tiny little gizmos

Familiengeschichte – ein Teil davon

Ich wollte anfangen, den Keller aufzuräumen, als mir ein alter Koffer voller Fotos und Unterlagen in die Hände fiel. Darin fand ich ziemlich viel Material von meinen Großeltern väterlicherseits. Neben den zu erwartenden Fotos von Leuten, die ich nie kennengelernt habe waren so manche Schmankerl dabei. Mein Großvater bei der Arbeit an „seinem“ Spektrometer (Schätzungsweise 60er Jahre), aber auch Fotos aus den 30er Jahren. Die Praxis von meinem Urgroßvater, die Gartenlaube, ziemliche viele Bilder von Ausflügen in die weitere Umgebung von Hannover mit dem Auto und sogar Bilder von einem Autounfall meines Urgroßvaters.

Opa im Labor am Spektrometer (60er Jahre)
Ausflüge mit dem Auto (30er Jahre)

Es fanden sich auch verschiedene Unterlagen, Ausweise und Bescheinigungen, wie z.B. Schriftwechsel meiner Großmutter mit der Handwerkskammer und ihr Kundenbuch (sie war selbständige Schneidermeisterin). Von Opa habe ich den ersten Führerschein gefunden – von 1934! Toll – ich habe meine alten nicht mehr.

Führerschein Klasse 3 von 1934(!)

Zeitgeschichtlich interessant finde ich Unterlagen bei denen man etwas überlegen muss, wozu sie gut waren. Eine „Legitimationskarte“ ohne Hinweis, wozu sie legitimierte. Das „Arbeitsbuch“ diente vermutlich als Nachweis für die Rentenversicherung?


Flüchtlingsausweis und Personalausweis der britischen Besatzungszone. Wobei „Flüchtlingsausweis“ etwas hoch gegriffen ist, wenn zwar die Wohnung in Hannover zerbombt war, aber man auf den intakten Hof der Schwiegereltern ziehen konnte, der gerade mal 70 Km entfernt lag. Glück im Unglück.

Ich fand auch einen Mitgliedsausweis für eine Organisation, die ich nicht zeigen kann, ohne mich ggf. der Abbildung verfassungsfeindlicher Symbole schuldig zu machen (Nein, ich meine nicht das Parteibuch). Letztlich scheint es aber meinem Großvater nicht geschadet zu haben. Die „Entnazifizierung“ hat etwas gedauert – aber er hatte sich nie direkt etwas zu Schulden kommen lassen und man konnte ja nicht langfristig auf Fachkräfte für den Wiederaufbau verzichten. Man achte auf den Gebührenbescheid. DM 20,- waren 1949 unverschämt viel Geld. Aber ohne diesen Zettel gab es keine vernünftige Arbeit.

Ich habe so lange die Unterlagen durchgesehen, dass der ursprüngliche Plan, den Keller aufzuräumen leider verschoben werden musste.

Ich fand den Blick in die Familiengeschichte einfach zu spannend. Zumal das die „gutbürgerliche“ Seite meiner Familie ist. Es gibt auch noch eine eher „rote Seite“, aber darüber habe ich keine Unterlagen, was schade ist.

Nachschlag: Demonstrationen gegen geplante Motorrad Fahrverbote

An diesem Wochenende gab es – sozusagen als „Nachzügler“ zum den Demos vom 04.07. – noch ein paar weitere Demonstrationen gegen die geplanten Motorradfahrverbote. Leipzig war mit offiziell 16.000 (!!) Teilnehmern dabei und auch in Berlin gab es erneut eine Demo. Auch wenn wir bei weitem nicht die Teilnehmerzahlen von Leipzig, Stuttgart oder Düsseldorf erreichen, so waren es doch immerhin wahrscheinlich 2.000 Teilnehmer. Offizielle Zahlen habe ich noch nicht, aber der Olympische Platz war voll!

Nach und nach füllt sich der Olympische Platz
Während der Ansprache vom BVDM

Die Strecke führte vom Olympischen Platz (vor dem Olympiastadion) über Theodor-Heuss-Platz 7km schnurgeradeaus über Kaiserdamm, Bismarckstraße und Straße des 17. Juni bis zum Brandenburger Tor.

Nach der Ankunft am Brandenburger Tor

In den letzten Wochen haben bundesweit bei vielen Aktionen weit mehr als 100.000 Motorradfahrer gegen Fahrverbote demonstriert. Die Zahl ist schon beeindruckend.

Noch wichtiger:
Alle Demos verliefen ruhig und friedlich.
Nirgends gab es Ausschreitungen, Pöbeleien, Rangeleien mit der Polizei, zurückgelassene Müllhalden oder sonstige Probleme. Es gab weder hochdrehende Motoren, noch Wheelies noch sonstige pubertären Einlagen.

Das ewige Trauerspiel: Unsachliche Berichterstattung durch die Medien

100.000 friedlich demonstrierende Menschen. Und trotzdem hören die Medien nicht auf, die Demos kleinzuschreiben, am Thema vorbeizuschwadronieren bis kurz vor die Verleugnung. Beispiele:

  • Bild schreibt von 5.000 Teilnehmern in Leipzig, obwohl selbst die Polizei 16.000 gemeldet hatte.
  • Immerhin hatte Bild aber die zentrale Forderung verstanden und konnte sie wiedergeben, was Christian Stöcker in seiner Kolumne im Spiegel nicht gelang. Er entblödet sich nicht, sein wirres Geschreibsel mit dem Satz „Deutsche Motorradfahrer demonstrieren zu Tausenden für ihr Recht, weiterhin überall und immer Lärm machen zu dürfen“ einzuleiten. Nicht zugehört, nicht nachgefragt, nichts verstanden.
    Thema verfehlt. 5 Minus Herr Stöcker – setzen!
  • In einer anderen Publikation (habe mir leider nicht mehr gemerkt wo) musste der Autor schwülstig von „testosterongetränkter Stimmung“ und „Schwanzverlängerung“ schreiben. Man kann sich natürlich in seinen eigenen Vorurteile suhlen, aber man könnte auch einfach mal hinkommen und erstaunt feststellen, wie viele Frauen mittlerweile Motorrad fahren. Und zwar auch gerne die großen Kaliber.
  • Kein Einziger Bericht, den ich gesehen habe, hat sich wirklich inhaltlich mit dem Thema auseinandergesetzt. Den Forderungskatalog des Bundesrats mit dem geltenden Recht abgeglichen, Betroffene befragt (weder Streckenanwohner, noch Motorradfahrer) oder sonstwie recherchiert.
  • Die ständigen scheinbar subtilen Seitenhiebe und handwerklichen Ungenauigkeiten in der täglichen Berichterstattung tragen zur Verunglimpfung bei. Wenn z.B. in einer Überschrift steht „150 Raser bei Verkehrskontrollen geschnappt“, das Aufmacherfoto selbstverständlich einen Motorradfahrer zeigt, aber von den 150 erwischten nur 20 Motorradfahrer waren. Oder in jeder Randnotiz das Wort „rasen“ steht, anstatt „fahren“. Das ist negtives Framing und es findet ständig statt.

Sicher – man muss Motorräder nicht mögen. Man kann sie auch für überflüssig halten. Ich halte auch so einiges in diesem Land für überflüssig. Ich erwarte von Journalisten aber, dass sie ihren Job machen, sich die Zeit nehmen, die Argumente zu verstehen und diese auch dem Leser mitzuteilen. Einfach nur Meinung abzusondern und auf Gruppen rumzuhacken ist in meinen Augen unprofessionelles Geschreibsel auf dem Niveau von „Giesela’s Dorfblog“ oder schlicht Propaganda.

Bitte nicht vergessen – Motorräder haben auch Vorteile

Und noch etwas wäre wichtig: Es wird immer so getan, als ob jedes Motorrad ein eigentlich überflüssiges Hobbygerät wäre.
Für viele ist es auch einfach die günstigste Möglichkeit, selbstbestimmt motorisiert von A nach B zu kommen. Für Jugendliche auf dem Land sogar die einzige. Man schaue sich unter der Woche mal vor den Berufsschulen um.
Zum Thema Umwelt: Sie verbrauchen erheblich weniger Rohstoffe und weitaus weniger Treibstoff, als ein Auto und benötigen kaum mehr Stellfläche, als ein Fahrrad.

Mein Fazit

Schön, dass wir mal gezeigt haben, wie viele wir sind und was uns wichtig ist. Auch wenn das Thema in vielen Medien völlig verzerrt wiedergegeben wurde – ich hoffe, dass die politisch verantwortlichen die Position verstanden haben.
So – und jetzt lasst uns zusammensetzen und Lösungen finden. Das wird sicherlich an vielen Stellen schwierig, aber so ist Demokratie nun mal – anstrengend.

HP DeskJet Pro 9014 und Linux

Mein alter Drucker/Scanner/Fax/Kopierer (HP DeskJet Pro 8500) hat nach 10 Jahren das Zeitliche gesegnet. Der Druckkopf war eingetrocknet und wollte sich nicht mehr reinigen lassen. Also musste Ersatz her. Und dieser muss mit Linux funktionieren. Da wird die Auswahl schon recht dünn.

