtig mit dem roten Radiergummi von Ablagerungen befreit, danach die Platine mit Druckluft von Staub und Radiergummiresten befreit. Zuletzt habe ich die Kontaktstellen mit alkoholgetränkten Wattestäbchen abgewischt.

C64 Tastaturstempel

C64 Tastaturstempel

Nun müssen auch die Gegenstücke gesäubert werden. Die Tastaturstempel bestehen aus dem Kunststoffstempel an dessen Unterseite an einer Blattfeder ein leitfähiger Kontaktgummi angebracht ist. Diese Gummis waren teilweise etwas verschmutzt, aber ebenfalls in gutem Zustand. Auch hier entfernte ich mit Druckluft zunächst den Staub (aufpassen, dass die Teile nicht wegfliegen). Danach habe ich die Kontaktstellen mit alkoholgetränkten Wattestäbchen gereinigt. Hinterher sah man auch wieder deutlich die extrem feinen Profilrillen in den Kontaktgummis, die vorher mit Schmutz zugesetzt waren.

C64 Tastatur Zusammenbau

C64 Tastatur Zusammenbau

Da nun alle Teile sauber waren, ging es wieder an den Zusammenbau. Dabei das Wiedereinlöten der Shift Lock Taste nicht vergessen. Nach einem erfolgreichen Test habe ich die Tastatur dann in den Rechner eingebaut. Das Ergebnis ist ein Rechner, der beinahe wie neu aussieht und sich auch so anfühlt.

Die Arbeit hat sich gelohnt!

Commodore/Ultimate 64 - wie neu

Commodore/Ultimate 64 – wie neu

…und wo kommst Du wirklich her?

Für einen medialen Aufreger der letzten Woche hat Dieter Bohlen gesorgt (OMG, dass dieser Name jemals in meinem Blog auftauchen würde, hätte ich nie gedacht).

Was war passiert?

In irgendeiner dieser dümmlichen Fernsehshows hat Bohlen ein fünfjähriges Mädchen gefragt, wo es denn herkommt. Das Mädchen hat geantwortet „aus Herne“. Das hat ihm aber als Antwort nicht ausgereicht, da das Mädchen offensichtlich nicht „biodeutsch“ aussah. Er hat immer weiter nachgebohrt und das Mädchen hat gar nicht verstanden, was der Mann von ihr eigentlich wollte.

Interessant daran finde ich, dass hier zwei Menschen völlig aneinander vorbei geredet haben. Das Mädchen hatte natürlich vollkommen korrekt geantwortet – es kam aus Herne. Was beide aus sehr unterschiedlichen Gründen nicht verstanden haben, ist dass er eigentlich etwas anderes wissen wollte, als er gefragt hat, nämlich „welche ethnische Herkunft hat Deine Familie“. Bohlen scheint diese Abstammungsfrage sehr wichtig zu sein und er hat nicht verstanden, dass er die falsche Frage gestellt hat. Dem Mädchen ist ihre ethnische Abstammung völlig egal – möglicherweise hätte sie die Frage nicht mal beantworten können, wenn Bohlen sie korrekt gestellt hätte und sie kannte dieses „um die Ecke fragen“ noch nicht.

Das peinliche daran ist, dass Bohlen einfach nicht die Kurve gekriegt hat. Andrerseits – Bohlen ist von Anbeginn seiner Karriere für mich der Inbegriff des Peinlichen. Also was soll’s?

Was geht mich Dieter Bohlen an?

Blöd an sowas ist aber, dass man auch im echten Leben leicht falsch verstanden werden kann, wenn man wirklich wissen will, woher jemand kommt. Mir ist neulich das Folgende passiert:

Ich war auf einer Geburtstagsfeier eingeladen. Die Anwesenden waren zu 2/3 „biodeutsch“. Ein vielleicht nicht ganz unwichtiges Detail ist, dass es sich durchweg um gut ausgebildete und in der Welt herumgekommene Menschen handelte. Das wurde spätestens nach der Debatte um die Stadt, in der man am liebsten arbeiten würde klar. Denn hier ging es nicht um Berlin, Hamburg oder München, sondern um Berlin, Zürich, London, Rom, San Francisco oder Tokyo.

