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Fünf Wochen in der Bude – und draußen Halli Galli?

Der blöde Coronavirus nervt alle – mich auch. Zumal ich schon eine Woche länger in der Bude hocke, als der Rest. Am 12.03. bin ich krank geworden und zu Hause geblieben. Als ich wieder gesund war, wurde Deutschland geschlossen. Und in der ganzen Zeit ist wie zum Hohn draußen tolles Frühlingswetter. Fünf Wochen und kein Ende in Sicht. Boah ey!!!

Na gut – hilft ja nix. Immerhin habe ich noch meine Arbeit und die Aussicht, dass das so bleibt ist ganz gut. So hat man tagsüber etwas zu tun und dreht nicht so schnell am Rad.

Etwas irritiert war ich von den Meldungen in den Medien, dass die Berliner angeblich so diszipliniert seien und der Verkehr stark abgenommen habe. Wenn ich in der Mittagspause eine kleine Runde um den Block gegangen bin um mir die Beine zu vertreten und den Kreislauf etwas in Gang zu bringen, sind mir stets Massen von Menschen in meinem Viertel aufgefallen. Der Park Friedrichshain platzt vor Joggern. Spazierengehen macht dort zur Zeit so viel Spaß wie ein Picknick auf dem Rasen eines Fußballplatzes während eines Spiels. Es ist sehr sehr unentspannt!

Und der Verkehr? Zumindest bei mir in der Danziger Straße ist er kaum weniger geworden – nur die Straßenbahn fährt fast leer durch die Gegend. Also habe ich mich gefragt:

„Wo zum Geier soll Berlin denn leer sein? Hier jedenfalls nicht!“

Am Freitagmorgen hatte ich endgültig Lagerkoller und habe mich für eine kleine Runde auf mein Motorrad gesetzt. Das ist zwar nicht verboten, aber auch nicht gerade ratsam. In der Szene wird von unnötigen Fahrten gerade dringend abgeraten.

Aber ich musste mal raus, weil ich kurz vorm Platzen war. Und siehe da – ich habe das leere Berlin gesehen. Es ist dort, wo es sonst von Touristen und Bürodrohnen nur so wimmelt – in Mitte! Also genau dort, wo man als Berliner eigentlich nie hingeht, wenn man nicht unbedingt muss.

Lustgarten und Altes Museum
Karl Liebknecht Straße
Freie Sicht zum Brandenburger Tor

Der Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor – fast vollständig leer. Genauso wie Unter den Linden und der Lustgarten. Die sechsspurige Straße des 17. Juni zwischen Brandenburger Tor und großem Stern: 1,8km durch den Tiergarten habe ich mir mit einem(!) Auto geteilt, das 800m hinter mir fuhr. Der Tiergarten selbst war im Vergleich zu „meinem“ Park auch recht leer.

Marlene Dietrich Platz
Potsdamer Platz

Den Potsdamer Platz hatte ich fast für mich alleine. Hat schon ein wenig von Endzeitstimmung gehabt.

Ähnlich sah es am Flughafen Tegel aus. Er wird aus strategischen Gründen offengehalten, obwohl es momentan kaum Flüge gibt. Ich bin hingefahren um zu sehen, wie viele Flugzeuge dort abgestellt sind. Nun- es sieht nicht wie in Amsterdam, Zürich oder Glasgow aus, wo die Maschinen teilweise sogar auf den Startbahnen abgestellt sind. Alle Gates sind belegt und die Triebwerke der Maschinen abgedeckt.

19 Flüge auf der Tafel – für die nächsten drei Tage!!!

Ansonsten herrscht Leere. Ein älteres Paar fährt kam auf Fahrrädern zum Terminal um mal zu gucken, ein paar Busfahrer von der BVG sonnten sich am Busterminal, bevor sie zur Rücktour starteten. Der Flughafen wird auch jetzt noch von der BVG angefahren. Im Gebäude nur ein paar gelangweilte Techniker und Grenzschutzpolizisten. Das Flughafengebäude ist offen und kann / darf betreten werden, aber es ist alles geschlossen.