Frisch aus dem Karton

Ich habe mich für den OfficeJet Pro 9014 entschieden, weil HP traditionell den besten Linux Support hat. Das Gerät ist etwas kompakter und leichter, als der 8500, hat aber ebenfalls eine Duplexeinheit für beidseitigen Druck und einen automatischen Einzug für den Scanner.

Drei Farben – und schwarz (steckt schon im Drucker)

Und was ist mit Linux?

Der Drucker hängt per Kabel im heimischen Netzwerk. Mein Laptop mit Linux Mint 19.3 läuft. Der Drucker wird automatisch erkannt und kann sofort benutzt werden. So weit, so schön. Jetzt SimpleScan öffnen und… nix geht. Kein Scanner auffindbar. Egal, was ich versucht habe. Hmmm… :-(

Nächster Tag. Das System meint, ich könne jetzt auf Linux Mint 20 upgraden. Das probiere ich erst mal mit meinem Zweitrechner. Dauert etwas, läuft aber problemlos. SimpleScan heisst jetzt Dokument-Scanner und findet den OfficeJet. Scannen vom Rechner ist jetzt kein Problem mehr.

Damit tut der MuFu jetzt, was ich benötige – Jippieh!

Rückblick: Bundesweite Demonstrationen gegen Motorradfahrverbote

In meinem letzte Artikel habe ich mich zu den Hintergründen der bundesweiten Demonstrationen am 4. Juli gegen Motorradfahrverbote. Den Motorradkorso in Berlin bin ich mitgefahren. Zeit für einen Rückblick und einen Blick auf die Reaktionen der Medien.

Der Motorradkorso in Berlin

Sammelpunkt war passenderweise der Platz des 4. Juli in Lichterfelde an der südlichen Stadtgrenze. Alte West-Berliner wissen vielleicht, dass hier früher die McNair Barracks der US Armee waren und sich der Name daher auf den US-Amerikanischen Unabhängigkeitstag bezieht.

Aber genug der Symbolik. Es ist eine ziemlich große asphaltierte Fläche, auf der nach und nach sehr sehr viele Motorräder ansammelten. Chopper, Sportler, Tourer, Naked Bikes – es war alles vertreten. Erfreulich, dass viele Frauen selber fuhren. Die Zeiten der Sozia sind offensichtlich vorbei. Enttäuschend fand ich, dass sich die Jugend ziemlich zurückgehalten hat und ich keinen der einschlägigen Berliner Motorradbloggern gesehen habe. Kuhlewu, Dukein, Toast Riders, Knattercrew – wo wart Ihr?

Alles dabei: lustige kleine 125er neben 1000er Sporttourer.
Ich liebe den Kümelmonsterrucksack!

Zwischendurch ist die Streetbunnycrew rumgegangen (die fahren immer in rosa Häschenkostümen!) und hat Spenden für ein Obdachlosenprojekt in Neukölln gesammelt, während die Motorradstaffel der Berliner Polizei eine Lagebesprechung mit den Fahrern abhielt, die als Blocker mitfuhren um Kreuzungen und Ausfahrten zu sichern.

Schöner, flauschiger Helm… ;-)

Der Platz des 4. Juli war zu 2/3 gefüllt, als es losging. Ich habe fast 20 Minuten benötigt, um nach dem Start vom Platz runter zu kommen und ich war bestenfalls in der Mitte des Korso.

Kurz vor der Abfahrt, bin ich mit der Kamera die Längsseite der Platzes abgelaufen, um später die Anzahl der Maschinen zu schätzen. Meine Schätzung (zwischen 1.000 und 2.000 Motorräder) hat sich im Nachgang als ziemlich gut erwiesen. Die Polizei bestätigte später 1.600 Motorräder.

Der Platz des 4. Juli

Die Fahrt (siehe Google Maps) ging von Lichterfelde über die Steglitzer Schloßstr., Bundesallee Zoologischer Garten, Ernst Reuter Platz, Straße des 17. Juni bis zum Großen Stern, um dann noch einen Bogen vorbei am Schloss Bellevue und dem Haus der Kulturen der Welt (ehem. Kongresshalle) zu machen und am Platz der Republik am Reichstag, wieder südwärts zur Straße des 17. Juni zu machen, wo wir vor dem Großen Stern anhielten und die Ansprache hörten.

Die komplette Veranstaltung verlief von Anfang bis Ende ruhig und friedlich. Die Stimmung war entspannt, es gab kein unnötiges Hochdrehen der Motoren, keine blöden Stunteinlagen, alle Fahrer waren vorsichtig. Es gab weder aufpeitschende Sprechchöre und es wurde kein Müll hinterlassen.
An dieser Stelle ein dickes Dankeschön an die Organisatoren, die Polizei, die Blockerstaffel die Unterstützer und natürlich an die Teilnehmer.

Also alles in allem ein toller Erfolg!

Naja, eigentlich. Aber jetzt komme ich zu dem nicht so schönen Punkt an dem Tag – dem Medienecho.

Die Aktion und die Medien – ein sehr trauriges Bild

Ich hatte sowieso nicht wirklich mit guter Presse gerechnet, aber man kann immer noch enttäuscht werden. Man sollte meinen, dass eine Aktion, die auch für Berliner Demo-Verhältnisse recht groß war, in irgendeiner Weise in den Medien erwähnt wird. Also durchsuchte ich die einschlägigen Berliner Presseorgane, wie Tagesspiegel und Berliner Zeitung, in denen regelmäßig über die Demonstrationen berichtet wird, die Berlin jedes Wochenende lahm legen. Es wurden aufgelistet: Zwei getrennte Veranstaltungen zu Black Life Matters mit zusammen 2000 Menschen und der wöchentliche Autokorso (bestehend aus ca. 25-30 Autos) mit dem uns der Rechts-außen-Veganer Attilla Hildemann beständig „erfreut“.

Aber wahrscheinlich müsste ich eher froh sein. Vermutlich wäre so ein – ich kann es gar nicht anders nennen – „Propagandageschmiere“, das Die Zeit abgesondert hat dabei herausgekommen. Man muss sich als Journalist keine Zeit mehr für Gespräche und Nachfragen zu nehmen. Mann muss sich auch nicht inhaltlich in irgendeiner Weise mit dem Thema beschäftigen oder gar recherchieren. Es reicht ja, wenn man seine geringschätzende Meinung hat und diese dem Volke kundtut. Dennoch bin ich entsetzt, wie man aus dem eigentlich sehr leicht verständlichen Slogan „Gegen Fahrverbote für Motorräder“ inhaltlich ein „unbelehrbare Motorradfahrer wollen weiter lärmen“ werden kann. Dementsprechend war in den Kommentarspalten regelrechte Progromstimmung. Sachliche Argumente kamen da gar nicht nicht mehr an. Stattdessen wurden Vorschläge unterbreitet, wie „Das Problem kann man doch leicht lösen: mit Rollsplit oder Öl in der Kurve oder einem straff gespannten Stahlseil“.

Aufruf zu Selbstjustiz und Mordanschlägen? Ernsthaft? Und der Kommentar wird nicht sofort gesperrt oder gelöscht?

Übersicht über die deutschlandweiten Proteste

Die Demos fanden bundesweit in vielen Städten statt. Häufig kamen wesentlich mehr Teilnehmer, als erwartet. Im ruhigen und bevölkerungsschwachen Emsland rechnete man mit max. 1.000 Teilnehmern, aber es kamen 5 mal so viele!

Eines der Fairnis halber vorneweg: Es gab durchaus Medien, die neutral, oder sogar abwägend waren. Allerdings gab es schon eine Tendenz, alles ein wenig herunterzuspielen, zum Beispiel mit der Formulierung wie „bundesweit sind einige tausend Biker…“.
Schauen wir mal eben wieviel „einige“ sind.

Eine unvollständige Liste mit Zahlen, die meist von der Polizei bestätigt wurden.

Berlin1.600
Dresden5.000
Düsseldorf12.000
Essen800
Friedrichshafen am Bodensee8.000
Gifhorn1.000
Hamburg4.500
Hannover1.600
Karlsruhe (Bundesverfassungsgericht)3.000
Karlsruhe (Neue Messe)7.500
München20.000
Oldenburg2.000
Papenburg8.500
Schweinfurt5.000
Schwerin1.000
Stuttgart12.000
Wiesbaden12.000
Gesamt93.500
Anzahl der Teilnehmer an den bundesweiten Demonstrationen gegen Motorradfahrverbote

Selbst wenn in den Schätzungen ungenau sind: Über 90.000 ist schon mal ’ne Hausnummer, die alle überrascht hat – selbst die Organisatoren. Wer die Zahlen nicht glauben mag, suche bitte auf Youtube die einschlägigen Videos.
Zudem haben 200.000 haben eine Petition gegen Fahrverbote unterzeichnet.

Das ist eigentlich ein Zeichen, dass man es vielleicht mal mit Dialog versuchen sollte. Die meisten Biker sind nämlich durchaus vernünftig. Weshalb auch nicht? Es sind ja ganz normale Bürger: Arzthelferin, Bäcker, Informatiker, Klempner, Zahnarzt, Mechatroniker, Verwaltungsangestellte, Wirtschaftsingenieure – quer durch die Gesellschaft. Und nicht zu vergessen Jugendliche in ländlichen Regionen, die irgendwie zum Ausbildungsplatz, zur Berufsschule oder sonstwohin kommen müssen. Da ist eine kleine 125er der Weg zur selbstbestimmten Fortbewegung.