In dieser Umgebung kam ich mit einer charmanten jungen Dame ins Gespräch. Sie sah asiatisch aus, aber ihr astreines, fehlerfreies Deutsch und das ganze Verhalten machte eindeutig klar, dass sie in Deutschland aufgewachsen war. Irgendwann griffen wir noch einmal die Städtefrage auf. Ich habe gesagt, dass ich in Hannover aufgewachsen bin und mir mit Berlin am Anfang sehr schwer getan habe. Sie meinte, über Berlin kann sie noch nicht so viel sagen. Sie komme nicht von hier, sondern sei erst seit ein paar Monaten in der Stadt.

Und dann habe ich einfach gefragt: „Und wo kommst Du her?“

Das hatte ich kaum ausgesprochen und dachte mir „Ach Du Scheisse – hoffentlich versteht sie das jetzt nicht falsch“. Diese Frage zielte nämlich NICHT auf ihre ethnische Abstammung. Das hätte ich in der Situation einfach jeden gefragt.

Zu meiner Erleichterung hat sie einfach geantwortet „Aus Bielefeld“.

Ich dachte dann nur „Danke, Du hast mich genau richtig verstanden“. Auf die üblichen flachen Bielefeld-Witze habe ich selbstverständlich verzichtet.

Berliner Motorradtage

An diesem Wochenende fanden in die Berliner Motorradtage statt. Ich habe diese Veranstaltung noch nie besucht, aber da ich seit dem 31. Oktober letzten Jahres nun offiziell auch zu den „Bikern“ gehöre, dachte ich mir „schau doch mal rein“. Es herrschten In Berlin für Februar zwar hohe Temperaturen, aber es schüttete wie aus Kübeln. Meinen ursprünglichen Plan, mit dem Motorrad dorthin zu fahren habe ich also verworfen. Man möchte ja nicht tropfend durch die Hallen der Station Berlin wandern.

Die Berliner Motorrad Tage sind natürlich hauptsächlich eine Verkaufsveranstaltung. Bekleidung, Helme, Handschuhe, Kleinteile und Zubehör zum sofort mitnehmen. Zweirad Stadler hatte zum Beispiel eine ganze Wand voll auffallend günstiger Dainese Lederkombis (nein, ich habe keine gekauft). Diverse Händler hatten ganze Wände voller Vintage Lederjacken und passende Helme in Vintage Anmutung gab es ebenfalls en masse.

Natürlich gab es auch reichlich Gelegenheit sich einen guten Überblick über die aktuellen Maschinen der verschiedenen Hersteller zu verschaffen. Von den großen Herstellern fehlten unverständlicherweise Honda und Harley Davidson. Dafür war der Nischenhersteller Horex mit einem vergleichsweise großen Stand anwesend und für amerikanisches Flair sorgte Indian.

Heavy Metal aus USA: Indian statt Harley

Heavy Metal aus USA: Indian statt Harley

 

Heavy Metal aus Norddeutschland: Waldfee Nr. 1 von Andi Feldmann. Selbstbau mit Automotor

Heavy Metal aus Norddeutschland: Waldfee Nr. 1 von Andi Feldmann. Selbstbau mit Automotor

Ich habe den Sonntag für meinen Besuch gewählt. Tausende andere Besucher ebenfalls. Es war wirklich viel Publikum anwesend und das Vorankommen durch die Hallen war teilweise etwas zäh. Es waren erfreulich viele Paare und auch viele Familien mit Kindern dort. Deshalb war die wohl unvermeidliche „Zwei vollbusige und leicht bekleidete Frauen tun auf der Bühne so. als ob sie ein Motorrad waschen wollen, machen sich dabei aber vor allem selber nass“-Performance etwas deplaziert.

hdrKurios: Kleinstserienhersteller Horex zeigt seine VR6

Kurios: Kleinstserienhersteller Horex zeigt seine VR6

So etwas ist nicht hilfreich, wenn man mehr Frauen zum Motorradfahren bringen möchte. Zumal die Chancen dazu gar nicht so schlecht stehen. Von den vielen anwesenden Frauen und Mädchen haben sehr viele interessiert auf den ausgestellten Maschinen Platz genommen. Ich denke nicht nur, weil sie Menne zur BMT begleitet haben. 😉