Kein Mensch, alles geschlossen – außer den Toiletten

Wie oft habe ich mich hier schon durch die Menschenmassen gewühlt und nun sieht man hier maximal 20 Leute innerhalb einer halben Stunde. Ein sehr sehr eigenartiges Gefühl.

Immerhin – ich bin mal aus meiner Bude raus gekommen. Nach dieser Mini-Tour war ich wieder etwas entspannter und kann so hoffentlich die nächsten paar Tage zu Hause ertragen. Bis die Seuchenmaßnahmen wieder heruntergefahren werden, wird es ja vermutlich noch etwas dauern. :-(

Meine CO2 Bilanz im Vergleich

Das Umweltbundesamt bietet einen CO2 Rechner an, mit dem man ziemlich gut seine eigene CO2 Bilanz schätzen kann. Dabei werden die wesentlichen Daten zu Wohnung, Heizung, Stromverbrauch, Mobilität, Ernährung und sonstigem Konsum abgefragt.

Von diesem Angebot (https://uba.co2-rechner.de/de_DE) habe ich gleich mal Gebrauch gemacht. Der Deutsche Durchschnitt liegt momentan bei 11,61 Tonnen CO2 pro Jahr. Und siehe da – obwohl ich ein dickes Auto habe und Fleischesser bin, liege ich mit 9,22 Tonnen CO2/Jahr spürbar darunter.

Meine geschätzte CO2 Bilanz für 2019

Aber jetzt fängt der Spaß ja erst an. Das schöne an solchen Tools ist es, dass man verschiedene Szenarien vergleichen kann. Daher habe ich auch mal andere Jahre durchgerechnet, in denen ich anders gelebt habe als heute und verglichen. Dabei habe ich festgestellt, dass ich mit etwas auf- und ab in den letzten Jahren immer besser geworden – nämlich um ca. 57% seit 2000. Das klingt zunächst toll, ich kam allerdings von einem sehr hohen Niveau. Für das Jahr 2000 habe ich 21,56 Tonnen CO2 ausgerechnet. Laut Statista hat sich im selben Zeitraum die Pro Kopf Emission in Deutschland um 16,5% reduziert. Statista legt allerdings niedrigere absolute Zahlen als das Umweltbundesamt zu Grunde.

Meine geschätzte CO2 Bilanz für 2000

Erkenntnisse aus dem Vergleich 2000 und 2019

Lässt sich aus dem Vergleich meiner Werte für die unterschiedlichen Jahre irgendeine Erkenntnis gewinnen? Zunächst stellt sich die Frage, was 2000 so schlecht war. Im Wesentlichen sind es die folgenden Punkte:

  • Berufsbedingte Flüge. Damals bin ich als Berater fast jede Woche nach Zürich geflogen. Am Montagmorgen hin und am Donnerstagabend zurück.
  • Dazu kommen noch mal 15.000 Km mit dem Auto. Ich bin damals sehr gerne zum Entspannen am Wochenende nach Pommern aufs Land gefahren oder habe meine Familie. Das waren jeweils 300Km Strecke.
  • Ich habe in Berlin alleine gewohnt und hatte recht viel alte stromfressende Technik im Einsatz.

Im Gegensatz dazu habe ich mir 2019 nur einen Urlaubsflug nach Italien gegönnt. Mit dem Auto bin ich nur sehr wenig gefahren und kürzere Fahrten habe ich häufig mit dem verbrauchsgünstigeren Motorrad anstelle des Autos zurückgelegt oder habe die Öffentlichen genutzt.

Ein großer positiver Posten in der 2019er Bilanz ist auch, dass ich mir die Wohnung mit einer anderen Person teile und dennoch der Stromverbrauch um 42% geringer ist als 2000. Moderne Technik seit dank.

Nachtrag

Alles ist relativ. Zwar liegen mein CO2 Emissionen mit 9,2t etwas unter dem Schnitt in Deutschland und 40% unter dem Schnitt in den USA, aber immer noch doppelt so hoch wie im weltweiten Schnitt und ca. 4 mal so hoch, wie sie es maximal sein dürften, um den Klimawandel zu stoppen.

Da bleibt noch was zu tun.

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