Sonderfall München

Aber man kann natürlich auch „harte Kante“ fahren, wie es die Stadt München versucht hat. Sie haben die Demo nämlich schlicht verboten. Und das sogar mehrfach. Zunächst auf der Theresienwiese, wo jährlich das Kollektivgelage namens Oktoberfest abgehalten wird. Die absolut hahnebüchene Begründung war „Coronagefahr“. Ja klar. Bei Bikern, die in Kombi neben ihrer Maschine auf einem riesigen Festplatz stehen. Sehr einleuchtend.

Daraufhin hat der Veranstalter gesagt: „Gut, dann fahren wir eben im polizeibegleiteten Konvoi einmal um den Ring“. Exakt in dem Augenblick, in dem die Gerichte in München schließen (Freitag 15:00) bekommt der Veranstalter wiederum ein Verbot zugestellt, wegen „zu erwartender Gefährdung und Verkehrsbehinderung“.

Nun ja, das ist demokratisch extrem zweifelhaft. Kann man natürlich machen, wenn man nicht weiß, was der Streisand-Effekt ist. Die bayerischen Biker sind total auf der Palme gewesen, aber alle haben sich gesagt „Na gut, wenn die Demo verboten wurde, kann sie natürlich nicht stattfinden. Ist in Ordnung. Also was mache ich denn nun am Samstag? Vielleicht einen kurzen Einkauf in der City, oder ich treffe mich mit ein paar Kumpels bei Mc Donald oder einer Eisdiele…“

Also fuhren zigtausend Motorräder gleichzeitig in die Stadt. Ja mein Gott, kann man ja nicht ahnen, wie viele Leute zufällig dieselbe Idee hatten. Muss ja ’ne tolle Eisdiele sein…
Das Ergebnis war ein komplett verstopfter Innenring. Die Polizei wurde dorthin beordert und die Beamten sagten „Es ist keine Demo und kein Korso. Wir können ja dem einzelnen nicht verbieten, in die Stadt zu fahren. Wir passen nun auf, dass nichts passiert“.

Daraufhin sind natürlich die Verantwortlichen in der Stadt an die Decke gegangen und haben gleich die Medien in Stellung gebracht. BR und Merkur haben Gift und Galle gespuckt. Jetzt sind die Biker erst recht die Bösen.

Die zweifelhaften Handlung der Stadtverwaltung, die eine absolute harmlose Demo auf einem Festplatz hätte haben können, aber unbedingt einen auf „Ich bin hier der Landvogt“ machen musste, wurde mit keinem Satz erwähnt.

Umso erstaunlicher, dass ausgerechnet der Bundesverkehrsminister (CSU) darauf hinweisen musste, dass es gesetzliche Regelung gibt, und diese bitte erst mal anzuwenden seien. Wahre Worte, aber leider hat Herr Scheuer ein gewisses Glaubwürdigkeitsproblem – bei allen im Lande.

Und wie jetzt weiter?

Wenn man es sportlich sehen will, hat jetzt jede Seite erst mal kurz die Muskeln spielen lassen. Auf die Machtdemonstration von ca. 100 vorwiegend süddeutschen Gemeinden folgte die Demonstration von fast 100.000 Motorradfahrern, die gezeigt haben, an welcher Stelle ihre Akzeptanz endet.

Jetzt wäre es an der Zeit, die Diskussion in gesittete Bahnen zu lenken und sinnvolle und wirksame Maßnahmen zur Lärmreduzierung auf den Weg zu bringen. Keiner hat das Recht, anderen mit extremen Lärm zu belästigen, aber es hat auch niemand das Recht, anderen prinzipiell die Durchfahrt zu verweigern. In diesem Sinne ist einer der besten Kommentare von Carsten Knop in der FAZ unter dem Titel „Verboten, verboten, verboten“ zu finden, der für genau diesen Weg wirbt und auf ein immer weiter um sich greifendes Gesellschaftliches Problem aufmerksam macht. Ich zitiere:

„Warum finden es derzeit so viele Menschen gut, wenn Dinge verboten werden sollen? Und warum gerät dabei der juristische Grundsatz der Verhältnismäßigkeit aus dem Blick? […] Das kann man alles gut finden, bis das nächste Verbot die eigenen Interessen trifft.“

Da sollte man mal ganz in Ruhe drüber nachdenken.

Bundesweite Demos gegen Motorradfahrverbote am 4.7.2020

Am 4.7.2020 werden Bundesweit mehrere Demos gegen die Einführung von Fahrverboten für Motorräder stattfinden. Eine davon auch in Berlin (Treffpunkt Platz des 4. Juli um 12:00). Ich werde dabei sein und vermutlich auch einen Bericht schreiben.

Vorher möchte ich Euch kurz erklären, worum es geht und weshalb ich die Proteste unterstütze.

Gegen die Einführung von Motorradfahrverboten

Worum geht es?

Der Bundesrat hat am 15, Mai eine Entschließung zur wirksamen Minderung und Kontrolle von Motorradlärm an die Bundesregierung gestellt. In dieser Entschließung sind eine Reihe von Maßnahmen aufgeführt, für die die Bundesregierung eine gesetzliche Grundlage schaffen soll – bis hin zum Wochenendfahrverbot für Motorräder.

Was spricht dafür?

Die Initiative geht auf von den Bundesländern Baden-Württemberg und Nordrhein Westfalen aus. Dort eskaliert bereits seit längerem ein Konflikt um Motorradlärm in Gegenden, wie Schwarzwald und Eifel.

Diese normalerweise eher ruhigen Gegenden sind beliebte Ausflugsziele am Wochenende und wegen der landschaftlich schönen und kurvigen Strecken auch bei Motorradfahrern sehr beliebt. Unter den Motorradfahrern gibt es natürlich auch einige schwarze Schafe, die zu laut, zu schnell und zu Risikoreich fahren. Gerade bei schönem Wetter am Wochenende steigt dort also die Lärmbelastung und das Unfallrisiko stark an. Der Wunsch nach Sicherheit und weniger Lärm ist also gut begründet und das stellen die meisten Motorradfahrer auch gar nicht in Abrede.

Was spricht dagegen?

So berechtigt das Anliegen ist – der Forderungskatalog selbst ist an vielen Stellen juristisch und technisch problematisch und undurchdacht.

1. Forderung nach Reglungen, die bereits Gesetz sind.
Ein Beispiel: Die Nutzung nicht zugelassener Auspuffanlagen, oder Manipulationen, wie die Entfernung des DB-Killers aus den Endschalldämpfern führen bereits heute zum Erlöschen der Betriebserlaubnis, zur sofortigen Stilllegung des Motorrades und zu empfindlichen Strafen, wie z.B. der Berliner Motorradblogger Kawaque feststellen durfte (siehe das Video „Warum mein Motorrad beschlagnahmt wurde„). Im Wiederholungsfall drohen Führerscheinentzug und MPU („Idiotentest“).
Die Strafen sind also hart genug – aber offensichtlich wird nicht genügend kontrolliert. Da nützt auch kein neues Gesetz.

2. Einführung einer „Sippenhaft“ für Motorradfahrer.
Die meisten Motorradfahrer halten sich an Regeln. Alleine schon deshalb, weil ihr Leben daran hängt. Natürlich gibt es einige „Knallchargen“ und die sind auch durchaus nicht sehr beliebt in der Szene. Bei der Extremmaßnahme „Fahrverbot für alle Motorräder am Wochenende“ stellt sich die Frage, wieso alle, die ordentlich fahren, für die wenigen Rowdies mit bestraft werden sollen?
Auch hier würde es reichen, die Kontrolldichte zu erhöhen und ggf. neue Massnahmen wie „Lärmblitzer“ einzusetzen.

3. Verletzung der Gleichbehandlung
Gerade der problematische Ausflugsverkehr an den bekannten Hotspots besteht ja nicht nur aus Motorrädern, sondern auch gerne aus hochpreisigen Autos, die ebenfalls extrem laut werden können (AMG Mercedes, Audi R8 etc.).

Hier möchte ich auf den den Bericht „Konzertierte Kontrolle gegen Motorradraser“ der nicht unbedingt Motorradfreundlichen Stuttgarter Zeitung vom 28. Juni hinweisen. An einem neuralgischen Punkt hatte die Polizei eine „Raserfalle“ aus zwei kurz hintereinander aufgestellten Kontrollen eingerichtet um die Motorradfahrer, die zu laut und zu schnell sind zu erwischen. Tatsächlich fuhren jedoch alle Motorräder gesetzeskonform. Erwischt wurden getunte Autos.

Das zeigt das Problem: Motorräder bekommen generelles Fahrverbot und die anderen Brüllbüchsen dürfen weiter fahren? So einfach geht es also nicht. Auch hier helfen in erster Linie vor allem häufigere Kontrollen aller Verkehrsteilnehmer.