Heimspiel: BMW zitiert sich selbst

Heimspiel: BMW zitiert sich selbst

Ebenfalls schön zu sehen, dass auch viele Jugendliche dort waren und sich für die vielen wirklich attraktiven 125er interessiert haben. Bei einer Yamaha MT 125 muss man schon zweimal hinsehen um sie von einer deutlich größeren Maschine zu unterscheiden. Wenn ich diese Motorrädern mit den schmalen 50ern und 80ern aus meiner Jugend vergleiche – wow!

Die Möglichkeit, sich die Exponate mal im Detail anzusehen und auch aufzusitzen habe ich natürlich gerne wahrgenommen. Da ich als Newbie noch keine Erfahrung mit unterschiedlichen Motorrädern habe konnte ich mich bisher nur an meinem Bauchgefühl orientieren. Um meine Vorurteile zu überprüfen, habe ich mich daher nicht nur auf Motorräder gesetzt, die ich für interessant halte („fühlt die wirklich so nett an, wie sie in den Tests aussieht?“), sondern auch auf Maschinen, von denen ich glaube, dass sie nichts für mich sind („Ist das vielleicht nur mein Vorurteil?“).

Natürlich kann es sich dabei nur um einen ersten Eindruck handeln, so lange man nicht wirklich Probe fährt, aber Sitzposition und Anmutung sind ja auch schon recht gute Indikatoren.

Designer Wetzhobel: Husquarna Svartpilen 701

Designer Wetzhobel: Husquarna Svartpilen 701

Meist lag ich mit meinen Vermutungen richtig: Supersportler nerven mich mit der stark nach vorne gebeugten Haltung genauso wie das genaue Gegenteil – Chopper, Cruiser und Bobber mit ihrer übertrieben entspannten Sofa-Attitüde. Mit Geländemaschinen und Super Motos werde ich wohl auch nicht warm und Tourer sind zwar unheimlich bequem, aber derart vollgestopft mit Technik und so schwere Brocken, dass das irgendwie meiner Idee von Motorradfahren völlig zuwider läuft.

Unerwartet war, dass mir die Ducati Scrambler-Reihe zwar optisch gefällt, aber die Sitzposition nicht. Andersherum ist die Husqurana Svartpilen 401 schon wieder so schmal und kompakt, dass man das Gefühlt hat, auf einem etwas zu schweren Fahrrad zu sitzen. Die BMW R nine-T war nicht so unbequem wie befürchtet, aber der Boxer-Motor ist ein Brocken von Maschine. Hingegen machten die bildschönen Moto Guzzi V7 und V9 einen unerwartet leichten Eindruck.

Klassische Schönheit: Moto Guzzi V7 III

Klassische Schönheit: Moto Guzzi V7 III

Die Modelle von Triumph hätte ich am liebsten alle mitgenommen. So unfassbar schön und stilecht bis in die letzte Schraube. Meine beiden Favoriten sind dabei die Thruxton und die Speed Twin mit ihren 12000er Reihenzweizylinden.

Aber von diesen Träumchen abgesehen, habe ich doch das Gefühl, mit der Suzuki SV650 zunächst das richtige Motorrad gekauft zu haben: Entspannte Sitzposition, etwas Retro, aber nicht zuviel, guter Zweizylinder Motor und das zu vergleichsweise kleinem Geld. Alles was mir mehr zusagt kostet auch mindestens das Doppelte. Und wie Christian sagte, als er mit leicht verträumten Blick auf einer 1200er Triumph Bonneville saß: „Ein Traum! Aber kannst Du Dir vorstellen, dieses Bike etwas länger an einer Straßenecke in Kreuzberg stehen zu lassen?“

Klassiker: Honda CB 750 Four Baujahr 1971

Klassiker: Honda CB 750 Four Baujahr 1971

Da hat er recht. Daher ist jetzt erst mal etwas träumen angesagt – und bis dahin Spass mit der SV. Möge die Saison beginnen…

 

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