4. Forderungen die Sicherheitsprobleme aufwerfen.
Es wird gefordert, dass Motorräder vorne ein Kennzeichen haben müssen. So etwas gab es früher bereits und wurde aus gutem Grund abgeschafft: Die Verletzungsgefahr bei einem Unfall durch ein dünnes Stück Blech im vorderen Bereich des Motorrades ist extrem hoch. Daher werden Kennzeichen am Heck angebracht.

Eine ebenfalls hochgefährliche Maßnahme sind Geschwindigkeitsbeschränkungen nur für Motorräder. Diese führen regelmäßig zu extrem dicht auffahrenden und drängelnden Autos, was für die Motorradfahrer lebensgefährlich sein kann.

5. Sonstiges
Das ist nur eine kleine Auswahl an Problemen. Der Maßnahmenkatalog beinhaltet noch weitere juristisch und technisch heikle Punkte. So wie er dort steht, kann man ihn eigentlich nur ablehnen.

Soll also alles bleiben wie es ist?

Nein. Die Reduzierung der Lärmbelästigung und die Erhöhung der Verkehrssicherheit sind berechtigte Anliegen. Der Erhalt der individuellen Bewegungsfreiheit von immerhin 4,5 Millionen allerdings auch.

Was wir benötigen, sind sinnvolle und gut umsetzbare Maßnahmen.

Mehr Kontrollen anstatt schlechter Gesetze

Zunächst hilft es sicher, wenn die Einhaltung bestehender Gesetze und Vorschriften einfach besser kontrolliert und durchgesetzt wird, anstatt handwerklich schlechte Gesetze durchzudrücken. Davon haben wir in Deutschland schon mehr als genug.

Tricksereien bei Zulassungsverfahren verbieten

Es gibt aber auch das Problem, dass manche neu zugelassen Maschinen in den letzten Jahren im Schnitt real immer lauter geworden sind, obwohl die schärferen Grenzwerte auf dem Papier eingehalten werden. Das ist auf Tricksereien, wie Klappenauspuffanlagen zurückzuführen, die im Messzyklus die Maschine leise machen – und jenseits davon auf „Durchzug“ schalten. Solche Tricksereien kennt man ja schon von den Deutschen Autoherstellern bei Abgaswerten.
Gegen so einen Mist muss der Gesetzgeber ohne Frage vorgehen.

Sensibilisierung und Problembewusstsein

Außerdem müssen die Motorradfahrer und auch die Hersteller sensibler für das Thema werden. Mir ist bei der Suche nach einem neuen Motorrad aufgefallen, dass man sämtliche technische Daten der Maschinen von der Fahrwerksgeometrie bis zur Zündfolge der Zylinder nachlesen kann, aber niemand – wirklich kein einziger Hersteller – die Lautstärke der Maschine in die Datenblätter mit aufnimmt?
Für mich war zu hohe Lautstärke tatsächlich ein K.O.-Kriterium (siehe „Probefahrt Suzuki GSX-S 750„).

Nicht zuletzt hat jeder Fahrer das Problem ein Stück weit selbst in der (Gas)Hand. Direkt am Ortsausgangsschild die Maschine aufzudrehen ist nicht sehr nett. Es ist ja nicht immer böser Wille, sondern häufig einfach nur Gedankenlosigkeit. Einige Gemeinden haben mit elektronischen Hinweistafeln zur Erinnerung, die auf die Lautstärke hinweisen gute Erfahrungen gemacht.

Wenn dieser Vorstoß etwas Gutes hat, dann, dass das Thema Lautstärke in der Motorradcommunity angekommen ist. Einige sind (wie immer in Gruppen) bockig und unbelehrbar, die meisten haben aber Verständnis. Einige versuchen sogar aktiv etwas zum Besseren zu wenden, wie zum Beispiel der Blogger DucStyle, der das Gefühl hatte, dass seine 20 Jahre alte Ducati Monster lauter als erlaubt war. Er hat daraufhin nachgemessen und den Endschalldämpfer leiser gemacht („Vorbereitung Schalldämpfer neu dämmen + Infos zur Lautstärke„).

Mein Schlussplädoyer

Bestehende Vorschriften besser durchsetzen, gesetzliche Schlupflöcher schließen und das Problembewusstsein stärken. Dann funktioniert es auch mit dem Nachbarn.

Es wäre superschade, wenn ein tolles Verkehrsmittel, das erheblich weniger Umweltschädlich, als Autos ist und dazu noch richtig Spass macht, durch Borniertheit auf allen Seiten kaputt gemacht wird.

Meine Prognosen zur Verkehrwende – von 1990

Vor ein paar Tagen habe ich einem Bekannten gegenüber meine extreme Unzufriedenheit mit der Berliner Regierung geäußert. Ein wichtiger Punkt ist dabei deren sogenannte Verkehrspolitik. Das wurde von ihm etwas überspitzt formuliert als Raunen eines „alten mental zurückgebliebenen Petrolhead (Autofanatiker)“ missverstanden. Aber so einfach ist die Sache nicht.

Zugegeben – ich habe ein Auto und ich habe mir sogar gerade auch noch ein neues Motorrad gekauft. Andererseits habe ich in den letzten Jahren fast ein Vollbremsung in meinem Verkehrsverhalten hingelegt und meine CO2 Bilanz ganz erheblich verbessert – und zwar schon vor Fridays For Future.

Um meinen Missmut zu begründen, möchte ich hier ein paar Artikel veröffentlichen, die meinen Standpunkt etwas besser darlegen.

In diesem ersten Artikel blicke ich 30 Jahre zurück um meine damaligen Thesen zur Verkehrsentwicklung zu überprüfen.

Wie der Eine oder die Andere vielleicht weiß, habe ich in grauer Vorzeit (von Ende 80er bis Anfang der 90er Jahre) Stadt- und Regionalplanung studiert. Das ist ein Querschnittsfach, in dem neben Planungsrecht, Soziologie, Wirtschaftswissenschaften, Statistik und noch ein paar netten Nebenfächern u.a. auch Verkehrswesen gelehrt wird.

Stadt- und Regionalplanung in den 90ern

Und wenig überraschend fanden sich bereits damals sehr viele Lehrende und Studierende, die Autos zurückdrängen wollten. Die ganzen Diskussionen, die heute gesamtgesellschaftlich um die Verkehrswende geführt werden kenne ich bereits von damals. Inhaltlich ist seit damals nichts Neues dazugekommen, eher im Gegenteil. Die heutige Diskussion ist dagegen eher argumentativ flach und einseitig.

Damals gab es zum Beispiel recht originelle Äußerungen von Prof. Dr. Heinze, einem erklärten Autogegner. Der hat damals die Theorie vertreten, das Auto sei auf seinem Höhepunkt angekommen und würde demnächst wieder auf dem Rückzug sein. Aber nicht aus Umweltschutzgründen oder wegen knapper werdender Ressourcen, sondern weil das Auto als Produktkategorie in der Endphase seines Produktlebenszyklus sei. Das hat bei uns zu erstaunten Blicken und hochgezogenen Augenbrauen geführt. Interessanterweise konnte er seine Theorie anhand von historischem Zahlenmaterial gut begründen. Ich denke er lag um 20 Jahre daneben, hat aber prinzipiell Recht gehabt. Gleichzeitig hat er aber auch den Satz gesagt:

„Das Hauptproblem am Auto ist nicht, dass es so schlecht ist, sondern dass es so verdammt gut ist“.

Er meinte damit natürlich das extrem breite Einsatzspektrum von „Wochenendeinkauf“ über „zur Arbeit pendeln“ und „die Tochter zum Reitunterricht und die Gartenabfälle zur Stadtreinigung bringen“ bis hin zu „mit der Familie in den Urlaub fahren“, das so kein anderes einzelnes Verkehrsmittel bietet.

Dieses Beispiel zeigt, dass damals sowohl offen, als auch fachlich fundiert diskutiert wurde. Grundlage waren massenhaft Daten zum Verkehrsverhalten (Anzahl, Dauer und Distanz von Ortswechseln) wirtschaftliche Daten, Freizeitverhalten, Strukturwandel, Steuerrecht und öffentliche Haushalte und noch etliche weitere Punkte, die in der aktuellen Diskussion leider völlig unter den Tisch fallen.

Wir hatten damals jedenfalls sehr intensive und leidenschaftliche Diskussionen. Am Ende einer solchen Diskussion ging allen ein bisschen die Puste aus und als alle ruhig waren, habe ich die Runde etwas aufgemischt und zur allgemeinen Verblüffung die folgenden Thesen aufgestellt.

Meine drei Thesen zur Verkehrsentwicklung von 1990

  1. Egal was wir für richtig halten – die Menschen werden noch mehr Auto fahren müssen als zuvor.
    Um den motorisierten Individualverkehr zurückzudrängen, ist es notwendig, dass die Menschen wieder kürzere Wege zurücklegen, die dann einfacher zu Fuß, per Fahrrad oder per ÖPNV zu bewältigen sind.
    Das wird jedoch nicht passieren, weil die Zwänge durch den Immobilen- und Arbeitsmarkt beständig für das Gegenteil sorgt: Die Wege werden immer länger, die Bewegungsmuster werden immer komplexer.
  2. Öffentliche Verkehrsmittel werden nicht ausgebaut werden.
    Um die Menschen aus dem Auto zu holen müssen öffentliche Verkehrsmittel stark verbessert werden: Netzabdeckung, Frequenz, Sicherheit und Sauberkeit.
    Das würde sehr viel Geld kosten, aber dieses Geld wird nicht bereitgestellt werden. Selbst wenn der motorisierte Individualverkehr zurückgehen sollte, werden die öffentlichen Verkehrsmittel dann erst recht nicht ausgebaut werden, da dann ja keine Konkurrenz mehr zu befürchten ist.
  3. Die umweltfreundliche Alternative zum Auto heißt zu Hause zu bleiben
    Eisenbahn und ÖPNV sind zwar bei hoher Auslastung im Schnitt weniger umweltschädlich als Autos, aber absolut gesehen sind sie natürlich ebenfalls umweltschädlich. Die wirklich umweltfreundliche Alternative zum Auto ist also schlicht überhaupt nirgendwo hin zu fahren.

Reality Check

Wie die Zeit gezeigt hat, lag ich mit meinen Prognosen gar nicht mal so sehr daneben.

Bei Punkt 1 und 2 sogar noch zu optimistisch. Die Jobkrise der 90er hat zu einer Explosion der Fernpendelei geführt und in den 90er und 2000er Jahren wurde der öffentliche Verkehr nicht nur nicht ausgebaut, sondern sogar noch weiter kaputt gespart.

Und zu Punkt 3 kann ich nur sagen, dass das die aktuell von den Grünen verfolgte Verkehrspolitik zu sein scheint. Der ÖPNV wird nicht ausgebaut, aber der Individualverkehr soll derart gegängelt werden (Rückbau der Infrastruktur plus Ökosteuer, plus starke Erhöhung der Parkgebühren plus Citymaut), dass es fast einem Verbot von MIV gleichkommt.

Und zur angeblich so tollen Verkehrspolitik der Grünen habe ich damals bereits gesagt, dass es nur grün angemalter Klassenkampf ist – und zwar von der oberen Mittelschicht auf Kosten der Allgemeinheit. Das darzulegen benötigt etwas mehr Platz. Daher schreibe ich dazu noch einen separaten Folgeartikel.

Probefahrt Suzuki GSX-S 750

Die schönen und geschmeidigen Drei- und Vierzylindermotoren der Triumph Street Triple RS und der Kawasaki Z900 habe ich bei Probefahrten sehr genossen. Um den Vergleich in der Naked Mittelklasse vorläufig abzuschließen habe ich nun noch eine Probefahrt auf der Suzuki GSX-S 750 absolviert.

Suzuki GSX-S 750 von links hinten

Die nagelneue Maschine (250km auf dem Tacho), die ich von Motorrad Lukas in Prenzlauer Berg ausgeliehen habe, war wie auch schon die Z900 nicht ganz serienmäßig. Es waren ein kurzer Kennzeichenhalter und sehr schöne, LED Blinker verbaut und leider auch wieder ein Sportauspuff, so dass ich keine Aussage zum Klang der Maschine im Originalzustand machen kann. So viel vorneweg: Der verbaute Endschalldämpfer der Marke Scorpion war mir erheblich zu laut. Als Standgeräusch sind serienmäßig jedoch nur 90dB angegeben, so dass man auch in Tirol kein Problem bekommen würde (siehe mein Nachtrag zur Z900).

Im Originalzustand sozialverträglich

Die Sitzposition ist ähnlich zur Z900 und Street Triple etwas nach vorne gebeugt und höher als auf der SV650. Ich empfand sie genauso, wie den straffen Sitz als angenehm. Das einfarbige LC Display wirkt im Vergleich zu den Farb TFTs der Triumph und der Kawa rustikal, ist aber zweckmäßig und gut ablesbar.

Der 750ccm große und 114PS starke Vierzylinder läuft mechanisch ruhig, sprotzelt im Schiebebetrieb etwas vor sich hin. Der Durchzug ist natürlich etwas weniger kräftig, als bei der Kawasaki, die immerhin 200ccm mehr Hubraum hat. Absolut gesehen, kann aber keine Rede von Leistungsmangel sein. Der angezeigte Verbrauch war nahezu identisch zur Kawasaki: zwischen 3,8 und 5,8 l. Meine SV650 gönnt sich nicht viel weniger.

Suzuki GSX-S 750 – feines, bewährtes Triebwerk

Die Kupplung ist etwas weniger leichtgängig, als bei den anderen beiden Maschinen, aber auch im Stadtverkehr sollte man keine Krämpfe in der linken Hand bekommen. Das Getriebe ließ sich stets präzise bedienen. Die Bremsen sind kräftig und gut dosierbar.

Die Maschine ist mit 214kg noch etwas schwerer, als die Kawasaki (210kg), aber das Fahrwerk wirkt fast so handlich, wie das der 187kg leichten Triumph. Auch den Kompromiss zwischen Härte und Komfort liegt angenehm zwischen den beiden Konkurrentinnen. Ich habe mich auf des GSX-S sehr wohl gefühlt.

Suzuki GSX-S 750 von rechts

Fazit

Siegerin des Herzens in meinem Vergleich ist die Triumph Street Triple RS. Sie ist in jeder Kategorie eine Spur besser, präziser und mit mehr Liebe im Detail gemacht. Die Materialanmutung und Verarbeitung scheint makellos. Das macht sich dann auch im Preis von knapp €12.000,- bemerkbar. Leider besteht das eingetragene Standgeräusch von 97dB den „Tirol Test“ nicht.

Die Kawasaki ist sehr solide, hat den durchzugstärksten Motor und einen recht attraktiven Preis von knapp €10.000,-. Auch sie hat ein eingetragenes Standgeräusch von 97dB.

Die Suzuki ist nochmals €1.000,- günstiger und hat ein super Fahrwerk, das m.E. an das der Triumph heranreicht – jedenfalls bei meiner moderaten Fahrweise. Zudem hat sie die für mich angenehmste Sitzposition und (mit dem serienmäßigen Endschalldämpfer) das geringste Standgeräusch.

So komme ich zu dem Schluss, dass die Suzuki für mich das passendste der drei Motorräder ist.

Probefahrt Kawasaki Z900

Vor kurzem hat mich bei einer Probefahrt der geschmeidige und vibrationsfreie Lauf des Dreizylinders der Triumph Street Triple betört. Allerdings sind €12.000,- natürlich auch eine Ansage und es schadet nicht, sich die Mitbewerber in dieser Fahrzeugkategorie anzusehen. In den letzten Wochen bin ich noch die Kawasaki Z900 und die Suzuki GSX-S 750 gefahren.

Den Anfang machte ich mit dem Bestseller Z900 von Kawasaki. Meine Probefahrt umfasste Stadtverkehr mit breiten Hauptstraßen, eine Irrfahrt durch ein verkehrsberuhigtes Wohngebiet (vielen Dank Google – das war echt unnötig) und gemächliche Landstraßenfahrt. Autobahn empfinde ich als überflüssig und zügige Landstraßenfahrt mit Kurven ist in der Umgebung leider nicht möglich.

Kawasaki Z900 von links hinten


Die Maschine, die ich von Roewer in Berlin Lichtenberg ausgeliehen hatte war das schwarz/rote Modell, das jedoch nicht ganz serienmäßig war. Es wurden andere Blinker, eine etwas längere Mini Windabweiser Scheibe und ein kurzer Kennzeichenhalter verbaut. Leider wurde auch der Originalauspuff durch ein Modell von Akrapovic ersetzt. Zum Originalsound kann ich also leider nichts sagen.

In dieser Ausstattung röchelte der 125PS starke 950ccm Vierzylinder nach dem Start jedenfalls recht nachdrücklich. Die Klangfarbe fand ich zwar gut, aber beim Fahren leider auch etwas zu laut. Dazu schreibe ich am Schluss noch etwas mehr.

Die Sitzposition ist sportlicher als auf meiner SV650. Der ziemlich straffe Sitz ist höher, was recht angenehm ist, und man ist stärker vorne gebeugt. Das TFT Farbdisplay ist scharf, hell und sehr gut ablesbar. Die Bedienung ist einfach.

Nach dem Losfahren fiel mir auf, dass der Motor, beim Einkuppeln, leichte Vibrationen zeigte, ansonsten aber seidenweich lief. Die Kupplung ist sehr leichtgängig, das Getriebe ließ sich präzise bedienen.

Der Motor ist überhaupt ein Sahnestück. Der hat in jedem Drehzahlbereich so viel Kraft, dass man ihn selbst bei sehr sportlicher Beschleunigung nicht ausdrehen muss. Als ich mich kurz verfahren hatte und auf einem asphaltierten Feldweg gewendet habe, bin ich aus Versehen im 3. Gang losgefahren (oh Mann…) und habe selbst damit dem Motor nicht abgewürgt.

Wahnsinn!

Und dabei war der angezeigte Verbrauch steht sehr moderat. Beim dahingleiten mit 70 Km/h stand nur 3,7l im Display und selbst beim Beschleunigen aus der Ortschaft heraus waren es gerade mal 5,9l. Im moderaten Betrieb sollten sich also sehr anständige Werte realisieren lassen.

Kawasaki Z900 – bärenstarker Motor

Die Bremsen packen schon bei wenig Handkraft kräftig zu. Das Fahrwerk ist ziemlich straff gefedert und kam mir noch mal härter vor, als das Öhlins Fahrwerk der Triumph Street Triple RS. Auf den Marzahner Betonplattenstraßen war das auf Dauer schon etwas nervig. Die Maschine wiegt mit ihren 210kg auch spürbar mehr, als die Triumph mit ihren 187kg. Das war in den wenigen Kurven, die ich fahren konnte auch zu merken. Nicht, dass die Maschine schwerfällig wäre, aber das Leichtfüßige der Triumph fehlt ihr.

Fazit

Die Z900 ist ein kräftiges Motorrad, mit dem man viel Spaß haben kann. Sie stand nicht umsonst lange auf Platz zwei der Zulassungsstatistik. Der Motor ist ein Prachtstück. Dennoch konnte sie mein Herz nicht ganz erobern. Das Design ist mit zu Transformer-mäßig, das Fahrwerk zu hart und die Lautstärke zu hoch. Das möchte ich jetzt noch etwas genauer ausführen.

Kawasaki Z900 von rechts


Nachtrag zum Thema Lautstärke.

Im Moment kocht das Thema Lärmbelästigung durch Motorräder gerade mal wieder richtig hoch. Es werden im Bundesrat sogar Fahrverbote gefordert und in Tirol sind gerade Fahrverbote für laute Motorräder beschlossen worden. Ich selbst mag auch kein Krawallbüchsen.

Obwohl ich fast immer recht niedrigtourig gefahren bin, war mir die Maschine stets etwas zu laut. Immerhin hat niemand Steine nach mir geworfen. Tatsächlich würde diese nagelneue Maschine selbst mit dem Originalauspuff mit 97dB Standgeräusch unter das Fahrverbot in Tirol fallen. Ich habe zwar nicht vor dort zu fahren, aber ich denke, dass die dort festgesetzte Obergrenze von 95dB als Blaupause für Deutschland dienen könnte. Denn seien wir ehrlich – es gibt ein Lärmproblem. Nicht mit allen, aber mit vielen Motorrädern. Und irgendeine Maßnahme wird definitiv kommen.
Vor dem Hintergrund möchte ich mir jedenfalls keine Maschine kaufen, die vom Fleck weg mit einem Fahrverbot bedroht ist.

Der Kapitalismus – ein Auslaufmodell?

Hinweis: Ich habe diesen Text bereits im November 2019 geschrieben, ihn dann aber nicht veröffentlicht, weil ich dachte, dass das für viele vielleicht zu versponnen klingt. Aufgrund der Corona-Krise und der noch nicht absehbaren Folgen möchte ich ihn Euch aber nicht vorenthalten. Los geht’s…

Doch doch, der Titel ist ernstgemeint. Das soll keine linke Propaganda sein, sondern eine Einladung zum Philosphieren. Es gibt nämlich einige Entwicklungen, die mir zu denken gegeben haben und das möchte ich teilen und vielleicht sogar diskutieren. Die naheliegende Frage „Und was soll danach kommen?“ möchte ich erst mal platt mit „etwas Anderes – und nicht notwendigerweise Besseres“ zur Seite schieben. Der Text wird auch so schon recht lang.

Bloß, weil sich zur Zeit niemand das Ende des Kapitalismus vorstellen kann, heißt das nicht, dass es nicht passiert.

Der Blick zum Anfang

Jahrhundertelang kannte man nur das System des Feudalismus. Niemand konnte sich damals vorstellen, dass dieser scheinbar „gottgegebene“ Zustand jemals ändern würde. Und dennoch ist es passiert. Es war ein langer, schleichender Prozess, weshalb er den Menschen lange nicht auffiel. Grundlagen der kommenden neuen Ordnung wurden eingeführt, ohne die bestehende Ordnung zunächst in Frage zu stellen. Es waren neue Erfindungen wie das Bankwesen, Buchhaltung, und nicht zuletzt die Einführung von Papiergeld, dass nur noch indirekt durch Macht und Ruf des ausgebenden Staates gedeckt war. Das Münzgeld war selbst der Wert. Das Papiergeld war nur ein Versprechen. Es funktioniert nur, wenn es für alle glaubwürdig ist.

Diese Erfindungen wurden gemacht, um den zunehmenden Welthandel einfacher zu machen. Sie waren so abstrakt, dass sie lange nicht normalen Volk oder den Herrschenden verstanden wurden. An den holländischen Börsen wurden Warentermingeschäfte erfunden. Es wurden also Waren verkauft, die man noch nicht hatte, damit man Schiffe und Mannschaften finanzieren konnte, die diese Waren erst in fernen Ländern besorgen sollten. Wenn der Handel erfolgreich war hat man sehr gut verdient. Wenn aber Ladung oder sogar das ganze Schiff verloren waren, war man schnell pleite oder sogar Bankrott. Um das finanzielle Risiko zu minimieren wurden Versicherungen erfunden.

Die Grundlagen des Kapitalismus waren gelegt. Der Welthandel nahm Fahrt auf, aber zum endgültigen Durchbruch hat erst die Industrialisierung geführt. Die neuen Verfahren in Bergbau, Maschinenfabriken und insbesondere der Bau der Eisenbahn waren so teuer, dass selbst ein Konglomerat mehrerer reicher Kaufleute die Kosten nicht mehr finanzieren konnte. Also hat man Aktiengesellschaften gegründet um das notwendige Kapital an den Börsen einzusammeln.

Der Rest ist Geschichte: Die Industrialisierung fegte wie ein Tsunami über die Länder und Gesellschaften. Alles wurde auf auf den Kopf gestellt. Landwirtschaft und Handwerk verloren massiv an Bedeutung. Landflucht, massive Verstädterung, Leben nach der Uhr, Massenproduktion, Mechanisierung. Traditionelle Lebensweisen und Werte wurden hinweggefegt, Ton, Takt und Richtung gaben die Herren an der Schnittstelle des Geldes an. Der ehemals mächtige Adel wurde nur noch so lange toleriert, solange er der Verwertungslogik nicht im Weg stand.

Die Lehre aus dem Wechsel von Feudalismus zu Kapitalismus

Der Feudalismus war eben anders als gedacht nicht gottgegeben. Er war statisch und konnte die massiv geänderten Anforderungen durch explosives Wachstum nicht befriedigen. Daher wurde er zunächst unterwandert und dann von dem neuen dynamischen System abgelöst.

Das alte Werkzeug Feudalismus wurde durch das passende neue Werkzeug Kapitalismus abgelöst.

Gründe für einen Systemwechsel

Stehen wir nun wieder vor einem Wechsel wie Ende des 18. Jahrhunderts?

Ich glaube ja. Aber nicht, aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit, wie es viele Linke meinen. Der Kapitalismus hat trotz aller Probleme mit seinem extremen Wachstum dazu geführt, dass zu Beginn des 21. Jahrhunderts so viele Menschen, wie noch nie zuvor in relativem Wohlstand leben. Der Kapitalismus ist ein sehr effizientes Werkzeug um Wachstum zu generieren.

Und genau deshalb ist er jetzt nicht mehr das richtige Werkzeug. Das drängendste Problem ist nicht mehr die Frage, wie Wachstum zu generieren ist, sondern wie unsere Umwelt vor dem totalen Kollaps zu bewahren ist.

Bereits als Jugendlicher in den 80er Jahren fiel mir der Widerspruch zwischen unserem umweltzerstörenden Lebensstil auf, den wir ändern müssten und dem Zwang zum Wirtschaftswachtum, der uns zu immer mehr Konsum führte. Damals hatten wir eine stagnierende Wirtschaft und sehr hohe Zuwächse bei den Arbeitslosenzahlen. Bei weniger als zwei Prozent Wachstum stiegen die Arbeitslosenzahlen weiter an.

Damals habe ich mir gedacht: Wenn 0% Wachstum nicht Stillstand, sondern Schrumpfen bedeutet gibt es nur zwei Möglichkeiten:

  • Entweder wir berechnen das Wirtschaftswachstum falsch, oder
  • Das System ist langfristig zum Scheitern verurteilt. Ein unendliches Wachstum auf einer endlichen Welt ist nicht möglich.

Jetzt 35 Jahre später bin ich mir vollkommen sicher, dass die zweite Option stimmt. Und ich denke, dass wir nicht nur bereits im Klimawandel stecken, sondern ebenso bereits im Systemwandel vom Kapitalismus zu etwas anderem – was auch immer das sein wird. Die Anzeichen sind bereits da.

Anzeichen für einen Systemwechsel

Da unser derzeitiges System auf dem Wachstumszwang beruht, wird alles dafür getan, dieses Wachstum zu generieren. Bereits in den 70er und 80er Jahren kam der Kapitalismus an seine Grenzen. In Europa und den USA stagnierte die Wirtschaft, die Arbeitslosigkeit stieg massiv an. Der Begriff „Die Grenzen des Wachstums“ war in aller Munde. Bereits hier hätte ein Umlenken einsetzen können, aber es passierten zwei Dinge, die für weiteres Wachstum sorgten und den Kapitalismus weitere 30 Jahre am Laufen hielten: Der Zusammenbruch des Kommunismus und der Aufstieg der Schwellenländer sorgte mit den Mitteln der Globalisierung sowohl für riesige neue Märkte und Nachfrage, als auch für neue, billige Produzenten.

Zwar haben diese weiteren 30 Jahre dafür gesorgt, dass sich sehr viele Menschen aus absoluter Armut befreien konnten, aber der Natur hat dieses zusätzliche Wirtschaftswachstum vermutlich den Rest gegeben. Zumal die Fortschritte im Wohlstand durch extrem starkes Bevölkerungswachstum wieder zunichte gemacht wurden.

Nun steht die globale Wirtschaft wiederum an einem Punkt, an dem weiteres Wachstum nicht möglich ist. Einerseits, weil nur noch Afrika als verbliebener Wachstumskandidat in Frage kommt und wichtiger – weil die Umwelt weiteres wirtschaftliches Wachstum mit dem sofortigen Zusammenbruch des globalen Ökosystems quittieren würde.

Externes Anzeichen: Es kein weiteres Wachstum möglich.

Ähnlich wie zum Ende des Feudalismus gibt es aber nicht nur den externen Treiber, sondern auch längerfristige Veränderungen im System, die bereits vorhanden sind, aber ihre disruptive Kraft noch nicht ausgespielt haben:

Viele wichtige Systeminterne Anzeichen

Entmaterialisierung von Wirtschaftsleistung

Bereits in den 50er und 60er Jahren verlagerte sich die Wertschöpfung von der Schwer- auf die Leichtindustrie. Die hergestellten Waren wurden kleiner, leichter und hochwertiger. Dafür steigt die Komplexität in Entwicklung, Produktion und Logistik. Mit zunehmender Marktsättigung werden vor- und nachgelagerte Prozesse (Marktforschung, Entwicklung, Marketing, Finanzierung) immer wichtiger. Ein immer größerer Anteil der Wirtschaft besteht aus eigentlich unwichtigen Tätigkeiten. Ein immer größerer Anteil des Kapitalvermögens besteht aus Luftbuchungen, wie dem sogenannten „geistigen Eigentum“. Firmen, die nichts herstellen und keinerlei echtes Anlagevermögen besitzen werden an der Börse höher gehandelt, als etablierte Industriekonzerne. Die eigentliche Produktion von Dingen – also die eigentliche Wertschöpfung – hat einen immer kleineren Anteil an der Gesamtwirtschaft. Das ist der Grund, weshalb diese vermeintlich unwichtigeren und unangenehmen Tätigkeiten in die vormals dritte Welt ausgelagert wurde.

Zunehmende Nullrenditen

Seit den frühen 2000er Jahren sind am Kapitalmarkt kaum noch nennenswerte Renditen zu erwirtschaften. Es steckt zu viel Geld im Wirtschaftskreislauf, das nicht mehr sinnvoll für „echte Dinge“ angelegt werden kann. Der Zins fällt auf 0 oder sogar darunter. Es scheint sich jedoch nicht um eine vorübergehende Marktkorrektur zu handeln, sondern um den neuen Normalzustand. Kapital weiß nicht mehr wohin, was zu Immobilienblasen führt oder zu verzweifelten Versuchen über Startups ständig neuen Unsinn erfinden und in den Markt drücken zu können. Immer neue „Blasen“ entstehen in immer kürzeren Abständen.

Anteil der Arbeitseinkommen sinkt

Nicht nur die physische Produktion ist auf dem Rückzug, sondern die Arbeit an sich. Ein immer geringerer Anteil der Volkseinkommens wird durch eigene Arbeitskraft erbracht. Wer seinen Lebensunterhalt mit sinnvoller Arbeit erwirtschaften muss, gehört zu den Verlierern.

Die Abschaffung von Geld

Bereits der Übergang von Münzgeld zu Papier- und Buchgeld zu Beginn des Kapitalismus hat die Frage aufgeworfen, ob Papierschnipsel überhaupt Geld sein könnten, da sie selbst ja keinerlei echten materiellen Wert hatten. Für den Wert der Paiperschnipsel „haftet“ die Zentralbank. Das funktioniert, so lange alle an das Versprechen glauben. Falls nicht, gibt es inoffizielle Zweitwährungen oder gleich einen Währungscrash.

Nun steht die weltweite Abschaffung von Bargeld an. Das neue „Geld“ steht nur noch in den Computersystemen der Banken. Es ist der direkten Kontrolle des Eigentümers entzogen und somit kein richtiges Geld mehr. Weder Käufer noch Kunde haben das Geld in der Hand. Das Geld hat die Bank und gewährt dem Kontoinhaber „Credits“. Der Zugang kann dem Kontoinhaber erschwert oder verwehrt werden. Transaktionen stehen latent unter Genehmigungsvorbehalt. Wer das nicht glaubt, aknn gerne mal versuchen so etwas alltägliches wie eine neues Auto von seinem Bankkonto zu bezahlen.
Anonyme Transaktionen sind nicht mehr möglich. Eine Enteignung oder ein Einfrieren von Guthaben, z.B. durch Behörden ist jederzeit möglich.

Totalüberwachung

Etablierung alternativer Systeme zur Ressourcenkontrolle

Im gegenwärtigen System bekommt in der Regel derjenige Kontrolle über materielle Ressourcen, der über das nötige Kapital verfügt. Es ist zu erwarten, dass in Zukunft andere Mechanismen etabliert werden. Man wird dann zwar noch bezahlen müssen, aber bekommt ggf. nicht mehr die gewünschte Menge oder wird anderweitig sanktioniert. Erste Anzeichen: Die zunehmende Totalkontrolle der Bürger, aber auch handelbare, aber zugeteilte Verschmutzungszertifikate für die Industrie. Falls sich dieser Mechanismus etabliert, ist er leicht auf alle nicht vermehrbaren Ressourcen wie Grund und Boden anwendbar.

Eine frühe Sonderform der Kontrolle über Ressourcen stellte die Ein-Kind-Ehe in China dar. Ein Kind war erwünscht, weitere Kinder wurden staatlich sanktioniert. China ist ohnehin der (oft zweifelhafte) Vorreiter bei der Einführung neuer Kontroll und Sanktionssysteme. Es war auch das erste Land, das ein offizielles, staatliches Social Scoring eingeführt hat, das bei unerwünschtem Verhalten zu eingeschränktem Zugriff auf Ressourcen führt. Interessant daran ist, dass es ein System für die Bürger und ein ähnliches System für Firmen gibt.

Einzeln betrachtet mögen diese Anzeichen nicht viel bedeuten, aber in Kombination haben sie in meinen Augen das Potential, das Rückgrat des Kapitalismus zu brechen.

Nur führt das leider eben nicht zwangsläufig zu einer besseren oder gerechteren Welt. Eher im Gegenteil. Denn eines ist im Feudalismus, im Kapitalismus und im Post-Kapitalismus gleich: Die Macht hat derjenige, der die Ressourcen kontrolliert.

Nachtrag: Den Artikel wollte ich seit zwei Jahren schreiben und habe es im November 2019 getan. Damals hätten mir die meisten Leser vermutlich den Vogel gezeigt.
In der Corona Krise wurde aber den Bürgern schlagartig klar, wie schnell die scheinbar sicheren Bürgerrechte ausgehebelt werden können. Wie schnell die scheinbar robuste und starke Wirtschaft zusammenbrechen kann. Es wurde klar, wer überhaupt die wirklich wichtige Arbeit macht, die das Land am Laufen hält.
Und deshalb blühen jetzt die Utopien für eine grüne und gerechte Welt, die mir einfach zu zuckersüß klingen, als dass ich sie glauben kann.
Daher war es mir wichtig diese Gedanken doch noch zu veröffentlichen.

Feinste englische Ware aus Hinckley

Vor knapp 3 Monaten hatte ich mich auf den Berliner Motorrad Tagen (siehe mein Artikel) vom 09.02) zu einer Probefahrt bei Triumph angemeldet. Leider kam zunächst der Dauerregen dazwischen und als das Wetter warm und trocken wurde stoppte Corona alles. Jetzt ist der KFZ Verkauf wieder zugelassen, das Wetter gut und ich habe drei Tage Resturlaub. Ein Anruf am Dienstag und die Probefahrt konnte Tags darauf stattfinden.

So viele hübsche Maschinen – und es gab noch mehr

Also fuhr ich am Mittwoch zum Triumph Händler in Berlin Weißensee. Der Verkäufer fragte mich, für welches Modell ich mich interessiere und ich antwortete, dass ich eigentlich die komplette Modellpalette stilvoll und toll finde, aber noch keine der Maschinen gefahren bin. Bei der Street Triple interessiert mich der Dreizylinder Motor und die Klassik Linie sieht zum Niederknien schön aus. „Kein Problem“ meinte der Verkäufer, „fahr zur Probe, was Du willst“.

Ja gerne! Dann einmal die Street Triple RS und einmal die Speed Twin. ;-)

Street Triple RS und Speed Twin

Ich hätte auch noch eine Bobber, eine Tiger und eine Bonneville fahren können, aber wir wollen ja nicht gleich maßlos werden.
Tags zuvor hatte ich mir eine kleine Runde herausgesucht, die ich dann sowohl mit den beiden Triumph, als auch zum Vergleich noch einmal mit meiner Suzuki SV 650 gefahren bin. Außer Autobahn war alles dabei: Asphalt und Kopfsteinpflaster, normaler Stadtverkehr, Stop-and-Go durch ein Dorf und Landstraße. Leider mangelt es in Brandenburg an Kurven, aber für einen Eindruck reichte das allemal.

Triumph Street Triple RS

Die erste Runde fuhr ich mit der brandneuen Street Triple RS – dem Topmodell der Baureihe. Ursprünglich war die Baureihe „nur“ die Naked Variante des Sportmodells Daytona. Nach einigen Evolutionsstufen ist die Baureihe aber sehr eigenständig geworden. Die etwas insektenartige Frontansicht mit den Doppelscheinwerfern und dem „bösen Blick“ unter dem Mini-Windschild ist nicht jedermanns Sache, aber ich finde sie klasse.

Sitzposition und Bedienung

Der Verkäufer meinte, dass ich mit meinen knapp 190cm eigentlich etwas zu groß wäre, aber probieren geht über studieren. Für ein Naked Bike ist die Sitzposition recht sportlich: Etwas nach vorne gebeugt und der spitze Kniewinkel ist sicherlich auch nichts für lange Touren, aber ich habe mich sehr wohl gefühlt. Alles liegt gut im Griff, die Highriser Spiegel an den Lenkerenden sorgen für gute Sicht nach hinten und der Sitz ist bequem. Das hochauflösende TFT Display ist sowohl bei praller Sonne, als auch im Schatten super ablesbar. Dabei hilft die automatische Umschaltung: In der Sonne zeigt das Display schwarz auf weiß und im Schatten weiß auf schwarz. Ich liebe solche Details – insbesondere wenn sie perfekt funktionieren.

Triumph Street Triple RS

Bremsen und Fahrwerk

Die Street Triple RS hat als Spitzenmodell der Baureihe nicht nur hochwertige Bremsen von Brembo, die super dosierbar und kräftig sind, sondern auch noch ein Fahrwerk von Öhlins. Das ist spürbar straffer, als z.B. das von meiner SV650, aber man überlebt auch Kopfsteinpflaser ohne Bandscheibenvorfall. Man sagt, dass dieses Fahrwerk beim Kurvenräubern ganz fantastisch sein soll. Das glaube ich gerne. Nur fahre ich recht STVO konform und Kurven gibt es in ganz Berlin und Brandenburg nur eine Handvoll. Das Einlenkverhalten beim Abbiegen ist jedenfalls klasse.

Motor und Getriebe

Die Maschine ist bereits nach der ab 2021 vorgeschriebenen Euro 5 Norm zugelassen und erfüllt damit sehr hohe Anforderungen an Abgasreinigung und maximaler Lautstärke. Dennoch leistet der sportliche Dreizylinder mit 765ccm Hubraum satte 123PS und der Klang ist einzigartig und charakteristisch. Je nach Drehzahl irgendwo zwischen sonor, heiser und turbinenartig, aber nicht wirklich laut. Das erfreut den Fahrer und schont die Nerven der Anwohner.

Der 765ccm Dreizylinder ist ein Quell der Freude

Der Motor läuft sanft und ohne nennenswerte Vibrationen. Auch in niedrigen Drehzahlbereichen ist schon genügend Druck da. Im 6. Gang von 50 auf 80 geht ruckzuck und ohne Murren. Richtig Power hat er natürlich, wenn man ihn hochdreht, aber dazu bin ich auf meiner kleinen Runde nicht gekommen und die Maschine war mit knapp 600Km auf der Uhr auch noch nicht eingefahren. Das Getriebe ließ sich jederzeit präzise Schalten, die Kupplung ist leichtgängig. Den Quickshifter habe ich nicht ausprobiert, weil ich nicht daran gedacht habe. Ist nett, aber nicht notwendig. Die einzigen kleinen Kritikpunkte sind die etwas hohe Leerlaufdrehzahl nach dem Kaltstart und ein leichtes rasseln der Kupplung im Leerlauf. Davon abgesehen ist der Antrieb ein Träumchen und macht sehr viel Spass. Selbst wenn man gesittet fährt. Nach der Fahrt hatte ich das sprichwörtliche breite Grinsen im Gesicht. ;-)

Triumph Speed Twin

Triumph bietet eine sehr breite Auswahl an Modellen der Klassik Baureihe. Motorräder, die so aussehen, als könnten sie aus den 70er Jahren stammen, aber tatsächlich hochmoderne Technik verbaut haben. Auf die Spitze treiben es dabei die „Bonneville“ Modelle, an denen jede Schraube edel und durchgestylt ist. Die Speed Twin mischt jedoch die klassischen Designelemente wie Faltenbälge an der Gabel sehr gekonnt mit modernen Details, wie kurzem Schutzblech hinten, viel Aluminium und Highriser Spiegel an den Lenkerenden.

Triumph Speed Twin

Sitzposition und Bedienung

Auf der Speed Twin sitzt man sehr aufrecht mit entspanntem Kniewinkel auf der bequemen Sitzbank. Die wenigen Bedienelemente sind im doppelten Wortsinn schnell erfasst. Die Spiegel bieten einen guten Blick auf das Geschehen hinter einem. Auffallend sind die in einer Aluminiumplatte eingefassten Rundinstrumente. Die digitalen Zusatzanzeigen sind dezent und stören die klassische Linie nicht. Eine optisch sehr schöne Lösung.

Bremsen und Fahrwerk

Die klassische Grundform lässt zunächst ein behäbiges Fahrverhalten befürchten, aber davon kann keine Rede sein. Auch hier beisst die hochwertige Bremse von Brembo kraftvoll und gut dosierbar zu. Das Fahrwerk ist zwar weniger straff, als bei der Triple, aber dennoch sehr wendig (soweit ich das eben auf den Brandenburger Geraden herausfinden konnte). Von Träge keine Spur!

Motor und Getriebe

Im Gegensatz zum quirligen Dreizylinder der Street Triple hat dieser Motor einen Zylinder weniger, aber fast einen halben Liter Hubraum mehr. Der Reihenzweizylinder mit 1200ccm leistet 97PS. Er gehört zu den optisch schönsten auf dem Markt. Sieht aus, wie ein klassischer luftgekühlter Twin aus den 70ern, ohne die ganzen heutzutage üblichen Schläuche und Kabel. Dabei ist der Motor auf der Höhe der Zeit. Einspritzanlage, Kühler, Katalysator, Lambdasonde, Regelelektronik ist vorhanden, aber konstruktiv geschickt versteckt.

Ein Anblick, den man gerne sieht

Dieser Motor ist auf guten Durchzug bei niedrigen Drehzahlen ausgelegt. Flottes Anfahren mit leicht erhöhter Leerlaufdrehzahl ist kein Problem. Er kann schnell, aber der Charakter ist auf entspanntes Cruisen ausgelegt.

Beim Fahren in sehr niedrigen Drehzahlen erinnert der Sound ein klein wenig an eine Harley Davidson – allerdings in vergleichbar ziviler Lautstärke. Das Sonore Wummern der Maschine kam mit tatsächlich etwas lauter als die Triple vor. Ob das von den Messwerten auch so ist, weiß ich nicht. Die Kupplung ist auch hier sehr leichtgängig, das Getriebe wirkte etwas weniger präzise, als das der Triple. Den Leerlauf musste ich ein paar Mal konzentriert suchen.
Das ändert nichts daran, dass mir auch diese Maschine sehr gefallen hat.

Fazit

Die beiden Naked Bikes sind beide sehr schöne, angenehm zu fahrende Maschinen mit deutlich unterschiedlichem Charakter. Dem quirligen Triple merkt man seine Herkunft aus dem Sportbereich an, aber er ist Gentlemen-Sportler, den man auch sehr gut gemächlicher fahren kann.
Der Twin entzückt mit seiner Optik und dem kraftvollen, aber eher gemütlichen Charakter, der aber auch flott kann.
Beide sind mit mit sehr hochwertigen Teilen ausgestattet, bestechen durch tolles Finisch und sind bis ins Detail durchdacht. Sie sind preislich mit ca. €12.000,- auch fast identisch. Viel Geld, aber man bekommt auch tolle Maschinen dafür.

Und welche gefällt mir nun besser?

Schwierig. Wirklich schwierig. Beide sind auf ihre Art toll.
Optisch gefällt mir die klassiche Linie der Speed Twin besser. Auf der Landstrasse hatte man aufgrund der aufrechten Sitzposition auf der Twin mehr Winddruck. Auf der Triple saß man etwas gebeugter und der Mini-Windschild hält den gröbsten Sturm ab.
Vom Fahrverhalten und der Motorcharakteristik hat mich die Street Triple mehr gereizt.

Sehr sehr knapp, aber ich würde die Speed Triple bevorzugen.

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